Mein Sohn verweigert Neues

Fragen aus dem Alltag, Tipps und gute Ratschläge

Mein Sohn verweigert Neues

Beitragvon Talju » So 26. Jan 2020, 17:05

Hallo ihr Lieben,
Ich habe mich lange nicht mehr zu Wort gemeldet, aber jetzt brauche ich bitte mal wieder eure Unterstützung...
Mein Sohn (4,4) ist seit er drei Jahre alt ist im Kindergarten. Erstaunlicherweise klappt es inzwischen sehr gut (trotz blöder Gruppenzusammensetzung und seiner Hochsensibilität). Er liebt seine Erzieherinnen und hat inzwischen auch Freundschaften (leider sind die anderen zwei Jahre älter und werden im Sommer eingeschult).
Unsere Probleme mit ihm: er möchte absolut nichts Neues Ausprobieren (hat richtig Angst davor, egal wie gut wir ihm zureden oder es auch gar nicht im Vorfeld zur Sprache bringen. Das beginnt beim Essen und reicht bis zum Freizeit- oder Sportangebot.
Er ist kognitiv noch immer sehr weit entwickelt und reflektiert über den möglichen Ausgang bevorstehender Situationen. Außerdem ist er in manchen Dingen extrem perfektionistisch. Heute Abend schnappt er nebenbei den Satz auf: keiner ist perfekt. Dann wollte er das erklärt haben. Nachdem ich es ihm erläutert habe, sagt er: aber ich möchte trotzdem perfekt sein!
Eines unserer aktuellen konkreten Probleme ist: Er schwimmt schon seit er drei Jahre alt ist frei und sollte dann in einen spielerischen Kurs ohne Eltern gehen (den Schwimmlehrer kannte er von Eltern Kind Kurs bereits ein Jahr). Nichts war da zu machen. Seine Begründung: er möchte nicht vom Lehrer festgehalten, angefasst werden (hat da bei Erwachsenen- auch wenn er sie gut kennt Probleme, wenn die Intuition der Berührung nicht von ihm aus kommt oder sehr unerwartet ist). Wir durften ausnahmsweise nochmal einen Eltern-Kind Kurs besuchen. Doch ab Januar sollte er allein gehen. Ab dem 1.1. fing er wieder an, dass er das nicht möchte. Wir haben ihn gefragt, ob er mit seinem besten Freund gemeinsam zu einem anderen schwimmen bei einem anderen Lehrer gehen würde. Dem williger er ein. Leider darf sein Freund seit einigen Wochen und auch noch die nächsten Wochen nicht ins Schwimmbad. Deshalb sind wir mit ihm gemeinsam zu der Zeit, in der der Schwimmlehrer im Bad ist einfach schwimmen gegangen. Der Schwimmlehrer war begeistert von seinem Talent und versprach uns ihn in den Aufbau-Kurs aufzunehmen. In diesem geht er nicht mehr zwangsweise mit den Kindern ins Wasser rein. Wir schauten uns gemeinsam in der Folgewoche den Kurs an und er wollte von sich aus teilnehmen. Doch zwei Tage vor dem Termin (heute) fing er von sich aus wieder an: ich möchte nicht da hin... dieselbe Leier trotz Versicherung unsererseits und des Schwimmlehrers dass er ihn nur im Notfall, oder wenn es von ihm ausgeht berührt . Der Schwimmlehrer war so nett und verständnisvoll... wir haben das jetzt wieder mal verschoben auf - wenn sein Freund wieder ins Wasser darf.
Mir geht es überhaupt nicht darum, dass er perfekt schwimmen muss mit vier Jahren, es bereitet ihm aber eigentlich große Freude und er hat Talent, was für sein geringes Selbstbewusstsein sicherlich gut wäre.
Im Sportverein macht er inzwischen ohne uns (die Chemie zur Trainerin hat sofort gepasst) einmal die Woche Kinder Leichtathletik. Das hat dreimal dabei sein (beim ersten Mal selbst mitmachen) gedauert, aber seitdem geht es.
Könnt ihr mir vielleicht Tips geben, wie ich die Ängste abbauen kann?
Er verweigert komplett das Probieren von Fleisch und gekochtem Gemüse (nicht mal Kartoffeln). Er wollte nicht zur Kindergarten-Feier weil er Angst vor der Theateraufführung hatte (konnte natürlich nicht nur seinen selbst ausgedachten Text, sondern auch von allen anderen Kindern alles auswendig), dass er seinen Text vergisst.
Zum Kindergeburtstag seines 6jährigen Freundes wollte er zuerst nicht, aus Angst was ihn erwartet. Er war keine 10 Sekunden da- da war er angekommen und hat kaum noch Tschüss zu mir gesagt, weil er so im Spiel vertieft war...
Die Liste mit neuen Dingen, die er meidet und sich im Vorfeld total reinsteigert ist lang. Eigentlich ist es immer sehr unproblematisch, wenn er sich erstmal überwunden hat. Doch bekommen wir ihn oftmals gar nicht dazu, sich zu überwinden.
Bin um jeden Tip und Austausch dankbar.

Schönen Sonntag
Talju
 
Beiträge: 7
Registriert: Do 8. Mär 2018, 23:00

Re: Mein Sohn verweigert Neues

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 26. Jan 2020, 17:52

Es gibt zwei Konzepte, du kannst dir eins aussuchen. Entweder hilft dein Druck deinem Sohn sich das nächste mal einfacher zu überwinden. Oder dein Druck verfestigt das Problem. Je nachdem du dich entscheidest, gibt es zwei Handelstrategien: entweder Schwimmen durchdrücken, oder das Kind in Ruhe lassen.
Katze_keine_Ahnung
Dauergast
 
Beiträge: 499
Registriert: Do 23. Jan 2020, 09:33

Re: Mein Sohn verweigert Neues

Beitragvon Rabaukenmama » So 26. Jan 2020, 17:53

Hallo Talju,

bei meinem älteren Sohn, der ähnlich "gestrickt" ist, hat langfristig geholfen, ihn WENIGER zu bedrängen, doch wo hinzugehen/mitzumachen. Auch er scheut alle Neue, Unbekannte und fühlt sich am sichersten zu Hause in den eigenen vier Wänden. Aber auch er ist - ähnlich deinem Sohn - dann doch schnell begeistert, wenn er sich DOCH mal aufgerafft hat.

Ich habe früher, als mein Sohn noch kleiner war, immer im Vorhinein entschieden. Erst mal habe ich mich gefragt: Wie wichtig ist das Ganze? Ist es z.B. ein Ausflug, den wir ausschließlich machen wollen, damit ER Freude hat, oder ist es eine gemeinsame Aktivität, die uns allen wichtig ist, und wo wir (als Eltern) einfach WOLLEN, dass er dabei ist. Wenn uns wichtig war, dass er mitmacht, haben wir ihn einfach gegen seinen Willen "mitgeschleift" (wobei der anfängliche Frust meistens SEHR schnell nachgelassen hat, wenn wir erst mal unterwegs waren ;) ). Man muss dazu sagen, dass wir keine Großeltern oder andere Bezugspersonen in der Nähe hatten, wo wir unseren Sohn unkompliziert hätten unterbringen können. Wenn also der Beschluss an einem schönen Sonntag war, dass wir zum Badesee fahren, gab es keine Diskussion (unsererseits) und auch keine Alternative. Was anderes waren Dinge, die eigentlich hauptsächlich "für ihn" gedacht waren, z.B. ein Museumsbesuch. Diese Dinge haben wir dann einfach NICHT gemacht wenn er es absolut nicht wollte. Manchmal wurde derselbe Vorschlag dann 2 Wochen später freudig angenommen. Und wenn wir das Gefühl hatte, dass unser Sohn jetzt wirklich schon ZU lange nichts gemacht hat, dann haben wir ihn nach Vorschlägen gefragt und uns danach gerichtet.

Als mein Sohn dann in die Schule kam, habe ich den wöchentlichen Mama-Sohn-Nachmittag eingeführt. An diesem Tag haben wir zusammen was unternommen, was sich mein Sohn gewünscht hat. Ich habe mich da komplett nach ihm gerichtet und nur manchmal Vorschläge gemacht, die er auch ablehnen konnte. Tatsächlich sind wir in den 2 Jahren, wo wir den Mama-Sohn-Nachmittag hatten immer nur einer von 3 Aktivitäten nachgegangen: Schwimmbad, Kletterpark oder Videospiel-Park! Oft habe ich Vorschläge gemacht wie "Tierpark" oder "Trampolin-Park", "Haus des Meeres", "technisches Museum" oder "Bowling-Halle", oft hat mein Sohn erst mal zugestimmt, aber auf den letzten Drücker wollte er dann doch immer eine der drei ihm bekannten Möglichkeiten. Ich habe das akzeptiert, auch wenn es mir nicht immer leicht gefallen ist. Die Nachmittage waren zur Freude meines Sohnes geplant gewesen und das sollten sie auch sein! Wenn das Unbekannte wirklich so viel Stress verursacht, dann muss man es nicht genau auf die Tage legen, wo auch ein "gesicherter Rahmen" möglich ist.

Auch auf Urlaub fahren wir seit Jahren zu den gleichen Zielen. Wir waren 3x am gleichen Bauernhof und werden diesen Sommer zum 6. Mal im selben Hotel sein. Das gibt meinem Sohn Sicherheit und das Gefühl, sich "auszukennen". Er ist nicht hochsensibel, hat aber ADHS und ist Asperger-Autist. Das bedeutet NICHT, dass er nicht doch mal Freude an was "Neuem" hat - aber es kostet ihm ungleich mehr Kraft, sich auf so was einzulassen, als es ein neurotypisches Kind kostet.

Sein jüngerer Bruder (ebenfalls Asperger-Autist) hat übrigens wesentlich weniger Probleme mit neuen Orten und Unternehmungen - also hängt diese Angst von "Neuem" nicht NUR mit dem Autismus zusammen. Aber unabhängig von der Ursache sehe ich es als Mutter so, dass ich die Eigenheiten meiner Kinder grundsätzlich akzeptieren sollte, so lange sie das Familienleben nicht zu sehr beeinträchtigen. Bei uns kommt immer wieder mal vor, dass entweder mein Mann oder ich was mit unserem jüngeren Sohn unternehmen, während der ältere Bruder mit dem anderen Elternteil zu Hause bleibt. Gut, das entspricht nicht dem Bild von der "perfekten Familie", wie ich es in meinem Kopf habe (oder hatte ;) ), aber mit solchen Entscheidungen geht es uns allen wesentlich besser als damit, ständig auf das Kind einzureden, wie auf eine kranke Kuh, um es dann DOCH zum mitmachen/mitkommen zu bewegen. Unsere unausgesprochene Botschaft ist nicht mehr "Wir wollen, dass du xxx machst, weil wir WISSEN, was für dich gut ist" sondern "Wir glauben, dass du an xxx viel Freude haben könntest, akzeptieren aber, wenn du es nicht ausprobieren willst".

Du schreibst, dein Sohn hätte geringes "Selbstbewusstsein" - ich gehe mal davon aus, dass du damit Selbstgefühl meinst. Das sind nämlich zwei verschiedene Dinge. Es ist ein Unterschied, ob ein Kind stolz darauf ist, weil es etwas gut kann, oder ob es sich selbst kennt und sich über die eigenen Stärken und Schwächen im klaren ist. Das SelbstGEFÜHL kann man nicht stärken, indem man das Kind dazu überredet, was zu tun, was ihm oberflächliche Erfolgserlebnisse verschafft. Selbstgefühl ist unabhängig davon, ob der Schwimmlehrer begeistert ist, oder nicht. Ich sehe das täglich bei meinen Jungs. Der ältere Sohn, der deutlich mehr Talente hat, die eigentlich supertoll "ankommen", und oft gelobt werden, hat viel weniger Selbstgefühl als sein jüngerer Bruder mit 100% Behinderungsgrad (gehörlos und autistisch). Jetzt erst beginnt das Selbstgefühl auch bei meinem älteren Sohn langsam besser zu werden, nicht weil er was besser KANN als andere, sondern hauptsächlich weil ICH besser gelernt habe, ihn so anzunehmen, wie er ist. Ich vergleiche ihn nicht mehr mit den draufgängerischen Kindern, die ich eigentlich so gerne mag. Wie sehr hätte ich mir so viel für ihn "anders" gewünscht! Wie oft habe ich dadurch zwar liebevoll, aber trotzdem sehr vehement die Nachricht ausgesendet "So, wie du bist, bist du nicht okay! Ich hätte dich gern anders! Du solltest dich mehr trauen, dir mehr zutrauen, weniger Ängste haben,...!". Es war nicht einfach, das bleiben zu lassen. Dazu musste ich mich erst mit seinen individuellen, autistischen Besonderheiten auseinandersetzen.

Gerade wenn dein Sohn hochsensibel ist hat er besonders feine Antennen für eure Gefühle und Erwartungshaltungen. Ich würde daher an eurer Stelle mehr daran arbeiten, wie ihr als Eltern euren Blick auf euer Kind ändern könnt, und nicht daran, wie ihr das Kind so ändern könnt, dass es eurer Vorstellung entspricht. Alles Gute :) !
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2690
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: Mein Sohn verweigert Neues

Beitragvon charlotte12 » So 26. Jan 2020, 18:30

Dass Vierjährige unbekanntes Essen nicht probieren wollen hat evolutionäre Gründe. Das ist das Alter, in dem die Mutter nicht mehr die ganze Zeit dabei ist und früher war es überlebenswichtig, dass die Kleinen erst mal nur bekannte Nahrungsmittel aßen, damit sie nichts Giftiges erwischen. Ich weiß nicht mehr genau, woher ich das habe - vermutlich Renz oder Jesper Juul.
Beim Rest würde ich nicht so viel Druck aufbauen, gerade im Hinblick auf sein Selbstvertrauen. Wenn ein Kind mit drei Jahren schon frei schwimmen kann, ist das extrem früh, dh. die anderen Kinder werden ein bis eher zwei Jahre älter sein als er. Wenn er dann eben im Gegensatz zu den anderen noch nicht so weit ist, das alleine ohne Eltern zu machen, dann ist das doch völlig ok. Ihr könnt zusammen schwimmen gehen, vielleicht gibt es Möglichkeiten von Einzelunterricht mit Eltern, wenn die Sache so wichtig ist. Aber ich würde ihn nicht massiv zu Dingen drängen, zu denen er offensichtlich noch nicht bereit ist. Meine Tochter war mit drei Jahren nicht dazu zu bewegen, beim Krippenspiel ohne mich auf der Bühne stehen zu bleiben. Mit vier Jahren klappte das. Sie war glaub ich sieben Jahre alt oder so, als sie von sich aus eine kurze Sprechrolle wollte. Jetzt mit neun Jahren träumt sie erstmals davon, die Maria zu spielen. Manche Dinge brauchen Zeit, und bei hochbegabten Kindern vergisst man gerne, wie klein sie eigentlich noch sind, und dass sie eben nicht überall schon so weit sind. Meine Tochter war in dem Alter auch extrem vorsichtig und zurückhaltend. Ist unter dem Sicherheitsaspekt gesehen gar nicht so verkehrt.
charlotte12
Dauergast
 
Beiträge: 404
Registriert: Sa 21. Mai 2016, 18:28

Re: Mein Sohn verweigert Neues

Beitragvon Talju » So 26. Jan 2020, 20:50

Vielen Dank für eure Antworten.
Wir zwingen ihn nicht und versuchen es immer positiv zu formulieren, so wie von Rabaukenmama vorgeschlagen.
Es stimmt trotzdem, dass wir manchmal zu hohe Anforderungen an ein etwas angepassteres Verhalten stellen. Da müssen wir etwas an uns arbeiten. Zumal er wirklich durch seine Hochsensibilität feine Antennen hat.
Wir haben das Thema Schwimmen vertagt und gehen weiterhin einfach regelmäßg mit ihm selbst schwimmen. Wir haben auch bereits einen Mama-Sohn Tag in der Woche und einen Experimente-Tag. Er liebt das Nuturkunde Museum, Schwimmbad, Trampolinhalle etc. und geht mit uns als Eltern überall gerne hin. Als ich arbeiten musste und er das erste Mal mit seinem besten Freund und Familie in die Trampolinhalle gehen "sollte" (er kennt alle Familienmitglieder seines Freundes von Geburt an und ist regelmäßig bei ihnen) wollte er erstmal nicht. Da hat er sich dann doch überwunden und war total happy im Nachhinein, weil er so viel Spaß hatte.
Ich bin nur etwas gefrustet, weil ich es oftmals schade finde, dass er sich selbst so im Wege steht...
Es tut gut zu hören, dass es einigen von euch ähnlich geht.
Das mit dem Essen ist eine beruhigende Antwort. Ich glaube auch, dass er sich schon nimmt was er braucht. Aber da werde ich schon von anderen Eltern schief angeschaut...
Beim oben beschriebenen Kindergeburtstag wollte er als einziger nichts zu Abend essen (es gab aber auch vorher Kuchen, den er gegessen hat). Einige Kinder haben einfach trockene Nudeln gegessen (die isst er zu Hause auch), aber dort ging es nicht. Da hat er wohl sogar angefangen zu weinen, als die Gastmama ihn gefragt hat, ob er nicht doch etwas probieren möchte...
wir haben auch noch ein paar andere Problemchen. Unter anderem hält er im Kindergarten (ist maximal von 8:00-12:15 Uhr dort) den Urin ein. Er geht nicht alleine dort Pipi machen. Er geht zwar dort aufs Klo, wenn er geschickt wird, kann aber nicht loslassen. Auf fremde Toiletten kann er nur mit meinem Mann, mir oder seiner großen Schwester gehen. Zu Hause geht er selbstständig, hält aber auch immer lange ein...
Habt ihr da vielleicht noch einen Tip für uns?
Stuhlgang geht nur zu Hause auf dem Klo - in die Windel (hier sagt der Kinderarzt wir sollen uns entspannen, das wird schon irgendwann kommen).
Vielen Dank nochmal für eure Antworten.
Talju
 
Beiträge: 7
Registriert: Do 8. Mär 2018, 23:00

Re: Mein Sohn verweigert Neues

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 26. Jan 2020, 21:21

und bei all den Problemen ist euer Kinderarzt tief entspannt? Ich sehe einiges, was nicht zu einer Standardentwicklungsschema gehört. Der Grad von Rigidität ist für das Alter schon sehr hoch. Da würde ich mich fragen, ob es nicht Fachleute gibt, die dem Kind den Weg ein wenig ebnen können. Dass er nicht zum Schwimmen geht, finde ich normal. Das er mit 4 Jahren Toilettenprobleme hat nicht. Das Essen muss auch ein sehr nerviges Thema für die Familie sein. Liest man die Definition der Ergotherapie hier:

Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken. ( https://www.neurologen-und-psychiater-i ... otherapie/)

wäre diese Art Hilfe für euer Sohn vielleicht hilfreich.
Katze_keine_Ahnung
Dauergast
 
Beiträge: 499
Registriert: Do 23. Jan 2020, 09:33

Re: Mein Sohn verweigert Neues

Beitragvon sinus » So 26. Jan 2020, 22:44

Du beschreibst meine Tochter (aktuell 11) in dem Alter!
Sie wollte mit 3-4 auch nicht zu Kindergeburstagen, mit 5 dann schon, kam aber immer hungrig vom Kindergeburstag, weil sie dort nichts anrührte. (und auch vieles nicht mitmachte, vor allem Wettspiele u.ä.)
Bei einer Indoorspielplatzeinladung mit 4 blieb sie die ganze Zeit bei den Erwachsenen, weil sie sich ängstigte. Vor den anderen Kindern, aber eigentlich vor allem vor den Lautsprecherdurchsagen.
Bei den meisten unserer Vorschläge für Freizeit-Unternehmungen - und sei es eine Puppentheaterveranstaltung - wollte sie nicht hin.
Alles was neu und unbekannt war, wollte sie nicht.
Ausflüge mit der Kindergartengruppe - auf die alle anderen sich freuten - waren ihr ein Graus. Warum? Weil die anderen Kinder sich so unberechenbar benahmen, nicht ordentlich in Zweierreihen gingen etc. Sie hatte immer Sorge, es konnte darum was passieren und es war darum purer Stress für sie.
Überhaupt gab es ganz viel, was anderen Kindern Freude bereitete, für sie aber nicht schön war.
(Auch viele Spiele im Kindergarten mochte sie nicht)
Ab 4 sollten die Kinder in ihrer Kiga-Gruppe sich den Popo selbst abwischen. Da sie Angst hatte, das nicht gut genug zu machen, so dass dann womöglich die Schlüpfer Flecken bekäme, ist sie NIE im Kindergarten "groß" gegangen.
Das hat ewig keiner gemerkt, ich selbst hab es erst 1-2 Jahre später mitbekommen, dass sie seit dem 4. Geburtstag nicht mehr im Kindergarten "groß" auf dem Klo war.
Als sie so 3-4 war, wollten wir mal ein Eis essen. Sie hatte einen hellen Pulli an und ich meinte unbedacht zu ihr: "pass bisschen auf, Schokoladeneis macht auf heller Kleidung hässliche Flecken!"
Daraufhin wollte sie das Eis nicht mehr und hat bis weit ins Grundschulalter hinein GAR KEIN Eis mehr gegessen.
An Nahrungsmitteln hat sie auch nur sehr ausgewählte Sachen gegessen. Selbst bei Süßigkeiten. Nur eine Sorte Kuchen, keine Kekse, keine Gummibärchen, nur 1,2 besondere Sorten Schokolade. An Obst NUR Äpfel und später irgendwann dann immerhin auch noch Bananen. (Inzwischen auch Erdbeeren und Himbeeren, sonst nach wie vor nichts an Obstsorten)
Gemüse ähnlich. (Aber auch da wird es von Jahr zu Jahr mehr)
Keine vermischten/verarbeiteten Speisen. Also Pizza, Nudelsoßen, Salate - sowas aß sie alles nicht, selbst wenn sie die einzelnen Zutaten an sich mochte.
(Also bspw Salami, Ketchup, Käse, Teig ja, aber nicht alles zusammen als Pizza)
Am liebsten Butterbrot oder getrocknetes Brot ohne alles, Nudeln/Couscous/Reis/Haferflocken pur. (inzwischen gibt es aber auch da immerhin einige wenige Beläge/Aufstriche, die sie mag)
Bei Kleidung war es ähnlich. Ja nichts mit "Extras" - Bändern, Schleifchen, Rüschen, Falten, Knöpfen, auffällige Aufdrucke/Applikationen...
Gegen Knöpfe hat sie sogar eine Phobie. Sie kann die nicht am Körper haben, Bettwäsche mit Knöpfen geht auch gar nicht und wenn ich eine Strickjacke anhabe mit Knöpfen, mag sie mich nicht umarmen.
Bitte auch keine verschiedenen Frisuren - möglichst nur offen oder Pferdeschwanz.
etc pp.
Ach ja - Berührungen mag sie auch nicht. Nur ich durfte/darf sie knuddeln, umarmen etc. Niemals saß sie bei jemand anderem auf dem Schoß, auch nicht bei der Oma. Wenn ein Freund oder gar ein anderer Erwachsener als ich sie anfasst, wird sie ganz steif. (Bei Zufallsberührungen nicht so, aber wenn es eine gezielte Berührung ist auf jeden Fall)
Selbst wenn ihre kleine Schwester sie umarmt, ist ihr das höchst unangenehm.

Vieles davon fand ich bei Alain Aaron wieder in ihrem Buch "Mein hochsensibles Kind".
Hast du das gelesen?
Da stand u.a. auch, dass man mitunter schon ein bisschen "schubsen" darf und sollte.
Wie sonst kann so ein Kind Erfahrungen sammeln, dass XYZ ja doch auch Spaß machen kann und dass sie Situation XYZ durchaus auch meistert?

Etwa seit Einschulung hat sich das alles bei meiner Tochter übrigens in den meisten Punkten kontinuierlich verbessert.
Irgendwann war sie dann genau wie die anderen ganz wild auf Indoorspielpatz, ihr Speiseplan wird langsam, aber kontinuierlich komplexer, sie hat vor Events/Veranstaltungen immer noch oft Sorgen und möchte oft manchmal am liebsten gar nicht hin. (Ferienprogramme, Workshops u.ä.)
Die Klassenfahrt in Klasse 4 war eine große Herausforderung für sie, in Klasse 5 hat sie sich dann schon zumindest "ein bisschen " auch drauf gefreut.

Ich denke, so ein Kind baucht schon Bestärkung. (Nicht Zwang, aber evtl Überredung)
Um positive Erfahrungen zu sammeln. Sonst sehe ich die Gefahr, dass sich Ängste manifestieren.
Die können allerdings auch manifest werden, wenn das Kind gegen seinen Willen einer Situation ausgesetzt wird, die es emotional nicht so gut verkraften kann. Meine Tochter hatte es ein paar Mal, dass sie etwas zwar gut "durchgestanden" hat, es im nachhinein aber trotzdem nicht als Erfolg wahrnehmen konnte, weil sie einfach zu viele schlechte Gefühle dabei hatte. (Bspw als sie in der 2. (oder 3?) Klasse ohne mich, nur mit Großeltern, eine Woche im Urlaub war. Sie hatte viele tolle Erlebnisse, aber geblieben sind vor allem die Erinnerung daran, wie sehr sie mich vermisst hat und wie einsam sie sich gefühlt hat.)
Also es bedarf unglaublich viel an Fingerspitzengefühl, um das richtige Maß zu finden zwischen "Überredung", etwas doch zu probieren/machen und dem Zugestehen der Freiheit, "nein" zu sagen und eine potentiell fürs Kind bedrohliche bzw einfach nur unangenehme Situation zu vermeiden.

Alles in allem möchte ich dich hiermit aber ermutigen - das meiste hat sich wirklich im Laufe der Zeit und mit der zunehmenden Reife und Erfahrung verbessert.
Langsam, aber stetig.
Meine Tochter wird wohl nie eine Draufgängerin werden. Und sie reagiert bspw auch noch heute stark auf Stress. (sie bekommt dann bspw Verstopfung)
Und sie ist und bleibt ein Mensch mit einer stark "neurotischen" Komponente.
Aber ich finde sie derzeit insgesamt sehr, sehr viel normaler, als sie es noch im Kindergartenalter war!

Da das Kind selbst durchaus gespürt hat, dass es "anders" ist als andere, Dinge nicht mag auf/über die sich andere Kinder freuten, hatte sie schon früh das Gefühl, anders zu sein, glaubte gar, dass etwas mit ihr nicht stimmte.
Das tat ihr gar nicht gut und wir "arbeiten" da bis heute daran.
Einen großer Fortschritt gab es da ab dem Zeitpunkt,wo ich Alain Aaron gelesen hatte und mit ihr über die Hochsensibilität sprach. Ihr erklären konnte, warum sie manchmal Sachen anders empfindet/anders reagiert als die Mehrheit der anderen um sie herum und dass das alles seinen Sinn hat, ja sogar eine besondere Gabe ist.
Ich hab da immer mit Metaphern gearbeitet, mit denen sie was anfangen konnte, bspw die Metapher die Aaron selbst bringt mit den Rehen auf Nahrungssuche, wo sich mache "Draufgänger" auf die Lichtung trauen und dann satt werden, aber eben ggf halt auch vom Wolf gerissen werden. Die vorsichtigeren werden an dem Tag evtl nicht satt, aber es kann auch gut sein, dass sie dafür ihr Leben gerettet haben. Beide Charaktere haben ihre Berechtigung und seinen Sinn in der Natur. Und wie wichtig es für die Gruppe ist, dass es solche und solche gibt.
Ich hab ihr auch erklärt, dass es nicht unbedingt Ängstlichkeit, sonder oft einfach nur Vorsichtigkeit ist, die sie Dinge vermeiden lässt. (sie selbst hielt sich offensichtlich für ängstlich) Dass sie oft Dinge durchschaut/vorhersieht, an die andere gar nicht denken und darum sich vorsichtiger verhält als andere. Dass das aber dann nicht unbedingt Angst ist, auch wenn es von außen für Menschen, die all das, was sie sieht und denkt gar nicht wahrnehmen, wie Angst aussieht.
Also ich denke, es ist auch sehr wichtig, so einem Kind zu vermitteln, dass es so wie es ist, völlig richtig ist und dass es auf sich selbst vertrauen kann und seine Besonderheit auch als Stärke kennengelernt.
(Bspw waren wir letztes Jahr im Ausland mit einem ortskundigen Guide im Dschungel unterwegs. Sie hat - obwohl ja nun nur als fremde Touristin dort - immer etwa zeitgleich mit dem Gude tolle Entdeckungen gemacht. Besondere Pflanzen und Tiere zuerst gesehen und uns darauf hingewiesen. Das war schon sehr beeindruckend. Für uns andere und für sie auch. Also dass sie da so einen "sechsten Sinn" hat.)

Also ich würde da den Fokus auch auf die Stärken legen - auch mit/gegenüber dem Kind. Immer wieder erklären, wann und was es besonders kann und warum es genau darum auch auf sich selbst vertrauen kann usw.
(Nach dem IQ-Test habe ich meiner Tochter auch erklärt, dass es eine Besonderheit von Hochbegabten ist, dass sie für unbekannte, unvorhergesehene Probleme besondere Lösungen finden. Dass das also wohl auch eine Stärke ist, auf die sie bauen kann und sie darum, selbst wenn sie sich emotional unsicher fühlt, in einer ihr unbekannten Situation, sie sicher darauf vertrauen kann, dass sie für auftretende unvorhergesehene Situationen gute Lösungen findet.)

Und noch was: schau nach Möglichkeiten, dass das Kind auch mal unter Kinder kommt, die ihm ähnlich sind. Ähnlich ticken, ähnlich weit sind.
Ich hab da oft erlebt, wie meine sonst so zurückhaltende Tochter plötzlich aufblühte und eine ganz andere Seite, als die angepasste, stille, zurückhaltende zeigte.
Mit 4 war sie damals bei den "Buchkindern", wo sie sehr selbstbewusst mitmischte, außerdem hat sie einen Freund, der ihr ähnlich ist und mit dem sie sich viel trifft. (Wenn sie ihn mal eine ganze Woche nicht sieht, sagt sie, sie leide unter "Akutem A.(Name des Jungen)-Mangel" und müsse ihn unbedingt wieder treffen, sonst werde sie krank)
Und jetzt in ihrer neuen Klasse, ein Gymnasium, wohin viele besonders Begabte gehen, da fühlt sie sich auch plötzlich (endlich) mehr zugehörig/passend.
Oder letzte Ferien bei einem Workshop (zu dem ich sie auch erst wieder ein bisschen überreden musste) wo sie andere "Nerds" für ihren einen Interessensbereich traf und sich spontan so gut mit einem anderen Mädchen verstand. (was dann auch noch ausgerechnet auf ihre neue Schule ging, zwar 2 oder 3 Klassen höher, aber so kannte sie dann plötzlich schon jemanden in der neuen Schule und hörte von dem Mädchen vieles, was ihr da auch Ängste vor dem neuen schulischen Umfeld nahm)
Und grad dieses Wochenende war sie bei einem Workshop, den die DGhK hier für Kinder anbot. Da wollte sie erst aufgrund des Themas erst gern hin, dann, als der Termin näher rückte, am liebsten doch wieder nicht. (sie war aber nunmal angemeldet und darum musste sie hin. Und ich kenne das ja auch schon von ihr - so wie du auch schreibst - dass sie fast immer alles erstmal nicht will)
Als ich sie dann abholte, sprudelte sie nur so heraus mit ihrem Bericht. Vor allem auch über die anderen Kinder dort, die, wie sie glücklich sagte, "mir irgendwie ähnlich waren".
Solche Erlebnisse sind sicherlich auch ganz besonders wertvoll - endlich mal "normal" sein, endlich mal ganz man selbst sein können, ohne aufzufallen...
Evtl lohnt es ja für euch, mal zu gucken, ob und was der Regionalverein der DGhK da so anbietet...? Ich hätte da evtl viel eher schon mal schauen sollen/müssen.
(ich bin erst seit diesem Jahr Mitglied und war letztes Jahr das erste Mal bei einer Veranstaltung des Vereins)
Hier sind das (neben den "Elternabenden") nicht mal immer unbedingt hochanspruchsvolle Themen für die Kinder-/Familienveranstaltungen, es geht oft auch einfach um geselliges Beisammensein (bspw beim Plätzchenbacken oder sowas), wo man eben mal unter anderen Kindern ist, die einem vielleicht "irgendwie ähnlich" sind.
Ach und da verlangt übrigens auch keiner einen Test oder sowas, also da musst du keine Berührungsängste haben, wenn du bisher nur die Vermutung hast, dein Kind könne hochbegabt sein.

PS: Kennst du schon das Buch "Philipp zähmt den Grübelgeier"?

https://www.thalia.de/shop/home/artikel ... gJm8PD_BwE

Das ist ein Buch speziell über/für vorsichtige Hochsensible. Das Buch hat meiner Tochter sehr gut gefallen und es bietet viele Anknüpfungspunkte/Gesprächsanlässe zum Thema.
sinus
Dauergast
 
Beiträge: 916
Registriert: Fr 26. Nov 2010, 10:52

Re: Mein Sohn verweigert Neues

Beitragvon Meine3 » Mo 27. Jan 2020, 09:21

Hallo Talju,

die Dinge, die du in deinem ersten Beitrage beschreibst: nicht allein einen Schwimmkurs besuchen wollen, heikel beim essen sein, nicht zum Kindergeburtstag wollen, das finde ich mit 4 wirklich nicht ungewöhnlich. Klar gibt es in dem Alter Kinder, die schon recht selbstständig sind, aber der Großteil will lieber noch seine Eltern beim Turnen dabei haben, isst kein Gemüse und findet es seltsam allein unter Leuten zu sein, ohne Eltern.

Ich kenne sehr viele Kinder (meine gehören nicht unbedingt dazu, die sind recht selbstständig größtenteils), die aufgrund ihrer Sensibilität und Schüchternheit lange, lange Zeit hauptsächlich beobachten und das am liebsten von Mamas Schoß aus. Und bei allen hat sich das im Vorschulalter so ziemlich verwachsen, nach und nach...

Meine beiden Großen sind wirklich sehr autark und selbst die beiden wollten mit 4 noch nicht alleine in den Sport, während sie aber ohne Probleme allein zu Geburtstagen, Kindergartenübernachtungen oder sonstigen Veranstaltungen gegangen sind.


Was ich "merkwürdig" finde, ist das Kloverhalten. Es gibt durchaus Kinder, die bis 6 Jahre noch Windel brauchen. Aber dein Sohn ist ja offensichtlich trocken. Er spürt es und hält es ein, will aber dennoch nicht aufs Klo. Viele Kinder haben Angst "loszulassen", vor allem, wenn es um das große Geschäft geht, aber dass er selbst Pipi einhält ist schon sehr ausgeprägt.

Wirklich alarmierend finde ich aber all das nicht. Habt Geduld. Nicht jedes Kind ist in allem gleich schnell. Grade sehr sensible Kinder brauchen bei vielem etwas länger, nicht weil sie es nicht können, sondern weil es ihnen einfach zu viel ist. Sinus rät, ein wenig sanften Druck aufzubauen. Wenn ich da an mich denke als Kind: bei mir hätte das das Gegenteil bewirkt. Überzeugungsarbeit sollte man schon leisten, wenn es ums Essen oder das trocken werden geht. Den Schwimmkurs allein zu bewältigen halte ich wiederum für zu viel verlangt von einem solchen Kind mit 4 Jahren.


Letztendlich können wir nur auf das reagieren, was du beschreibst und du als Mutter musst entscheiden, wie du mit deinem Kind umgehst. Es gibt nie nur die eine richtige Umgangsweise oder den einen Lösungsweg für ein Problem...
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
Meine3
Dauergast
 
Beiträge: 617
Registriert: Mo 11. Mär 2019, 10:55

Re: Mein Sohn verweigert Neues

Beitragvon sinus » Mo 27. Jan 2020, 11:19

..."sanfter Druck" bezog sich nicht im Speziellen auf den Schwimmkurs, sondern allgemein auf den Umgang mit der Angst vor Neuem. Da sollte man als Eltern wie ich schrieb "Fingerspitzengefühl" einsetzen, wo es Sinn macht, etwas zu schubsen und wo nicht.

Ohne "sanften Druck" wäre mein Kind bspw nicht zu diversen Kindergeburtstagen gegangen und in Klasse 4 nicht mit zur Klassenfahrt gefahren. Und auch nicht zu den Schnupperveranstaltungen an der weiterführenden Schule, die je an einem Samstag in Form von Experimenten stattfanden. Sie wollte nicht hin, weil sie da ja niemanden kannte... Letzten Endes war sie zu den Terminen und hat sich dann aufgrund ihrer Erlebnisse dort dann entschieden, dass es genau diese Schule sein soll für sie (obwohl alle Klassenkameraden in andere Schule wechselten!) und bisher sieht es nach einer guten Wahl aus.

Ob das "schubsende Motivieren" zur Überwindung beim Schwimmen für das hier geschilderte Kind im speziellen Fall jetzt der sinnvoll ist oder nicht, mag ich nicht beurteilen.

Ach ja, noch ein Denkanstoß: zu viel Wahl/Mitspracherecht kann Kinder mitunter auch verunsichern.
Da sehe ich im Nachhinein, dass es meiner Tochter tw gut getan hätte, wenn ich manchmal einfach für sie entschieden hätte. Ein "Basta!" kann ein Kind, was selbst auch schon sehr viel bedenkt und abwägt und zweifelt durchaus auch erleichtern.
(Man merkt ja als Eltern meist ganz gut, ob ein Nein ein klares Nein ist oder ein "lieber nicht", ob es nur ein bisschen am Mut, etwas zu probieren fehlt oder es generell keinen Spaß verspricht etc)
sinus
Dauergast
 
Beiträge: 916
Registriert: Fr 26. Nov 2010, 10:52

Re: Mein Sohn verweigert Neues

Beitragvon alibaba » Mo 27. Jan 2020, 11:57

Na, da getraut sich wohl dein Kind, im wahrsten Sinne des Wortes" nicht loszulassen.

Ich finde das nicht problematisch und sehe weder beim schwimmen, noch beim "Klogang" hier ein Problem, was sich nicht auch etwas später und von ganz alleine lösen wird. Jetzt Druck aufzubauen fände ich problematisch. Man muss mit 4 Jahren nicht schwimmen können. Klar sollte man den Urin auch im Kiga lassen können, aber auch Meine sind ungern dort auf die Toiletten gegangen. Oft ging das erst nach dem Kiga. Etwas "kurios" ist in der Tat der Stuhlgang, aber auch hier hab ich schon ganz viel gehört. Das wäre vielleicht etwas, was mich stören würde, da ich es unpraktisch finde. Da würde ich persönlich schauen, ob man nicht sanft "zwingt" den Stuhlgang auf der Toilette abzugeben. Habt Ihr einen Sitzverkleinerer?

Ansonsten hat mir mal eine Mama eines ebenfalls sehr klugen Kindes gesagt, dass eben der Kopf gerade zu tun hat und da halt der Körper noch Reife benötigt. Beides geht eben nicht, meinte sie. Mittlerweile schmunzeln wir über diese, weit vergangenen, Probleme. Auch diese haben sich von ganz alleine gelöst. Ja, vielleicht nicht im Rahmen des "normalen". Aber zumindest ohne Stress. Auch unsere Kinderärzte waren da durchaus "entspannt".
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 3672
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Nächste

Zurück zu Alltag

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast