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Fragen aus dem Alltag, Tipps und gute Ratschläge

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Beitragvon Sternchen29041986 » Di 3. Dez 2019, 22:54

Hallo Ihr Lieben, ich brauche dringend mal Rat von Euch. Vielleicht übertreibe ich auch nur und ihr könnt mich beruhigen.
Kurz zu uns. Ich bin eine Mama Anfang 30 von 3 Kindern ( alle 3 Frühchen). Unsere älteste Tochter, 7 Jahren macht mir total Kopfzerbrechen. Gefühlt ist sie für mich im Vergleich zu gleichaltrigen schon immer anders. Sie hat meistens mit älteren gespielt, hat nie wirklich viel Schlaf gebraucht, ist immer in Bewegung und Zappelt ununterbrochen rum. Mit 4 hat sie sich selbst einfache Wörter das Lesen beigebracht. Bis 100 zählen und rechnen bis 20 ebenso mit 4.
Nun in der Schule wurden wir von der Lehrerin angesprochen das unsere Tochter „anders“ sei wie die anderen. Viel aufgeweckter und weiter wie ihres gleichen Alters. Wir waren beim Kinderarzt der sagte gleich ADHS kann er ausschließen und wir sollten sie mal Testen lassen. Nach langem hin und her haben wir es gemacht. Sie wurde nach dem WISC V getestet. Ebenso gab es einen Grundintelligenztest Skala 1 sowie Basisdiagnostik umschriebener Entwicklungsstörungen im Grundschulalter (BUEGA) Untertest Rechnen. Es kam ein Gesamt IQ von so sagte und es die Dame damals in dem WISC Test von 117 raus. In diesem Untertest Mathe kam ein IQ von 129-133 raus.
Das Schreiben kam in dem ein gesamt IQ von nur noch 110 (auf dem Zettel dort standen jedoch die 117)stand und dieser Mathe-Test war gerade eben so erwähnt. Auf unsere Nachfrage hin gab es bis heute ( war im Juni) keine Antwort. Aber darum geht es eigentlich nicht. In diesem Schreiben stand drinnen das sie eine Unterforderung in der Schule ausschließen und das Verhalten nicht daher kommt. Sie hätte allenfalls eine partielle Unterforderung in Mathe. In einem kurzen Gespräch haben wir mit der Lehrerin gesprochen und ihr erklärt das eine Hochbegabung ausgeschlossen sei.
Wir (mein Mann und ich) hatten uns geeinigt wir lassen es erstmal so laufen.
Nun etwa 5 Monate später nach diesem Test kennen wir unsere Tochter nicht wieder. In einer Mathearbeit hatte sie 9 Fehler (sie kann den Stoff im Schlaf und das weiß ich). Sie wird zunehmen unzufriedener ja manchmal sogar Aggressiv gegenüber uns und dem jüngeren Bruder. Sie rebelliert total. Ich komme nicht an sie ran. Sie will kaum noch mit Klassenkameraden spielen ( mit denen könne sie sich nicht vernünftig unterhalten). Auf die Frage was bei der Mathearbeit los war kam nur so wurde ich wenigstens auch mal beachtet, nicht nur immer die die nicht so gut in der Schule sind.

Sie gleitet mir zur Zeit völlig aus der Hand und das macht mich irgendwie traurig. Heute meinte sie Mama irgendwie bin ich anders als die anderen Kinder. Aber wie anders kann sie mir nicht erklären.

Nach dem WISC Test damals hatte sie sowas erwähnt wie sie hätte darauf keine Lust gehabt. Sie will auch in keine andere Klasse müssen sie mag bei ihrer Lehrerin bleiben.

Nun meine Frage kann ein Kind von gerade mal 6 Jahren den Test beeinflussen? Eher doch nicht, oder?
Angenommen sie hätte einen Gesamt IQ von 117 und in Mathe ja den mit 133 kann es einfach doch sein das sie in der Schule unterfordert ist und das das stumme Schreie nach mehr Aufmerksamkeit sind?

Oder übertreibe ich vielleicht ganz einfach und mache mir Zuviels Gedanken darum. Denn mein Kind hat ja „nur diese Hochbegabung“ in Mathe. Oder reicht ein „nur“ aus für solch ein Verhalten?

Ich kenne sie so nicht wieder und ich möchte sie gerne verstehen um ihr helfen zu können.

Heute meinte sie wieder Mama mir ist langweilig. In der Schule und manchmal auch zuhause...
Habt ihr Tips zur Förderung von 6 Jährigen?

Vielen Dank und Sorry das es so lange geworden ist.

Beste Grüße
Sternchen29041986
 
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Re: Wir brauchen Hilfe...

Beitragvon Auguste » Mi 4. Dez 2019, 17:11

Hallo Sternchen und erst mal: Herzlich Willkommen hier im Forum :)

Eins vorweg: Du übertreibst nicht und machst Dir zu Recht Gedanken um Dein Kind, denn nach dem was Du schreibst, geht es Deinem Kind offensichtlich nicht gut. Da darfst Du als Mama Dir Sorgen und Gedanken machen und nach Lösungen suchen.

Ihr habt Euch ja auch schon Hilfe gesucht - aber leider macht es den Eindruck, dass ihr da nicht wirklich in guten Händen gewesen seid.

Welche Qualifikation hat Euer Kinderarzt, um ADHS kategorisch auszuschließen? Hat er Tests gemacht? Gerade junge Intelligente Kinder können ADHS teilweise im Alltag derart kompensieren, dass sie damit sehr gut klar kommen, ohne auffällig zu werden und niemand auf die Idee käme, dass diese Kinder ADHS haben könnten. Oft werden diese Kinder erst im Schulalltag auffällig (häufig sogar erst in der 3./4. Klasse), wenn wirklich mehr und dauerhafte Konzentration gefordert wird als z.B. im Kindergarten.

Bei welcher Institution habt ihr den IQ-Test machen lassen? Wie viele Termine hattet ihr und gab es ein ausführliches Auswertungsgespräch?
Der WISC V ist für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren gedacht. Deine Tochter war gerade erst 6 Jahre alt und hatte keine Lust. Das ist grundsätzlich ein Problem, wenn die Kinder so jung getestet werden. Wenn die Kinder nicht richtig mitmachen, dann wird das Testergebnis dadurch negativ beeinflusst - und es kann tatsächlich sein, dass der IQ Deiner Tochter viel höher ist, als es der Test aussagt. Je älter die Kinder beim Test sind, um so aussagekräftiger und verlässlicher ist das Ergebnis.

Es kann auch sein, dass Deine Tochter tatsächlich in der Schule unterfordert ist, auch wenn der IQ "nur" 117 beträgt. Man muss nicht zwingend einen Gesamt-IQ von mehr 130 haben (und damit per Definition hochbegabt), um in der Schule unterfordert sein zu dürfen. Mit einem IQ von 117 ist man immer noch überdurchschnittlich intelligent - was nur auf ca. 14 % der Bevölkerung zutrifft ;)

Wenn Eure Tochter im logisch/mathematischen Bereich bei 129-133 liegt, dann heißt das auch nicht, dass sie nur in Mathe unterfordert ist. Logisch denken muss man nämlich nicht nur in Mathe. Sie kann insgesamt eine sehr schnelle Auffassungsgabe haben und sich deswegen bei (scheinbar) endlosen Wiederholungsaufgaben auch in anderen Fächern langweilen - einfach weil sie den Stoff bereits nach der ersten Erklärung verstanden hat.

Anscheinend bekommt Deine Tochter in der Schule auch keine Extra-Aufgaben (anspruchsvollere Aufgaben), sondern muss das machen was alle Kinder machen. Extra-Aufgaben (und Extra-Aufmerksamkeit) bekommen wohl nur die schwachen Kinder. Deine Tochter merkt, dass sie "anders" ist und versucht sich anzupassen, indem sie extra Fehler macht. Das ist leider bei begabten Mädchen oft so und überhaupt nicht gut.

Du scheibst, dass Deine Tochter nicht in eine andere Klasse will und bei der Lehrerin bleiben. Aus der Sicht der Tochter ist das verständlich. Sie wurde jetzt erst eingeschult? Dann hat sie sich gerade an die neue Situation gewöhnt, alle Kinder kennen gelernt, mag die Lehrerin und möchte nicht schon wieder ins Unbekannte geschubst werden.

Weiß die Lehrerin wie es Eurer Tochter geht? Wenn nicht, dann sprecht auf jeden Fall noch einmal mit der Lehrerin.

Und was die Langeweile zu Hause angeht:
Hat Deine Tochter Hobbies? Geht sie zum Sport oder in einen Kurs wie Malen, Musik, Basteln...? Hat sie Freunde außerhalb der Schule? Wofür interessiert sie sich? Was macht sie gern? Da kann man ansetzen, schauen, was dem Kind Spaß macht und das Kind bei solchen Aktivitäten unterstützen.

Ich muss jetzt erst mal weg, schaue später noch mal rein :)

Liebe Grüße
Auguste
Auguste
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Re: Wir brauchen Hilfe...

Beitragvon Sternchen29041986 » Mi 4. Dez 2019, 19:27

Hallo,

wow, vielen Dank für deine tolle ausführliche Antwort. Das mit dem ADHS war mir so nicht bewusst. Also müssen wir in diese Richtung einfach vielleicht auch nochmal genauer schauen.

Genau das was du schreibst, geht mir ja auch im Kopf vor. Wir hatten uns an ein extra Institut für Hochbegabte Gewand. Das Brain in Marburg. Es waren insgesamt 3 Termine. Einmal kennenlernen und Anamnese dann der Testungstag und 4 Wochen später das Gespräch.
In diesem Gespräch hat sich eigentlich alles nur darum gedreht das sie etwas überdurchschnittlich sei und ihr Verhalten darauf auf keinen Fall zurück zuführen sei. Sie wäre nicht unterfordert. Höchstens mal in Mathe. Sie würde uns dringend abraten unsere Tochter überspringen zu lassen denn ihr IQ auf die zweite Klasse runtergerechnet wäre in der Norm und somit würde man ihr eine gewisse Leichtigkeit nehmen. Ja da das die Profis sind habe ich in dem Glauben mit der Lehrerin gesprochen das alle ok ist, unsere Tochter nicht unterfordert ist und wir es erstmal so laufen lassen sollen.

Ich werde natürlich nun trotzdem nochmal das Gespräch mit der Lehrerin suchen. Ich hatte nur immer Angst wenn ich ihr mein Gedanken äußere das sie eventuell doch einfach unterfordert ist und unsere Tochter dann so viele Fehler macht, was wird die Lehrerin denken?
Ich bin leider selbst sehr sensibel und mach mir um sowas immer viele Gedanken.

Ansonsten geht unsere Tochter 2x die Woche ins Geräteturnen und hat 1x pro Woche Klavierunterricht. Sie hat Freunde, ja.
Allerdings nur noch eine einzige mit der sie sich von sich aus regelmäßig treffen möchte. Die anderen anfänglichen Bekanntschaften hat sie schnell bei Seite gelegt. Allerdings soll sie laut der Lehrerin sehr beliebt sein in ihrer Klasse. Sie kommt dort wohl gut zurecht im Sozialen Umfeld.

Um nochmal auf das ausführliche Gespräch des Testes zu kommen, so in Nachgang hat es uns überhaupt nichts gebracht unserer Tochter diese Tortur zu unterziehen. Da unsere Tochter wohl nicht in das Hochbegabten Schema der Institution passt wurden uns nicht allzu vielen Tips mit auf den Weg gegeben. Außer eben auf keinen Fall überspringen lassen und eventuell ein Knobelheft oder Sudoku mitzugeben, damit sie Beschäftigung hat wenn sie mal wieder ihre Aufgaben erledigt hat und die anderen noch nicht.
Im Nachhinein wirklich alles Sinnlos für uns gewesen.

Ganz liebe Grüße
Sternchen29041986
 
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Re: Wir brauchen Hilfe...

Beitragvon alibaba » Do 5. Dez 2019, 09:15

Hallo,

eigentlich ist das sehr schade. Gerade diesem Institut hätte ich da mehr zugetraut. Ich finde die Werte deines Kindes durchaus so, dass auch hier eine Unterforderung auftreten kann. Es geht ja nicht um die Höhe des Wertes (um die geht es auch) sondern oder auch um die Fähigkeit vernetzt und schnell zu denken. Und genau das macht Schule eben langweilig. Es geht zu langsam.

Ich würde mit den Werten vor der Lehrer stehen und sie darauf hinweisen, dass sich eben ein sehr hoher Wert im Bereich "Mathematik" ergeben hat oder (keine Ahnung) im Bereich logisches denken ......und auch durchaus hoher Bereich im Gesamt-IQ ergab. Du solltest hier um Unterstützung bitten. Springen sehe ich jetzt persönlich auch noch nicht. Gerade in einer ersten Klasse ist für viele Kinder Unterricht langweilig.

Ich denke diese Situation die ihr jetzt habt wird euch noch länger schulisch begleiten. Ich würde mit der Lehrerin sprechen. Viel Erfolg.
alibaba
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Re: Wir brauchen Hilfe...

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 6. Dez 2019, 16:21

Hallo Sternchen!

Ich schließe mich Augustes Hinweis wegen möglicher ADHS an. Mein älterer Sohn (9 Jahre, 4. Klasse Grundschule) hat laut WISC IV einen Gesamt-IQ von 118. Bei Test war er nicht immer motiviert und hat einige Untertests auch verweigert oder abgebrochen. Mein Sohn ist Asperger Autist und hat ADHS (beides gesicherte Diagnosen).

Bei ihm weist die Verteilung der Punkte beim WISC auch sehr deutlich auf die ADHS hin. Zwischen bestem und schlechtestem Unterergebnis sind rund 60 Punkte! Das schlechteste Ergebnis ist (für ADHS-Kinder typisch) die Verarbeitungsgeschwindigkeit, wo er einen IQ von 91 und eine PR von 26 erreicht hat. Das beste Ergebnis ist im sprachlichen Bereich mit einem IQ von 150+ (Deckeneffekt) und einen PR von 99,9. Die anderen Bereiche (Wahrnehmungsgebundenes logisches denken und Arbeitsgedächtnis) sind im oberen Durchschnittsbereich, das rechnerische Denken ist leicht überdurchschnittlich.

Ich schreibe das so genau auf, damit du beim Test deiner Tochter mal nachsiehst, ob es bei ihr ähnlich ausschaut. Das würde dann nämlich sehr wohl auf ADHS oder ADS hinweisen. Auch bei mir war - trotz getesteter Hochbegabung - die Verarbeitungsgeschwindigkeit immer der schlechteste Wert.

Im Schulumfeld der Grundschule, wo die Leistungen der Kinder ohnehin sehr heterogen sind, fällt so was noch nicht auf. Da sind immer auch schwächerere, langsamere Kinder dabei, die "mitgezogen" werden müssen und das Arbeitstempo ist für kognitiv fitte Kinder ziemlich langsam. Auch bei Tests und Schularbeiten gibt es noch ausreichend Zeit, vor allem für kognitiv fitte Kinder, die nicht so lange brauchen, sich (z.B. in Mathe) Lösungswege zu erarbeiten bzw. die Rechnungen durchzuführen, so dass sie den Großteil der Zeit dafür "übrig" haben, die richtigen Ergebnisse aufs Papier zu bringen.

Wir haben leider viel zu lange die Auffälligkeiten auf den kognitiven Vorspruch geschoben, unter anderem auch, weil die Psychologin bei der Entwicklungsdiagnostik (im Alter von 4 Jahren) sowohl ADHS als auch Autismus schon nach 5 Minuten kategorisch ausgeschlossen hat. Daher war es ein langer, schwieriger Weg, bis wir dahinter gekommen sind, dass unser Sohn genau DIESE beiden Diagnosen fix hat. Gerade bei ADHS hätte ich da rückblickend genauer hinschauen sollen, weil mir ja bewusst ist, dass ich selbst ADHSlerin bin. Aber der Ausschluss dieser Störungen durch eine "Fachfrau" war genau das gewesen, was ich hatte hören wollen.

Seit wir die Diagnosen haben hat sich bei meinem Sohn schon einiges gebessert. Vor allem in den letzten 3 Monaten hat er verhaltensmäßig und auch von der Grundstimmung her große Fortschritte gemacht. Davor hatte er oft Probleme mit der Impulskontrolle und Stimmungsschwankungen. Er hatte auch Phasen, wo er sehr an sich selbst gezweifelt hat und wo so Aussagen "Ich wünschte, ich würde sterben!" gekommen sind.

Wir haben verschiedenes ausprobiert, unter anderem auch regelmäßige Termine bei einer Kinderpsychologin und Medikamente. Beides hat augenscheinlich nichts gebracht. Jetzt geht mein Sohn in Neurofeedback, wo wir schon nach wenigen Einheiten eine deutliche Besserung bemerkt haben. Außerdem kommt für ihn entlastend hinzu, dass sein Bruder (gehörlos, autistisch und ein Aufmerksamkeitsmagnet) jetzt unter der Woche im Internat untergebracht ist. Daher geht es zu Hause deutlich ruhiger zu und ich habe mehr Zeit für meinen älteren Sohn, was dieser sehr genießt. Vermutlich ist es die Summe dieser Dinge, die in den letzten Monaten diese deutliche Besserung beim Verhalten gebracht hat. Aber ich bin froh, durch die Diagnosen zu wissen, was der tatsächliche Hintergrund für die Schwierigkeiten meines Sohnes ist.

Auf deine Tocher bezogen sehe ich es ähnlich wie Alibaba. Eine mögliche schulische Unterforderung auszuschließen, weil der Gesamt-IQ nicht im HB-Bereich liegt, finde ich befremdlich. Und vor allem wenn das Kind zusätzlich zur kognitigen Fitness oder Wahrnehmungsbesonderheiten hat, ist es nochmal deutlich schwerer, mit etwaiger Unterforderung umzugehen. So, wie du deine Tochter beschreibst, fühlt sie sich in der Schule gar nicht wohl. In der Klassengemeinschaft spielt sie die Rolle, die von ihr erwartet wird, kann aber mit ihren Mitschülern nicht viel "anfangen". Und der Schulstoff bietet auch keinerlei Herausforderungen für sie.

Entgegen der landläufigen Meinung wollen auch nicht alle klugen Kinder Extra-Aufgaben und Knobelhefte. Diese machen nur dann Sinn, wenn sie nach dem durcharbeiten auch von der Lehrperson angeschaut und kommentiert werden (Lösungswege besprechen, Anerkennung zeigen,...) . Vielen Kindern erschließt sich sonst nicht, warum sie zusätzlich zu den schulischen Anforderungen noch extra was tun sollen, wenn sich ohnehin niemand dafür interessiert.

Sternchen29041986 hat geschrieben:Genau das was du schreibst, geht mir ja auch im Kopf vor. Wir hatten uns an ein extra Institut für Hochbegabte Gewand. Das Brain in Marburg. Es waren insgesamt 3 Termine. Einmal kennenlernen und Anamnese dann der Testungstag und 4 Wochen später das Gespräch.
In diesem Gespräch hat sich eigentlich alles nur darum gedreht das sie etwas überdurchschnittlich sei und ihr Verhalten darauf auf keinen Fall zurück zuführen sei. Sie wäre nicht unterfordert. Höchstens mal in Mathe. Sie würde uns dringend abraten unsere Tochter überspringen zu lassen denn ihr IQ auf die zweite Klasse runtergerechnet wäre in der Norm und somit würde man ihr eine gewisse Leichtigkeit nehmen. Ja da das die Profis sind habe ich in dem Glauben mit der Lehrerin gesprochen das alle ok ist, unsere Tochter nicht unterfordert ist und wir es erstmal so laufen lassen sollen.


Das hört sich für mich so gar nicht professionell an. Bei einem Kind mit IQ um 120 ist es grundsätzlich so, dass man springen lassen KANN, aber nicht MUSS. Was hier aber nicht bedacht wurde ist, dass ein in der Schule permanent unterfordertes Kind auch bei einem IQ-Test nicht sofort das ganze tatsächliche Potential "abrufen" kann, weil es an Aufgaben auf höherem Level (die es durchaus schaffen könnte) gar nicht gewöhnt ist.

Und selbst, wenn der IQ deiner Tochter korrekt gemessen wurde: worin läge das Problem, in der nächsthöheren Klasse "in der Norm" zu sein :gruebel: . In dieser "Norm" sind 2/3 der Kinder dieser Klasse, was spricht also dagegen? Die aktuelle Situation in der Schule ist für deine Tochter stressig und belastend, nix mit "Leichtigkeit", die verloren gehen könnte. Vielleicht (nicht mal sicher!) tut sie sich in der momentanen Klasse mit dem SchulSTOFF leichter, das hat aber nichts damit zu tun, wie es ihr psychisch geht. Und das hat für mich bei solchen Entscheidungen immer Vorrang!

Was ich außerdem nicht herauslese ist, ob das Institut für Hochbegabte auch mit der Lehrerin gesprochen hat oder in der Klasse hospiziert hat, BEVOR dir dringend von einem Klassensprung abgeraten wurde. Für mich hört es sich an wie eine Aussage von jemanden, der "auf der sicheren Seite" sein will und sich nicht nach einem erfolglosen Klassensprung anhören will "Aber SIE haben doch gesagt, dass....". Keine 100%ige Sicherheit, dass es ein Erfolg wird -> also abraten und lieber weiter durch das bekannte Elend!

Damit meine ich nicht, dass du von jetzt auf gleich einen Klassensprung anstreben sollst. Vor allem, dass deine Tochter gerade erst in ihrer Klasse "angekommen" ist, und dass sie bei der Lehrerin bleiben möchte, spricht dagegen.

Daher würde ich auch zuallererst das Gespräch mit der Lehrerin suchen und dort klar ansprechen, was dir zu Hause auffällt. Ich würde schauen, ob es Möglichkeiten gibt, die Situation für deine Tochter in der jetztigen Klasse erträglicher zu machen. Aber wenn das nicht klappen sollte wäre mir die Begründung für das abraten vom Klassensprung viel zu schwammig und unsinnig. In dem Fall würde ich mal das Gespräch mit der Lehrperson der nächsthöheren Klasse suchen und wenn möglich eine "Probezeit" vereinbaren, wo deine Tochter in dieser Klasse hospizieren kann. Danach kann man sicher besser abschätzen, ob es gut ist, oder nicht.

Alles Gute :) !
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Re: Wir brauchen Hilfe...

Beitragvon Sternchen29041986 » Fr 6. Dez 2019, 17:28

Vielen Dank auch für deine ausführliche Antwort. Wir hatten bereits gestern ein längeres Gespräch mit der Lehrerin. Wir haben wirklich eine sehr tolle Lehrerin und sie hat sofort verstanden auf was hier hinaus wollen.
Ich finde solche Gespräche ja immer schwierig. Ich meine Ihr kennt das, jeder Denkt seine Kinder seien die tollsten. Ich möchte nicht das es so bei der Lehrerin ankommt. Aber so kam es nicht an. Sie fand es gut das wir uns gemeldet haben. Sie hat sich schon gewundert was mit unserer Tochter los ist. Sie konnte plötzlich angeblich nicht mehr gut Lesen, dann die vielen Fehler in der Mathearbeit. Sie wollte noch bis zu den Ferien in 2 Wochen es beobachten und sich spätestens dann bei uns melden.
Unsere Tochter bekommt nun extra Aufgaben wenn sie Ihre Aufgaben in der Schule ordentlich erledigt hat. Diese extra Aufgaben werden auch von der Lehrerin kontrolliert und mit dem tollen Schulstempel den sie immer bekommen wenn sie was gut gemacht haben abgestempelt. Sie will versuchen unsere Tochter auch öfter zu loben. Einfach das sie wieder mehr Anreiz hat gut mitzumachen und ihre jetzige Strategie ablegt.

Auch die Lehrerin hat über einenProbe-Klassenwechsel nachgedacht. Sie meint auch wenn es nicht besser wird, sollten wir darüber nachdenken.

Ja, wir hatten uns extr an so ein Institut gewendet eben das wir nicht alleine da stehen. Was wir nun doch tun.
Die war sich sicher in ihrer Sache. Weder ein Gespräch mit der Lehrerin ist erfolgt noch sonstigen. Wir haben ein nahezu normales Kind was höchstens mal partiell unterfordert ist. Von einem Klassensprung ist abzuraten.
Sie wäre am Testungstag in sehr guter Verfassung gewesen und der Test würde so stimmen. Ein erneuter Test in 2-3 Jahren würde wenig Sinn machen. Auch dann wäre unser Kind nicht Hochbegabte.

Wir hatten ihr da auch nochmal versucht deutlich zu machen das wir nicht da sind um ein HB Kind zu bekommen sondern weil unsere Tochter echte Probleme aufweist und eben einiges dafür spricht. Ich weiß es gibt kein sicheres Symptom für eine HB allerdings passt wirklich sehr viel.
Aber sie war sich sicher. Kein HB Kind also einfach weiter machen wie immer.
Ja was will man sagen. Erstmal glaubt man der Fachfrau und nimmt es so hin.

Ich habe die letzte Zeit oft an mir/uns gezweifelt vielleicht haben wir ja auch was in der Erziehung falsch gemacht. Aber immer und immer wieder stoße ich auf das Thema HB und frage mich warum.

Wegen ADHS werde ich mich mal genau informieren. Allerdings ist bei uns die Spanne nicht so groß. In dem WISC Test lagen alle einzelne IQ zwischen IQ 100 ( in der Verarbeitung) der Höchste Wert lag im Bereich Arbeitsgedächtnis mit einem IQ von 122.

In diesem Mathe-Test wiederum hatte sie einen hohen IQ als sie Dinge unter Zeitdruck erledigen sollte. Es ist echt komisch. Manchmal würde ich es gerne einfach nur vergessen und sie Kind sein lassen.

Aber irgendwie ist sie es nicht. Ein normales Kind. Sie kam heute nach Hause und wollte Latein lernen weil ihr langweilig sei . Natürlich liebe ich sie über alles und will sie nicht missen.
Auch ich bin Lehrnfähig und versuche ihr zur Zeit mehr Aufmerksamkeit zu geben. Ich hoffe so komme ich mal eher an sie ran.

Ganz liebe Grüße
Sternchen29041986
 
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Re: Wir brauchen Hilfe...

Beitragvon Auguste » Sa 7. Dez 2019, 17:28

Hallo Sternchen,

Danke, dass du die Fragen beantwortet hast :) Das gibt schon ein klareres Bild - sowohl vom Test als auch von der Schule.

Ich habe in der Zwischenzeit mal ein bisschen recherchiert, weil ich echt überrascht war, dass man in dem Institut mit einem 6-jährigen Kind drei Tests an einem Tag gemacht hat. :o

Mein Sohn hat mit 9 Jahren den WISC V gemacht und bei uns wurde gesagt, allein der dauert ca. 90 Minuten + Pause. Außerdem wurde uns gesagt, dass viele 9-jährige den ganzen Test (konzentrationsmäßig) nicht an einem Termin schaffen und es sein kann, dass der Test dann auf 2 Termine verteilt wird. Entschieden wurde während des Testes, ob das Kind noch in der Lage ist, bis zum Ende durchzuhalten oder besser für den Rest noch mal wiederkommen sollte. Nach der Erfahrung "unserer" Tester schaffen die meisten Kinder erst ab 10 Jahren den Test an einem Termin.

Bei Dir hat man den WISC V (komplett?) und noch zwei weitere Tests (teilweise?) gemacht - mit einem 6-jährigen Kind? :o
Für den CFT 1-R – Grundintelligenztest Skala 1- Revision ist als Einzeltestzeit ca. 15 Minuten angegeben, der BUEGA ist mit 40-60 Minuten (Gesamtzeit je nach Alter) angegeben. Auch wenn der nur für Mathe gemacht wurde, dann dauert das bestimmt auch noch mal mindestens 15 Minuten. Ich finde es ehrlich beeindruckend dass Deine Tochter da überhaupt so lange mitgemacht hat und auch noch passable Ergebnisse herausgekommen sind.

Wie hat sich denn Dein Kind nach den Tests gefühlt? Mein Sohn war völlig platt - allein nach dem WISC V. Der ist auf der Heimfahrt beim Warten auf den Zug auf meinem Schoß eingeschlafen und in der Bahn auch nochmal 40 Minuten. Üblicherweise ist er ein "Wenigschläfer" und am Tage schläft er schon nicht mehr, seit er 4 Jahre alt ist. Er fand das aber toll, dass er mal so richtig geistig gefordert wurde und würde am liebsten jede Wochen so einen Test machen :roll: Bei ihm kann ich davon ausgehen, dass das Testergebnis halbwegs korrekt ist. Er hat sich wirklich Mühe gegeben und gut mitgemacht. Die "Chemie" zur Testerin stimmte auch - die fand er auf Anhieb sympathisch.

Was habt ihr Eurer Tochter eigentlich erzählt, warum sie den Test machen soll? Auch die Motivation kann eine große Rolle beim Testergebnis spielen. Mein Sohn wurde ja getestet, weil er in der 3. Klasse massive Probleme in der Schule bekam (Arbeitsverweigerung, Träumen, Hausaufgabenverweigerung). In der 4. Klasse wurde es dann so schlimm, dass wir ihn testen ließen. Leider hatte er nicht so eine tolle Lehrerin wie ihr, sondern eine, die meinte er wäre nur faul und/oder er hat "Träumer-ADS" und braucht Pillen. Seine Lehrerein hat jegliche Förderung in Richtung Begabung strikt verweigert - übrigens auch nach dem Test...

Unserem Sohn haben wir damals gesagt, dass wir herausfinden wollen, warum er in der Schule solche Probleme hat und dass er deswegen gut mitmachen soll - auch wenn die Aufgaben langweilig sind ;) Das hat auch gut geklappt, er hat nur bei sehr wenigen Aufgaben lustlos gewirkt oder abgebrochen, weil er nicht sofort auf die Lösung kam. Ansonsten hatte er sogar Spaß bei den Tests und sich immer gefreut, wenn er wieder hin durfte. Wir hatten 5 oder 6 Termine bis wir mit allem durch waren. Der letzte Termin war ein ausführliches Gespräch, bei dem wir auch alle Fragen loswerden konnten. Wir waren bei einem Kinder- und Jugendpsychiater, der sich sowohl mit ADHS als auch mit Hochbegabung auskennt und auch einer Kombination aus beidem.

Uns haben die Tests insofern weitergebracht, als dass wir jetzt wissen, unser Sohn hat kein ADHS (auch wenn er einige Merkmale aufweist), er ist vom Gesamt-IQ überdurchschnittlich intelligent (im logisch/mathematischen Bereich HB, andere Bereiche knapp drunter, Arbeitsgeschwindigkeit unterdurchschnittlich). Der KJP tippte bei uns auf AVWS (auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung), da der Sohn im sprachlichen Bereich vergleichsweise "schlecht" ist und bei den Fragen, die mündlich gestellt wurden, auch eher schlechte Ergebnisse hatte.

Bei meinem Sohn liegen zwischen höchsten und niedrigsten Wert des IQ-Tests 49 Punkte. Wie Rabaukenmama schon erwähnte, deutet das darauf hin, dass da irgendwo was "nicht stimmt". Bei uns ist es halt nicht ADHS, sondern tatsächlich AVWS (wie sich nach einem weiteren Test beim Spezialisten herausstellte). Die Auswirkungen sind aber mit ADS vergleichbar: Kurze Konzentrationsspanne, schnelle Ermüdung - wenn es ums Zuhören geht. Blöderweise muss man in der Schule viel Zuhören und auch noch verstehen was der Lehrer sagt. Außerdem braucht mein Sohn sehr lange, um Arbeitsanweisungen in die Tat umzusetzen. Da schreiben alle Kinder schon fleißig und er ist immer noch am grübeln, was er eigentlich machen muss :roll: Deswegen wurde er oft mit seinen Aufgaben nicht fertig. Hinzu kommt dann noch eine kleine Portion Perfektionismus, die ihn zusätzlich ausbremst. Was er macht, das will er auch richtig machen. Tja, langsam und schlau ist eine ganz schlechte Kombi.

Der Lehrerin meines Sohnes war es aber leider nicht zu vermitteln, dass unser Kind nicht faul ist, nichts dafür kann, dass es langsam ist und auch nichts dagegen machen kann. Genauso wenig war ihr zu vermitteln, dass er es deswegen nie schaffen wird, die "normalen" Aufgaben so schnell fertig zu haben, dass er überhaupt Zusatzaufgaben bekommen könnte. Er hätte von Anfang an die anderen (herausfordernden) Aufgaben gebraucht - ohne den langweiligen Kram. Das wurde ihm aber verweigert.

Euer Kind hat richtiges Glück, wenn es eine Lehrerin hat, die den Eltern zuhört, die das Leid des Kindes erkennt und die nicht der Meinung ist, das Kind müsse sich ändern, sondern nach echten Lösungen und Möglichkeiten auf Lehrerseite/Schulseite sucht.

Weshalb das Institut meint, ein Klassensprung wäre kategorisch auszuschließen, weil das Kind im Vergleich zu Zweitklässlern nur "normal" wäre, kann ich auch nicht nachvollziehen. Genau darum geht es doch Euch und Eurem Kind. Das Kind will "normal" sein und "dazu gehören". Das zeigt sie ganz deutlich mit ihrem Verhalten in der Schule. Also was spricht dagegen, das Kind in die zweite Klasse springen zu lassen, wenn es dort "normal" sein könnte? Das wäre möglicherweise die leichteste Lösung für alle Seiten. Deine Tochter könnte einfach "mitlaufen" und die Lehrer müssen sich nicht "verrenken", um das Kind bei Laune zu halten.

Dass ihr Euch damit schwer tut, weil die Tochter das (noch) nicht will, kann ich sehr gut nachvollziehen. War bei uns auch so. Wir Eltern haben schon ziemlich früh (in der 3. Klasse) über einen Klassen- oder Schulwechsel nachgedacht - der Sohn wollte nicht. Also haben wir abgewartet, weil wir das nicht gegen seinen Willen durchsetzen wollten. Unser Sohn hat 1,5 Jahre gelitten - bis sein Leidensdruck so groß war, dass er selbst in eine andere Klasse oder Schule wollte - oder gar nicht mehr zur Schule gehen.

Nach einigem Hin und Her (leider ist auch die Schulleitung weder kooperativ noch sonderlich kompetent :roll: ) ist er nun seit Beginn der 5. Klasse in einer Parallelklasse an der gleichen Schule. Er fühlt sich in dieser Klasse wohl, arbeitet mit, macht seine Hausaufgaben und geht wieder gern zur Schule. Die Klassenlehrerin ist o.k. Kein Vergleich zu vorher. Wir hätten unserem Sohn mindestens 1 Jahr Leid ersparen können, wenn wir ihn früher davon überzeugt hätten, schon in der 3. Klasse oder zu Beginn der 4. Klasse zu wechseln. Ein Sprung stand bei ihm allerdings nie zur Diskussion. Er ist zwar in Mathe und den naturwissenschaftlichen Fächern sehr weit, löst z.B. die Aufgaben der 2 Jahre älteren Schwester problemlos :roll: ). In den sprachlichen Fächern ist er aber nicht so weit voraus und könnte ein ganzes Schuljahr nur schwer aufholen. Außerdem ist er schon jetzt der Jüngste in seiner Klasse, weil er mit 5 Jahren und 11 Monaten eingeschult wurde.

Bei Deiner Tochter sieht das z.B. anders aus. Sie ist ja schon 7 und würde vom Alter her auch in die 2. Klasse passen.

Letztlich können wir hier nur von unseren Erfahrungen berichten und ihr müsst selbst entscheiden, wie es für Euer Kind weitergehen soll. Unterforderung und Langeweile in der Schule sind ganz sicher keine "Erziehungsfehler". Sie zeigen, dass irgendetwas "nicht passt". Was da nicht passt, das müsst ihr herausfinden und Lösungen suchen - im besten Fall gemeinsam mit der Schule und dem Kind und möglicherweise mit einem erfahrenen "Fachmann" (z.b. Kinder- und Jugendpsychiater/in). Sucht Euch jemanden, der sich mit HB und ADHS auskennt, wenn ihr mit den Maßnahmen in der Schule allein nicht weiterkommt. Euer erster Versuch, etwas herauszufinden, war anscheinend ein Fehlgriff. Aber gebt nicht auf. Auch Leute, die in einem Institut für HB arbeiten, sind nicht zwangsläufig perfekt und wissen alles. Man kann auch Glück haben mit dem Schulpsychologen oder einem "normalen" Kinderpsychologen - auch da gibt es durch aus fähige Leute. Wobei die meist andere Schwerpunkte haben und sich mit HB (+ ADHS) nicht so gut auskennen.

Ich wünsche Euch, dass ihr einen Weg findet, wie Eure Tochter wieder glücklich werden kann.

Liebe Grüße,
Auguste
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Re: Wir brauchen Hilfe...

Beitragvon Sternchen29041986 » Sa 7. Dez 2019, 21:54

Huhu,

wow und vielen Dank für eure tolle Hilfe und ausführlichen Antworten.
Ich sehr verwirrt und echt enttäuscht wie es bei uns gelaufen ist. Wir haben uns extra an ein solches Institut Gewand, Geld dafür bezahlt. Jeweils pro Tag Rund 100km einfache Strecke gefahren und gebracht hat es uns überhaupt nichts. Wir stehen genauso da wie vorher, nur das wir ein paar Zahlen haben, mit denen man so ja doch nichts anfangen kann. Unsere zum Test 6,8 Jahre alte Tochter wurde etwa 4 Stunden mit einer halben Stunde Pause dazwischen getestet. Laut der Testerin war sie Hochmotiviert hat aber bei den Aufgaben recht schnell aufgegeben (bis dahin musste sie ja noch nie Hochleistung bringen, sie kennt es also nicht auch mal was auszuprobieren). Ihr hätte es nichts ausgemacht. Außer zum Ende hin wurde sie etwas zappelig. Wir dachten damals einfach es sei normal. Wohl hatte ich mich dabei allerdings nicht gefühlt.
Wie unsere Tochter anschließend war? Wie immer. Fröhlich und gut gelaunt, wir waren dann noch was essen und in einem Geschäft (sie durfte sich ne Kleinigkeit von uns aussuchen). Anschließend sind wir die 100 km zurück gefahren. Sie hat viele Fragen wie immer gestellt und fröhlich gesunden. Also in keinem Fall ausgelaugt oder sonstiges.

Das mit dem wenig Schlaf kenne ich nur zu gut. Als Baby die ersten Wochen maximal 2x ne halbe Stunde mit etwa 6 Monaten den halbe Stunde am Tag. Mit einem Jahr hatte sie ihren Mittagsschlaf abgelegt. Sie kommt nachts mit etwa 6 Stunden Schlaf hin. Mehr ist leider nicht drinnen.

Ja, wir haben wirklich eine tolle Lehrerin. Sie will unsere Tochter nun mehr loben und sie etwas fordern. Allerdings ist für die das Thema Klassenwechsel auch noch nicht vom Tisch. Sie möchte regelmäßig mit uns sprechen und wenn uns was bedrückt dürfen wir sie jeder Zeit anrufen. Sie müsste an die 60 Jahre alt sein und die Beste Lehrerin die wir uns wünschen können.

Ich habe heute lange drüber nachgedacht was ihr alle so geschrieben habt und musste plötzlich echt weinen. Ich habe mich die letzten Tag so darein gesteigert. Letztes Endes ist es ja total unwichtig. Hauptsache unsere Tochter ist Glücklich. Der gesamte Grundintelligenztest Skala 1 war bei einem IQ von 129 in 3 Teilbereichen über 130 und somit ist sie für uns in dem Bereich da doch irgendwie Hochbegabt. Und das Verhalten passt auch oft dazu. Sie braucht wenig Schlaf, ist total zerstreut und vergisst immer alles. Sie weiß auf alles eine Antwort, stellt komische Fragen und hat immer das letzte Wort. (Mir ist es bewusste das es kein Indiz für oder gegen eine HB gibt)

Wegen der Verarbeitungszeit hatte ich ja geschrieben hatte sie im Test genau einen IQ von 100 erreicht. Allerdings hatte die Lehrerin gerade jetzt wieder im Gespräch erwähnt wie schnell unsere Tochter ihre Aufgaben erledigt. Sie sitzt in der 1. Reihe quasi direkt am Pult wegen einer leichten Hörminderung und damit verbundenem Hörgerät. Wenn die Lehrerin das Blatt austeilt ist unsere Tochter damit fertig wenn das letzte Kind sein Blatt hat. Sie hat noch nie länger als 5 Minuten für ihre Hausaufgaben gebraucht.

Wir haben bei uns leider ein etwas blödes Schulsystem für schlauere Kinder. Wir haben die sogenannte Eingangstufe. Bei uns gehen die Kinder mit 5 in die Schule und machen das 1. Schuljahr auf 2 Jahre aufgeteilt. Also die E1 dann kommt die E2 und dann die 2. Klasse. Für schwächere bestimmt toll, für unsere Tochter einfach Kontraproduktiv.
Allerdings bin ich guter Dinge wenn die Lehrerin es so macht wie sie gesagt hat. Und in der letzten Instanz wird sie dann spätestens in den Osterferien oder dann im Sommer springen.

Wir hoffen einfach das es irgendwann ruhiger wird und die zwei kleinen Geschwister nicht auch so sind .
Wobei unser 4 jähriger heute bei Mittagessen plötzlich sagte: Mama es gibt 7,4 Milliarden Menschen auf der Welt.

Wir wünschen Euch einen tollen 2. Advent.

Beste Grüße
Sternchen29041986
 
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Registriert: Di 3. Dez 2019, 20:52


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