intrinsische Motivation

besondere Fähigkeiten: ist das schon ein Zeichen für Hochbegabung?

intrinsische Motivation

Beitragvon Christina » Sa 16. Dez 2017, 00:14

Hallo liebe Leser,
bei der Recherche zum Thema intrinsische Motivation von Kindern bin ich auf diese Seite aufmerksam geworden. Mich interessiert dieses Thematik, da mein 5-jähriger Sohn, seit er Laufen kann, unermüdlich tätig ist. Zwischen seinen Beschäftigungen gibt es im Prinzip keine Leertaste. Er ist dabei sehr ausdauernd und unterbricht seine Tätigkeit nur ungern. Er ist gefrustet, wenn er gestört wird oder die Dinge nicht so funktionieren wie er es sich vorgestellt hat.Er perfektioniert seine Ideen teilweise über Monate und erfindet je nach Kontext mögliche Probleme und feilt an Lösungsansätzen.Das klingt irgendwie witzig, ist aber wirklich anstrengend, da er sehr fordernd agiert um seine Ziele zu erreichen. Die Erzieher empfinden ihn als Herausforderung, weil er seinen eigenen Kopf hat und seinen Standpunkt sehr selbstbewusst vertritt. So werden z.B.Vorschriften nicht ohne Weiteres befolgt, wenn dadurch eine keimende Idee zerstört oder eine Tätigkeit unterbrochen werden müsste. Mal gepflegt auf dem Sofa langweilen kann er nicht. Sein innerer Motor läuft von früh bis spät auf Hochtouren. In diesem Forum lese ich des Öfteren, dass frühes Sprechen,Rechnen und Schreiben Indikatoren für eine hohe Intelligenz sind. Das trifft bei ihm nicht zu. Hat hier noch jemand so ein motiviertes Kind? Falls ja, wie unterstützt ihr euer Kind damit es mal Ruhepausen einlegt und wie kommt es ggf. in der Schule zurecht?LG
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Re: intrinsische Motivation

Beitragvon Koschka » Sa 16. Dez 2017, 04:33

Hallo,

es gibt Kinder, die einen stärkeren Willen haben. Man kann Kinder im allgemein eher schlecht steuern, aber solche Kinder insbesonderem erst recht nicht. Wenn seine Tätigkeit positiv ist, ist Kooperation auf dem Basis von Verständnis und Vertrauen, der einzige Weg des Friedens. Alle restrektiven Maßnahmen würden eher richtung Krieg führen. Wenn die Tätigkeiten deines Kindes konstruktiv sind, und als die Sache an sich keinen richtig stören oder ärgern (damit meine ich, dass er nicht so was wie Ärgern der älteren Schwester oder Zerschneiden von Gardinen perfektioniert) lässt ihn gewähren, unterstützt ihn in seinen Projekten, bietet Matherial und Anreize. Bevor ihr euch irgendwelche waage Sorgen über die Schule macht, lasst ihn einfach dorthin gehen. Sollten Probleme kommen, dann werdet ihr sie lösen. Falls ihr eine Möglichkeit habt, eine bessere Schule, oder eine verständnisvollere Lehrerin zu finden, macht das! Mehr kann man diesbezüglich nicht machen. Zu der Erziehung von willenstarkten Kindern, die nicht zu Negativismus und/oder Protestverhalten tendieren, würden viele Ratschläge von Jesper Juul vermutlich gut passen.

LG
Koschka

PS nicht alle Hochbegabte lesen und rechnen gern in der früheren Kindheit. Einige lernen lesen mit 2 Jahren, andere dagegen erst in der Schule.
Koschka
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Re: intrinsische Motivation

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 16. Dez 2017, 10:21

Koschkas Antwort spricht mir aus der Seele!

@Christine: Ich bin übrigens so ähnlich "gestrickt" wie dein Sohn. Ich kann auch nicht auf dem Sofa abhängen und laufe immer auf Hochtouren - und das mittlerweile schon 46 Jahre lang :mrgreen: . Ich habe übrigens einen getesteten IQ von 143 und habe lesen und schreiben erst in der Schule gelernt.

Mein älterer Sohn dagegen (7 Jahre, nicht getestet) konnte mit 2 Jahren alle Buchstaben erkennen und benennen, mit 3 Jahren und 9 Monaten nach Gehör schreiben und mit 4 1/2 Jahren sinnerfassend lesen. Auch mein jüngerer Sohn (5Jahre, IQ 101) ist in mancher Hinsicht sehr klug - und das trotz seiner Behinderungen (er ist gehörlos und autistisch). Der konnte z.B. schon mit 3 1/2 Jahren aus dem Gedächtnis etliche Wörter schreiben und hatte mit 4 Jahren einen echten Zahlenbegriff von mindestens 1000.

Vom Wesen her sind meine Jungs sehr unterschiedlich. Mein älterer Sohn hat immer wieder vor allem mit Gleichaltrigen Schwierigkeiten, obwohl er eigentlich Anschluss sucht. Mittlerweile wurde bei ihm atypischer Autismus diagnostiziert, was einiger zumindest plausibler macht. Er hat außerdem eine sehr niedrige Frustrationsschwelle und gibt schnell auf, wenn etwas nicht gleich gelingt. Fertigkeiten, wo er NICHT der Überflieger ist, frustrieren ihn, und oft versucht er es gar nicht erst. Auch warten (z.B. bis man trampolinspringen darf) ist für meinen älterern Sohn immer mit sehr viel Frust und "Das ist ungerecht!" verbunden. In der Schule geht es ihm im großen und ganzen gut. Wir hatten aber auch Glück mit den Lehrerinnen ;) .

Mein jüngerer Sohn hat keinerlei Interesse an Kontakt mit anderen Kindern. Er respektiert sie, aber das war´s dann schon. Im gegensatz zum Bruder ist er (ähnlich deinem Sohn) sehr konseqent und ausdauernd, was die eigenen Interessen betrifft. Warten ist für ihn kein Problem und wenn er etwas schaffen will, was er nicht gleich kann, dann übt er einfach so lange, bis er es hat. Schule wird schwierig werden, die Kombi gehörlos und autistisch eine "normale" Beschulung leider unmöglich macht. Aber da kratze ich mich erst, wenn´s juckt. Wenn ich jetzt schon versuchen würden, alle möglichen Schwierigkeiten vorherzusehen, würde es niemanden helfen und ich würde vermutlich wuggy werden.

Als praktischen Tipp im Umgang mit deinem Sohn kann ich Dir z.B. zu einem Time-Timer (einfach googeln)raten. Wenn dein Sohn mal wieder seine Konzentration bei einer bestimmten Sache hat, du aber weißt, dass ihr z.B. in 15 Minuten das Haus verlassen müsst, kann er sich so leichter darauf einstellen. Am Time-timer sieht man die Zeit ja auch optisch und bei meinen Jungs entspannt des schon-vorher-wissen etliche Situationen (obwohl sie mittlerweile beide die Uhr lesen können).
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: intrinsische Motivation

Beitragvon Christina » Sa 23. Dez 2017, 23:13

Lieben Dank erst einmal für eure Zeilen. Ein willensstarkes Kind ist er, ohne Zweifel. Das führte gerade im Alter zwischen 2 und 4 Jahren zu häufigen Konflikten zu Hause und in der Kita. Mitlerweile ist er um Meilensteine kooperativer geworden. Ich hab oft an meiner Erziehungskompetenz gezweifelt, eben weil er kaum "steuerbar" ist . Die gut gemeinten Ratschläge anderer, wie z.B. "du musst hart durchgreifen" haben bei ihm überhaupt nicht gefruchtet.Im Gegenteil vergifteten sie ein respektvolles Miteinander in der Familie.Es war ein langer Lernprozess der durch Verunsicherung, Tränen und Aha-Effekten geprägt war.Deine Zeilen Koschka sind daher Balsam für meine Seele und treffen ohne weitere Ergänzungen vollkommen zu.
Ich bin gespannt, wie er sich weiter entwickeln wird. Viele Anregungen und Materialien bekommt er zu hause.
@Rabaukenmama: Den Time-Timer bringt das Christkind. Vielen Dank für deinen Tip und deine Worte.
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Re: intrinsische Motivation

Beitragvon unwissende-neu » Mo 29. Jan 2018, 10:41

Als praktischen Tipp im Umgang mit deinem Sohn kann ich Dir z.B. zu einem Time-Timer (einfach googeln)raten. Wenn dein Sohn mal wieder seine Konzentration bei einer bestimmten Sache hat, du aber weißt, dass ihr z.B. in 15 Minuten das Haus verlassen müsst, kann er sich so leichter darauf einstellen. Am Time-timer sieht man die Zeit ja auch optisch und bei meinen Jungs entspannt des schon-vorher-wissen etliche Situationen (obwohl sie mittlerweile beide die Uhr lesen können).


Ja, wir haben auch mehrere davon ( ich kannte den Begriff gar nicht, ich nannte es einfach Eieruhr, wobei es genau dieses Teil ist ;) )
Helfen in allen Situationen ( Aufräumen, Wegfahren, Konzentrationsphasen, Badewanne,...) es bewirkt keine Wunder, aber es hilft bei der Konsequent ;)
unwissende-neu
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