Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

besondere Fähigkeiten: ist das schon ein Zeichen für Hochbegabung?

Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

Beitragvon Vicy » Mi 13. Mär 2019, 14:52

Hallo zusammen,
ich wende mich an euch, um vielleicht ein bisschen Input zu unserer Situation zu bekommen, den Knoten in meinem Kopf vielleicht ein bisschen zu lösen. Ich wüde mich freuen, wenn ihr meinen Roman lest, ich weiss leider nicht wie ich es kürzer fassen soll – tatsächlich könnte ich seitenweise darüber schreiben….aber hier erstmal das „Gröbste“

Mein Sohn A. hat derzeit eine sehr schwere Phase und wir versuchen unser möglichstes ihm da rauszuhelfen, wissen aber schon bald nicht mehr weiter. Er ist 4 ½ Jahre alt und war schon immer ein sehr eigenes Kind. Motorisch hinkt er leider stark hinterher: er war in der Entwicklung als Baby/Kleinkind schon etwas langsamer und wir haben ihm fälschlicherweise immer viel abgenommen, von dem er immer behauptet „ich kann das nicht“. Da er nämlich zusätzlich sehr emotional/sensibel ist, haben wir einfach versucht, den Familienalltag so zu gestalten, dass nicht jeder Tag eine Katastrophe ist. Versteht mich nicht falsch, wir haben ihm in allen Bereichen genug Angebote zur Förderung gemacht und er konnte und durfte alles probieren, was er wollte – tat er meist aber nicht, verweigerte sehr viele Dinge, es machte oft den Anschein als wolle er sich nicht weiterentwickeln.

Mit dem Eintritt in den Kindergarten wurde seine Selbständigkeit dann auf die Probe gestellt. Zunächst war man dort noch geduldig mit ihm, aber seitdem er 4 Jahre alt ist, wird er deutlich stärker gefordert (was ja auch gut ist!). Zu Beginn des zweiten KiGa Jahres haben wir auch mit einer Ergotherapie sowie Besuchen beim Logopäden begonnen. Beim Logopäden ging es nur um Lautstörungen (er konnte/kann das „k“ und „ch“ nicht richtig sprechen). Bei der Ergotherapie jedoch kam heraus, dass er eine sensorische Integrationsstörung im vestibulären und taktilen Bereich hat. Das passte perfekt zu seinen Problemen im Grob- und Feinmotorischen Bereich und erklärte auch seine teilweise seltsamen Anwandlungen (schmutzige Finger sind zB ein Weltuntergang). Wir waren froh, auf einem guten Weg zu sein, denn er zeigte schon erste Fortschritte. Zeitglich wurde er aber auch zu Hause wieder etwas schwieriger (viel Trotz, viel Widerstand, viele Tränen um nichts, viel Langeweile). Wir haben dies zunächst auf die Geburt seines Bruder geschoben, merken aber im Nachhinein, dass der Ursprung wohl der „Umbruch“ mit der Therapie war.

Wendepunkt war dann ein Gespräch im KiGa, bei dem uns gesagt wurde, dass A. in die Integrationsgruppe versetzt werden sollte, da er sozial große Probleme hat. Er orientiert sich nur an den älteren Kindern und weigert sich mit Gleichaltrigen zu spielen. Gleichzeitig hat er aber die falschen Strategien, um sich den Spielen der anderen anzuschließen, denn er macht viele Bauwerke kaputt oder wird aggressiv. Die Dynamik in der Gruppe mit 3 sehr dominaten älteren Jungen die ihn ausschließen und ärgern kommt hinzu. Zu sehr möchte ich da jetzt aber nicht ausschweifen.

Unterm Strich befürworten wir die Aussicht auf einen Platz in der kleinen Gruppe, einfach weil man ihm hier deutlich mehr Unterstützung geben kann. Großes Problem ist die Handlungsplanung bei ihm, er kann kaum Probleme und Aufgaben alleine lösen. Es scheitert zB schon daran, dass der Weg zu seinem Platz in der Garderobe von auf dem Boden sitzenden Kindern versperrt ist. Er weiß sich dann nicht zu helfen und bleibt stehe und wird wütend oder weint. Um in die I-Gruppe versetzt zu werden, brauchten wir eine Begutachtung durch einen Psychologen im Rahmen einer klinisch-diagnostischen Entwicklungserhebung. Diese war vor ein paar Tagen und nun sind wir völlig verwirrt: unser Sohn soll hochbegabt sein (es wurde ein IQ Test gemacht) und die Psychologin meinte nur, sie wundere es nicht, dass er sozial auffällig wird, er sei einfach unterfordert. Puh, das sass.

Aber vor allem ergibt es keinen Sinn für uns! Ich muss dazusagen, dass der Befund noch zugeschickt wird und das Gespräch im Anschluss mehr als knapp war. Wir haben uns etwas im Stich gelassen gefühlt und werden, sobald wir die Befundunterlagen haben, weitere Hilfe einholen. Aber natürlich lässt uns das Thema nicht los und so suchen wir hier nach Erfahrungen.
Das kuriose ist nämlich, unser Kind scheint, so leid mir das tut zu sagen, nicht übermäßig intelligent zu sein. Er ist unheimlich vergesslich, von einer auf die andere Sekunde weiß er nicht mehr was er machen sollte. Er baut keine hochtrabenden Konstrukte aus Lego, kann nicht Lesen und Schreiben wie andere Hochbegabte und scheint auch sonst keine besonderen Talente zu haben. Er hat auch keine speziellen Interessen, langweilt sich deshalb auch sehr oft, wenn er alleine etwas machen soll! Viel eher sticht seine motorische Ungeschicklichkeit stark ins Auge und auch vom Verhalten her ist er sehr stur, trotzig und eigensinnig. Er kann sich manchmal (!) ganz gut konzentrieren, zB wenn wir Bücher lesen, er Hörspiele hört oder wir Gesellschaftsspiele spielen. Das hat auch die Psychologin erkannt weil sie meinte, sie hat selten ein Kind gesehen, das so aufmerksam über einen langen Zeitraum mitmacht. Aber ansonsten würde mir nichts einfallen, wo er „besonders“ ist, vor allem nicht im positiven Sinne.

Aktuell ist die Lage ganz schwierig, da er einfach vom Verhalten teilweise unmöglich ist. In Gesellschaft sehr überdreht, wieder sehr sensibel und weinerlich, sehr trotzig und fordernd. Und traurig. Das macht mich wirklich fertig. Er merkt, dadurch, dass wir ihn stärker fordern (im Rahmen der Ergotherapie aber auch zu Hause), dass er an Grenzen stösst. Dies schreckt ihn aber sofort ab und er weigert sich Dinge zu lernen. Wir zwingen ihn dann öfters dazu, weil er es einfach mal lernen muss (z.B. Schneiden, Brot schmieren, Reissverschluss zumachen,…) und die Therapeutin auch sagt, er muss gefordert werden. Heute kam dann der traurige Satz „Mama ich glaube ich kann nichts“, weil er seine Jacke nicht zubekommen hat. :cry:

Wir sind ziemlich durcheinander in der ganzen Situation, wir wollen doch nur, dass unser Sohn glücklich ist und seinen Weg geht. Wie können wir ihn unterstützen? Wenn er wirklich hochbegabt ist, wieso merken wir es nicht? Wie können wir ihm helfen etwas zu finden, was ihm Spass macht zu erlernen?

Danke fürs Zuhören!

Liebe Grüße
Vicy
 
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Re: Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

Beitragvon Koschka » Do 14. Mär 2019, 09:59

Hallo,

die Psychologin hat euch absolut falsch beraten. Es gibt zwar in der Welt Kulturkreise, wo es nicht gewollt ist, dass kleine Kinder sich selber anziehen und versorgen. Wenn euer Sohn nach einem Jahr Kindergarten nicht selbstständig ist, dann hat er ein Problem, und dies ist nicht seine Begabung. Wenn der Test eine kognitive Begabung ergeben hat, würde ich sie nicht groß anzweifeln. Sie ist einfach da. Euer Kind blickt nimmt viel wahr, blickt logische Zusammenhänge gut durch. ABER er kann nicht umsetzen. Es gibt eine ausgeprägte Störung im Vergleich zu einem "Normalkind", dass euerem Sohn die Umsetzung sehr schwer macht. Es ist nicht seine Schuld, nicht seine Faulheit, nicht euere Versäumnisse in der Erziehung. Er ist so auf der Welt gekommen und das ist sein Glück, dass seine Eltern fordern, dass seine Eltern mutig genug waren bei einem anspruchsvollen Kind sich für ein Geschwisterkind zu entscheiden.

Die hohe Intelligenz, deutlich hinkende Motorik, sensorische Integrationsstörung, Sturheit und Rigidität, soziale Probleme lassen bei mir gleich den Verdacht richung Autismus aufkommen. Ich weiß nicht, wie viel ihr darüber weißt, und ob ihr euch mit dem Thema schon beschäftigt habt. Wenn nicht, liest darüber nach. Ob ihr in den Beschreibungen eueren Sohn erkennt.
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Re: Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

Beitragvon Vicy » Do 14. Mär 2019, 11:50

Hallo Koschka,

vielen Dank für Deine Antwort.

Ja, wir wurden sicher falsch beraten, bzw wurden wir quasi gar nicht beraten von der Psychologin. Daher bin ich auch schon sehr gespannt, wenn wir den Befund erhalten. Vielleicht wird dann einiges logischer. Ich habe bereits stark in die Richtung Asperger gedacht, jedoch hat die Psychologin dies direkt abgetan "Ein Autist ist er ganz sicher nicht". Mich verwundert diese klare Diagnose ohne vorher die seitenweise ausgefüllten Fragebögen von uns und der Erzieherin aus dem Kindergarten mit in Betracht zu ziehen. Ich dachte mir nur, wozu wir stundenlang über diesen Fragebögen gesessen sind...! Ich vermute stark, dass nach Auswertung und Einbeziehung der Fragebögen doch noch eine Diagnose im Befund steht. Aber wie gesagt hat es mich sehr verwundert, denn sie meinte eindeutig, sie kann ihm keine Diagnose für einen Integrationsstatus geben, wo keine ist.Hochbegabung sei kein Grund für einen Integrationsplatz bzw meinte sie, sie bezweifelt, dass der Kindergarten auf einem Integrationsplatz A. so fördern könnte, dass es für ihn einen Mehrnutzen hätte. Er sei natürlich motorisch im unteren Durchschnitt, jedoch auch nicht so gravierend schlecht, die Fortführung der Ergotherapie wurde aber empfohlen.

Natürlich warte ich jetzt den schriftlichen Befund ab und hoffe dort ausführlichere Testergebnisse zu finden. Was aber, wenn sich dann trotzdem nichts an unserer Unsicherheit ändert bzw dort nichts aussagekräftiges drinsteht? Nochmal testen lassen? Wo? Wir warem extra in einer Einrichtung, die einen Großteil der Diagnostik hier in unserem Bundesland macht und die uns sowohl vom Kinderarzt als auch Kindergarten empfohlen wurde. Kann man sich dann nicht mehr auf deren Einschätzung verlassen?

Ratlose Grüße
Vicy
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Re: Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

Beitragvon Koschka » Do 14. Mär 2019, 12:23

Hallo Vicy,

es gibt so Spezialsisten, die einem Kind einmal in die Augen schauen, das zweite Mal es eingekuschelt auf Mamas Schoß betrachten, und da steht der Urteil schon bereit: kann kein Autist sein, ist verschmust und hält Blickkontakt. Zum Beispiel so eine Situation wie in der Garderobe, dass das Kind an seine Jacke nicht kommt, weil der Standardweg verperrt ist, ist schon ein kleiner Hinweis in die Richtung. Die deutschen Ärzte mögen es nicht, Aspergerdiagnose in den früheren Jahren zu stellen. Im Schnitt kommt sie erst beim Schuleintritt zustande. Was für alle Beteiligten oft ein ziemliches Leid bedeutet.

Ich weiß nicht, wie du einen I-Platz durchboxen kannst. Lass dich vor Ort beraten. Aber dein Kind wird sicher, ganz unabhängig davon wie seine Diagnose heißt und ob da eine überhaupt ist, in diesem konkreten Moment von einer kleinen Gruppe und besserem Betreuungsschlüssel profitieren. Normalerweise ist für AS die ATZ zuständig. Probiert es dort anzurufen. Häufig haben sie sehr lange Wartezeiten. Auch wenn das kein AS ist, gibt es eine Reihe von Diagnosen, mit Störung im Sozialverhalten, die dem Kind das Recht auf den I-Platz geben. Selbst bei HB ohne alles kann man es bekommen, wenn man von ärztlichpsychologischen Seite einen Gutachten bekommt, dass dem Kind sonst eine seelische Behinderung droht.

Was für einen Test hat der Psychologe gemacht? Ist er homogen hoch ausgefallen?

LG
Koschka
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Re: Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

Beitragvon Meine3 » Do 14. Mär 2019, 13:36

Vicy hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich wende mich an euch, um vielleicht ein bisschen Input zu unserer Situation zu bekommen, den Knoten in meinem Kopf vielleicht ein bisschen zu lösen. Ich wüde mich freuen, wenn ihr meinen Roman lest, ich weiss leider nicht wie ich es kürzer fassen soll – tatsächlich könnte ich seitenweise darüber schreiben….aber hier erstmal das „Gröbste“

Mein Sohn A. hat derzeit eine sehr schwere Phase und wir versuchen unser möglichstes ihm da rauszuhelfen, wissen aber schon bald nicht mehr weiter. Er ist 4 ½ Jahre alt und war schon immer ein sehr eigenes Kind. Motorisch hinkt er leider stark hinterher: er war in der Entwicklung als Baby/Kleinkind schon etwas langsamer und wir haben ihm fälschlicherweise immer viel abgenommen, von dem er immer behauptet „ich kann das nicht“. Da er nämlich zusätzlich sehr emotional/sensibel ist, haben wir einfach versucht, den Familienalltag so zu gestalten, dass nicht jeder Tag eine Katastrophe ist. Versteht mich nicht falsch, wir haben ihm in allen Bereichen genug Angebote zur Förderung gemacht und er konnte und durfte alles probieren, was er wollte – tat er meist aber nicht, verweigerte sehr viele Dinge, es machte oft den Anschein als wolle er sich nicht weiterentwickeln.

Mit dem Eintritt in den Kindergarten wurde seine Selbständigkeit dann auf die Probe gestellt. Zunächst war man dort noch geduldig mit ihm, aber seitdem er 4 Jahre alt ist, wird er deutlich stärker gefordert (was ja auch gut ist!). Zu Beginn des zweiten KiGa Jahres haben wir auch mit einer Ergotherapie sowie Besuchen beim Logopäden begonnen. Beim Logopäden ging es nur um Lautstörungen (er konnte/kann das „k“ und „ch“ nicht richtig sprechen). Bei der Ergotherapie jedoch kam heraus, dass er eine sensorische Integrationsstörung im vestibulären und taktilen Bereich hat. Das passte perfekt zu seinen Problemen im Grob- und Feinmotorischen Bereich und erklärte auch seine teilweise seltsamen Anwandlungen (schmutzige Finger sind zB ein Weltuntergang). Wir waren froh, auf einem guten Weg zu sein, denn er zeigte schon erste Fortschritte. Zeitglich wurde er aber auch zu Hause wieder etwas schwieriger (viel Trotz, viel Widerstand, viele Tränen um nichts, viel Langeweile). Wir haben dies zunächst auf die Geburt seines Bruder geschoben, merken aber im Nachhinein, dass der Ursprung wohl der „Umbruch“ mit der Therapie war.

Wendepunkt war dann ein Gespräch im KiGa, bei dem uns gesagt wurde, dass A. in die Integrationsgruppe versetzt werden sollte, da er sozial große Probleme hat. Er orientiert sich nur an den älteren Kindern und weigert sich mit Gleichaltrigen zu spielen. Gleichzeitig hat er aber die falschen Strategien, um sich den Spielen der anderen anzuschließen, denn er macht viele Bauwerke kaputt oder wird aggressiv. Die Dynamik in der Gruppe mit 3 sehr dominaten älteren Jungen die ihn ausschließen und ärgern kommt hinzu. Zu sehr möchte ich da jetzt aber nicht ausschweifen.

Unterm Strich befürworten wir die Aussicht auf einen Platz in der kleinen Gruppe, einfach weil man ihm hier deutlich mehr Unterstützung geben kann. Großes Problem ist die Handlungsplanung bei ihm, er kann kaum Probleme und Aufgaben alleine lösen. Es scheitert zB schon daran, dass der Weg zu seinem Platz in der Garderobe von auf dem Boden sitzenden Kindern versperrt ist. Er weiß sich dann nicht zu helfen und bleibt stehe und wird wütend oder weint. Um in die I-Gruppe versetzt zu werden, brauchten wir eine Begutachtung durch einen Psychologen im Rahmen einer klinisch-diagnostischen Entwicklungserhebung. Diese war vor ein paar Tagen und nun sind wir völlig verwirrt: unser Sohn soll hochbegabt sein (es wurde ein IQ Test gemacht) und die Psychologin meinte nur, sie wundere es nicht, dass er sozial auffällig wird, er sei einfach unterfordert. Puh, das sass.

Aber vor allem ergibt es keinen Sinn für uns! Ich muss dazusagen, dass der Befund noch zugeschickt wird und das Gespräch im Anschluss mehr als knapp war. Wir haben uns etwas im Stich gelassen gefühlt und werden, sobald wir die Befundunterlagen haben, weitere Hilfe einholen. Aber natürlich lässt uns das Thema nicht los und so suchen wir hier nach Erfahrungen.
Das kuriose ist nämlich, unser Kind scheint, so leid mir das tut zu sagen, nicht übermäßig intelligent zu sein. Er ist unheimlich vergesslich, von einer auf die andere Sekunde weiß er nicht mehr was er machen sollte. Er baut keine hochtrabenden Konstrukte aus Lego, kann nicht Lesen und Schreiben wie andere Hochbegabte und scheint auch sonst keine besonderen Talente zu haben. Er hat auch keine speziellen Interessen, langweilt sich deshalb auch sehr oft, wenn er alleine etwas machen soll! Viel eher sticht seine motorische Ungeschicklichkeit stark ins Auge und auch vom Verhalten her ist er sehr stur, trotzig und eigensinnig. Er kann sich manchmal (!) ganz gut konzentrieren, zB wenn wir Bücher lesen, er Hörspiele hört oder wir Gesellschaftsspiele spielen. Das hat auch die Psychologin erkannt weil sie meinte, sie hat selten ein Kind gesehen, das so aufmerksam über einen langen Zeitraum mitmacht. Aber ansonsten würde mir nichts einfallen, wo er „besonders“ ist, vor allem nicht im positiven Sinne.

Aktuell ist die Lage ganz schwierig, da er einfach vom Verhalten teilweise unmöglich ist. In Gesellschaft sehr überdreht, wieder sehr sensibel und weinerlich, sehr trotzig und fordernd. Und traurig. Das macht mich wirklich fertig. Er merkt, dadurch, dass wir ihn stärker fordern (im Rahmen der Ergotherapie aber auch zu Hause), dass er an Grenzen stösst. Dies schreckt ihn aber sofort ab und er weigert sich Dinge zu lernen. Wir zwingen ihn dann öfters dazu, weil er es einfach mal lernen muss (z.B. Schneiden, Brot schmieren, Reissverschluss zumachen,…) und die Therapeutin auch sagt, er muss gefordert werden. Heute kam dann der traurige Satz „Mama ich glaube ich kann nichts“, weil er seine Jacke nicht zubekommen hat. :cry:

Wir sind ziemlich durcheinander in der ganzen Situation, wir wollen doch nur, dass unser Sohn glücklich ist und seinen Weg geht. Wie können wir ihn unterstützen? Wenn er wirklich hochbegabt ist, wieso merken wir es nicht? Wie können wir ihm helfen etwas zu finden, was ihm Spass macht zu erlernen?

Danke fürs Zuhören!

Liebe Grüße



Hallo Vicy,

ich selbst bin auch noch ganz neu in dem Thema "hochbegabtes Kind" und bei uns ist auch Verhaltensauffälligkeit die Ursache und der Auslöser der Diagnostik mit Intelligenztestung gewesen...

Zu dem Thema " sensorische Integrationsstörung im vestibulären und taktilen Bereich" kann ich überhaupt nichts sagen (unbelesen), da ich mich damit zum Glück noch nicht auseinander setzen musste, würde aber gern mehr dazu erfahren.

Aber: ich kann sehr gut nachvollziehen, was du sonst so sagst. Du bist überrascht, dass dein Kind hochbegabt ist, da er vor allem motorisch und emotional "problematisch" ist. ABER....

Es ist in der Tat "hart" wenn man von seinem eigenen Kind denkt, es sei nicht besonders helle. Da ich selbst als verkanntes HB-Kind groß geworden bin, kann ich dir nur sagen: das kann dich wirklich "kaputt" machen. ES ist gut, dass ihr nun diesbezüglich Bescheid wisst! Ich bin mir sicher, dass ihr euer Kind liebt und nun müsst ihr eventuell lediglich Euren "Blick" auf ihn etwas korrigieren ;) ...Allein das wird wahrscheinlich schon einiges lösen, da ihr anders mit ihm umgehen werdet (ihm mehr zutrauen werdet, ihn mehr fordern werdet)...

Es ist natürlich auch schlimm für so ein schlaues Kind, tagtäglich an Kleinigkeiten zu scheitern und so immer mehr das Gefühl der Unzulänglichkeit zu erhalten. So kann die Hochbegabung natürlich nicht zum tragen kommen, da gibt es viel zu viel zu "kompensieren"...

Deswegen ganz klar ein Statement von mir: Wenn der Test ergeben hat, dass er hochbegabt ist, dann kannst du davon ausgehen, dass es auch so ist. Ein Kind kann in diesem Alter kann bei einem Test nicht vorgeben etwas zu können, was er nicht kann :fahne: ! Später im Schulleben oder so, kann man "schummeln", abschreiben, Spickzettel machen oder ähnliches.

Aber bei einem IQ-Test, auf den man nicht lernen kann, auf den man sich nicht vorbereiten kann und von dem man nicht mal weiß, dass er die Intelligenz testet(!), kann kein irrtümlich zu hohes Ergebnis zeigen, AUßER die Testerin hat sich bös verrechnet!!

Andersrum ist aber durchaus ein verfälschtes Testergebnis möglich in dem Alter, da ja auch Tagesform, Motivation, Konzentrationsvermögen und Feinmotorik das Testergebnis sehr beeinflussen können.


Bei unserem Sohn kam z.B. eine klare Höchstbegabung ein einem Teilbereich zu Tage, ein Bereich wiederum war aber fast am unteren Ende des Durchschnitts :o .

Die Diskrepanz, die hier entsteht, kommt wohl öfter vor, bei "jungen" Kindern, da junge Kinder noch viel mehr als ältere Kinder oder Erwachsene nach dem Lustprinzip leben und oft gar nicht wissen, worum es geht bei dem Test ;). Unser Sohn war oft nicht motiviert (hat zwar nicht verweigert, aber absolut nicht gezeigt WAS er wirklich leisten KANN, weil er dann doch lieber spielen wollte :mrgreen: ) und somit sind grade die Untertests, die sehr "abfallen", wahrscheinlich dadurch "verfälscht". Da bei unserem Sohn auch noch ein grenzwertiges Ergebnis bei der ADHS-Diagnostik heraus kam, hat die Psychologin in Summe den Test als "nicht aussagekräftig zum jetzigen Zeitpunkt" eingestuft. Das hat mich erst einmal sehr frustriert, da wir unseren Jungen jetzt einschulen müssen und wir, falls er wieder "auf die KAcke" hauen sollte, diagnostisch im Regen stehen. Sowohl ADHS als auch HB sind somit "eigentlich" vorhanden, aber nicht offiziell bestätigt :gruebel: .

Zumindest wissen wir, nachdem ich mich nun einige Tage intensiv belesen und ausgetauscht habe und dies sicher noch weiter tun werde, aber schon mal für uns Bescheid und können so mit mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit in den Dialog mit den Lehrern gehen, falls da schnell Gesprächsbedarf herrschen sollte ;) ...

WEnn Kinder auf der einen Seite über einen überragenden Intellekt verfügen, gleichzeitig aber mit psychischen Wahrnehmungsstörungen oder -erkrankungen zu kämpfen haben, ist das nicht leicht. Aber ich habe die Hoffnung, dass man mit viel Engagement, Einfühlungsvermögen und Durchhaltekraft trotzdem dafür sorgen kann, dass die Kinder ihren Weg gehen.

Ich kann dir nur ans Herz legen, auch mal zu einem Elterntreff oder so zu gehen. Wir leben in D und ich habe mich an die DGhK gewandt und bin da sehr herzlich eingeladen worden, mich auszutauschen und zu informieren.

Alles Liebe,

Nora
Meine3
 
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Re: Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

Beitragvon Meine3 » Do 14. Mär 2019, 13:44

Meine3 hat geschrieben:
Vicy hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich wende mich an euch, um vielleicht ein bisschen Input zu unserer Situation zu bekommen, den Knoten in meinem Kopf vielleicht ein bisschen zu lösen. Ich wüde mich freuen, wenn ihr meinen Roman lest, ich weiss leider nicht wie ich es kürzer fassen soll – tatsächlich könnte ich seitenweise darüber schreiben….aber hier erstmal das „Gröbste“

Mein Sohn A. hat derzeit eine sehr schwere Phase und wir versuchen unser möglichstes ihm da rauszuhelfen, wissen aber schon bald nicht mehr weiter. Er ist 4 ½ Jahre alt und war schon immer ein sehr eigenes Kind. Motorisch hinkt er leider stark hinterher: er war in der Entwicklung als Baby/Kleinkind schon etwas langsamer und wir haben ihm fälschlicherweise immer viel abgenommen, von dem er immer behauptet „ich kann das nicht“. Da er nämlich zusätzlich sehr emotional/sensibel ist, haben wir einfach versucht, den Familienalltag so zu gestalten, dass nicht jeder Tag eine Katastrophe ist. Versteht mich nicht falsch, wir haben ihm in allen Bereichen genug Angebote zur Förderung gemacht und er konnte und durfte alles probieren, was er wollte – tat er meist aber nicht, verweigerte sehr viele Dinge, es machte oft den Anschein als wolle er sich nicht weiterentwickeln.

Mit dem Eintritt in den Kindergarten wurde seine Selbständigkeit dann auf die Probe gestellt. Zunächst war man dort noch geduldig mit ihm, aber seitdem er 4 Jahre alt ist, wird er deutlich stärker gefordert (was ja auch gut ist!). Zu Beginn des zweiten KiGa Jahres haben wir auch mit einer Ergotherapie sowie Besuchen beim Logopäden begonnen. Beim Logopäden ging es nur um Lautstörungen (er konnte/kann das „k“ und „ch“ nicht richtig sprechen). Bei der Ergotherapie jedoch kam heraus, dass er eine sensorische Integrationsstörung im vestibulären und taktilen Bereich hat. Das passte perfekt zu seinen Problemen im Grob- und Feinmotorischen Bereich und erklärte auch seine teilweise seltsamen Anwandlungen (schmutzige Finger sind zB ein Weltuntergang). Wir waren froh, auf einem guten Weg zu sein, denn er zeigte schon erste Fortschritte. Zeitglich wurde er aber auch zu Hause wieder etwas schwieriger (viel Trotz, viel Widerstand, viele Tränen um nichts, viel Langeweile). Wir haben dies zunächst auf die Geburt seines Bruder geschoben, merken aber im Nachhinein, dass der Ursprung wohl der „Umbruch“ mit der Therapie war.

Wendepunkt war dann ein Gespräch im KiGa, bei dem uns gesagt wurde, dass A. in die Integrationsgruppe versetzt werden sollte, da er sozial große Probleme hat. Er orientiert sich nur an den älteren Kindern und weigert sich mit Gleichaltrigen zu spielen. Gleichzeitig hat er aber die falschen Strategien, um sich den Spielen der anderen anzuschließen, denn er macht viele Bauwerke kaputt oder wird aggressiv. Die Dynamik in der Gruppe mit 3 sehr dominaten älteren Jungen die ihn ausschließen und ärgern kommt hinzu. Zu sehr möchte ich da jetzt aber nicht ausschweifen.

Unterm Strich befürworten wir die Aussicht auf einen Platz in der kleinen Gruppe, einfach weil man ihm hier deutlich mehr Unterstützung geben kann. Großes Problem ist die Handlungsplanung bei ihm, er kann kaum Probleme und Aufgaben alleine lösen. Es scheitert zB schon daran, dass der Weg zu seinem Platz in der Garderobe von auf dem Boden sitzenden Kindern versperrt ist. Er weiß sich dann nicht zu helfen und bleibt stehe und wird wütend oder weint. Um in die I-Gruppe versetzt zu werden, brauchten wir eine Begutachtung durch einen Psychologen im Rahmen einer klinisch-diagnostischen Entwicklungserhebung. Diese war vor ein paar Tagen und nun sind wir völlig verwirrt: unser Sohn soll hochbegabt sein (es wurde ein IQ Test gemacht) und die Psychologin meinte nur, sie wundere es nicht, dass er sozial auffällig wird, er sei einfach unterfordert. Puh, das sass.

Aber vor allem ergibt es keinen Sinn für uns! Ich muss dazusagen, dass der Befund noch zugeschickt wird und das Gespräch im Anschluss mehr als knapp war. Wir haben uns etwas im Stich gelassen gefühlt und werden, sobald wir die Befundunterlagen haben, weitere Hilfe einholen. Aber natürlich lässt uns das Thema nicht los und so suchen wir hier nach Erfahrungen.
Das kuriose ist nämlich, unser Kind scheint, so leid mir das tut zu sagen, nicht übermäßig intelligent zu sein. Er ist unheimlich vergesslich, von einer auf die andere Sekunde weiß er nicht mehr was er machen sollte. Er baut keine hochtrabenden Konstrukte aus Lego, kann nicht Lesen und Schreiben wie andere Hochbegabte und scheint auch sonst keine besonderen Talente zu haben. Er hat auch keine speziellen Interessen, langweilt sich deshalb auch sehr oft, wenn er alleine etwas machen soll! Viel eher sticht seine motorische Ungeschicklichkeit stark ins Auge und auch vom Verhalten her ist er sehr stur, trotzig und eigensinnig. Er kann sich manchmal (!) ganz gut konzentrieren, zB wenn wir Bücher lesen, er Hörspiele hört oder wir Gesellschaftsspiele spielen. Das hat auch die Psychologin erkannt weil sie meinte, sie hat selten ein Kind gesehen, das so aufmerksam über einen langen Zeitraum mitmacht. Aber ansonsten würde mir nichts einfallen, wo er „besonders“ ist, vor allem nicht im positiven Sinne.

Aktuell ist die Lage ganz schwierig, da er einfach vom Verhalten teilweise unmöglich ist. In Gesellschaft sehr überdreht, wieder sehr sensibel und weinerlich, sehr trotzig und fordernd. Und traurig. Das macht mich wirklich fertig. Er merkt, dadurch, dass wir ihn stärker fordern (im Rahmen der Ergotherapie aber auch zu Hause), dass er an Grenzen stösst. Dies schreckt ihn aber sofort ab und er weigert sich Dinge zu lernen. Wir zwingen ihn dann öfters dazu, weil er es einfach mal lernen muss (z.B. Schneiden, Brot schmieren, Reissverschluss zumachen,…) und die Therapeutin auch sagt, er muss gefordert werden. Heute kam dann der traurige Satz „Mama ich glaube ich kann nichts“, weil er seine Jacke nicht zubekommen hat. :cry:

Wir sind ziemlich durcheinander in der ganzen Situation, wir wollen doch nur, dass unser Sohn glücklich ist und seinen Weg geht. Wie können wir ihn unterstützen? Wenn er wirklich hochbegabt ist, wieso merken wir es nicht? Wie können wir ihm helfen etwas zu finden, was ihm Spass macht zu erlernen?

Danke fürs Zuhören!

Liebe Grüße



Hallo Vicy,

ich selbst bin auch noch ganz neu in dem Thema "hochbegabtes Kind" und bei uns ist auch Verhaltensauffälligkeit die Ursache und der Auslöser der Diagnostik mit Intelligenztestung gewesen...

Zu dem Thema " sensorische Integrationsstörung im vestibulären und taktilen Bereich" kann ich überhaupt nichts sagen (unbelesen), da ich mich damit zum Glück noch nicht auseinander setzen musste, würde aber gern mehr dazu erfahren.

Aber: ich kann sehr gut nachvollziehen, was du sonst so sagst. Du bist überrascht, dass dein Kind hochbegabt ist, da er vor allem motorisch und emotional "problematisch" ist. ABER....

Es ist in der Tat "hart" wenn man von seinem eigenen Kind denkt, es sei nicht besonders helle. Da ich selbst als verkanntes HB-Kind groß geworden bin, kann ich dir nur sagen: das kann dich wirklich "kaputt" machen. ES ist gut, dass ihr nun diesbezüglich Bescheid wisst! Ich bin mir sicher, dass ihr euer Kind liebt und nun müsst ihr eventuell lediglich Euren "Blick" auf ihn etwas korrigieren ;) ...Allein das wird wahrscheinlich schon einiges lösen, da ihr anders mit ihm umgehen werdet (ihm mehr zutrauen werdet, ihn mehr fordern werdet)...

Es ist natürlich auch schlimm für so ein schlaues Kind, tagtäglich an Kleinigkeiten zu scheitern und so immer mehr das Gefühl der Unzulänglichkeit zu erhalten. So kann die Hochbegabung natürlich nicht zum tragen kommen, da gibt es viel zu viel zu "kompensieren"...

Deswegen ganz klar ein Statement von mir: Wenn der Test ergeben hat, dass er hochbegabt ist, dann kannst du davon ausgehen, dass es auch so ist. Ein Kind kann in diesem Alter kann bei einem Test nicht vorgeben etwas zu können, was er nicht kann :fahne: ! Später im Schulleben oder so, kann man "schummeln", abschreiben, Spickzettel machen oder ähnliches.

Aber bei einem IQ-Test, auf den man nicht lernen kann, auf den man sich nicht vorbereiten kann und von dem man nicht mal weiß, dass er die Intelligenz testet(!), kann kein irrtümlich zu hohes Ergebnis zeigen, AUßER die Testerin hat sich bös verrechnet!!

Andersrum ist aber durchaus ein verfälschtes Testergebnis möglich in dem Alter, da ja auch Tagesform, Motivation, Konzentrationsvermögen und Feinmotorik das Testergebnis sehr beeinflussen können.


Bei unserem Sohn kam z.B. eine klare Höchstbegabung ein einem Teilbereich zu Tage, ein Bereich wiederum war aber fast am unteren Ende des Durchschnitts :o .

Die Diskrepanz, die hier entsteht, kommt wohl öfter vor, bei "jungen" Kindern, da junge Kinder noch viel mehr als ältere Kinder oder Erwachsene nach dem Lustprinzip leben und oft gar nicht wissen, worum es geht bei dem Test ;). Unser Sohn war oft nicht motiviert (hat zwar nicht verweigert, aber absolut nicht gezeigt WAS er wirklich leisten KANN, weil er dann doch lieber spielen wollte :mrgreen: ) und somit sind grade die Untertests, die sehr "abfallen", wahrscheinlich dadurch "verfälscht". Da bei unserem Sohn auch noch ein grenzwertiges Ergebnis bei der ADHS-Diagnostik heraus kam, hat die Psychologin in Summe den Test als "nicht aussagekräftig zum jetzigen Zeitpunkt" eingestuft. Das hat mich erst einmal sehr frustriert, da wir unseren Jungen jetzt einschulen müssen und wir, falls er wieder "auf die KAcke" hauen sollte, diagnostisch im Regen stehen. Sowohl ADHS als auch HB sind somit "eigentlich" vorhanden, aber nicht offiziell bestätigt :gruebel: .

Zumindest wissen wir, nachdem ich mich nun einige Tage intensiv belesen und ausgetauscht habe und dies sicher noch weiter tun werde, aber schon mal für uns Bescheid und können so mit mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit in den Dialog mit den Lehrern gehen, falls da schnell Gesprächsbedarf herrschen sollte ;) ...

WEnn Kinder auf der einen Seite über einen überragenden Intellekt verfügen, gleichzeitig aber mit psychischen Wahrnehmungsstörungen oder -erkrankungen zu kämpfen haben, ist das nicht leicht. Aber ich habe die Hoffnung, dass man mit viel Engagement, Einfühlungsvermögen und Durchhaltekraft trotzdem dafür sorgen kann, dass die Kinder ihren Weg gehen.

Ich finde es gut, dass ihr den Platz in dieser kleineren Gruppe angeboten bekommen habt und würde das auch in jedem Fall wahrnehmen! Unserem Sohn täte es auch mehr als gut, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten und gleichzeitig weniger "GEwusel" um ihn herum zu haben :cry: ..

Ich kann dir nur ans Herz legen, auch mal zu einem Elterntreff oder so zu gehen. Wir leben in D und ich habe mich an die DGhK gewandt und bin da sehr herzlich eingeladen worden, mich auszutauschen und zu informieren.

Alles Liebe,

Nora
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Re: Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

Beitragvon Vicy » Do 14. Mär 2019, 14:50

@ Koschka: ich weiß leider nicht, welchen Test die Psychologin durchgeführt hat und das genaue Ergebnis haben wir auch noch nicht bekommen. Ich war im Gespräch natürlich auch zu perplex und habe mit etwas anderem gerechnet, als dass uns die Dame sagt, unser Kind sei hochbegabt. Normalerweise bin ich nämlich sehr kritisch, stelle tausend Fragen an Ärzte/Fachpersonal. Aber ich war innerlich nicht auf so eine Aussage vorbereitet. Ich dachte ja tatsächlich eher in Richtung Asperger! Da haben mich dann so Aussagen wie „frühe Einschulung“ und „unterfordert“ total verwirrt. Daher eben auch mein Bestreben, wenn denn der Befund da ist, mich nochmals – an anderer Stelle – beraten zu lassen. Wir wohnen übrigens in Österreich, daher kann ich mit Deinen Tipps für Deutschland leider nichts anfangen, aber hab vielen Dank!

Ob wir den I-Platz bekommen ist noch offen. Die Psychologin wird auf jeden Fall in den Bericht reinschreiben, dass sie die Versetzung in eine kleine Gruppe empfiehlt (ohne I-Status). Sobald ich den Befund habe geht es damit ab zum Kindergarten – sie waren es schließlich die mich auf die Idee gebracht haben und auch diejenigen, die mich bzgl. einer Diagnostik sehr gehetzt haben (sie brauchen die Formulare bis Ende März…). Somit hoffe ich auch, dass es irgendwie möglich ist, denn auch ich bin der Meinung, dass er von der kleineren Gruppe nur profitieren kann, was er nun hat, oder auch nicht hat!

@Meine3: Herzlichen Dank für Deine Antwort. Du hast aus den wenigen Sätzen, die ich dazu geschrieben habe, mein größtes Problem herausgelesen. Nämlich wie ich unser Kind sehe….und was ich ihm damit wahrscheinlich vermittle.

Er war wie gesagt schon immer ein bisschen anders und schon immer deutlich anstrengender als andere Kinder. Wir haben immer versucht ihn liebevoll, verständnisvoll und mit viel Geduld zu erziehen. Aber gleichzeitig hat uns das auch mürbe gemacht, immer öfter kamen die Momente, wo man eben kein Verständnis mehr hat, keine Kraft eine neue Krise gelassen durchzustehen. Seit meiner Schwangerschaft (und vorausgegangener Fehlgeburt) bin ich wahrscheinlich noch viel kritischer mit ihm umgegangen als zuvor. Mein Fokus lag stark auf seinen Defiziten und ich wurde immer schneller genervt. Auch dadurch, dass ich schwierige Situation nicht mehr vermeide, indem ich ihm Dinge abnehme, sondern seine Selbständigkeit öfter auf die Probe stelle, sehe ich tagtäglich wo seine Schwächen sind! Versteh mich nicht falsch, ich liebe ihn über alles und versuche ihm das auch zu vermitteln, aber sicher ist es manchmal schwer nicht genervt zu sein, wenn etwas zum x-ten Mal nicht klappt oder er immer wieder trödelt, verweigert, trotzt oder jammert.

Ich hoffe, dass sich hier mein Blick auf ihn wieder verändert, ich arbeite hart daran! Mein größtes Ziel ist, dass er glücklich ist, und ich will jeden Weg gehen, der dazu nötig ist!

Du hast auch sicher recht, dass die motorischen Probleme ihn sehr einnehmen und kaum Raum lassen, für seine Entfaltung. Er stößt ständig an Grenzen und es eröffnen sich laufend Probleme. Und ich merke sehr wohl, dass er schlau ist und sich dieses Zustands bewusst ist. Hier ist unsere Aufgabe jetzt wirklich, ihn zu bestärken und trotzdem immer wieder zu fordern. Wie gesagt, er hat schon enorme Fortschritte gemacht, gerade was seinen Gleichgewichtssinn anbelangt, und ich bin mir sicher wir sind auf dem richtigen Weg. Ich versuche ständig, seine Schwächen auszugleichen und seine Stärken zu fördern. Ich versuche zB unseren Nachmittag so zu gestalten, dass wir ein bisschen basteln (Feinmotorik üben) und dann aber auch Gesellschaftsspiele spielen (das liebt er) oder Bücher lesen, der Papa mit ihm Radfahren übt (Gleichgewicht/Motorik) und danach Fussball spielt oder ähnliches was er gern mag. Hier würde es mir aber natürlich leichter fallen, wenn ich wüsste worin er tatsächlich begabt ist, bzw was ihn tatsächlich interessiert! Das lässt sich bei ihm total schwer ausmachen, weil er für nichts eine wirklich große Begeisterung zeigt bzw die Begeisterung nur kurze Zeit anhält. Er wollte letztens Schach lernen, also haben wir es ihm gezeigt und versucht erste Regeln zu erklären. Er spielt es auch sehr gerne, aber er spielt es irgendwie, auf seine Art und Weise eben *g* und will dann auch die richtigen Regeln nicht lernen.

Auch hier nochmal meine Hoffnung in die Testergebnisse, um zu sehen, in welchem Bereich er begabt ist. Es ist sicher ähnlich wie bei Deinem Sohn, dass er in Teilbereichen gut und in anderen schlecht abgeschnitten hat. Habe mich auch schon weiterführend informiert und belesen, und habe auch raus gelesen, dass diese asynchrone Entwicklung wohl nicht untypisch ist, und Hochbegabung manchmal erst dann in Erscheinung tritt, wenn die Person mit dem Interessengebiet in Berührung kommt, vielleicht ist das einfach noch nicht passiert. Wie alt ist denn Dein Sohn und hat er auch motorische Probleme?

Liebe Grüße
Vicy
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Re: Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

Beitragvon Karen » Do 14. Mär 2019, 17:05

Liebe Vicy,
Meine Tochter hat so manche Ähnlichkeiten mit deinem Sohn, sie ist aber schon 6. Sie war auch schon immer überdurchschnittlich Anstrengend, aber auch sehr schnell in Entwicklung. Wir hatten immer beide Seite (in Gegensatz zu euch) zu sehen. Ich kann dich sehr gut verstehen wie du geschrieben hast dass es früher einfacher gewesen mit viel Verständnis auf seine Bedürfnisse einzugehen und dann ab bestimmtes alter nichts mehr. Ich habe es genau so erlebt - mit 2-2.5 war für mich kein Problem bei einem stundigen Schreianfall ruhig bleiben und sie dort rausbegleiten. Jetzt nervt es mich viel mehr - das Kind mit 5 soll doch das schon nicht mehr machen... Obwohl ich eigentlich verstehe dass sie es macht weil sie es nicht besser oder anders kann. Dass ihr einfach zu viel wird und sie noch nicht selber rechtzeitig sich aus der Situation rausnehmen kann (das klappt jetzt mit bald 6 immer besser). Ich kann mich auch gut an der Zeiten um 4-4.5 Jahren erinnern - da waren wir phasenweise am Verzweifeln. Jetzt mit 6 ist vieles einfacher geworden. Die schreianfälle sind nicht mehr oft, die Kooperationbereitschaft ist deutlich höher. Ich weiss noch dass damals mir ein Buch von Nora Imlau "So viel Freude so viel Wut" sehr geholfen hat (war gerade neue auf dem Markt). Ich kann es dir sehr wärmst empfehlen da du würdest dort vermutlich dein Kind wieder finden und so manche Antworten auch.
Ich möchte noch wegen Selbständigkeit bei uns schreiben. Das Problem hat meine Tochter auch. Mich hat es lang auch genervt und beunruhigt - sie konnte auch kein Reisverschluss mit 4-5 zumachen. Hat sie einfach nicht interessiert. Jetzt mit knapp 6 kann sie es. Einfach so, ohne aktives üben. Kein Diskussionspunkt mehr. Dafür selber am Morgen anziehen ohne dass jemand nebenbei steht geht (nnoch) nicht. Dafür war sie 4 Tage alleine in Sportlager von ihrem Verein in Herbst (ich habe nicht geglaubt dass es geht dass sie sehr anhänglich ist, aber sie hat entschieden dass sie es will, trotz ihrem Angst bis erbrechen in der Nacht davon) und in dem Sportlager war sie A) Trocken, kein Einnässen wie im Hort und Kiga, und B) Völlig selbständig was Einziehen usw. angeht. Ich glaube sie ist einer der Kinder die für alles Aufmerksamkeit braucht und nie genug davon bekommt (ich liebe der Satz von Koschka das die Kinder wie in Schwarzen Loch Aufmerksamkeit aufsaugen und nie davon genug haben). Und ihre Art und Bedürfnis ist die Zuwendung durch die Hilfe zu bekommen. Sie hat nicht der Drang wie alle andere Kinder selbständig zu werden und sie geniesst die Unselbstständigkeit zu Hause und Aufmerksamkeit das es auslöst (positiv oder negativ), vielleicht auch eine Art Macht. Aber sie lernt es trotzdem. Einfach nebenbei. Bei anderen Sachen ist sie dann plötzlich sehr selbständig. Ich kann sie ins Laden einkaufen schicken mit langen Einkaufliste über stark befahrene Strasse - kein Problem. Oder wenn sie um 15.00 zu Hause sein muss, schaut sie das Uhr an regelmässig und ist zu Hause rechtzeitig.
Ich würde versuchen klar zu definieren was für euch wirklich wichtig ist (selber anziehen, Reissverschluss, usw.), und das durchziehen, aber bei nur sehr begrenzten Anzahl Dingen die ihr gezielt üben könnt und immer auffordert selber zu machen. Dafür würde ich bei anderen Sachen die Aufmerksamkeit durch Hilfe schenken. Es muss einfach klar sein was und wann ihr es macht und was nicht.
Und noch was - wenn meine Tochter die Geschwister hätte, hätte sie vermutlich sie schon umgebracht. Sie war schon mit 2 Monaten eifersüchtig wenn ich ein anderes Baby überhaut angeschaut habe. Es beliebt immer noch so, obwohl nicht mehr so stark ausgeprägt.
Karen
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Re: Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

Beitragvon Koschka » Fr 15. Mär 2019, 09:23

@VIcy

schreb bitte eine PN an Rabaukenmama, sie kann dich in Fragen AS in Ö. viel kompetenter beraten als wir alle zusammen.
Koschka
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Re: Angeblich hochbegabt - 4 jähriger hat viele Probleme

Beitragvon alibaba » Fr 15. Mär 2019, 10:52

Vicy hat geschrieben: …... als dass uns die Dame sagt, unser Kind sei hochbegabt. Da haben mich dann so Aussagen wie „frühe Einschulung“ und „unterfordert“ total verwirrt.


…. die motorischen Probleme ihn sehr einnehmen und kaum Raum lassen, für seine Entfaltung.
….. Er stößt ständig an Grenzen und es eröffnen sich laufend Probleme. Wie gesagt, er hat schon enorme Fortschritte gemacht, gerade was seinen Gleichgewichtssinn anbelangt, und ich bin mir sicher wir sind auf dem richtigen Weg.
….. Hier würde es mir aber natürlich leichter fallen, wenn ich wüsste worin er tatsächlich begabt ist, bzw was ihn tatsächlich interessiert!
….. Das lässt sich bei ihm total schwer ausmachen, weil er für nichts eine wirklich große Begeisterung zeigt bzw die Begeisterung nur kurze Zeit anhält.
.....Er wollte letztens Schach lernen, also haben wir es ihm gezeigt und versucht erste Regeln zu erklären. Er spielt es auch sehr gerne, aber er spielt es irgendwie, auf seine Art und Weise eben *g* und will dann auch die richtigen Regeln nicht lernen.


Mich irritieren ganz viele Dinge, die bei mir nun so überhaupt nicht mit der Empfehlung "frühe Einschulung" und "unterfordert" zusammen passen.

Ich finde daher es sehr empfehlenswert wenn Du das hier machen würdest:
Vicy hat geschrieben: Daher eben auch mein Bestreben, wenn denn der Befund da ist, mich nochmals – an anderer Stelle – beraten zu lassen.
Das sehe ich dringend auch so.


Vicy hat geschrieben:Auch hier nochmal meine Hoffnung in die Testergebnisse, um zu sehen, in welchem Bereich er begabt ist. Es ist sicher ähnlich wie bei Deinem Sohn, dass er in Teilbereichen gut und in anderen schlecht abgeschnitten hat. Habe mich auch schon weiterführend informiert und belesen, und habe auch raus gelesen, dass diese asynchrone Entwicklung wohl nicht untypisch ist, und Hochbegabung manchmal erst dann in Erscheinung tritt, wenn die Person mit dem Interessengebiet in Berührung kommt, vielleicht ist das einfach noch nicht passiert. Wie alt ist denn Dein Sohn und hat er auch motorische Probleme?


Ich glaube, in deinem Fall kann man sich nicht nur über Begabungen schlau machen, sondern muss vielfältig denken. Denn eigentlich ist der Großteil der Hochbegabten nicht auffällig, weder sozial noch so unterfordert, dass sie vor lauter Unterforderung nicht ihre eigenen Interessen finden könnten. Rost konnte sogar in seinem Marburger Projekt nachweisen, dass kluge Kinder weder sozial hinterher sind noch einer Spezialförderung bedürfen, damit sich ihre Talente auch entfalten können. Sind sie das, liegt das nicht an der Hochbegabung.

Persönlich möchte ich Dir mitgeben, dass ich mein Kind nie so einschulen würde, wenn die obigen Probleme nicht behoben wären. Ich denke tendenziell seid Ihr auf einem guten Weg mit der Ergotherapie.

VG
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