Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

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Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

Beitragvon Bommelomel » So 25. Aug 2019, 16:47

Hallo liebe Eltern!

Ich frage euch um Rat und bitte um Teilung eures Erfahrungsschatzes!

Mein Sohn wird bald vier Jahre alt und ist eventuell höher begabt oder hochbegabt und dazu sehr sensibel. Er zeigt deutliche Anzeichen, aber mal sehen, wie es sich entwickelt. Ich bin auch "betroffen" und dazu auch sehr sensibel. Er ist mein einziges Kind.

Mein Problem ist, dass mein Sohn nicht in den Kindergarten geht und ich zwar abends und am Wochenende mal Auszeiten habe, wenn mein Mann da ist, er aber mich am liebsten auch immer um sich herum hat und ich viel lernen muss, wenn ich mal Freizeit habe. Ich dagegen bin täglich irgendwann sehr gesättigt und bräuchte dringend Ruhe in Form von absoluter Stille. Schwierig bis unmöglich mit einem Energiebündel, das zu bekommen. Er spricht den ganzen Tag gefühlt ohne Pause, stellt Fragen, verlangt ständige Aufmerksamkeit, Rollenspiele, Input, Output und ist immer aktiv. Motorisch ist er immer irgendwie aktiv und ich vermute, dass er so die Spannungen abbaut.

Ab und an geht es, dass ich mich mal ausruhen kann und er mich eine Stunde schlafen oder ruhen lässt. Das ist schon eine reife Leistung, aber nichts, was im alltäglichen Leben wirklich weiter hilft oder täglich verlangt werden kann. Er spricht einfach gern und viel und ständig und holt sich so seinen Input. Er macht alles auch am liebsten gemeinsam.

Kindergarten und Tagesmutter ist wirklich keine Option, die Gründe sind hier unwichtig, denke ich. Eine anderweitige Betreuung durch Verwandte oder private Tagesmütter ist leider auch ausgeschlossen.

Meine Frage ist nun, ...

1.) ... ob ihr dieses "Dauerfeuer ohne Pause" auch von euren Kindern kennt?
2.) ... glaubt ihr, dass das gehäuft bei höher begabten Kindern vorkommt?
3.) ... habt ihr Ideen oder Tips, wie das Familienleben ohne ständige "Schröpfung" meiner Kräfte besser für mich laufen könnte?

Ich bin gespannt, was ihr einbringt und bedanke mich vielmals für eure Zeit, die ihr mir schenkt!

Viele Grüße
Stephi
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Re: Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

Beitragvon sinus » So 25. Aug 2019, 18:55

...ich habe das Glück, zwei Kinder (Mädchen) bekommen zu haben, die sich von Anfang an sehr gut selbst beschäftigen konnten (malen, basteln, Bücher anschauen, was bauen, Rollenspiele spielen...) und meine Grenzen auch ganz gut respektieren konnten.
So ab 2 Jahren konnte ich ihnen erklären, dass und warum ich jetzt Ruhe brauche und nicht gestört werden will. (Ich habe damals zu Hause gearbeitet und musste sie darum oft "abblitzen" lassen)
Das hat (meistens) sehr gut geklappt. Ich konnte mitunter am Wochenende sogar unbehelligt eine Mittagsruhe auf dem Sofa machen, obwohl Kind/Kinder wach waren.
(Bedingung: "Du lässt mich in Ruhe, dafür musst du selbst keinen Mittagsschlaf machen und beschäftigst dich ruhig, ohne ich zu stören")
Allerdings waren beide ab eineinhalb/eindreiviertel in einer Krippe, später im Kindergarten.

Wie gut kannst du denn deine Grenzen aufzeigen? Wie deutlich wirst du? Oder "springst" du ggf vielleicht zu schnell, um das Kind zu beschäftigen/Fragen zu beantworten?
Ich halte es da mit Jesper Juul, der sagt, man solle dem Kind zu seiner Langweile gratulieren und sagen: "ich bin schon gespannt, was du dir in den kommenden Minuten so einfallen lässt..."
Juul schreibt, es dauert normalerweise nicht länger als 20 Minuten, bis ein Kind dann in ein Spiel gefunden hat/sich eine Beschäftigung hat einfallen lassen.
Hat hier gestimmt/funktioniert.
Aber vielleicht hab ich auch nur besonderen brave, unkomplizierte Kinder. Den Eindruck habe ich sowieso. Also vielleicht kein Maßstab.
Ansonsten: Besuchskinder einladen, die Kinder ins Kinderzimmer/bestimmte Wohnungsbereiche verbannen.
Mit Besuch gehen hier mitunter ganze Tage rum, ohne dass ich die Kinder zu Gesicht bekomme.

In Büchern über Hochbegabung wird jedenfalls oft von dauerfragenden und darum anstrengenden Kleinkindern geschrieben.
Trifft bei uns aber wie gesagt nicht zu.
sinus
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Re: Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

Beitragvon Koschka » So 25. Aug 2019, 21:06

Ich habe zwei ähnliche Jungs. Bereite dich vor, dass es mindestens so weiter gehen wird bis dein Junge 6-8 Jahre alt wird und mit seinen Spielkameraden so spielen wird, dass man sie nicht mehr unmittelbar beaufsichtigen muss. Ich kriege bei meinem 6-jährigen dann eine Pause, wenn eseir a) in der Schule ist b)seine Freunde zu Besuch sind c) seine ältere Schwester mit ihm spielt d) er Fernseh schaut. Fällt das alles aus, bin ich wieder gefragt. Alleine geht gar nichts. Der Große (12) ist genau so aufgewachsen. Es hilft nichts außer Zeit und Geduld. Je mehr man diese Jungs zurückweist, desto verkrampfter halten sie an die Aumerksamkeit. Meine Mädchen sind ganz anders.
Koschka
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Re: Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

Beitragvon Bommelomel » So 25. Aug 2019, 22:48

Hallo,
vielen Dank für eure Antworten!

An "sinus": Ich kann meine Grenzen gut aufzeigen und auch durchhalten. Allerdings kann mein Sohn, wenn der Drang etwas zu wissen, etwas gebautes zu zeigen oder einfach mich zu sehen groß ist, kaum davon abkommen.
Manchmal ist er dann einfach gekränkt oder wütend, oft braucht er dann aber auch Trost, weil die Abweisung ihn traurig macht. Dann ist die Frage, ob man das dann weiter durchzieht, ihn abweist und da muss ich sagen, dass es ihn emotional sehr mitnimmt. Da ist bei mir die Grenze...
Er weiß seit Babyalter an, was er will und setzt all seine Möglichkeiten und Kräfte dafür ein, das auch zu bekommen.
Wie gesagt, er kann mir auch mal Ruhe geben, aber oft ist der Drang bei ihm auch zu groß. Da brennt was auf der Seele und muss gefragt oder gezeigt werden.
Besuch ist leider keine Option. Andere Drei- bis Vierjährige kann ich hierhin nicht allein einladen und ältere Kinder kenne ich leider noch keine. Wir wohnen noch nicht so lang hier. Mein Sohn muss auch erst Vertrauen zu den Kindern aufbauen, sonst hat er zu viel Angst, dass sie sein Spielzeug beschädigen oder klauen. Das beschäftigt ihn schon so sehr, seit er ein Jahr alt ist.

An "Koschka": Mein Bauchgefühl sagt auch, dass sich das nicht ändern wird, bis hier Besuch herkommt, er in der Schule ist usw. oder er es "emotional" besser einordnen kann, wenn ich mal keine Zeit habe und er sich nicht so arg zurückgewiesen fühlt. Den Eindruck, dass es immer mehr verkrampft, wenn sie zurückgewiesen werden, habe ich auch. Selbst wenn der Papa da ist, fühlt er sich ganz schnell abgeschoben. Im jüngeren Alter fing er dann an zu klammern, ganz extrem Nähe zu suchen usw., wenn er zu oft mit dem Papa etwas unternommen hat. Ich bin wohl noch sein emotionaler Auftankhafen (sagt mein Mann) und sein liebster Spielpartner, wie er so schön sagt.

Mich hat vor allem auch interessiert, ob ihr das "Verhalten" kennt und ob irgendwas bei euch gewirkt hat.
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Re: Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

Beitragvon alibaba » Mo 26. Aug 2019, 09:15

Bommelomel hat geschrieben:
Meine Frage ist nun, ...

1.) ... ob ihr dieses "Dauerfeuer ohne Pause" auch von euren Kindern kennt?


Nein.

Bommelomel hat geschrieben:

2.) ... glaubt ihr, dass das gehäuft bei höher begabten Kindern vorkommt?


Nein.

Bommelomel hat geschrieben:
3.) ... habt ihr Ideen oder Tips, wie das Familienleben ohne ständige "Schröpfung" meiner Kräfte besser für mich laufen könnte?


Eigentlich Nein.

Das was Du ausschließt, wäre eine super Alternative. Das was Du gerne hättest ist keine. Ich glaube ja, ein bisschen Distanz und Freude auf das Kind, die Mama, den Papa, täte Euch allen gut.
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Re: Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

Beitragvon Koschka » Mo 26. Aug 2019, 09:26

Meine Kinder waren alle ab etwa 3.5-4 Jahren bereit freiwilig und interessiert sich an den Kindergruppen zu beteiligen. Zwischen 3,0 und 4,0 gab es irgendwo ein halbes Jahr, in dem sie gerne in den Kindergarten gingen. Ich bin mit den Kindern überall hingegangen, zum Teil weil zuhause bleiben sehr anstrengend für mich war.
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Re: Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

Beitragvon Bommelomel » Mo 26. Aug 2019, 19:07

Etwas Distanz würde uns definitiv allen gut tun und Kiga und Tagesmutter wären toll. Vor allem spielt mein Sohn mittlerweile sehr gern mit anderen Kindern. Nur fast fremde will er nicht in seinem Zimmer haben, aber das legt sich, wenn er sie kennenlernt.

Kiga und Tagesmutter sind aber leider aus nicht beeinflussbaren Gründen erstmal ausgeschlossen.

Heute waren wir z. B. mit einer Freundin und ihrer fast gleichaltrigen Tochter unterwegs. Mein Sohn spricht ohne Pause entweder mit mir, mit der Freundin oder mit den Kindern um ihn herum. Er ist da echt ein hartes Kaliber. ;) :D Es macht riesen Freude, ist aber auch echt anstrengend für mich. Aber er ist dann auch mal längere Zeit mit anderen Kindern unterwegs und spielt. Das tut auch gut.

Vielleicht gibt es ja noch Eltern, die auch so redfreudige Kinder haben und berichten können, wie es sich bei ihnen zukünftig so verhielt. Danke an Koschka, du hast ja schon von dir erzählt!
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Re: Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

Beitragvon Rabaukenmama » Di 27. Aug 2019, 17:41

Hallo Bommelomel,

mein älterer Sohn ist auch so "redefreudig". Mittlerweile ist er 9 Jahre alt und wir haben sowohl die Diagnose "ADHS" als auch "atypischer Asperger Autismus". Es ist gar nicht so das reden selbst - er will einfach ständig Aufmerksamkeit und quatscht alle mit "seinen" Themen voll, unabhängig davon, ob es die Zuhörer interessiert, oder nicht. Meistens bleibe dann nur ich über, die ihm immer wieder mal zuhört, einfach nur, um ihm nicht das Gefühl zu geben, ganz "allein" zu sein. Ob das richtig oder falsch ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich es mit meinen beiden Jungs (der jüngere Sohn ist gehörlos und frühkindlicher Autist) ohne fremder Hilfe (Kindergarten, Babysitter, IntegrationshelferInnen,...) nicht geschafft hätte. Ich wäre in der Psychiatrie gelandet und die Kinder im Heim.

Wenn dein Sohn auch MIT (und nicht nur NEBEN) anderen Kindern spielt, ist das mMn ein sehr gutes Zeichen. Im besten Fall wird er dann, wenn er mehr Kinder zur Verfügung hat (also bei Schulstart) seine Sprechbedürfnis dort zumindest teilweise befriedigen können. Mein Sohn hat MIT anderen Kindern nie was anfangen können, einerseits weil er kognitiv weiter und andererseits weil er sozial-emotional hintennach war. Es gab nie Kinder auf seiner Ebene mit seinen Interessen. Er hatte nie Freunde, im besten Fall gab bzw. gibt es ein paar Kinder, die ihn so nehmen (können), wie er ist. Wenn dein Sohn echtes Interesse an anderen Kindern hat und sie nicht nur als Zuhörer seiner Monologe sieht, dann wird sich das bei deines Sohn sehr warhscheinlich anders entwickeln als bei uns. Alles Gute!
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

Beitragvon Karen » Di 27. Aug 2019, 23:40

Meine Tochter konnte sich auch nie nie alleine beschäftigen. Über die gut gemeinte tipps wegen mehr Distanz, nicht sofort hinrennen usw. konnte ich nur müde lächeln - das hat nie funkzioniert und sie bis sie 4 war hat lieber zwei stunden durchgebrüllt als was alleine für sich gemacht. Am besten waren wir draussen, Museen, Wald, usw - ein Tag zu hause wäre unvorstellbar. Ab 3.5 konnte sie aber unbeaufsichtigt nach draussen gehen und mit anderen Kinder treffen in Quartir. Das hat für uns die Situation entspannt, sie brauchte immer noch jemandem und konnte nicht alleine sein (angst) oder alleine was machen, aber ich konnte diese Rolle an andere Kinder (bis zu 4-5 jahre älter manchmal) delegieren. Jetzt (mit 6.5) kann sie hauptsächlich bei Malen und Geschichten erfinden in eine Art flow kommen wo sie niemandem mehr braucht, aber das ist eher selten. Was hat uns geholfen? 2 Tage Kita (trotz dem dass sie nicht gerne gegangen ist), ab 4 - kiga (bei uns obligatorisch, wurde am Ende aber zu Disaster) und Kunstturnen auf Leistungsniveau. Dazu - alltes iphone voll mit Hörbücher. Wenn ich früher mal Pause brauchte - hat sie dann halt 1 Stunde Sendung mit der Maus geschaut auf dem Tablett mit dem mausapp. Und was noch geholfen hat ist akzeptieren dass sie halt anderes ist, und es hat mit gewohnheit, erziehung, verwöhnen und was auch immer so behauptet wird gar nichts zu tun.
Reden tut sie übrigens auch ununterbrochen - jetzt oft in form einer Rollespiels in welcher sie alle Rolle spielt - was ich sehr spannend finde.
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Re: Forderung von ständiger Aufmerksamkeit - wie ist es bei euch

Beitragvon Willow77 » Mi 28. Aug 2019, 10:12

Mein ältester musste auch ständig "bespaßt" werden. Er brauchte auch ständig jemanden, konnte nichts alleine machen. Bis er lesen konnte. Nun liest er stundenlang. Und er spielt mit seiner kleinen Schwester, oder seinem kleinen Bruder. Oder er liest und die beiden Jüngeren spielen miteinander. So dass die beiden nicht ständig Action von uns Eltern einfordern, sondern sich halt irgendwie gegenseitig bespaßen. Ich sage mir im Nachhinein, der Ältere war so, weil er allein war, wir ihm nur "altersgerechtes" Spielzeug zur Verfügung stellten und er nur uns als Anregung und Kontakt hatte.
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