vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

ja oder nein? Erfahrungen und Ratschläge

vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

Beitragvon sinus » So 17. Mär 2019, 16:47

Beschäftigt mich seit dem Test der Großen immer mal wieder, die Kleine betreffend.
Bei Test und Beratung zur damals 9jährigen 3.Klässlerin kam ja deutlich zum Vorschein, dass die Lernmotivation der Großen in der Grundschule arg gelitten hat, sie keine Freude (mehr) am Lernen hat und von der Schule nichts (mehr) erwartet.
Außerdem war und ist es mit ihrem Selbstwertgefühl nicht allzu weit her, was ja u.a. auch an Unterforderung liegen kann. (genau lässt sich das natürlich nicht sagen)
Der Test der Großen ergab übrigens damals einen Wert knapp über der HB-Grenze.
Aktuell, wo es sich nun in Richtung weiterführende Schule bewegt, scheint sie zum Glück etwas aufzublühen.
Sie hat sich jetzt sogar selbst dafür eingesetzt, auf ein Gymnasium mit Aufnahmeprüfung, MINT Schwerpunkt und Begabtenförderung zu kommen.
Prüfung ist diese Woche, ich hoffe sehr, sie schafft es... sie ist momentan jedenfalls wirklich mal wieder richtig motiviert.
Es ist schon erkennbar, dass sie zwar gern Anstrengung vermeidet, weil sie sich immer mit ihren eigenen Ansprüchen selbst unter Druck setzt, aber es ist auch deutlich, dass es ihr letzten Ende immer sehr gut tat, wenn sie mal gezwungen war, über ihren Schatten zu springen und schwierigere Anforderungen zu meistern hatte.
Darum denke ich, dass höhere Anforderungen in der Schule für sie gut gewesen wären. Sie wäre aber durch eine Früheinschulung ziemlich sicher sozial überfordert gewesen. Sie hat z.B. überhaupt erst im Vorschuljahr angefangen, im Kiga mit anderen als ihrem einen besonderen Freund zu spielen...

So, nun zur Kleinen. Die wird dieser Tage 5 Jahre alt.
Sie hat nicht ganz so früh gesprochen, aber immer noch früh genug.
Sie erfindet bei weitem nicht so umfängliche Geschichten selbst, wie die Große in dem Alter und malt auch nicht ganz so ungewöhnlich gut.
Sie hat kein so auffällig gutes Gedächtnis. Sie ist insgesamt nicht ganz so anders, als andere Kinder, wie die Große, scheint es.
Sie ist zwar auch eher sensibel und kein "Hans Dampf in allen Gassen", ist aber viel offener und mit sich selbst viel mehr im Reinen.
Wo die Große z.B. flucht und zetert, wenn was nicht klappt (Beispiel Rad fahren lernen u.ä.), nimmt sie es mit Humor und lässt sich davon nicht so schnell verunsichern. Sie kann herzlich über sich lachen. (Das fällt der Großen mit 10 immer noch sehr schwer)
Sie lässt sich geduldig Dinge erklären und beibringen. Das geht und ging bei der Großen kaum.
Sie kommt von sich aus und will was Lernen.
So kam sie bspw kurz nach dem 4. Geburtstag an, sie wolle Schleife lernen, die X aus dem Kiga (Vorschulkind), könne das auch schon.
Ich habe es ihr gezeigt und nach einem Nachmittag des gemeinsamen Übens konnte sie es. Sowas wäre bei der Großen nie gegangen, weil sie sich von mir grundsätzliche nie was beibringen lassen wollte.
Momentan drängelt die Kleine schon seit Längerem, dass sie so gern Lesen und Schreiben können möchte.
Einzelne Worte wie MUS, LOS, KÄSE, SUSI, TUKAN kann sie auch schon entziffern. Frühstadium des Lesens sozusagen. Das war bei der Großen später. (kurz vor dem 6. Geburtstag) und entspricht meiner Beobachtung nach dem Niveau, was im ersten Viertel Jahr der ersten Klasse gefordert ist.
Rechnen kann sie im 10er Bereich sehr gut, allerdings mit Hilfe der Finger.
Sie erkennt viele zweistellige Zahlen und kann mit etwas Hilfe bis ca. 50 zählen. (Prinzip ist ihr klar, aber es passieren noch Fehler, weil sie was auslässt oder vergessen hat, wie die Zahl nach 19 heißt)
Sie hat aber auch schon Aufgaben richtig gelöst wie: "wenn 6 Bonbons da sind, wie viele kriegt jeder, wenn von 3 Leuten jeder dieselbe Anzahl will?"
Sie macht das aber alles mit den Händen. Trotzdem scheint sie eine gute Vorstellung von Mengen zu haben, kann auch rückwärts zählen und weiß bei Zahlen genau, was viel und was wenig ist. (Also bspw dass 15 weniger als 18 ist)
Ihre Feinmotorik ist gut bis sehr gut (sie schreibt/malt Großbuchstaben), die Grobmotorik ist sehr gut (sie fährt seit sie knapp 3 ist Fahrrad, wandert ausdauernd, kann rückwärts laufen, auf einem Bein hüpfen und balanciert überdurchschnittlich gut.)
Sie ist sehr geduldig, ausdauernd und konzentriert, bei einem Entwicklungstest im Rahmen einer medizinischen Studie mit knapp 4 Jahren hat sie alle Aufgaben bis zum Ende durchgemacht. Wir haben kein Ergebnis bekommen, aber ich hab die Testerin gefragt, wie sie sie einschätzt und sie meinte, es sei auffällig, dass sie so gut und lange mitgemacht habe und sich vor allem auch nicht habe verunsichern lassen, wenn sie was nicht gleich hinbekommen habe.
Außerdem ist sie auch noch recht groß, 116 cm. Sie passt also auch optisch zu den Vorschulkindern in der Kigagruppe.
Im Kiga wird vor allem immer wieder ihre Sozialkompetenz gelobt, sie wirkt ausgleichend und ist sehr verständig, lieb und vernünftig.
Sie ergreift laut Erzieherin Partei nicht für die, die sie lieber mag, sondern versucht gerecht zu sein. Sie kann mit quasi jedem und wird von allen als Spielpartnerin geschätzt, Jungen wie Mädchen. Obwohl sie tendenziell auch eher zurückhaltend bleibt.
Sie ist übrigens auch kein "typisches Mädchen", also hat eher wenig mädchentypische Interessen. (wie die Schwester)
Alles in allem wirkt sie sehr reif.
(Ich selbst kann mir eigentlich kein lieberes, verständigeres und unkomplizierteres Kind dieses Alters vorstellen!)
Sie hat auch null Probleme, bei älteren Kindern mitzumachen, lässt sich nicht unterbuttern und nicht so schnell verunsichern. Sie spielt auch gern mit den Freunden der Großen Schwester (5 Jahre älter). Sie kennt also die Rolle der "Kleinen" oder Kleinsten aus dem Alltag und hat damit kein Problem.
Selbstständig ist sie auch, also Toilette, Kleidung anziehen, Hilfe holen...
Und sie findet- im Gegensatz zur großen Schwester - schnell zum inneren Gleichgewicht zurück, wenn sie doch mal "aus dem Tritt" gerät.
Alles in allem sehe ich ein Kind, was problemlos schon in die Schule gehen könnte und ausnahmslos alles kann, was die Vorschulkinder können müssen.

Was dagegen spricht:
- sie wäre zur Einschulung erst 5 Jahre 5 Monate alt. Momentan würde sie als ein Jahr jüngere kaum auffallen, denke ich, aber wenn ich an die Große vor einem Jahr und jetzt sehe, ist da schon ein großer Unterschiede zwischen einer 3.Klässlerin und einer 4.Klässlerin zu erkennen. Also dann immer 1,5 Jahre jünger sein könnte langfristig durchaus nicht so dolle sein.
- sie hat das Vorschulprogramm nicht mitgemacht
- momentan wirkt sie im Kindergarten zufrieden (Richtig gern geht sie nicht, aber auch nicht ungern.)

Die Große war im letzten Kigajahr damals fast depressiv. Bei ihr habe ich noch daheim gearbeitet und konnte sie dann wenigstens mittags schon nach Hause holen. Die Kleine jetzt muss täglich bis 15:30 Uhr dort sein.
Die Große ist aber ein ganz anderer Charakter, stellt sich selbst mehr in Frage und hat auch immer alles bierernst genommen. Also Fangespiele usw. hat sie als persönlichen Affront verstanden, und nicht als lustige Spiel. Das ist bei der Kleinen nicht so. (Wobei sie es auch nicht allzu wild mag.)

Was dafür spricht:
- kognitive Fertigkeiten sind die eines Vorschulkindes
- soziale Reife ist meiner Meinung nach da
- die nötige Körpergröße und Motorik ist da
- sie bekäme die sehr nette und empathische Klassenlehrerin der Großen
(die sich zwar nach unserem Gespräch über die Große leider dann nicht wirklich weiter mit HB und passender Förderung beschäftigt hat, aber dafür sehr auf Klassenklima, nettes Miteinander Wert legt. Sie würde die Kleine auch gern nehmen und war schon ganz enttäuscht, als sie erfuhr, dass sie dieses Jahr noch gar nicht "dran" ist.)

Die Kindergärtnerin habe ich vor Längerem schon mal vorsichtig im Hinblick auf das Testergebnis der Großen auf eine Früheinschulung der Kleinen hin angesprochen, sie war aber etwas irritiert von der Idee. Sie sagte dazu: "Ach, nee, die S. möchte ich eigentlich gern noch bisschen behalten. Sie ist so wichtig für die Gruppe und ich denke, sie wird, wenn jetzt die Vorschulkinder weg sind, nochmal richtig aufblühen, wenn sie selbst dann die Große ist. Ich seh da gar keinen Anlass, sie ein Jahr eher gehen zu lassen."
Die Lehrerin der Großen wie gesagt würde die Kleine gern nehmen, findet aber 5,5 auch sehr jung. (Sie hat die Kleine aber lange immer älter geschätzt und dachte vor Einger Zeit noch, sie käme sowieso dieses Jahr zur schule.)

Ich habe die Beratungsstelle, bei der die Große getestet wurde, die Tage angeschrieben, also wir würden da auch noch mal hingehen und uns beraten und die Kleine wohl auch testen lassen. (Das hatten sie uns letztes Jahr direkt angeboten und dazu auch gesagt, wir sollten das so spät wie möglich bzw nicht zu früh vor dem möglichen Einschulunsgtermin machen. So April/Mai. Und das ist ja demnächst)

Aber nun ist auch eure Meinung gefragt:
Sollte man das ziemlich sicher schulreife Kind ohne Not früher einschulen, nur um eventuellen unschönen Entwicklungen vorzubeugen?
Oder laufen lassen und abwarten? Lieber noch ein Jahr Riga und Ann Klassensprung im Hinterkopf behalten?
(Wobei bis dahin vielleicht auch was vom Engagement verloren geht, was die Kleine eben auch gerade jetzt zeigt, was Lesen, Schreiben, Rechnen etc betrifft. sie WILL das alles lernen!)
Die Kleine selbst würde gern in die Schule gehen, sie will wie gesagt lernen. Aber sie wäre wohl auch nicht total enttäuscht, wenn sie ich warten musste. Sie hat auch Freunde im Kiga, die erst 2020 in die Schule kommen und würde auch mit denen zusammen gehen.
Im Grunde ist es aber eben echt nur das Alter, warum sie noch nicht in die Schule käme.

Ach so, ein Erlebnis möchte ich noch ergänzen: ich gebe Malkurse für Grundschulkinder und sie darf da ab und zu mitmachen.
Kürzlich wollte sie ein Eichhörnchen malen und sah dann sehr wohl, dass die anderen Kinder (1.-4.Klasse) teilweise sehr viel besser malen konnten.
Da war sie schon erkennbar traurig, wurde immer stiller, hielt ihr angefanges Bild zu und es kullerten einige Tränen und sie wollte am Liebsten nicht weiter machen.
Sie hat sich dann aber wieder gefangen und mit etwas Hilfe hat sie ihr Bild beendet und war dann auch zufrieden.
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Re: vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

Beitragvon Bliss » So 17. Mär 2019, 17:36

Für mich hört sich das nach einem: kann man machen, muss aber nicht an. Also ich denke sie würde schon zurecht kommen, aber gerade der letzte Absatz spricht jetzt nicht wirklich dafür, oder?

Wenn man von der Norm des Einschulungszeitpunkts abweicht muss man halt auch damit rechnen, dass alles was so an Problemen im Laufe einer Schulkarriere auf einen zu kommt darauf zurückgeführt wird. Ist jedenfalls was ich so höre von rückgestellten oder früheingeschulten Kindern.
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Re: vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

Beitragvon Rabaukenmama » So 17. Mär 2019, 18:19

Was ich so lese wäre ich eher für eine vorzeitige Einschulung. Dass deine Tochter das Vorschulprogramm nicht mitgemacht hat ist bei kognitiver Fitness ziemlich egal. Dass sie einfach nur jünger ist als die Mitschüler wäre für mich, bei dem wie du deine Tochter beschreibst, kein Kriterium gegen eine vorzeitige Einschulung. Gerade bei sozial kompetenten Mädchen ist das mMn gar kein Problem.

Was aber für mich das Hauptkriterium ist: ihr kennt die Lehrerin und wisst, dass sie gut ist! Was will man mehr? In einem Jahr wisst ihr nicht, an wen eure Tochter kommt! Nur, dass sie im Kindergarten, wo sie laut deiner eigenen Aussage NICHT gern hingeht, nicht todunglücklich ist, wäre kein Kriterium, sie noch ein Jahr dort zu lassen, wenn die Bedingungen so passend für eine vorzeitige Einschulung sind!

Was die Kindergärtnerin von einer Früheinschulung hält wäre für mich dann ein Kriterium, wenn sie berechtigte Einwände hätte, das Kind könnte in der Schule überfordert sein. Aber die Formulierung "ICH möchte das Kind noch ein bisschen behalten..." weist schon auf etwas eigennützige (Hinter-)Gedanken hin. Also so, als würde sie deine Tochter gerne noch ein Jahr als "Helferin" einsetzen - wogegen ja grundsätzlich nichts spricht. Die Kindergärtnerin sieht vielleicht keinen Anlass zu vorzeitigen Einschulung, du aber durchaus schon, sonst würdest du dir drum keine Gedanken machen. Ich sehe ehrlich gesagt in einer vorzeitigen Einschulung deiner Tochter mehr Chancen für Freundschaften und Kontakte "auf Augenhöhe", als wenn sie ein Jahr später mit zwar gleichaltrigen, aber doch kognitiv und sicher oft auch sozial unterlegenen Kindern in eine erste Klasse kommt.
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Re: vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

Beitragvon alibaba » So 17. Mär 2019, 18:37

Wenn ich das lese was @bliss geschrieben hat, könnte man meine, es sei von mir. :mrgreen: Ich hätte es genau so geschrieben.

Grundsätzlich ist es ja immer so, dass Ihr @sinus, argumentieren und „ausbaden“ müsst. Man steht immer stärker im Fokus, wenn man vom Normalen abweicht. Und da ist es sehr individuell, wie alle in der Familie damit umgehen können.

Wir können ja schreiben was wir wollen. Es muss auf eure individuelle Situation passen.

Für meine Kinder ist es wichtig, nicht aufzufallen. Die wollen sein, wie alle anderen Kinder auch. Denn, gerade mein Sohn, fällt eh auf. Ich bin daher durchaus „froh“ nicht noch andere Dinge argumentieren zu müssen.

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Re: vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

Beitragvon Koschka » So 17. Mär 2019, 20:21

Wie flexibel ist eure Grundschule? Wenn die EInschulung zum HJ theoretisch möglich ist, würde ich das im Hinterkopf behalten und das KInd erstmal da lassen, wo es sich wohl fühlt. Ich glaube nicht, dass der Zeitpunkt der Einschulung im Bezug auf spätere Probleme einen Unterscheid ausmacht. Ganz im Gegenteil, ich vermute aufgrund eigener Efahrung mit sehr früh eingeschuluten Kindern, dass deine Große die gleichen Problemen mit der Arbeitseinstellung und Arbeitsverhalten gehabt hätte, wenn du sie ein oder zwei Jahre früher eingeschult hättest. Von deiner Auswahl bin ich bei "vielleicht".
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Re: vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

Beitragvon Edainwen » Mo 18. Mär 2019, 08:36

Ich würde in dem Fall auch sagen: kann man machen, muss aber nicht ;)

Das Alter sehe ich als kein Problem an. Unser Sohn wurde mit 5,3 Jahren eingeschult, ist jetzt in der 5. Klasse eines HB-Zweiges und auch da wieder mit den ältesten Kindern befreundet (fast 2 Jahre älter als er) anstatt mit den jüngeren (so alt wie er bzw. jünger). Bis jetzt gab es aufgrund des Altersunterschieds keine Probleme. Die Reife kommt mit den Kindern, mit denen man sich umgibt. In der Schule wurde nichts auf "das Alter" geschoben, das sollte bei einer wohlwollenden Lehrerin, die ihr nun ja habt, nicht der Fall sein.

Andererseits finde ich das Kind nun nicht extrem weit und sie geht ja wohl gerne in den KiGa. Lesen, Schreiben, Rechnen, kann sie auch ohne Schule lernen, wenn sie unbedingt will. Ich und meine beiden Kinder haben es ohne Schule gelernt und ohne, dass uns irgendjemand irgendetwas gezeigt hätte.

Bei uns war es beim Sohn bisher immer erfolgreich, ihn zu fragen, was er denn möchte. Deine Kleine wird das System Schule ja schon von der Großen kennen. Insofern fragt sie doch einfach, was sie will. Wenn sie im KiGa zufrieden ist, würde ich beim bewährten "never change a running system" bleiben, wenn sie gerne zur Schule möchte, spricht aber meines Erachtens auch nichts dagegen, sie einzuschulen. Nach den Wünschen der Erzieherin würde ich mich sicher nicht richten, denn sie sagt das schon richtig: so ein kompetentes Kind ist "wichtig für die Gruppe", klar, dass sie die gerne behalten wollen ;)
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Re: vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

Beitragvon Koschka » Mo 18. Mär 2019, 08:52

Ich sehe schon, dass unsere vielleicht dich nicht wirklich weiter bringen, weil du ja selber der gleichen Meinung bist. Daher ein praktischer Vorschlag: macht einen einfachen Test wie CFT. Bei uns hat ihn selbst die Beratungslehrerin in der Schule, das Alter passt. Denk dir eine Zahl und entscheide danach. Bei uns kann man auch die ersten drei Monate wieder auschulen, wenn die Schule und die Eltern beide der gleichen Meinung sind. Ich habe damals mit der Psychologin besporchen, wie tragisch für die Kinder das Ausschulen wäre. Sie hat meinte es sei nicht schlimm. Es gibt auch noch die Variante die 3. und selbst die 4. Klasse 2 mal machen, wenn das Kind aus emotionalen oder sozialen Gründen zu jung fürs Gymnasium ist. Ich kenne ein Kind bei uns, das die 4. vor dem Gymnasium wiederholt hat. Es kam aus Frankreich und sie schulen für unsere Verhältnsse 1 Jahr zu früh ein. Man kann auch ein Jahr in der Unterstufe wiederholen. Man kann auch in die umgekerhte Richtung gehen und springen. Bei einem ausgeglichenen, arbeitsbereiten Mädchen hast du viele Möglichkeiten offen.
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Re: vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

Beitragvon alibaba » Mo 18. Mär 2019, 09:20

Also das zurück schulen oder umschulen oder mal probieren - für mich wäre das keine Option. Entweder das Kind ist im Kiga oder in der Schule. So würde ich das meinen Kindern auch vermitteln.

Grundsätzlich weiß ich gar nicht, warum man den Drang hegt, so frühzeitig einzuschulen. Es ändert sich ja nichts. Eine schnelle Auffassungsgabe ist eine schnelle Auffassungsgabe und Freunde sucht man sich sowie da, wo es passt. Ich kann dem jungen Alter nicht so recht so viel abgewinnen, in ganz praktischer Sicht.

So fällt bei meinem Sohn die Fahrschule auf das Abitur. Weiter bin ich noch für alles verantwortlich, angefangen vom Studium bis hin zur Wohnungssuche. Der darf nichts alleine machen. Unbenommen davon bedeutet das auch länger arbeiten und diese Generation wird eh schon die längste Lebensarbeitszeit haben. Oder, wenn wir die Akzeleration anpassen, dann wäre ein Jahr Auslandsaufenthalt machbar. Wer soll das denn aber bitteschön bezahlen? So kann man hier erst mit 16 Jahren arbeiten und Geld verdienen. Das ist für sich selbst ein paar Groschen verdienen oder sinnvolle Praktikas zu bekommen, viel zu spät. Selbst an ganz profanen Dingens scheitert es. Rettungsschwimmer wird man erst mit 15 und das bedeutet ganz konkret für meinen Sohn (der kurz vor dem Ende steht), leider erst nächstes Jahr einen Job zu bekommen, wenn es den dann noch gibt.

Oder gerade - weil es aktuell ist. Mein Sohn hat einen Freund, der wurde jetzt 16. Da gibt es ganz praktische Probleme - wie das Kino oder die Ausgehzeit. Und auch wenn man das vielleicht abwinkt - hier ist DAS gerade ein Problem, im wahrsten Sinne des Wortes.

Egal wie ich es drehe und wende, ich kann einer Akzeleration nicht das abgewinnen, was man wohl darunter versteht. Nicht mal schulisch. Entweder ich hab's drauf oder nicht. Dem Lehrer ist egal wie alt ein Kind ist. Die differenzieren wenn sie wollen und nicht weil das Kind ja eh schon frühzeitig eingeschult wurde.

Auch einer Kigazeit kann ich vieles abgewinnen. Da muss man nichts machen, man kann. Ich muss keine HA machen, weil ich sie schon kann. Das gibt es nicht. ich muss nicht zig mal ein "A" schreiben, ich mache das wie mir es passt. HA-Kampf, der hier immer kam (bis jetzt) war ein Fremdwort für mich. Dieses reglementieren über das Kind, was ja Schule an mich überträgt, kannte ich bis dahin nicht. Klar, Kiga kann langweilig sein, Schule aber auch. Und Schule wird so oder so langweilig. Das hat ja nichts mit dem Alter des Kindes zu tun.

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Re: vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

Beitragvon Koschka » Mo 18. Mär 2019, 09:35

DIe Akzeleration hat ganz klare Vorteile für die Kinder, die gern mit den älteren Kindern zusammen sind und dessen soziale Fertigkeiten so weit ausgeprägt sind, dass sie es auch als so zu sagen "Vollmitglieder" schaffen. Das älteste Kind in der Klasse meiner Tochter ist 15. Ihre Freundinen sind frische 14. Noch Jahr nach oben wäre nicht gegangen aber so ist es gut. Die Unterforderung ist zwar da, aber nicht so ausgeprägt, wie sie noch ein Jahr tiefer gewesen wäre. Es ist schon ein Unterschied. Was man mit dem gewonnenen Jahr macht ist dem Kind und der Familie selbst überlassen. Ich glaube nicht, dass meiner Tochter an Ideen mangelt. Für das Auslandsjahr gibt es auch Stipendien. Sie sind sicher nicht leicht zu bekommen, aber einen Versuch ist das Wert. Man muss auch nicht unbedingt gleich studieren. Man kann einiges vor dem Studium ausprobieren, gerne auch im Ausland. Man kann auch früh genug studieren und zwei Abschlusse machen, je nach Interessen. Nicht alles an der Akzeleration ist positiv, aber alles in einem hat sie auch ihre positive Seiten.
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Re: vorzeitige Einschulung - ja, nein, vielleicht...

Beitragvon alibaba » Mo 18. Mär 2019, 09:52

Koschka hat geschrieben:DIe Akzeleration hat ganz klare Vorteile für die Kinder, die gern mit den älteren Kindern zusammen sind und dessen soziale Fertigkeiten so weit ausgeprägt sind, dass sie es auch als so zu sagen "Vollmitglieder" schaffen.


Es geht nicht darum, wie die Kinder sich gegenseitig akzeptieren. Auch hier ist die schon normale Bandbreite des Alters groß. Ich erlebe tagtäglich praktische Jetzt-schon-Probleme. So braucht mein Sohn bei der nächsten Konzertfahrt einen Betreuer. Seine 16-jährigen Freunde nicht. DAS ist ein Problem, vor allem wenn man so sein möchte wie seine Freunde. Es würde sogar passen, mein Sohn überhaupt nicht auffallen. Aber da schiebt der Gesetzgeber eben einfach einen Riegel davor.

All das, was mein Kind gerne mit seinen Kumpels machen möchte, geht nicht. Kein Kino für 16-jährige, keine längere Ausgehzeit, kein Geld verdienen ….. das ist ein großes Dilemma.

Dagegen ist "Langeweile" im Unterricht ein absolut nebengeordneter Punkt in den Lebens-Vorstellungen meines Teenagers. Mir fallen da ganz viele praktische Probleme ein, die aktuell das eigentlich gewollte Leben des Kindes einschränken.

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