jennifer hat geschrieben:Hallo zusammen,
Nun zu meinen Fragen.
- Was bedeutet es, wenn ein Kind eine relativ geringe Verarbeitungsgeschwindigkeit hat und kein Konzentrationsprobleme? Ist das womöglich doch ADS oder ein anderes Krankheitsbild? Ist der BUEVA-Test aussagekräftig?
- Wie können wir mit ihm üben, dass er schneller wird? Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass er durch seine gute Intelligenz die Langsamkeit ganz gut kompensieren kann, aber womöglich bekommt er in den nächsten Klassenstufen Probleme. Außerdem finde ich es schade, dass er oft durch die Langsamkeit nicht als guter Schüler wahrgenommen wird. Die Klassenarbeiten spreche eine andere Sprache, aber beispielsweise benötigt er für die einfachen Aufgaben viel Zeit, und kommt so nie zu den Sternchenaufgaben, obwohl er die viel besser/lieber bearbeiten würde.
- Ist der IQ-Wert aus dem BUEVA-Test aussagekräftig? Warum ist die Diskrepanz zwischen BUEVA-IQ und WISC-IQ so groß? Die Werte unterscheiden sich quasi um 30 IQ-Punkte im Gesamt-IQ. Im Verbalen Teil sogar um 60 IQ Punkte.
Hi,
mein Sohn (jetz 7, 1. Klasse) hat auch ein extrem heterogenes Intelligenzprofil. Sprich: Sprachliches Verständnis- Testdecke erreicht, also weit überdurchschnittlich /fluides Schlussfolgern: überdurchschnittlich/logisches Wahrnhemen: überdurchschnittlich, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigket: VG unterer Durchschnitt, AG leicht drüber, aber nicht überdurchschnittlich. Im Gesamt-IQ liegt er ganz knapp unter 130.
Was die dennoch ganz gute Konzentration angeht, ein Beispiel aus meinem Leben: Es ist uuuunheimlich schwierig für mich jemandem zuzuhören, der etwas erzählt, was ich schon weiß. Aus Höflichkeit höre ich aber dennoch zu, auch aufmerksam. Es kostet mich aber sehr viel Energie am Ball zu bleiben

.
Wenn ich also Dinge tue (wie beispielsweise in der Schule), die ich superlangweilig finde, weil ich sie schlicht zu leicht finde oder kann, dann kann es passieren, dass mich das konzentrieren darauf so viel Kraft kostet, dass ich seeeeeehr langsam werde

oder eben doch irgendwann abschalte. Ich schaffe es zwar gut, mich zu konzentrieren (zumindest eine Zeit lang), aber es kostet viel Energie. So ist und war es bei mir.
Was will ich damit sagen: ich habe zwei Theorien bei deinem Sohn:
1. er ist ähnlich gestrickt wie vermutlich mein Sohn, sprich: (vermutlich) hochbegabt, hat aber tatsächlich sehr wohl ein Konzentrationsproblem, managed dies aber sehr gut mit seiner sehr guten Intelligenz, was dazu führt, dass die Verarbeitungsgeschwindigkeit immer noch "normal" ist, obwohl es im Vergleich zum Rest eben überhaupt normal ist, weil viel niedriger als die restlichen Fähigkeiten. Sprich: die Hochbegabung "verdeckt" das Konzentrationsproblem, das Konzentrationsproblem zieht den IQ-Wert runter, so dass beides "unerkannt" bleibt, da sich beide Phänomene gegenseitig kompensieren. Bei meinem Sohn vermute ich übrigens ADHS, das muss aber bei deinem Sohn absolut nicht so sein! Bei deinem Sohn ist die Diskrepanz ja nicht so hoch und wahrscheinlich nicht pathologisch. Mein Sohn wurde zweimal getestet, beide Male fiel die Verarbeitungsgeschwindigkeit SEHR deutlich vom Rest ab (VG-Wert und höchster Wert liegen 50 IQPunkte auseinander). Fazit beider Tester: der hat kein Konzentrationsproblem, er kann sich dafür ZU gut konzentrieren. Vermutlich haben die Probleme mit der Feinmotorik zu dem "schlechten" (sprich durchschnittlichen) Ergebnis geführt und der Fakt, dass er nicht gut unter Zeitdruck arbeitet. Wie formulierte es eine Erzieherin aus dem Kindergarten: "für Aufgaben, die XXX keinen Spaß machen, lässt er sich gern Zeit

".
Mein Sohn ist auch bei den leichten Schul-Aufgaben leider oft extrem langsam und kommt so zu den Zusatzaufgaben nicht. Die Lehrerinnen haben aber durchaus schon bemerkt, dass er bei schweren Aufgaben "aufblüht" und zwar in alle Richtungen: Motivation, Geschwindigkeit, Fehlerquote, Schriftbild. ABER: er muss halt erstmal durch den langweiligen Kram durch und das packt er oft einfach nicht "schnell" genug, weil hier die Konzentration massiv leidet.
Mein Fazit nach viel lesen, recherchieren und austauschen über dieses Thema: Bei einer Diskrepanz von 50 IQ-Punkten zwischen VG und dem Rest stimmt was mit der Wahrnehmung des Kindes nicht. Punkt. Leider waren die beiden Experten nicht dieser Meinung, obwohl in den offiziellen Empfehlungen des Wisc auch steht, bei zu hoher Diskrepanz zwischen den Teilbereichen müsse man nachtesten oder nach einer Ursache dafür schauen und der Gesamt-IQ sollte nicht ausgerechnet werden. Der AIF (allgemeiner Fähigkeitsindex), der in solchen Fällen eher zu Rate gezogen werden sollte, liegt bei meinem Sohn übrigens über der HB-Grenze.Somit haben wir weiterhin Probleme mit dem Sohn und kommen hier nicht so wirklich weiter. Wir haben ebenfalls Ergo empfohlen bekommen und wir machen das auf jeden Fall, eine 3. Meinung kann auf keinen Fall schaden.
2. Er hat kein Konzentrationsproblem sondern ist schlicht kognitiv stark unterfordert und dadurch wird er sehr langsam. Bei Tests, die auf Zeit gehen, zieht das natürlich erheblich den Wert runter.
Was diesen Konzentrationstest angeht, kann ich nichts effektives beitragen. Ich kenne diesen Test nicht.
Gruß
Meine3
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.