Beziehung statt Erziehung

besondere Ansätze für besondere Kinder

Beziehung statt Erziehung

Beitragvon schlaukopf_8 » Mo 18. Apr 2016, 19:02

Ich bin auf dieses Interview gestossen, was mich sehr zum nachdenken gebracht hat. Man muss Kinder nicht erzihene mann muss eine gute Beziehung
zu ihnen haben. Dass Interview hat mich sehr zum nachdenken gebracht =Interview mit Ka Sundance https://www.youtube.com/watch?v=DlqJ9X1gg1Y&feature=youtu.be
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 7. Dez 2016, 13:06

Chistine Nöstlinger, eine meiner Lieblings-Schriftstellerinnen, schrieb mal in einer Zeitungskolumne dass die meisten Eltern zwei Erziehungsstile pflegen: einen eher lockeren wenn sie mit den Kindern allein sind und einen "strengeren" wenn Leute dabei sind, die sie beobachten, z.B. in der Straßenbahn oder im Wartezimmer beim Arzt. Dasselbe beobachte ich auch und manchmal ertappe ich mich selbst dabei, in Anwesenheit anderer Personen meine Kinder für Dinge zurechtzuweisen, die mich eigentlich gar nicht stören :oops: .
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon alibaba » Do 8. Dez 2016, 10:00

ich ermahne meine Kinder immer nur, wenn es auch mich stört. ;) Und oft stört mich etwas auch, was den Mainstream stört. Tendenziell versuche ich immer authentisch zu erziehen, egal wo. aber klar, es gab und gibt sicherlich auch Situationen die mich erst einmal nicht stören würde, ich aber auf Rücksicht der anderen, meine Kinder zur Rücksichtnahme "ermahne". Aber ich verbiete es nicht. So störte es unsere Nachbarin massiv, als meine Kinder noch jünger und lauter waren, wenn wir im Garten im Planschbecken jede Menge Krach machten. Darauf habe ich aber keine Rücksicht genommen. :mrgreen:

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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Bliss » Do 8. Dez 2016, 14:19

Ich bin definitiv woanders restriktiver als zuhause, weil ich zuhause nun mal weiss, dass mich etwas nicht stört, während ich unter fremden Leuten nicht davon ausgehen kann.

Das hat nichts damit zu tun, dass ich zeigen möchte, wie gut meine Kinder erzogen sind, sondern dass ich einerseits tatsächlich nicht möchte, dass sich andere Leute über Gebühr durch uns gestört fühlen. Andererseits fände ich es gemein meinen Kindern gegenüber, wenn ich sie da ins offene Messer laufen lassen würde und warte, bis sie die negativen Reaktionen voll abbekämen und das vielleicht, wenn ich gar nicht dabei bin.

Also ich sehe mich da schon in der Pflicht ihnen sozialverträgliches Verhalten beizubringen. Dass es eben gewisse Orte und Zeiten gibt, wo manches nicht angesagt ist.
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 8. Dez 2016, 17:28

Seit ich mich selbst dabei ertappt habe, in Gegenwart mir fremder Menschen anders zu agieren als unbeobachtet, hinterfrage ich mein Verhalten häufiger. Was ist wirklich unangenehm für andere Menschen, was passt möglicherweise nur nicht in deren Bild von Erziehung? Zum Beispiel verhindere ich strickt, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln Füße (mit mehr oder weniger schmutzigen Schuhen) auf die Sitze gelegt werden. Dagegen sage ich nichts, wenn die Kinder lachend herumlaufen (solange niemand niedergerempelt wird). Wer sich von einem lachenden Kind massiv gestört fühlt sollte sich mMn nicht in Öffis oder an öffentlichen Plätzen aufhalten.

Bei mir sind es oft so unscheinbare Situationen wo ich mich bei Orientierung an vermeintlicher Erwartungshaltung anderer ertappe. Zum Beispiel wenn ein Kind im Gasthaus unabsichtlich ein Glas umstösst. Zu Hause würde ich gar nichts sagen (oder maximal "kann ja passieren"), auswärts erwischte ich ich mich dann bei einer Moralpredigt, doch besser aufzupassen - als ob das was nützen würde :P . Oder wenn es meinen Kinder mit viel Hunger zu mühsam ist, die Pommes auf die Gabel zu spießen und sie mit den Fingern essen...

...ich bin dann zwar nicht übergriffig oder verletzend, aber ich rede einfach Quatsch, von dem ich selbst nicht überzeugt bin. So von den Dingen , die "man" tun oder unterlassen sollte.

Mein älterer Sohn ist vom Sozialverhalten her geschätzt 2 Jahre hinten. Natürlich muss ich reagieren wenn er sich aufführt wie ein 4jähriger. Aber dann tue ich das auch, wie ich es bei einem 4jährigen tun würde und nicht unterschwellig verletzend indem ich z. B. immer wieder betone dass das Verhalten nicht seinem Alter entspricht. Ich gehe davon aus dass er anders agieren würde, wenn er könnte, und einfach mehr Zeit zum lernen von sozialem Verhalten braucht als andere Kinder. Da stört mich dann gewaltig, wenn sich wildfremden Leute echoffieren waren "so ein großer Bub" sich " so aufführt". So, wie ich mein Kind kognitiv nicht 2 Jahre (die es mindestens voraus ist) "zurückdrehen" kann, kann ich es sozial mich "vordrehen".

Wenn ein fremder Erwachsenes ein 8jähriges Kind als dumm hinstellt, weil es noch nicht sinnerfassend lesen kann, dann ist das ein no-go! Doch erniedrigen un bloßstellen wegen nicht ausgereiften Sozialverhalten wird in unserer Gesellschaft stillschweigend geduldet oder sogar gutgeheißen :evil: .
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Willow77 » Do 8. Dez 2016, 22:08

@ Rabaukenmama und Hopeful:

Zum Thema Busfahren: Ich finde es eigentlich schon eine tolle Leistung, wenn Kinder ruhig sitzen bleiben können im Bus. Dass sie dann aber miteinander reden wollen, und die Stimme dann auch mal lauter wird, das finde ich eher ganz normal. Da hätte ich meine Kinder eigentlich auch nie ermahnt. Bis vor ein paar Jahren: Sohn war gerade 5, Tochter 2. Wir saßen nahe beim Busfahrer auf einem 4er-Sitz. Die saßen ruhig da, haben etwas lauter geredet und gelacht, keineswegs gestritten oder so. Für mich alles ganz normal. Und ich war so froh, dass die Stimmung zwischen ihnen so gut war, und wir so guter Laune waren. Und plötzlich ermahnt uns der Busfahrer - wenn wir nicht leiser wären, müssten wir aussteigen! Baf! Der hätte mich mit 2 kleinen Kindern einfach irgendwo rausgeworfen! Geht's noch? Natürlich habe ich sie da ermahnt leiser zu sein, aber gewünscht habe ich diesem Busfahrer insgeheim, dass er mal eine ganze Schulklasse wo hinfahren muss, oder mal zum Schulbusfahrer abkommandiert wird! :evil: Und da soll man dann auf das Auto verzichten und mit öffentlichen Transportmitteln fahren...

LG,
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 8. Dez 2016, 22:51

Ich habe schon zu einer alten Dame im Bus gesagt sie solle doch probieren meinem gehörlosen Sohn zu vermitteln dass er zu laut ist. Und plötzlich, als klar war, dass er "behindert" ist, hatte er Narrenfreiheit. Dabei war der vorangegangenen Trotzanfall tatsächlich sehr störend und ich war mir dessen wohl bewusst. Nur hat die Dame halt nicht ganz kapiert dass ein Kind im Trotzalter im akuten Wutanfall ein gebärdetes "Sei nicht so laut" bestenfalls mitbekommt was ich von ihm will, dem aber nicht zwangsläufig nachkommt ;) . Aber wie gesagt, als behindertes Kind hat man anscheinend Narrenfreiheit, denn die Dame hat sich dann wortreich entschuldigt, überhaupt etwas gesagt zu haben.

Witzig war auch dass ich einmal in ein- und derselben Straßenbahn für meinen Erziehungsstil bewundert. und beschimpft wurde :mrgreen: .
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon alibaba » Fr 9. Dez 2016, 12:34

Meinen Respekt an die Damen, die sich dann entschuldigt hat. Das ist doch toll - finde ich.

Am WE in der Kirche saß auch ein behinderter Konfirmand, neben seinem Vater. Natürlich gesteht man diesen Menschen zu, anders zu sein. Wenn mein Kind die selben "Faxen" gemacht hätte, wäre das nicht toleriert wurden. Das ist aber auch so in Ordnung.

Und zum Thema Bus.....gestern schmiss ein Busfahrer drei Schulkinder an der nächst möglichsten Haltstelle raus. Das war in Ordnung so. Störende Personen gefährden die Sicherheit vom Rest.

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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 9. Dez 2016, 13:42

alibaba hat geschrieben:Am WE in der Kirche saß auch ein behinderter Konfirmand, neben seinem Vater. Natürlich gesteht man diesen Menschen zu, anders zu sein. Wenn mein Kind die selben "Faxen" gemacht hätte, wäre das nicht toleriert wurden. Das ist aber auch so in Ordnung.


Da stellt sich die Frage mit welcher Behinderung was geduldet wird. Allein auf Grund seiner Gehörlosigkeit muss sich mein jüngerer Sohn in Öffis bestimmt nicht aufführen wie ein Irrer. Wenn, dass eher aufgrund seiner Störung im autistischen Spektrum, nur sieht man die nicht. Dasselbe gilt für ADHS. Unabhängig von Diskussionen ob es das wirklich "gibt" und wie man es behandelt, sind die Kinder nun mal zappeliger und schwerer zu "kontrollieren". Und es hat ja niemand ein Schild umhängen "Ich habe ADHS".

Wenn ein Kind auf den ersten Blick gesund wirkt heißt das noch lange nicht, dass alle seine Verhaltensauffälligkeiten auf Erziehungsfehler zurückzuführen sind. Und es ist auch kein Freibrief für Einmischung (und wenn macht der Ton die Musik).

Vor der Warte finde ich Einmischung von Fremden in Erziehungsangelegenheiten nur dann in Ordnung, wenn jemand wirklich durch das Verhalten des Kindes beeinträchtigt ist. Und allein davon, dass ein Kind in einem öffentlichen Verkehrsmittel lachend herumläuft ist mMn niemand beeinträchtigt. Wenn hingegen ein fremdes Kind seine schokoverschmierten Finger in meiner Jacke abwischt schon ;) . Aber selbst da würd ich nicht auf Verdacht auf die Eltern losgehen (außer es ist noch im Babyalter) sondern erst mal mit dem Kind selbst klären dass ich das nicht in will und warum.

alibaba hat geschrieben:Und zum Thema Bus.....gestern schmiss ein Busfahrer drei Schulkinder an der nächst möglichsten Haltstelle raus. Das war in Ordnung so. Störende Personen gefährden die Sicherheit vom Rest.

VG


Na, wenn immer dieselben Kinder in dem Bus fahren und es immer wieder Probleme mit dem Verhalten von bestimmten Kinder gibt, finde ich auch ok, wenn der Busfahrer auf diese Art mal klarstellt, dass ein Mindestmaß an Rücksichtnahme und Benehmen gegeben sein muss. In wie weit ein paar ungzogene, lärmende Kinder tatsächlich die Sicherheit vom Rest gefährden ist abhängig von der konkreten Situation.
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Bliss » Fr 9. Dez 2016, 14:07

Rabaukenmama hat geschrieben: Und allein davon, dass ein Kind in einem öffentlichen Verkehrsmittel lachend herumläuft ist mMn niemand beeinträchtigt.


Ich weiss nicht welches Verkehrsmittel es war, aber in einem Bus z.B finde ich es schon gefährlich ein Kind herumlaufen zu lassen. Und es gibt eben auch Leute mit Gleichgewichtsproblemen, für die Ein- und Aussteigen eh schwer genug ist, die stresst das dann vermutlich noch mehr auf ein kleines Kind achten zu müssen.
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