Kind ist nicht schulfähig

ja oder nein? Erfahrungen und Ratschläge

Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon charlotte12 » Sa 21. Mai 2016, 19:40

Ich bin "charlotte2", komme unter diesem Nick aber nicht mehr ins Forum.
Gerade weiß ich nicht mehr recht weiter - meine Tochter ist nicht schulfähig, soll erst nächstes Jahr eingeschult werden. Sie liest mittlerweile mühelos und fließend, kann auch schon ganz ordentlich rechnen und interessiert sich sporadisch für völlig schräge Dinge (Wurzelziehen, Konstruktion von Sechsecken, ...). In Gruppen spricht sie aber wohl fast nicht und verweigert sich oft, ich vermute, daran scheiterte auch der Schulreifetest.
In den Kindergarten geht sie ungern, lt. Erzieherin wegen sozialer Überforderung. Sie hat aber Freunde, und im privaten Umfeld ist sie fröhlich, redet wie ein Wasserfall und hat einen immensen Dickkopf.
Ich bin gerade völlig ratlos: Noch mal ein Jahr bekomme ich sie nicht in den Kindergarten. Sie hatte sich so auf die Schule gefreut. Andererseits sehe ich ja auch, dass es in der Schule Probleme geben wird, wenn sie nicht zeigen kann, was sie weiß, und wenn sie sich verweigert, wenn es langweilig wird. Wieder andererseits gibt es für sie stoffmäßig jetzt schon in der 1. Klasse vermutlich wenig Neues. So ein Käse :((
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon charlotte12 » So 22. Mai 2016, 09:56

Hallo Koschka,

meinte Tochter ist 5 1/2, sie ist knapp noch nicht schulpflichtig. Sie möchte unbedingt in die Schule. Meine Tochter sagt, sie habe beim Test brav mitgemacht, nur ganz am Anfang nicht gesprochen. Die Aufgaben seien baby-einfach gewesen, sie sei mit Abstand als erste fertig gewesen, habe die Aufgaben aber nicht hingeschlampert sondern ordentlich gemacht :gruebel: An zwei Stellen seien die Aufgaben so leicht gewesen, dass sie ein bisschen mehr Herausforderungen eingebaut habe. Das zu erklären habe sie sich aber nicht getraut :roll: Eine Erklärung, woran es denn nun tatsächlich scheiterte, haben wir nicht bekommen. Für noch ein Jahr Kindergarten müsste sie den Kindergarten wechseln, die Situation jetzt halten weder unsere Tochter noch wir ein weiteres Jahr aus. Ich hoffe, wir finden jetzt noch einen Platz für sie in einem anderen Kindergarten, und ich hoffe, dort ist es dann auch wirklich besser. Deine Vorschläge mit Privatschule oder Direkteinschulung in Klasse 2 nächstes Jahr hören sich gut an, danke. Es scheint ja wirklich so zu sein, dass es in der Grundschule gar nicht so sehr ums Lernen geht sondern um Mitarbeit, Fleiß usw. Was mache ich, wenn sich das Soziale bis nächstes Jahr nicht in Luft aufgelöst hat?

Charlotte
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Rabaukenmama » Di 24. Mai 2016, 07:46

charlotte12 hat geschrieben:Es scheint ja wirklich so zu sein, dass es in der Grundschule gar nicht so sehr ums Lernen geht sondern um Mitarbeit, Fleiß usw. Was mache ich, wenn sich das Soziale bis nächstes Jahr nicht in Luft aufgelöst hat?


Hallo Charlotte!

So, wie du das beschreibst, dürfte es bei eurem Einschlungstest einfach "dumm gelaufen" sein. Es ist naheliegend dass die Motivation deiner Tochter, in die "babyleichten" Aufgaben mehr Herausforderung einzubauen, nicht so verstanden wurde. Ich erinnere mich da an einen Allgemeinwissenstest, den ich als ca. 15jährige hatte. Da war eine der Fragen "Wie viele Mägen hat eine Kuh?" und weil mir die Antwort 4 zu leicht vorkam schrieb ich korrekt "Pansen, Netzmagen, Blättermagen, Labmagen" - um dananch festzustellen dass ich den Punkt für diese Frage nicht bekommen hatte weil die Fragestellung WIE VIELE Mägen eine Kuh hat ja nicht beantwortet wurde und nicht nach den Namen der Mägen gefragt war. Ich stelle mir vor dass es beim Test deiner Tochter ähnlich gelaufen sein könnte.

Wegen "dem sozialen" würde ich mir mal keinen Kopf machen, denn es muß sich nicht bis nächstes Jahr in Luft aufgelöst haben. Ich war beim Einschulungstest bei meinem Sohn dabei und der dauerte in Summe (also mit Wartezeiten zwischen Schularzt, eigentlichem "Test" und Gespräch mit der Direktorin) über zwei Stunden. Bei der Gelegenheit konnte ich das Sozialverhalten mehrer Kinder im Alter meines Sohnes ruhig beobachten und was ich da gesehen habe was sehr beruhigend :mrgreen: (ich hatte bis dahin auch Bedenken wegen "fehlender sozialer Reife").

Mein Sohn wird im September regülär (also mit 6,6 Jahren) eingeschult. Rein kognitiv hätte er alles, was beim Test gefordert war, schon locker mit 4 Jahren hinbekommen. Aber bei ihm hat sich im letzten Kindergartenjahr ganz viel in der Sozialentwicklung getan. Die Frusttoleranz ist immer noch ein Problem, aber längst nicht mehr so krass wie noch vor einem Jahr. Und ich weiß, dass er damit sicher nicht der einzige Schulanfänger sein wird.

Ansonsten sind es viele Baby-Attribute, die er in den letzten Monaten freiwillig losgelassen hat, wozu er vorhin lange nicht bereit gewesen war. Damit meine ich zum Beispiel Einschlaf-Flaschi und Schnuller in der Nacht (bei Tag hatte er schon seit über 2 Jahren keinen mehr). Auch kamen in der letzten Zeit immer wieder mal Wünsche, was "allein" auszuprobieren, zum Beispiel beim Supermarkt um die Ecke selbst einkaufen oder mal für 20 Minuten allein in der Wohnung sein.

Du wirst sehen dass sich unabhängig davon, ob ihr euch für Kindergartenwechsel, Vorschule oder Einschulung in eine Privatschule entscheidet, im kommenden Jahr viel bei Deiner Tochter verändern wird. Das kann zum Beispiel das nicht-in-Gruppen-sprechen Deiner Tochter betreffen. In jeder neuen Situation (und eine kommt ja jetzt auf euch zu, auch wenn ihr noch nicht wißt, welche) werden die Karten neu gemischt. Wo auch immer deine Tochter hinkommt, dort werden andere Kinder, andere Pädagogen und andere Regeln sein als bisher. Und wer weiß, vielleicht kommt gerade DAS der Entwicklung Deiner Tochter entgegen :) . Alles Gute jedenfalls von uns!

Vielleicht ist der verpatzte Test auch ein Wink des Schicksals (klingt jetzt blöd, aber ich glaube an so was), Euch in Sachen Schulwahl neu zu orientieren.
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Leonarda » Mi 25. Mai 2016, 17:42

Hallo Charlotte,
wir hatten hier ein ähnliches Problem, nur dass wir es nicht mal bis zur Schuluntersuchung geschafft haben.
Die Erzieherinnen fanden, dass unserem Kind die soziale Reife für die Schule fehlte und wir befürchteten, dass sie recht haben. Ganz sicher waren wir uns da nicht. Aber unsere Tochter hat im letzten Jahr tatsächlich noch mal einen riesigen Schritt in der persönlichen Entwicklung gemacht und wirkt nun tatsächlich deutlich reifer für die Schule.
Ich mach mal einen neuen Thread auf, wie wir das gelöst haben.
LG
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon charlotte12 » Do 26. Mai 2016, 16:20

Vielen Dank für Eure Antworten. Sie haben mir geholfen, die Sache wieder gelassener zu sehen. Vielleicht lässt sich doch noch was drehen, und wenn nicht - ein zusätzliches Jahr Kindergarten bedeutet auch ein zusätzliches Jahr Freiheit, in dem meine Tochter auf ihre eigene Art das lernen kann, was sie interessiert. Wobei ich mir vorstellen könnte, dass eine Direkteinschulung in Klasse 2 in einem Jahr auch nicht einfacher durchzusetzen ist als eine vorzeitige Einschulung jetzt. Jetzt gerade macht meine Tochter große Fortschritte in Richtung Mut, ging z.B. zu meiner großen Verblüffung alleine einkaufen. Dummerweise macht sie gerade auch riesige Fortschritte in Dingen, die Schulstoff sind...
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon nadine77 » Mo 30. Mai 2016, 19:55

Ich habe meine Tochter kurz vor ihrem 7. Geburtstag eingenschult. Sie sollte nicht vorher gehen, da sie nicht stillsitzen konnte und sich nicht konzentriert. Das ist jetzt auch nicht besser geworden. Ist das Langeweile?
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon alibaba » Di 31. Mai 2016, 10:21

g
Zuletzt geändert von alibaba am Fr 26. Apr 2019, 11:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Rabaukenmama » Di 31. Mai 2016, 12:29

alibaba hat geschrieben:Sehen wir mal die Vorteile eines Kigakindes. Es kann in den Kiga gehen oder eben auch nicht. Lernzwangspflicht für Dinge die man machen muss, die gibt es nicht. Noten auch nicht. Mama und Papa könne noch einmal preiswert in den Urlaub fahren, denn sie sind an keine Ferienzeiten gebunden.


Du gehst von der Situation in Deutschland aus. In Wien ist im letzten Kindergartenjahr der Besuch verpflichtend, sprich: jedes 5-6jährige Kind MUSS einen Kindergarten besuchen und Urlaube sind auch nur in Absprache mit der Kindergartenleitung möglich. Also mal für 2 Monate mit Kind und Kegel in die Südsee abdampfen geht sehr wahrscheinlich nicht, ein oder zwei Wochen Familienurlaub in der Vor- oder Nachsaison ist meistens kein Problem.

alibaba hat geschrieben:Kind muss nicht still sitzen oder dumme Rechenaufgaben lösen, die es eh schon kann. Kiga bedeutet eigentlich frei sein. Leider erkennt man das erst rückblickend. :schwitz:


Kommt mMn sehr darauf an, was in der jeweigen Situation von Kindergarten (oder eben Schule) verlangt wird. Ich habe hier im Forum schon von Kindergärten gelesen wo die Kinder zwei Stunden "Mittagsschlaf" halten müssen, unabhängig davon, ob sie müde sind oder nicht, damit die Kindergärtnerinnen ihre Pause haben können.

Aber mal abgesehen von Extremen ist es auch in durchschnittlichen Kindergärten durchaus üblich dass Kinder z.B. im Sesselkreis mitmachen müssen, zu den Essenszeiten bei Tisch sitzen müssen und wenn allgemein gebastelt wird dann wird auch erwartet, dass alle mitmachen. Klar ist das nicht mit dem Druck in den meisten Schulen vergleichbar, aber Kiga bedeutet durchaus nicht immer "frei sein", wie du das beschreibst. Grundsätzlich sind klare Strukturen und das eine oder andere Mal ein "du MUSST" nicht schlecht - nur ist die Bereitschaft, sich daran anzupassen, ist von Kind zu Kind verschieden.

Fazit: es werden sowohl im Kindergarten als auch in der Schule Dinge von Kindern verlangt, die ihnen nicht immer in den Kram passen bzw. an denen sie kein Interesse haben. Für mich macht es einen Unterschied in der Qualität der Einrichtung (egal ob KIGA oder Schule) wie flexibel sich die Pädagogen einerseits den individuellen Bedürfnissen der Kinder anpassen können (und in welchem Rahmen sie es dürfen) und wie sie agieren wenn Kinder nicht zur Mitarbeit bereit sind.

Klar geht es im Kindergarten noch druckfreier als in der Schule - das bestreite ich nicht! Aber es kommt immer mehr auf die Menschen an, die ein Konzept umsetzen, als auf das Konzept selbst.
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Karen » Di 31. Mai 2016, 16:55

Rabaukenmama, ich bin mit dir einverstanden was kindergarten angeht. In der Schweiz ist es noch schlimmer: kinder müssen mit 4 Jahren in obligatorischen kiga die nur auf grund der Adresse bestimmt wird. Es gibt klare lernziele die erreicht werden müssen und kinder müssen funkzionieren. Ich habe es 2 jahre bei meinen normal begabte patentochter zu der ich sehr enge beziehung hatte beobachtet und mir macht es schon ein wenig angst. Ich kann mir einfach schwierig vorstellen wie soll meine 3 jahrige schreibende tochter (die momentan auch erste leseversuche macht) dann in einem Jahr still 1-2 stunden lang "mandalas" ausmalen oder buchstaben die sie seit 2 kennt aus teigwaren legen. Es ist so extrem abhängig von kindergartnerin ob ein kind sich wohl fühlt oder nicht und wenn nicht, kann ich gut vorstellen das schule als ausweg gesehen wird (speziell weil schulen wenigstens begabten programme haben, kiga aber nicht). Übrigens, bei uns gibt es auch keine zusatzferien. Nur schulferien oder 2 jockertage.
In der Schweiz hat man auch dieses trend alle kinder wenn irgendwie möglich rückstellen zu lassen und 1 jahr später in kiga (und später schule) zu schiken ("kinder kinder sein lassen" ist der motto ). Ich finde diese entwicklung alles andere als optimal und recht gefährlich da das resultat ist dass schon jetzt normal eingeschulte kinder die in frühling geboren sind manchmal bis 1.5 -2 jahre junger sind als andere rückgestellte kinder, müssen aber gleiche leistungen bringen und werden gegen andere gemessen. Für irgendjemand gibt es ein stichtag.
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Karen » Di 31. Mai 2016, 16:55

Rabaukenmama, ich bin mit dir einverstanden was kindergarten angeht. In der Schweiz ist es noch schlimmer: kinder müssen mit 4 Jahren in obligatorischen kiga die nur auf grund der Adresse bestimmt wird. Es gibt klare lernziele die erreicht werden müssen und kinder müssen funkzionieren. Ich habe es 2 jahre bei meinen normal begabte patentochter zu der ich sehr enge beziehung hatte beobachtet und mir macht es schon ein wenig angst. Ich kann mir einfach schwierig vorstellen wie soll meine 3 jahrige schreibende tochter (die momentan auch erste leseversuche macht) dann in einem Jahr still 1-2 stunden lang "mandalas" ausmalen oder buchstaben die sie seit 2 kennt aus teigwaren legen. Es ist so extrem abhängig von kindergartnerin ob ein kind sich wohl fühlt oder nicht und wenn nicht, kann ich gut vorstellen das schule als ausweg gesehen wird (speziell weil schulen wenigstens begabten programme haben, kiga aber nicht). Übrigens, bei uns gibt es auch keine zusatzferien. Nur schulferien oder 2 jockertage.
In der Schweiz hat man auch dieses trend alle kinder wenn irgendwie möglich rückstellen zu lassen und 1 jahr später in kiga (und später schule) zu schiken ("kinder kinder sein lassen" ist der motto ). Ich finde diese entwicklung alles andere als optimal und recht gefährlich da das resultat ist dass schon jetzt normal eingeschulte kinder die in frühling geboren sind manchmal bis 1.5 -2 jahre junger sind als andere rückgestellte kinder, müssen aber gleiche leistungen bringen und werden gegen andere gemessen. Für irgendjemand gibt es ein stichtag.
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