Kennt das jemand?

besondere Fähigkeiten: ist das schon ein Zeichen für Hochbegabung?

Kennt das jemand?

Beitragvon Boebae » Mi 12. Feb 2020, 15:31

Ich bin gar nicht sicher, ob ich hier richtig bin – sitze aber hier und heule und bin mittlerweile einfach so verzweifelt, dass ich mir nichts mehr wünsche, als irgendeinen Hinweis, was bei uns los sein könnte. Vielleicht finde ich hier Hilfe?

Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Könntet ihr Euch vorstellen, dass wir es eventuell mit einer Hochbegabung zu tun haben? Seid bitte gnadenlos ehrlich und sagt mir auch, wenn ihr denkt, dass ich mich verrenne… Zu unserem „Problem“ - vorab: mein Mann hat noch einen Sohn und er sagt, die Situation mit ihm war nicht vergleichbar mit unserer Tochter:
Unsere Tochter ist jetzt 18 Monate alt. Und wir als Eltern haben 18 wirklich harte Monate hinter uns (nicht falsch verstehen, wir lieben unsere Tochter über alles und sind sehr glücklich sie zu haben – sie stellt uns aber auch vor große Herausforderungen).

- Sie kam auf die Welt und war vor allem eines: WACH! In jeder Hinsicht. Immer und überall wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass unser Baby wahnsinnig wach sei. Sie hat aufmerksam alles angeschaut, wollte immer alles sehen. Den Kinderwagen hätten wir an Tag 1 wegschmeißen können, da sie darin regelrecht ausgerastet ist. Und sie benötigt seit jeher sehr sehr wenig Schlaf. Aktuell sind wir bei maximal 10 Stunden in 24h und das reicht ihr vollkommen aus. Wir haben sie noch nie ins Bett gebracht, als sie müde war, sondern immer, weil wir entschieden haben, dass sie mal schlafen sollte. Abgesehen davon, würde ich sagen, war sie ein 24h-Baby – wir konnten sie nicht ablegen.

- Sie braucht IMMER (unsere) Aufmerksamkeit – außer, wenn sie sich in ein Spiel vertieft. Das kann sie mittlerweile immer öfter auch mal länger und ist dabei wirklich zuckersüß. Dennoch, ist sie von Anfang an sehr fordernd und weiß ganz genau, was sie will. Sie läuft seit sie 10 Monate alt ist und seither zieht sie uns/Freunde/Erzieherinnen an der Hand hinter sich her und führt sie zielstrebig zu Orten an denen wir ihr irgendwas zeigen sollen oder mit ihr etwas machen sollen, was sie noch nicht kann. Sie merkt sich auch, wen sie am Besten wofür „verwendet“. Wenn sie aufs Handy schauen will, geht sie zu Opa, will sie raus, geht sie zu Papa, etc.

- Sie spricht 2-Wort Sätze, kann einfache Lieder und Melodien nachsingen bzw. summen - und stimmt die Lieder auch von selbst an. Sie ordnet anderen Kindern oder unseren Besuchern grundsätzlich die Dinge zu, die ihnen gehören.

- Wenn sie einmal an einem Ort war, findet sie sich dort zurecht. Sie kann Wege zurückgehen, die sie schon einmal gegangen ist und verläuft sich dabei nicht.

- Seit sie 15 Monate alt ist, spricht sie von sich in der dritten Person, also sagt ihren Namen und erkennt sich als eigenständige Person an, während sie mittlerweile auch die Namen aller unserer Freunde kennt, auch wenn sie diese nicht so oft sieht.

- Sie hat für sich klare Regeln aufgestellt, die wir „befolgen müssen“. Zum Frühstück sitzt immer derselbe Bär am Tisch, zum Schlafen ist es ein anderer, zur Tagesmutter muss immer der Affe mit. Papa hat ein Kuscheltier zugeordnet bekommen, welches er immer wieder von ihr bekommt. Mama hat ein anderes Kuscheltier. Sie sorgt sich auch sehr um andere Kinder. Wenn sie etwas von einem anderen Kind haben will und es ihm wegnimmt, bringt sie ihm dafür etwas anderes…

- usw.

Unsere Tochter ist in einer Kita bzw. das sind zwei Tagesmütter (noch recht jung). Dort bekommen wir dauernd gesagt, unsere Tochter sei „besonders“ (was aber nicht näher erläutert wird), aber auch, dass es nicht normal sei, dass sie so wenig schläft – um es auf den Punkt zu bringen: sie glauben uns das nicht und versuchen uns ständig Tipps zu geben, wie sie mehr schlafen könnte (was wir natürlich alles schon erfolglos versucht haben). Klar, wir sind so langsam völlig hinüber, weil wir selbst unter Schlafmangel und Zeitmangel leiden. Sie ist – wie gesagt – sehr fordernd. Wir müssen uns ständig rechtfertigen („ihr habt sie verzogen“), wenn sie eben nicht mit anderen Kindern friedlich spielt, sondern deren Mamas oder uns in der Gegend herumzieht um sich Dinge zeigen zu lassen… Wir gehen auf dem Zahnfleisch und ich würde mir so sehr wünschen, einen Grund zu finden, warum sich unsere Tochter so anders verhält und deutlich fordernder ist als andere Kinder… Geht/ginge es hier jemandem genauso?

Vielen Dank schon im Voraus! Ich schreibe hier, weil ich diese Gedanken nicht öffentlich teilen möchte, da ich mich da auch nicht lächerlich machen will… Ich weiß auch gar nicht genau, was ich mir erhoffe – vielleicht einfach mal auf jemanden zu treffen, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat und Verständnis für uns hat.
Zuletzt geändert von Boebae am Mi 12. Feb 2020, 17:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kennt das jemand?

Beitragvon sinus » Mi 12. Feb 2020, 16:18

Also erstmal: ein 18 Monate altes Kind kann meiner Meinung nach noch nicht allzu verzogen sein, weil in dem Alter meiner Meinung Erziehung nur geringfügig möglich ist.
Schlafenszeiten kann man vielleicht anerziehen, Schlafmenge aber nicht.
Mir wurde auch immer gesagt, es sei nur eine Frage der Gewohnheit und jedes Kind in dem Alter könne sich an einen Mittagsschlaf und an pünktliches Einschlafen gewöhnen, ja in dem Alter BRAUCHE ein Kind seinen Mittagsschlaf sogar...
Irgendwann zwischen 18 Monaten und 2 Jahren habe ich es schließlich aufgegeben, da was erzwingen zu wollen (Mittagsschlaf) und es wurde sooo viel entspannter hier dadurch, dass ich nicht mehr versucht haben, sie in einen Rhythmus zwingen zu wollen, den andere für richtig und wichtig hielten. Abends ist sie oft erst mit mir zusammen schlafen gegangen. (23 Uhr)
Ab und an habe ich das Kind gebeten, eine Mittagsruhe zu machen, damit ICH mal eine Auszeit habe.
Vereinbarung: sie muss keinen Mittagsschlaf machen, guckt aber in ihrem Zimmer/Bett ruhig Bücher an und lässt mich eine halbe bis Stunde möglichst in Ruhe.
Bei meiner Tochter klappte das mit so einer Vereinbarung mit 2 Jahren schon ganz gut. Sie war allerdings auch ein Kind, was von Anfang an sehr ausdauernd und gern für sich allein spielte. Ich hab sie also insgesamt nicht als besonders fordernd erlebt. Im Gegenteil - sie war so vernünftig und verständig, dass ich fand, dass ich es mit ihr deutlich leichter habe, als andere mit so kleinen Kindern.
Insofern hat mich auch das mit dem wenigen Schlaf gar nicht sooo sehr gestört.

Kennst du Remo Largos "Babyjahre"?
In dem Buch wird sehr ausführlich darauf eingegangen, welche Spannweite es bei Entwicklungsschritten, Schlaf- & Nahrungsbedarf u.ä. gibt.
Da kannst du mal schauen, gesichert liegt dein Kind da am Rand der Normalverteilung, aber auf jeden Fall in der Kurve noch drin.
Sowas würde ich den Leuten ggf mal unter die Nase halten und daran erinnern, dass auch bei Erwachsenen da eine ziemliche Bandbreite zu finden ist, wann und wie lange sie ihren Schlaf brauchen.

Ansonsten klingt es nach einem fitten, interessierten Kind, einiges ist ungewöhnlich, das mit der 3. Person bspw, auch die Zweiwortsätze mit 18 Monaten sind recht früh. (Meiner Tochter begann damit mit ca. 15/16 Monaten)
Allerdings ist dein Kind noch sehr sehr jung und es ist derzeit schwer zu sagen, wie es weitergeht.
Meine Tochter fiel mir allerdings auch so früh schon auf (im ersten Lebensjahr schon, sie war bei allen Entwicklungsschritten sehr früh dran) und eine Hochbegabung hat sich später (im Grundschulalter) dann bestätigt.
(Zwischendurch hatte ich aber auch Zweifel, weil sie grad im späten Kigaalter/ersten Schuljahr weniger auffiel.)

Vielleicht lohnt es sich für euch, sich mal ein bisschen ins Thema einzulesen. Oft wird in entsprechenden Büchern auch schon auf auffälliges Verhalten und gewisse "typische Probleme" im Kleinkindalter eingegangen.

(Was genau ist eigentlich aktuell euer Hauptproblem? Das hab ich nicht ganz herauslesen können...)
Zuletzt geändert von sinus am Mi 12. Feb 2020, 17:06, insgesamt 12-mal geändert.
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Re: Kennt das jemand?

Beitragvon Bliss » Mi 12. Feb 2020, 16:19

Ein Entwicklungsvorsprung liegt auf jeden Fall vor, mehr kann man dazu im Moment noch nicht sagen.

Aber das hilft euch bei euren Problemen sowieso nicht wirklich weiter, denn das, was euch Probleme macht sind doch mehr Charaktereigenschaften, die einerseits nicht jeder Hochbegabte hat (mein als höchstbegabt getester Sohn z.B ist ganz anders) und nicht jeder der so ist ist hochbegabt.

Hochbegabung an sich verursacht ja keine Probleme, zumindest nicht, wenn die Umgebung halbwegs passt. Die meisten Hochbegabten fallen ja nicht besonders auf, solange die Umgebung halbwegs passt. Die, die auffallen haben meist noch andere Diagnosen wie ADHS oder Autismus.
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Re: Kennt das jemand?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 12. Feb 2020, 17:02

Ich habe nicht ganz verstanden, was das eigentlich Problem ist. Das Kind schläft 10 Stunden. Wem erscheint das als zu wenig und warum? Das Kind spricht? Könnte man nur froh sein, weil vor allem die Kinder, die sich nicht ausdrücken können, machen es einem noch schwieriger und werden schneller unzufrieden. Ist das Problem, dass das Kind ständig einen Erwachsenen braucht? Irgendwann ist das auch vorbei, ich habe drei davon und den Ältesten muss ich jetzt bitten anzufuren, wenn er nach 20 Uhr noch nicht zuhause ist. Schreib bitte genauer, was dein Problem ist, dann können wir vielleicht besser helfen.
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Re: Kennt das jemand?

Beitragvon alibaba » Mi 12. Feb 2020, 17:09

Ich sehe es wie @Bliss bzw. ich hätte es genauso geschrieben.

Bliss hat geschrieben:Ein Entwicklungsvorsprung liegt auf jeden Fall vor, mehr kann man dazu im Moment noch nicht sagen.


Für andere Annahmen finde ich es zu früh. Das ist alles noch zu wage. Und wenn ich ganz ehrlich bin, so genau kann ich mich nicht mehr im Detail erinnern.

Mein Ältester hat auch immer sehr kurz geschlafen (heute als Teenager immer noch). 10 Stunden als Baby war bei ihm normal. Ablegen ein Unding und ich kroch auf dem Zahnfleisch. Auch ich hätte den Kinderwagen nicht wirklich benötigt. Ständig wollte er die Welt erkunden. Frei und ab da komplett alleine lief er mit 11 Monaten. Lieder merken ging auch locker flockig im Alter von 1 1/2 Jahren ….."leise rieselt der Schnee" ….diese 3 Strophen ...da kann ich mich noch gut erinnern. Ob das aber alles nun Zeichen einer HB sind ……?????? :gruebel: Ich glaube nicht.

Mein Rat. Ihr habt das Kind und das ist wie es ist. Wenn es Input braucht, dann gebt es ihr. Schaut mal, was es bei euch so gibt. Ab 18 Monaten gingen wir in den Babymusikgarten und zum schwimmen. Ein Laufrad habe ich gekauft und ab ging es in den Park - täglich. Mein Großer ging dann zur Tagesmutter. Das entlastete mich und ich fing wieder an zu arbeiten. Ab 2 Jahren beginnen bei uns in der Bibliothek die "Büchermäuse". Gruppen und Themen die man zusammen in der Gruppe erforschen kann. Ab 3 Jahren lohnt sich ein Blick ins Programm der Museen.

Beobachten, dran bleiben und vielleicht eine Kita suchen, das wäre mein Rat an euch. ;)
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Re: Kennt das jemand?

Beitragvon Boebae » Mi 12. Feb 2020, 17:21

Danke für Eure Antworten. Ihr habt recht, wahrscheinlich sollten wir einfach versuchen weniger nach Ursachen zu suchen...

Tatsächlich weiß ich auch nicht genau, was mein Ziel mit dem Beitrag war. Vielleicht wollte ich meine Gedanken einfach mal teilen, in der Hoffnung auf Verständnis und Erfahrungswerten. Wahrscheinlich ist mein Beitrag hier aber einfach am falschen Ort ;-).
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Re: Kennt das jemand?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 12. Feb 2020, 17:43

nein, falscher Ort ist das dafür nicht. Nur deine Sicht ist einseitig. Du versuchst das sich ungewöhnlich verhaltenes Kind zu klassifizieren, um dadurch den Umgang damit leichter zu machen. Wenn du statt nach Ursachen zu suchen deiner Sicht auf das Kind änderst, geht das leichter. Es sei denn, ihr habt tatsächlich Probleme, die eine therapeutische Einwirklung voraussetzen, wie z.b. ein Verdacht Richtung Autismus.
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Re: Kennt das jemand?

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 12. Feb 2020, 18:01

Nur zum schlafen: Im Alter von 18 Monaten hatte mein älterer Sohn ein Schlafbedürfnis von ca. 10 Stunden pro 24 Stunden und mein jüngerer Sohn ca. 9 1/2 Stunden pro 24 Stunden. Zwischen 18 Monaten und knapp 3 Jahren war für uns in Sachen Schlaf eine sehr schwierige Zeit bei beiden Kindern, weil es das noch nicht OHNE Mittagsschlaf geklappt hat und auch nicht mit. Denn ohne sind die Kinder zwischen 16h und 17h todmüde "weggekippt" und waren gegen 4h morgens putzmunter wieder wach und mit ist es abends immer SEHR spät geworden (wir reden hier von Einschlaf-Zeiten zwischen 22h30 und 1h morgens). Beim älteren Sohn hat es geklappt, wenn mein Mann gegen 22h mit ihm (mit dem Auto) einschlaffahren war. Ich habe mitgeschrieben und weiß daher, dass mein Sohn innerhalb von 4 Monaten genau 2x ohne einschlaffahren eingeschlafen ist.

Beim Schlafverhalten hat mir am besten das Buch "Babyjahre" von Remo H. Largo geholfen (sinus hat es auch schon empfohlen :) ) - ein Klassiker mit viel Liebe zum Kind. Dadurch wurde mir erst klar, dass Schlaf nichts ist, was man "anerziehen" oder "wegerziehen" kann und dass die ganzen Binsenweisheiten, wie viel Schlaf "ein Kind" in welchem Alter "braucht" schlichtweg Quatsch sind. Nachdem der Mittagsschlaf dann weggefallen war (bei beiden noch vor dem 3. Geburtstag), wurde es viel leichter. Aber trotzdem mussten wir damit leben, keine Kinder zu haben, die um 7h abends ins Bett gehen und bis 7h30 am nächsten Morgen durchschlafen. Meine Cousins und meine Cousine haben solche Kinder, ich nicht. Damit musste ich leben lernen ;) .

Wegen Aufmerksamkeit-fordern: da war mein älterer Sohn sehr ähnlich. Er war nie das Kind, das friedlich in einer Ecke saß und mit dem für ihn "vorgesehenen" Spielzeug spielte. Wir haben das große Glück gehabt, dass er in einer Kindergarten-Familiengruppe war, wo das kein Problem darstellte. Auch die Tatsache, dass er schon früh keinen Mittagsschlaf mehr brauchte war dort locker-easy. Ist er halt mit den älteren Kindern wach gewesen, wenn die "Kleinen" geschlafen haben. Mit 4 Jahren haben die meisten anderen Kinder den Mittagsschlaf nicht mehr gebraucht. Aber ein Mädchen in seiner Gruppe brauchte ihn bis Schuleintritt (mit 6 1/2 Jahren) und die ist halt als einzige "Große" zwischen den Kleinen gelegen und hat geschlafen.

Was die Aussagen der Tagesmütter betrifft: bei einem Ohr rein, beim anderen wieder raus! Kann man üben :mrgreen: .

Ansonsten schließe ich mich den anderen hier an: deine Tochter ist kognitiv und sprachlich ziemlich fit. Ob sie hochbegabt ist kann dir jetzt seriös noch niemand sagen, aber einiges deutet darauf hin. Nur ist das an sich kein Problem sondern einfach ein Lernprozess für die Eltern, das Anders-Sein zu akzeptieren. Ein hochbegabtes Kind ist kein "besonderes Juwel" bei dessen Förderung und Forderung man möglichst immer alles "richtig" machen muss, sondern ein ganz normales Kind, welches halt in mancher Hinsicht nicht mit Einheitsbrei für die jeweilige Altersstufe zufrieden sein wird. Gerade, wenn man nur ein Kind hat, ist es aber machbar. Ich habe z.B. mit meinem Sohn manche Kinder-Aktivitäten schon gemacht, als er vom Alter her noch deutlich zu jung war. Ich habe halt immer vorher angerufen und erklärt, dass ihn die Sache schon interessiert (Videospiel-Workshop, Flughafen-Besichtigung, Sternwarte) und dass er kognitiv sehr fit ist und daher von der Teilnahme an genau dieser Aktivität mMn Freude haben wird. Es gab dabei nie ein Problem. Beim ersten Videospiel-Workshop (mit 5) wurde ich darauf hingewiesen, dass Lesekenntnisse notwendig sind (der Workshop war ab 7) und als ich gesagt habe, dass mein Sohn fließend liest, ging es auch.

Wenn ihr Großeltern oder andere Bezugspersonen in greifbarer Nähe habt würde ich euch raten, die Tochter immer wieder mal dort "abzugeben" um selbst ein bisschen verschnaufen zu können ;) . Bei uns war das schwierig, wir waren meistens allein auf weiter Flur und durch die Behinderung des Kleinen (gehörloser, frühkindlicher Autist) sind viele Möglichkeiten für Familien-Aktivitäten (Kino, Museum mit Führung, (Kasperl-)Theater,...) weggefallen. Wir haben auch immer wieder mal die Kinder "aufgeteilt" und mein Mann ist z.B. mit dem Kleinen ins Bad und ich bin mit dem Großen ins Museum. So machen wir das teilweise heute noch (die Kinder sind inzwischen 7 und fast 10).

Jedenfalls herzlich willkommen hier, und wenn du Fragen hast, her damit :) !
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Kennt das jemand?

Beitragvon Meine3 » Mi 12. Feb 2020, 21:23

Hallo,

Ich habe 3 Kinder. Alle hatten ganz unterschiedliche Schlafrhythmen und -bedürfnisse, aber alle 3 sind „anstrengend“ auf ihre Art und Weise.

Kinder SIND anstrengend. Sie laugen und saugen einen manchmal aus. Das ist etwas, was man sich in der Schwangerschaft oder noch früher SO garnicht vorstellen kann. Aber glaub mir: jede Mutter (und jeder engagierte Vater) kommt früher oder später an den Punkt, wo sie (er) sagt: ich kann nicht mehr...

Also ja: ich verstehe dich und kenne das.

Ob das geringe Schlafbedürfnis und das fordernde Wesen deines Kindes nun aber zwangsläufig was mit einer Hochbegabung zu tun haben muss, das kann dir hier sicherlich niemand sagen. Mir ist bewusst, dass das in Checklisten im Internet oft steht: Hochbegabte Kinder brauchen oft viel weniger Schlaf...Hochbegabte Kinder sind oft einnehmend und hinterfragen...etcpp.

Aber ganz ehrlich: ich kenne mittlerweile mehrere hochbegabte Kinder und Erwachsene. Die sind alle so verschieden ;). Das einzige, was eben alle gemein haben, ist ihr hoher Intellekt ( der sich aber wiederum
auch sehr unterschiedlich äußern kann). Es gibt natürlich „Hinweise“, die darauf hindeuten können, dass man ein sehr intelligentes Kind zu Hause hat und die treffen oft in vielen Punkten zu, in anderen Punkten dann aber wieder garnicht. Nicht jedes Begabte Kind braucht wenig Schlaf, nicht jedes spricht außerordentlich früh.

Und ob das Kind dann wirklich hoch(!)begabt ist oder „nur“ begabt, das kann man so auch nicht ermitteln. Das kann nur ein Test und dieser ist im Alter deiner Tochter noch nicht machbar. Außerdem ändert man damit ja auch nicht „das Problem“, sondern höchstens die Herangehensweise ans Kind. Und das wäre auch ohne Test meine Empfehlung: behandelt euer Kind wie ein sehr kluges Kind, das viel Futter braucht und viel Freiraum. Ich würde als Mutter mein Kind nun auch nicht einfach ungehemmt gewähren lassen und nich ihm bedingungslos unterordnen :P , aber das werdet ihr ja sicher auch nicht tun..

Zum Thema Schlaf:

Es gibt einen Grund warum es 1001 Ratgeber zum Thema „wie kriege ich mein Kind zum schlafen“ gibt. Eltern rund um den Globus kämpfen mit ähnlichen Problemen wie ihr. Ihr seid nicht allein. Dass jedes Kind 12 Stunden Schlaf braucht (Säuglinge ha noch viel mehr), mag verallgemeinernd hinkommen. Aber Abweichungen von dieser „Norm“ gibt es immer und zwar nicht zu knapp.

Mein Sohn brauchte als Baby und Kleinkind auch eher wenig Schlaf, vor allem tagsüber, aber nicht so wenig wie deine. Mittagsschlaf war auch recht früh Geschichte (so mit 20 Monaten hab ich’s komplett aufgegeben), dafür hat er aber dann nachts seine 10-11 Stunden am Stück geschlafen, wobei er immer wieder Nächte hat (auch heute noch mit 7), wo er nachts aufwacht und schlecht geträumt hat und dann zu uns Bett kriecht. Mittlerweile kommt er mit 9 Stunden aus, was tendenziell auch eher wenig ist.

Meine große Tochter war schon immer ein Murmeltier. Sie schläft abends nicht so gut ein und braucht da als etwas länger, schläft aber morgens gerne lang und vor allem schläft sie fest und als Baby hat sie SEHR viel geschlafen. Durchgeschlafen hat sie so mit 10 Monaten. Und sie hat auch bis sie 3 war öfter noch mittags geschlafen, sogar mit 4 ist sie manchmal noch nachmittags im Auto eingepennt. Sie schläft gern 12-13 Stunden.

Meine Jüngste war ne Vollkatadtrophe mit dem schlafen, nicht unbedingt wegen der Menge, sondern eher weil sie, bis sie 2,5 Jahre alt war nicht länger als 4 Stunden am Stück schlief. Regel war eher alle 2-3 Stunden war sie wach :schwitz: und ich finde leider immer recht schlecht wieder in den Schlaf, was bedeutet, dass ich ein lebender Zombie war...Jetzt ist sie 3 und schläft 11 Stunden am Stück durch.und ich habe nach 7 Jahren geraubten Schlaf (meine Kinder sind 7, 5,5 und 3. da gab es keine/kaum Verschnaufpause zwischendrin) endlich wieder Nächte, in denen ich tatsächlich 6,5 Stunden am Stück schlafe (mehr brauch ich auch nicht, ich schlafe gern mehr, aber meist bin ich nach 6,5 Stunden einfach ausgeschlafen).

Alle meine 3 Kinder sind klug (nur der Sohn ist getestet), haben früh gesprochen (so wie deine Kleine ungefähr), und fallen auch sonst als „besonders“ auf, jedes hat aber so seine „special effects“, jedes meiner Kinder ist total unterschiedlich.

Auch ich war - und bin es noch - des Öfteren unsicher wie ich auf solcherlei Kommentare von Mitmenschen reagieren soll, aber es wird mir immer gleichgültiger was andere denken. Meine Kinder sind nunmal fit, schnell und teilweise auch echt schrullig und das ist auch okay so.

Was mich interessieren würde wäre, wo der Schuh denn nun am meisten drückt?

Leidet ihr am meisten unter dem geringenSchlafbedürfnis eures Kindes oder eher unter den vermeintlich hilfreichen Empfehlungen und Kommentaren von anderen Menschen?

Deine Kleine ist sicherlich ein kluges Kind, deiner Beschreibung nach. Ob eine Hochbegabung dahinter steckt kann man zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch nicht sagen. Das wird die Zeit zeigen. Im Grunde ändert das Wissen um die hohe Begsbung ja auch nichts. Das Kind ist dann immer noch wie es ist ;). Zwangsläufig pathologisch oder beunruhigend finde ich all das, was du erzählst jetzt erstmal noch (!) nicht.

Ich kann dir, wie meine Vorrednerinnen auch „Babyjahre“ empfehlen als globales Nachschlagewerk für die ersten 4 Lebensjahre.

Ansonsten „wie aus anstrengenden Kindern großartige Erwachsene werden“ ;).Da geht es einfach ausgedrückt um temperamentvolle Kinder. Zum rein schnuppern ins Thema Hochbegabung finde ich „jenseits der Norm - hoch begabt und hochsensibel?“ ganz toll, und zum Thema Hochsensibilität „sind sie hochsensibel?“, was euch eventuell auch betreffen könnte.

Bis bald mal hier...
Meine3
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Re: Kennt das jemand?

Beitragvon Boebae » Do 13. Feb 2020, 09:28

Vielen Dank für die weiteren Antworten!

@Rabaukenmama: Du sprichst mir, was das Schlafen angeht, absolut aus dem Herzen. Der Mittagsschlaf ist gerade leider in der Diskussion mit der Tagesmutter ein super schwieriges Thema. Sie legt alles daran, dass unsere Tochter so lange wie möglich schläft, da sie findet, dass der Mittagschlaf ohnehin zu kurz sei (im Vgl. zu ALLEN anderen Kindern). Für uns bedeutet das aber, dass wir erst Nachts ins Bett kommen oder mitten in der Nach stundenlang wach sind. Die ohnehin kurze Gesamtschlafzeit unserer Tochter verschiebt sich so zu einem viel zu großen Teil auf den Mittagschlaf. Wir sind auch an dem Punkt an dem ich mir so sehr wünsche, dass sie diesen Mittagschlaf einfach bald gar nicht mehr braucht... Ich werde mir das vorgeschlagene Buch auf jeden Fall mal ansehen! Danke für den Tipp!
Und ja, auch da hast du recht, wir müssen die Großeltern mehr einspannen. Die wohnen tatsächlich einen Ort nebenan - sind zwar nicht mehr so fit - aber ein bisschen mehr könnten wir sie sicherlich integrieren.

@Meine3: Ich glaube, du hast mich ganz gut durchschaut. Natürlich leiden wir unter Schlaf- und Zeitmangel. Aber das gehört sicherlich einfach dazu und ist an manchen Tagen etwas schlimmer (gestern als ich den Beitrag geschrieben habe zum Beispiel ;-) ) und an manchen Tagen besser. Unser größtes Problem sind die Kommentare, die Blicke und die vermeintlich guten Tipps der anderen Leute. Unsere Tochter verhält sich anders als die anderen Kinder in unserem Bekanntenkreis, in der Familie, in der Spielgruppe... Sie tut das seit dem Tag ihrer Geburt. Und seit diesem Tag sind wurden wir mit "Ratschlägen" und Vorwürfen konfrontiert. Ein Beispiel: Das Baby (5 Wochen alt) schläft nach 5 vollen Stunden Schreien ein und man ist völlig erschöpft und auch ein wenig verzweifelt, dann kommt der Spruch "Entspannte Eltern, entspannte Kinder".... Oder man trägt sie quasi rund um die Uhr im Tragetuch, weil sonst besagtes Schreien stattfindet, dann muss man sich anhören "ihr habt sie verzogen und schon an das Tuch gewöhnt"... Mit diesen Sprüchen könnte ich nun endlos weitermachen. Das macht mich fertig, obwohl ich eigentlich eine recht selbstbewusste Person bin, die normalerweise über solchen Dingen stehen kann. Vor allem fragt man sich natürlich schon, wie viel Wahres immer in den Aussagen steckt... Nach 18 Monaten bin ich an einem Punkt angelangt an dem ich mir manchmal eine Welt ohne andere Menschen wünsche (das ist jetzt drastisch formuliert). Denn eigentlich habe ich das Gefühl, dass wir als Familie im Kern glücklich sind und unsere Eigenarten lieben und schätzen gelernt haben (Sowohl wir als Eltern als auch im Zusammenspiel mit unserer Tochter).

Alles in allem, müssen wir einfach lernen mit der Situation umzugehen und auch wenn ich hier viel jammere: wir sind so stolz auf unsere Tochter und freuen uns dass sie genauso ist, wie sie ist! Jetzt müssen wir es nur noch schaffen, die "Ratschläge" besser zu verkraften. Ob das nun mit einer besonderen Begabung in Verbindung steht oder nicht ist tatsächlich zweitrangig und könnte vermutlich genauso gut einfach ein besonders temperamentvoller/neugieriger Charakter sein. Wir beobachten unsere Tochter einfach aufmerksam und machen uns klar, dass wir als Eltern intuitiv richtig handeln und einfach jedes Kind anders ist - auch wenn sich das für manche Leute nicht nachvollziehen lässt. Danke Euch!
Boebae
 
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