Momo hat geschrieben:Hallo Rabaukenmama,
hast Du nicht mal geschrieben, dass Du das Loben an sich auch kritisch siehst?
Nien, ich habe über ein Buch ("Aufgewachsen im Vertrauen") geschrieben, wo diese Ansicht vertreten wird.
Momo hat geschrieben:
Natürlich lobe ich mein Kind auch, aber einfach, weil ich es ehrlich meine und mich wirklich freue. Nicht, weil ich etwas damit bezwecken möchte. Das Lob soll für mich also keine versteckte Konditionierung sein.
Bei wem sollte es das deiner Ansicht nach sein?
Momo hat geschrieben:
Die Folge wäre, dass meine Tochter mich eines Tages fragen würde "Mama, ist das Bild nicht schön?" Und nicht einfach aus Freude am Malen ein Bild kreiert hat, ohne Wertung, ohne Zensur. Sobald das Lob als Bewertung eingesetzt wird, geht es nicht mehr um die Sache an sich, sondern um "gut" oder "schlecht" und das zerstört sehr viele freie Entfaltungsmöglichkeiten. Vielleicht mag das Kind irgendwann nicht mehr malen, weil es nicht gut genug ist.
Ist es nicht auch eine Form von Manipulation auf Lob oder Kritik zu verzichten weil man damit verhindern will dass das Kind "vielleicht irgendwann nicht mehr malen mag, weil es nicht gut genug ist"?
Abgesehen davon "funktioneren" nicht alle Kinder (und Erwachsenen) nach demselben Prinzip. Es gibt Menschen, denen Lob und Kritik sehr wichtig sind, anderen ist es mehr oder weniger egal, wie ihre Mitmenschen ihre Leistungen betrachten. Manche sind durch Lob angespornt, andere durch Kritik.
Momo hat geschrieben:
Was kommt beim Kind an? Eine Anerkennung, ein Gesehen sein, keine Wertung. Ich weiß, es ist verdammt schwer und so oft ertappe ich mich dabei, wie ich wieder mal überschwänglich lobe. Doch im Grunde sind sowohl Lob als auch Kritik eine Bewertung, die den eigentlichen kreativen, freiwilligen und freudigen Prozess eines Kindes (sei es das Bildermalen, Klettergerüst erklimmen etc.) zerstören. Dem Kind wird es irgendwann nicht mehr um den Prozess gehen sondern um die Bewertung. Versteht ihr, was ich meine?
Ich finde überhaupt nichts schlimmes daran, überschwänglich zu loben, wenn es ehrlich gemeint ist. Aber dann darf ich auch ernsthaft kritisieren. Kinder sind ja mit Kritk auch nicht gerade zimperlich ("Mama, das Essen schmeckt ganz grauslich!") und wer austeilt muss auch einstecken können. Dabei meine ich das nicht boshaft (ich käme z.B. nie auf die Idee, ein Bild von meinem Sohn zu kritisieren) sondern genauso ehrlich wie das Lob. Meine Kritik ist z.B. "Mich ärgert ganz gewaltig wenn die in der Früh immer so rumtrödelst obwohl du weißt, dass ich rechtzeitig in meiner Arbeit sein muß!"
Klar sind Lob und Kritik Formen von Bewertung, aber ist Bewertung denn grundsätzlich schlecht? Ich will auch ehrliches Feedback ob ich etwas gut oder weniger gut gemacht habe. Warum soll ich das meinem Kind, wenn es danach fragt, verweigern, oder ausweichende Antworten geben? In der Schule wird auch beurteilt, und sogar bei rein verbaler Beurteilung wird es kaum ein Zeugnis geben, wo AUSSCHLIESSLICH positive Sachen drinstehen.
Bei vielen Sportarten gibt es Wettkäpfe, wo nicht jeder Sieger sein kann und da zeigt sich schnell, dass eben nicht jeder alles immer "sehr gut" machen kann. Bei Marathon-Läufen sind immer zig-Tausende Hobbyläufer dabei, die genau wissen, dass sie nie auch nur annähernd an die Zeit des Siegers herankommen werden. Es wird in fast allen Disziplinen (egal ob Wissen, Sport oder Musik) irgend jemanden geben, der "besser" ist - und da finde ich es mMn durchaus natürlich, das auch Kindern zu vermitteln.
Aber der Umgang mit ehrlicher Kritik ist in der heutigen Zeit schwierig geworden. Das zeigen auch die hier immer wiederkehrenden Beiträge von Eltern, deren Kinder beim IQ-Test kleinere oder größere Schwächen auf irgendeinem Gebiet zeigen. Da ist kein Selbstverständnis mehr dabei, nach dem Motto "Gut, nicht jeder kann ALLES super können...) sondern es wird häufig als Kritik an der Person der Kindes oder als Auftrag an die Eltern aufgefasst, diese Schwäche doch bald zu beheben.