Bestimmen

besondere Ansätze für besondere Kinder

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Beitragvon Janina13 » Mi 13. Okt 2010, 15:36

Hallo!

Also mein 18 Monate alter Sohn "bestimmt" sehr viel. Ich könnte 1000000 Beispiele geben! Angefangen von "Wer wo sitzen muss am Tisch", über "In welcher Reihenfolge der Joghurt mit dem Obst vermischt werden muss" bis hin "Wer ihm die Windel wechsel soll". Er zeigt auch immer, welcher Löffel (beim Tischdecken) wem gehören soll und weiß schon ganz genau, was er essen möchte (geht z. B. zum Kühlschrank, öffnet ihn und zeigt es). Bis jetzt fand ich das eigentlich immer ganz süß und alle haben sich - mehr oder weniger - daran gehalten. Jetzt neulich in unserer Krabbelgruppe meinte eine andere Mutter zu mir, dass es der absolut falsche Weg ist und ich darauf nicht hören soll. Außerdem wäre es schon komisch, welche "Marotten" mein Kind schon hätte.

Was meint Ihr dazu?

LG,
Janina
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Re: Bestimmen

Beitragvon Janina13 » Mi 13. Okt 2010, 18:12

urmelis hat geschrieben:
Was du gerade schreibst, klingt ein wenig nach "Kind erzieht Janina" ...

Liebe Grüße
urmelis


Hallo!

Also ich frage nicht bei jeder Kleinigkeit ob und was er will. Aber es ist halt schon so, dass für ihn alles eine gewisse Ordung haben muss. Und wenn er zum Kühlschrank geht und sich aussucht, was er essen möchte, soll ich ihm dann sagen, dass es das nicht gibt? Warum, wenn nichts anderes dagegen spricht?
Ich finde ja auch, dass es teilweise so aussieht wie du oben schreibst....Es ist doch immer eine Gradwanderung....
Was dürfen denn deine Kinder selbst entscheiden? Sagen sie nie, wo du beim Spielen sitzen sollst? Oder sagen dir, was sie essen wollen?

LG,
Janina
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Re: Bestimmen

Beitragvon PippiL. » Mi 13. Okt 2010, 20:21

Hallo Janina,

ein wenig kenne ich das auch noch von meiner Tochter. Ihr war es ganz wichtig, dass jeder seinen Platz (z.B. die Mama-Couch und die Papa-Couch:-) und seine Tasse etc. hatte. Gewohnheiten waren ihr immer wichtig und sind es auch heute noch. Ich denke, so ist es auch bei Eurem Kleinen.

Wenn ihr nicht zu weit geht, finde ich es in Ordnung. Also z.B. Du möchtest dich im Cafe dorthin setzen und der Kleine macht einen Aufstand - da würde ich dann nicht drauf eingehen.

Meiner Maus sind ihre Gewohnheiten heute auch noch heilig. Ich gehe auch soweit es geht darauf ein - sie geben ihr Sicherheit. Jedoch muss ich auch aufpassen, dass ich nicht nur nach ihrer Pfeiffe tanze - da hat sie auch ein großes Talent, die Leute dazu zu kriegen - ohne es zu merken!
PippiL.
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Re: Bestimmen

Beitragvon alibaba » Do 14. Okt 2010, 08:28

Hallo Janina,

erst mal muss ich sagen, dein Sohn verhält sich ganz normal. Langsam dämmert es ihn, das es nicht nur Mama gibt, sondern er mit seinem Willen etwas bewirken kann, sein Ich entsteht. Einfach herrlich wunderbar! Jetzt kommst du halt so langsam in der Erziehungsphase an, wo es darum geht, wie weit darf Mama und wie weit darf Kind bestimmen. Ja älter dann dein Kind wird, umso mehr kannst du ihm Mitsprachrecht gteben, da er es dann immer besser versteht.

Urmelis schrieb dazu ja schon viel und das will ich nicht wiederholen. Im Grunde genommen sehe ich es genaus so. Du wirst jetzt deinen Weg finden müssen, in wie weit du vorgibst, was Kind darf und was eben nicht. Das wirst du machen müssen, bis dein Kind 18 Jahre alt ist. ;)

Wie sagte neulich meine Kleine 4 jährige zu mir, als sie mir im Auto ständig andere Lieder zum eintippen im CD-Spieler angab und ich genervt das Radio ausmachte: "Mama, wenn ich mal groß bin und eigene Kinder habe, dann dürfen die hören, was die wollen". 8-)

VLG
alibaba
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Re: Bestimmen

Beitragvon Winnie » Do 21. Okt 2010, 22:23

Ich empfehle dir zu diesem Thema das Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden oder die Abschaffung der Kindheit" von Michael Winterhoff. Das Interessante an dem Buch ist, dass es eben kein Erziehungsratgeber ist, sondern ein soziologisches Buch über die zeitgenössischen Erziehungsfehler, die einfach auf Missverständnissen zwischen Eltern und ihren Kindern beruhen.

Es ist ein sehr schmaler Grat zwischen dem Kind seine Entfaltungsmöglichkeiten zu lassen und Verantwortung an das Kind abzugeben. Vor allem beim Übergang der fast symbiotischen Beziehung in der Babyzeit zur Trotzphase gelingt es vielen Eltern nicht, den Absprung zu schaffen, weil sie ihren Kindern durch das Grenzensetzen keinen Schmerz zufügen und das Urvertrauen nicht zerstören wollen. Das Problem ist, dass es aber letztlich aus egoistischen Gründen geschieht, da die Mütter mittlerweile eine derart intensive Beziehung wie zu ihrem eigenen Kind kaum mehr erleben und daher die Loslösung vom Kind selbst als schmerzhaft empfinden. Genauso wichtig, wie es für das Kind ist, zu entdecken, dass es einen eigenen Willen hat, ist es auch für das Kind wichtig zu begreifen, dass die Mutter einen anderen Willen haben kann. Nur so kann ein Kind ein stabiles Bild von sich selbst entwickeln, nämlich in der Abgrenzung zu den nahestehenden Bezugspersonen.

Das schlimmste Missverständnis ist dann eines Tages, wenn das Kind davon ausgeht, dass es seinen Willen bekommt und dann urplötzlich eine harte Grenze aufgezeigt bekommt, weil die Mutter nicht mehr länger gewillt ist, sich von dem Willen des Kindes bestimmen zu lassen. Da die Mutter sich in der Defensive befindet, reagiert sie mit Verteidigung ihrer persönlichen Grenzen, die das Kind aber noch gar nicht kennt. Und dann ist die Verwirrung perfekt, weil ein so kleines Kind das auf keinen Fall einordnen kann, was denn nun auf einmal anders ist als gestern. Die Kinder sind damit schlicht und ergreifend überfordert.

Es muss auf jeden Fall von Anfang an klar sein, wer der Bestimmer ist. Ich finde das auf jeden Fall wichtig, dass man weiß, dass die Kinder im Grunde am meisten darunter leiden, wenn sie ständig Entscheidungen treffen müssen, da sie in der Entwicklung noch nicht soweit sind. Meine Tochter ist jetzt 16 Monate alt und sie darf gerade mal entscheiden, wann sie satt ist und ob sie noch Durst hat. Sie hilft schon mit beim Wickeln und Anziehen, aber ich lasse sie auf keinen Fall jetzt schon ihre Kleidung selbst aussuchen. Kinder in dem Alter wollen schon mit einbezogen werden, aber das heißt nicht, dass sie auch mitentscheiden müssen. Bei uns läuft das maximal auf der Ebene "Halte das, gib mir das oder hole mir das, bitte!"Und natürlich darf sie sich ihre Spielsachen aussuchen.

Diese Marotten haben wohl alle Kinder, aber man muss das Spiel ja nicht mitspielen. Und lass es dir gesagt sein: In ein paar Monaten findest du das nicht mehr süß. Stell dir nur mal vor, du gehst mit deinem Kind einkaufen und es will nicht mehr im Einkaufswagen sitzen. Du lässt es raus und es bestimmt, was alles in den Einkaufswagen kommt. Da wäre es dann schon von Vorteil, wenn das Kind mit dem Wort "Nein!" schon ein wenig vertraut ist.
"Entschuldigung, ich habe nur kurz fantasiert." meine große Tochter, 4 Jahre alt (inzwischen 9 geworden)
Winnie
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Re: Bestimmen

Beitragvon Janina13 » Fr 22. Okt 2010, 13:16

@ Winnie:
Hallo!
Also das Buch habe ich bereits gelesen. Und wie ich oben schon schrieb, darf er auch nicht ALLES bestimmen!!! Er kennt Grenzen, bekommt nicht immer seinen Willen. Für ihn muss halt nur sehr vieles in einer bestimmten Ordnung sein oder einen bestimmten Ablauf haben, und das "bestimmt" er dann.

LG,
Janina
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