Mit Drei wie ein Teenager?

besondere Ansätze für besondere Kinder

Re: Mit Drei wie ein Teenager?

Beitragvon Melpa » Do 24. Mär 2011, 12:59

Das allerwichtigste in der Erziehung von Kindern ist, sie in ihren Bedürfnissen wahrzunehmen. Ich selbst habe ein Kind, welches schon von klein auf mehr wahrgenommen hat als sie zur jeweiligen Zeit emotional verkraften konnte. Daraus entwickelten sich große Ängste. Diese hat sie heute noch. Nicht mehr so ausgeprägt, aber sie sind da. Die kann man auch nicht mit Ängsten von anderen Kindern vergleichen. Sie gehen tiefer, fast schon Ängste um die eigene Existenz. Mir hat man oft vorgehalten, dass ich zu sehr auf mein Kind eingehe, dass ich sie verwöhne. :? Dabei mache ich eigentlich nichts anderes als ihre starken Bedürfnisse ernstzunehmen. Ich sehe nicht darüber hinweg und ich lasse mich auch nicht darauf ein, dass Kind eben dadurch muss. Ich glaube wirklich, dass man ein Kind mehr stärkt, wenn man es ernst nimmt wie wenn man ihm jegliche Schwäche abspricht. Es ist wirklich bedauerlich wie kleinen Kindern gesagt wird, sie dürfen nicht weinen, sie dürfen nicht über Ängste sprechen oder gar, dass diese Ängste Humbug wären und es überhaupt nie Grund gäbe, überhaupt eine Angst zu verspüren. Diese Kinder suchen sich später andere Ventile für ihre Ängste, so z.B. Aggression, Überheblichkeit, Machtspielchen.

Ich schließe mich Dir völlig an Heiner. Ich verlasse mich in solchen Fällen auf mein starkes inneres Gefühl. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht.
Melpa
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Re: Mit Drei wie ein Teenager?

Beitragvon bine1977 » Mi 4. Mai 2011, 10:13

Hallo,
auch ich kenne das bei Ärzten; bei uns hat geholfen, dass wir vorher über die anstehende Untersuchung im Detail gesprochen haben bzw. hilft heute noch.
Notfalls hab ich vorher angerufen und gefragt, wie's abläuft. Mir war das Vertrauen meines Kindes da wichtiger, als das ich für blöd gehalten wurde. Heute ist ein Arztbesuch kein Problem. Manchmal fragt er halt, ob ich denn noch mit reinkomme, schließlich sei er ja groß (5 J.) :lol: .
Einmal als man ihn beim HNO einfach schnappte bin ich sogar eingeschritten und hab die Praxis auf Nimmer-Wiedersehen verlassen. Mir nützt es dem Falle nämlich gar nichts die Autorität auf Kosten der Angst vor Ärzten durchzusetzen. Und mal ganz ehrlich; wer lässt sich denn von Euch gerne untersuchen?
Deswegen war es mir ganz wichtig, dass sie begreifen, dass eine Untersuchung eine Notwendigkeit zur Hilfe/Check ist.

LG Bine
bine1977
 

Re: Mit Drei wie ein Teenager?

Beitragvon ankaki » Mi 4. Mai 2011, 10:30

Hallo,

zum Thema "mit Drei wie ein Teenager" kann ich nur folgende kleine Geschichte erzählen.
Als Töchterlein gerade 3,5 Jahre alt war, in ihrem Zimmer am Spielen war und ich kam, um sie etwas zu fragen, da sagte sie zu mir: "Weißt du, Mama, ich hätte eigentlich lieber, dass ihr anklopft, wenn ihr in mein Zimmer kommt." Und spielte weiter. :)
Ich war total baff, denn aus meiner Kindheit kenne ich das gar nicht, bei uns waren die Türen immer auf, erst in der Jungend haben meine Eltern dann angeklopft. UND SIE WAR 3!!!
Aber na gut, nach dem ersten kleinen Schock haben wir das dann so respektiert und nach einigen Wochen hat sie dann gemeint, wenn ihre Tür aufsteht, dann können wir auch rein. Aber wenn die Tür zu ist, dann möchte sie ihre Ruhe haben und dann sollen wir bitte anklopfen.
Von uns hat sie das nicht! Erstaunlich, fand ich! ;)

LG!
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Re: Mit Drei wie ein Teenager?

Beitragvon Julia1985 » Mi 4. Mai 2011, 13:53

ich hatte das glück in j. seiner krippe an einem sehr interessanten vortrag teilnehmen zu dürfen und da ging es genau darum. es hat einen grund das sie uns wie pupertierende teenys vorkommen.
während der pupertät laufen chemische prozesse im körper und im gehirn ab und in der trotzphase sind im gehirn ähnliche dinge im gang. sie finden sich und ihre persöhnlichkeit in dieser zeit und wollen wissen wo sie hingehören und da hilft eigendlich nur aushalten und unterstützen.

heiner ich hab auch gedacht das j. nicht trotzen wird aber da kommt jedes kind hin und wir wurden eines besseren belehrt. die "heiße phase" ist meist erst zwischen 3 und 4 und da ist deine kleine ja noch nicht. bei uns ging es wirklich 1 woche vom j. 3. geburtstag los. aber ich finde trotzdem gut wie ihr das mit der maus macht, trotzen wird sie aber sicher trotzdem.

mitlerweile haben wir auch möglichkeiten gefunden in solchen momenten miteinander umzugehn. j. sagt dann das er wütent oder traurig ist und braucht dann erstmal ein paar minuten um sich zu fangen, dann erst können wir darüber reden und das tun wir auch. mir war wichtig das er auch lernt auszudrücken was gerade ist und das er auch die möglichkeit hat für sich zu sein (wenn er das möchte) aber auch das er weiß das wir ihn immer lieben auch wenn er mal wütent auf uns ist oder anders herum. das hat uns zumindest sehr geholfen. klar trotzt er immernoch aber so ist es für alle beteiligten einfacher.
Julia1985
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Re: Mit Drei wie ein Teenager?

Beitragvon heinerprahm » Mi 4. Mai 2011, 16:00

MINIME hat geschrieben:Hallo,
ich hab gerade Einiges im Forum gelesen, jedoch noch nichts gefunden zu dem Thema welches unsere Nerven strapaziert.
Unsere "Große" Tochter wird demnächst drei Jahre alt. Und wie so viele Eltern finden wir sie sehr pfiffig, trauen uns aber nicht mit jemandem darüber zu reden. In der Überblicksliste im Infobereich haben wir sie nun in vielen Punkten wiedergefunden. Mal sehen, ob das mit der Intelligenz so bleibt.
Was meinen Mann und mich oft ratlos macht, ist Helenas emotionale Entwicklung. Es scheint uns manchmal, dass sie aufgrund ihrer Intelligenz teilweise emotional reifer ist, als sie seelisch verkraften kann. Ihr Kinderarzt hat sie mal aufgrund ihrer Angst vor ihm als unreif bezeichnet, aber ich glaube sie bekommt einfach mehr mit, erinnert sich an Impfungen... Mit 18 Monaten sah sie mal einen Jungen im Karussell weinen. Tagelang ging das "Junge weint!". Eine Freundin hat in einen Spielzeugkrankenwagen eine Puppe mit "aua Fuß" gelegt -- KAtastrophe, noch Wochen später bei jedem Besuch hat Helena sich erkundigt. Und heute hat sie eher selten "normale" Trotzanfälle, wie man sie bei anderen Kindern sieht. Oft haben wir den Eindruck mit einem Teenager zu kämpfen. Wenn sie Streit sucht, läuft sie provokativ zehn Meter hinter uns, schmollt in ihrem Zimmer, ignoriert uns, zieht hinter unserem Rücken Grimassen, knallt die Türen, machts heimlich ua. Durch unsere Ratlosigkeit geraten wir dann oft in eine Eskalation, bei der dann die ganze Familie rumbrüllt.
Falls diese Probleme jemandem vertraut vorkommen, würde ich gerne dazu etwas hören.

Grüsse MINIME



Hallo Minime,

unsere Tochter ist 2 Jahre 3 Monate alt und verhält sich seit ein paar Monaten exakt so wie Du das beschreibst (ein echter "Tennie"), derzeit ist hier Achterbahn und das von heute auf morgen, Windeln werden strikt und unter Protest abgelehnt (Babysache) "Ich selber Pippi", dass klappte, aber auch auf Anhieb und seit 2 Wochen "ohne" Probleme … jetzt ist "Baggerphase", gegenüber wird gebaut, mit schweren Baumaschinen, die sie aus ihrem Wimmelbuch kennt (jeder Bauabschnitt wir ausführlich erläutert, wenn wir nicht verstehen holt sie ihr Buch)… aber wenn ich das so schreibe ist das alles sehr "relativ" "man" kann sich auch alles einbilden, daher lieber Statements von anderen Müttern aus ihrer Musikschule (da ist die Grundstufe von 24 – 48 Monaten) … alle Eltern meinten zu meiner Frau, also sie ist doch (oder wird gleich) bestimmt schon 48 Monate, da kann sie doch in den nächsten Kurs … (das sie faktisch dort die Jüngste ist, (und die ganze Zeit (wirklich absolut perfekt, ob wohl nur zufällig gesehen "Stichwort BabyBorn") das Starwars Theme aus der VW Passat Werbung vor sich hinsummt) wollte wirklich niemand glauben !!! .. aber DAS ist SO)

Aber all das ändert nichts an der "Fähigkeit mit den eigenen Emotionen umzugehen" und das erlernt "man" und da haben auch hochintelligente Kinder vor allem in diesem Alter erhebliche Schwierigkeiten und DA kommst Du ins Spiel, genau da bist Du verantwortlich, Du musst die fehlende Balance ausgleichen UND ehrlich, wenn Du das schon wahrnimmst, dann höre bitte nicht auf die Meinungen Anderer, weil die werden so was niemals verstehen !

Liebe Grüße und euch alles Gute …

Heiner
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Re: Mit Drei wie ein Teenager?

Beitragvon Winnie » Di 24. Mai 2011, 00:22

Ich weiß gar nicht, was ihr alle habt, das ist doch ganz normal! Wir haben letztens im Kindergarten noch darüber gesprochen, dass sich diese Stimmungsschwankungen in der Trotzphase bei Mädchen und Jungs doch sehr unterschiedlich auswirken. Die Mädchen werden zickig und launisch, die sind beleidigt und sie grenzen sich ab, was ja auf Grund ihrer noch unausgegorenen Reife und sprachlichen Unzulänglichkeit oft noch körpersprachlich erfolgen muss. Es wirkt dann eben auch sehr schroff. Andererseits, wenn die Kinder dann in der Pubertät sind, wirft man ihnen vor, sie würden sich benehmen wie im Kindergarten.

Rein logisch muss man sich vor Augen halten, dass mit steigender Intelligenz auch eine gewisse Arroganz einhergeht, die sich auch körperlich ausdrückt. Wo die Kinder diese Arroganz her haben, diese Frage darf jeder für sich selber beantworten. :mrgreen: Amelie hat mit 2 1/2 mal zu ihrem Papa gesagt: "Das interessiert mich nicht die Bohne, was du sagst." :lol: Den Spruch hat sie von meiner Mutter!

L. ist jetzt 23 Monate alt, knallt mit den Türen, ruft "Raus hier!" oder "Es reicht jetzt!" "Geh weg!" und noch so nette Sachen.

Ich habe mal im Spielkreis einen 7jährigen gesehen, der sich mit einem anderen Jungen und das Spielpad von der Wii gestritten hat. Er war wütend und schleuderte seinem Widersacher entgegen:"Du bist ein unglaublich mieses ETWAS!" :lol:

A. hat neulich mit ihren 5 Jahren zu einem Jungen im Kindergarten gesagt:"Wer hat dich denn gefragt?!" <--- Mein Mann, O-Ton.

Ich würde sagen, eine ganz normale Entwicklungsphase, die sich anders äußert, weil die Kinder andere Vorbilder nachahmen. @ankaki: Welches Kind mit 3,5 kann diesen Satz normalerweise überhaupt aussprechen? Vielleicht denken andere Kinder so, aber sie kriegen es überhaupt nicht über die Lippen. A. hatte mit 3 mal eine Phase, da durften wir nicht mit ins Bad, wenn sie auf der Toilette war. Da wollte sie dann alleine sein. Bei anderen Kindern wäre dieses Szenario gar nicht denkbar, weil die Kinder entweder selbst noch Windeln tragen oder sich noch nicht alleine die Hose hochziehen können. Die brauchen auf jeden Fall einen Erwachsenen bei sich.
"Entschuldigung, ich habe nur kurz fantasiert." meine große Tochter, 4 Jahre alt (inzwischen 9 geworden)
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Re: Mit Drei wie ein Teenager?

Beitragvon Laika1 » Mi 27. Jun 2012, 14:42

Hallo.

ich sehe das genauso. Meine kleine (mittlerweile 6 jahre alt) hatte auch ihre bockige phase, was vollkommen normal ist. Wie stark diese ausgeprägt ist und wie sie zum Vorschein kommt, ist von Kind zu Kind unterschieldich. Allerdings konnte ich auch das schon bei viele Kindern selbst beobachten.
Ich würde aufjedenfall die Ruhe bewahren, die Phase wird sich bald legen und dann beginnt eine neue ;) aber gebt bloß nicht allzu oft klein bei, denn das könnte konsequenzen geben. :schwitz:
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Re: Mit Drei wie ein Teenager?

Beitragvon rayaofwakefield » Mi 6. Feb 2013, 14:35

Ich glaube, das hat nichts mit HB oder "schlauerem Kind" zu tun, sondern ist ganz normal die zweite Trotzphase. Die erste haben die Kinder etwa mit ein/eineinhalb Jahren, die zweite beginnt meist um den 2.Geburtstag herum. Ich finde das Verhalten eigentlich ganz normal. Die Kinder testen ihre Grenzen, nehmen sich selbst mehr wahr. Was das Erinnern an Impfungen betrifft - dazu gehört auch keine HB, Kinder erinnern sich meist an für sie schlechte Erlebnisse. Langsam lernt das Kind auch, sich emotional in andere hineinzuversetzen. Manche lernen das früher, andere später.
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Re: Mit Drei wie ein Teenager?

Beitragvon Koschka » Do 7. Feb 2013, 12:20

...bei manchen Kindern gehen die Trotzphasen vom 1. Lebensjahr bis zum Erwachsenwerden kontinuerlich, sie heißen nur jedes mal anders :lol:
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Re: Mit Drei wie ein Teenager?

Beitragvon Sunshine N » So 10. Feb 2013, 12:45

Koschka, das gefällt mir :D
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