6 jahre und nicht sauber

besondere Ansätze für besondere Kinder

6 jahre und nicht sauber

Beitragvon ahimsa83 » Di 24. Feb 2015, 12:06

ich hoffe, das ist das richtige unterforum... bin hier so selten.
langsam bin ich wirklich am verzweifeln. mein sohn ist inzwischen 6 jahre. von anfang an "anders". er wurde mit genau 4 jahren auf hb getestet. ergebnis war ein iq von 128. er kann seit 3 jahren flüssig lesen, multipliziert, dividiert, liebt bruchrechnungen, hat ein unglaubliches allgemeinwissen, etc. pp. das ist alles schön und gut... ABER (das große aber...) er wird einfach nicht sauber. ich kann machen, was ich will. er macht in die hose. nachts ist er komplett sauber, da ist noch nie was passiert. nur tagsüber. und zwar harn und stuhl! zwischendurch hat er phasen, wo tage- oder sogar wochenlang alles passt, und ich hege die hoffnung, dass ers endlich kapiert hat... und dann gehts wieder täglich in die hose. der witz ist, wenn er WILL, kann ers auch. aber oft will er halt nicht. es stört ihn nicht im geringsten, wenn die hose nass ist. er hat auch keine angst vorm klo.
ich weiß nicht mehr was ich tun soll. anfangs hab ichs mehr oder weniger mit stoischer gelassenheit ignoriert und ihn sauber gemacht. ich hab mit ihm geredet. wir hatten ein belohnungssystem mit stickern... wir haben geschimpft... und wieder geredet... wir haben gedroht, motiviert, gelobt, geredet, geredet, geredet, fixe klozeiten erzwungen. ich bin echt schon so genervt. im sept. kommt er in die schule und ich hab große sorge, dass er es bis dahin auch nicht auf die reihe bringt, verlässlich aufs klo zu gehen, wenn er muss. sorge, dass er gehänselt wird, wenn es in der schule passiert. im kiga war es lange zeit überhaupt kein problem... inzwischen macht er auch im kiga in die hose. es ist so grotesk! und ich würd mir oft ein kind wünschen, das ganz normal ist, das noch nicht lesen, schreiben, rechnen kann, aber dafür aufs klo gehen kann :roll:
ich sehe, wie er rumzappelt, weil er muss, schlage ihm vor schnell aufs klo zu gehen, damit wir weiter spielen können. NEIN. das funktioniert nur noch mit "wenn-dann-drohungen", a la "ich spiel erst weiter mit dir, wenn du am klo warst". und mir widersprechen solche erziehungsmaßnahmen zutiefst. ich will, dass er endlich versteht, dass das eine selbstverständlichkeit ist, aufs klo zu gehen. er erklärt mir in letzter zeit dann immer, dass er es nicht spürt... was ich seltsam finde, denn wenn er will, spürt er es sehr wohl. es ist auch nicht immer so, dass er grad mit einer spannenden sache beschäftigt ist, die er nicht unterbrechen will...
er hat auch grundsätzlich irrsinnig wenig ehrgeiz, etwas selbständig zu machen. er fängt zb erst jetzt an, sich halbwegs ohne drama selbst anzuziehen. es fällt mir schwer mich in seine gefühlswelt hineinzuversetzen. ich weiß noch genau, dass ich als kind immer darauf bestanden habe, alles selbst zu tun. was meine mutter vermutlich auch des öfteren genervt hat, wenn ich mit 2,5j unbedingt die strumpfhose ohne hilfe anziehen wollte...
was kann ich nur tun? haben andere auch dieses problem?
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Re: 6 jahre und nicht sauber

Beitragvon Rabaukenmama » Di 24. Feb 2015, 16:11

Ich kenne das Problem gut von meinem Sohn. Im Moment ist er zwar meistens "sauber", aber ich kann nicht sagen ob das nur eine Phase ist (wir hatten - wie ihr - auch schon mehrere) oder bleibend.

Geheimtipp habe ich keinen, ich kann dir nur sagen was ich vermute dass bei uns (zumindest momentan) deutliche Besserung gebracht hat. Das sind hauptsächlich 2 Dinge

1. Die Anspannung in der Familie ist weg. Durch die schwere OP des kleinen Bruders, die aus gesundheitlichen Gründen insgesamt 4x verschoben werden musste, waren wir alle ziemlich "durch den Wind". Natürlich haben wir versucht, den Großen davon nichts spüren zu lassen, aber Kinder sind nun mal sehr sensibel (und unser Großer ist es besonders), da hat er schon mitbekommen, dass Mama und Papa nur noch auf "Funktionier-Modus" gelaufen sind. Insgesamt hat sich das Ganze (bis zur tatsächlichen OP) 5 Monate hingezogen.

Danach wurde es zwar nicht gleich besser, aber nach und nach hat sich die Spannung innerhalb der Familie gelöst und mit dem Kindergarten-Start des kleinen Bruders wurde es noch mal besser. Plötzlich war der Kleine nicht das Baby mit dem Sonderstatus, den ganzen Tag mit der Mama zusammen sein zu dürfen, sondern - genau wie er - ein Kindergartenkind.

2. Ich habe ernsthaft versucht, alle Vorstellungen, wie ich meinen Sohn "gerne hätte" (also sauber, angepasst, beliebt, selbstbewusst,...) abzulegen, und ihn so zu nehmen, wie er ist. Natürlich klingt das einfacher als es ist, aber es ist mir doch halbwegs gelungen. Mitgeholfen hat die Begegnung mit Kindern, die gemeinsam mit dem Bus mit dem Kleinen in den Kindergarten fahren. Der Bus ist nur für sinnes- oder mehrfach behinderte Kinder und mein kleiner Sohn ist mit seiner Gehörlosigkeit der bei weitem gesündeste Passagier. Als ich dann hörte, dass ein 9jähriges blindes Mädchen, welches wegen Muskelschwäche im Rollstuhl saß, an ihrem Lungenleiden (welches sie seit Geburt hatte) verstorben ist, habe ich mich ernsthaft dazu entschlossen, dem nicht-sauber-sein-Problem nicht mehr diese Wichtigkeit zu geben, die es bis dahin für mich hatte.

Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn er NIE sauber werden würde - na und? Klar kann es Anlass für Spott und Ausgrenzung sein (war es ja schon im Kindergarten), aber Menschen, denen mein Sohn wirklich was bedeutet werden sich deshalb nicht von ihm abwenden. Trägt er halt auch als Erwachsener Windeln - es gibt viel, viel Schlimmeres!

Im Laufe dieser Erfahrungen fiel mir auf, dass ich selbst das "Problem" sehr, sehr wichtig nahm. Wenn mein Sohn sich nach dem Kindergarten beschwerte, alle würden "Kakerlak" zu ihm sagen habe ich immer versucht, ihn zu überzeugen, dass das besser werden würde wenn er endlich nicht mehr in die Hose macht. Ich änderte auch hier mein Verhalten und versuchte, einfach nur "aktiv zuzuhören" - also seine Gefühle ohne Kommentare und Tipps zu reflektieren. Wenn es also sagte "Im Kindergarten mag mich keiner, da sagen alle Kakerlak zu mir" dann antwortete ich "Das macht dich traurig..." oder was ich eben dachte dass er empfinden würde. So kamen wir ins Gespräch ohne immer wieder aufs Klo-Thema zu kommen.

Ich hörte komplett mit allen Manipulationen auf: keine goldenen Sternchen mehr (die haben ihn ohnehin nicht gelockt und überzeugt davon war ich ohnehin nie, ich wollte nur alles versuchen), kein großes Thema. Selbst umziehen lassen und ev. so lange warten, bis er dazu bereit ist. Keine Versprechen, was wir tolles unternehmen, wenn es geklappt hat. Das Thema - von meiner Seite - gar nicht anschneiden.

Irgendwann hat es dann von selbst geklappt. Wie gesagt - ich weiß immer noch nicht ob es jetzt dauerhaft ist. So 1-2x in der Woche geht immer noch ein bißchen Lulu in die Hose, aber kein Vergleich zu früher. Keine Ahunung ob das jetzt hilfreich war, aber so ging´s bei uns. Alles Liebe :) !
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Re: 6 jahre und nicht sauber

Beitragvon ahimsa83 » Do 12. Mär 2015, 16:42

danke für deine antwort...
wir haben vor 2 wochen nochmal gestartet mit sternchenliste, wenn am abend die hose noch trocken/sauber ist gibts einen stern. 5 sterne (also von mo-fr) dann darf er sich einen ausflug exklusiv mit mir alleine aussuchen. hat jetzt fürs erste geklappt (mit einem auge zudrücken, weil er einen abend durchfall hatte und sich sogar da total bemüht hat, dass nix passiert. es aber nicht geschafft hat. aber da hab ich ihm gesagt, dass er sich keine sorge machen soll, bei durchfall muss ers nicht schaffen und kriegt trotzdem einen stern). die erste woche hat er geschafft und wir waren im technischen museum (das ist normalerweise ein papa-ausflug, weils mich nicht wirklich interessiert) und diese woche schaut auch gut aus bis jetzt. wahrscheinlich schleppt er mich dann am sa ins haus der musik.
ich bin seit langem wieder optimistisch, dass es jetzt klappen könnte.
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Re: 6 jahre und nicht sauber

Beitragvon IlliGru » Mo 16. Mär 2015, 16:48

Hallo :-)

Also ich habe damit keinerlei Erfahrungen, aber ich denke, dass es sinnvoll ist, es weiterhin mit Belohnungen zu versuchen. Allerdings muss man etwas finden, worauf er halt wirklich scharf ist. Mein kleiner Bruder hat früher wenig getrunken und hatte deswegen oft Verstopfung. Am Anfang hat er schon viel zur Belohnung bekommen, damit er es eben wirklich macht. Irgendwann wurden die Belohnungen kleiner, bis es dann als selbstverständlich gesehen wurde und er automatisch mehr getrunken hat und öfter auf Klo gegangen ist. Hoffe ich konnte helfen :-/

Liebe grüße, Ilse
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Re: 6 jahre und nicht sauber

Beitragvon ahimsa83 » Sa 21. Mär 2015, 21:04

es läuft nach wie vor gut. es ist (bis auf den einen durchfall-tag) nix mehr in die hose gegangen! belohnung ist ein mama-ausflug für eine woche sauber sein... letzte woche waren wir im kino. heute waren wir essen und am spielplatz...
inzwischen hat er ein ganz neues verhaltensmuster, das ich durchaus interessant finde. er geht abends normal schlafen. nach 20min im bett springt er aufeinmal aus dem zimmer und geht nochmal aufs klo. groß. jeden tag. naja, soll mir recht sein.
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Re: 6 jahre und nicht sauber

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 23. Mär 2015, 10:21

Schön dass es jetzt bei Euch so gut klappt :) . Tja, Kinder sind nun mal verschieden, die goldenen Sternchen und in Aussicht gestellten Belohnungen haben meinen Sohn überhaupt nicht beeindruckt bzw. gelockt. Vielleicht lag´s aber auch daran, dass ich Belohnungs-Systemen gegenüber von Haus aus voreingenommen bin und es zu halbherzig probiert habe :? .

Bei uns klappt´s im Moment so halbwegs. 1-3x in der Woche gibt´s noch einen Unfall (meistens im Kindergarten) und Sohnemann würde am liebsten keine Unterhosen tragen weil er so "besser spürt", wann er muss. Dafür ist es aber im Moment noch zu kalt. Wir fahren mit dem Rad in den Kindergarten und heim und im Kindergarten sind die Kinder auch viel draußen. Zu Hause wird die 'Varainte "Hose ohne Unterhose" aber schon praktiziert.

Na, wir werden sehen wie´s weitergeht. Euch weiterhin alles Gute :) !
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Re: 6 jahre und nicht sauber

Beitragvon patchanka » Mo 23. Mär 2015, 13:27

Mein Sohn hat zu Beginn auch die Variante "Hose ohne Unterhose" bevorzugt!

nachdem die (verzeiht mir ;) ) doofen Kindergartentussis so entsetzt waren (" aber er hat ja gar keine Unterhose an" ) hab ich ihm dann weiche Jersey-Boxershorts gekauft ("das sind eh keine gewöhnlichen Unterhosen sondern Boxershorts") die damals (vor beinahe 4,5 Jahren) auch noch sehr locker saßen!
Es hat geklappt - das "ohne Unterhose spür ichs besser Gefühl" - haben sie nicht beeinträchtigt. Unfälle gab es keine mehr: vielleicht wars aber eh hauptsächlich im Kopf.

Er trägt immer noch nichts anderes, aber die damals gekauften sitzen mittlerweile schon recht anliegend (bzw. zerfallen jetzt mittlerweile auch schon :) )
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Re: 6 jahre und nicht sauber

Beitragvon ahimsa83 » Di 24. Mär 2015, 22:28

bei sohnemann ists auf jeden fall auch so, dass er sofort problemlos aufs klo gelaufen ist, wenn er im sommer nackt rumgelaufen ist. spürt er dann wohl besser.
ich war ja sehr amüsiert letztens... sohnemann hat mir ja in letzter zeit immer erklärt, er kann es nicht unterscheiden, ob er aufs klo muss oder obs nur ein pups ist. und war doch glatt am samstag im tv eine folge checker tobi (diese wissenssendung) GENAU zu dem thema. ihr hättet sein gesicht sehen sollen, wie hochkonzentriert er zugehört hat, als hätte er ein aha-erlebnis.
weiterhin kein unfall. ich bin soooo optimistisch, dass es jetzt endgültig erledigt ist.
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