Karen hat geschrieben:
Meine Tochter hat schon mehrere typischen und ein paar umstrittenen Merkmalen aber ich finde auch dass ein 20 Monaten altes "Glatzkopfbaby" die Tramnummer benennt fallt schon mehr auf als ein 2.5 jähriger Kind das auch Zahlen und Buchstaben benennen kann und in komplexen Sätzen redet aber dazu so viel Blödsinn macht dass sie eher anderes auffällt.
Da liegst du natürlich richtig. Ich kann mich noch gut erinnern wie den anderen Wartenden im Labor die Augen fast herausgefallen als mein Mini-Glatzkopferl mit Schnuller (genau 2 Jahre alt) die Titel der Zeitschriften im Wartezimmer korrekt buchstabiert hat.
Karen hat geschrieben:
Ich habe Gefühl auch dass sich alles weiter mehr relativieren wird, da sie auch langsam lernt an Umgebung sich anzupassen, wie ich jetzt auch in meinem Heimatland gesehen habe. Sie hat dort sehr wenig gesprochen obwohl sie die lokale Sprache versteht, aber nicht sprechen kann/will. Sie hat sofort gemerkt dass es nichts bringt Deutsch zu sprechen und hat eher die Zeichen und einzelne Wörter in Lokale Sprache verwendet mit anderen Kindern oder Erwachsenen. Mit uns hat sie dann normal gesprochen. Ich glaube so was passiert auch bei anderen Sachen (z.B. in Kita), aber wir merken es einfach gar nicht dass sie sich anpasst. Und wenn sie sich weiter anpasst, würde ich auch nicht wundern dass wir keinen grossen Unterschied zu anderen Kindern sehen werden.
Ich glaube auch dass Anpassung viel ausmacht. Als mein Sohn im Alter deiner Tochter war und man ihm nach seinem Alter fragte antwortete er mit seinen frühkindlichen Sprechfehlern "Noch bin ich zei Jahe alt, aber am hitten hitten werde ich dei jahe alt". Er wußte genau wie alt er war und wann er Geburtstag hatte. Wenn ihn heute, mit 5 Jahren und 8 Monaten wer nach seinem Alter fragt streckt er 5 Finger in die Luft weil er es von den anderen Kindern im Kindergarten so gesehen hat.
Den Unterschied zu andern Kindern merke ich hauptsächlich zu Hause. Erst gestern meinte er dass er sich von der Schnullerfee (die nun endlich auch den Nachtschnuller holen wird

) ein Buch wünscht, wo ALLES über den menschlichen Körper drin steht. Ich war etwas erstaunt weil wir mehrere Körper-Bücher haben. Eines ist ein sehr detailliertes, 150seitiges Schüler-Lexikon zum Thema "der Mensch". Dieses Buch hat sich unter anderem das Nachbarsmädchen als Vorbereitung für die Matura ausgeborgt. Ich meinte also dass wir schon ein Buch haben wo alles über den Körper drin steht, aber Sohnemann meinte, da würde eben NICHT alles drinstehen.
Auf meine Frage was denn fehlt kam prompt die Antwort "Da steht nicht drin wie das Hirn funktioniert und wie die Gedanken entstehen". Tja - was soll ich sagen - er hatte natürlich recht. Es war zwar eine Doppelseite über das Gehirn drin wo die verschiedenen Hirnareale namentlich benannt und deren Funktion beschrieben war, aber wie das Hirn wirklich FUNKTIONIERT stand natürlich nicht drin, weil die Forscher das selbst noch nicht so genau wissen.
Karen hat geschrieben:
Um alles mal zusammenzufassen: mir hat sehr geholfen zu vermuten das unsere Tochter hochbegabt sein kann und darüber mich zu informieren. Ich finde das ist ein grösserer Schritt als genauer IQ zu wissen. Aber ich kann mir momentan nicht vorstellen dass es schaden kann genaue Bestätigung zu haben. Und wenn es nicht schadet ist doch egal wenn es nichts bringt. Vielleicht bringt es doch was, und dann hat es gelohnt zu testen.
Ich würde es ähnlich sehen, würden mir nicht so häufig Vorurteile über hochbegabte Kinder (und auch Erwachsene) begegnen. Wenn ich als Mutter mein Kind ohne diese Vorurteile sehen kann dann kann ein IQ-Test wirklich nicht schaden. Aber ich höre und lese immer wieder dass Hochbegabung als Erklärung für Verhaltensweisen herhalten muss, die Eltern nicht verstehen. Da frage ich mich dann schon warum man einem Kind mit IQ 130+ ein Verhalten zugesteht welches man einem Kind mit IQ 110 nicht erlauben würde - oder auch umgekehrt!
Karen hat geschrieben:
Ich probiere oft in meinem Leben Dinge aus nur um zu schauen ob sie irgendwo führen, und oft ergeben sich dann interessante Gespräche, Bekanntschaften, Möglichkeiten und plötzlich bin ich doch weiter als ich mir das im Voraus vorstellen konnte. Wenn nicht, ist das einfach verlorene Zeit, aber wir verlieren Zeit auch für andere unnötige dinge. Die Frage ist dann für mich, was bringt es nicht zu testen?
Naja, wenn kein ausdrücklicher Anlass vorliegt (z.B. es von der Schule oder vom Arzt verlangt wird) kostet testen erst mal Geld. Da bringt nicht-testen natürlich dass ich das Geld für andere Dinge sparen kann. Ein IQ-Test für Kinder kostet je nach Verfahren und Aufwand zwischen Euro 100,- und Euro 500,- . Für dieses Geld kann ich meinem Sohn ganz viele andere Sachen ermöglichen, wie z.B. Kurse im Kindergarten oder eine kleine Reise.
Wenn ein seriöser, guter Test nichts kosten würde hätte ich aber sehr wahrscheinlich schon einen machen lassen, ebenso wenn ich mir irgendwelche Vorteile von einem Testergebnis erwarten könnte, z.B. wenn mein Sohn dann eher einen Platz in meiner Wunschschule bekommen würde.
Ich sehe es wie du dass ich gerne Dinge ausprobiere, aber nicht alles, was man ausprobieren KANN auch ausprobieren will und mir vor allem nicht alles das, was es kostet, wert ist. Ich habe z.B. keine Angst vom Bungee-Jumping, aber meine Sparsamkeit ist größer als das Bedürfnis das mal auszubrobieren. Denn ich will nicht Euro 70,- oder mehr für eine knappe Minute Kick (wenn es denn einer sein sollte) zahlen. Da kaufe ich mir lieber 7 gute Taschenbücher

. Genauso geht es mir mit Feuerlauf-Seminaren oder Nordkap-Reisen. Ich würde es zwar gerne einmal ausprobieren, glaube aber nicht, dass es mir so viel bringt wie es mich kostet.
Daher stellt sich für mich die umgekehrte Frage: erwarte ich mir von dem Test so viel "Aufklärung" dass es mir die Kosten wert ist? Verstehe ich mein Kind wirklich so viel besser wenn ich seinen IQ-Wert kenne? Oder suche ich eigentlich etwas, was VOR ANDEREN für das anders-sein meines Kinder als Erklärung herhalten muss? Warum glaube ich, für alles eine Erklärung oder Rechtfertigung parat haben zu müssen, was ANDERE von meinem Kind nicht verstehen?
Wer meinen Sohn mag wird ihn ohne Erklärung seiner Verhaltensweisen (und Auffälligkeiten) mögen, wer ihn nicht mag wird ihn auch nicht mögen nur weil er einen IQ von 140 (angenommen) hat. Und wenn ihn wer bisher nur gemocht hat weil er GEGLAUBT hat er wäre hochbegabt, tatsächlich bringt der Test aber ein Ergebnis von 107 - auf die Sympathie dieser Personen kann er gerne verzichten.
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Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)