Umgang mit extremer Wut

besondere Ansätze für besondere Kinder

Re: Umgang mit extremer Wut

Beitragvon Momo » Di 24. Mär 2015, 19:41

Hallo Rabaukenmama,
ich kann die Problematik sehr gut nachvollziehen! Wie funktioniert bei euch denn das "aktive Zuhören" in Gebärdensprache? Wie reagiert Dein Sohn darauf? Ich kann mir vorstellen, dass dies ein Weg ist herauszufinden, was Dein Sohn möchte, versteht und denkt und ihn gleichzeitig nicht zu frustrieren, weil er ein NEIN als Antwort bekommt. Durch das aktive Zuhören habe ich bisher immer die Erfahrung gemacht, einen Zugang zu meiner Tochter zu bekommen, auch in brenzligen Situationen. Die Kunst beim aktiven Zuhören ist ja, dass der Gesprächspartner sich verstanden fühlt und man gemeinsam zu Lösungen kommt, doch das weißt Du ja :)

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Re: Umgang mit extremer Wut

Beitragvon Bliss » Di 24. Mär 2015, 23:59

Die Gehörlosigkeit verschärft das Problem bestimmt noch, aber in dem Alter hat meine Nummer 3 auch einige langandauernde Wutanfälle gehabt, die ich von den Großen so gar nicht kannte. Kommunikation war in dem Moment von ihm offensichtlich auch nicht gewünscht. Also ich konnte im Vorfeld zwar einiges abfangen und auch hinterher noch mal drüber reden, aber in dem Moment war er auch unansprechbar.

Glücklicherweise war es in der Heftigkeit nur eine Phase, diese totale Unerreichbarkeit hat sich relativ schnell wieder gegeben. Jetzt mit 5 hat er zwar immer noch hin und wieder Wutanfälle, aber kein Vergleich mehr zu damals.
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Re: Umgang mit extremer Wut

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 25. Mär 2015, 13:48

mamma42 hat geschrieben:Uns wurde empfohlen:
-nicht auf seine Forderungen unter Wut eingehen
- ihn in seinem Wutanfall möglichst weitgehend ignorieren (oft nicht ganz einfach! wenns geht, verlass ich für ein paar Minuten das Geschehen)
- Körperkontakt nur, wenn ers zulässt oder einfordert (danach)
- die Situation in Ruhe und ggf. mit zeitlichem Abstand besprechen (geht leider auch oft unter im Alltag)
zum 2. Punkt: wenn man anfängt zu argumentieren/diskutieren/an die Vernunft zu appellieren/manchmal auch nur ruhig mit ihm zu sprechen etc und der Punkt ist schon überschritten- dann macht man es noch schlimmer! Oftmals explodiert er danach erst recht.
Körperkontakt zur falschen Zeit resultiert auch nur in Weglaufen...


Danke für Deine Antwort! Ja, genau dasselbe beobachte ich auch beim Kleinen. Wenn´s geht lasse ich den Kleinen in Ruhe "abdampfen", ist aber nicht immer möglich wenn wir z.B. einen Termin haben oder wenn er in seiner Wut mutwillig etwas zerstört.

Vor allem stimmt: je mehr ich thematisieren will desto schlimmer wird die Wut.
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Re: Umgang mit extremer Wut

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 25. Mär 2015, 13:57

Momo hat geschrieben:Hallo Rabaukenmama,
ich kann die Problematik sehr gut nachvollziehen! Wie funktioniert bei euch denn das "aktive Zuhören" in Gebärdensprache? Wie reagiert Dein Sohn darauf? Ich kann mir vorstellen, dass dies ein Weg ist herauszufinden, was Dein Sohn möchte, versteht und denkt und ihn gleichzeitig nicht zu frustrieren, weil er ein NEIN als Antwort bekommt. Durch das aktive Zuhören habe ich bisher immer die Erfahrung gemacht, einen Zugang zu meiner Tochter zu bekommen, auch in brenzligen Situationen. Die Kunst beim aktiven Zuhören ist ja, dass der Gesprächspartner sich verstanden fühlt und man gemeinsam zu Lösungen kommt, doch das weißt Du ja :)

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Aktives zuhören in Gebärdensprache ist nicht viel anders als in Lautsprache. Da gebärde ich z.B. "Du bist jetzt wütend, du willst Schokolade und bekommst sie nicht..." oder "Du bist wütend weil du nicht mit dem Papa mitgehen darfst und zu Hause bleiben musst". Oft reicht auch ein "Du bist wütend!".

Aktives zuhören klappt bei meinem Großen sehr gut. Wir hatten erst heute ein Gespräch wo´s darum ging dass er einerseits gerne seine rosa Sachen anziehen mag (z.B. seine lila/rosa Blinkschuhe), es ihn aber ärgert wenn er im Kindergarten deswegen gehänselt wird.

Beim Kleinen klappt´s nicht so gut weil er ja auch herSCHAUEN muss wenn ich aktiv zuHÖRE. Sprich: wenn Kleinsohn bewusst wegschaut bekommt er mein aktives zuhören gar nicht mit :( .

Bei Gebärdensprache spielt Mimik und Körperhaltung eine große Rolle. Man kann sich nicht auf neutral ausgesprochene Worte beschränken weil manchmal nur die Mimik verrät ob man eine Frage stellt oder eine Feststellung macht. Da gibt´s auch oft Missverständnisse mit erwachsenen Gehörlosen. Wenn z.B. der Arzt fragt "Nehmen sie blutdrucksenkende Medikamente?" kann das vom Gehörlosen auch bei perfektem Lippen-lesen als Aufforderung gesehen werden, blutdrucksenkende Medis zu nehmen. Daher muss man sehr klar gebärden.

Bei der Diskussion ums loben (an anderer Stelle hier) habe ich auch festgestellt dass neutrales Feedback in Gebärdensprache sehr schwer zu formulieren ist - eben weil schon die Mimik immer Zustimmung oder Ablehnung beinhaltet und sich ein gehörloses Kind bei unbewegter Mimik gar nicht auskennt.
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Re: Umgang mit extremer Wut

Beitragvon Skuld » Fr 15. Mai 2015, 18:56

Liebe Rabaukenmama,

Wutanfälle sind ein unerschöpfliches Thema. Ich denke auch, dass das Hauptproblem die Kommunikation ist, die ja durch die Gehörlosigkeit deines Kleinsohnes extrem erschwert ist.
Ich erinnere mich als mein Sohn noch nicht sprechen konnte und ich ihn einfach nicht verstanden habe, hat er auch unsagbare Wut bekommen. Oftmals hat er angefangen, in seiner Verzweiflung, den Kopf auf den Boden zu schlagen. Ich war komplett hilflos in diesen Momenten. Mir blieb nicht viel als zu versuchen, dass er sich selber nicht verletzte, sprich ich hielt ihn fest. Nähe war nun aber auch nicht das, was er wollte. Dann schlug er halt seinen Kopf gegen meinen.... Das änderte sich schlagartig als er sprechen konnte, zumindest in dem Maße, dass wir ihn verstanden. Als wir ihn nicht verstanden ging es meistens gar nicht darum, dass er etwas brauchte (Essen, Trinken, etc... das verstanden wir) Ich weiß bis heute nicht, was er ausdrücken wollte. Aber mir ist das Kommunikationsproblem auch erst bewusst geworden als es endlich aufhörte.

Inzwischen hat auch mein Sohn immer noch Wutanfälle, wenn die auch anders geartet sind als damals. Ich nehme ihn aus der Situation, in dem ich ihn da raus nehme. Er muss in sein Zimmer, wir brechen die begonnen Aktivität auch schon mal ab und fahren wieder nach Hause. Das macht ihn zwar in erst mal immer ziemlich unglücklich, allerdings darf er wieder aus seinem Zimmer kommen, wenn er sich beruhigt hat. Oft ist es aber so, dass er dann noch mal ausrastet.... Dann eben das selbe Spiel noch mal. Es gipfelte auch schon mit im Bett bleiben müssen... danach waren die Tage mit ihm wie ausgewechselt. Natürlich wurde dann der plötzliche große Hunger ins Feld geführt. Er durfte immer essen, musste dann aber eben wieder gehen.

Und Spielzeug, was durch die Gegend fliegt nehme ich immer weg. Das gibt es dann eben an diesem Tag nicht mehr zum Spielen.

Und Licht an - Licht aus Spiele - dafür hätte ich gar keine Geduld. Ich hätte ihn (aus ganz egoistischen Gründen nicht mit im Familienbett. Es gibt bei mir kein Familienbett. Er geht zum Schlafen in sein Bett, darf gerne kommen, wenn er sich fürchtet, wird aber meistens irgendwann wieder in sein Bett gebracht, weil keiner von uns schläft wenn er mit in unserem Bett ist. Selbst mitten in der Nacht quatscht und quatscht und quatscht er dann... da wir aber arbeiten müssen, geht das eben nicht.

Aber so hat eben jeder seine Vorstellungen vom Zusammenleben. Ich für meinen Teil, bin auch mal ganz gern für mich, da bleibt oft nur mein Bett :lol:
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Re: Umgang mit extremer Wut

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 15. Mai 2015, 21:15

Skuld hat geschrieben:Inzwischen hat auch mein Sohn immer noch Wutanfälle, wenn die auch anders geartet sind als damals. Ich nehme ihn aus der Situation, in dem ich ihn da raus nehme. Er muss in sein Zimmer, wir brechen die begonnen Aktivität auch schon mal ab und fahren wieder nach Hause. Das macht ihn zwar in erst mal immer ziemlich unglücklich, allerdings darf er wieder aus seinem Zimmer kommen, wenn er sich beruhigt hat. Oft ist es aber so, dass er dann noch mal ausrastet.... Dann eben das selbe Spiel noch mal. Es gipfelte auch schon mit im Bett bleiben müssen... danach waren die Tage mit ihm wie ausgewechselt. Natürlich wurde dann der plötzliche große Hunger ins Feld geführt. Er durfte immer essen, musste dann aber eben wieder gehen.


Bei uns ginge das nur mit einsperren, was ich aber ablehne. Wenn ich den Kleinen ins Kinderzimmer bringe (er hat kein eigenes) und ihm gebärde, dass er hier drin bleiben muss, ignoriert er das einfach. Ich müsste ihn gewaltsam festhalten und das ist gar nicht mein Ding.

Eine Möglichkeit ist, selbst das Zimmer zu verlassen und demonstrativ die Tür hinter mir zuzumachen. Mein Kleiner ist zu stolz um mir nachzugehen, wenn er wütend ist. Daher heult er dann nur noch laut. Wenn ich wieder zurückkomme straft er mich demonstrativ mit Verachtung.

Mein Großer reagiert da komplett anders, wenn der mich z.B. mal wütend gemacht habe und ich rausgehe, weil ich eine kurze "Auszeit" brauche dann läuft er mir nach, verspricht, jetzt "ganz brav" zu sein und bettelt dass wir uns wieder vertragen. Im Normalfall lasse ich ihn dann nicht lange betteln (es sei denn, ich bin SEHR wütend) weil ich weiß wie sehr ihn die Situtation selbst belastet.

Aber mein kleiner Wutbürger hat keinerlei Interesse an Kommunikation jegliche Art wenn er gerade seinen Anfall hat. Der würde eher erfrieren als mich in so einer Phase z.B. zu bitten, ihm beim anziehen zu helfen.

Im "Normalzustand" dagegen ist er zugänglich und kooperativ. Die Kommunikation hat sich wesentlich verbessert, er gebärdert mittlerweile in ganzen Sätzen und ist viel offener für die Dinge, die wir (seine Familie) von ihm wollen.
Skuld hat geschrieben:Und Spielzeug, was durch die Gegend fliegt nehme ich immer weg. Das gibt es dann eben an diesem Tag nicht mehr zum Spielen.


Das ist so eine Sache bei ZWEI Kindern. Nur weil der Kleine einen Wutanfall hat will der Große ja trotzdem spielen. Im Moment ist mein Großer für 3 Tage bei den Großeltern, da handhabe ich es auch so mit dem Spielzeug-wegnehmen, wenn der Kleine es im Wutanfall zu werfen beginnt. Aber am Sonntag habe ich wieder beide Rabauken, ab dann geht das nicht mehr.

Skuld hat geschrieben:Und Licht an - Licht aus Spiele - dafür hätte ich gar keine Geduld. Ich hätte ihn (aus ganz egoistischen Gründen nicht mit im Familienbett. Es gibt bei mir kein Familienbett. Er geht zum Schlafen in sein Bett, darf gerne kommen, wenn er sich fürchtet, wird aber meistens irgendwann wieder in sein Bett gebracht, weil keiner von uns schläft wenn er mit in unserem Bett ist. Selbst mitten in der Nacht quatscht und quatscht und quatscht er dann... da wir aber arbeiten müssen, geht das eben nicht.

Aber so hat eben jeder seine Vorstellungen vom Zusammenleben. Ich für meinen Teil, bin auch mal ganz gern für mich, da bleibt oft nur mein Bett :lol:


Bei uns hat sich das mit dem Familienbett irgendwie so ergeben. Es fing damit an, dass mein Großer ein kleines, zartes Frühchen war (2185g) und die Hebamme vom Geburtsvorbereitungskurs meinte, so kleine Kinder brauchen extrem viel Körperkontakt und wir sollten zumindest bis zum errechneten Geburtstermin bei uns im Bett schlafen lassen. Tja, daraus wurden dann insgesamt 7 Monate. Gitterbett hat er nämlich verweigert, schon beim drüberhalten hat er gebrüllt wie am Spieß. Wenn man ihn schlafend reingelegt hat dann ging das Gebrüll los, wenn er aufwachte und mitbekam, wo er war.

Als er dann zu krabblen begann kam haben wir eine Seitenwand vom Gitterbett runtergenommen und eine Matratze davorgelegt (falls er rausfällt). Da wir ein großes Schlafzimmer hatten blieb das offene Gitterbett (welches er dann akzeptiert hat) im Schlafzimmer. Als dann der Kleine kam wollten wir unseren "Großen", der gerade mal 2 Jahre und 4 Monate alt war, nicht des neuen Babys wegen ausquartieren. Also kam die Seitenwand wieder aufs Gitterbett und der Kleine kam rein, während der Große auf der Matratze am Boden schlief.

Vor etwa einem Jahr richteten wir endlich das Kinderzimmer ein und die Kinder bekamen ein Hochbett. Zuerst wollten wir unseren Großen umquartieren, aber der sah nicht ein warum sein Bruder bei uns im Zimmer schlafen darf und er nicht (das Kinderzimmer und das Schlafzimmer liegen an den entgegengesetzen Enden unserer Wohnung). Mittlerweile ist auch der Kleine zu groß für das Gitterbett geworden und beide Buben schlafen auf der Matratze am Boden. Bei Nähe-Bedarf kommen sie zu uns ins Bett gekrochen, wenn einer zu viel Platz braucht oder tritt wird er schlafend wieder auf die Matratze geschaufelt.

Nicht unbedingt eine Ideallösung, aber irgendwann wird der Tag kommen wo wir beide Buben (wahrscheinlich gleichzeitig) ins Kinderzimmer umquartieren. Wenn die Kinder nicht treten oder mich aus dem Bett drängen empfinde ich ihre Nähe übrigens durchaus angenehm. Und wenn mein Großer mal wieder was schlimmes geträumt hat muß er nicht im Halbschlaf durch die ganze Wohnung tapsen um getröstet zu werden ;) .
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Re: Umgang mit extremer Wut

Beitragvon Skuld » Sa 16. Mai 2015, 07:44

@Rabaukenmama

unser Sohn hat sehr früh schon in seinem eigenen Zimmer geschlafen, das war allerdings nicht so geplant. Als er ca. 3 Monate alt war hat mein Mann in der Früh um 4 oder um 5 so schrecklich geschnarcht, dass alle wach waren. Bei dem Kleinen hieß das aber dass er ab da wach war. Heulte und und heulte und ließ sich nicht mehr beruhigen. Um das einfach nicht noch mal so zu haben, ist der Kleine dann ab da in seinem Zimmer gewesen, der Stubenwagen war eh inzwischen fast zu klein (soll heißen es waren oben und unten noch 3 cm Platz, sonst wäre er angestoßen) und Platz für ein Gitterbett war in unserem Schlafzimmer einfach nicht.

Allerdings war es aber auch als er bei uns noch schlief so, dass ich ihn abends in seinen Stubenwagen legte und in der Regel wieder gegangen bin. Er ist allein eingeschlafen, hat mir das aber auch leicht gemacht. Er war friedlich. Klar hat er mal geweint, da bin ich wieder hin, aber ich bin nie stundenlang an seinem Bett sitzen geblieben. Tagsüber habe ich ihn eh immer bei mir gehabt. Entweder er schlief im Laufgitter oder wenn er wach war habe ich ihn mit mir rumgeschleppt. Er wäre auch friedlich in seinem Laufgitter geblieben, aber ich wollte ihn bei mir haben und so hat er das erste Jahr tatsächlich mehr oder weniger auf meinem Arm verbracht. Als er dann älter war, konnte ich nicht den Raum ohne ihn verlassen, bis aufs Klo musste er mit, außer abends beim Schlafen in seinem eigenen Bett. Das hat er komischerweise immer auf die Reihe gekriegt.

Aber das war ja eigentlich nicht das Thema. Das war ja die Wut. Nun, mein Sohn will natürlich auch nicht ins Zimmer geschickt werden oder ganz und gar ins Bett, aber ich frage dann auch schon mal, ob ich vielleicht die Tür abschließen soll, wenn er weiterhin raus kommt. Obwohl er das eigentlich tatsächlich nicht mehr macht. Inzwischen schicke ich ihn bei Wut nach oben und er rennt heulend und brüllend in sein Zimmer, schmeißt sich aufs Bett und bleibt dort. Oftmals macht er die Tür zu, manchmal bleibt sie auch offen. Wenn er sich beruhigt hat, gehe ich hin und frage ihn, ob es wieder geht, was er natürlich immer bejaht, was aber manchmal gar nicht stimmt. Vielleicht bleibt er da, weil er selber merkt, dass es wenig Sinn hat sich weiter aufzuschaukeln. Allerdings benutze ich das ins Zimmerschicken auch, wenn es mal wieder so Tage sind, an denen das Kind überhaupt gar nicht macht, was man ihm sagt oder erst beim 30. Mal reagiert.
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Re: Umgang mit extremer Wut

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 16. Mai 2015, 09:34

@Sklud: Ja, Kinder sind einfach total verschieden. Mein Großer KANN zwar jetzt, mit seinen 5 Jahren, alleine einschlafen, WILL es aber absolut nicht. Lange Zeit konnte er es auch nicht. Ein Bett mit Gitterstäben rundherum hat er genauso verweigert wie ein Laufgitter (wir selbst haben keines, haben das aber bei einer Freundin probiert). Er wollte nie "gefangen" sein.

Der Kleine hatte nie Probleme mit dem Gitterbett. Einmal, als er knapp 2 Jahre alt war, habe ich die Seitenwand weggenommen damit er (so wie früher auch sein Bruder) selbst bestimmen kann, wann er ins Bett geht. Aber er ist mit so viel "Freiheit" nicht gut zurechtgekommen und es hat mit dem einschlafen überhaupt nicht mehr geklappt. Nach einigen Tagen habe ich die Seitenwand wieder raufmontiert und ab da ging´s wieder. Allein einschlafen war und ist für ihn kein Problem, und das trotz seiner Gehörlosigkeit.

Mein Großer hat längst nicht so intensive Wutanfälle wie sein Bruder, wenn´s aber mal doch schlimm ist dann kommt er auch ins Schlafzimmer, ich mache die Tür von außen zu und sage, dass er jetzt drinbleiben soll. Hat bisher immer geklappt (ist aber insgesamt sehr selten, vielleicht 2-5x im Jahr). Wenn er wieder rauskam konnten wir wieder normal kommunizieren.

Kleinsohn müsste ich wirklich EINsperren und das will ich absolut nicht. Einerseits habe ich Angst, er könnte sich verletzen. In der Wut macht er sehr unkontrollierte Bewegungen und im Kinderzimmer ist ein Hochbett, von dem ein Sturz schlimme Folgen hätte. Außerdem hat er in der Wut immer das Bedürfnis, mutwillig etwas zu zerstören und ich habe keine Ahnung ob er meine Lieblingsbücher auseinandernimmt (der Bücherschrank steht im Kinderzimmer) oder was ihm sonst einfallen könnte.

Die Wutanfälle vom Kleinen kommen so 3-7x in der Woche und dauern mindestens 30 Minuten, es gab aber auch schon 2-stündige Ausbrüche. Man muss fürchterlich aufpassen dass dann nicht z.B. das mühsam zusammengebaute Lego-Modell des Großen rumsteht, weil einfach nichts vor dieser Wut sicher ist.

Nicht nur ich empfinden die Wut des Kleinen als extrem, auch die Frühförderin und die Kindergärtnerinnen sehen das (zumindest teilweise) so. Wenn er z.B. in der Frühförderstunde einen Wutanfall hat kann man die ganze Einheit gleich vergessen, weil er zu keinerlei Mitarbeit bereit ist. Im Normalzustand hingegen mag er die Frühförderin sehr und macht bei allem, was sie vorschlägt, begeistert mit.
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Re: Umgang mit extremer Wut

Beitragvon Skuld » Sa 16. Mai 2015, 13:56

Das ist wirklich sehr schwierig mit deinem Kleinsohn. Vielleicht lassen sich ja so etwas wie Rituale finden, im Falle eines Wutanfalles. Wenn ich auch keine Ahnung habe, welche. Vielleicht darf ein Plüschtier oder ähnliches haben, das er im Falle des Falles malträtieren kann, ohne dass einer schimpft. Es darf vielleicht auch kaputt gehen. Prinzipiell bin ich bei meinem Wutzwerg so, dass ich ihm klar mache, dass das kaputte Spielzeug aber nicht wieder ersetzt wird. Was mutwillig zerstört wird, wird nicht wieder zur Verfügung gestellt.
Ansonsten kann ich dir leider auch nicht raten, wie der Wut beizukommen wäre. Mit zunehmendem Alter werden sie ja meist auch vernünftiger. Das nützt im Moment wenig, ich weiß, lässt aber wenigstens hoffen.
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