Bücher zum Vorlesen

besondere Ansätze für besondere Kinder

Re: Bücher zum Vorlesen

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 16. Mai 2015, 09:06

Skuld hat geschrieben:Stupsi nimmt Zigarren als Souveniers mit und arbeit im Bergwerk :lol: :lol: :lol: zu geil.

Ich schrecke nicht davor zurück so etwas meinem Sohn vorzulesen. Er hat neulich Huckleberry Finn als CD bekommen, die muss jetzt immer im Auto gehört werden, da geht es auch um Neger und Sklaven (was heute ja auch nicht mehr zeitgemäß ist). Er hat dann mal gefragt, was das sei, ich habs ihm erklärt und gut. Deswegen ist es doch trotzdem eine spannende Geschichte. Und auch hierbei lernt man was. Es gab Sklaven, es gibt auch immer noch welche, was bedeutet das für die Menschen.... Es bietet viel Gesprächsstoff.
Obwohl ich sagen muss, dass wir beiden immer ein Thema finden, was uns interessiert, selbst bei den Conny-Büchern ist immer was dabei, aus dem man lernen kann.


Die Stupsi-Bücher habe ich trotz mancher nicht-zeigtemäßer Geschichten vorgelesen. Mir selbst haben sie sehr gut gefallen und nicht geschadet - warum sollte ich sie dann den Kindern vorenthalten.

Wenn ich die "alten" Kinderbücher so lese fallen mir gewaltige Unterschiede zu den heutigen auf. Was mir z.B. aufgefallen ist, dass in heutigen Bilderbüchern bis ca. 6 Jahre keiner raucht, keiner Alkohol trinkt, es keine Gewalt gibt, keine sozialen Unterschiede und man eigentlich mit allen Menschen normal kommunizieren kann. Da frage ich mich manchmal schon ob so was den Kindern nicht ein falsches Bild von der Welt, in der wir leben, vermittelt.

Bitte nicht mißverstehen, in Kinderbüchern haben natürlich weder Prügeleien noch Drogenexzesse etwas verloren. Aber dass nicht mal irgendein Opa oder eine Tante im freien eine Zigarette in der Hand hat empfinde ich schon als realitätsfern.
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Re: Bücher zum Vorlesen

Beitragvon Skuld » Sa 16. Mai 2015, 14:08

Mir ist auch aufgefallen, dass in heutigen Kinderbüchern und auch oftmals die pädagogisch wertvollen Sendungen/Filme nicht die Lebenswelt der Kinder widerspiegeln. Und Klopperei gehört bei Kindern durchaus ins Leben. Mein Sohn klärt erst mal auf jedem Spielplatz die Hackordnung (und auch wenn mir das wenig gefällt, las ich, dass das normal sei).
Allerdings habe ich bei Conny lernt Radfahren festgestellt, dass es da durchaus schon ein paar kleine Gemeinheiten gibt. Nur in Form von Schadenfreude, aber doch vorhanden.
Aber die Kinder von heute, denen ja sowieso viel zu wenig vorgelesen wird, leben nach wie vor in der Welt, in der nicht alles weichgespült ist. Und gerade die, denen nicht vorgelesen wird, das sind die mit denen man eben nicht normal reden kann...
Das Leben ist kein Ponyhof, das lernen unsere buchverwöhnten Kinder auch, im ganz realen Leben.

Wie gesagt, ich lese auch Bücher vor, bei denen man sich gruselt, die politisch nicht (mehr) korrekt sind oder was auch immer, wenn es uns gefällt ist alles gut. Wir haben unsere Rituale und die bestehen auch daraus, dass wir am Abend in Mamas Bett liegen und Mama vorliest.... manche Bücher auch schon zum (gefühlten) 100. Mal, manche, die nur ich mag oder als Kind mochte, die er irgendwie gar nicht leiden kann.
Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man nur weil es heute nicht mehr zeitgemäß ist Jim bei Huckleberry Finn nicht mehr als Neger bezeichnet. Gerade diese (heute) fremde Ausdrucksweise bietet doch Gesprächsstoff... Was bedeutet das? Weißt du, was gemeint ist? Warum sagt man das heute nicht mehr so? Was bedeutet Sklaverei? Wie war das früher? War das nur in Amerika?..... usw.... Alles Dinge, die wir ohne dieses Buch nie besprochen hätten.
Und das bringt mich auf die Idee, beim nächsten weichgespülten Buch mal darüber zu reden, dass die wirkliche Welt eben nicht so weichgespült ist....
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Re: Bücher zum Vorlesen

Beitragvon Koschka » Sa 16. Mai 2015, 14:49

Ich habe ein mal in Ponyhofgeschichten reingeguckt... Da gruselte es mir erst recht. Die Mädchen besprachen untereinadner, wessen Handy besser ist und wessen Klamotten aktueller sind. Zielgruppe der Serie 8-10 Jahre. Meine Kinder sollen doch lieber über Neger lesen als das... Das ist hier OFF, aber das Thema der Sklaverei habe ich erst vor ein paar Monaten während des Aufenthalts in Afrika neu endeckt und festgestellt, dass es gar nicht so abgelaufen ist, wie die weiße Welt das jetzt kennt. Ich habe vorerst meinen Kindern erzählen wollen, dass an allem Übel der Sklaverei die bösen gierigen Weißen Schuld sind, aber so ist das gar nicht...
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Re: Bücher zum Vorlesen

Beitragvon Skuld » Sa 16. Mai 2015, 16:51

@ Koschka

bitte erzähl, wie ist es wirklich abgelaufen. Das würde mich sehr interessieren. Ich hätte auch die Version vom bösen weißen Mann sonst vertieft...
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Re: Bücher zum Vorlesen

Beitragvon Koschka » Sa 16. Mai 2015, 20:08

Die Geschichte der Sklaverei ist schon ein Paar Tausend Jahre alt. Ägyptischer Staat wäre ohne Sklaven nicht existenzfähig. Antike Grichen führten lange Diskussionen: "Jede soll frei sein und mindestens zwei Sklaven haben. Manche wurden durch ihre Schulden zu Sklaven, manche verkauften ihre Familienmitglieder um überleben zu können. Viele wurden während der globalen und lokalen Kriegen verschleppt. Das Sklavengeschäft in Afrika blühte schon bevor die Weißen kamen. Die Hauptabnehmer waren die arabischen Völker. Da die schwarzen Häuptlinge untereinander ewige Kriege führten, gab es genug Kriegsgefangenen um sie zu verkaufen. Als die ersten Weißen dorthin kamen, wurden sie als würdige Geschäftspartner erachtet und stiegen in viele lokale Geschäfte ein, unter anderem in den Verkauf und Verschiffung von Sklaven. Sie mussten gar nicht selber Sklaven jagen, da diese Rolle die lokale Häuptlinge und ihre Krieger übernommen haben. Die Weißen haben es dann auch ziemlich schnell aufgebeben und sogar die Schiffe mit den Sklaven gezielt gekapert und die Sklaven befreit. Nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei haben die Engländer auch versucht, sich um die ehemaligen Sklaven zu kümmern. Sie bekamen Land - nicht umsonst heißt der Hauptstadt von Sierra Lione Freetown. Sie haben versucht sie fortzubilden. Wie so vieles in Afrika versickerten das Geld und die Mühe aufgrund der lokalen Regierungsstrukturen und Korruption. Die Häuptlinge hätten nichts dagegen die Geschäfte wie gewohnt weiter zu führen. Ich schätze es gab nicht viele von denen, die an freien mündigen Bürgern und langfristigem Frieden interessiert waren. Die Sklaverei in Afrika gibt es immer noch. Familien, die nicht alle Ihre Kinder ernähren können verkaufen ihre Kinder. Die Käufer kommen größtenteils aus Nahosten. Diese Kindersklaven haben lebenslang keine Rechte, kein Besitz und dürfen nur Sklaven heiraten. Der Preis für einen Kindersklaven liegt etwa bei 50 euro und deren Regierungen dulden es.
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Re: Bücher zum Vorlesen

Beitragvon Skuld » So 17. Mai 2015, 09:50

DAnke Koschka, mir war nicht bewusst, dass die Afrikaner das schon seit Jahrhunderten/Jahrtausenden so tun....

Ich wusste, dass es das heute noch gibt und dass Kinder verkauft werden, wenn Familien sich ihre Kinder nicht mehr leisten können. Aber ich hielt die Weißen trotzdem für die treibende Kraft, im Sklavenhandel. Ich bin erschrocken darüber, dass weiße Engländer versuchten zu helfen und das gar nicht gewünscht war... Oder eigentlich auch nicht. Hilfe bekommt, wer darum bittet. Es ist zu einfach sich auf andere zu verlassen....
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Re: Bücher zum Vorlesen

Beitragvon kokuz » Fr 22. Jun 2018, 00:00

Danke fürdie Infos.
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