Handeln oder nicht?

Probleme und Lösungen für den Kindergartenalltag

Handeln oder nicht?

Beitragvon EinfachLeben » Mi 5. Sep 2018, 21:47

Meine Tochter wird im November 4 Jahre alt und besucht seit einem Jahr den Kindergarten. Ich kenne meine Tochter als sehr aufgeschlossenes, lebensfrohes Kind, die aus jeder Situation das Beste macht... Nachdem nun das Kindergartenjahr wieder angefangen hat, möchte sie aber nicht mehr hingehen. Das letzte Kindergartenjahr endete damit, dass sie öfter mal in die Hose gemacht hat (macht sie Zuhause nie) und immer von irgendwelchen körperlichen Unwohlsein berichtete (Bauchschmerzen). Es gibt dort auch sehr nette Mädchen in ihrem Alter, aber ich habe das Gefühl, dass meine Tochter sich von denen immer mehr abwendet - in Erzählungen berichtet sie vor allem von den Vorschulkindern... Die Erzieherinnen meinten, dass sie halt zu den Kindern zählt, die gerne beobachten. Ich versuche ihr "Unwohlsein" Zuhause aufzufangen und auszugleichen, in dem ich ihr Dinge anbiete, die sie gerne macht (Sudokus, Vorschulblöcke, Bastelarbeiten, ...).
Nun sitze ich hier und habe Angst, dass meine Tochter genauso "anders" wird wie ihr älterer Bruder. Würdet ihr versuchen, an der Situation etwas zu ändern oder würdet ihr einfach alles so weiterlaufen lassen? Irgendwie habe ich Angst, die Situation überzubewerten, allerdings möchte ich meine Tochter auch nicht leiden lassen...
Wie würdet ihr das handhaben?

Einen ganz herzlichen Gruß schickt
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Re: Handeln oder nicht?

Beitragvon Rabaukenmama » Do 6. Sep 2018, 17:02

Hallo Einfachleben!

Die erste Frage ist mal: KÖNNTE man an der Situation was ändern? Denn wenn das ohne viel Aufwand möglich ist, würde ich es versuchen. Zum Beispiel mal ein Gespräch mit den Kindergärtnerinnen suchen udn einfach fragen, ob es möglich wäre, dass deine Tochter mal "zur Probe" bei den Vorschulkindern dabei sein und mitmachen darf. Wenn das möglich ist ausprobieren und bei Gefallen beibehalten ;) . Wenn es klappt kann es nicht schaden und wenn nicht ist es wieder rückgängig zu machen. Also eine relativ risikofreie Veränderung und nicht so tiefgreifen, wie z.B. ein Kindergartenwechsel.

Meiner Meinung nach richtet sich die Fragen "handeln oder zusehen?" in erster Linie danach, wie oft und häufig das Kind Leidensdruck bzw. psychosomatische Beschwerden hat. Ist das schon über mehrere Wochen täglich oder mehrmals wöchentlich der Fall, finde ich schon, dass man - wenn man die Möglichkeit hat - was verändern sollte (siehe Vorschlag oben). Du sieht dann ohnehin schnell, ob die Erzieherinnen in der Hinsicht offen sind oder nicht.

Die Veränderung kann auch so aussehen, dass man z.B. einen fixen Mama-Kind-Exklusiv-Tag (oder Nachmittag) einplant, wo deine Tochter nicht in den Kindergarten "muss" und wo sie in einem gewissen Rahmen selbst bestimmen kann, was gemacht wird. Das geht natürlich nur, wenn es vom eigenen Zeitmanagement her möglich ist. Eventuell kann auch wer anderer (Nachbarin, Opa, Tante, Babysitter,...) fixe Zeitfen mit viel "Freiraum" exklusiv mit deiner Tochter verbringen.Ist zwar auch "nur" eine Art Kompensation, aber vermutlich besser, als nichts.

Wie ist denn der große Bruder "anders" und was glaubst du, an der Entwicklung deiner Tochter beeinflussen zu können, dass sie "nicht so" wird wie er? Glaubst du, er hat sich durch falsche Entscheidungen deinerseits nicht so entwickelt, wie es unter anderen Bedingungen möglich gewesen wäre? Ich will dir nicht zu nahe treten, aber ohne die Hintergründe zu kennen ist in so einem Fall schwer, etwas zu raten.
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Re: Handeln oder nicht?

Beitragvon alibaba » So 9. Sep 2018, 17:58

Fragen würde ich immer. Im Kindergarten kann man nichts verlieren. Allerdings durfte mein Sohn nie Dinge der Vorschulkinder machen, was sich bis ins Grundschulleben fortsetzte. Es fehlte immer etwas, zu klein, zu dick, zu dünn, zu unkonzentriert, zu große Altersspanne, zu unmotiviert, zu still, zu leise, zu laut ......

Wobei wir einen tollen Kiga hatten. Spiele und Angebote waren für alle Kinder zugänglich, egal ob 3 oder eben 6. Nur separate Angebote für Vorschulkinder waren eben auch nur für diese. Letzen Endes haben wir privat für Ausgleich gesorgt. Wir waren Dauergast in den Angeboten der VHS, Bibliothek, Haus der Familie ....... Musikschule mit Instrument haben meine Kinder jeweils mit 4 Jahren begonnen.
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Re: Handeln oder nicht?

Beitragvon EinfachLeben » Do 20. Sep 2018, 20:49

Habt vielen Dank für eure Antworten! Ich melde mich jetzt erst, da wir noch ein paar Tage im Urlaub waren und ich so die Zeit gut nutzen konnte, um etwas Abstand zu gewinnen und über alles etwas nachzudenken.
Meiner Tochter geht es inzwischen etwas besser. Ich habe mit den Erzieherinnen gesprochen und sie sind sehr bemüht, dass sie meine Tochter unterstützen... Eine Beteiligung am Vorschulprogramm o.ä. ist nicht möglich, da wir einen Waldorf-Kindergarten besuchen (das ist bei uns hier in der Gegend die mit Abstand beste Einrichtung). Im letzten Kindergartenjahr hat meine Tochter oft über Bauchweh geklagt und ich habe es ehrlich gesagt gar nicht so ernst genommen, weil ich ja weiß, wie nett die Erzieherinnen sind und dass es dort einige Kinder gibt, die meine Tochter "anhimmeln" und sehr um sie bemüht sind... Jetzt ist mir aber endgültig aufgefallen (irgendwann kapiere offensichtlich auch ich es ;) ), dass ihr diese Angebote nicht so wichtig sind, da sie sich nur mit den großen Vorschul-Mädels vergleicht. Mir tut das total leid für sie, aber ich kann es halt einfach nicht ändern... Meine Tochter geht bereits seit einem Jahr in den Kindergarten und wird in diesem November erst 4.
@Rabaukenmama: Ich dachte, dass die Kindergarten-Situation bei meiner Tochter anders werden würde, als bei ihrem Bruder, da ich sie als viel "sozialer" erlebe. Sie hat ein sehr, sehr gutes Gespür für andere und auch für Situationen; zudem hat sie eine Freude daran, Kontakte zu knüpfen und auch mit anderen gemeinsam etwas zu machen. Das ist/war bei ihrem Bruder anders. Dieser hatte sich nie als Teil einer Gruppe gesehen. Er hatte sehr spät zu sprechen begonnen. Mit 2,5 Jahren hatte er zum ersten Mal ein Wort gesagt und zwei Wochen später meinte er in der Spielgruppe zu seinen Erzieherinnen. "Was machen wir heute mit den Kindern?" Er sieht sich auch heute noch eher als "Meta-Instanz" und erlebt sich selbst nicht als (unbeschwertes) Kind, aber ich denke nicht, dass ich das durch irgendetwas ändern hätte können. Im Gegenteil - ich hatte das Glück, dass ich nicht gleich wieder arbeiten gehen musste und mich voll und ganz auf ihn mit all seinen Bedürfnissen einlassen konnte. Für mich ist es nur auch heute zum Teil noch schwierig zu akzeptieren, dass er mit seiner "Kopf-Art" glücklich ist und das "typische" Kinderprogramm nicht möchte... Aber auch ich lerne dazu ;) - v.a. weil mein drittes Kind sich zunehmend ähnlich zeigt :gruebel: :)
Vermutlich ist es so, dass ich einfach lernen muss, zu akzeptieren, dass meine Kinder anders sind als die Norm und ich da halt einfach kein "Standard-Programm" fahren können werde. An manchen Tagen sehe ich sie an und denke mir: "Schau, jetzt spielen sie ganz normal... Alles ist gut..." Dann denke ich mir, dass alles einfach weiter so vor sich hin laufen wird und plötzlich frägt dann meine Dreijährige, wie das eigentlich ging, mit den ersten Menschen. Wie konnten die entstehen, wenn noch keine anderen Menschen da waren...
So, nun aber Schluss: Habt nochmals vielen Dank für eure Rückmeldung! Sie hat mir gehofen, nochmals über die Situation an sich nachzudenken!
Es ist echt schön, dass es dieses Forum hier gibt!
Ganz liebe Grüße von der
oft leise mitlesenden EInfachLeben :)
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