Fördern ? Beraten lassen ? oder abwarten ?

besondere Fähigkeiten: ist das schon ein Zeichen für Hochbegabung?

Fördern ? Beraten lassen ? oder abwarten ?

Beitragvon boerdy » Do 15. Nov 2018, 16:50

hallo zusammen,

ich brauche nun doch mal Euren Rat..... Eure Erfahrung. Ich möchte gar nicht genau auflisten, was unser Sohn in welchem Alter schon konnte - das wäre zu viel.

Nur kurz : er liebt Zahlen, Rechnen (selbst beigebracht), machte sehr früh schon Puzzle für deutlich ältere Kinder, Holzpuzzle machte er mit umgedrehten Teilen (er erkannte die passenden Formen mit nicht mal 2jahren) baute mit 3 Lego zusammen -nach Anleitung- für 8jährige, macht Sudoku, saugt regelrecht alles um sich rum auf... erklärte die Kanalisation mit dem, dass er sprechen konnte, erklärt den Windmühlenbau u.v.m. (zu viel um es hier aufzulisten)
Er kommt mit extrem wenig Schlaf aus und ist recht sensibel.... schnell reizüberflutet.


Zu Beginn dachte ich mir nur "sind halt seine Stärken" - andere Kinder malen dafür toll oder klettern besser....
Dann wurde ich im KiGa angesprochen, ob ich ihn irgendwann mal testen lassen würde - Vermutung : Fotografisches Gedächnis.

Nun... ich habe hier und da gelesen, aber auch erstmal abgewartet... etwas verunsichert.

Nun geht die Vorschularbeit los und er fällt auf... sehr weit entwickelt. Da ich gelesen hatte, dass in der Schule oft Probleme durch langeweile Entstehen, habe ich versucht sein Wissensdurst mit Umwelt, Technik und Sachwissen zu füttern....

Aber was ist richtig ??? Potenzial ausschöpfen und fördern ?? Oder eher abwarten und "anderes bieten" ??
Meine Sorge ist nur, dass er emotional nicht in einen "Sonderstatus" passt... Ich habe Sorge, dass er sich später langweilt. Aber genau so Sorge (sollte er in der Schule ein "Überflieger" sein wie es nicht ausgeschlossen wird) es im sozial / freundschaftlich / emotional nicht gut tun.... möchte ihm aber besondere Chancen nicht nehmen...

Wie ist es bei Euch ?
fragende Grüße boerdy
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Re: Fördern ? Beraten lassen ? oder abwarten ?

Beitragvon Rabaukenmama » Do 15. Nov 2018, 17:16

Hallo boerdy,!

Ganz ehrlich, meine Erfahrung ist, dass sich kluge Kinder in der Schule meistens langweilen, und zwar völlig unabhängig davon, ob sie den Schulstoff vorher schon gekannt haben oder ihn in der Schule zum ersten Mal hören. Gerade in Klasse 1 und 2 wird alles ETLICHE MALE erklärt, damit auch die schwächeren Kinder mitkommen. Das Niveau ist extrem unterschiedlich. Manche Kinder können schon fließend lesen und sicher im 100er Bereich rechnen, andere kennen noch keinen einzigen Buchstaben und können gerade mal bis 10 zählen, ohne jedoch die Zahlen zu erkennen. Eine GrundschullehrerIn muß in erster Linie schauen, dass die schwächeren Kinder nicht den Anschluss verlieren. Wenn sie gut differenzieren kann wird sie nebenbei auch für Beschäftigung und Förderung der klugen Kinder sorgen. Aber das obliegt eben der Lehrperson und ist somit Glückssache!

Sozial-emotionale Entwicklung ist wieder ein ganz anderes Blatt Papier als kognitive Fähigkeiten. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun (auch wenn einige Waldorflehrer stur das Gegenteil behaupten). Ein Kind kognitiv zu bremsen bewirkt keine bessere soziale Anpassung sondern sorgt eher für mehr sozial-emotionale Schwierigkeiten.

Ein Kind steht dort, wo es steht. Wenn ein 6jähriger kognitiv so weit ist wie durchschnittlich Achtjährige, aber sozial-emotional altersgemäß, ist es persönlichkeits- und lehrerabhängig, ob er sich in der ersten Klasse langweilt, oder nicht. Eventuell kann man in dem Fall auch einen Klassensprung andenken. Unter den Zweitklässlern wird er mit einem Jahr Rückstand sozial-emotional kaum auffallen, weil die sozial-emotionale Entwicklung der Klassenkameraden auch verschieden ist. Sprich: es gibt sowohl sozial-emotional ALS AUCH kognitiv immer wieder Kinder, die ihren Klassenkameraden voraus oder eben "hintennach" sind.

Schwierig wird es, wenn ein kluges Kind kognitiv weit voraus, aber sozial-emotional deutlich "hintennach" ist. Mein 8jähriger Sohn ist so ein Fall. Ich schätze seinen kognitiven Vorsprung auf ca. 3 Jahre, ebenso seinen sozial-emotionalen Rückstand. Er besucht ein Mehrstufenklasse, wo er auf seinem Niveau lernen kann und wo seine Defizite (weil ohnehin 6-10jährige in der Klasse sind) nicht so stark auffallen. Obwohl sein erstes Notenzeugnis nur aus Einsern bestehen wird denken wir gerade darüber nach, ihn die 3. und 4. Klasse in 3 Jahren statt 2 machen zu lassen, weil der sozial-emotionale Rückstand so krass ist.

Ich an deiner Stelle würde die Fragen des Kinders JETZT bestmöglich beantworten und die Schulzeit einfach kommen lassen. Kratzen kann man sich immer noch, wenn´s juckt. Wenn du also DANN merkst, dass dein Sohn in der ersten Klasse unterfordert und unglücklich ist, kannst du immer noch entscheiden, was DANN für euch der passende Weg ist. Ob er JETZT z.B. Mathe-Überungshefte bekommt oder nicht spielt dafür meiner Beobachtung nach kaum eine Rolle :) .
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Fördern ? Beraten lassen ? oder abwarten ?

Beitragvon boerdy » Do 15. Nov 2018, 23:48

Hallo liebe Rabaukenmama,

vielen Dank für deine Antwort.
Das hilf schon weiter.... ja, auch mein Sohn ist kognitiv den anderen weit voraus, jedoch sozial-emotional altersentsprechend - oder eher im Rückstand.
Tja.. echt nicht einfach - aber der Austausch tut gut.
ich denke, die Zeit wird Antworten bringen - wenn ich auch nichts verpassen möchte, was ich ihm Gutes tun kann.
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Re: Fördern ? Beraten lassen ? oder abwarten ?

Beitragvon Koschka » Sa 17. Nov 2018, 15:32

Die Überfleiger sind in der Grundschule nicht unbedingt die Klassenbesten :-) Mach dir im voraus keine Sorgen. Ihr habt euch im Moment gegen die Akzeleration entschieden, also bleibt es euch nichts anderes übrig als das Kind einzuschulen und die Reaktionen abzuwarten.
Koschka
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Re: Fördern ? Beraten lassen ? oder abwarten ?

Beitragvon alibaba » Mo 19. Nov 2018, 10:53

Hallo,

in irgendeiner Form ist Schule für Schlaue immer langweilig. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Selbst meine ganz normale begabte Jüngere beklagt sich, ab und zu, darüber, vor allen in den Fächern die ihr Interesse wecken. Generell ist die Grundschulzeit die langweiligere als die Zeit ab der weiterführenden Schule. Das liegt an der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und an dem Verständnis wie man sein Potential gut nutzen kann. Es gibt verschiedene Wege, damit es im Unterricht nicht so langweilig ist. Diese konnten aber meine Kinder in der GS-Zeit nicht so richtig erkennen.

Aufpassen solltest du, das Ihr auf das Kind hört. Was will es denn?

Wenn Ihr ein soziales Defizit seht, dann bieten sich Dinge zu tun an, die jeder machen kann. Kurse in der Volkshochschule z.B. oder Gruppen in der Musikschule. Da kann man Vielerlei üben.

Wenn Ihr in Schule etwas bewegen wollt, geht hier nichts über einen Test. Sei denn man hat gute Lehrer, die fördern nicht mit fordern verwechseln. Es gäbe dann auch als Alternative Schulen mit Hb-Zug oder Zweig, das gibt es hier auch an den Grundschulen. Will man dort einschulen bedarf es Zweierlei, einmal einem Test und einmal einen Antrag auf Einschulung außerhalb des Einschulungsbezirkes. Man muss es also rechtzeitig angehen.

Grundsätzlich sagt Prof.Rost, dass kluge Kinder leicht durch die Schulzeit kommen. Sie sind integriert, haben Freunde und laufen gut mit, ganz unauffällig. Ich würde daher einfach abwarten, wie sich euer Kind mit der Schulzeit entwickelt.

VG
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