Studien zur Früheinschulung

ja oder nein? Erfahrungen und Ratschläge

Studien zur Früheinschulung

Beitragvon sinus » Fr 19. Apr 2019, 22:58

...sind euch da welche bekannt?
Man liest so viel im Netz, aber recht wenig bezieht sich wirklich auf Hochbegabte bzw weit überdurchschnittlich Begabte.
An sich scheint bei bloßer Internetrecherche die Zahl der Stimmen, die eher negative Effekte eines frühzeitigen/vorzeitigen Schulstarts beschreiben, größer, als die, die Vorteile sehen.
Aber wie gesagt - da wird nicht unterschieden nach Normalbegabung/Entwicklungsvorsprung und Hochbegabung.
Kann ja sein, dass für Hochbegabte die Vorteile ganz anders wiegen, als die Nachteile. (die es auch bei hoher Begabung sicherlich hat)

Also - was wisst ihr darüber?
sinus
Dauergast
 
Beiträge: 454
Registriert: Fr 26. Nov 2010, 10:52

Re: Studien zur Früheinschulung

Beitragvon sinus » Fr 19. Apr 2019, 23:05

VOCK/PRECKEL/ HOLLING 2007
...habe ich dazu z.B. als Verweis gefunden. Weiß jemand mehr darüber?

Hier mal das Zitat, wo der Verweis vorkommt:
Während der Anteil der in Deutschland vorzeitig eingeschulten Kinder noch in den frühen 70er-Jahren zum Teil deutlich über 10 % lag, sank diese Quote in den folgenden Jahren beträchtlich auf einen Tiefpunkt von weniger als 3 % im Jahr 1991. Ab Beginn der 90er-Jahre bis 2004 zeigte sich wieder eine leicht steigende Tendenz zur vorzeitigen Einschulung, die im Zuge der Vorverlegung des regulären Einschulungsalters in den letzten Jahren eher stagnierte. Der Anteil vorzeitig eingeschulter Kinder liegt derzeit bei etwas mehr als 5 % (AUTORENGRUPPE BILDUNGSBERICHTERSTATTUNG 2010). Oft findet sich Widerstand bei Eltern, Erziehern und Lehrkräften, die das betroffene Kind noch für körperlich, sozial und emotional überfordert halten. Bei hochbegabten Kindern kann sich eine solche Maßnahme jedoch durchaus bewähren, da sie hilft, Unterforderung zu vermeiden. Die vorliegenden nationalen wie auch internationalen Evaluationsstudien zu den Effekten vorzeitiger Einschulung bei Kindern mit besonderen intellektuellen Fähigkeiten stimmen im Hinblick auf die Leistungsentwicklung insofern überein, als sie keinerlei Nachteile für vorzeitig eingeschulte Kinder berichten (VOCK/PRECKEL/ HOLLING 2007). Auch wenn die Befunde im Hinblick auf die sozio-emotionale Entwicklung dieser Kinder weniger einheitlich ausfallen, können sie insgesamt doch so bewertet werden, dass eine vorzeitige Einschulung mehr positive als negative Konsequenzen nach sich zieht. Von einer frühen Einschulung sollte jedoch insbesondere dann abgesehen werden, wenn die intellektuellen Fähigkeiten im eher durchschnittlichen Bereich liegen und zudem deutliche Defizite im sozialen Bereich, der manuellen Geschicklichkeit sowie der Ausdauer festgestellt werden. Weiterhin scheint der Ausgang der Maßnahme ungewiss, wenn die aufnehmende Lehrkraft einem solchen Schritt ablehnend gegenübersteht.


Quelle: https://www.pedocs.de/volltexte/2014/99 ... gabten.pdf
sinus
Dauergast
 
Beiträge: 454
Registriert: Fr 26. Nov 2010, 10:52

Re: Studien zur Früheinschulung

Beitragvon sinus » Fr 19. Apr 2019, 23:24

Hier noch etwas aus der Leseprobe
"Förderung Hochbegabter in der Schule: Evaluationsbefunde und Wirksamkeit von Maßnahmen (Hochbegabung)
von Miriam Vock (Autor), Franzis Preckel (Autor), Heinz Holling
Taschenbuch – 1. Juli 2007"
(Das Buch kostet leider gut 30 Euro)

Bild
Zuletzt geändert von sinus am Fr 19. Apr 2019, 23:34, insgesamt 2-mal geändert.
sinus
Dauergast
 
Beiträge: 454
Registriert: Fr 26. Nov 2010, 10:52

Re: Studien zur Früheinschulung

Beitragvon sinus » Fr 19. Apr 2019, 23:27

Bild
sinus
Dauergast
 
Beiträge: 454
Registriert: Fr 26. Nov 2010, 10:52

Re: Studien zur Früheinschulung

Beitragvon alibaba » So 21. Apr 2019, 17:29

g
Zuletzt geändert von alibaba am Fr 26. Apr 2019, 08:52, insgesamt 1-mal geändert.
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 3154
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Re: Studien zur Früheinschulung

Beitragvon Koschka » Mo 22. Apr 2019, 07:50

alibaba hat geschrieben:
Es ist so mühselig mit Schule. Es zwängt einen in so ein Korsett, schrecklich.


Jetzt stell dir vor, der Korsett ist dir drei Nummer zu klein... Was machst du? Nimmst einen grüßeren oder rangst weiter nach Luft?
Koschka
Dauergast
 
Beiträge: 1955
Registriert: Mo 2. Apr 2012, 20:57

Re: Studien zur Früheinschulung

Beitragvon alibaba » Mo 22. Apr 2019, 10:58

g
Zuletzt geändert von alibaba am Fr 26. Apr 2019, 08:52, insgesamt 1-mal geändert.
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 3154
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Re: Studien zur Früheinschulung

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 22. Apr 2019, 13:03

alibaba hat geschrieben:Ach Sinus.

Ich tue mich etwas schwer mit diesen frühen Einschulungen. Grundsätzlich. Ich frage mich, wofür, für was und welcher Nutzen sich daraus ergibt. Ich hab da ein Problem. Ich möchte meine Kinder gerne volljährig in die Selbständigkeit entlassen. Irgendwie beruhigt mich das.

Kurioserweise kenne ich hier einige Eltern, die so spät wie möglich einschulen wollen. Und das liegt nicht daran, dass die Kinder „dumm“ wären. Das hat auch nichts mit „lass das Kind noch spielen“ zu tun. Ich denke, die wollen sich aus den Zwängen des Systems etwas befreien, denn Schule ist Zwang und hat nichts mehr mit Freiheit zu tun.

Ich habe aktuell gekämpft, dass der Sohn, mal wieder, eine Schulveranstaltung schwänzt und sein Hobby ausleben darf. Wäre der Lehrer nicht so verständnisvoll, wäre das nicht gegangen. Es ist so mühselig mit Schule. Es zwängt einen in so ein Korsett, schrecklich.


alibaba hat geschrieben:Ein Korsett ist ein Korsett, egal ob nun zu klein oder zu groß. Der Reiz von Schule war bei meinen Kindern 4 Wochen nach Einschulung verflogen. Je älter ich werde umso mehr verstehe ich die Eltern, die hier die Einschulung so lange wie möglich hinaus zögern. Und das sind nicht Wenige, die bisher meinen Weg kreuzten. Das sind auch alles gebildete Menschen hier auf unserer behüteten Insel. Und ich behaupte mal unbewiesen, je höher der Bildungsgrad der Eltern, umso später die Einschulung, wenn man sie denn "verzögern" kann. Kann-Kinder werden hier zu 99% im Kiga belassen. Früheinschulungen gibt es hier Null. Nein, ich tauge nicht für Statistiken und allgemein gültig ist das auch nicht. Und trotzdem ist es interessant.


Ich verstehe nicht, worauf du mit deinen Beiträgen hinaus willst. Gefragt wurde nach Studien zur Früheinschulung. Damit hat das, was du schreibst, genau nichts zu tun.

Unbenommen davon kann natürlich jeder für oder gegen vorzeitige Einschulung bzw. Rückstellung sein und das hier kundtun. Aber wenn - nach deiner These - bei Kindern der Reiz der Schule ohnehin nach 4 Wochen schon weg ist, dann ist doch egal, ob man vorzeitig, regulär oder später einschult. Oder habe ich was falsch verstanden?

Abgesehen davon frage ich mich, wenn ein Kind schon nach 4 Wochen Schule demotiviert ist, wo die Ursache liegen könnte? Und Unterforderung KANN (muss nicht) da auch ein Grund sein, ebenso wie Dinge, auf die man als Eltern wenig Einfluss hat, wie z.B. demotiverte, selbstherrliche Lehrpersonen oder ein zu starr vorgegebener Lehrplan.

Und wenn ein 14jähriges Kind so von Schulveranstaltungen in Beschlag genommen wird, dass es seinen Hobbys nicht mehr nachgehen kann, was hat das dann mit vorzeitiger Einschulung zu tun? Ist das etwa anders, wenn man das Kind zurückstellt? Oder macht es einen Unterschied, ob das Kind in der 7., 8. oder 9. Klasse ist, wenn dieser Punkt erreicht ist?

Ich denke man muss bei dem Thema immer das Gesamtbild des Kindes sehen und die eigenen Vorstellungen und Erwartungshaltungen (als Eltern) unterordnen. Ich brauche auch nicht diskutieren, ob ich meinem 6 jährigen Kind Kleidung in Größe 122 anziehe oder doch in Größe 116 oder 134. Das ist etwas, was sich nach der Größe des Kindes richtet, nicht nach dem Altern, nicht danach, was für Kleidungsgröße die Nachbarkinder tragen und auch nicht danach, wie viel % der 6jährigen Größe 122 passt.

Dasselbe ist mit vorzeitiger Einschulung. Wenn das Kind schulreif ist, dann soll es eingeschult werden, unabhängig vom Alter. Wenn es nicht schulreif ist, soll es zurückgestellt werden, ebenfalls unabhängig vom Alter und auch unabhängig davon, ob es gerade "modern" ist, möglichst früh einzuschulen oder zurückzustellen.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2207
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: Studien zur Früheinschulung

Beitragvon Meine3 » Mo 22. Apr 2019, 13:20

alibaba hat geschrieben:Ach Sinus.

Ich tue mich etwas schwer mit diesen frühen Einschulungen. Grundsätzlich. Ich frage mich, wofür, für was und welcher Nutzen sich daraus ergibt. Ich hab da ein Problem. Ich möchte meine Kinder gerne volljährig in die Selbständigkeit entlassen. Irgendwie beruhigt mich das.

Kurioserweise kenne ich hier einige Eltern, die so spät wie möglich einschulen wollen. Und das liegt nicht daran, dass die Kinder „dumm“ wären. Das hat auch nichts mit „lass das Kind noch spielen“ zu tun. Ich denke, die wollen sich aus den Zwängen des Systems etwas befreien, denn Schule ist Zwang und hat nichts mehr mit Freiheit zu tun.

Ich habe aktuell gekämpft, dass der Sohn, mal wieder, eine Schulveranstaltung schwänzt und sein Hobby ausleben darf. Wäre der Lehrer nicht so verständnisvoll, wäre das nicht gegangen. Es ist so mühselig mit Schule. Es zwängt einen in so ein Korsett, schrecklich.



Hallo Alibaba,

Ich finde, dass du das zu einseitig betrachtest. Und das sage ich als grundsätzliche Befürworterin der später Einschulung, einfach weil ich so viele Kinder kenne, die mit grade 6 einfach noch nicht reif für die Einschulung waren, aber „mussten“ und die Eltern entweder die Rüclstellung nicht durch geboxt bekommen haben oder die Sache mit der Schule unterschätzt haben. Und das sind durchweg Akademikerkinder, gut gefordert und gefördert, intelligent und fit....

ABER: es kommt immer auf die ganz persönliche Situation an. Ein Kind, dass im
Kindergarten sichtlich leidet, da es chronisch unterfordert ist und weil der jeweilige Kindergarten vielleicht nicht unbedingt eine Oase der individuellen Förderung und des Ausgleichs ist, ist vielleicht tatsächlich in der 1. Klasse einer gute Grundschule besser aufgehoben! Unser alter Kindergarten war so großartig und individuell, dass auch 8-Jährige, fitte Kinder da noch ihren Spaß hätten haben können (sofern Peers vorhanden). Der jetzige Kindergarten ist an Verstocktheit, schlechtem Personal und Engstirnigkeit, sowie Überforderung mit klugen, lebhaften Kindern nicht zu überbieten und interessanterweise gibt es in diesem Kindergarten KEINE freiwilligen Rückstellungen. Da sind alle froh, wenn das Kind in die Schule „darf“. Im alten Kindergarten war Rückstellung normal ;).

Es gibt sicherlich überergeizige Eltezn mit überforderten Kindern, wo eine frühe Einschulung von den Eltern ausging und das letzten Endes für das Kind nicht gut war. Aber genau so kann frühe Einschulung auch „die Rettung“ sein...
Meine3
Dauergast
 
Beiträge: 119
Registriert: Mo 11. Mär 2019, 10:55

Re: Studien zur Früheinschulung

Beitragvon alibaba » Mo 22. Apr 2019, 15:14

g
Zuletzt geändert von alibaba am Fr 26. Apr 2019, 08:52, insgesamt 1-mal geändert.
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 3154
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Nächste

Zurück zu Vorzeitige Einschulung

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 2 Gäste

cron