klug aber bissig

Probleme und Lösungen für den Kindergartenalltag

klug aber bissig

Beitragvon augustmama » Fr 2. Feb 2018, 13:20

Hallo,

ich erhoffe mir von euren Erfahrungen Hilfe, da ich nicht mehr weiter weiß und bedanke mich schonmal für eure Rückmeldungen.

Mein Sohn (3,5 J.) besucht seit einem halben Jahr den Kindergarten. Bereits in der Krippe gab es manchmal Phasen, in der er andere Kinder biss. Oft die, die ihm am nächsten waren. Auch uns hat er damals gebissen. Meinen Mann mehr als mich. Reden, erklären haben nichts gebracht. Nach jedem Beißen gab es direkt eine klare Ansage, dass sowas nicht geht.

Jetzt im Kindergarten hatte er auch eine Beißphase. Wieder seinen "besten" Freund. Es kommt aus dem nichts. Wenn man ihn fragt warum er das gemacht hat, kann er nichts sagen oder er erfindet irgendwelche Sätze, die null zu unserer Frage passen. Im Kindergarten kriegt er dafür eine 2-minütige Auszeit. Das haben nun auch zuhause so übernommen: sobald er uns schlägt gibts eine Auszeit. Ich greife da härter durch, mein Mann ist eher sanft und erklärt es ihm mit unendlicher Geduld. Es bringt alles nichts. Manchmal sagt er wenn ich ihn im Kiga abhole "Mama, heute hab ich nicht gebissen!" Ich reduziere meine Arbeitszeit extra und hole ihn direkt nach dem Mittagessen ab, obwohl wir einen Ganztagesplatz haben.

Seine Frusttoleranzgrenze war schon immer unterirdisch. Beim Anziehen flippt er aus sobald der Knopf s.B. harkt, aber er spielt 3 Stunden lang Lego. Da ist seine Geduld schier unendlich.

Nun zu seinen "guten" Seiten ;) er hat einen sehr, sehr großen Wortschatz und kann überdurchschnittlich gut für sein Altern sprechen. Bestätigen auch die Erzieher. Hin und wieder haben wir mit Entwicklungsstottern zu kämpfen. Das kommt und geht immer mal wieder. Er spielt Lego, was erst von 6-12 oder sogar ab 7 Jahren ist. Er breitet alle Kleinteile vor sich aus, guckt in die Anleitung, holt ohne Hilfe direkt das richtige Stück und weiß auch immer genau wo es hinkommt. Er puzzelt problemlos Puzzle ab 6 oder 7 Jahren. Auch randlose. Er kann mir manche Geschichten oder manches Erlebte im Detail auch Tage später noch erzählen. Er erzählte vom Spaziergang am morgen und machte dabei immer die richtigen Handbewegungen passend zu den Richtungswechseln beim Laufen (der Weg war mir bekannt). Die Erzieher berichten mir davon, dass er problemlos Spiele spielt, die die Vorschulkinder teilweise nicht hinkriegen. Er kann bis 10 fehlerfrei zählen, mit einem Fehler auch bis 12. Er interessiert sich jetzt auch für Buchstaben. Ich soll ihm Sachen auf Verpackungen vorlesen. Ein mal vorgelesen merkt er die sich für immer. Er zeigt mir überall immer dieselben 3 Buchstaben, sobald er sie entdeckt. Einer davon ist der Anfangsbuchstabe seines Namens.

Er spielt lieber alleine, braucht sehr lange um mit anderen Kindern "warm" zu werden, aber dann funktioniert es super. Konsequenzzusammenhänge scheint er nicht zu verstehen. "Bsp: wenn du noch einmal die Brotscheibe durch die Luft wirfst, ist das Abendessen zu Ende." zack, fliegt die Brotscheibe noch 3x. Wenn er gehauen hat und es eine Auszeit gibt, scheint es mir manchmal er "freut" sich über die Auszeit. Er sieht es nichts als Strafe. Oft habe ich das Gefühl man kann ihn nicht "bestrafen".

Ich habe gelesen, dass kluge Kinder oft emotional und kognitiv Schwächen haben. Ich will vor allem, dass das Beißen aufhört. Ich bin dabei hilflos. Wir lesen täglich mit ihm Bücher, weil er das so gerne macht. Wir loben ihn wenn er Sachen gut macht. Wir sagen ihm täglich, wie lieb wir ihn haben und kuscheln viel.

Aber scheinbar ist das alles egal. Kommt euch manches bekannt vor? Habt ihr Ratschläge? Er beißt nicht, weil er sich nicht ausdrücken kann.

Vielen Dank!!!!
augustmama
 
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Re: klug aber bissig

Beitragvon Twochild » Fr 2. Feb 2018, 16:17

"Bsp: wenn du noch einmal die Brotscheibe durch die Luft wirfst, ist das Abendessen zu Ende." zack, fliegt die Brotscheibe noch 3x. Wenn er gehauen hat und es eine Auszeit gibt, scheint es mir manchmal er "freut" sich über die Auszeit.


Spontan fällt mir auf, dass er die Brotscheibe noch 3x werfen kann. Da würde dann meiner Meinung für ihn die Konsequenz fehlen und er sucht solange danach, bis es eine gibt. Oder meinst du ein drittes Mal?

Wenn er sich über die Auszeit freut, würde ich überlegen, ob er sich dadurch vielleicht aus einer gewissen Reizüberflutung zurückziehen kann. Oder wirkt es eher so, dass er sich "freut" weil er verlegen/unsicher ist?

In Bezug auf das Beissen würde das heißen, dass ihm in dem Moment durch zu viele Reize die Impulskontrolle fehlt und er sich so seine "Pause" holt.

Wilde Theorien. Kannst du damit was anfangen?

Grüße
twochild
Twochild
 
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Re: klug aber bissig

Beitragvon augustmama » Fr 2. Feb 2018, 23:04

Nein das mit dem 3x Werfen hab ich falsch ausgedrückt. Anderes Bsp.: wenn du jetzt nicht aufhörst mit xy, gehen wir nach hause. Dann sagt er : "nach Hause gehen."

Dass er sich aktiv durchs Beißen eine Pause nimmt... So hab ich das noch gar nicht gesehen. Danke für den Hinweis :) stimmt, könnte auch eine Möglichkeit sein.

Danke! Liebe Grüße
augustmama
 
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Re: klug aber bissig

Beitragvon augustmama » Fr 2. Feb 2018, 23:06

Er scheint mir schon sehr klug zu sein für sein Alter. Geht das oft mit sozialen/emotionalen Defiziten einher? Hab ich letztens gelesen.
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Re: klug aber bissig

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 2. Feb 2018, 23:33

augustmama hat geschrieben:Er scheint mir schon sehr klug zu sein für sein Alter. Geht das oft mit sozialen/emotionalen Defiziten einher? Hab ich letztens gelesen.


Wo hast du das gelesen? Würde mich echt interessieren, denn ich höre immer wieder dass wer so was gelesen hat, habe aber noch keinerlei ernst zu nehmende Beweise (seriöse Studien) dazu gefunden! An sich haben kluge bzw. hochbegabte Kinder nicht öfter soziale Defizite wie durchschnittlich oder minderbegabte Kinder. Und 3 1/2 jährige, die andere Kinder beißen, sind nicht so selten. Im Kindergarten meines älteren Sohnes gab es zwei "bissige" Kinder, ob die auch HB waren weiß ich aber nicht ;) .

Bei klugen Kindern ist es nur manchmal so, dass soziale Unangepasstheit (die durchaus altersgemäß ist!) anders aufgenommen wird, weil die Einstellung "Der xxx ist doch so klug, der müsste das schon wissen/verstehen/können" vorherrscht. Ein 3 1/2jähriges Kind, welches intellektuell auf dem Stand eines 6jährigen ist, bleibt aber trotzdem 3 1/2 Jahre alt!

augustmama hat geschrieben:Nein das mit dem 3x Werfen hab ich falsch ausgedrückt. Anderes Bsp.: wenn du jetzt nicht aufhörst mit xy, gehen wir nach hause. Dann sagt er : "nach Hause gehen."

Dass er sich aktiv durchs Beißen eine Pause nimmt... So hab ich das noch gar nicht gesehen. Danke für den Hinweis :) stimmt, könnte auch eine Möglichkeit sein.


Ich glaube eher dass dein Sohn durch freiwilliges einlenken (er macht bzw. "will" von sich aus das, was als Strafe angekündigt wurde) sein Würde bewahren will. Von Jesper Juul gibt es dazu einige interessante Ansätze. Im Buch "Leitwolf sein" berichtet er z.B. von einem 3jährigen Jungen, der seine kleine Schwester immer ärgert und auch körperlich attakiert. Die Eltern wissen sich schließlich nicht mehr zu helfen und schicken ihn jedes Mal, wenn das passiert, in sein Zimmer. Daraufhin ändert er seine Strategie, zieht seine Schwester erst mal kräftig an den Haaren, und geht dann selbst in sein Zimmer. Erklärung: das Problem des Kindes ist, dass es sich gegenüber der Schwester zurückgesetzt fühlt. Durch das wegschicken empfindet es das als noch stärker. Es hat keine andere Möglichkeit, die Wut darüber auszulassen, als die Schwester anzugreifen, will aber nicht deshalb wieder von den Eltern abgelehnt oder (durchs aufs-Zimmer-schicken) gedemütigt werden, also verpasst es sich seine Strafe selbst...

Was das beissen bei deinem Sohn betrifft, so würde ich es nicht so thematisieren, also in den Mittelpunkt der Gespräche stellen. Wenn dein Sohn stolz erzählt, dass er heute nicht gebissen hat, ist ein "Das freut mich aber sehr!" genug des Lobes. Wenn es ihm doch wieder passiert ist kann man zwar versuchen, im Gespräch, die Ursachen herauszufinden, sollte aber nicht immer wieder darauf zurückkommen. Damit meine ich auch, nicht neben dem Kind z.B. am Telefon zu erzählen, dass es wieder gebissen hat. Mein älterer Sohn (sehr klug, aber mit ASS und daher sozial "schwierig") hat so Dinge, die dich immer wieder erwähnt habe, anscheinend unbewusst forciert. Je weniger ich über das, was bei seinem Verhalten NICHT gepasst hat, mit ANDEREN (also meinem Mann, am Telefon,... ) gesprochen habe, desto seltener sind diese Verhaltensmuster geworden. Da musste ich aber erst mühsam draufkommen. Bei uns war es nicht so einfach, Sohnemann hatte mal eine Zeit, wo er Fäkalien an die Wände geschmiert hat, und das nicht nur zu Hause sondern auch im Kindergarten und bei den Großeltern :twisted: . Besser wurde es, als ich es nur noch exklusiv MIT IHM besprochen und nicht jeder Vertrauensperson brühwarm davon berichtet habe.
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Re: klug aber bissig

Beitragvon charlotte12 » Sa 3. Feb 2018, 15:26

@Rabaukenmama:
Wo hast du das gelesen? Würde mich echt interessieren, denn ich höre immer wieder dass wer so was gelesen hat, habe aber noch keinerlei ernst zu nehmende Beweise (seriöse Studien) dazu gefunden!

Ob die Studie seriös ist, kann ich nicht beurteilen, spannend finde ich sie auf jeden Fall: https://www.hochbegabtenhilfe.de/hochbe ... toerungen/
Wenn ich es richtig verstanden habe, postulieren die dort, dass bei Hochbegabten und übrigens auch AD(H)Slern die Reduktion der Cortexdicke im Gehirn messbar nachhinkt, und dass bestimmte Schwächen bei diesen Kindern auf diese Weise erklärbar seien.
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Re: klug aber bissig

Beitragvon augustmama » So 4. Feb 2018, 08:47

Ja denselben Link hatte ich auch gefunden. Bzw. gab es einen kleineren TV-Bericht über ein Hochbegabtenzentrum. Darin hatte die Leitung den "Zusammenhang" nochmal erwähnt.

Wenn er mir eine ins Gesicht klatscht, dass es richtig knallt und meine Brille 2m weiter liegt, gibts eine Auszeit. Gleichzeitig schreit er in der Situation so schrill, dass einem wirklich danach die Ohren pfeifen. Im Gespräch mit Pädagogen und Erzieherin sagen alle, dass es dann ein ganz klares Zeichen geben muss, dass sowas nicht geht. z.b. Auszeit oder aufn Boden setzen und ins andere Zimmer gehen.

Ich hoffe es wird besser wenn sein kleiner Bruder bald in der Krippe ist, damit seine Eifersucht endlich nachlässt, so nach dem Motto "Wieso muss ich in den Kiga und DER darf zuhause bei Mama bleiben?"

Ich werde versuchen das "Über-ihn-reden" zukünftig zu lassen. Er hört nämlich vieles über mehrere Zimmerecken, obwohl er weit weg sitzt. Vielleicht wird es dann besser.

Ich möchte hauptsächlich, dass das Beißen aufhört. Denn die Mutter des "Opfers" ist leider nicht auf demselben "geistigen Niveau" wie ich. Das ist nicht arrogant gemeint, sondern ernsthaft. Sie ist der Meinung, dass man das Beißen selbstverständlich von heute auf morgen beenden kann und wir würden nur nichts dafür tun. Und so lange sie das denkt ist es sinnlos mit ihr vernünftig zu sprechen. Dass es eine Mutter schlecht ertragen kann wenn das eigene Kind gebissen wird kann ich nachvollziehen!! Es will keine Mutter, dass ihrem Kind weh getan wird. Wenn ich es abstellen könnte würde ich es natürlich sofort tun. Dass es eine Phase ist und nicht eine einmalige Aktion ist genannter Mutter auch nicht klar. Sie spricht von "Körperverletzung" und ich würde ja schließlich auch nicht beißen wenn ich Frust habe....... Ähh, ja, richtig....

Vielen Dank für eure Tipps!! lg
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Re: klug aber bissig

Beitragvon Bliss » So 4. Feb 2018, 11:53

augustmama hat geschrieben: Sie spricht von "Körperverletzung" und ich würde ja schließlich auch nicht beißen wenn ich Frust habe....... Ähh, ja, richtig....



Und es ist ja auch eine Körperverletzung. Da hat sie doch vollkommen recht. Niemand muss sich beißen lassen, auch kein Kleinkind.

Dass man als Eltern nicht viel machen kann, wenn das eigene Kind in der Betreuung beißt ist auch klar, aber dann müssen das halt die Betreuer in den Griff bekommen. Jedenfalls Achselzucken und ist halt eine Phase würde mir auch nicht langen.
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Re: klug aber bissig

Beitragvon augustmama » So 4. Feb 2018, 12:12

Es ist keine Körperverletzung im juristischen Sinne. Und verklagen kann sie mich dafür auch nicht. Natürlich braucht sich niemand beißen lassen! Beißen ist absolut sch...... Es ist aber auch nicht so als würd ich sagen Hopp mach mal, ist ja sonst langweilig. Außerdem unterscheiden Kleinkinder laut Erziehern nicht zwischen Beißen, kratzen und hauen. Aber beißen sieht man im Nachhinein, wenn ein Kind ein anderes mehrmals haut sieht man das nicht.

Wir unternehmen im Übrigen weit mehr als "Achselzucken und es ist halt eine Phase". Das muss ich hier nur nicht breittreten.

Hat sonst noch jemand eine konstruktive Idee? Wer hatte dasselbe Problem und durch was verschwand es wieder?

Herzlichen Dank für euer Feedback
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Re: klug aber bissig

Beitragvon mamma42 » So 4. Feb 2018, 12:58

Unserer hat auch in der Kita gebissen, besonders viel mit 1,5.
Ich vermute mal, dass er in seinen persönliche Rechten verletzt wurde, es aber den anderen Kindern (zwar 1 Jahr älter, konnten aber weniger sprechen) nicht anders klarmachen konnte. Ausserdem war er wahrscheinlich gefrustet.
Da er zu dieser Zeit bei der Eingewöhnung eingeteilt war (Eingewöhnung von neuen Kindern wurde immer morgends in einer Kleingruppe gemacht und da waren dann alle kinder bis 3 Jahre, während es sich insgesamt um eine gemischte Grupe von 1-6 handelte), ich hatte ihn gebeten, morgends aus dieser Gruppe rauszunehmen, dann hats sofort aufgehört. Mit den älteren gabs nie Probleme (4-6jährige)
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