Kind ist nicht schulfähig

ja oder nein? Erfahrungen und Ratschläge

Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon charlotte12 » Fr 17. Feb 2017, 07:37

kurzes Update: Mittlerweile ist das erste Schulhalbjahr vorbei, und zum Glück haben sich weder die Befürchtungen der Pädagogin, die damals den Schulreifetest durchführte, noch die Prophezeiungen der Erzieherin im Kindergarten erfüllt. Nur die Aussage, dass verfrühtes Denken zu Arteriosklerose im Alter führt, konnten wir noch nicht überprüfen :) Jetzt gerade gefällt es meiner Tochter seit einem sehr konstruktiven Gespräch mit der Lehrerin wieder gut in der Schule. Das klassische Missverständnis - sie kriegte keine Extra-Aufgaben mehr, da sie so langsam war, und sie war so langsam, da für sie der Stoff lächerlich leicht war. Ich bin völlig verblüfft und glücklich, dass Gespräche tatsächlich zu Änderungen führen, so ganz anders als im Kindergarten damals.
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 17. Feb 2017, 08:13

Hallo Charlotte,

das freut mich echt für Euch dass es sich so gut eingespielt hat. Und es zeigt, dass Gespräche doch was bringen können :) . Ich denke, ja dass es IMMER erst mal einen Versuch wert ist, zu sprechen, als gleich zu handeln. Klar kann sein dass alle Gespräche nichts bringen. Aber im vorhinein weiß man das nicht und wenn man Glück hat ist das Gegenüber offen und dann kann es eben doch viel bringen.
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon charlotte12 » Sa 3. Jun 2017, 12:54

Das Gespräch hat nur kurzfristig genutzt. Mittelfristig bestätigt sich bei uns eher Eure Theorie, dass ein Lehrer entweder differenziert oder eben nicht, egal was die Eltern sagen. Meine Tochter mag keine Extra-Aufgaben mehr, weil die sowieso von der Lehrerin hinterher nicht angeschaut werden. Sie fragt nicht mehr danach, und ohne Nachfragen bekommt sie auch keine mehr. In Mathe ist das Thema Extra-Aufgaben sowieso mittlerweile vom Tisch, denn Mathe hasst sie. Sagt sie. Sie könne das nicht, das sei alles zu schwer und rastet daheim regelrecht aus, wenn man sie auch nur ansatzweise etwas fragt, was in Richtung Rechnen geht. Manchmal, urplötzlich, meistens mitten in der Nacht, kommen dann plötzlich mathematische Überlegungen zu ganz schrägen Themen, so wie früher. Aber gerade eben wurde ich ernsthaft gefragt, was 10 + 6 ergibt, da kommen mir dann wieder massive Zweifel, ob sie wirklich unterfordert oder eher überfordert ist. Wobei sie laut psychologisches Gutachten damals auch im mathematischen Verständnis bei den obersten 2% war und sie vor der Einschulung fast besser rechnen konnte als jetzt, kann sich das in einem Jahr komplett ändern?
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Koschka » Sa 3. Jun 2017, 21:31

Mein Sohn war mit den ganzen Schemen in der 2. Klasse auch durcheinander geraten. Er rechnete seit er 3 war den Zehnerübergang ander. 7 plus 8 war bei ihm (5 plus 5) plus (2 plus 3).
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Momo » Mo 5. Jun 2017, 15:28

Es scheint kein Einzelfall zu sein, dass Kinder in der Schule ihre Interessen und ihre Fähigkeiten verlieren, die vorher klar dagewesen sind. Fragt ihr euch, woran das liegt? Zu welchen Ergebnissen kommt ihr??? Was wäre die Konsequenz bzw. Alternative??

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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon charlotte12 » Mi 7. Jun 2017, 20:59

@ Momo: Du meinst sicher die Freie Schule. Die nächste Freie Schule ist bei uns über 20 km entfernt, verkehrstechnisch sehr ungünstig gelegen, nicht wirklich realistisch machbar. Außerdem hat meine Tochter in letzter Zeit (endlich) richtig guten Anschluss in der Klasse gefunden, da möchte ich sie ungern wieder herausreißen. Mir kam allerdings ganz neu der leise Verdacht, ob nicht genau dieser Anschluss Teil des Mathe-Problems ist, nachdem mir die Nebensitzerin ebenfalls mitteilte, dass sie Mathe hasst, und meine Tochter sich plötzlich für bisher von ihr gehassten rosa Kitsch interessiert...
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Momo » Do 8. Jun 2017, 03:52

Liebe charlotte12, ich meine nicht nur die freie schule. Ich beobachte. Ich sehe viele Kinder, die VOR der Schule viele Fähigkeiten hatten, die sie mit Freude aus sich selbst heraus entwickelt haben. Kinder, die sich sehr auf die Schule gefreut haben. Und dann beobachte ich schon im Laufe des ersten Schuljahres eine Veränderung. Die Kinder verlieren ihre Begeisterung, sich mit verschiedensten Themen zu beschäftigen und tragischer noch, sie trauen sich bestimmte Dinge, Themen etc. nicht mehr zu. Und ich frage mich wirklich- was denken die Eltern??? Ist dies nicht Grund genug, der Ursache auf den Grund zu gehen? Anzufangen, selbst zu denken, alte Denkmuster zu durchbrechen und zu handeln? Das muss keinen schulwechsel bedeuten, vielleicht reichen schon die neuen Gedanken und Impulse, daraus resultierende Gespräche mit anderen Eltern und Lehrern usw. um etwas zu verändern. Doch eins ist für mich sicher- wenn Kinder plötzlich Blockaden und Frust entwickeln, wenn sie ihre Fähigkeiten verlieren, dann dürfen wir nicht einfach zuschauen und irgendwelche Erklärungen suchen. Dann müssen wir aktiv werden, GENAU hinschauen, laut fragen stellen, selbst anfangen zu denken und zu handeln!!! Darauf zielten meine Fragen ab.

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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Rabaukenmama » Do 8. Jun 2017, 07:20

Momo hat geschrieben:Liebe charlotte12, ich meine nicht nur die freie schule. Ich beobachte. Ich sehe viele Kinder, die VOR der Schule viele Fähigkeiten hatten, die sie mit Freude aus sich selbst heraus entwickelt haben. Kinder, die sich sehr auf die Schule gefreut haben. Und dann beobachte ich schon im Laufe des ersten Schuljahres eine Veränderung. Die Kinder verlieren ihre Begeisterung, sich mit verschiedensten Themen zu beschäftigen und tragischer noch, sie trauen sich bestimmte Dinge, Themen etc. nicht mehr zu. Und ich frage mich wirklich- was denken die Eltern??? Ist dies nicht Grund genug, der Ursache auf den Grund zu gehen?


Liebe Momo, ich halte es nicht für so einfach der Ursache einer Veränderung bei einem Kind auf den Grund zu gehen. Es können so viele Ursachen sein wenn was nicht passt. Ich persönlich kenne keine Kinder, die im ersten Schuljahr tatsächlich die Begeisterung verloren haben und sich Dinge/Themen nicht mehr zutrauen, die sie sich vorher zugetraut haben. Statt dessen merke ich (sowohl bei meinem Sohn als auch bei anderen Kindern) dass sich die Phasen von Interesse und Desinteresse für Sache xxx und Sache yyy abwechseln. Einmal hat das Kind eine Phase, wo es alles mögliche ausrechnen will, dann wieder interessiert es sich gar nicht dafür sonden übt statt dessen mit Begeisterung "Gummihüpfen", einmal interessiert es sich total für den Weltraum, dann wieder für Anatomie und als nächstes dafür, wie man am besten einen Bach aufstaut. Das beobachte ich unabhängig von Alter und Intelligenz des Kindes und auch unabhängig davon, ob auf der Einrichtung "freier Kindergarten" oder "(konventionelle) Volksschule" draufsteht.

Grundsätzlich haben jene Personen, die beruflich mit Kindern arbeiten, eine riesengroße Verantwortung und können ganz viel falsch, aber auch ganz viel richtig machen. Ich sehe das bei meinem Sohn. Da war kurz nach Schuleinstieg erst mal Ernüchterung. Wie viele andere Kinder auch hatte er eine falsche Vorstellung davon, wie es in der Schule abläuft - obwohl er eine sehr "freie" Schulform besucht. Dann, als er sich mal an den Ablauf gewöhnt hatte, und begann, in der Klassengemeinschaft "anzukommen" wurde es wieder besser. Mittlerweile geht er gerne in die Schule und auch die anfänglichen Probleme mit früh-aufstehen, Gejammer usw. gehören der Vergangenheit an. Dass es sich so entwickelt hat schreibe ich in erster Linie seinen zwei sehr engagierten Lehrerinnen zu.

Gegensatz dazu ist der Hort. Dort wird "funktionieren" nach genauem Zeitplan erwartet und die PädagogInnen sehen immer nur die Schwächen und nie die Stärken der Kinder. Bei meinem Sohn ist das konkret dass er oft nicht Hausübung machen will. Mit den Lehrerinnen ist abgesprochen dass er nur das machen braucht, was wir ohne viel Kampf schaffen und sie sind auch offen für andere Möglichkeiten, z.B. dass er selbst aussucht was seine Hausübung ist oder dass er sie in der Schule (z.B. in einer Freistunde) macht. Das habe ich auch mit den HortbetreuerInnen und der Hortleitung mehrmals besprochen, aber es ist einfach nicht angekommen. Immer noch beharren sie darauf, dass mein Sohn "täglich 2 Seiten" von der Hausübung macht. Mittlerweile entwickelt mein Sohn im Hort immer wieder psychosomatische Symptome wie Bauchweh oder Durchfall die wie durch ein Wunder dann aufhören, wenn er abgeholt ist :P .

Gerade die Betreuerin in Manuels Gruppe ist eine ziemlich verbissene, humorlose Person, die alles möglichst "korrekt" und "richtig" machen will (bei mir hat sie längst den Spitznamen "Fräulein Rottenmeier"). Einmal kam sie begeistert auf mich zu und meinte, mein Sohn habe heute "freiwillig" 5 Seiten Hausübung gemacht und das sei IHR größter Erfolg :gruebel: . Am nächsten Tag hat mein Sohn seine restliche Hausübung demonstrativ in den Mistkübel geworfen und dann meinte sie händeringend dass man mit "so einem Kind" keinen pädagogischen Auftrag ausführen könne... :roll:

Momo hat geschrieben:Anzufangen, selbst zu denken, alte Denkmuster zu durchbrechen und zu handeln? Das muss keinen schulwechsel bedeuten, vielleicht reichen schon die neuen Gedanken und Impulse, daraus resultierende Gespräche mit anderen Eltern und Lehrern usw. um etwas zu verändern. Doch eins ist für mich sicher- wenn Kinder plötzlich Blockaden und Frust entwickeln, wenn sie ihre Fähigkeiten verlieren, dann dürfen wir nicht einfach zuschauen und irgendwelche Erklärungen suchen. Dann müssen wir aktiv werden, GENAU hinschauen, laut fragen stellen, selbst anfangen zu denken und zu handeln!!! Darauf zielten meine Fragen ab.

Momo


Mein "handeln" schaut so aus, dass ich meine Arbeitszeit verändere, und meinen Sohn nächstes Schuljahr aus dem Hort rausnehme. Es gibt kaum einen Tag wo es keine Probleme mit dem Hort gibt und etliche Gespräche haben keine merkbare Besserung gebracht. Nur - ich habe die MÖGLICHKEIT das zu tun, weil mein Dienstgeber mitspielt und weil meine Eltern uns helfen, die finanziellen Einbußen (weil ich weniger Arbeitsstunden habe) abzudecken. Ich kennen auch Eltern, die dieses Möglichkeiten nicht haben.
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon BiHa » Do 8. Jun 2017, 12:20

Momo hat geschrieben:Liebe charlotte12, ich meine nicht nur die freie schule. Ich beobachte. Ich sehe viele Kinder, die VOR der Schule viele Fähigkeiten hatten, die sie mit Freude aus sich selbst heraus entwickelt haben. Kinder, die sich sehr auf die Schule gefreut haben. Und dann beobachte ich schon im Laufe des ersten Schuljahres eine Veränderung. Die Kinder verlieren ihre Begeisterung, sich mit verschiedensten Themen zu beschäftigen und tragischer noch, sie trauen sich bestimmte Dinge, Themen etc. nicht mehr zu. Und ich frage mich wirklich- was denken die Eltern??? Ist dies nicht Grund genug, der Ursache auf den Grund zu gehen?
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Ich denke nicht, dass viele Kinder ihre Begeisterung verlieren und nichts mehr lernen wollen. Die Kinder, die ich kenne, die vor der Schule interessiert waren, sind es immer noch. Es kann sein, dass sich Fähigkeiten verschlechtern, weil sie sich anpassen. Sei es nun an die Lehrerin und den Unterrichtsstoff oder an die anderen Kinder. Wenn sie in der Schule lernen, beim Lernen der Addition Punkte auszumalen und abzuzählen, warum sollte es denn dann noch im Kopf rechnen? Und was nicht geübt wird, wird schwerer. Wie viele Erwachsene sind in Kopfrechnen mittlerweile schwach, weil sie es nicht mehr brauchen?
Auch werden im Unterricht neue Rechenwege aufgezeigt. Gerade Kinder, die vorher bereits ihre eigenen Wege hatten, müssen umdenken. Manchmal ist umdenken schwieriger als etwas ganz neu zu lernen. Auch da kann es vorübergehend zu Problemen kommen. Gerade der 10er-Übergang muss ja eine Zeit lang in Rechenschritten aufgezeigt werden. Das kann dann schon schwierig sein. Wenn aber dann wieder nur noch das Ergebnis gefragt ist, ist es doch egal, wie das Kind dahin kommt und dann sind meist auch die Schwierigkeiten verschwunden.
Ich denke jedenfalls nicht, dass Kinder aufgrund einer normalen Schule grundsätzlich die Lust am Lernen verlieren.
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Re: Kind ist nicht schulfähig

Beitragvon Willow77 » Do 8. Jun 2017, 13:25

Nein, ich denke auch nicht, dass Schule allein schuld ist, wenn Kinder keine Lust (mehr) haben, zu lernen. We schon irgendwo geschrieben, mein Großer hasst Schule, mag sich nicht anstrengen, verabscheut Hausaufgaben, und für Tests üben noch viel mehr, er konnte schon den Kindergarten nicht wirklich leiden... die kleine Schwester hingegen liebt den Kindergarten. Und sie weiss jetzt schon, dass sie auch die Schule nächstes Jahr lieben wird. Obwohl auch sie, dem Lernstoff der ersten Klasse jetzt schon ohne groß üben um mindestens 1 Trimester voraus ist... Ich selbst habe Schule auch geliebt, bin ja auch Lehrerin geworden.
Vielleicht liegt es ja auch einfach zu einem großen Teil an der Persönlichkeit, dem Charakter, der Vorlieben des Kindes...

LG,
Willow77
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