Religion

Fragen aus dem Alltag, Tipps und gute Ratschläge

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Beitragvon Meine3 » Di 30. Jul 2019, 19:59

Huhu,

so. Es ist soweit. Mein Sohn MUSS zum 1. Mal in die Kirche. Morgen ist "Probe-Gottesdienst" für den Einschulungsgottesdienst...Warum auch immer man das proben muss (mit den Kindern :| ).

Mein Sohn ist aus uns noch nicht ganz ermittelten Gründen Atheist. Und zwar aus tiefster Überzeugung. "Gott gibts nicht". Punkt. Das ist ungefähr so seit er 4 ist. Davor hatte er eine kurze Phase, in der er sehr viele Fragen zu diesem Thema gestellt hat, die wir ihm so offen und werfrei es ging, auch beantwortet haben. Und dann war das Thema durch für ihn.

Nun hat er ein Riesentheater gemacht wegen dieses Gottesdienstes. Er will auch in der Schule nicht in den Religionsunterricht...

Unabhängig davon, dass wir unsere Kinder nicht im christlichen Glauben erziehen (Weihnachten und Ostern gibts schon ;) ), sind wir doch offen gegenüber Relgion(en) und finden es auch für die Kinder wichtig, das Christentum kennen zu lernen. Schließlich ist es Teil unserer Kultur. Ob sie dann "glauben", das überlassen wir ihnen. Wir sind ein Elternhaus, wo das nicht automatisch mit in die Wiege gelegt wird. Vor allem, da wir keine gläubigen Christen sind. Sie sollen selbst entscheiden...

Aber um sich zu entscheiden, muss man sich das Ganze ja erstmal anschauen...

Nach langer Diskutiererei habe ich ihn nun dazu gebracht, dass er überhaupt hingeht, aber er sperrt sich so total dagegen und benimmt sich recht bockig. Ich befürchte, dass ich beim abholen morgen wieder ein paar "nette Anekdötchen" über meinen Sohn zu hören bekomme :schwitz: ...

Meine Tochter ist übrigens ganz anders drauf. Die findet das Thema Religion, Jesus, Kirche etc. total spannend :lol: ...

Wie ist das mit Eurem Nachwuchs? Sind die auch so "rationale" Denker? Wie sieht es mit euch selbst aus? Wie geht ihr in der Familie mit Religion um?
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Re: Religion

Beitragvon Koschka » Di 30. Jul 2019, 20:28

Hallo,

gibt es bei euch kein Ethikunterricht? Bei uns muss man für Reli einen Taufschein vorlegen, oder in Ausnahmefällen begründen, warum es erwünscht ist, dass ungetaufte Kinder an Religionsunterricht teilnehmen. Bei uns sind seit diesem Jahr die Ehtikkinder in der Grundschule in der Überzahl.

Alternativ kann man dem Kind erklären, dass man in die Kirche auch dann gehen kann, wenn man den Glauben/Glaubensrichtung nicht teilt. Man muss auch nicht beten. Es reicht wenn man die anderen respektiert und nicht stört.
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Re: Religion

Beitragvon Meine3 » Di 30. Jul 2019, 20:50

Koschka hat geschrieben:Hallo,

gibt es bei euch kein Ethikunterricht? Bei uns muss man für Reli einen Taufschein vorlegen, oder in Ausnahmefällen begründen, warum es erwünscht ist, dass ungetaufte Kinder an Religionsunterricht teilnehmen. Bei uns sind seit diesem Jahr die Ehtikkinder in der Grundschule in der Überzahl.

Alternativ kann man dem Kind erklären, dass man in die Kirche auch dann gehen kann, wenn man den Glauben/Glaubensrichtung nicht teilt. Man muss auch nicht beten. Es reicht wenn man die anderen respektiert und nicht stört.



Nein. Kein Ethikunterricht. Ich konnte es auch kaum glauben. Entweder evangelisch, katholisch oder eben Freistunde. Und Freistunde ist halt schwierig, je nachdem wie sie liegt...

Klar haben wir das dem Sohn so vermittelt. Dass er nicht beten muss, nicht glauben muss. Sondern sich das einfach mal anhören und anschauen soll. Und dass es auch interessant sein kann. Aber er stellt auf stur. Wie gesagt, geht er jetzt schon hin, aber SEHR widerwillig.

Ich habe ihn jetzt nicht für den Religionsunterricht angemeldet, aber der Direktor hat drum gebeten, dass wir uns das nochmal überlegen sollen :gruebel: ...

Ich meine: bringt ja nix, wenn das Kind von vornherein eine so starke Abneigung dagegen hat. Er wird vermutlich stören...
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Re: Religion

Beitragvon charlotte12 » Di 30. Jul 2019, 21:10

Meine Tochter hatte zu Kindergartenzeiten ein recht spezielles Gottesbild "Ich bin Gott, alles ist Gott". Wobei ich bis heute nicht weiß, ob diese Ideen wirklich von ihr stammten oder ihr zumindest teilweise im Waldorf-Kindergarten vermittelt wurden. Den Einschulungsgottesdienst fand sie naja, Religion fand sie monatelang so richtig furchtbar (ist Pflichtfach). Seit Ende der ersten Klasse ist Religion aber mit kurzen Unterbrechungen ihr absolutes Lieblingsfach. In Klasse 1 und 2 war das auch praktisch das einzige Fach, in dem sie wirklich Neues lernen konnte... Mittlerweile kennt sie sich mit religiösen Themen wesentlich besser aus als ich :oops:
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Re: Religion

Beitragvon Koschka » Di 30. Jul 2019, 21:10

ich wusste nicht, dass es so was gibt...

Ich fang an einer anderen Stelle an. Mein Kleiner geht zum Sportcamp. Erster Tag - voller Erfolg. Zweiter Tag - ich will nicht hin. Das vorsichte Nachfrage hat ergeben: "Morgen ist Badminton. Ich kann nicht, bestimmt bin ich der Einzige, der es nicht kann." Alle konstruktive Versuche die Position zu mildern haben nichts gebracht. Ich habe den Kleinen durch Erpressung doch überzeugt, er geht hin. Dann habe ich den Betreuer angesprochen, dass der Kleine ein Problem mit Badminton habe. Der Betreuer atwortete, dass dieses Spiel bestimmt nicht alle können. Der Kleiner, hinter meinem Rücken stehend: "Achso, es ist ein Spiel?!" Danach war das Problem vom Tisch. Neue Sachen können vorsichtigen Kindern ganz schon viel Angst einjagen. Vielleicht ist es mit deinem Sohn und dem Glauben noch gar nicht so fest entschieden, wie er denkt. Die Erfahrung der Spiritualität kann die Position ändern, aber damit man eine Chance hat, muss man sie erleben.
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Re: Religion

Beitragvon Koschka » Di 30. Jul 2019, 21:15

@Meine3

Ich habe für deinen Sohn ein Buchtipp.

https://www.amazon.de/viel-mehr-als-Ste ... 163&sr=8-1

Es ist nicht dick, aber auf jeder Seite kommen tiefgreifende philosophische Fragen. Zweifeln sind ausdrücklich erlaubt.
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Re: Religion

Beitragvon Meine3 » Mi 31. Jul 2019, 08:56

Hallo Koschka,

danke für den Buchtipp. Nachdem uns dieses Theater nun 2 Wochen begleitet hat, hat es sich heute morgen (heute ist der Probe-Gottesdienst) aufgeklärt, warum er da absolut nicht hin wollte. Nicht, dass wir nicht vorher schon nachgehakt hätten, aber manchmal ist das schon so ne Art Detektivspiel, raus zu finden wo genau der Schuh drückt.

Er sagte irgendwann, dass er bei der Taufe seines Cousins (das war vor 2 Jahren und er war nur teilweise anwesend) nichts verstanden hat, obwohl er gut zugehört hat und dann war das total langweilig. Außerdem kenne er die ganzen Lieder und Texte ja gar nicht.

Und dann ging mir ein Licht auf. Er hat ebenfalls Angst "zu versagen"!

Ich hab ihn also zur Seite genommen und ihm versichert, dass er höchstwahrscheinlich nicht das einzige Kind ist, das noch nicht in einem Gottesdienst war und dass er die ganzen Lieder und Texte nicht können muss. Wenn er sich blöd vorkommt, weil er nicht mitsingen kann, soll er einfach so tun, als ob er mitsingt. Aber dass ich auch davon ausgehe, dass sie den Probelauf jetzt machen, damit die Kinder die Lieder schon mal gehört haben. Ich hab ihm Mut gemacht und gesagt, dass er sich doch auch jedes Hörbuch und Lied schnell merken kann und dass das hier sicher auch so ist. Er schaute mich mit großen Augen an, umarmte mich und meinte:" ich glaub, ich probier das jetzt mal mit der Kirche." :fahne:

Gruß, Nora
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Re: Religion

Beitragvon Meine3 » Mi 31. Jul 2019, 08:57

Hallo Koschka,

danke für den Buchtipp. Nachdem uns dieses Theater nun 2 Wochen begleitet hat, hat es sich heute morgen (heute ist der Probe-Gottesdienst) aufgeklärt, warum er da absolut nicht hin wollte. Nicht, dass wir nicht vorher schon nachgehakt hätten, aber manchmal ist das schon so ne Art Detektivspiel, raus zu finden wo genau der Schuh drückt.

Er sagte irgendwann, dass er bei der Taufe seines Cousins (das war vor 2 Jahren und er war nur teilweise anwesend) nichts verstanden hat, obwohl er gut zugehört hat und dann war das total langweilig. Außerdem kenne er die ganzen Lieder und Texte ja gar nicht.

Und dann ging mir ein Licht auf. Er hat ebenfalls Angst "zu versagen"!

Ich hab ihn also zur Seite genommen und ihm versichert, dass er höchstwahrscheinlich nicht das einzige Kind ist, das noch nicht in einem Gottesdienst war und dass er die ganzen Lieder und Texte nicht können muss. Wenn er sich blöd vorkommt, weil er nicht mitsingen kann, soll er einfach so tun, als ob er mitsingt. Aber dass ich auch davon ausgehe, dass sie den Probelauf jetzt machen, damit die Kinder die Lieder schon mal gehört haben. Ich hab ihm Mut gemacht und gesagt, dass er sich doch auch jedes Hörbuch und Lied schnell merken kann und dass das hier sicher auch so ist. Er schaute mich mit großen Augen an, umarmte mich und meinte:" ich glaub, ich probier das jetzt mal mit der Kirche." :fahne:

Gruß, Nora
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Re: Religion

Beitragvon Meine3 » Mi 31. Jul 2019, 08:58

charlotte12 hat geschrieben:Meine Tochter hatte zu Kindergartenzeiten ein recht spezielles Gottesbild "Ich bin Gott, alles ist Gott". Wobei ich bis heute nicht weiß, ob diese Ideen wirklich von ihr stammten oder ihr zumindest teilweise im Waldorf-Kindergarten vermittelt wurden. Den Einschulungsgottesdienst fand sie naja, Religion fand sie monatelang so richtig furchtbar (ist Pflichtfach). Seit Ende der ersten Klasse ist Religion aber mit kurzen Unterbrechungen ihr absolutes Lieblingsfach. In Klasse 1 und 2 war das auch praktisch das einzige Fach, in dem sie wirklich Neues lernen konnte... Mittlerweile kennt sie sich mit religiösen Themen wesentlich besser aus als ich :oops:


Das ist doch eine schöne Wende ;) ... Ich bin sehr gespannt, was Sohnemann und Erzieher heute nachmittag zu berichten haben...
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Re: Religion

Beitragvon alibaba » Mi 31. Jul 2019, 18:12

Ich verstehe das immer nicht. Die Vermutung dass Kind etwas nicht mag, weil es Angst vor dem Versagen hat. Ich hab mit dieser Argumentation immer ein Problem. Warum kann ein Kind sich nicht frei auf etwas einlassen?

Meine Kinder sind nicht religiös. Trotzdem gingen sie in einen katholischen Kiga. In der GS wählten sie nichts, das war dann eine Freistunde.

Ab weiterführende Schule gab es ab Klasse 5 Freistunden - Juhu, ab Kl.7 Ehtik - Mist, keine Freistunde mehr.

Ich behaupte mal, dass meine ungetauften Kinder schon öfter in Gottesdiensten waren um hinzugehen bzw. Um den zu gestalten als manch Getaufter, der nur getauft wurde, weil man das so macht. Mein Sohn war sogar schon mal Joseph im Krippenspiel, dafür braucht man hier nichts, außer der Bereitschaft am Tun. Gottesdienstmitarbeit ist hier „normal“, Weihnachten für Musik beim Krippenspiel zu sorgen sowieso. Festgottesdienste zu gestalten und dann zusammen zu Vespern ist hier selbstverständlich und natürlich auch bei den Fürbitten zu schwätzen. Das gab es schon als Kigakind.

Hier macht keiner wegen Etwas Geschrei. Angst zu versagen ist mit Schule verknüpft, aber nie mit einem Hobby. In der Kirche wird nämlich nicht ausgelacht.

Meine Kinder probieren alles aus. Angst zu versagen sehe ich nur vor schulischen Arbeiten oder vor schulischen Vorträgen. Neugierde hat bei meinen Kindern, vor allem beim Sohn, oberste Priorität. Meine Tochter schaut immer erst, was der große Bruder macht, aber im zweiten Durchgang traut sie sich grundsätzlich auch. Mein Sohn war schon immer neugierig. Er versicherte sich durch Blicke mit mir, dann machte er das - früher. Heute macht er alles was neu sein könnte um Langeweile zu entfliehen, natürlich ohne mein Kopfnicken abzuwarten. :mrgreen:

Und womit ich auch Bauchschmerzen hab ..... unser ganzes Leben lang werden uns Dinge begleiten, die wir langweilig finden. Aber Andere können wir vielleicht damit beglücken. Ja, es ist langweilig in der Kirche, aber wir erfreuen Andere mit unserem Tun. Ja, es ist langweilig im Altenheim, aber die Herrschaften dort sind so glücklich, wenn wir da aufschlagen, ja, es ist langweilig im Matheunterricht, aber mein Sohn ist sehr beliebt im Klassenverbund, wenn er geduldig seinen Kameraden die Vorgehensweise erklärt.
Ich verlange von meinen Kindern eine gewisse Bereitschaft Dinge zu tun, die langweilig sind, aber für die Gemeinschaft förderlich. Ist so im Leben.
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