Ängste

mein "kluges Kind" macht mich fertig: negative Erfahrungen und Erlebnisse

Ängste

Beitragvon Antonia » Di 25. Okt 2016, 21:56

Liebes Forum,

meine Tochter wird bald 9 und ist hochsensibel und intellektuell ziemlich weit, vor allem in Sprachen. Wir haben sie bisher nicht testen lassen, weil sie eine sehr verständnisvolle Lehrerin hat, die ihr so viele Freiheiten wie möglich einräumt, ein Segen.

Was uns grad zu schaffen macht, sind Ängste, die sich verselbständigen. Heute waren wir beim Arzt, der ihr Blut abnehmen wollte - sie hat schwitzend, zitternd, brüllend und völlig außer sich das Krankenhaus zusammen geschrieen. Da bricht dann was in ihr zusammen, sie hat keinerlei Kontrolle mehr über sich. Der Arzt, der von ihrer Eloquenz und Reflektiertheit völlig überrumpelt war, sagte mir hinterher, so dermaßen heftig hätte er das noch nie erlebt, wir sollten uns überlegen, ob wir uns nicht Hilfe holen wollen, damit sie lernt, mit solchen Situationen umzugehen.

Ich schwanke da immer zwischen "mach keinen Wind, alles ist gut" und zwischen "bisschen genauer hingucken kann doch nicht schaden". Der Arzt meinte, vielleicht ist sie so unterfordert, dass sie sich ständig selbst beobachtet (und das tut sie, jeder kleine Mucks in ihrem Körper ist Anlass zur Auseinandersetzung damit, jede Schramme wird vorgezeigt und bewertet und genauestens in Schutz genommen...), wir waren bei ihm wegen Bauchschmerzen, die evtl. wirklich keine organische Ursache haben. Er sagte, ihre Klugheit sei ein Riesenschatz, aber so, wie er sie beim Blutabnehmen erlebt habe, berge sie aber eben auch die Gefahr, dass sie zu wenig Bodenhaftung hat. Auf jeden Fall ist das ein großes Thema bei uns, zumal mein Mann und ich auch eher sensibel und kopfig sind.

Was tun? Kennt Ihr Ansätze zur Behandlung von Ängsten bei Kindern? Therapeuten aufsuchen? Doch auf HB testen lassen? Aber was soll das bringen? Mehr fordern (äh... noch mehr??)? Gibt es gute Bücher für Kinder, die ihnen helfen, Ängste zu bewältigen? Es geht nicht nur um das Blut abnehmen, sondern insgesamt ist sie sehr gut darin, Szenarien im Kopf sehr groß zu machen, die gar nicht da sind, und daraus Ängste zu machen. Vor allem will sie sich dann nicht von mir trennen, nicht bei den Großeltern schlafen (da schläft sie 1x in der Woche, seit sie 1 ist), nicht in die Schule gehen, nicht draußen spielen...

Freue mich über Ideen, Gedanken, Anregungen... was auch immer.

Vielen Dank!

Antonia
Antonia
 
Beiträge: 35
Registriert: Do 14. Mär 2013, 17:22

Re: Ängste

Beitragvon alibaba » Mi 26. Okt 2016, 08:15

Hallo,

also was ich schon mal ausschließen kann, das Ängste mit einer HB im Zusammenhang stehen. Das ist Quatsch.

Mein Großkind hat als jüngeres Kind immer alles übertrieben. Jede Schramme wurde zur Beinamputation. Das ging soweit, das ich das Theater dann gar nicht mehr beachtet habe und fremde Leute dem armen wild um sich schreienden Kind geholfen haben, weil sie die Größe der Verletzung zum dargestellten Drama nicht erahnten. Mein Kind hat sich theatralisch auf dem Boden gewunden, Ihr macht Euch keine Begriffe. Jahrelang. Jetzt ist er 12 und hat sich besser unter Kontrolle.

Mein Kindklein hat Angst in Schüben, vor allem Möglichen. Aktuell mal wieder beim reiten und vor drei Tagen rief sie meinen Mann hoch, da säße jemand in ihrer Schaukelhöhle. :o Super! Nächstes Jahr muss sie zum impfen und kündigt jetzt bereits an, da nicht hingehen zu wollen, sie habe übermächtige Angst vor Spritzen! Hä? :shock: Die hat Angst vor jeglichen Tieren. Da war uns eine Katze zugelaufen, die sollten wir unbedingt behalten, Kind gab ihr bereits einen Namen und besorgte Futter. aber anfassen, dem Tier zu nahe kommen - NIE im Leben! :schwitz: Gestern hinterfragte sie die Geschichte mit den Horrorclowns und wollte dann am Abend nicht mehr im dunklen raus.

Also hier kriegt man die Kriese. Ich schließe an dieser Stelle die Argumentation mit einer HB aus! Definitiv!

VG
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 2811
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Re: Ängste

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 26. Okt 2016, 12:11

Auf HB testen lassen bringt mal gar nichts in Bezug auf Ängste. Abgesehen davon, dass ich alibabas Meinung teile, dass beides nichts miteinander zu tun hat, wollt ihr - wenn ich das richtig verstanden habe - ja keine Erklärung für die Ängste sondern eine Lösung.

Von der Erzählung sehe ich nichts ungewöhnliches, außer dass euch die Aussage des Arztes verunsichert haben dürfe. Wie viel arbeitet der Arzt mit Kindern, dass es für ihn so ungewöhnlich ist, ein Kind mit großer Angst vor dem Blut-abnehmen zu haben? Wenn es ein erfahrender Kinderarzt ist, der vielleicht auch noch selbst Kinder hat, und er hat in vielen Jahren schon hunderten von Kindern Blut abgenommen und kennt sich auch in Kinderpsychologie aus - dann würde ich die Aussage anders bewerten als wenn es ein praktischer Arzt ist, der hie und da mal ein Kind zum Blut abnehmen hat und von Kindern und deren Verhalten wenig Ahnung hat.

Ehrlich - wenn der Arzt auf Grund einer VERMUTETEN Hochbegabung glaubt, das Kind könnte "zu wenig Bodenhaftung" haben, dann klingt das für mich eher wie ein persönliches Vorurteil und nicht wie eine profunde Diagnose.

Wie sieht deine Tochter die Situation beim blut-abhnehmen? Kann sie rückblickend sagen, was sie empfunden hat? Es kann auch sein, dass das Mädchen, obwohl es sehr klug ist, seine Empfindungen nicht richtig in Worte fassen kann. Die Beschreibung hört sich für mich sehr dramatisch an, so, als wäre sie richtig panisch gewesen? Wie wurde in der Situation vom Arzt und den anderen Beteiligten agiert? Wurde ihre Angst vor dem Blut-abnehmen erkannt? Wurde sie ernst genommen und angehört? Hatte sie die Möglichkeit, "runterzukommen" oder einen wurde in Betracht gezogen, die Blutabnahme zeitlich zu verschieben? Oder wurde einfach ein Programm (vielleicht noch mit Ablenkungsmanövern) durchgezogen, ohne auf ihre Signale zu achten? Wenn euch diese konkrete Situation Sorgen macht lohnt es sich, darüber nachzudenken.

Sonst sehe ich in dem Beitrag keinen Hinweis auf ungewöhnliche oder behandlungsbedürftige Ängste. Das sich befassen mit dem Körper (jede Schramme wird genau begutachtet) ist mMn ganz normal, das beschäftigen mit Körperfunktionen auch. Und Kinder wie Erwachsene sind nun mal unterschiedlich schmerzempfindlich (früher nannte man das"wehleidig"). Da weist für mich nichts auf behandlingsbedürftige Ängste hin.

Die anderen beschriebenen Verhaltensweisen, dass sich die Tochter nicht von dir trennen, nicht bei den Großeltern schlafen, nicht draußen spielen will, weist mMn darauf hin, dass irgendwas nicht stimmt. Ob es - wie ihr vermutet - unbegründete Ängste sind, oder ob das Mädchen was konkretes erlebt bzw. gesehen hat, was es jetzt verschreckt, geht daraus nicht hervor. Wenn es schon immer so war weist es eher auf diffuse Ängste bzw. große Zurückhaltung hin, wenn es früher anders war dann ist eher ein konkreter Vorfall der Auslöser dieses Verhaltens.

Ich erinnere mich da an eine Phase, wo mein damals 5jähriger Sohn plötzlich sehr verschreckt und ängstlich war - ganz anders, als ich ihn bis dahin kannte. Es dauerte einige Tage bis er mir erzählte er habe in der Hüpfburg beim Kinderfest mit einem älteren Buben geredet. Der habe ihn gefragt wie als er sei und als mein Sohn "5 Jahre" geantwortet hat meinte der Bub zu ihm "Wenn du 6 Jahre wirst musst du sterben!". Das ging dann tagelang im Kopf meines Sohnes herum - kein Wunder dass er auf einmal viel nachdenklicher und zurückhaltender war! Nachdem wir ausführlich darüber gesprochen hatte kam er doch zu dem Punkt, wo er mir glauben konnte, dass dieser fremde Bub einfach nur Blödsinn geredet hat und er natürlich nicht sterben muss.

Bei Deiner Tochter finde ich wichtig, dass ihr Bedürfnis nach Nähe ernst genommen und wenn möglich befriedigt wird. Vielleicht ergibt sich auch mal ein Gespräch, wo das Mädchen davon erzählen will, was ihm Angst macht. In dem Fall ist ganz wichtig, erst mal nur zuzuhören, ohne gleich zu beruhigen, ermutigen oder Lösungen anzubieten. Wenn mal wirklich ALLES ausgesprochen ist finden deine Tochter IHRE Lösungen selbst.

Übrigens wurde mein Sohn vor zwei Wochen von der Zahnärztin unverrichteter Dinge heimgeschickt weil er so viel Angst hatte, dass er den Mund absolut nicht aufmachen wollte. Natürlich hat mich das nicht gerade begeistert (schließlich hat er 2 Löcher in den Zähnen, die plombiert werden sollen), aber die Ärztin war so klug, zu erkennen, dass in der Situation Programm-durchziehen keinen Sinn hat. Man muß dazu, sagen dass mein Sohn vorher schon 1/2 Stunde im Behandlungsstuhl gesessen ist und die ganze Zeit die Bohrer angestarrt und so seine Ängste aufgebaut hat. Nicht gerade eine ideale Ausgangssituation für ein ohnehin schon ängstliches Kind!

Uns wurde eine Klinik empfohlen wo Zahlbehandlungen bei Kindern unter Vollnarkose gemacht werden. Hat mich nicht sonderlich aufgebaut weil ja bekannt ist dass jede Narkose das Gehirn beeinträchtigt. Zu Hause meinte mein Sohn dann zu mir, er wolle es noch mal bei der Zahnärztin, wo wir waren, versuchen. Er versicherte mir, dieses Mal ganz tapfer zu sein und den Mund aufzumachen. Daher habe ich in einer Woche einen neuen Termin vereinbart - wir werden sehen, was rauskommt ;) !
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2003
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: Ängste

Beitragvon Antonia » Mi 26. Okt 2016, 19:55

Liebe Alibaba, liebe Rabaukenmama,

vielen Dank für Eure Ideen. Ich antworte mal abschnittsweise:

Das beruhigt mich ungemein, dass auch andere Kinder ihre Schrammen so zur Schau stellen. Mir ist das oft regelrecht peinlich - letztes Halbjahr hat sie keine Note in Sport bekommen, weil sie so oft ausgestiegen ist wegen irgendwas. Aber klar, sie ist sehr schmerzempfindlich, und ich habe manchmal den Eindruck, dass sie nicht weiß, was sie tun soll, wenn sie sich weh getan hat - für sich sorgen oder drauf pfeifen? Wäre ja sehr schön, wenn das irgendwann für sie selbst unattraktiv wird…

Der Arzt ist Chefarzt einer pädiatrischen Station in einem großen Krankenhaus, er wird also eine Menge Kinder in ähnlichen Situationen erlebt haben. Er schien mir von Hochbegabung wenig Ahnung zu haben, aber trotzdem hat mich überrascht, wie überrascht er war. Und zwar von beidem: der Sprache meiner Tochter und ihrer Haltlosigkeit beim Blutabnehmen. Er hat das toll gemacht, wir hatten 45 min Zeit, um sie zu beruhigen, wir durften selbst bescheid sagen, wann sie soweit ist, sie hat ein Betäubungspflaster bekommen... trotzdem, hat alles nichts genützt. Seine Rückmeldung an uns war: Was für ein Geschenk, dass sie diesen schlauen Kopf hat, und was für eine Differenz zu dieser heftigen emotionalen Reaktion. Vielleicht braucht sie Unterstützung, um sich selbst zu regulieren? Das fand ich gut, weil ich fiel damit anfangen konnte. Sie ist so emotional, so extrem rauf und runter, so wenig geerdet. Wie soll das in der Pubertät werden…?

Deine Idee, Rabaukenmama, sie jetzt nochmal zu fragen, wie es ihr beim Blutabnehmen ging, finde ich gut. Die anderen Ängste sind sehr diffus, aber mächtig - sie baut sich so schnell in ihrem Kopf was zusammen, von dem sie zwar selbst merkt, dass es irgendwie abstrakt ist, aber das nützt ihr gar nichts - die Angst ist trotzdem da. Wie ferngesteuert. Sie hat ganz viel Nähe zu uns, zu den Großeltern, wird vielleicht eher zu viel umsorgt als zu wenig - ach, ich weiß es nicht. Daher dachte ich, dass vielleicht ein neutralerer Blick von außen helfen könnte. Aber wenn, dann sicher besser jemanden, der sich mit HB und HS auskennt, sonst gibt es wieder dieses Fremdeln und Staunen, das uns ja nun mal überhaupt nicht weiterhilft. Wir versuchen es hier mit so Sachen wie: möglichst viel selbst machen lassen, Sport zum Austoben, viele Freiräume zum Spielen und Lesen und so. Vielleicht ist das auch alles nur meine Zweifelei - ich find es schwierig, immer wieder von Menschen auf sie angesprochen zu werden, auch oft mit so einem seltsamen Überhöhen, dieses Staunen halt. Wir sind ja keine Marsmenschen. Puah.

Übrigens hatten wir den Fall mit dem Zahnarzt auch. Und erster Zahnarzt hat uns völlig falsch beraten, ein Loch aufgebohrt und offen gelassen (O-Ton: Da müssen Sie dann jeden Abend mit einem Zahnstocher die Speisereste rausholen) und zwischen den Backenzähnen nicht gesehen, dass überall die Zähne zu eng standen und es Karies gab. Als das Loch offen war, war natürlich alles zu spät - meine Tochter völlig panisch, die Zähne taten weh, das Loch wurde von Zahnfleisch überwuchtert… ein Grauen. Die Kinderzahnärztin in der Großstadt schaute einmal in den Mund meiner Tochter und wußte sofort: zwei Zähne ziehen, vier füllen, Vollnarkose. Vielleicht ist die Lage bei Euch nicht so schlimm, aber wir waren ohne jede Alternative. Und die Narkose war zwar krass, aber dann war so schnell alles gut, dass wir sehr erleichtert waren. Wir seitdem in dieser großartigen Kinder-Zahnarzt-Praxis, wo wirklich alles ganz wunderbar auf die Kinder eingestellt ist. Ich drück Euch die Daumen, dass es mit weniger Aufwand klappt!
Antonia
 
Beiträge: 35
Registriert: Do 14. Mär 2013, 17:22

Re: Ängste

Beitragvon alibaba » Do 27. Okt 2016, 10:35

Ängste kommen, Ängste gehen. Therapiewürdig sind sie nur, wenn man sie nicht mehr kontrollieren kann und die Angst das Handeln bestimmt. Das sehe ich hier aber nicht. Eine Lösung für Ängste gibt es nur, wenn man weiß, wie die Angst zustande kam. Bei einem Zahnarzt ist das relativ einfach, da weiß man nämlich den realen Auslöser, warum aber ein Kind nicht bei Oma oder Opa schlafen will, wird es schon schwieriger. Da oft der Grund nicht "sichtbar" ist. Das zu lösen ist schon schwieriger - finde ich. :schwitz:

Gegen diffuse Ängste "hilft" bei uns ignorieren und auch ab und zu die autoritäre "Faust auf den Tisch". Es wird geimpft, Ende! Es tut weh, aber kurz. Ende! Gegen die hier aktuellen Clowns-Ängste hilft Aufklärung meinerseits, gegen die hier aktuelle Spinnenangst hilft nur der eigene nicht hysterische Umgang damit. :lol: Und gegen die aktuelle "Ich-kann-ja-vom-Pferd-fallen-Angst" helfen die Longe und eine erfahrene, in sich ruhende, Trainerin. ;)

VG
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 2811
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Re: Ängste

Beitragvon Momo » Do 27. Okt 2016, 11:02

Hallo Antonia,
welche Frage sich mir bei Deinen Schilderungen stellt ist- wie habt Ihr Eure Tochter auf den Zahnarztbesuch oder auf das Blutabnehmen vorbereitet??? Meine Tochter ist auch hochsensibel. Ich habe sie vor einem wichtigen Arztbesuch und wenn ich wusste, dass z.B. Blut abgenommen werden muss, jedes Mal sehr ehrlich und klar vorbereitet. ich habe ihr den Ablauf erklärt und meistens auch schon mal die Situation durchgespielt. D.h., ich habe mit ihr, als eine Blutabnahme anstand, Blutabnehmen gespielt. Mit einem wirklichen zarten Piks und allem was dazugehört. Das Gleiche beim Zahnarztbesuch. Ich habe ihr erzählt, was der Zahnarzt machen wird. Denn sie hat auch sehr eng stehende Zähne und auch bei ihr wurden zwei Löcher in den Zwischenräumen festgestellt, die gebohrt und gefüllt werden mussten, Und es stand auch bei uns eine Narkose im Raum. Doch letztendlich haben wir mit ihr ganz ruhig gesprochen und gemeinsam entschieden, dass sie es ganz normal beim Zahnarzt und auch erstmal ohne Betäubung versuchen möchte. Ich war auch platt, mir kamen fast die Tränen, als ich meine kleine tapfere Tochter ganz entspannt auf dem Zahnarztstuhl liegen sah und diese ganz cool mitmachte. Und ausnahmsweise habe ich ihr natürlich auch eine Überraschung versprochen, wenn alles gut funktionieren sollte. So kam es, dass sie von einer OP mit Vollnarkose beide Löcher in zwei Sitzungen ganz ohne Betäubung und ohne jegliche Angst (davor hatte ICH nämlich Angst) überstand und weiterhin gerne zum Zahnarzt geht. Der Ursprung dafür ist meiner Meinung nach die gute VORBEREITUNG!!! Sie brauchte keine Angst zu haben, weil sie genau wusste, was sie erwartet und dann lassen sich auch Schmerzen kurz aushalten.

Wir habt Ihr also Eure Tochter vorbereitet?

Momo
"Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht." Mark Aurel (121-180)
Momo
Dauergast
 
Beiträge: 976
Registriert: Mo 13. Jan 2014, 22:49

Re: Ängste

Beitragvon Momo » Do 27. Okt 2016, 11:56

Entscheidend zum guten Gelingen haben natürlich auch die Ärzte beigetragen! Besonders wichtig war dies beim Zahnarzt, der unsere Tochter wirklich sehr ernst genommen hat und ihr auf Augenhöhe alles erklärt hat, was er gerade macht oder vorhat. Jeden Bohrer durfte sie sich vorher anschauen etc. Das war uns im Vorfeld sehr wichtig- geeignete Profis auszusuchen und hier haben wir natürlich auch unsere Tochter und ihr Gefühl mit in die Wahl einbezogen. Fühlt sie sich wohl, vertraut sie dem Zahnarzt? Das spüren Kinder sehr genau und sollte in jedem Fall ernst genommen werden!!!

Und noch ein letzter Tipp, um weiteren Löchern in den Zähnen vorzubeugen, gerade bei eng stehenden Zähnen- Zahnseide!!! Gibt es auch für Kinder und funktioniert prima!!

Liebe Grüße von Momo
"Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht." Mark Aurel (121-180)
Momo
Dauergast
 
Beiträge: 976
Registriert: Mo 13. Jan 2014, 22:49

Re: Ängste

Beitragvon Antonia » Do 27. Okt 2016, 16:11

Liebe Momo,

das war sicher eine Mischung von allem möglichen bei uns. Deine Idee mit der Vorbereitung finde ich an sich gut, habe aber mit meiner Tochter die Erfahrung gemacht, dass das Kopfkino schon längst läuft, bis ich bemerkt hab, was los ist. Sie hat uns inniglich gebeten, den Begriff "Blutabnehmen" bloß nicht zu erwähnen... beim letzten Arztbesuch wußte ich nicht, dass das auf uns zukommen würde, wir waren zum ersten Mal da und viele der Werte, dachte ich, kann man sowieso nur bestimmen, wenn man nüchtern hingeht, und wir hatten keine Order dazu. Also: Überraschung! Dann allerdings hatten wir viel Zeit, da waren alle um uns rum super. Trotzdem war ihre Angst so mächtig, dass sie kaum zugänglich war. Ein bisschen hat geholfen, sie sich körperlich aufrichten zu lassen und die Fäuste zu ballen, und die Idee, dass sie als Forscherin da dran geht und sich alles genau anschaut - aber das waren spontane Versuche, die eh schon desolate Situation zu retten.

Ich finde das toll, was Du von Deiner Tochter und dem Zahnarzt beschrieben hast. Inzwischen kann meine Tochter das beim Zahnarzt auch, obwohl sie Angst hat (und Zahnseide ist das Einzige, was vorbeugen hilft, das haben wir dann auch entdeckt, leider eben sehr spät). Das liegt im Wesentlichen an der tollen Ärztin.

Und diese Sachen wie "nicht bei den Großeltern schlafen" kommen immer nur abstrakt, vorher, solange sie sich noch nicht mit der echten Situation auseinander setzen kann, sondern in ihrer Fantasie unterwegs ist. Sobald sie die Großeltern sieht, "erinnert" sie sich an ihre tiefe Liebe zu ihnen und die Sorgen sind weg. Daher dachte ich ja, dass ihre Ängste irgendwas mit einem verselbständigten Kopf zu tun haben - wir haben bisher nichts gefunden, was dann zu ihr durchdringt. Sie ist dann sehr eng, gar nicht mehr beweglich (klar, Streß macht eng, aber so eng?), beißt sich richtig fest. Da würde ich ihr gern helfen können, hätte gern Ideen, wie sie sich selbst regulieren kann. Ich bin nicht sicher, ob es sinnvoll ist, nach einem Grund für die Angst zu suchen - ich glaube nicht, dass er linear in der Situation zu finden ist (also: Angst vor Nacht bei den Großeltern - daher muss es was mit den Großeltern zu tun haben). Mir scheint es eher um tiefere Fragen zu gehen, oder um sowas wie eine Sorge davor, eine Lage nicht bewältigen zu können. Fehlende Selbstwirksamkeitsüberzeugung?

Puh. Also, wenn jemand von Euch Therapeuten/Beraterinnen/Körperarbeiter oder so kennt... das würde ich am ehesten mal ausprobieren.
Antonia
 
Beiträge: 35
Registriert: Do 14. Mär 2013, 17:22

Re: Ängste

Beitragvon Momo » Do 27. Okt 2016, 22:00

Liebe Antonia,
ich würde Dir gerne helfen, kenne mich mit dieser Thematik jedoch leider nicht aus. Doch ganz grundsätzlich zum Thema Selbstwirksamkeit: Darf sie im Alltag selbst Dinge entscheiden, vertraut Ihr ihren Fähigkeiten, werden Ihre Gefühle ernst genommen und kann sie dadurch lernen, kompetent und selbstwirksam zu sein? Genau dadurch werden Kinder ja auch darin unterstützt, ein Selbstgefühl und ein Gefühl für ihre Selbstwirksamkeit zu entwickeln. Wie geht Ihr in unsicheren Situationen mit Eurer Tochter um? Nehmt Ihr sie und ihre Sorgen ernst (davon gehe ich aus) ? Darf sie Angst haben? Wie verhaltet Ihr Euch in dieser Situation, wenn Eure Tochter Angst hat? Macht Ihr Druck oder seid Ihr verständnisvoll (Druck verschlimmert die Angst sicherlich). Hat sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit bestimmten Dingen (wie Spritzen, Schmerzen, Dunkelheit etc.) gemacht? Ich finde es auffällig, dass sie gar nicht über das Thema Blutabnehmen reden wollte. Das heißt für mich, dass sie dies schon mit etwas Negativem verbunden hat. Vielleicht könntest Du sie in einer entspannten Situation fragen, wie sie sich in diesen Situationen, in denen sie Angst empfunden hat, genau gefühlt hat und was sie gedacht hat. Vielleicht hat sie selbst eine Idee, wie Ihr ihr in diesen Situationen helfen könnt?
Schwierig, aus der Ferne Ratschläge zu geben. Ich hoffe sehr, dass Ihr einen guten Weg findet!!!

Liebe Grüße von Momo
"Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht." Mark Aurel (121-180)
Momo
Dauergast
 
Beiträge: 976
Registriert: Mo 13. Jan 2014, 22:49

Re: Ängste

Beitragvon alibaba » Fr 28. Okt 2016, 10:54

Hallo,

ich kenne keinen Therapeuten der Angst bei so jungen Kindern "bekämpft". Ich finde nämlich und da gleichen sich hier manche Threads, das man mit 9 Jahren einfach Angst haben darf, auch vor den Großeltern und vor dem Zahnarzt oder einen Spritze oder einer Spinne. Ist doch normal. Nicht jeder muss todesmutig sich von der Brücke, an einem Seil hängend, fallen lassen, davor habe ich auch Angst. Angst ist nur therapiebedürftig, wenn sie einen lähmt. Wenn ich also beim Opa schlafen muss (weil Mama vielleicht krank ist), davor aber Angst habe. Oder wenn ich fliegen muss, davor aber Angst habe. Vor vielen Ängsten kann ich mich auch schützen. Wenn ich nicht bei Oma und Opa schlafen muss, dann schlafe ich da eben nicht. Oder ich springe eben nicht von der Brücke. :mrgreen: Angst kann ja auch sehr wertvoll sein, sie schützt uns vor "dummen" Dingen.

Ich glaube nicht das man für alles und jedes einen Therapeuten braucht. Manchmal sind wir einfach so wie wir sind. Manche brauchen einfach die Zeit um sich an die Ängste zu gewöhnen. Manche schaffen es nie, sich zu lösen. Aber wenn ich es nie fliegen muss, dann brauch ich auch meine Angst davor nicht mühsam zu überwinden.

Ich erinnere mich noch gut, das ich früher im Angst hatte in den Keller meiner Großeltern zu gehen. Oder vor dem schlafen habe ich immer unter dem Bett nachgesehen, ob da auch keiner liegt. :schwitz: Jetzt lache ich über solche Ängste für mich. Ganz von alleine sind die gegangen. Ich glaub manchmal ist weniger ja mehr. Es war früher nicht so schlecht, das wir nicht allumhegt von unseren Eltern wurden. Die hatten damals eine ganz andere Wahrnehmung auf uns. Das war nicht immer schlecht, so wie es war, nicht so dicht dran. ;)

VG
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 2811
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Nächste

Zurück zu die Kehrseite der Medaille

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast