Update: Quereinschulung

ja oder nein? Erfahrungen und Ratschläge

Update: Quereinschulung

Beitragvon Karen » Do 12. Sep 2019, 17:37

Ich habe immer mal wieder in anderen Themen kurz erwähnt wie es uns geht, aber ich möchte hier eine Thema mit dem Update eröfnen um andere Diskusionnen nicht zu belasten.
Meine Tochter ist noch nie gerne ins Kita oder Kiga gegangen. Letztes Kita Jahr haben wir nur durch viele Ferien geschafft. Der erste Jahr in Kindergarten war noch einigermassen ok (bei uns kommen alle Kinder ins obligatorischen Kindergarten mit 4 jahren, der Kiga aber nur von 8 bis 12 ist und an zwei nachmittagen 1.5 dazu). Sie hat immer mal wieder verweigerungsphasen gehabt, aber durch Sporttraining und viele Aktivitäten nachmittags können wir sie auffangen.

Der zweite Kiga Jahr wurde von Anfang an sehr schwierig. Ihr haben die ältere Kinder gefehlt, die Kigalehrerin war neu. Die Tochter hat am Anfang schon angefangen Kiga aktiv zu verweigern, und später psychosomatisch zu reagieren. Sie hat sich überangepasst, andere Kinder beobachtet und einfach das gemacht was die andere machten. Kiga hatte keine Ahnung was sie alles konnte. Sie hatte bauchschmerzen, Kopfschmerzen, hat wieder eingenässt. Ich musste sie regelmässig abholen, habe sie dann oft ins Büro mitgenommen und manchmal Kollegen im Labor aufgedrängt. 5 min später hatte ich in so einem fall wieder ein Kind ohne irgendwelche Schmerzen die Erwachsenenaufgaben im Labor übernommen hat und dabei glücklich war.

So eine Situation hat mich dazu bewegt sie schliesslilch abklären zu lassen. Der Resultat war IQ 140, 149+ in logischem Bereich, durchschnittlich im VG. Sie war damals bei der Test noch 5 jahre alt (der HAWIK ist eigentlich ab 6j), und an einem Tag stark erkältet.Die Psychologin hat gemainnt dass unter normalen umständen würde sie noch höhere Werte erreichen. Wir haben auch fragebogen zu ADHS ausgefüllt, und sie hat Konzentrationstests gemacht aber alles war unaufällig.

Die Emotionale und Soziale Reife wurde bei ihr auch durch eine Art Test-Aufgaben evaluiert, mit dem Resultat dass es im Bereich zwischen Altersgerecht - 10 Jahrigem Kind variert.
Die Psychologin hat empfohlen sie sofort einzuschulen (aus der Kiga rausnehzmen geht bei uns nicht), und hat selber bei der Schuldirektor Probezeit erkämpft. Schon 1 Woche nach der Probezeit haben die Lehrerinen zugestimmt. Sie hatte Rückstande was Lesen und Schreiben angeht, in Mathe konnte sie schon bei der 2 Klasse mitmachen. Es ist eine 1/2 Klasse durchmischt. Sie wurde von allen Kindern gut aufgenommen, und hat richtig aufgeblüht. Alle Psychosomatische Problemen waren weg oder fast weg. So ging es uns bis zu Ferien und auch inder Ferien. Sie war ausgeglichen und glücklich. SIe hat selber viel mit Thema anderes sein auseinadnergesetzt und damit ruhe gefunden. Es war für sie wichtig dass wir wussten dass sie anderes ist.

Nach der Sommerferien konnte sie in der Klasse bleiben als 2-klasslerin. Die neue 1-klässler sind dazu gekommen die sie Teils von Kiga schon kannte, die aber nie zu ihren Freundenkreis gehörten. Seit dem hat sie wieder mühe. Sie hat schulisch vieles aufgeholt schon während der Ferien, ohne das wir was gemacht haben. In Mathe ist ihr wieder langweilig - sie würde gerne mit Minus Zahlen rechen oder "durch" rechnen üben - davon sind die andere noch weit entfehrnt. Aber das grösste Problem ist dass sie fühlt sich von anderen 2-klasslern ausgegrenzt. Auch zu Hause beobachten wir es (teil der Kinder sind Nachbarn und sie spielen zusammen in offenen Garten (eigenltich eben nicht mehr)). Mit neuen Kinder in der Klasse kann sie nichts anfangen, da die Themen die sie interessieren wirklich weit weg sind.

Der Integrationslehrerin versucht das Thema mit Kinder zu besprechen, wir werden sehen ob es was bringt. Ich glaube ihres Problem war und ist immer noch dass sie sich zu fest anpassen versucht. Sie schaut anderen Kindern an wie sie sich verhalten und passt sich an. Sie kann sehr gut auf andere Kinder angehen wenn sie will (auf Campingplaz in der Ferien haben wir es mehrmals beonbachtet). Aber wenn sie angst hat zurückgewisen zu werden, macht sie es nicht mehr. Sie lässt auch andere über sie bestimmen, macht alles mit, ist super nett, bis sie es nicht mehr aushalten kann, und dann sich zurückzieht (oder weint oder ausflippt). Ich habe Gefühl dass durch jahreslangen Anpassen, sie nicht mehr schafft die alte Muster durchzubrechen. Ich weiss auch nicht so genau wie ich sie unterstützen kann, ihres Selbstwertgefühl wieder aufzubauen und sie helfen sich selbst zu sein.

Ich würde über euere Gedanken und Erfahrungen sehr freuen.
Zuletzt geändert von Karen am Fr 13. Sep 2019, 10:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Update: Quereinschulung

Beitragvon alibaba » Fr 13. Sep 2019, 09:44

Hallo Karen,

könntest du deinen Text editieren. Könntest du mehr Absätze reinbringen? So kompakt liest sich das wahnsinnig anstrengend - finde ich. ;)

Zu deinem Problem: Erst einmal - es wird Euch wohl noch ein paar Jahre begleiten - dieses grundsätzliche Problem. Es sind eben Kinder. Die sind klug, aber eben "nur" intellektuell. Reif wird man mit dem Alter. Das Problem mit "Unterforderung" ist ein grundlegendes. Die Fähigkeit schnell zu lernen (schneller als andere Kinder) ist ja da, egal in welcher Klassenstufe.

Hierzu ein Ausschnitt aus diesem Link: https://www.uni-marburg.de/de/fb04/ther ... hessen.pdf

"Innere Differenzierung bzw. Individualisierung in der Schule

Recht verstandene „Innere Differenzierung“ im Regelunterricht meint das Erfordernis,
nicht an alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse gleichermaßen einen „mittleren Leistungsmaßstab“ anzulegen und alle den gleichen Lern- und „Lernfortschritt“-Anforderungen
auszusetzen. Vielmehr sollte sich die Lehrkraft unter dem Blickwinkel einer „Pädagogischen Diagnostik“ ein Bild über die in der Klasse vorhandenen verschiedenen Leistungsfähigkeiten
und Lernbedürfnisse verschaffen und diesen durch unterschiedliche Aufgabenstellungen und -niveaus im Unterricht wie auch bei der Hausaufgabenstellung und -korrektur gerecht werden. Auf diese Weise können sowohl die Leistungsschwächeren, die „normal“ Leistenden als auch die in besonderer Weise Leistungsfähigen und Leistungsbereiten bis hin zu ihren jeweils persönlichen Leistungsgrenzen gefordert und gefördert werden."


Ich würde mit den Lehrern sprechen. Die müssten besser differenzieren. Damit steht oder geht eben Schule. Ich habe und hab mich immer hilflos in der Schule/mit der Schule gefühlt. Da alles von den Lehrern abhing. Sind die willig zu differenzieren? Es waren und sind leider die Wenigsten dazu bereit. Es war und ist ein ständiger Kampf.

Meinen Kindern haben auch ihre Hobbys immer sehr geholfen. Das schützt zwar nicht vor langweiligen Unterricht, aber man sieht das Licht am Ende des Tunnels (Schultages). Außerdem bestärkte es meine Kinder. Mittlerweile suchen sie sich gezielt die Dinge aus, die ihnen gut tun. Das Mädchen-Camp tat meiner Tochter sehr gut, da ihre Bedürfnisse und ihre Interessen (alles was mit Kunst zusammen hängt) im Zentrum standen. Sie wurde bestärkt da ihren Weg zu gehen und sich eben durch manche Widrigkeit des Lebens durchzukämpfen. Unter Anderem gab es da einen Motivationscoach. Manchmal kann ich als Mutter ja sagen was ich will. Oft werden Hinweise von Dritten viel effektiver gehört. ;) Lange Rede, kurzer Sinn - Hobbys sind bei uns sehr wichtig.
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Re: Update: Quereinschulung

Beitragvon Koschka » Fr 13. Sep 2019, 10:08

Hallo Karen,

meine Erfahrung zeigt, dass ein Kind, das nirgendwo auf Dauer sind in den Gemeinschaften wohl fühlt, nicht ganz neurotypisch ist. Ich bin kein Arzt, kein Profi, und kein Psychologe, das ist rein empirischer Erfahrung. Je höher der Grad der Abweichung vom neurotypischen Verhalten, desto größer sind die Integrationsprobleme. Der Grund der Anpassung bei deiner Tocher könnte die angeborene Schwäche in dem nonverbalen Bereich und der Kommunikation sein. Weil ihre eigene Muster sind nur zu langsam entwickeln, übernimmt sie die Fremde.
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Re: Update: Quereinschulung

Beitragvon Karen » Fr 13. Sep 2019, 11:06

Liebe Alibaba - ich habe versucht der Text ein wenig leslicher zu machen. Danke für den Hinweis. Ganz ohne Fehler geht leider nicht da Deutsch nicht meine Muttersprache ist.
Vielen Dank für die Rückmeldung. Eigentlich die Lehrerin ist sehr offen für Vorschläge und Differenzieren. Sie haben Wochenpläne, jeder kann aus verschiedenen Nieveaus Aufgaben nehmen. Ich glaube das Problem ist dass meine Tochter immer noch nicht zeigen kann oder will was sie kann oder Angst hat es am Ende doch nicht zu können. Das macht es für die Lehrerin sehr schwierig. Letztes Jahr hat es aber ziemlich gut funktioneirt. Ich vermute dass jetzt durch die neue Kinder muss sich die Klasse erst finden und die Lehrerin mehr ausgelastet ist als am ende letzten Jahres. Ich habe heute Morgen die Tochter ermutigt die Lehrerin selber anzusprechen (Gestern gab es Kriese bei Hausaufgaben die ziemlich langweilig waren). Ich hoffe sie getraut es.

Hobbys: Meine Tochter macht Kunstturnen auf Leistungsniveau. Wir wollten eigentlich nicht dass sie ins Leistungsgruppe geht, aber sie wollte es umbedingt und wir haben akzeptiert. Dort geht sie gerne hin und ist auch in der Gruppe beliebt und integriert. Wir machen auch mit manchen Mädchen aus Kunstturnen ab und es ist immer sehr ausgeglichen. Für Musik interessiert sie sich leider nicht (ich spiele Klavir und wir haben eins zu Hause).

Liebe Koschka, danke für den Hinweis. Ich habe mich auch schon mit Autismus auseinander gesetzt. Die Psychologin hat es ziemlich klar abgelehnt. Aber nur Kommunikation alleine als schwäche - über das hatte ich noch nicht nachgedacht. Danke. Die Einfühlungsvermögen meiner Tochter ist aussergewöhnlich gross. Bei Menchen und bei Tieren. Sie kann sie reflektieren und sie weiss was die andere Fühlen und kann es auch ziemlich treffend benennen. Ich glaube dass eine ihren Probleme ist dass sie andere nicht verletzen will wenn sie Spiel oder interaktion ablehnt. Wenn die Stimmung grundsätzllich nicht gut ist, mekrt sie es auch und das stört sie. Sie kann es aber noch nicht immer einordnen. Mit manchen Kindern kommt sie auch sehr gut zurecht - sie hat mehrere Freunden. Spannend dass sie fast immer mit der Jungen gut speilt wenn sie alleine mit 2-3 Jungs ist. In der Schule spielen aber Mädchen nicht mit Jungen und sie getraut sich nicht das zu ändern. Aber stimmt - grossen Gruppen hat sie überaut nicht gerne.
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Re: Update: Quereinschulung

Beitragvon alibaba » Fr 13. Sep 2019, 11:29

@karen

Ich glaube, dein Problem ist nicht lösbar. Intellektuell weit voraus zu sein, ist das eine. Es bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass man wie ein Erwachsener Dinge oder Probleme reflektieren oder angehen kann. Meine Kinder gingen nicht im GS-Alter zu ihrer Lehrerin und klärten da Unterforderungsprobleme …. die waren auch angepasst - ganz unbenommen von ihrem IQ. Es sind eben einfach noch Kinder. Und immer wieder waren Dinge neu. Auch nicht zu vergessen die eigene Entwicklung. Plötzlich verbinden sich eben die Synapsen und man "erschreckt" vor dem was man erfährt. So ein Kind ist ja in einer stetigen "Verwandlung". Mein 10.Klässler ist jetzt da, wo es für mich "einfacher" wird. Da er sich selber lenken kann. Welcher 1.Klässler kann das?

Ihr macht das doch schon sehr gut. Was soll man da noch mehr machen? Fördern und fordern am Nachmittag, aufmerksam sein mit der Schule - gibt es da noch Steigerungsformen?

Das einordnen der Dinge mit all der persönlichen Sensibilität des Individuums kommt mit dem Alter. Du wirst bestimmte Dinge akzeptieren müssen, weil du sie nicht ändern kannst. Wenn dein Kind sehr sensibel reagiert, dann wirst du das nicht ändern können. Aber dein Kind verändert sich ja Gott sei Dank. Bis dahin muss man eben manchmal einfach durch.
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Re: Update: Quereinschulung

Beitragvon Koschka » Fr 13. Sep 2019, 12:06

@karen

Reflektieren ist das eine, spontan reagieren ist das Andere. Kann deine Tochter spontan auf eine Umarmung reagieren? Kann sie damit umgehen, wenn plötzlich mitten im Spiel ohne Grund Regeln verändert werden? Kann sie verstehen, was der andere wirklich meint, wenn er sie auf die Schulter klopft und sagt: "Na, du Trottel?" Kann sie dann einordnen, ob das je nach dem Unterton böse oder aufmunternd gemeint war?

Bei Kindern mit autistischen Zügen fallen mir drei Themen auf.

1. Extreme Schwerigkeiten Freundschaften zu pflegen und Kontakte auf Dauer zu erhalten. Neue Leute kennen lernen ist viel einfacher als dran zu bleiben.
2. Probleme der Integration in allen oder fast Kindergruppen, mit extremen psychosomatischen Beschwerden.
3. Hoher Grad an Rigidität. Jede unvorhergesehe Änderung macht dem Kind zu schaffen. Zoo statt Schwimmbad? Alle Kinder johlen, ein Kind kann sich nicht damit abfinden. Weil er sich schon so auf das Bad eingestellt hat. Mathestunde statt Deutsch? Eigentlich hasst man Deutsch, aber die Programmänderung bereitet einem trotzdem einen leichten Unbehagen.

Ich weiß nicht, ob eure Psychologin Profi in Autistmus ist. Es gibt welche, die Erkennen autistische Züge noch bevor die Kinder den Mund aufmachen. Aber das sind nicht alle und die gut begabten Kinder können sich wahnsinnig gut anpassen. Je höhe das Alter, desto besser. Mit 2-3 fallen sie noch extrem auf, mit 7 kann schon nach außen kaum was sichtbar bleiben.
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Re: Update: Quereinschulung

Beitragvon Meine3 » Sa 14. Sep 2019, 16:06

Hallo Karen,

ich sehe in deinem Kind vielmehr ein hochsensibles Kind. Dazu gibt es auch viel Literatur, eventuell etwas, wo du dein Kind wieder findest... :fahne:

Es gibt auch viele Nicht-Autisten, die Probleme mit spontanen Änderungen haben und psychosomatische Beschwerden haben, wegen Kindergarten oder Schule. Ich zum Beispiel bin sicher kein Autist. Und wie oft hatte ich Bauchweh vor der Schule :cry: ...Oh weh... Auch spontane Änderungen ärgern mich oft oder "verunsichern" und stressen mich. Hochsensible mögen auch keine unvorhergesehenen Änderungen oder "zu viel" auf dem Tagesplan und auch große Menschenansammlungen, bzw. soziale Gruppen sind oft eher schwierig... Wenn die Hochsensibilität stark ausgeprägt ist, wie bei mir, kann das auch autistische Züge annehmen, ohne dass man Autist ist.

Für mich sind Autisten quasi eine ganz extreme Steigerung, bzw. Ausprägung hochsensibler Menschen, die vor lauter Reizen, die auf sie einströmen, sehr stark abschotten, die deshalb so feste Abläufe und Regeln brauchen und zu viel Nähe als quälend empfinden. Für mich ist wirkt es auch nicht so, dass Autisten NICHT empathisch sind. Sie sind es m.E. in so einem hohen Maße, dass sie Gefühle anderer ausgrenzen und so nicht wahrnehmen (können), um sich zu schützen. Akzeptiert man diese Schutzmechanismen nicht oder wird diese Abgrenzung durch etwas unterbrochen, so kommt es zu diesen "Ausrastern". Es gibt dazu einen wunderbaren Film von einer hochbbegabten Autistin, die im Erwachsenenalter erst von ihrem Autismus erfuhr. Das ist natürlich ein besonderes Beispiel, aber Autismus zu diagnostizieren ist, glaube ich, unheimlich schwer. Vor allem bei gleichzeitig hochbegabten Menschen. Auch die Abgrenzung zu "noch normal, aber extrem sensibel" zu leichtem Asperger-Autismus ist wohl fließend...

Es lohnt sich sicher, in Richtung Hochsensibilität und Asperger Autismus etwas näher hinzusehen...

Und sicherlich ist es auch einfach so, dass die Erkenntnis, dass man anders ist (und WARUM man es ist), zwar erst mal erleichtern und helfen kann, aber nachhaltig dann doch nicht alle Probleme löst ;). Deine Tochter ist kein anderer Mensch, nur weil sie nun um ihre Begabung weiß. Sie ist immer noch ein sehr junger Mensch, ein KIND, dass von der Norm abweicht, das anders ist in vielerlei Hinsicht, das mehr versteht, mehr sieht, mehr wahr nimmt. Nichts desto trotz ist sie ein KIND, Kein Erwachsener. Viele ihrer Gefühle kann sie sicher nicht immer einordnen oder vernünftig erklären. Sie versucht sich natürlich anzupassen, denn wer will nicht dazu gehören? Und dann merkt sie, dass es nicht klappt und das verunsichert und frustriert sie und sie nimmt Abstand. Sie braucht eventuell auch einfach mehr Freunde "ihresgleichen".... Kinder, die auch hochbegabt sind oder die zumindest sehr pfiffig sind ;) ... Und das ist nicht immer leicht... Ich denke auch, dass das zusammentreffen mit ihren früheren Kindergarten-Kollegen (ich nenne es absichtlich nicht Freunde), die ein oder andere unschöne Erinnerung wieder aufleben lässt und sie dadurch einfach so ein wenig in das alte Muster verfällt...

Meine Tochter entwickelt sich übrigens auch grade zum Problemfall, nachdem Sohn nun endlich in der Schule ist, igelt unsere Vorschultochter sich im Kindergarten immer mehr ein und will überhaupt nicht mehr hin :cry:. Was ich da machen soll, weiß ich auch noch nicht. Wenn es "schlimmer" wird, werde ich versuchen sie tageweise rauszunehmen, aber das ist organisatorisch unheimlich schwer...

Gruß, Meine3
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Re: Update: Quereinschulung

Beitragvon Koschka » Sa 14. Sep 2019, 18:15

@Meine3

Wie ist eure Grundschule? Könnten sie deine Tochter als Gastkind für 2 Tage der Woche in die 1. jetzt nehmen und ab dem 2 HJ dann offiziell einschulen?
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Re: Update: Quereinschulung

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 14. Sep 2019, 22:05

Meine3 hat geschrieben:Für mich sind Autisten quasi eine ganz extreme Steigerung, bzw. Ausprägung hochsensibler Menschen, die vor lauter Reizen, die auf sie einströmen, sehr stark abschotten, die deshalb so feste Abläufe und Regeln brauchen und zu viel Nähe als quälend empfinden. Für mich ist wirkt es auch nicht so, dass Autisten NICHT empathisch sind. Sie sind es m.E. in so einem hohen Maße, dass sie Gefühle anderer ausgrenzen und so nicht wahrnehmen (können), um sich zu schützen. Akzeptiert man diese Schutzmechanismen nicht oder wird diese Abgrenzung durch etwas unterbrochen, so kommt es zu diesen "Ausrastern". Es gibt dazu einen wunderbaren Film von einer hochbbegabten Autistin, die im Erwachsenenalter erst von ihrem Autismus erfuhr. Das ist natürlich ein besonderes Beispiel, aber Autismus zu diagnostizieren ist, glaube ich, unheimlich schwer. Vor allem bei gleichzeitig hochbegabten Menschen. Auch die Abgrenzung zu "noch normal, aber extrem sensibel" zu leichtem Asperger-Autismus ist wohl fließend...


Sorry, aber da muss ich deutlich widersprechen. Ich bin Mutter von zwei diagnostizierten Autisten und keiner von beiden entspricht den von Dir beschriebenen Klischees. Weder schotten sich meine Jungs sehr stark gegen Reize ab noch brauchen sie feste Ablaufe. Regeln sind schon wichtig, aber das sind sie mMn für jedes Kind, ob autistisch oder nicht. Und ganz ehrlich - was ist "zu viel" Nähe? Meinen Jungs ist beiden Körperkontakt extrem wichtig - aber natürlich empfinden sie es als quälend, wenn man ihnen dauernd auf die Pelle rückt oder wenn man (als Mutter oder Vater) zu einem ungünstigen Zeitpunkt, also z.B. während eines intensiven Spiels, mit ihnen kuscheln will. Bevor ich diesen Beitrag geschrieben habe bin ich mit beiden Jungs mindestens 20 Minuten im Bett gelegen und habe abwechselnd gestreichelt, geküsst, massiert und gekitzelt (gekitzelt nur den jüngeren Sohn, der ältere mag das nicht). Und beide haben aktiv mitgemacht und meine Zärtlichkeiten erwidert.


Was Empathie betrifft: mein älterer hat Sohn große Schwierigkeiten, Beweggründe von anderen Menschen zu verstehen. Er kann sich z.B. nicht vorstellen, warum eine Mitschülerin weint, und erfindet abstruse Theorien dazu (irgendein Ereignis von vor 3 Wochen macht sie traurig), kommt aber nicht auf naheliegende Gedanken (sie hatte vorhin Streit mit einer Freundin). Mein jüngerer Sohn ist empathischer und fürsorglicher. Wenn ich mir weh getan habe tröstet er mich, bläst auf die AUA-Stelle und erkundigt sich nach einiger Zeit, ob es "wieder gut" sei. Aber er glaubt immer, wenn wer weint, die Person hätte sich weh getan. Andere Gründe zum weinen erschließen sich ihm nicht. Aber nachdem ich mir vor gut 3 Wochen beim kochen die Hand verbrüht habe animiert mich mein jüngerer Sohn jetzt immer, auf beiden Händen Topfhandschuhe zu tragen, bevor ich den Herd einschalte :mrgreen: . Mein älterer Sohn käme nie auf so eine Idee (nicht mal bei sich selbst, geschweige denn bei jemanden anderen).

Autistische Anfälle hat übrigens nur mein jüngerer Sohn. Mein älterer Sohn kreischt zwar schnell mal auf, wenn was nicht nach seinem Kopf geht (niedrige Frustrationsschwelle), aber das ist nur kurz und nach 1-2 Minuten hat er sich wieder beruhigt. Ein schwerer Meltdown (autistischer Anfall) beim jüngeren Sohn dauert hingegen 20 bis 45 Minuten und er ist dann weder ansprechbar noch zu beruhigen. Man kann nur daneben stehen und abwarten und dabei aufpassen, dass er sich nicht selbst verletzt.

Und die Abgrenzung "noch normal, aber extrem sensibel" zu Asperger Autismus ist nicht fließend. Nicht umsonst ist Autismus eine Spektrums-Störung und man muss schon mehrere Kriterien erfüllen um eine entsprechende Diagnose zu bekommen. Und was ist ein "leichter" Asperger-Autismus? Wie stuft man das deiner Meinung nach ab? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele neurotypische Menschen mit wenig Ahnung von Autismus meinen, Autisten, die wenig auffallen, wären nur "leicht" betroffen und je auffälliger desto "stärker" sei der Autismus. Sorry, aber das ist schlichtweg Quatsch!

Autismus ist eine Wahrnehmungsstörung. Sie begründet sich in anderen Denkmustern. Das Verhalten, das nach außen gezeigt wird, ist nur ein Spiegel dieses Musters. Bei meinem älteren Sohn sehe ich das immer wieder sehr deutlich. Seine Handlungen erschließen sich mir, wenn ich ihn nach den Beweggründen frage, sonst nicht. Als z.B. ein anderes Kind im Hort zu meinem Sohn gesagt hat "Heute gibt es Spaghetti zum Mittagessen" hat mein Sohn dieses Kind angeknurrt "Laß mich in Ruhe und provozier mich nicht!". Nachgefragt, warum er so unfreundlich sei, meine mein Sohn im Brustton der Überzeugung, das andere Kind habe ihn "sicher" mit dieser Aussage ärgern wollen, weil "Da ist ja der Speiseplan an der Wand! Ich kann selbst lesen, dass es Spaghetti gibt. Warum sagt mir der das dann? Entweder er glaubt, ich kann nicht lesen, oder er will mich ärgern!". Dass das andere Kind einfach Konversation macht oder ihm erzählt, dass es Spagehtti gibt, weil es sich selbst darauf freut, ist nicht im Erklärungsplan meines Sohnes enthalten. Wenn man es ihm sagt versteht er es, aber selbst würde er nie darauf kommen.

Bei meinem Sohn ist die gezeigte Reaktion (anderes Kind böse anknurren) "nur" unfreundlich. Wäre mein Sohn aggressiv würde er das andere Kind vielleicht schlagen, weil er sich provoziert fühlt. Wäre er schüchtern würde er vielleicht gar nichts sagen, sich aber trotzdem provoziert FÜHLEN. Der Irrtum im Kopf wäre immer der gleiche. Daher meine ich, dass man von dem nach außen gezeigten Verhalten nicht ableiten kann, wie "stark" autistisch ein Kind ist. Klar gibt es Autisten, die stärker beeinträchtigt sind als andere. Aber das sind nicht immer die auffälligsten, sondern oft genau die, wo man als Außenstehender kaum was von der Störung merkt.
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Re: Update: Quereinschulung

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 14. Sep 2019, 22:31

@Karen: Natürlich KANN bei deiner Tochter zusätzlich zur Hochbegabung (und ev. Hochsensibilität) auch eine Wahrnehmungsstörung wie Asperger Autismus oder ADS (ohne H) vorliegen. Ich (als Mutter von einem Asperger Autisten mit ADHS und einem gehörlosen Autisten) sehe aber keine ausdrücklichen Hinweise darauf in deiner Beschreibung. Aber ich bin kein KJP und kann daher aus der Entfernung nur eine Laien-Einschätzung abgeben. Für eine genaue Abklärung würde ich in eine Autismus-Ambulanz gehen. Wie koschka schon erwähnt hat, sind dort Profis, die auch Hinweise deuten können, die "normalen" KJPs gar nicht auffallen.

Bei meinem älteren Sohn habe ich Autismus lange ausgeschlossen, weil sein Bruder da schon die Diagnose hatte und meine Jungs einfach vom Wesen her sehr unterschiedlich sind. Mein jüngerer Sohn entspricht deutlich mehr Klischees (früher wenig Blickkontakt, Tics, Spezialinteressen, Mathe-Ausnahmebegabung), da war "es" ziemlich offensichtlich. Bei meinem älteren Sohn hingegen war es längst nicht so klar. Daher konnte ich die Diagnose erst auch nicht glauben. Aber als ich das Buch von Peter Vermeulen "Autismus als Kontextblindheit" gelesen hatte, war mir klar, dass tatsächlich auch mein älterer Sohn Autist ist.

Aber ehrlich gesagt glaube ich eher, dass das Problem deiner Tochter wirklich daran liegt, dass in ihrer Klasse nicht differenziert wird. In der ersten Klasse konnte sie bei den Zweitklässlern "mitmachen", jetzt ist ihr vermutlich langweilig und sie hat durch ihren kognitiven Vorsprung auch keine Gesprächspartner "auf Augenhöhe". Ich persönlich finde schlimm, wenn alle Kinder den gleichen Unterrichts-Einheitsbrei bekommen, unabhängig davon, ob das für sie passt oder ob sie unter- oder überfordert sind.

Mein jüngerer Sohn besucht eine gebärdensprachige Sonder-Mehrstufenklasse für gehörlose Autisten. Seine großen Talente sind Mathe und räumliches Vorstellungsvermögen. Seit 2 Wochen ist mein Sohn jetzt Zweitklässler und er arbeitet im Mathe-Buch der 4. Klasse. Dafür bekommt er Sachunterricht auf dem Niveau eines Vorschulkindes. Würde man ihm Plusrechnungen im 100er Bereich (wie sie in der 2. Klasse Grundschule üblich sind) vorlegen, wäre er vermutlich auch frustriert und würde nicht gern in die Schule gehen. Aber da kann man natürlich sagen: 2 Kinder und 4 Lehrer, da ist differenzieren einfach!

Mein älterer Sohn besucht eine Mehrstufen-I-Klasse einer normalen, städtischen Grundschule. Dort werden ebenfalls alle Kinder (24 in seiner Klasse) differenziert unterrichtet. Mein Sohn bekam in seinem Talent-Fach deutsch schon in der ersten Klasse Arbeitsblätter wo "3. Schulstufe" und "4. Schulstufe" drauf stand. Vergangenes Jahr hat er als Drittklässler einen Aufsatz über Quantenphysik geschrieben und mehrere Referate gehalten (z.B. über die Jungsteinzeit). Und man hält ihn in der Klasse bei Laune, indem man ihn (still) Comics lesen lässt, wenn er seine Aufgaben erledigt hat. Auch für ihn wäre es quälend, müsste er genau das machen, was im Lehrplan seiner aktuellen Schulstufe steht.

Liebe Karen, ich vermute mal stark, dass sich deine Tochter nach einem Klassensprung wieder wohler fühlen würde, auch weil sie dann wieder Mitschüler auf ihrer Wellenlänge hätte. Keine Ahnung ob euch das möglich wäre und auch keine Ahnung, ob es langfristig eine gute Lösung wäre. Die akutellen Probleme wären aber damit sehr wahrscheinlich aus der Welt geschafft. Sonst würde mir noch ein Schulwechsel in eine Schule, wo WIRKLICH differenziert wird, einfallen (ohne Sprung), am besten eine Mehrstufenklasse.
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