Sine hat geschrieben:Heiner, wir haben mit der Kirche auch nichts am Hut. Wenn man bedenkt, daß es vor dem christlichen Weihnachten, ein anderes Weihnachten gab (Julfest), ebenso für Ostern (Ostara) und auch einige andere Feste im Jahreskreis, so finde ich euren Umgang damit sehr interessant.
Hallo Sine,
für uns ist das auch ein Kompromiss, denn meine Frau und ich haben in den 15 Jahren vor der Geburt unserer Tochter gar kein Weihnachten gefeiert. Bei uns war immer die Weihnachtsfreie-Rescue-Zone. Am Heiligabend hat sich daraus so eine Art Tradition entwickelt, so ab 22-23 Uhr trudelten die ersten, maximal gestressten Freunde/innen bei uns ein und läuteten bei einem Kaffee, oder Bier, den zwanglosen Teil der freien Tage ein, hier gab es zudem eine Disko, die eher auf Rockmusik ausgerichtet war und die jedes Jahr Heiligabend um Punkt 00:00 Uhr für alle Gestressten die Türen öffnete.
Aber wie macht man es mit einem Kind, das ja in einer Gesellschaft aufwächst, in der das Weihnachtsfest und auch zunehmend das Osterfest einen hohen Stellenwert einnimmt? Kinder sind in Deutschland durch die Familie, den Kindergarten oder die Schule im Schnitt 2 Monate des Jahres damit beschäftigt, sich auf diese Feste vorzubereiten, überall wird gebastelt und gebacken und gekauft was das Zeug hält und alle sind im Stress und bei den Discountern liegen schon Ende August Weihnachtsmänner in der Auslage.
Da wir, anders als z.B. Moslems, keinen anderen Glauben vorschieben können und auch nicht wollen und auch nicht (was einige andere Eltern hier machen) uns einen Ersatz, wie die germanische Mythologie, oder fernöstliche Zeremonien antun möchten, nur um uns von den christlichen Festen für andere Kindern und deren Eltern nachvollziehbar zu distanzieren, haben wir uns das wertfreie und klar kindorientierte Feenfest zu Weihnachten und zu Ostern das Frühlingsfest ausgedacht. Wertfrei und kindorientiert deshalb, weil dieses es später unserer Tochter ermöglicht sich davon zu lösen, wenn sie das nicht mehr gut findet, oder ihr es zu 'babyhaft' ist (babyhaft ist derzeit das Thema, 'babyhaft geht ja gar nicht').
Der Sinn des Ganzen ist dabei aber vor allem sie nicht gegenüber anderen Kindern zu benachteiligen, also dass sie an allen Aktivitäten mit den anderen Kindern rund um Weihnachten teilnehmen kann, ohne sich rechtfertigen zu müssen und das sie selbst auch ein Fest hat, Geschenke bekommt und eine positive Zeit verbringt, damit sie eine auch zeitlich ähnliche Erlebniswelt hat wie ihre Freundinnen und ihr Freund und bei allem mitreden kann und nicht zurücksteht, im Gegenteil, sogar noch etwas Besonders zu berichten hat.
Das kommt bei allen wirklich sehr gut an und es gibt nur positive Reaktionen und auch für uns hier zu Hause ist das alles völlig stressfrei.
Sine hat geschrieben:Sohnemann sah jetzt die Tage, Sendung mit der Maus, wo es um Leben und Tod ging. Nun erzählt er immer wieder "Man kann nicht im Himmel wohnen, es gibt keine Geister", und ähnliches. Ob er jetzt verstanden hat, worum es eigentlich geht? Oder ob er da wieder mit seiner Logik rangeht, im Sinne von: Wolken sind weich, kann man nicht drauf sitzen, Tunnel sind in der Erde, nicht im Himmel, usw.? Mal sehen, ob ich das rausfinde.
Diese Sendung habe ich mir vorher alleine angeschaut und beschlossen, dass ich bei dem Thema die Deutungshoheit erstmal behalte. Ich kann mich noch erinnern, da war ich um die 5 Jahre und ich fand auf dem Schrank liegend das Testament meiner Großeltern und ich fragte, was das sei und wozu das ist und es wurde mir leider nicht kindgerecht erzählt. Mir war intellektuell schlagartig die Endgültigkeit des Todes bewusst und mit diesem Testament war auch klar, dass es um meine Großeltern und deren endgültiges Ableben ging und es keine Hoffnung gab, dass dieses nicht passieren wird und dass auch meine Eltern und letztlich ich auch sterben werde... ich konnte das zwar im Kopf erfassen und inhaltlich verarbeiten, aber ich habe 1 Stunde geschrieen und geweint wie am Spieß und habe ein halbes Jahr lang kaum geschlafen und Horroralbträume gehabt und bin lange nicht damit klar gekommen. Das bei der Maus ist gut gemacht und gut erklärt, aber es ist erstens nicht meine Sicht der Dinge auf den Tod, zweitens bin ich der Meinung es gibt eine bessere Zeit, sich dem Thema zu nähern, nämlich dann, wenn Kinder nicht nur intellektuell in der Lage sind die Information zu erfassen, sondern auch emotional in der Lage sind die Information zu verarbeiten. Wir schweigen hier den Tod nicht tot

, aber unsere derzeitige Darstellung des ganzen Sachverhalts, des Lebens, der Vergänglichkeit des Körpers und das Wesen der Seele hat in der Kommunikation keinerlei Endgültigkeit, sondern ist etwas Lebendiges, dass es seit Anbeginn der Zeit und vielleicht sogar davor schon gegeben hat, also wir nutzen die Möglichkeiten der philophischen und naturwissenschaftlichen Betrachtungsweisen soweit wie möglich aus, was mir wichtig ist, denn damit bleiben wir bei der Wahrheit (denn keiner weiß wirklich was dort passiert) und können frei darüber sprechen.
Liebe Grüße
Heiner