Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

besondere Ansätze für besondere Kinder

Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

Beitragvon Rabaukenmama » So 11. Jan 2015, 11:00

Hallo zusammen!

Da ja hier immer wieder Buchtipps in Sachen Erziehung fallen mache ich mal einen eigenen Thread dazu auf.
Ich schreib mal von den Erziehungsbüchern, die ich bereits gelesen haben und benote sie sowohl nach dem klassischen Schul-Notensystem (1= die beste Note, 5= die schlechteteste Note) und verbal. es sind Bücher vom Baby-Alter bis ins Teenager-Alter dabei

Ich freue mich, wenn andere ihre Einschätzung dazu schreiben bzw. Bücher vorgestellt werden, die ich noch nicht kenne :) .

Oje, ich wachse (Hetty van de Rijt)
Meine Bewertung: 5
Fazit: Das Buch handelt von den "8 Sprüngen in der menthalen Entwicklung eines Kleinkindes". Laut Autorin werden "unrhige" Phasen von Entwicklungssprüngen begleitet und wechseln sich mit ruhigeren Phasen ab. Ist das Kind unruhig und "schwierig" dann hat es eben einen "Schub", in den ruhigeren Phasen dazwischen verfestigt sich das bereits Erlernte. So weit, so gut.

Es wird genau vorgestellt in welchen Lebenswochen die "Schübe" normal zu sein haben, wobei erwähnt wird, dass es auch ganz anders sein kann, vor allem wenn das Kind nicht am EGT sondern vorher oder nachher geboren wurde. Da auch Berechnungsfehler beim EGT mitspielen können läuft es letzten Endes darauf hinaus dass (im Fall meines älteren Sohnes) IMMER eine schwierige Schub-Phase sein kann :gruebel: . Jede dieser Schub-Phasen wird von der Autorin beschrieben, wobei sie sich bei allen 8 "Sprüngen " gebetsmühlenartig wiederholt und immer wieder betont, dass es individuell ganz anders sein kann :roll: .

Kurze Erzählungen von Eltern, welche die Thesen der Autorin untermauern sollen, lassen ganz normale Eltern an der Entwicklung ihrer (völlig gesunden) Kinder zweifeln, da ist z.B. immer wieder davon die Rede dass Kinder im Alter von 20 Wochen krabbelno der im Alter von 7 Monaten gehen. Ich weiß, dass es extreme Ausnahmen gibt, wo das tatsächlich der Fall ist. Aber mein Sohn war mit einem Krabbel-Startalter von 7,5 Monaten einer der flottesten in meinem Bekanntenkreis und das jüngste Geh-Kind, das ich kenne, war auch schon 9 Monate alt.

Die Eltern-Kommentare beinhalten auch manchmal Erziehungsstrategien, die zumindest als fragwürdig bezeichnet werden können (stundenlang schreien lassen? :gruebel: ) und werden kommentarlos so stehen gelassen. Konkrete Tipps zum Umgang mit Konfliktsituationen fehlen dagegen völlig, offensichtlich soll man sich aus den Eltern-Kommentaren selbst was raussuchen...

Die Erziehungstipps bschränken sich darauf, Verständnis für die Schübe des Kinder zu haben und es liebevoll durch diese schwierigen Phasen zu begleiten. An sich super, nur um das zu wissen braucht man keine 350 Seiten zu lesen, die ohnehin nur Wiederholungen sind. Ich persönlich habe aus diesem Buch absolut NICHTS erfahren, was ich nicht schon vorher gewusst habe. Dabei habe ich das Buch extra AUSgelesen, obwohl es durch die ständigen Wiederholungen stinklangweilig war. Ich konnte mir nämlich einfach nicht vorstellen, dass das "alles" sein soll. Tja, war´s doch! Nach dem Schulnotensystem daher ein glattes "Nicht genügend" von mir für dieses Buch!

Kinder fördern nach Montessori (Tim Seldin)
Meine Bewertung: 4

Das Buch wurde mir empfohlen, bei den Dingen, die für mich interessant wären, war es aber keine Hilfe. Da ich mich schon bisher mit den Ansätzen Maria Montessoris auseinandergesetzt habe sind mir bei diesem Buch auch einige Widersprüche aufgefallen.

Während andere Montessori-Bücher raten "Bevor wir eine Grenze setzen überlegen wir, ob sie notwendig und angebracht ist" rät der Autor dieses Buches generell dazu, das Fernsehen einzuschränken, unabhängig davon, ob es für die jeweilige Familie ein Problem darstellt, oder nicht. Es geht nicht darum, erst mal zu beobachten wie viel und welche Sendungen die Kinder tatsächlich sehen und wie sie diese verarbeiten, sondern gleich um Beschränkung. Die Behauptung "Wenn es ihnen erlaubt wird sitzen Kinder stundenlang wie hypnotisiert vor dem Fernseher" impliziert hier die Meinung des Autors als allgemein gültige Weisheit.

Dasselbe gilt für PC-Spiele wo Kinder laut Autor "bevorzugt zweifelhafte Spiele spielen, die auf Gewalt und Aggression aufgebaut sind". Auch hier wird nicht differenziert oder angeregt, genau hinzusehen wofür die Kinder den PC tatsächlich nutzen, sondern gleich Handlungsbedarf gesehen, unabhängig von der realen Situation.

In einem anderen Kapitel wird geraten, die Spielkameraden des Kindes mit Bedacht auszuwählen und am Schluss kommt noch der Satz "Natürlich ist es nicht ihre Sache andere Familien und ihr Benehmen zu beurteilen, aber es ist ihre Verpflichtung auf den Umgang ihrer Kinder zu achten."

Das sind meiner Meinung nach absolut keine praxisorientierten Tipps sondern schulmeisterlich anmutende Belehrungen (an die Eltern) ohne jeglichen Lösungsansatz für auftretende Probleme. Interessant wäre: Was tun, wenn die Spielkameraden meines Kinder NICHT meinen Vorstellungen entsprechen? Naja, nach der generellen Einstellung des Autors zu schließen wahrscheinlich den Kontakt (zumindest außerhalb von Kindergarten, Schule oder Hort) verbieten.

Da nach der Erinnerung an die Verpflichtung, auf den Umgang ihrer Kinder zu achten, das Thema aber nicht weiter vertieft wurde, müssen Eltern eben sehen, wie sie damit zurecht kommen. Was das Ganze mit "fördern nach Montessori" zu tun hat, bleibt genauuso unbeantwortet.

Immer kehren Vorurteile wieder, die nichts damit zu tun haben, wie die Kinder tatsächlich sind, sondern damit, wie der Autor sie sieht. An einer Stelle rät er zum lauten vorlesen von Büchern sobald das Baby sitzen und seinen Blick fokusieren kann. An sich ein guter Tipp - würde der Autor nicht auch hier davon ausgehen, dass ALLE Kinder gerne Bilderbücher betrachten und gerne vorgelesen bekommen. Auf die Möglichkeit, dass manche kleinen Kinder einfach (noch) kein Interesse daran haben, Bücher vorgelesen zu bekommen, geht der Autor in keiner Zeile ein. Anstatt Eltern solcher Kinder zu ermutigen, es in Abständen immer wieder zu versuchen und einfach daneben andere Möglichkeiten der Beschäftigung und Förderung zu nutzen, werden die Eltern von nicht-bücherbegeisterten Kindern allein gelassen mit dem Gefühl, irgend etwas falsch gemacht zu haben.

Dasselbe gilt für die Tipps zur Sauberkeitserziehung. Das Thema ist in einer Doppelseite abgehandelt und da etwaige Rückfälle (z.B. durch Geschwistereifersucht) nicht einmal erwähnt werden sind die Eltern auch bei diesen Problemen auf sich gestellt.

Von der Art, wie das Buch geschrieben ist, verdient es nicht mal einen Stern!

Der Grund, warum ich trotzdem eine 4 (und keine 5) vergebe liegt in den mMn sehr interessanten Anregungen zur Umgebungsgestaltung des Kindes. Da sind viele einfache Tipps dabei, die Wohnung mit relativ wenig Aufwand kindgerecht und anregend zu gestalten.

Die Spielvorschläge sind auch brauchbar, wobei mir einige etwas praxisfern erscheinen. Beim Tipp "Sammeln sie 8 kleine Fläschchen mit Tropf-Pipette" zum basteln von Schmeck-Fläschchen (um den Geschmackssinn anzuregen) hat der Autor offensichtlich nicht mitgedacht, wie lange man in einem normalen Haushalt braucht, bis man 8 entsprechende, LEERE Fläschchen zur Verfügung hat (bis dahin werden meinen Kinder wahrscheinlich die Pflichtschule abgeschlossen haben). Natürlich kann man die Fläschchen auch kaufen, aber Aufwand und Kosten stehen sich dann mMn nicht mehr dafür.

Ehrlich gesagt - ich hätte mir mehr erwartet. Vor allem enttäuschen mich die vielen Verallgemeinerungen.
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Re: Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

Beitragvon Momo » So 11. Jan 2015, 19:04

Hallo Rabaukenmama,
Deine beiden vorgestellten Bücher habe ich ebenfalls gelesen.

Das Buch "oje, ich wachse" hat mich zunächst beruhigt (meine Tochter befindet sich bestimmt gerade in einem Sprung) und dann auch häufiger verwirrt. Es wird zwar beschrieben, dass in einem Entwicklungssprung, der zu einer bestimmten Zeit wahrscheinlich stattfindet, weitere Fähigkeiten frühestens erlernt werden können. Ich habe mich immer gefragt, ob die Kinder in Holland so viel früher entwickelt sind :lol: Also, am Anfang hat es mich beruhigt, später habe ich es eher beiseite gelegt, da es mir nur noch wenig hilfreich war.

Zu Deinem zweiten Buch "Kinder fördern nach Montessori": Kann es sein, dass ich Dir dieses Buch empfohlen habe?? Ich glaube ja ;)
Mir gefällt dieses Buch von der gesamten Aufmachung gut, es ist ansprechend gestaltet (was mir als sehr visueller Mensch auch wichtig ist) und es gibt viele Ideen und Anregungen, den Alltag und auch die alltäglichen Aufgaben und Situationen schön zu gestalten. Es werden Bereiche wie z.B. das selbstständige Anziehen, die Körperpflege und das spielerische Helfen im Haushalt angesprochen, einige Anregungen und Inspirationen zum Thema Erziehung gegeben (liebevolle Atmosphäre, Sozialverhalten etc.) bis hin zu Ideen und Themen, die mit dem Kind im Alltag zusammen erforscht und gespielt werden können (Spiele mit Themen aus der Natur, Kulturen werden lebendig etc.) Außerdem enthält dieses Buch auch interessante Anregungen zum Thema Lernen (Die Grundlagen des Lernens, durch Schreiben Lesen lernen etc.) .

Auch wenn man eventuell mit einigen Anregungen nicht übereinstimmt, so wie Du nicht der Ansicht bist, dass das Fernsehen eingeschränkt werden sollte, findet man meiner Meinung nach eine Fülle von Inspirationen in diesem Buch, die sehr schön sind und gut in den Alltag eingebaut werden können.


Nun möchte ich selbst gerne noch zwei Bücher vorstellen, die mich beide beeindruckt haben und weiterhin beschäftigen:



Auf der Suche nach dem verlorenen Glück (Jean Liedloff)

Ich habe dieses Buch während der Schwangerschaft gelesen und ich glaube, dies ist die beste Zeit dafür :) .

Klappentext:
Im Dschungel Venezuelas trifft eine junge Amerikanerin auf die Yequana-Indianer. Fasziniert vom offenkundigen Glück dieser "Wilden", bleibt sie insgesamt zweieinhalb Jahre bei dem Stamm und versucht, die Ursachen dieses glücklichen und harmonischen Zusammenlebens herauszufinden. Sie entdeckt dessen Wurzeln im Umgang dieser Menschen mit ihren Kindern und zeigt, wie dort noch ein bei uns längst verschüttetes Wissen um die ursprünglichen Bedürfnisse von Kleinkindern existiert, das wir erst neu zu entdecken haben.

Bei den Yequana werden Kinder praktisch das ganze erste Lebensjahr auf dem Arm oder am Körper getragen und nach Bedarf gestillt. Die Kinder schlafen gemeinsam mit den Eltern bis sie selbst aus dem Familienbett ausziehen, meist zwischen dem dritten und dem fünften Lebensjahr. Ermahnungen oder Tadel, wie sie Bestandteil der westlichen Erziehung sind, finden Liedloffs Beobachtungen zufolge nicht statt. Die Kinder wachsen zu ungewöhnlich freundlichen, friedlichen und selbstbewussten Menschen heran.

Mich hat dieses Buch unglaublich beeindruckt. Vieles habe ich mir zu Herzen genommen und ganz natürlich in unser Leben aufgenommen. Noch heute bestätigen sich die Beobachtungen der Autorin immer wieder. Im Grunde ist es auch das, was ich in dem anderen Threat sagen wollte- der sehr natürliche, authentische und nicht reglementierende Umgang dieser Eltern mit ihren Kindern führte wahrscheinlich dazu, dass sich die Kinder zu so ungewöhnlich friedlichen und freundlichen Menschen entwickelt haben.
Ein sehr lesenswertes Buch und eine gute Möglichkeit, sein eigenes westliches Denken zu hinterfragen und vielleicht mal neue Gedanken und Taten zuzulassen.


Jedes Kind ist hoch begabt (Gerald Hüther)

Der Hirnforscher Gerald Hüther beschreibt in diesem Buch, welche Begabungen in jedem Kind angelegt sind und wie sich das kindliche Gehirn entwickelt.
Laut Herrn Hüther bringen alle Kinder Begabungen wie Liebe und Zuneigung, Offenheit und Entdeckerfreude, Kreativität, Vertrauen und Zuversicht, Beharrlichkeit und Eigensinn und Achtsamkeit und Mitgefühl mit auf die Welt. Er geht auf die Frage ein, wie sich diese Begabungen entfalten könnten und und zeigt auf der anderen Seite auf, welche Konsequenzen ein immer noch auf Leistung aufgebautes Schul- und Bildungssystem hat und eine Erziehung, die diesen Erkenntnissen zu wenig Rechnung trägt (Wenn die Liebe verraten wird, wenn die Entdeckerfreude verdorben wird, wenn die Gestaltungslust gebremst wird, wenn das Vertrauen missbraucht wird, wenn der Eigensinn gebrochen wird, wenn das Mitgefühl unterdrückt wird).

Am Ende des Buches geht er darauf ein, was Kinder wirklich für eine gelungene Entwicklung brauchen "für ein Leben in Fülle".

Aus diesem Buch konnte ich sehr viele wichtige Erkenntnisse mitnehmen. Es hat mir die Augen geöffnet und mich auch in meinem Instinkt bestätigt, was Kindern gut tut.
Ein meiner Meinung nach sehr wichtiges und lesenswertes Buch!

Schöne Grüße von Momo
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Re: Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 13. Jan 2015, 08:34

Momo hat geschrieben:Auch wenn man eventuell mit einigen Anregungen nicht übereinstimmt, so wie Du nicht der Ansicht bist, dass das Fernsehen eingeschränkt werden sollte, findet man meiner Meinung nach eine Fülle von Inspirationen in diesem Buch, die sehr schön sind und gut in den Alltag eingebaut werden können.


Es stimmt, dass ich nicht dafür bin, dass IRGENDETWAS (egal ob Fernsehen, Schokolade, oder was-auch-immer) GENERELL - also unabhängig vom tatsächlichen Verhalten des Kindes - limitiert wird. Sehe einfach keinen Sinn daran durch unnötige Limits Probleme zu "erzeugen" wo keine sind.

Aber das ist es nicht, was mich stört. Im Buch "Babyjahre" wird auch eine kritische Einstellung zum fernsehen dargestellt und das Buch bekommt von mir eine glatte 1. Meine Erwartungshaltung ist schließlich nicht, dass Autoren von Erziehungsratgebern in allen Punkten mit mir einer Meinung sein müssen.

Im Buch von Tim Seldon stört mich jedoch gewaltig der ständig erhobene Zeigefinger und die dauernden (sehr vagen) Hinweise, was Eltern - nach Ansicht des Autors - zu tun "haben".

Viele Themen sind sehr oberflächlich behandelt, z. B. löst das Kapitel "Kein Kampf beim Zubettgehen" momentan bei mir eher einen etwas verzweifelten Lachkrampf aus als dass es mir irgendwie helfen würde. Dabei war unser Abendritual bis vor einigen Wochen recht problemlos. Mittlerweile aber dürfte sich das Schlafverhalten des Kleinen wieder umstellen und es ist jeden Abend ein Kampf bis beide Buben friedlich schlafen.

Das liegt daran, dass der Kleine seit einigen Tagen abends sehr unsere Nähe sucht und nicht im Gitterbett m(das im Familienschlafzimmer steht) bleiben will. Dummerweise will er aber nicht bei uns sondern im Bett des Großen schlafen - mit viel Körperkontakt - was unser Großer jedoch ablehnt weil der sein Bett für sich haben will. Außerdem verteilt unser Kleiner im Bett Tritte wenn ihm was nicht paßt und das ist immer der Fall wenn wir ihn nicht mit unseren Nachttischlampen spielen lassen. Im Gegensatz zum Großen (der in dem Alter kein Interesse mehr an "Licht aus- Licht an" hatte) kann er das stundenlang tun und es ist für alle Beteiligten störend. Wird der Kleine gegen seinen Willen von der Lampe weggeholt gibt es Tritte für alles in Reichweite. Wird er - weil wir uns nicht mehr zu helfen wissen - ins Gitterbett gesteckt, gibt es ohrenbetäubendes Gebrüll, so dass der Große sich die Ohren zuhält und (ebenso laut) brüllt: "Das ist mir viel zu laut!".

Was mache ich da mit Tipps wie sie im Montessoir-Förderungsbuch stehen, z.B. "Seien sie konsequent. Sobald Ihr Einschlafritual beendet ist, verlassen Sie ruhig das Kinderzimmer. Verhindern Sie, dass Ihr Kind immer wieder aufsteht und zu Ihnen kommt,... ". Offensichtlich gibt´s ein gemeinsames Schlafen in einem Zimmer für den Autor gar nicht. Und das ganze Kapitel geht außerdem davon aus, dass nur EIN Kind zum schlafen zu bringen ist...

Ebenso werden Eltern, deren Kinder sich nicht selbst anziehen WOLLEN im Kapitel "Sich selber anziehen" keinerlei Vorschläge zum Umgang mit diesem Problem finden. Denn so Dinge wie dass sich ein Kind zwar selbst anziehen KANN, es aber nicht WILL (zumindest dann nicht, wenn es soll) gibt´s laut dem Autor nicht.

Diese Liste könnte ich noch beliebig fortsetzen. Das einzig wirklich Interessante an dem Buch waren die Anregungen, die Wohnung kindgerecht zu gestalten. Das ist doch etwas dürftig.
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Re: Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 13. Jan 2015, 11:53

So, jetzt das Buch, welches von mir eine glatte 1 bekommt:

Babyjahre (Remo H. Largo)
Meine Bewertung: 1

Im Gegensatz zu den meisten anderen Ratgebern gibt das Buch nicht vor, wann ein Kind durchschnittlich was zu "können" hat sondern stellt in den Vordergrund, dass Menschen (Kinder, aber auch Erwachsene) sehr unterschiedlich sind und es Aufgabe der Eltern und Erzieher ist, diese Eigenheiten zu erkennen und auf sie einzugehen. Trotzdem werden zeitliche "Entwicklungsfenster", innerhalb derer bestimmte Fähigkeiten von Kindern erstmals beobachtet werden, vorgestellt und es ist in jeder Hinsicht beruhigend, zu lesen, dass ein Kind nicht krabbeln "muss" um sich gut weiterzuentwickeln.

Interessant fand ich auch die Beschreibung des Spielverhaltens, vor allem dass die verschiedenen Spiel-Tätigkeiten bei jedem Kind in derselben zeitlichen Reihenfolge auftreten. Im Kapitel "Schlafverhalten" wurde auf verschiedene Möglichkeiten (Kinder im eigenen Zimmer, im Elternschlafzimmer, im Familienbett) eingegangen. Auch nächtliches aufwachen, Nachtschreck (Pavor nocturnus) und kindliche Ängste vor dem einschlafen wurde ausführlich beschrieben - was für ein Unterschied zum Schlaf-Kapitel vom Buch "Kinder fördern nach Montessori", laut dem Kinder anscheinend immer einzeln in eigenen Zimmern schlafen und ein "Patentrezept" beim zu-Bett-gehen immer hilft!

Immer wieder kommen Vorschläge, wie man in bestimmten Situationen mit dem Kind umgehen kann, jedoch ohne erhobenen Zeigefinger sondern immer (vom Autor zum Leser) auf Augenhöhe :) .

Was mir noch gefallen hat war die große Fülle an verschiedenen Informationen. Auf die optische Gestaltung wurde nicht so viel Wert gelegt, dafür aber um so mehr auf den Inhalt, ein Konzept, das meiner Vorstellung eines Erziehungsratgebers viel eher entspricht als ästhetische, nette Bilder von "braven" Kindern, welche 2/3 des Platzes einnehmen.

Das Buch mit seinen knapp 600 Seiten (inkl. Stichwortverzeichnis) hat man um rund Euro 15,- wirklich viel interessanten Lesestoff - jedenfalls ist das Buch nichts für "zwischendurch" und ich habe es im Laufe der Jahre immer wieder hergenommen wenn ich mich zu bestimmten Themen informieren wollte.
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Re: Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

Beitragvon Momo » Di 13. Jan 2015, 13:10

Rabaukenmama hat geschrieben:
Was mache ich da mit Tipps wie sie im Montessoir-Förderungsbuch stehen, z.B. "Seien sie konsequent. Sobald Ihr Einschlafritual beendet ist, verlassen Sie ruhig das Kinderzimmer. Verhindern Sie, dass Ihr Kind immer wieder aufsteht und zu Ihnen kommt,... ". Offensichtlich gibt´s ein gemeinsames Schlafen in einem Zimmer für den Autor gar nicht. Und das ganze Kapitel geht außerdem davon aus, dass nur EIN Kind zum schlafen zu bringen ist...

Diese Liste könnte ich noch beliebig fortsetzen. Das einzig wirklich Interessante an dem Buch waren die Anregungen, die Wohnung kindgerecht zu gestalten. Das ist doch etwas dürftig.



Hallo Rabaukenmama,
bei mir ist es interessanter Weise so, dass ich die Stellen, die ich nicht befürworte oder die nicht zu unserer Familie passen, einfach überspringe.
Was mich bei diesem Buch besonders inspiriert hat, waren tatsächlich diverse Ideen zum Thema "Hilf mir, es selbst zu tun". Viele Anregungen habe ich in unser Leben aufgenommen, wie z.B. die Idee mit den offenen Körben im Kinderzimmer (seitdem ist es wirklich sehr ordentlich und meine Tochter räumt selbstständig und gerne (!) auf), Ideen zum "Selber Anziehen", wie z.B. das Anziehen der Jacke über Kopf und so weiter. Dieses Buch hat mich dazu bewegt, auf Kinderhöhe durch unsere Wohnung zu gehen und zu überlegen, wie wir z.B. den Waschbereich, den Küchenbereich, den Garderobenbereich so gestalten können, dass meine Tochter überall herankommt und dadurch wirklich selbstständig für sich sorgen kann. Die Ideen verselbständigten sich und neue Gedanken kamen, wie z.B. ein eigenes Fach auf Kinderhöhe im Kühlschrank. Und so weiter. Aus dieser Sicht war das Buch für unseren Alltag wirklich eine Inspiration. Doch hier ist einfach die Frage, passt es zur jeweiligen Familie oder nicht, das ist natürlich individuell sehr unterschiedlich, das verstehe ich ;)
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Re: Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

Beitragvon BiHa » Di 13. Jan 2015, 16:56

Rabaukenmama hat geschrieben:Was mache ich da mit Tipps wie sie im Montessoir-Förderungsbuch stehen, z.B. "Seien sie konsequent. Sobald Ihr Einschlafritual beendet ist, verlassen Sie ruhig das Kinderzimmer. Verhindern Sie, dass Ihr Kind immer wieder aufsteht und zu Ihnen kommt,... ". Offensichtlich gibt´s ein gemeinsames Schlafen in einem Zimmer für den Autor gar nicht. Und das ganze Kapitel geht außerdem davon aus, dass nur EIN Kind zum schlafen zu bringen ist...


Jetzt frage ich mich, wie ich verhindern soll, dass das Kind immer wieder aufsteht und zu mir kommt - die Tür abschließen? Mein Sohn ist nun bereits 5,3 und denkt nicht im Traum daran, in sein Zimmer umzuziehen geschweige denn alleine einzuschlafen. Und wenn ich dann Tipps lese, wie "Stehen Sie auf und sagen Sie Ihrem Kind, dass sie noch die Spülmaschine ausräumen/Wäsche abnehmen müssen, während es schon schlafen darf", dann kann ich auch nur müde lächeln. Gibt es Kinder, die sich das sagen lassen und still liegen bleiben? Meiner sagt dann "Mama, ich komme mit und helfe Dir". Ich will ihn aber auch nicht heulend im Zimmer liegen lassen und ihn zwingen alleine einzuschlafen. Meiner Meinung nach wird sich das irgendwann selbst regeln.
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Re: Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

Beitragvon Momo » Di 13. Jan 2015, 18:16

Biha hat geschrieben:
Meiner Meinung nach wird sich das irgendwann selbst regeln.


Das sehe ich genauso! Ich denke auch, dass vieles zu einem Problem gemacht wird, was sich ganz natürlich regeln würde, wenn man dem Kind und der Situation einfach ganz natürlich begegnet und dem Ganzen Zeit gibt. Sei es das Thema "alleine einschlafen" oder auch "alleine im eigenen Zimmer schlafen", auf die Toilette gehen, Stilldauer etc. Es gibt so viele Themen, die meiner Meinung nach so "verkopft" von uns Erwachsenen behandelt werden, dass es völlig unnatürlich wird. Was alles schon möglichst früh trainiert werden soll.. kein Wunder, dass sich die Kinder oft widersetzen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich bisher alles ganz natürlich gelöst hat, nämlich dann, als meine Tochter so weit war. Eure Kinder werden bestimmt mit 15 nicht mehr in Euren Betten schlafen...

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Re: Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 13. Jan 2015, 19:16

Um nicht mißverstanden zu werden: weder ich noch meine Mann haben ein Problem damit dass wir oft zu viert in einem Bett schlafen. Wenn´s mir in der Nacht zu eng wird werden die Kinder eben schlafend "rausgeschaufelt" und wieder in die eigenen Betten (alle im Schlafzimmer) verteilt. Kann sein dass sie einige Stunden später alle wieder im Familienbett vereint sind, aber ein paar Stunden ruhiger Schlaf ist für mich ausreichend. Schlaf wird sowieso überbewertet ;) .

Womit ich sehr wohl ein Problem habe ist das Verhalten unseres Kleinen, der jedes einschlafen zur neuen Herausforderung macht. Da ich ihn aber weder allein zum schlafen in ein Zimmer einsperren will noch brüllend im Gitterbett stehen lassen während wir alle im Familienbett liegen wird dieses Problem noch weiter bestehen bleiben. Die Aussicht, dass es sich "irgendwann" einmal von selber lösen wird ist im Moment genauso wenig hilfreich wie das Kapitel "Kein Kampf beim Zubettgehen" aus dem angesprochenem Buch :( .
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Re: Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 13. Jan 2015, 19:25

BiHa hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben:Was mache ich da mit Tipps wie sie im Montessoir-Förderungsbuch stehen, z.B. "Seien sie konsequent. Sobald Ihr Einschlafritual beendet ist, verlassen Sie ruhig das Kinderzimmer. Verhindern Sie, dass Ihr Kind immer wieder aufsteht und zu Ihnen kommt,... ". Offensichtlich gibt´s ein gemeinsames Schlafen in einem Zimmer für den Autor gar nicht. Und das ganze Kapitel geht außerdem davon aus, dass nur EIN Kind zum schlafen zu bringen ist...


Jetzt frage ich mich, wie ich verhindern soll, dass das Kind immer wieder aufsteht und zu mir kommt - die Tür abschließen? Mein Sohn ist nun bereits 5,3 und denkt nicht im Traum daran, in sein Zimmer umzuziehen geschweige denn alleine einzuschlafen. Und wenn ich dann Tipps lese, wie "Stehen Sie auf und sagen Sie Ihrem Kind, dass sie noch die Spülmaschine ausräumen/Wäsche abnehmen müssen, während es schon schlafen darf", dann kann ich auch nur müde lächeln. Gibt es Kinder, die sich das sagen lassen und still liegen bleiben? Meiner sagt dann "Mama, ich komme mit und helfe Dir". Ich will ihn aber auch nicht heulend im Zimmer liegen lassen und ihn zwingen alleine einzuschlafen. Meiner Meinung nach wird sich das irgendwann selbst regeln.


Laut dem Buch soll man dem Kind immer wenn es wiederkommt ruhig und bestimmt sagen "ich werde dich jede Mal, wenn du wieder aufstehst, in dein Bett zurückbringen" udn konsequent dabei bleiben . Man soll aber nicht zu streng dabei sein und Ausnahmen machen - wie auch immer man das jetzt versteht (ich kapier´s nicht!). Plötzlich heißt es "vertrauen Sie ihrem Instinkt" (wenn´s um die Ausnahmen geht) wo es doch vorher eine klare Aufforderung zur Konsequenz gibt, weil sonst "das Kind die Regeln immer weiter unterläuft..." :gruebel: .

Ich möchte nicht bestreiten dass es Kinder gibt, die so "funktionieren", meine beiden gehören aber nicht dazu;) . Vielleicht liegt das aber auch daran dass ich von diesen Tipps so gar nicht überzeugt bin und bisher nur halbherzig probiert habe "konsequent" zu sein. Da vertraue ich lieber darauf, dass Kinder selber am besten wissen wann sie Nähe und Körperkontakt brauchen.
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Re: Erziehungsratgeber - persönliche Bewertung

Beitragvon BiHa » Di 13. Jan 2015, 20:22

Rabaukenmama hat geschrieben:Womit ich sehr wohl ein Problem habe ist das Verhalten unseres Kleinen, der jedes einschlafen zur neuen Herausforderung macht. Da ich ihn aber weder allein zum schlafen in ein Zimmer einsperren will noch brüllend im Gitterbett stehen lassen während wir alle im Familienbett liegen wird dieses Problem noch weiter bestehen bleiben. Die Aussicht, dass es sich "irgendwann" einmal von selber lösen wird ist im Moment genauso wenig hilfreich wie das Kapitel "Kein Kampf beim Zubettgehen" aus dem angesprochenem Buch :( .


Das stimmt, dass allein die Aussicht in "schlechten" Zeiten nicht weiter hilft und alles gute zureden und beruhigen in solchen Momenten eher aufregen als ihren Zweck erfüllen.
Bei mir wechseln sich Zeiten, in denen mich unser "Einschlafritual", nämlich manchmal 2 Stunden neben ihm zu liegen, sehr nervt. In anderen Zeiten hingegen nehm ich mir ein Buch und gehe eben dem Hobby lesen nach oder lerne einfach, immer wieder kurz unterbrochen von wichtigen Fragen, die immer mal wieder eingestreut werden. :D
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