Wutanfälle

besondere Ansätze für besondere Kinder

Wutanfälle

Beitragvon Willow77 » Di 28. Nov 2017, 12:27

Hallo,

Ach ach ach, das hatten wir noch nie. Vielleicht kennt ja einer von euch das:
Unser Mini Nummer 3, nächsten Monat 3 Jahre alt, macht uns nun seit 2 Wochen Tag für Tag für Tag für Tag, mindestens einen Wutanfall, manchmal auch 2, die dann auch mindestens 1 Stunde, manchmal auch 2 oder mehr, andauern! Das schlaucht! Echt!

Ich bleibe bei ihm, versuche ihn zu verstehen, versuche seine Gefühle zu spiegeln, ihn in den Arm zu nehmen, was er aber alles ablehnt. Weg gehen und ignorieren, will er aber auch nicht, alle Wünsche erfüllen, welche die Krise auslösen oder auslösen könnten, kann ich auch nicht, ...

Von Zeit zu Zeit einen Wutanfall aushalten und mit ihm durchstehen, kein Problem. Ein paar mal die Woche, könnt auch noch gehn. Ich dachte immer, ich hätte keine Probleme mit Wutanfällen von so kleinen Minis, sie haben ja auch ein Recht darauf mal ordentlich wütend zu sein. Aber, warum muss das jeden verd***** Tag sein? Was ist die Ursache? Ist es entwicklungsbedingt, und nur eine Phase, und geht vorbei? Oder kann es andere Ursachen haben? Es hat sich aber nichts dramatisch geändert. Nichts, was nicht auch andere Kinder aushalten müssten, nichts an dem wir Eltern immer weiter leiden und emotional arbeiten würden! Ok, im April ist die Oma gestorben, im Juni und Anfang November wurde ich operiert (kleine Op's, ich war nur eine Nacht weg, und habe mich ganz schnell erholt), im Sommer haben wir neue Möbel bestellt, die kommen nächste Woche an, und wir sind daher seit 1 Woche am Kleiderschränke und Spielzeug aus- und umräumen, damit Platz ist, die alten Möbel zu entsorgen und die Neuen einzubauen, nächste Woche. Nichts Plötzliches, alles schön langsam, ohne Stress, Schrittchen für Schrittchen. Reicht das? Wohl kaum. Nicht, um tagtägliches Geschrei zu rechtfertigen

Zu den Wutanfällen, ein paar Beispiele:

Heute im Musikgarten: Er macht wie immer nicht richtig mit, heute spielt er zur Abwechslung mal Roboter. Musikinstrumente werden ausgeteilt, und nach Ausprobieren, reih um weitergereicht. Er weigert sich, sein Instrument weiterzugeben, weil er mit seinem "Roboterspiel" noch nicht fertig ist. Krise, Schreien, Wutanfall. Ich geh mit im raus, damit er sich beruhigen kann, und die Anderen in Ruhe weitermachen können. Die Stunde ist zu Ende, er hat den Schluss schreiend auf dem Gang verbracht, wollte auch nicht wieder rein, doch jetzt schreit er weiter, weil es ohne ihn zu Ende ging. Und weil er nicht nach Hause will, weil er weiter Musik machen will.

Gestern Morgen, als wir die beiden Großen zum Schulbus bringen wollten: Er möchte "das rosa Kleid mit den violetten Knochen" anziehen. Erstens haben wir keine Zeit, der Bus fährt in wenigen Minuten, zweitens, haben wir nicht sofort verstanden, was er überhaupt gesagt hat, drittens, hat keiner von uns auch nur die geringste Ahnung, welches Kleid er da meint! Krise, schreien, beschimpfen. Bis wir am Bus sind. Die beste Freundin meines Sohnes kommt wie immer auch zur Haltestelle. Das passt dem Kleinen heute nicht, sie soll wieder gehen. Er schreit weiter, beschimpft sie, schupst und stößt sie immer und immer und immer wieder. Ich rede auf ihn ein, versuche ihn davon abzuhalten, hilft nix. Ich sage den beiden Großen, da der Bus sowieso schon am Horizont auftaucht, sie sollen das mal alleine machen, und schleppe Mini nach Hause. Das ist auch nicht gut, er will doch da bleiben, bis der Bus kommt, wie immer. Also schreit er dann noch eine halbe Stunde weiter, bis er dann in meine Arme kommt und erschöpft einschläft! Auch jetzt, nach dem Geschrei im Musikgarten schläft er.

Am Samstag hat er eine Stunde und länger geschrien, weil er die fixe Idee hatte, seine Schwester solle doch mit zum Baby-Schwimmen kommen. Das geht aber nicht. Er hat geschrien und getobt, von zu Hause, bis zum Schwimmbad, und weiter, bis der halbe Kurs zu Ende war, meinte mein Mann. Danach hat er aber nicht geschlafen. Also kann es auch nicht nur an Übermüdung liegen.

Die beiden Großen hatten viel weniger bis fast gar keine solcher Krisen. Jedenfalls nicht in dem Alter. Der Große hat erst mit 5 oder 6 mit Wutanfällen angefangen, die dann auch bis heute dauern, aber seltener als DAS!

Was wird mit ihm passieren, wenn er in der Schule so durchdreht? Er geht ab Januar 2018 in die Früherziehung, ab 3 können sie hier in die Früherziehung, bevor sie in den Kindergarten müssen. Und da die Früherziehungs-Klassen hier so gut sind, will ich auch, dass er dahin geht! Aber werden die mir nicht jeden Tag anrufen, oder berichten, dass er schon wieder durchgedreht ist?

So langsam geht mir die Energie und die Geduld aus....

Liebe Grüße
Wllow77
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Re: Wutanfälle

Beitragvon Rabaukenmama » Di 28. Nov 2017, 15:33

Hallo willow,

ich habe hier auch so einen "Wutbürger" zu Hause. In der Zeit von ca. 2 bis 3 1/2 Jahre waren die Wutanfälle täglich, dann wurde es LANGSAM besser und jetzt, mit 5 1/2 Jahren, ist mein jüngerer Sohn bei ca. 2 Wutanfällen pro Woche angelangt. Das mal zum Trost: es wird besser!

Das schlimme bei meinem Sohn ist, dass man, ähnlich wie du das von deinem Mini beschreibst, nichts "richtig" machen kann. Gestern abends war wieder so ein Fall. Angefangen hat es, nachdem wir nach einen entspannten Tierparkausflug am Nachmittag nach Hause kamen. Es war schon dunkel und instinktiv habe ICH im Stiegenhaus das Minutenlicht aufgedreht. DAS war´s! Gekreische, Protestgebrüll, unterstützt von (begärdetem) ICH WOLLTE!!!, kein Schritt war mehr möglich. Meine Entschuldigung - nicht angenommen! Mein Vorschlag, zu warten, bis das Licht wieder angeht - abgelehnt (JETZT will ich nicht mehr!). Und alles in allem: VORWURF, VORWURF, VORWURF! Obwohl ich natürlich weiß, dass ich keinen groben Fehler gemacht habe, ist es sehr zermürbend, weil es immer das Gefühl hinterlässt, eine schlechte Mutter zu sein, bzw. "alles" falsch zu machen.

Leider ist es bei uns so, dass nach so einem Auslöser nur mal eine kurze Zeit Ruhe einkehrt und der kleinste Nach-Auslöser das Ganze wieder ins rollen bringt. War bei uns gestern so, als mein Sohn am Abend, kurz vor dem Zähne putzen, absichtlich eine ziemlich frisch gestrichene Wand mit Edding beschmiert und mich dann noch demonstrativ frech angegrinst hat. Instinktiv habe ich ihm EINEN einzigen Klaps auf die Finger gegeben - und da war der Auslöser für 45min kreischen, um-sich-schlagen, Vorwürfe, dicke Tränen - Weltuntergang unterstützt von Gebärden "Mama, du hast mich geschlagen! Ich mag nicht wenn du mich schlägst! Ich mag es nicht! Du hast mich geschlagen!...". Wer das Ganze von außen beobachtet muss glauben, ich würde mein Kind täglich schwer mißhandeln! Und dann, danach ein endloses hin-und-her-Spiel: "Mama, dreh das Licht ab" wechselnd mit "Ich wollte das Licht abdrehen!" - egal, ob ich was tue und was ich tue, es ist immer falsch!

So gesehen bin ich nur Leidensgenossin und habe kein Geheimrezept in der Tasche. Mir persönlich hat am meisten die Aussage von Remo H. Large (Kinderarzt und Autor der Bücher "Babyjahre" und "Kinderjahre") geholfen: während eines Wutanfalles nicht reagieren und beim Kind bleiben. Das kann leicht als "ignorieren" mißverstanden werden, ist aber nicht so gemeint. Für das Kind ist die Anwesenheit des Papas oder der Mama, die das mit ihm durchstehen, wichtig. Es geht nicht darum, das Ganze zu verkürzen (obwohl ich das SOFORT machen würde, wenn ich was wüsste!) sondern einfach darum, DA zu sein. Das Wissen, das wir da eben (als Familie) durch müssen, hat mir mehr geholfen als jeder (nutzlose) Tipp. Wenn wir zu zweit waren haben wir uns dann "aufgeteilt", das heißt dass einer mit Kleinsohn den Wutanfall durchgestanden hat, während der andere das Familienwerk in Gang hielt. Denn so was ist schon sehr kräfteraubend und man ist total ausgelaugt, wenn es mal vorbei ist.

Ist schwer, ich weiß! Die Zeit, wo das täglich stattgefunden hat, war auch für uns extrem zermürbend. Noch dazu wo wir (ähnlich wie du) so ein extremes Verhalten vom älteren Bruder nicht gekannt haben. Der konnte zwar auch mal wütend aufschreien oder weinen, aber nach spätestens 3 Minuten war alles wieder vorbei! Und ich dachte damals noch, das käme, weil ich so eine nette, geduldige Mama bin :P - naja, dafür habe ich jetzt schon einiges an Abbitte geleistet.
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Re: Wutanfälle

Beitragvon alibaba » Mi 29. Nov 2017, 11:40

Wenn ich mich noch recht erinnere, muss ich anmerken, DAS ist normal.

Kinder machen verschiedene Entwicklungsschritte durch, die sie auch teilweise überfordern. ein solcher Schritt ist das Alter um den Kigaeintritt, das sind 3 Jahre. Als nächstes kommt die Phase der Grundschule, also um 5-6 Jahre herum. Dann kommt die Vorpubertät ab 9 die sich in die Pubertät reinschleicht (erste Blutung der Mädels, Samenerguss der Buben) und häufig kommen diese Phasen mit "Problemen" daher. Nein, nicht bei Jedem und nein, auch nicht überall gleich ausgeprägt, aber klassisch sind sie eben so, wie du sie beschrieben hast. Würde also mal grundsätzlich passen. Es ist im Prinzip die Überforderung des Gehirns, da sich die Synapsen neu verbinden, alte wegfallen.

Ich bin, bei meiner Kleinen, immer bisher gut damit gefahren sie schützend zu ignorieren, bis der Wutanfall beendet ist. Ich bin weggegangen, hab sie aber nie alleine gelassen. also raus aus dem Zimmer, aber alle Türen offen lassen. Ruhig erklären, warum ich es tue. Loben, wenn der Anfall vorüber ist. Wutanfälle waren bei ihr klassisch. Aktuell werden sie besser, das ist interessant wie eben hier die Entwicklung statt findet. Ich hab auch alles abgebrochen, wenn gar keine Möglichkeit der Beruhigung bestand. Dafür hat auch jeder Verständnis. Wutanfall beim anziehen, die Großen müssen dann selber zum Bus laufen, das Kind kommt in sein Zimmer und wird nicht beachtet. Ich hab auch immer im Anschluss mit dem Kind gesprochen und im Konsequenzen des Handels aufgezeigt. Aber ich bin auch sehr durchsetzungsfähig was meine Ansagen betrifft. Wenn ich sage, ich gehe vom Spielplatz, hab ich das dann auch gemacht. Lernten meine schnell. Ich mach das heute noch so.

Das vermeidet keine Wutanfälle, denn die sind entwicklungsbedingt, aber sie lassen sich besser kontrollieren. Probiere was für euch passt.

Viel Erfolg und gute Nerven.
alibaba
 

Re: Wutanfälle

Beitragvon Willow77 » Mi 29. Nov 2017, 13:09

Vielen Dank für eure Antworten. Das beruhigt mich gleich wieder. Ok, ja, es ist normal, und da müssen wir als Familie dann halt durch.

Rabaukenmama, ja ich habe in der Tat schon von deinem kleinen Wutzwerg gelesen hier. Das mit dem nicht reagieren und beim Kind bleiben, das ist das, was wir dann größtenteils auch machen. Weg gehen "darf" ich nicht, reden aber auch nicht.

Koschka: Ja sensibel. das denk ich auf jeden Fall. letztens hatte ich mir eine kleine Wunde am Finger zugezogen und sie mit einem Pflaster zugeklebt. Mini hat das nicht mitbekommen, nur später das Pflaster gesehen. Er wollte natürlich die Wunde sehen. Und fragt mich danach: "Mama, hast du viel geweint?" Auch am Anfang von einem Wutanfall, wenn er noch reden kann, wenn man dann versucht Gefühle zu spiegeln, in der Art: "Wow, ich sehe dass du jetzt sehr wütend bist. Willst du mir zeigen, wie wütend du bist?" Dann antwortet er meist: "Nein, ich bin nicht wütend, ich bin nur seeehr traurig, weil ich xxx nicht darf/bekomme." Das zeigt doch schon, dass er mit Gefühlen - den Eigenen und denen von anderen - etwas anfangen kann. Reizüberflutung? Nun, er ist nun mal das 3. Kind und muss verschiedene DInge einfach mit machen. Dafür ist er ja dann morgens immer nur mit mir zusammen, 3x/Woche sind wir zu Hause, ausser 1x/Woche Musikgarten und 1x/Woche gehen wir einkaufen - nicht in den größten Supermarkt, sondern in den kleinen überschaubaren Bioladen quasi hier um die Ecke.

Verschiedene Wutanfälle lassen sich in der Tat dadurch verkürzen oder schon vor Ausbruch umgehen, indem r einfach bekommt, was er will. Das geht so oft wie möglich, aber halt nicht immer. Wenn wir halt nicht wissen, welches Kleid er meint, Oder der Keks schon aufgegessen ist, bevor er mitgeteilt hat, dass er ihn haben wollte, wenn das Licht schon an ist, oder das Garagentor schon offen ist, bevor er mitgeteilt hat, dass er es machen wollte, ...

In die Früherziehungseinrichtung wird er müssen, wenn auch minimal, da ich selbst noch mal ein wenig die Schulbank drücken werde um Weiterbildung zu machen, damit ich im September 2018 selbst wieder als Lehrerin antreten darf.

Alibaba, ja ihn allein lassen, das ist schwer, wenn er mir hinterher läuft und an meinen Kleidern zerrt. Die Kinder allein zum Bus laufen lassen, wäre in der Tat möglich gewesen; aus der Situation raus gehen, ja, wenn es möglich ist.

LG,
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Re: Wutanfälle

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 1. Dez 2017, 14:32

@Willow77: Von deiner Beschreibung sehe ich jetzt eine "normale", stärkere Trotzphase. Du hast ja nicht geschrieben, wie lange die Wutanfälle deines Mini dauern. Bei Alexander (meinem jüngeren Sohn) geht es von 20 Minuten AUFwärts! Gestern hatte er zwei Wutanfälle, einer 45 und einer 35 Minuten. Und da kann man wirklich GAR nichts richtig machen.

Der erste war, weil ich sein Tablett ausgeschaltet und weggenommen habe - weil er es trotz vorheriger Vereinbarung selbst NICHT gemacht hat. Der zweite war, weil ich ihm die elektrische Zahnbürste weggenommen habe, weil er damit absichtlich erbrechen provozieren wollte. Also - was wegnehmen geht gar nicht. Auch dann nicht, wenn die Konsequenz vorher angekündigt oder noch eine Frist (zum selbst-erledigen) gesetzt wurde! Und es ist sooooo zermürbend! Alles immer begleitet von ohrenbeträubendem Gekreisch, schlagen und wütdendem, sich ständig wiederholendem gebärden "Aber ICH wollte....!!!"

Ist es bei deinem Mini auch so krass? Dann fühl dich mal fest gedrückt und ich wünsche Dir ganz, ganz viel Kraft! Denn die braucht man dazu, das durchzustehen und dann noch irgendwie zu "funktionieren" (mehr ist - zumindest bei mir - dann nicht mehr drin) :fahne: .
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Re: Wutanfälle

Beitragvon Willow77 » Mo 4. Dez 2017, 10:06

@Rabaukenmama:
Ja, so 10-20 Minuten wären an sich gut auszuhalten. Es kann aber auch mal 2 Stunden und mehr dauern.
Beispiel 1 vor ein paar Monaten, als die Ausbrüche noch selten waren: Wir waren auf dem Bauernhof. Es war Zeit zu fahren, um die beiden Großen von der Schule abzuholen. Mini wollte nicht, er wollte sich noch einmal die Ziegen anschauen. Da ich nicht auf einen Wutausbruch gefasst war, habe ich erklärt, und ihn doch in seinen Autositz gesetzt. Als er realisiert hatte, dass es nichts mehr wird mit den Ziegen, fing er an zu schreien und zu toben, so gut man eben fest angeschnallt im Autositz toben kann. 30 Minuten lang. Dann schlief er ein, 2 Minuten bevor wir zu Hause waren. Ich holte den Kinderwagen von drinnen, und wollte ihn schlafend vom Autositz in den Kinderwagen setzen/legen. Das gent normalerweise, wenn er bis schläft, schäft er wie ein Stein. Diesmal nicht. Er wachte auf, und tobte weiter. Ziegen Ziegen Ziegen, zurückfahren, jetzt gleich, Ziegen! Bis zur Schule, wo uns alle anderen Kleinkinder, die auf ihre Geschwister warteten angestarrt haben, was auch nicht gut war und noch mehr Schreien und Toben ausgelöst hat. Die beiden Großen kamen, gingen noch in die Schulbibliothek um Bücher zu tauschen. Mini tobte weiter. Wir gingen dann noch zum Spielplatz, und er tobte den ganzen Weg bis dahin weiter. Da hat er sich dann beruhigt: insgesamt fast 2 Stunden mit 2 Minuten Unterbrechung dazwischen.

Beispiel 2 letzte Woche im Bioladen. Er wollte ein Stück Wurst an der Fleischtheke, die Dame war aber nicht schnell genug es ihm zu geben. Die gute Laune sank schon. Dann wollte er ein Croissant, welches mein Mann und ich ihm ausgeschlagen haben, weil wir noch genug Süßkram zu Hause haben. Das Stimmungsbarometer fiel noch mehr. Nun wollte er an der Käsetheke ein Stück Käse, welches er auch schnell bekam. Es war aber nicht die Käsesorte, die er wollte. Wutausbruch. Er stand vor der Käsetheke und brüllte. Ich habe versucht ihn raus zum Auto zu tragen, wo er sich dann aber losreißen konnte, um schnurstracks wieder zur Käsetheke zu rennen. Da hat er dann weitergebrüllt, bis mein Mann ihn ins Auto gebracht hat. Weiter gebrüllt bis wir zu Hause waren. Und da noch ein bisschen weiter. Bestimmt eine Stunde Gebrüll im Ganzen.

Was nun neu ist bei den Wutausbrüchen, ist, dass er jeden, der ihn anschaut, beschimpft. In der Art: Du sollst mich nicht so anschauen, du Blödi!!

Die letzten 3 Tage gab es keinen Wutausbruch.
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Re: Wutanfälle

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 4. Dez 2017, 12:34

Postare85 hat geschrieben:Die Beschreibung von Rabaukenmama passt 1:1 auf meinen kleinen Bruder und wie er damals war. Wirklich. Und ich kann sagen, dass es bei ihm reine Trotz-Reaktionen waren, weil er sich damit meistens durchsetzen konnte, also hat er es immer wieder gemacht. Irgendwann mal fing meine Mutter dann an, ihm zu zeigen, dass das zu nichts führt und kurze Zeit später hörte es auch auf.

Ist natürlich keine allgemeingültige Aussage, sondern nur eine persönliche Erfahrung.


Ich halte ich eigentlich für sehr konsequent, also kann "es" das bei meinem Sohn nicht sein. Ich kapiere nicht, dass es einmal problemlos klappt mit "Jetzt gehen wir Zähne putzen" und einmal ein 45minütiger Wutanfall folgt, wo doch TROTZDEM immer die Zähne geputzt wurden (leider auch manchmal mit Gewalt meinerseits).

Da ist mir die Reaktion des älteren Bruders, der erst einmal ca. 1-3 Minuten brüllt, bevor er doch zum Zähne putzen geht, noch wesentlich lieber. Warum er brüllt. obwohl er weiß, dass er trotzdem putzen muss, weiß ich aber auch hier nicht. Vielleicht ist es irgendwie sein Part vom Abendritual :P .
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Re: Wutanfälle

Beitragvon Willow77 » Fr 19. Jan 2018, 16:25

Kleines Update,

Die Wutanfälle bei Mini 3 haben sich komplett gelegt. Ich glaube im Nachhinein war es einfach nur Stress und Unsicherheit, weil ich im November nochmals operiert wurde, weil er bald 3 Jahre alt sein würde und dann der Schulstart (Früherziehung) anstand, weil kurz vor seinem Geburtstag der Nikolaus kam. Es waren einfach ganz viele Dinge gleichzeitig.

Nun ist er die 3. Woche in der Schule, und es läuft gut. Er ist der Letzte der nachrücken durfte, und somit der absolut Jüngste in der Klasse. Trotzdem fühlt er sich pudelwohl, redet die Lehrerinnen unter den Tisch (er, der so lange gar nicht richtig geredet hat, der eben erst seit einem halben Jahr überhaupt in halbwegs verständlichen Sätzen redet!). Er beteiligt sich am Unterricht, er erzählt viel, er malt (!!!! Das tut er zu Hause nie), er spielt mit den anderen Kindern, und und und..... Kurz: DIe Lehrerinnen sind begeistert von ihm.

Wir gehen auch nach wie vor in den Musikgarten, aber leider leider leider, mag er nicht mehr so recht. Kann es sein, dass ihn die Lieder da nicht mehr interessieren/langweilen? Weil er zu Hause ja auch schon ganz andere Lieder mitsingt, wie zum Beispiel "Hänsel und Gretel", oder das Knochen-Lied von Graf Zahl aus der Sesamstraße.

Auch überrascht er uns manchmal mit Erlebnissen, an die er sich erinnert, die aber teilweise mehr als 6 Monate zurückliegen, und an die wir uns schon nicht mehr erinnern konnten. Wie die Namen der Fels-Schluchten durch die wir im Sommer gewandert sind. Oder die vielen Dino-Namen die er weiss.


Ich möchte hier aber gerne noch ein Update von Nummer 1 beifügen:
Es ist und bleibt eine Achterbahn Fahrt mit ihm. Sowohl von seinen schulischen Leistungen her als auch von seinem Benehmen her. Er ist und bleibt anstrengend und schafft es im Moment jeden Tag einen von uns Eltern total gegen sich aufzubringen. In der Schule leistet er mal hervorragende Arbeit, mal macht er überhaupt nix. So kann ich auch nicht einschätzen, wo er nach dem 6. Schuljahr hinsoll. (Bei uns fängt das "Lycée" erst nach dem 6. Schuljahr an.) Mein Mann meint, das Hauptproblem in der Schule sei wohl, dass er sich noch nie wirklich hat anstrengen müssen in seinem Leben. Im flog einfach alles immer so zu. Reden, laufen lernen, Bobbycar fahren, Dreirad, Tretroller, Fahrrad, ... alles konnte er einfach plötzlich. Am Verstehen von den schulischen Inhalten liegt es auch nicht. Er versteht sehr wohl. Er hat nur keinen Bock auf Üben und Wiederholen zur Festigung des Stoffes. Wird er immer ein Minimalist bleiben und versuchen mit einem Minimum an Leistung weiterzukommen?
Ach, er treibt uns noch in den Wahnsinn.

Aber so bleibt es spannend, und wenigstens wechseln sie sich ein wenig ab in ihren schwierigen Phasen, und sind nicht alle 3 gleichzeitig irgendwie anders drauf.

Nummer 2 ist zur Zeit ein relativ braves und angepasstes Mädchen.

LG,
Willow77
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