Twins123 hat geschrieben:@meine3
Du schreibst, Dein Sohn sei faul... das war und ist auch bei unserem so. Wir hatten uns in der 1. Klasse (als unser Sohn jegliche Mitarbeit in der Schule einstellte und nur noch die Klassenarbeiten ausfüllte) ebenfalls eine alternative Schule angeschaut, wo jedes Kind anhand vohandenem Materials auf seinem Niveau und in seinem individuellen Tempo lernen konnte. Das klang super... aber wir hatten uns dennoch für den Sprung in der alten Schule entschieden. Hier zeigte sich in den folgenden Schuljahren, dass das selbständige Durcharbeiten von "Papierbergen' nicht so das Seine war, er war zu faul dazu und tat nur das absolut Nötigste. Wozu Blätter ausfüllen, wo die LSG doch so simpel war etc., insofern saß er träumend davor.
Ich fürchte, er wäre an der alternativen Schule total gescheitert, dort wäre nämlich Eigenmotivation nötig gewesen.
Was den Sprung angeht, das Nachlernen war bis auf die Schreibschrift gar nicht nötig, er füllte seine Lücken anscheinend im Unterricht..., da war er motiviert und wollte mit den anderen Kindern mithalten.
Hallo Twins123,
"faul" ist vielleicht nicht das richtige Wort. Wie bei vielen anderen klugen Kindern, wie ich hier feststellen musste

, erschließt sich ihm der Sinn sich wiederholender Aufgaben nicht. So kommt es, dass alles, was er schon kennt und seiner Meinung nach ausreichend beherrscht, sehr unkonzentriert und mit großer Unlust "abgearbeitet

wird. Ein gutes Beispiel ist hier das Buchstaben lernen. Er kennt alle Buchstaben (groß und klein) und kann schreiben und lesen. Vor Schulbeginn hatte er das Prinzip des Lesens bereits verstanden und konnte lesen, sofern die Buchstaben ihm bekannt waren, allerdings kannte er eben noch nicht alle Buchstaben, da er bis dahin noch keine Energie darauf verschwendet hatte, alle zu lernen. Und da wir keine "Eislaufeltern" sind, haben wir auch nicht die Notwendigkeit gesehen, ihn da zu motivieren.
Nach 2 Wochen in der Schule kannte er alle, auch Buchstabenkombinationen (in Wort und Schrift) und konnte sein Wissen anwenden. Dafür war ihn das Thema "schreiben und lesen" quasi abgehakt

. Dass, um müheloser schreiben zu lernen, eine gewisse Übung von Nöten ist, will er nicht einsehen. Er schreibt gern, aber es bereitet ihm Mühe und so kommt es hier oft zu Frust, da dies ihm halt nicht so leicht von der Hand geht wie das lesen. Das hat sich auch im Intelligenztest sehr klar gezeigt, da er, laut Tester bei der VG so "abfiel", weil die Feinmotorik nicht mit dem schnellen Kopf mitkommt.
Zu Hause schreibt er grade eine Pro und Contra Liste zusammen (was spricht seiner Meinung nach für den Schulwechsel, was dagegen), da schreibt er plötzlich von sich aus mit hoher Motivation den ganzen Nachmittag

. Er sieht darin einen Bezug zur Realität, einen echten Nutzen. Er benötigt also immer einen Bezug zur Realität, eine Sinnhaftigkeit hinter dem was er tut. Aufgaben, die ihm "von außen" auferlegt werden, sind...sagen wir mal...schwierig.
Lesen tut er wirklich viel, allerdings nicht das was er "soll". Die Lesefibel hat er wohl durch, obwohl ausdrücklich gesagt wurde, wir sollen das Kind nicht "vor"lesen lassen, aber das hat er offensichtlich in der Unterrichtszeit gemacht

. Erstleserbücher langweilen ihn leider inhaltlich, obwohl diese aufgrund der großen Schrift natürlich besser wären. Er liest grade in jeder freien Minute Comics, das ist so sein Spezialinteresse grade.
Soll er einfach nur so etwas lernen, weil es die Lehrerin sagt oder es gewünscht ist, so stellt er sich oft stur, auch wenn es aus pädagogischer oder elterlicher Sicht sehr wohl Sinn macht (wie zum Beispiel 2stellige Zahlen lesen lernen

, da reicht es ihm, dass er das im Kopf rechnen kann, es reicht aber nicht, um in die 2. Klasse aufzusteigen in Mathematik!). Da er nun weiß, dass er vielleicht in die 2. Klasse springen darf/kann, hat er nun auch Motivation die (höheren) 2stelligen Zahlen richtig lesen und schreiben zu können und hat allein gestern nachmittag hier große Fortschritte gemacht (von sich aus, ohne Anleitung oder Drängen unsererseits).
Es ist also für mich nicht so klar, ob er nach ein paar Wochen in der 2. Klasse (ob nun fachweise oder ganz) nicht wieder das selbe "Motivationsproblem" hätte

, da die Anreize sich anzustrengen fehlen (Lob, Rückmeldung und Anerkennung erhalten kluge Schüler erfahrungsgemäß ja auch viel seltener als die schwachen Schüler, obwohl sie dies genau so brauchen, um motiviert zu bleiben und in der 2. Klasse wäre er ja erstmal einer der schwächeren. Ich kann hier nicht abschätzen ob ihn das motiviert oder eher demotiviert)...
Wenn er allerdings sich selbst strukturieren MUSS, um zu einem bestimmten Ziel zu kommen oder etwas bestimmtes machen zu dürfen, was ihn sehr reizt, so denke ich, dass dies eher dazu führt, dass er "die Pobacken zusammenkneift" und auch die Dinge tut, die er persönlich als sinnfrei erachtet. Einfach mehr von den selben Aufgaben, eventuell ein wenig schwerer (wie es bisher in Mathe oder Deutsch ist), das motiviert ihn nicht ausreichend.
Die Grundschule mit klassenübergreifendem System hat eine Struktur, die den Schülern ermöglicht, innerhalb eines gewissen Rahmens, relativ frei zu wählen, wann sie was lernen. ALLERDINGS müssen sie neben den frei zu wählenden Projekten und Aufgaben natürlich auch "Pflichtaufgaben" lösen, haben hier aber eine Liste, wo sie ihre Lernziele beobachten, kontrollieren und festhalten müssen und dies wird natürlich auch von den Lehrern überprüft. Möchte er zum Beispiel ein Projekt zum Sonnensystem starten, muss er vorher beispielsweise eine Seite im Arbeitsheft lösen (oder danach, es ist eine gewisse Zeitspanne dafür festgelegt. Ich glaube die Lernziele sind immer für eine Woche ausgelegt). Ich kann mir gut vorstellen, dass er anfangs die unliebsamen Aufgaben bis zum Schluss aufschieben wird, aber hier sehe ich die Chance, ihm zu verklickern, dass es Sinn ergibt, diese "schnell" zu erledigen, um sich dann dem spannenden Teil widmen zu können. Für dieses Argument ist er zu Hause mittlerweile relativ gut zugänglich, wenn es um die unliebsamen Mathehausaufgaben geht und ich ihm in Aussicht stelle, was danach gemacht werden kann.
Vor allem müsste er aber nicht gefühlt 100 Mal das gleiche machen, wenn durch das Protokoll ersichtlich ist, dass er den Pflichtteil beherrscht. In der jetzigen Schule hat die Lehrerin nach 1-2 Wochen gemerkt, dass er um einiges weiter ist als er es sein muss, dennoch MUSSTE er jede einzelne Mengenkringel-Aufgabe lösen, bis zum erbrechen. Das würde wegfallen und wäre für ihn, glaube ich, die größte Erleichterung.
Was das mitarbeiten im Unterricht angeht: Es ist ihm herzlich egal, dass alle anderen mehr Leseperlen haben oder ihre Fleißarbeiten immer haben

... Auch hier fehlt ihm der nötige Anreiz. Anfangs hat das mit den Stempeln (Fleißarbeit) oder Tattoobildchen (die sie für die Lesebildchen bekommen) noch "gezogen", mittlerweile ist ihm das schnurz.