Beziehung statt Erziehung

besondere Ansätze für besondere Kinder

Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 26. Dez 2016, 11:21

orangenminze hat geschrieben:... nur kurz, werde die Tage noch mal schreiben, hier ist gerade viel los. Nur, dass es nicht zu verschönt rüberkommt, unser kleiner Sohn kann auch in der Öffentlichkeit Wutanfälle bekommen (mit seinen Eltern), allerdings haben diese andere Auslöser und eine andere Qualität als bei unserem großen Sohn. Bei Kleinsohn sind es vor allem die klasssischen ich will etwas und darf es nicht- Geschichten, während es bei unserem Großen manchmal nur ein Ansprechen bedarf. Ist jetzt auf die schnelle schwierig zu erklären, werde ich nach den Feiertagen noch mal probieren.

lg orangenminze


Ich glaube zu wissen, was du meinst. Ist bei uns ähnlich. Bei meinem jüngeren Sohn haben mindestens 95% der Konflikte mit Machtkampf zu tun. Alles läuft auf ICH WILL oder ICH WILL NICHT hinaus.

Bei meinem älteren Sohn sind es oft ganz subtile Dinge, die andere gar nicht bemerken, die ihn total wütend machen können. Und dann reagiert er komplett "unangemessen" und die Hintergründe sind oft schon für mich schwer einsehbar, für Fremde erst recht nicht.

Bin schon gespannt was du berichtest :) ! Noch schöne Rest-Feiertage!
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon orangenminze » Mi 4. Jan 2017, 11:12

So, nun ist ein wenig Zeit, zu schreiben...
Liebe Rabaukenmama,

mehr kann ich eigentlich nicht hinzufügen, auch hier beschreibst Du treffend, was auch auf meine beiden zutrifft. Bei Kleinsohn ist es so, dass es relativ vorhersehbar ist, in welchen Situtationen er einen Wutanfall bekommen könnte. Und es sind wirklich diese klassischen "Macht"- Fragen, bzw. wenn es darum geht, dass ich ihm etwas verbiete, was er sich in den Kopf gesetzt hat. Da fällt es mir auch immer realtiv einfach ruhig zu bleiben und abzuwarten, bis die Wut veraucht ist (wobei sie definitv schneller verraucht, als bei deinem jüngeren Sohn, das macht es einfacher) und ich klar bei dem bleiben kann, was ich entschieden habe.
Bei Großsohn ist es schwieriger, während er schon relativ früh die Erklärungen bei den klassischen "Macht"- Fragen akzeptieren konnte, also weniger bei zu viel Schokolade, aber gut, wenn es z.B. um Gefahrensituationen ging, kommt es bis heute immer wieder vor, dass er wegen vermeintlicher Kleinigkeiten, seien es ein Lachen, eine unachtsame Bemerkung oder Bewegung, ein Kind, das nicht richtig zuhört (heisst jetzt nicht, dass er das immer tut) oder, was auch immer... einen Wut- und Kreischanfall bekommt. Manchmal wirkt es auf mich auch, dass viele Menschen, Gruppensituationen für ihn extrem anstrengend sind; klappt es anfangs noch ganz gut, wird es nach einer Weile schnell "zu viel" und auch wenn er so Sachen wie teilen, nicht hauen etc. dann trotzdem noch gut kann, kann es dann sein, dass er zum Beispiel mich dann anfaucht, auch wenn ich nur kurz etwas sagen oder fragen möchte; als würde er extrem unter "Dampf" stehen. Wirkt nach auf Außenstehende dann manchmal, als sei er nicht ganz bei Trost, aber oftmals, später, wenn er sich wieder beruhigt hat, kann er erklären, was ihn so in Rage gebracht hat. Dann kann ich das schon verstehen, würde ihm aber trotzdem gerne helfen, weniger impulsiv zu reagieren, sondern vielleicht durch nachfragen, versuchen, in der Situation ruhiger zu reagieren, also durch überlegen ausgleichen, was ihm vielleicht an intuitivem Verstehen/Erfassen fehlt. Wie wir dahin kommen, weiss ich allerdings auch nocht nicht.
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Karen » Do 5. Jan 2017, 16:29

Ich finde es ist eine spannende Thema. Ich muss sagen dass in unsere Familie vieles auch über Beziehung lauft da meine Tochter einfach "Erziehungsresistänt" ist - also die alle grundsätze der "standarter erziehung" mit konsequent sein, klare regeln, schlafenzeiten, essenzeiten usw. funktionieren bei uns nicht- oder führen zu einer mittleren Katastrophe. Meine Tochter kooperiert nur wenn sie selber entschlossen hat zu kooperieren und nicht weil ich so will, oder irgendwelche Konsequenzen folgen werden. Konsequenzen und Strafen sind für sie eher Auslöser eine Tieferen Kriese (zum Beispiel, wenn ich sie ins Zimmer bringe weil ich ihr Geschrei nicht mehr aushalten kann, rennt sie sofort wieder raus und ich kann es 100 mal wiederholen und sie klebt noch mehr an mir; danach hat sie so ein Angst von ihrem Zimmer dass sie in der Nacht wieder 5 mal aufwacht und schreit und zu uns kommt und ihres Zimmer über Wochen meidet. Sie ist so durch, dass wenn sie endlich nicht mehr schreit, sie danach sogar an der Auslöser nicht mehr erinnern kann, und dann bringt es recht nichts. Und das ist so bei allem). Ich staune immer mal wieder wie folgsam manche andere Kinder sind, oder wenn was verboten ist, bekommen sie ein Schreianfall und 5 min später ist der Thema vorbei, oder schreien halt 15 min im zimmer, kommen wieder zurück, sagen Entschuldigung und der Thema erledigt.
Mir haben recht viel Bücher von Juul, Renz-Polster geholfen das Beziehungsorientierte Erziehung richtig zu verstehen und ich habe gemerkt dass es für mich, mein Mann und unsere Tochter der richtigeren weg ist (nur für uns, für andere muss es nicht sein). Es geht vieles bei uns durch Diskussionen, reflektieren und sie fragen was sie selber für Lösungen hat. Manchmal war ich recht verunsichert ob es richtigen weg ist, da nach aussen hat es auch manchmal so ausgesehen dass die Tochter uns schön "im griff hat". Jetzt (sie ist fast 4) bin ich langsam sicher dass es ok ist, sie hat auch langsam gelernt auch unsere Bedürfnisse akzeptieren, zeigt viel Empathie und Verständnis und langsam können wir Konflikte über Kompromisse eher wie erwachsene regeln was ich eigentlich eine enorme Leistung für noch nicht 4 jähriges Kind sehe. Und manchmal hat sie halt ein schlechten tag, wird in Kita gebissen oder hat streit, vermisst mich und brennt durch was in einem 2 stundigen schreianfall endet... Ich mache immer noch Einschlafbegleitung und das ist der wichtigste zeit am tag da wir wirklich alles besprechen können, auch kann ich meine Bedürfnisse erklären und tag reflektieren und sie verstehet es und handelt danach auch entsprechend. Meine 7-jährige Patentochter hat bei uns jetzt 6 Monate lang gewohnt (Eltern sind in Trennung, haus umgebaut und sonst andere Probleme in Familie), und sie ist recht kluges und fröhliches aber auch ein anstrengendes Kind, die zu wenig bis gar keine grenzen kennt und gerne manipuliert. Trotzdem habe ich gesehen wie regeln, grenzen usw auf sie wirken und Reaktionen sind wirklich nicht vergleichbar mit meiner. Ich weiss nicht wie ich es erklären kann, aber bei meiner Tochter kommt wie ein tiefes angst hoch die sie wirklich in Verzweiflung bringt wenn ich sie mal wegen einem Vorfall ablehne, anschreie oder kurz ignoriere.
Ich kenne auch sehr gut mit zu viel Menschen und Aufregung. Das geht bei uns auch gar nicht.
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 5. Jan 2017, 23:11

Karen hat geschrieben:Ich finde es ist eine spannende Thema. Ich muss sagen dass in unsere Familie vieles auch über Beziehung lauft da meine Tochter einfach "Erziehungsresistänt" ist - also die alle grundsätze der "standarter erziehung" mit konsequent sein, klare regeln, schlafenzeiten, essenzeiten usw. funktionieren bei uns nicht- oder führen zu einer mittleren Katastrophe. Meine Tochter kooperiert nur wenn sie selber entschlossen hat zu kooperieren und nicht weil ich so will, oder irgendwelche Konsequenzen folgen werden. Konsequenzen und Strafen sind für sie eher Auslöser eine Tieferen Kriese (zum Beispiel, wenn ich sie ins Zimmer bringe weil ich ihr Geschrei nicht mehr aushalten kann, rennt sie sofort wieder raus und ich kann es 100 mal wiederholen und sie klebt noch mehr an mir; danach hat sie so ein Angst von ihrem Zimmer dass sie in der Nacht wieder 5 mal aufwacht und schreit und zu uns kommt und ihres Zimmer über Wochen meidet. Sie ist so durch, dass wenn sie endlich nicht mehr schreit, sie danach sogar an der Auslöser nicht mehr erinnern kann, und dann bringt es recht nichts. Und das ist so bei allem). Ich staune immer mal wieder wie folgsam manche andere Kinder sind, oder wenn was verboten ist, bekommen sie ein Schreianfall und 5 min später ist der Thema vorbei, oder schreien halt 15 min im zimmer, kommen wieder zurück, sagen Entschuldigung und der Thema erledigt.


Das, was du da beschreibst, ist 1:1 mein jüngerer Sohn! Schlafen im eigenen Zimmer haben wir längst aufgegeben. Einer von uns schläft beim Großen, der andere beim Kleinen. Mein älterer Sohn ist so ein Kind, wo der Schreianfall nach kurzer Zeit vorbei war (und ist). Als der zweite noch nicht da bzw. noch ein Baby war dachte ich, das läge an meiner Gelassenheit, damit umzugehen :P .

Karen hat geschrieben:Mir haben recht viel Bücher von Juul, Renz-Polster geholfen das Beziehungsorientierte Erziehung richtig zu verstehen und ich habe gemerkt dass es für mich, mein Mann und unsere Tochter der richtigeren weg ist (nur für uns, für andere muss es nicht sein).


Geht mir wie Dir.


Karen hat geschrieben:Es geht vieles bei uns durch Diskussionen, reflektieren und sie fragen was sie selber für Lösungen hat. Manchmal war ich recht verunsichert ob es richtigen weg ist, da nach aussen hat es auch manchmal so ausgesehen dass die Tochter uns schön "im griff hat".


Leider klappt das mit dem diskutieren und reflektieren bei meinem jüngeren Sohn noch nicht so recht. Und wie es "nach außen" aussieht, darum kümmere ich mich einfach nicht. Völlig sinnlos dem alten Mann in der Straßenbahn zu erklären dass mein Sohn einfach nicht bereit ist, still auf seinem Platz zu sitzen, und dass zwingen, drohen, festhalten usw. einen Riesenkampf unter lautem Gebrüll (bis hin zum erbrechen) nach sich ziehen würde! Da muss ich eben damit leben dass er als "ungezogen" dasteht und ich als "unfähig".


Karen hat geschrieben:Meine 7-jährige Patentochter hat bei uns jetzt 6 Monate lang gewohnt (Eltern sind in Trennung, haus umgebaut und sonst andere Probleme in Familie), und sie ist recht kluges und fröhliches aber auch ein anstrengendes Kind, die zu wenig bis gar keine grenzen kennt und gerne manipuliert. Trotzdem habe ich gesehen wie regeln, grenzen usw auf sie wirken und Reaktionen sind wirklich nicht vergleichbar mit meiner. Ich weiss nicht wie ich es erklären kann, aber bei meiner Tochter kommt wie ein tiefes angst hoch die sie wirklich in Verzweiflung bringt wenn ich sie mal wegen einem Vorfall ablehne, anschreie oder kurz ignoriere.


So, wie du deine Patentochter beschreibst, ist mein älterer Sohn. Auch wenn er gerne manipuliert, manchmal auch lügt (um selbst besser dazustehen) und oft "überdreht" ist, akzeptiert er grundsätzlich Regeln und Grenzen. Sie müssen halt immer wieder neu ausverhandelt werden, was ja machbar ist.

Mein jüngerer Sohn VERSTEHT zwar, wenn ich ihm was verbiete oder was von ihm verlange, aber er ist wirklich nur dann bereit, danach zu handeln, wenn es auch in seinem Sinn oder wenn es ihm egal ist. Ist er selbst z.B. der Meinung, dass er jetzt NICHT Zähne putzen will, beiße ich auf Granit. Klar kann ich ihn gegen seinen Willen ins Badezimmer schleifen und ihm die Zähne putzen. Mache ich auch manchmal, wenn´s anders absolut nicht klappt.

Bei anderen Dingen habe ich längst aufgegeben. Zum Beispiel will mein Sohn auch bei Minusgraden weder Haube noch Handschuhe tragen. Ziehe ich ihm was davon gegen seinen Willen an wird es in der nächsten Sekunde in weitem Bogen weggeschleudert. Genau so war es über 2 Jahre lang mit seinen "Horchis". Dass er sie aktzeptiert hat musste er entweder extrem gut drauf sein oder man musste ihn mit Schokolade o.ä. bestechen, was aber nur so lange angehalten hat, bis das Bestechungsmittel verspeist war :roll: . Gut, mittlerweile habe ich seinen sehr vehementen Widerstand anerkannt und wir verzichten zu Hause komplett auf die Horchis. Haube und Handschuhe nehme ich mit, wenn wir unterwegs sind. Ich frage dann ab und zu ob er sie nicht doch anziehen will, was er bisher immer verneint hat. Schaut dann halt komisch aus wenn ich mit Handschuhen, Schal und Haube unterwegs bin und mein Kind rennt bei Minusgraden und eisigem Wind ohne rum. Aber - wie gesagt - mittlerweile ist mir meistens schon egal, was andere von mir denken ;) . Krank geworden ist er bisher trotzdem (noch) nicht, also ist es vielleicht doch die Wahrheit, wenn er die Frage "Ist Dir kalt?" verneint.

Die Angst vor dem verlassen-werden kenne ich von meinem älteren Sohn. Sobald ich mich nur kurzfristig genervt von ihm abwende bekommt er eine Stimme wie ein kleines Piepse-Vögelchen, mit der er ziemlich hysterisch "Mama, bleib hier! Mama, geh nicht weg!" kreischt. Warum er so extrem reagiert weiß ich nicht. Für Außenstehende mag es so wirken, als würde ich bei jeder Gelegenheit davonlaufen.

Mit Ablehnung kann er gar nicht umgehen. Er erkennt vermutlich nicht einmal, dass die Ablehnung auf eine Situation oder ein Verhalten bezogen ist und nicht auf seine Person. Obwohl wir schon oft darüber gesprochen haben, dass ich ihn wegen einer nassen Unterhose oder eines Vorfalls im Hort sicher nicht allein lasse, sind diese Ängst einfach da.

Bei meinem jüngeren Sohn ist das ganz anders. Wenn der in seiner Extrem-Trotz-Phase steckt dann würde er mich wohl am liebsten auf den Mond schießen. Vor einiger Zeit war er beim einschlafen extrem ekelhaft, hat im Übermut nach mir geschlagen und mich getreten und ist mir absichtlich mit den Fingern in die Augen gefahren. Seit ich wegen seinem Finger in meinem Auge mit einer großflächigen, sehr schmerzahften Hornhautabschürfung ins Krankenhaus musste, werde ich da ziemlich agressiv :oops:.

Jedenfalls war ich total wütend und nahe dran, ihn zu schlagen, was ich aber nicht wollte. Daher bin ich aus dem Schlafzimmer raus und habe erst mal die Tür von außen zugesperrt. Er wollte nach, konnte aber nicht. Lautes Wutgebrüll! Nachdem ich zwei Minuten ziemlich krampfhaft versucht hatte, mich selbst "runterzuholen" sperrte ich die Tür wieder auf. Und da stand mein Sohn, wie ein zorniger, kleiner Racheengel und gebärdete mir wütend "Du hast mich eingesperrt! Du kannst gleich wieder zusperren! Gehr raus aus dem Zimmer! Sperr zu!"

Vermutlich hat er es im innersten nicht so gemeint, aber genau dieses Verhalten entspricht seiner Persönlichkeit. Er ist nicht der Typ, der (wie der Bruder) weinend um meine Gunst buhlt, und will, dass wir uns wieder vertragen und ICH nicht mehr böse bin. Sondern er zeigt unmißverständlich, dass er nicht auf mich oder sonst wen angewiesen ist. Das "Du kannst gleich wieder zusperren!" hat im Klartext geheißen "Was auch immer du tust, du kannst mich nicht brechen! Versuch es gar nicht erst!"
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon orangenminze » Fr 6. Jan 2017, 18:51

@Karen, das klingt nach einem zwar anstrengenderen, aber doch guten Weg, oder? Mit zweien ist es in dieser Form glaube ich nur bedingt möglich -auch wenn ich die Bücher von Juul schätze, denke ich mir beim Lesen manchmal, hm, jetzt stimmt´s zwar für ein Kind, aber was mache ich jetzt mit den Bedürfnissen des anderen Kindes? Ich als Erwachsene kann ja einiges an Kompromiss aushalten, aber das Geschwisterkind nicht. Und so denke ich, dass Kinder eben lernen müssen, dass wir natürlich schauen, dass es ihnen gut geht, aber dass wir auch schauen müssen, dass es uns gut geht mit den Entscheidungen, denn von Eltern, die irgendwann einmal aufgerieben sind, haben auch Kinder nichts mehr. Und manchmal muss ich die Entscheidungen treffen, da ist keine Zeit, alles auszudiskutieren. ich muss allerdings dann auch mit den Konsequenzen leben, was nicht immer schön ist, ich gebe es zu :fahne: Vielleicht geht es auch um die Haltung, mit der ich Entscheidungen treffe: verbiete ich jede andere Möglichkeit oder erkenne ich wenigstens an, dass die Bedürfnisse des Kindes gerade andere sind. Das hat gerade in der Zeit als Kleinsohn noch Stillkind war (und damit der Große zwangsläufig oft verzichten, zurückstecken musste), uns gut geholfen. Das hat nicht jedes Drama verhindert und auch nicht jede Träne und jeden Wutanfall, ABER es war gut für die Beziehungsebene, wenn ich es geschafft habe (und auch das ging manchmal nicht, weil ich zu erledigt war), zu sagen: hey, ich verstehe, dass Du gerne noch hier bleiben möchtest, aber wir gehen jetzt trotzdem.

Schlafen wird bei uns übrigens auch wechselnd gehandhabt, je nach Bedarf alle zusammen, jeder für sich... Einzige Regel, die besteht (vorausgesetzt alle sind gesund): die Kinder schlafen im gemeinsamen Kinderzimmer ein (nicht zwangsläufig im eigenen Bett oder überhaupt im Bett) und auch zu der Uhrzeit, zu der sie müde sind; da beide Kinder einen relativ klaren Rhythmus haben/hatten (ich weiss, dass ist nicht bei allen Kindern so, da hatten wir einfach Glück), ist das meistens die gleiche Zeit am abend plus minus 15 Minuten. Keine Verhandlung über den Müdigkeitspunkt hinaus, denn dann wird der restliche Verlauf für alle Beteiligten unerträglich. Ausnahmen gibt´s nur bei Festen oder abendlichen Konzertveranstaltungen. Ob sie dann nachts zu uns wechseln, wir zu ihnen oder im Wohnzimmer ein Bettenlager erichtet wird, das zeigt sich spontan.
Dass sie im gemeinsamen Kinderzimmer einschlafen, brauch ich einfach, da ich es liebe im Bett vor dem Einschlafen noch ein wenig zu arbeiten, sprich zu schreiben, zu lesen, zu zeichnen, meine Unterlagen für den nächsten Tag durchzugehen und das funktioniert nicht, wenn da schon zwei Kinder liegen, die wach werden, weil das Licht an ist. Und für uns als Paar ist es auch angenehmer, noch eine Kinderfreie Zeit im gemeinsamen Bett zu haben.
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 9. Jan 2017, 10:31

orangenminze hat geschrieben:@Karen, das klingt nach einem zwar anstrengenderen, aber doch guten Weg, oder? Mit zweien ist es in dieser Form glaube ich nur bedingt möglich -auch wenn ich die Bücher von Juul schätze, denke ich mir beim Lesen manchmal, hm, jetzt stimmt´s zwar für ein Kind, aber was mache ich jetzt mit den Bedürfnissen des anderen Kindes? Ich als Erwachsene kann ja einiges an Kompromiss aushalten, aber das Geschwisterkind nicht.


Ich glaube wenn man mehr als ein hat Kind entwickelt man zwangsläufig einen anderen Umgang mit gewissen Situationen. Zumindest bei uns ist es sehr selten, dass mich beide Kinder zeitgleich dringend brauchen. Wenn mir mein älterer Sohn seine Zeichnung zeigen will während ich seinem kleinen Bruder die Windel wechsle (ja, er hat immer noch Tag und Nacht Windeln :schwitz: !) dann muss es eben 2 Minuten warten bis ich fertig bin und mir die Hände gewaschen habe. Wenn sich aber wer weh getan hat und akuten Trost braucht, muss eben der andere warten. Hilft nix.

Was mir von Jesper Juul beim Umgang mit 2 Kinder sehr hilft ist sein Rat bei Geschwisterrivalität: möglichst nicht einmischen! Die Aussage war dann etwas "Und wenn die Kinder gemeinsam losziehen und das jüngere kommt blutend heim? Umarmen sie es, trösten sie es, verbinden sie es! Aber erniedrigen und maßregeln sie nicht den Täter, sonst werden die Übergriffe subtiler und Sie nehmen die Rolle eines Richters ein. Die Geschwisterbeziehung reguliert sich von selbst, je weniger Einmischung von außen kommt."

Das versuche ich jetzt in der Praxis anzuwenden und es funktioniert insofern gut, weil die Übergriffe (von beiden Seiten) deutlich weniger geworden sind seit ich meinen Senf nicht mehr dazu gebe :) . Wofür leider kein Rat dabei war ist, was tun, wenn ANDERE Personen (z.B. die Oma) sich bei Geschwisterstreitigkeiten bei jeder Kleinigkeit "regulierend" einmischen :roll: .

orangenminze hat geschrieben:Vielleicht geht es auch um die Haltung, mit der ich Entscheidungen treffe: verbiete ich jede andere Möglichkeit oder erkenne ich wenigstens an, dass die Bedürfnisse des Kindes gerade andere sind. Das hat gerade in der Zeit als Kleinsohn noch Stillkind war (und damit der Große zwangsläufig oft verzichten, zurückstecken musste), uns gut geholfen. Das hat nicht jedes Drama verhindert und auch nicht jede Träne und jeden Wutanfall, ABER es war gut für die Beziehungsebene, wenn ich es geschafft habe (und auch das ging manchmal nicht, weil ich zu erledigt war), zu sagen: hey, ich verstehe, dass Du gerne noch hier bleiben möchtest, aber wir gehen jetzt trotzdem.


Oh,gut ich verstehe was du meinst! Mir geht es genauso. WENN mir gelingt, die Bedürfnisse meines älteren Sohnes anzusprechen und "auf den Punkt zu bringen", entschärft das fast jede Situation. Zu erledigt dass zu tun war ich selten, bei mir war (und ist) dabei eher das Problem dass ich das "aktive zuhören" einfach erst als Erwachsene gelernt habe und mich bewusst darauf besinnen muss, um es anzuwenden. Laufe ich auf Autopilot (und das ist in stressigen Situationen öfter der Fall) reagiere ich so, wie bei mir reagiert wurde: indem ich meinem Kind erklären zu versuche dass seine Bedürfnisse nicht so wichtig sind, indem ich ihm seine Bedürfnisse ausreden will, indem ich Ablenkungsmanöver starte...

...alles instinktiv um möglichst bald ruhigen Normalzustand herzustellen, was aber nicht klappt, wenn die Bedürfnisse des anderen nicht erkannt und ernst genommen werden.

Mich fasziniert immer wieder, wie verinnerlicht ich habe, wie mit mir selbst als Kind umgegangen wurde. Dort, wo meine Eltern bei mir gelassen waren, kann ich auch problemlos gelassen sein. Das, was meine Eltern an mir gestört oder "aufgeregt" hat, stört mich auch bei meinen Kindern. Meine Mutter konnte z.B. trödeln absolut nicht ausstehen. Mir wäre es von der Grundeinstellung nicht so wichtig (wenn nicht gerade akuter Zeitdruck besteht), aber wenn ich nicht viel nachdenke höre ich mir selbst beim nörgeln wegen des trödelns zu. Geht es mir hingegen selbst gut (so, dass ich reflektieren kann, was gerade abläuft) kann ich mein trödelndes Kind kommentarlos lieben und gelassen bleiben.
Was essen betrifft habe ich als Kind nie Vorgaben bekommen. Ich musste nie aufessen, nicht essen was auf den Tisch kommt und mich an keine vorgegebenen Essenszeiten halten. Da bin ich auch bei meinen Kindern automatisch tolerant.


orangenminze hat geschrieben:Schlafen wird bei uns übrigens auch wechselnd gehandhabt, je nach Bedarf alle zusammen, jeder für sich... Einzige Regel, die besteht (vorausgesetzt alle sind gesund): die Kinder schlafen im gemeinsamen Kinderzimmer ein (nicht zwangsläufig im eigenen Bett oder überhaupt im Bett) und auch zu der Uhrzeit, zu der sie müde sind; da beide Kinder einen relativ klaren Rhythmus haben/hatten (ich weiss, dass ist nicht bei allen Kindern so, da hatten wir einfach Glück), ist das meistens die gleiche Zeit am abend plus minus 15 Minuten. Keine Verhandlung über den Müdigkeitspunkt hinaus, denn dann wird der restliche Verlauf für alle Beteiligten unerträglich. Ausnahmen gibt´s nur bei Festen oder abendlichen Konzertveranstaltungen. Ob sie dann nachts zu uns wechseln, wir zu ihnen oder im Wohnzimmer ein Bettenlager erichtet wird, das zeigt sich spontan.
Dass sie im gemeinsamen Kinderzimmer einschlafen, brauch ich einfach, da ich es liebe im Bett vor dem Einschlafen noch ein wenig zu arbeiten, sprich zu schreiben, zu lesen, zu zeichnen, meine Unterlagen für den nächsten Tag durchzugehen und das funktioniert nicht, wenn da schon zwei Kinder liegen, die wach werden, weil das Licht an ist. Und für uns als Paar ist es auch angenehmer, noch eine Kinderfreie Zeit im gemeinsamen Bett zu haben.
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Da haben wir noch Nachholbedarf. Bei uns schläft immer ein Erwachsener bei einem Kind. Kleinsohn schläft immer im Schlafzimmer ein und Großsohn im Kinderzimmer, das ist das einzige Fixum. Mein jüngerer Sohn ist ein "Bettenwanderer", der in einer Nacht bis zu 3x das Bett wechselt und sich wieder zu wem anderen dazu legt. Aber es kann zumindest ein Ziel werden dass beide Buben mal im gemeinsamen Kinderzimmer einschlafen. Vielleicht war das ja die Anregung, die ich noch gebraucht habe ;) . Abends Zeit als Paar haben (oder auch für eigene Aktivitäten) klappt bei uns schon allein auf Grund des geringen Schlafbedürfnisses und der unterschiedlichen Schlafzeiten unserer Kinder leider nicht.
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon orangenminze » Mo 9. Jan 2017, 12:51

Das war der Beitrag, der mir gerade gefehlt hat, vielen dank rabaukenmama. Gerade ist die gescheisterrivalität enorm hoch und ich halte es regelmäßig nicht aus, mich rauszuhalten, bin nur am schimpfen ( und ja: werten, Maßregeln, alles was dazu gehört) kann mich selber nicht mehr hören. Furchtbar. Aber ich merke, körperlich Auseinandersetzungen, ärgern, Angebereien kann ich schlecht aushalten (war früher bei uns Tabu) aber anscheinend verstärke ich durch mein eingreifen... Wird gleich getestet, hoffe ich schaffe es... Was die schlafsituation angeht, wie gesagt, mit dem Rhythmus haben wir einfach Glück gehabt, beide brauchen zwar auch nicht enorm viel Schlaf, aber doch soviel, dass es noch für einen halben freien Abend reicht. Das mit dem einschlafen haben wir nach und nach durch- und umgesetzt. Stieß anfangs auf große Proteste bei unserem großen, aber jetzt ist es akzeptiert. Lg orangenminze
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Re: Beziehung statt Erziehung

Beitragvon Reimies » Mo 4. Dez 2017, 18:24

Ich finde auch eine liebevolle Beziehung zu seinen Kindern ist der einzige Weg glückliche ERwachsene groß zu ziehen.
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