1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

besondere Ansätze für besondere Kinder

1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

Beitragvon Teekanne » Di 18. Jul 2017, 11:53

Hallo aus Deutschland!
Ich hoffe, ihr könnt mir weiter helfen…
Wir haben ein Problem mit unserer Tochter M. 1,5 Jahre alt. Sie war schon als Baby sehr anstrengend, hat viel geweint und wenig geschlafen, brauchte viel Körperkontakt und wollte permanent beschäftigt werden. Wir schoben es auf Zähnchen, Kälte, Hitze, Besuch, etc. und warteten, bis sie anfängt zu krabbeln, laufen und es irgendwann vielleicht besser wird… Doch es wurde nicht besser. Anders, aber keinesfalls weniger anstrengend…

Als M. 9 Monate alt war, haben wir uns von einer Sozialpädagogin beraten lassen. Sie meinte, wir machen in der Erziehung alles richtig, M. ist halt neugierig und aufgeweckt und die Situation wird sich mit der Zeit von alleine entspannen. Mit 13 Monaten kam sie auf unseren Wunsch wieder und hat mit geraten, M. ab und zu zu ignorieren, nicht auf jeden ihrer Wünsche zu „springen“. Das habe ich dann auch ausprobiert, mit dem Ergebnis, dass sie eine Std lang hysterisch geschrien hat… Ich versuchte es auch später immer wieder, für einen kürzeren Zeitraum, da ich es nicht länger aushielt. Immer mit dem gleichen Ergebnis… Dabei hatte ich kein gutes Gefühl. Es fühlte sich für mich falsch an, sie schreien zu lassen.
Da der Alltag mit M. für mich nach wie vor sehr anstrengend ist, haben wir psychotherapeutische Hilfe gesucht. Gestern waren wir zum ersten Mal dort. Die Psychotherapeutin hat sich meine Leidensgeschichte angehört, ein wenig mit M. gespielt und schließlich gemeint, dass sie einen Verdacht hat. Natürlich könne sie nach so einer kurzen Zeit nichts mit Sicherheit sagen, aber für sie sähe es so aus, als ob die ganzen Probleme in der Diskrepanz zwischen der körperlichen und der geistigen Entwicklung lägen. Körperlich wäre sie altersgemäß entwickelt, im kognitiven Bereich aber hätte sie einen „deutlichen Vorsprung“ gegenüber den Kindern im gleichen Alter. Es sind solche Worte gefallen wie „überdurchschnittlich intelligent“, „helles Köpfchen“, „sehr gut entwickelt“, „sehr wacher Blick“, „stets da“… Unsere Probleme würden daher kommen, weil M. hohe Ansprüche hat, sozusagen „ein Bild im Kopf“, das sie aber nicht umsetzen kann, weil es ihr noch an der Feinmotorik fehlt. Daher wird sie unzufrieden oder gar wütend. Sie hatte gemeint, ein Vergleich mit anderen Kindern in ihrem Alter bzgl. Entwicklung würde mit gut tun. Das mag sein. Im Moment sehe ich nur, dass die Mütter anderer Kinder mit ihren Kleinen so gut wie alles machen können, was man ohne Kinder so macht. Sie trinken entspannt ihren Kaffee, während die Kleinen daneben sitzen und vergnügt vor sich hin spielen, währenddessen geben sie mir gut gemeinte Erziehungsratschläge in der Art wie „Ihr müsst es lockerer sehen… Wenn ihr entspannt seid, dann wird die M. es auch“… Tja, mit so einem Kind wie die wäre ich auch entspannt! Warum würde ich mir selbst das Leben schwerer machen? Aber wenn meine Kleine permanent an mir zieht und wirklich ständig beschäftigt werden möchte, dabei trotzdem quengelt und einen stets unglücklichen, fast schon depressiven Eindruck macht, dann kann ich mich beim besten Willen nicht entspannen!!!
Ich weiß nicht, ob es sich bei meiner Tochter um eine HB handelt. Das werden wir erst mit der Zeit erfahren. Sie spielt weder Geige noch Klavier ;-) , lesen und schreiben kann sie auch noch nicht… Sie scheint sprachlich recht fit zu sein, hat einen aktiven Wortschatz von knapp 300 Wörtern, spricht Mehrwortsätze seit sie 13 Monate alt ist und erzählt inzwischen ganze Geschichten, die jedoch nur wir Eltern verstehen können, weil sie manche Wörter nur undeutlich ausspricht und durchaus noch Babysprache verwendet. Von einer HB hat die Psychotherapeutin direkt auch nicht gesprochen. Da unser Problem jedoch scheinbar den gleichen Ursprung hat, wie bei HB- Kindern, könnt ihr mir vielleicht trotzdem helfen…
Und nun zum eigentlichen Problem… Unser Alltag ist von Unzufriedenheit, Gequengel, Geschrei und hysterischen Wutausbrüchen geprägt. Dabei gehen wir wirklich sehr liebevoll mit M. um, auch untereinander haben wir Eltern keinen Streit. Es gibt bei uns kein Fernsehen während die Kleine wach ist. Wir haben dank M. einen streng geregelten Tagesablauf, von diesem Rhythmus dürfen wir nicht abweichen. Wenn wir es uns „erlauben“, M. eine Std später als sonst ins Bett zu bringen, braucht sie bis zu 2 Std zum Einschlafen, das Ganze begleitet von Geschrei, Unruhe, Um-sich-herum- Schlagen etc. Daher gehen wir inzwischen nicht mehr auf Feste, sagen Einladungen ab, die nicht in M. Rhythmus passen. Damit hat in unserem Bekanntenkreis keiner Verständnis. Bei anderen bekannten Pärchen funktioniert es nach dem Motto: „Der wird schon schlafen, wenn er müde ist“. Und so schlafen ihre Kids im Kinderwagen, während die Eltern feiern. Das geht bei uns nicht. Wie gesagt, für minimale Abweichungen vom „Plan“ werden wir böse bestraft. Wenn wir irgendwo zu Besuch sind, verhält sich M. sehr unauffällig, spricht kaum und klebt an mir. Sie schaut weg, wenn sie angesprochen wird, lächelt nie Fremde an. Sie erträgt keine größeren Menschenmengen, zum Beispiel auf einem Fest, will möglichst schnell weg und reagiert abends wieder mit Geschrei. Wenn wir einfach nur zum Einkaufen oder in die Stadt gehen, wo es zwar viele Menschen gibt, sie aber mit uns „nichts zu tun haben“, dann macht es ihr komischerweise nichts aus. Also gehen wir jeden Tag einkaufen, wobei ich die ganze Zeit M. erklären muss, was wir sehen und wofür es gebraucht wird. Nur so hält sie still.
Zu Hause sieht es auch nicht besser aus. Alleine spielen funktioniert bei uns gar nicht. Ich muss nicht nur immer daneben sitzen, sondern auch die ganze Zeit aktiv mitspielen. Auf M. Anweisungen muss ich Türme bauen und Duplo-Landschaften legen. Alles wird kritisch überwacht ;-) und sehr oft bemängelt. Das äußert sich oft im Geschrei, Gegenstände fliegen durch das Haus… „So nein! Auchchhhh!“ Soll heißen: „Nicht so, anders!“ Es wird nicht erklärt, wie… Bücher anschauen funktioniert relativ gut. Allerdings auch nicht alleine. Ich muss stets daneben sitzen und mich mit ihr darüber „unterhalten“. Vorlesen mag sie nicht, Gedichte und Reime noch weniger. Wahrscheinlich, weil sie nicht alles versteht. Auf jeden Fall besitzen wir dem entsprechend sehr viele Kinderbücher, davon scheint sie nicht genug zu bekommen. Mich nervt es, weil ich die ganze Zeit dabei sein muss und ständig reden, reden, reden… Hausarbeit zu erledigen ist unmöglich. Sie klebt permanent an mir, ist inzwischen schon ziemlich schwer und mit einer Hand lässt sich nicht vieles machen… Vorm Staubsauger hat sie Angst. Kochen geht nur, wenn sie direkt daneben auf einem Stuhl steht, mit Körperkontakt. Das ist beim Schneiden und am Herd ziemlich gefährlich, ich lass sie deshalb manchmal unten und spreche mit ihr… bringt nichts, endet wieder im Geschrei… Telefonieren darf ich keine 5 Minuten lang, selbst wenn ich sie dabei die ganze Zeit trage… Alles endet im Geschrei… Reagiere ich nicht darauf, wird daraus ein hysterischer Wutanfall… Das ist so anstrengend und ich kann einfach nicht mehr… Bin mit den Nerven am Ende und kann mich über mein Kind nicht mehr freuen. Bin einfach nur überfordert.
Wer kennt das vom eigenen Kind in ähnlichem Alter und kann mir mit Tipps und Ratschlägen helfen? Wie kann ich sie dazu bringen, sich alleine zu beschäftigen? Womit kann man so ein Kind noch zufrieden stellen, ohne die ganze Zeit zu erklären und zeigen, und reden…
Kann ich sie irgendwie an Menschen „gewöhnen“, ohne dass sie sich danach jedes Mal in den Schlaf schreit? Wann wird es besser? … :cry:
Danke euch im Voraus.
Teekanne
 
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Re: 1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

Beitragvon BiHa » Di 18. Jul 2017, 12:21

Hallo Teekanne,
erst einmal herzlich willkommen und fühle Dich mal gedrückt. Ich kann Dich gut verstehen und höchstwahrscheinlich wird es tatsächlich irgendwann besser. Für mein Verständnis machst Du alles richtig.
Ich konnte es auch nicht ertragen, wenn das Kind schreit, weil ich es ignoriere. Warum soll ich es denn ignorieren? Versteht es denn in dem Alter schon den Grund dafür? Deshalb habe ich es nicht gemacht. Mein Sohn wollte zum Beispiel auch nie in einem richtigen Buggy sitzen mit Fahrtrichtung nach vorne - nein, er wollte sich unterhalten. Immer und ständig. Zuhause und unterwegs. Noch heute bin ich ständig am Erklären. Aber ich finde das völlig in Ordnung, woher sollen sie es denn lernen? Wer kann denn die Fragen beantworten. Lieber ein Kind, das fragt als eines, das alles hinnimmt und nichts lernt.
Ich habe z.B. ganz zeitig angefangen, ihn in der Küche mit einzubeziehen. Er hat mit mir den Kaffee vorbereitet (war eine riesen Sauerei :D ) und er durfte z. B. mit einem ziemlich stumpfen Kindermesser kleine Wurstscheiben klein schneiden. Da war er ewig beschäftigt und ich konnte kochen.
Außerdem haben wir zeitig angefangen, Hörbücher zu hören. Die fand er immer toll und die laufen auch heute noch rauf und runter.
Das Alleinespielen kommt irgendwann. Gerade in dem Alter ist die Mama doch der perfekte Spielpartner. Bei uns war alleine spielen auch sehr sehr lange nicht möglich. Im Laufe des Kindergartens wurde es aber immer besser.

Und falls es Dich beruhigt, ihr seid nicht die einzigen, die ihren Tagesplan nach dem Kind richten. Wir haben das auch gemacht, denn was bringt mir Fest, wenn ich danach Probleme habe. Auch diese Abhängigkeiten werden sich mit der Zeit regeln und ihr könnt Euch wieder ein Sozialleben aufbauen. Lass die Leute reden, ihr als Eltern wisst in der Regel intuitiv, was das beste für Eure Familie ist.

LG BiHa
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Re: 1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

Beitragvon alibaba » Di 18. Jul 2017, 14:42

Moin ;),

Mein großes Kind war auch seit Geburt sehr anstrengend. Deshalb kommt mir deine Beschreibung relativ bekannt vor. Ich möchte das aber sauber getrennt von irgendwelchen Begabungen sehen. Es kann schon sein, dass die kognitive zu der körperlichen Möglichkeit so hoch ist, Das eine Unzufriedenheit entsteht, das möchte ich grundsätzlich nicht von der Hand weisen. Aber ob es sich deswegen noch mal eine Hochbegabung handelt, diese Aussage halte ich für gewagt.

Meine beiden Kinder sind vom IQ her relativ vergleichbar, zumindest was auf dem Papier, als Endzahl, steht. Und trotzdem waren sie als Kleinkinder so unterschiedlich, dass man meinen könnte sie stammen aus verschiedenen Familien. Ist natürlich nicht so. :D

Ich kenne einige Kinder die brauchen einen strukturierten geregelten Tagesablauf, dazu gehörte auch mein größeres Kind, aber ich kenne auch Kinder die schlafen einfach so im Kinderwagen, dazu gehörte mein kleineres Kind.

Hör einfach, in dem was du tust, auf dein Bauchgefühl. Das ist genau richtig für euch. Ich denke die Art der Verunsicherungen kennen hier viele Mamas. :schwitz:

Habt ihr schon mal über eine Kita oder eine Tagesmutter nachgedacht, die dich entlasten könnte? Ich habe mir das recht schnell gesucht und das hat besser geklappt als gedacht.

LG
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Re: 1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

Beitragvon Momo » Di 18. Jul 2017, 21:13

Hallo Teekanne,
willkommen hier im Forum! Ich fühle sehr mit Dir, eine ähnliche Situation habe ich mit meiner mittlerweile 6 jährigen Tochter als Baby und Kleinkind auch erlebt. Falls es Dich interessiert- hier ist meine Vorstellung von damals: viewtopic.php?f=6&t=3490
Ich habe mich anfänglich auch gefragt, was mit meiner Tochter los ist, warum alles, was bei anderen funktioniert, bei uns so anstrengend sein muss und ob sich das wohl irgendwann einmal geben wird 8-)
Mit der Zeit habe ich herausgefunden, dass meine Tochter zum einen sehr sensibel ist und dadurch äußerst stark auf jegliche Reize reagiert (hat). Stichwort "Hochsensibilität", sicherlich in Eurem Fall auch ein Thema, mit dem Du Dich auseinandersetzen kannst ;) Obwohl meine Tochter heute immer noch sehr sensibel und feinfühlig ist, hat sie gelernt, mit dieser "Gabe", (ich nenne es jetzt mal so, denn ich empfinde es bei ihr wirklich als Geschenk) umzugehen und in ihrer Mitte zu sein.
Und andererseits bestätigt sich immer wieder, dass sie weiterhin Gleichaltrigen voraus ist, am Besten kommt sie mit 2 bis 3 Jahre älteren Kindern klar, kognitiv ist kaum ein Unterschied zu den älteren Kindern zu merken.
So weit so gut. Der Weg war nicht immer einfach, doch heute ist sie ein sehr fröhliches, lustiges, kreatives und ausgeglichenes Kind. Ich glaube ganz wichtig ist für sie, dass wir Eltern sie ernst nehmen, dass wir ihre Bedürfnisse sehen und nicht irgendein Erziehungsprogramm mit ihr durchziehen wollen. Sie war schon früh sprachlich sehr fit, konnte sich sehr präzise ausdrücken und dies war eine Möglichkeit, miteinander auch im Dialog zu wachsen und zu lernen. Viel Körperkontakt und Nähe hat sie auch lange gebraucht- so gut ich konnte, habe ich ihr die Nähe gegeben, habe sie lange gestillt etc. Den Druck von außen, der auch durch die Familie, Freunde oder die Gesellschaft auf einen zukommt, haben wir mehr und mehr ignoriert und haben unseren eigenen Weg gefunden (bis hin zur Schulwahl- sie ist so wahnsinnig glücklich auf ihrer Freien Schule, dass sie freiwillig in den Sommerferien in den Hort gehen will und wird!).

Vielleicht hilft Dir auch der Familientherapeut Jesper Juul, ich habe viele seiner Bücher gelesen und bin durch ihn selbst immer entspannter geworden.

Insgesamt möchte ich Dir auch raten- höre auf Dein Bauchgefühl, nimm Deine Tochter ernst, löse Dich von Erziehungstrainings und versuche zu akzeptieren, dass Du eine Tochter mit besonderen Bedürfnissen hast. Sobald sie sprachlich noch sicherer ist, werdet ihr immer besser miteinander klarkommen, doch Du wirst wahrscheinlich immer wieder ungewöhnliche Wege finden müssen, um den Bedürfnissen Deiner Tochter wirklich gerecht zu werden. Sie ist wahrscheinlich kein "Durchschnittskind", welches dem eingeschränkten Bild eines Kindes entspricht, welches sich anpasst und einfügt. Doch dahinter steckt auch sehr viel Potenzial! Wenn Du Deinen Blick offen lässt, Dich nicht verunsichern lässt, wirst Du dies immer mehr erkennen und Dich sehr an Deinem Kind freuen.

Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Liebe,
Momo
"Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht." Mark Aurel (121-180)
Momo
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Re: 1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

Beitragvon Teekanne » Di 18. Jul 2017, 23:46

Danke euch für die lieben Beiträge… Ich bin sonst kein besonders emotionaler Mensch, aber gerade muss ich echt heulen…, weil ich mich hier mit meinem Problem zum ersten Mal verstanden fühle… Alle in unserem Bekanntenkreis scheinen Einsteigerbabys zu haben und selbst die Familie versucht uns ständig davon zu überzeugen, dass M. ein „ganz normales Kind“ sei und dass „jedes Kind ab und zu mal schreit“… Ich glaube, wenn man es selbst nicht durchgemacht hat, kann man so etwas nicht nachvollziehen.
Ihr macht mir wirklich Mut durchzuhalten, danke dafür!
@BiHa: Da hast du ja völlig recht… Lieber ein neugieriges, wissensdurstiges Kind, als eines, das nicht denken kann… Sage ich jetzt, da die kleine Terroristin schon im Bett ist und ich völlig entspannt am PC hocke… Frag mich morgen zwischen 16 und 17 Uhr :lol: und ich gebe, glaub ich, ne andere Antwort…
Kaffe macht M. auch. Das mit dem Schneiden wird morgen ausprobiert!
@alibaba: Ich glaube auch nicht, dass M. HB ist, nur weil sie so anstrengend ist. In meinen Augen zeigt sie bis jetzt auch keine besonderen „Fähigkeiten“. Das, was die Psychotherapeutin in ihr gesehen hat, wäre mir nicht aufgefallen, weil ich nicht so viel Vergleich zu gleichaltrigen Kindern habe. Sprechen habe ich auch sehr früh gelernt, bin aber keineswegs HB. Ich möchte es bei M. aber auch nicht ausschließen, da ihr Vater HB ist. Ehrlich gesagt geht es mir gar nicht darum, wie hoch ihr IQ mal sein wird, sondern vielmehr, wie ich mit der jetzigen Situation klar komme, ohne dass mein Kind und ich später einen Schaden davon tragen. Und da das Verhalten meiner Kleinen laut Therapeutin den Gleichen Grund hat, wie das vieler HB- Kinder, habe ich gehofft, ausgerechnet hier Hilfe zu finden.
Zur Tagesmutter kam meine Tochter mit 14 Monaten für 3 Vormittage /Woche. Ich hatte damals furchtbar schlechtes Gewissen und fühlte mich als Rabenmutter. Konnte aber auch nicht anders, weil ich mit den Nerven völlig am Ende war. Bis ich gemerkt habe, wie gut es M. tut! Die Eingewöhnung war schnell und völlig problemlos. Sie geht sehr gerne hin, freut sich auf die anderen Kinder. Dort verhält sie sich völlig unauffällig, spielt auch oft alleine. Das gibt mir sehr zu denken. Liegt es an mir als Mutter, dass sie es bei mir nicht tut? Warum ist sie dort ein Lämmchen und zu Hause ein Teufelchen? Warum ist sie bei mir so unglücklich und ständig nur am Jammern?! Mein Mann sagt, wir sollten sie jeden Vormittag hinbringen, wenn sie schon so gerne hingeht, dann wäre auch ich weniger genervt. Aber das ist doch keine Lösung unserer Probleme, wir als Familie müssen doch miteinander auf Dauer klarkommen. Wir können sie doch nicht möglichst viel abschieben, weil sie uns zu anstrengend ist. Wie seht ihr das?
@Momo: Du machst mir richtig Hoffnung… Also bleiben solche Kleinkinder nicht „für den Rest des Lebens“ so. Meine Kleine hat auch sehr früh mit dem Fremdeln angefangen (habe deine Vorstellung gelesen) und bis jetzt schaut sie selbst unsere Bekannte/Nachbarn so an, wie wenn sie eine Handgranate griffbereit in ihrer Hosentasche hätte. Natürlich sorge ich mich als Mutter, dass sie auch als Erwachsene menschenscheu sein könnte oder später keine Freunde findet. Ich freue mich so für dich, dass deine Kleine ihren Weg gefunden hat und nun fröhlich und ausgeglichen ist.
Danke euch nochmal für die bisherigen Beiträge! Das tut unheimlich gut, verstanden und mit den ganzen Problemen ernst genommen zu werden.
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Re: 1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

Beitragvon alibaba » Mi 19. Jul 2017, 09:23

Moin Teekanne,

Na du bist aber lustig. Es ist doch kein abschieben wenn man sein Kind selbst wenn es jeden Tag ist ein paar Stunden zu einer Tagesmutter gibt. Du hast doch viel mehr Kraft in dich auf dein Kind einzulassen wenn du es nur 15 Stunden statt 24 betütern musst. Mich hat die Tagesmutter immer entlastet. Und trotz der bereits vergangenen zehn Jahre haben wir nach wie vor regelmäßig Kontakt.

Du bist doch keine Rabenmutter, wenn du dein Kind ein paar Stunden weg gibst. Ich glaube sogar das es uns Mütter auszeichnet wenn wir das können. :P Nicht so wie dieses ständige aneinander kleben. Du siehst doch dass dein Kind sich bei der Tagesmutter ganz anders benimmt als bei dir zu Hause.

Übrigens mein kleineres Kind benimmt sich woanders auch komplett anders als zu Hause. Man könnte denken es sind zwei Kinder in einem. :schwitz: Da da mein kleines Kind ja jetzt schon Ist habe ich sie mal gefragt warum sie das macht. Als Antwort gab sie mir: "na ihr seid doch meine Eltern". :lol:

Ob dein Kind hochbegabt ist wird sich später herausstellen, dazu ist es jetzt noch zu jung.

Ich war übrigens in dem Alter deiner Tochter mit meinen Kindern ganz viel draußen in der freien Natur. Das tat uns allen gut. Laufrad ins Auto packen, ich meinen Roller dazu und ab in den nächsten Park. Wir könnten dort jeden Grashalm. :mrgreen:

Übrigens: kein Kind direkt einen Schaden davon, nur weil man es zur Tagesmutter gibt. Es trägt auch keinen Schaden davon wenn du es 24 Stunden nicht beschäftigst, sondern mal alle viere gerade sein lässt. Wenn es dir gut geht, geht es auch dem Kind gut, geht es dir schlecht, geht es dem Kind auch schlecht. Ich glaube du musst dich etwas " lockerer "machen. Wie wäre es mit einem zweiten Kind? :mrgreen: Und grundsätzlich ist es immer am wichtigsten wenn man nach seinem Bauchgefühl geht und nicht nachdem was Tante Anna oder der Nachbar macht oder für gut befindet. Alle Kinder sind verschieden, dass eine braucht eben viel Aufmerksamkeit das andere kommt auch ohne damit gut klar. Ich glaube es ist wichtig, dass man nicht auf andere hört sondern nur auf sich selbst und seine individuellen Bedingungen akzeptiert.

Du machst das schon. :P

VG
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Re: 1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

Beitragvon BiHa » Mi 19. Jul 2017, 12:38

Hallo Teekanne,
ich stimme Alibaba zu, wenn es Deinem Kind gut bei der Tagesmutter geht, dann bring sie doch täglich hin. Das ist kein Abschieben. Bei der Tagesmutter lernt sie zum einen andere Menschen/Kinder kennen, zum andern lernt sie mit fremden Situationen zurecht zu kommen. Dass Dein Kind sich zuhause wie ein Teufelchen aufführt, kannst Du gerne als Kompliment betrachten. Deine Tochter fühlt sich bereits von Dir als ganzes angenommen und weiß, dass Du sie auch dann liebst, wenn sie schwierig ist. Übringens musste mein Kind bereits mit einem Jahr Vollzeit in den Kindergarten.

Mein Sohn ist noch heute speziell. Er spricht zwar mit jedem (manchmal mehr als ich mag :D), aber es hat ewig gedauert, bis er alleine irgendwo zum Spielen hingegangen ist. Und woanders übernachten - geht gar nicht. Da darf ich mir auch so manchen dummen Spruch anhören, aber so, wie sich das Problem "alleine zum Spielen gehen" gelegt hat, wird sich auch das Problem des "alleine-Übernachten" geben. Ich weiß einfach, dass in seinem Kopf viele Dinge ablaufen, worüber sich andere Kinder keine Gedanken machen. Der Vorteil dabei ist, dass er sich bisher noch kaum in gefährliche Situationen gebracht hat.

Genieß die Zeit mit Kind genauso wie Du die Zeit ohne genießen kannst und darfst.

LG BiHa
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Re: 1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

Beitragvon Vesajo » Mi 19. Jul 2017, 19:23

Herzlich willkommen!

Deine Tochter liest sich wie eine Mischung aus meinen beiden Kindern.

Meine Tochter löchert uns nach wie vor mit Fragen, die wir weiterhin (sie ist fast 5) nach bestem Wissen und Gewissen beantworten. Mein einziger Tipp hier ist, die Frage hin und wieder zurückzuspiegeln. (was denkst du denn?) Es ist ohne Frage anstrengend, aber freue dich daran, dass dein Kind Interesse an so vielen hat!

Für Schreianfälle ist allerdings mein Sohn zuständig. Er unterstreicht diese gerne mit Kratzen, Hauen und Beißen. Er ist mit seinen fast 20 Monaten ähnlich alt wie deine Tochter. Bei ihm ist es meist Frust, der das Geschrei auslöst. Wenn es nicht nach seinem Kopf geht, es nicht so klappt, wie er will. Und ja, da fliegt auch gerne mal was durch die Gegend.
Ich ertrage sein Geschrei überhaupt nicht. Vielleicht weil er sich als Baby immer wieder eingeschrien hat. Er war dann nicht zu beruhigen. Das bekamen wir in den Griff als wir erkannten, dass das passierte, wenn wir es verpassten ihn rechtzeitig zum Schlafen hinzulegen.
Bei ihm hilft nur erklären, warum etwas jetzt nicht so geht wie er will (geringer Erfolg) und aktives Zuhören (etwas besser)(Danke an Rabaukenmama, ihre Berichte dazu haben mir sehr geholfen!).

Ich würde an deiner Stelle versuchen, sie so viel wie möglich in die Hausarbeut einzubeziehen. Dann bekommst du vielleicht wenigstens ein bisschen erledigt. Und was die Sache mit dem Ignorieren angeht, ich denke die Beraterin meinte, dass M. lernen sollte, auch mal zu warten. Das ist für alle Kinder schwer. Aber wichtig. Nicht eine Stunde. Aber mal eine Minute. Weil du noch auf Toilette musst. Weil du gern einen Schluck Wasser trinken möchtest, etc.

Und zum Schluß: Es wird besser werden. Aber auch dafür brauchst du Geduld! Glaube an dich und an M. Ihr schafft das!
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Re: 1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

Beitragvon Nimoe » Mi 19. Jul 2017, 22:29

Hallo,

ich habe mich auch ganz stark an meine Tochter erinnert gefühlt. Sie war ebenfalls anfangs meist unzufrieden, sehr aufmerksam und anhänglich. Erst mit 19-20 Monaten wurde es besser, als es mit der Kommunikation dann einigermaßen klappte. Und als dann mit 22 Monaten die Puzzle-Phase begann, konnte sie sich sogar eine Weile alleine beschäftigen, auch wenn sie noch lange kein eigenes Zimmer gebraucht hätte. Das Vorlesen ging bei ihr relativ früh, da war mein Sohn ungeduldiger und hört erst einigermaßen zu seit er etwa 25 Monate alt ist.

Also, noch etwas mehr Geduld, es kommt schon noch. :D
Nimoe
 
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Re: 1,5- Jährige, Probleme im Alltag, Hilfe!

Beitragvon Karen » Do 20. Jul 2017, 17:59

Ich kenne alles was du schreibst sehr gut. Vieles war bei uns änlich ausser rythmus, der hat sie immer noch nicht (sie ist 4). Ich konnte sie überall mitnehmen, es dürften aber keine andere kinder dabei sein und sie hat einfach bis 24.00 nicht geschlafen. Bei ihr war noch dazu das problem dass sie sehr schlecht geschlafen hat und fast jede 1-2 stunden wach wurde, später (mit 2) 1-3 mal jede nacht ohne ausnahmen. Und dass bis sie 3 war. Das anstrengend sein: volle aufmerksamkeit, nie ruhig sitzen können, tausend fragen - es ist alles einfacher geworden, ist aber immer noch so obwohl sie schon 4 ist. Mir hat es sehr geholfen zu akzeptieren und erkennen dass sie eigentlich keine probleme hat und ist so wie sie ist. Wir (ich und mein mann) haben aber ein problem und müssen es für uns lösen. Hole dir hilfe! Tagesmutter ist doch super dass es klappt. Meine ging nicht gerne in kita für 2 tage die Woche, musste aber weil wir beide teilzeit arbeiten. Wenn sie gerne geht und ihr es euch leisten könnt - lass sie dort öfter gehen. Kann dich dein Mann an Wochenenden helfen? Deine Eltern?
Praktischen tips: küche - lass sie plastikteller und löffel abwaschen - meine hat es sehr gerne gemacht - ich habe sie mit füssen in abwaschbecken gesetzt, berg teller von ihr und gefragt ob sie mir helfen kan. Das ging als fast einziges in küche gut.
Wenn ich zu müde war - sie hat geringes schlafbedarf, und kombiniert mit unterbrechungen in der nacht war ich chronisch müde - habe ich auch mal einfache trickfilmen wie uki eingeschaltet. Sie dürfte immer schauen so viel sie mag, war aber nie mehr als 15-20 min. Ich konnte in der zeit mal hinliegen oder kaffe trinken.
Und für uns war es immer gut - rausgehen! Immer draussen sein, irgendwo mit zug hinfahren, was unternehmen. Wir haben seit jahren jahreskarte in zoo, technischem museum, hallenbad, trampolin, berge usw. Die tagen waren immer entspanter.
Sie ist übrigens klar weiter in entwicklung als gleichjahrige, konnte mit 3.5 schon einzehlne wörte lesen und verstehen, sie kann alleine skifahren auf grossen pisten, hat vor kurzem schwimmen gelernt und hat unglaubliches Allgemeinwissen - also wir diskutieren gerne über unterschied zwischen magma und lava usw. aber dass mit HB weiss ich nicht und will eigentlich nicht umbedingt wissen. Richtig anstrengend war es bei uns bis 3. Danach habe ich es einfacher gefunden und empfunden.
Und noch was - las die andere reden. Ich habe einfach immer gesagt dass ich kein ratgeber kind habe. Wenn die grosseltern mühsam geworden sind a la tuen nicht so, kind von xy wacht auch noch einmal in der nacht - haben wir sie 2 tagen dorthin geschickt (alleine). Die kommentare haben aufgehört nach dem sie versucht haben mit kinderwagen! mit ihr spazieren zu gehen....
Karen
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