Unterschied zwischen Strafen und Konsequenzen

besondere Ansätze für besondere Kinder

Re: Unterschied zwischen Strafen und Konsequenzen

Beitragvon Rabaukenmama » So 16. Okt 2016, 10:33

alibaba hat geschrieben:@rabaukenmama

Erziehung trägt nie gleich Früchte. Das kommt immer später. Und Erziehung sieht man selten zuhause, sondern am Benehmen beim Nachbarn. Meine Tochter formuliert das so, "Mama, Ihr seit doch meine Eltern!" Und die Englischlehrerein kommentierte ein Gespräch mal so: "Naja, bei den Noten muss er sich noch verbessern, aber wohlerzogen ist er." :schwitz: Früchte erfährt man später, im positiven wie im negativen Sinne.
Je älter umso mehr sieht man die Früchte. so erklärte mir gestern mein Sohn, das er im Bus immer den Behinderten seinen Platz anbiete, denn wenn die so hin-und her wackeln findet er das nicht so gut. Dabei kennt er das nicht von mir, ich fahre eher Auto und konnte hier nie Vorbild sein. Und bei meiner Tochter steht im Zeugnis, das sie die Not von anderen Kinder selber erkenne und immer helfen würde. Eine bessere Bestätigung für "Erziehung" kann man doch nicht bekommen. Und auch, wenn es mir nicht bewusst ist, es muss etwas sein, an mir, an uns, was meine Kinder dazu anregt selber so zu sein. So hat mein Kind auf sein Namensschild eine Botschaft (für den Elternabend) an mich (ich zitiere im Original) geschrieben: "Liebe, Mama ich mag dich weil du dich um mich kümmerst. Das finde ich toll." :mrgreen:


Ich selbst war als Kind das genaue Gegenteil. Zu Hause war ich meistens ausgeglichen und kooperativ. Schwierigkeiten gab es IMMER draußen und ich kenne absolut niemanden, der mich jemals mit noch so viel gutem Willen "wohlerzogen" betitelt hätte. Eine Freudin hatte eine Tochter (mittlerweile erwachsen) wie du sie beschreibst. Bei Außenstehenden war sie freundlich, zuvorkommend und wohlerzogen. Zu Hause sind ständig die Fetzen geflogen, sie war unleidlich und ständig auf Provokationen aus. Und wenn meine Freundin bei Außenstehenden davon erzählt hat kam immer "Also die xxx ist doch soooo ein liebes, wohlerzogenes Mädchen, das kann unmögich sein!" :P .

Ich war, wie gesagt, das Gegenteil. Meine Eltern haben mir gute Umgangsformen und Höflichkeit gegenüber Fremden durchaus vorgelebt, aber ich konnte es nie umsetzten. Und bei meinem älteren Sohn ist es ähnlich wie bei mir: am ehesten ist er zu Hause friedlich und kooperativ (auch nicht immer, aber wenn, dann hier!). "Draußen" nörgelt er rum, jammert, es passt ihm nichts, bekommt wegen jeder Kleinigkeit Kreisch-Anfälle. Das Attribut "klug" hat er schon oft bekommen "wohlerzogen" noch nie. Wobei mir nicht so wichtig ist, mir das auf die Fahnen zu heften. Es geht mir eher darum, ihm vorzuleben, wie man mit seiner Umgebung gut zurechtkommt ohne die eigenen Bedürfnisse zu verleugnen.

@koschka: Ich habe mal eine Mutter von drei Kindern kennengelernt und hatte ein längeres Gespräch mit ihr. Bei den älteren Kindern (Bub und Mädchen) hat konsequente Erziehung gut geklappt, beim jüngsten Sohn leider gar nicht. Der war ein wilder Bub, sehr emotional und einfach nicht zu bändigen. Ständig gab es Streit, den er körperlich ausgetragen hat. Also dieselbe Methode, die bei den älteren Geschwistern gut funktioniert hat "Wenn du noch einmal hinhaust fahren wir sofort nach Hause!".

Gesagt, getan! Einmal, zweimal, etliche Male! Es ging so weit dass Freundinnen, die ebenfalls Kinder hatten, zu dieser Mutter sagten "Tut mir leid, mit dir gehe ich nicht mehr ins Bad, du fährst ja sowieso nach spätestens einer Stunde wieder nach Hause" und die älteren Geschwister sich schließlich geweigert haben, an Familienausflügen teilzunehmen, weil diese sowieso immer wegen irgendwelcher Handlungen des kleinen Bruders abgebrochen wurden.

Die Mutter meinte dann, sie habe mittlerweile aufgehört, ständig Konsequenzen anzudrohen, weil das durchführen für die ganze Familie belastender war, als mit den Handlungen des jüngsten Sohnes einfach (widerwillig) zu leben.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Unterschied zwischen Strafen und Konsequenzen

Beitragvon alibaba » Mi 4. Okt 2017, 16:10

Also ich verstehe den Gedankengang @venezia, leider nicht.

Ich hab mal einen netten Beotrag über die Wertung von Tasvhengeld, verdienten Geld mit Leistungen für die Eltern und verdientem Geld mit unabhängiger Leistung, also z.B. Babysitting beim Nachbarn, Zeitungen austragen, Ferienjob beim Handwerker, gelesen. Da liegen Welten des Lerneffektes dazwischen. Außerdem werten Kinder Geld aus einem Fremdjob viel mehr, als wenn es Geld für Noten oder den GS ausräumen von den Eltern gibt. Auch das selber erarbeitet und besorgt stärkt die Beziehung zum Geld ganz anders als beim Taschengeld. Der Artikel war wirklich interessant. Es ging dabei auch um das Abhängigkeitsverhältnis eben zwischen dem Geben der Eltern/Fremder und den Nehmen des Kindes.

Die besten Wertschätzungsergebnisse und Lerneffekte hatten Geldeinnahmen durch eigenverantwortliches Tun.

Meine Kinder bekommen Taschengeld, bedingungslos. Nix Anderes. Weder für den Rasen mähen noch fürs Unkraut jäten oder fürs helfen im Büro. Aber es hat auch noch nie ein Kind danach gefragt. 8-)
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Re: Unterschied zwischen Strafen und Konsequenzen

Beitragvon Twochild » Mi 4. Okt 2017, 22:26

venezia hat geschrieben:Ich finde aber auch nicht, dass man eine Strafe wie Taschengeldentzug nutzen sollte, da meine Kinder einen sinnvollen Umgang mit Geld erlernen sollen. Sie bekommen auch deutlich mehr Geld zur Verfügung, als normale Kinder: https://www.moms.de/taschengeld-ratgebe ... mein-kind/ aber das liegt auch daran, dass wir das Geld auch an Leistungen knüpfen. Damit meine ich keine schulischen Leistungen, sondern tatsächlich Leistungen, die auch einen Nutzen haben. Beispielsweise lasse ich mein Kind HTML-Seiten aufbauen, weil es sich mit Computern auskennt und wir darin auch ein Unternehmen haben. Und hier entsteht ja auch echter Nutzen und das wollen wir unseren Kindern einbläuen. Und nicht nach dem Motto: Böse Sachen machen heißt, arm sein müssen. Hoffe man versteht den Gedankengang.


Ich bin etwas irritiert, da du im Vorstellungsthread geschrieben hast, dass dein Kind 10 Monate alt ist. Dieses Kind bekommt Taschengeld für das Erstellen von HTML -Seiten :gruebel:
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