Kind ist nicht schulfähig

ja oder nein? Erfahrungen und Ratschläge

Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon alibaba » Mo 7. Okt 2019, 09:23

@charlotte12

Das "verlernen" kenne ich nicht. Aber ich kenne es auch nicht, dass man etwas schlagartig sofort richtig kann, obwohl man es 4 Jahre "falsch" machte.

Was ich dagegen von meinen Kindern kenne ist, dass Lehrer eben ein (1) Dinge oft viermal (4) erklären und je höher die Klassenstufe umso verwirrter. Da gelingt es dem Lehrer, dass eben der ein oder andere es nicht mehr "wissen", vor lauter Erklärungen oder Möglichkeiten. Erlebe ich hörensagend mittlerweile immer öfter.

Was ich getrennt sehen möchte ist die Situation bei Arbeiten oder Tests. Meine haben da richtig "Bauchschmerzen" und sind total aufgeregt. Das hat verschiedene Gründe. Unabhängig davon führt das dann natürlich zu Fehlern und je höher die Klassenstufe umso weniger Punkte. Mein Kindgroß denkt auch ab und zu mal zu kompliziert, vor allem in Mathematik, aber NIE in der Grundschule, denn da musste man ja noch nicht denken. Er erzählt das erst jetzt, die letzten paar Monate. Allerdings sind die Ergebnisse trotzdem richtig. Das ist also insofern kein Punktverlust nur ein Zeitverlust und auch das nicht wirklich, denn Kindgroß schafft seine Aufgaben locker in der Zeit. Es verbliebt nur weniger "Lesezeit" des Buches, was er dann in der freien Zeit (wenn andere noch arbeiten) lesen kann.

Aber unabhängig von alledem, wenn es dein Kind jetzt verstanden hat, dann ist doch alles gut. ;)
alibaba
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Meine3 » Mo 7. Okt 2019, 11:34


Ich gebe hier Tipps, und hab die Sache selbst nicht im Griff - ein Tag Pause, und mein Kind blockierte gestern schon wieder, rechnete von 5 Aufgaben 3 falsch und fand Mathe wieder gewohnt doof :( Wie sie es zwei Tage vorher geschafft hatte, alles in Turbo-Geschwindigkeit zu rechnen, wusste sie nicht mehr und ich wusste es ebenfalls nicht, da sie es mir ja nicht verraten hatte :roll: Wir haben allerdings gerade auch viel um die Ohren und nicht die nötige Ruhe.


Ach du, in der Theorie und aus der Ferne Tipps zu geben, ist nunmal um einiges einfacher als sich mit dem eigenen Kind rumzuärgern :lol:. Das machen wir doch alle gern mal. Und: oft helfen einem ja Strategien, die anderen garnicht helfen, weil eben jedes Kind unterschiedlich ist.

Nachdem mein Sohn grade irgendwie auch voll den Knoten im Kopf hat, vor lauter Zahlen schreiben und Mengen einkringeln :|, macht er jetzt zu Hause halt Sudoku für Erwachsene (hat er bei der großen Cousine entdeckt und war sofort total interessiert). So haben wir den positiven Effekt, dass die Feinmotorik geschult wird und er kognitiv gleichzeitig gefordert wird. Ich hoffe er bleibt dadurch, dass wir ihn zu Hause mit "spannenden" Dingen rund um Zahlen und Rechnen versorgen einigermaßen am Ball in der Schule...

Dieses Auf und Ab beobachte ich auch sehr oft bei meinem Sohn. Da sieht man dann vermeintliche Rückschritte. Aber oft ist das nur die Ruhe vor dem Sturm, eine Phase der Entspannung und dann geht es mit großen Schritten weiter in die richtige Richtung. Sie konnte es vor einigen Tagen noch, vergessen wird sie es nicht haben so schnell... Versuch einfach ihr keinen Druck zu machen (siehste, ich geb auch schlaue Tipps und kriege es zu Hause nicht gebacken :mrgreen: ), ich vermute deine Tochter ist auch ein Mensch, der unter Druck weniger gut arbeitet als ohne und für sich allein. Natürlich blöd für den Schulalltag, denn da kommt der Druck von außen so oder so. Aber grade deswegen würde ich das Thema eventuell zu Hause zwischendurch (wenn sie es signalisiert) auch immer wieder mal ruhen lassen.

Gruß
Meine3
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Auguste » Mo 7. Okt 2019, 12:37

charlotte12 hat geschrieben:Du liebe Zeit, diese Entwicklung scheint es ja öfters zu geben. V.a. der Bericht von deiner Tochter, Auguste, hat mich erschreckt, denn genau so war es bei uns auch.

aber immer viel zu viel Zeit beim Abzählen vertrödelt oder viel zu kompliziert denkt.

Wenn deine Tochter in der siebten Klasse noch abzählt, dann hängt sie in einer ganz fiesen Sackgasse fest. Diese Finger-Abzählerei verhindert so ziemlich IQ-unabhängig zuverlässig, dass man Rechnen lernt, darüber habe ich mittlerweile so einiges gelesen. Die Kinder kommen durch Abzählen zuverlässig ans Ziel und behalten die Strategie deshalb bei. Aber erstens strengt das Rechnen dadurch viel zu sehr an, und Mathe und wird zum Hass-Fach, zweitens bleiben die Kinder dadurch langsam, weil die Zählerei einfach Zeit kostet, und drittens verhindert diese Strategie das "Automatisieren", sprich, einfache Rechenergebnisse werden nicht auswendig gelernt, und 8+6 wird ewig jedes Mal frisch ausgerechnet. Und der Abstand zu den Mitschülern wird immer größer, weil die anderen ja in derselben Zeit alle möglichen zielführenden Strategien einüben, der Lerneffekt beim Abzählen jedoch ziemlich schnell gegen null geht, da hilft unreflektiertes Üben überhaupt nichts, schadet eher. Ich weiß nicht, wie weit ihr das Ganze in Klasse 7 überhaupt noch angehen wollt (wann kommt der Taschenrechner?) und wie weit du dein Kind überhaupt motiviert bekommst (bei uns DAS Problem...), aber bei "Zählkindern" wird empfohlen, noch mal komplett von vorn anzufangen und erst mal das kleine 1+1 gezielt auswendig zu lernen. Ist deiner Tochter überhaupt bewusst, dass sie sich die Ergebnisse im einstelligen Bereich einfach merken darf? Meine Tochter dachte ja, das sei verboten und fiel aus allen Wolken, als ihr klar wurde, dass die Anzahl der Rechnungen beim kleinen 1+1 doch sehr überschaubar und schlicht merkbar ist. Wichtig ist, dass man beim Üben bei schwierigeren Aufgaben nicht nur auf die Lösung schaut sondern v.a. darauf, ob der Weg zielführend ist, und dass man nicht drängelt, denn bei Stress fallen diese Kinder sofort wieder in ihr gewohnte Schema, sprich Zählen, zurück. Kann es sein, dass deine Tochter in Ruhe und bei der Tante vom Abzählen weggekommen ist, in der Arbeit aus Stress aber wieder anfängt zu zählen und auf diese Weise vor lauter Zählen zu wenig freie Resourcen hat, um die eigentlichen Aufgaben zu bearbeiten?

Ich gebe hier Tipps, und hab die Sache selbst nicht im Griff - ein Tag Pause, und mein Kind blockierte gestern schon wieder, rechnete von 5 Aufgaben 3 falsch und fand Mathe wieder gewohnt doof :( Wie sie es zwei Tage vorher geschafft hatte, alles in Turbo-Geschwindigkeit zu rechnen, wusste sie nicht mehr und ich wusste es ebenfalls nicht, da sie es mir ja nicht verraten hatte :roll: Wir haben allerdings gerade auch viel um die Ohren und nicht die nötige Ruhe.


Das Problem bei meiner Tochter ist, dass sie bei Mathe extrem verunsichert ist. Sie glaubt einfach nicht, das sie es kann und denkt, sie macht alles falsch - obwohl sie meist auf dem richtigen Weg ist. Sie weiß, dass man sich die Ergebnisse merken darf und kann die Malfolgen einigermaßen, aber sie traut ihrem eigenen Wissen nicht :roll: Das hat mir auch ihre Tante bestätigt. Mit ein bisschen mehr Selbstvertrauen in ihre eigenen Mathe-Fähigkeiten, könnte sie die Aufgaben problemlos lösen :schwitz: Dieses Abzählen gibt ihr anscheinend eine Sicherheit, die sie ohne Abzählen nicht hat. Und da könnte der Taschenrechner durchaus Abhilfe schaffen - denn dann kommt die Sicherheit aus dem Taschenrechner, ganz ohne Abzählen ;)

Leider wohnt die Tante zu weit weg, daher können wir sie nicht regelmäßig als Coach einsetzen - und Mathe-Aufgaben per WhatsApp lösen ist einfach unpraktisch. Das Problem wurde bei ihr durch die Lehrer in der Grundschule verursacht. Ich darf mir oft den Satz anhören "Warum erklären die Lehrer das nicht so wie Du? Wenn du mir das erklärst, dann verstehe ich das auch!". Nur leider setzt sie das zu Hause gelernte dann in den Arbeiten nicht um, sondern schaltet wieder zurück auf "Lehrer-Modus".

Mathe ist auch das einzige Fach, wo meine Tochter immer Hilfe einfordert. Alle anderen Fächer sind Selbstläufer. Und die Mathe-Hausaufgaben laufen immer gleich ab: Tochter bittet um Hilfe. Wir fangen an. Ich erkläre etwas. Tochter unterbricht "aber der Lehrer hat das ganz anders erklärt"" ---- > es folgt Heulerei + Wutanfall ihrerseits, verordnete Auszeit meinerseits. Nach der Auszeit (meist 30 - 60 Minuten) fangen wir von vorn an, Tochter hört endlich zu und macht dann ziemlich fix die Aufgaben fertig. :schwitz: Ich liebe Mathe-Hausaufgaben :roll: Bei meinem Mann läuft es übrigens genauso - nur ist der extrem ungeduldig und dann auch sauer, wenn die Tochter bockt - ist also keine Alternative. :?

Mit dem Taschenrechner fangen sie etwa im November/Dezember an. Ihr jetziger Mathe-Lehrer hatte schon angedeutet, dass viele Kinder erst dann anfangen, Mathe zu mögen, wenn sie den Taschenrechner benutzen dürfen. Wir hoffen also.

Für Deine Tochter wünsche ich, dass sie ihre Mathe-Fähigkeiten ganz schnell wiederfindet. Sie weiß ja jetzt, dass sie es kann - und ihr auch :) Nun müsst ihr "nur noch" gemeinsam herausfinden, wo das Wissen hingewandert ist und es wieder herausholen ;)

Gruß
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon charlotte12 » Mo 7. Okt 2019, 14:40

Ich darf mir oft den Satz anhören "Warum erklären die Lehrer das nicht so wie Du? Wenn du mir das erklärst, dann verstehe ich das auch!".

Das kenne ich nur zu gut von meiner Tochter bei der Katastrophen-Lehrerin. Einmal kopierte ich ihr vor Beginn eines neuen Themas eine Seite aus dem Arbeitsheft, erklärte ihr in zwei Sätzen, wie das funktionierte und sie rechnete völlig problemlos und mit Spaß ein paar Aufgaben. Am nächsten Tag nach der Schule kam sie dann jedoch an und sagte, sie hätten ein neues Thema, sie habe null verstanden, das Thema sei ja so schwer und sie so dumm. Ich schaffte es ungelogen nicht mehr, ihr das Thema wieder klar zu machen, die Seite aus dem Arbeitsheft bekam sie auch nicht mehr hin, bis ich ihr irgendwann ihre eigenen gerechneten Aufgaben vom Vortag zeigte, sie dann prompt meinte "Ach so, das ist nur das hier, ja das ist babyeinfach!" - und dann in Null-komma-nichts die Seite rechnete. Nach dieser Erfahrung lernte ich mit ihr grundsätzlich bei dieser Lehrerin vor und bereue bis heute, dass ich die Sache so lange laufen gelassen hatte - sie war so weit in Mathe voraus gewesen, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen war, dass echte Schwierigkeiten auftauchen könnten.
Ich kenne ein Mädchen, bei dem das so lief, wie du beschreibst - sobald der Taschenrechner erlaubt war und aus dem Rechenunterricht etwas höhere Mathematik wurde, blühte sie auf und wurde anhaltend richtig gut in Mathe, hat jetzt Mathe-LK. Sie zählt jetzt noch mit den Fingern ab...
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