Kommunikationsschwierigkeiten durch Hochbegabung?

mein Kind verhält sich anders als die anderen - ist es hochbegabt?

Kommunikationsschwierigkeiten durch Hochbegabung?

Beitragvon Raslamared » Mo 4. Dez 2017, 14:21

Hallo Zusammen,

mein Sohn ist 9 Jahre alt. Er hat seit längerer Zeit Schwierigkeiten sich an einer Kommunikation zu beteiligen. Die Situation ist unheimlich schwer zu beschreiben. Er scheint sehr schüchtern zu sein, außerdem hat er Probleme sich richtig zu artikulieren und den angesprochenen Themen zu folgen. Bei schnellen Themenwechseln ist er sofort überfordert.
Irgendwie habe ich das Gefühl als hätte er bei jeder Kommunikation eine Schranke in seinem Kopf, die ihn beim Reden blockiert.

Kennt sich da jemand aus ob solche Symptome normal sind?

Viele Grüße
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Re: Kommunikationsschwierigkeiten durch Hochbegabung?

Beitragvon Reimies » Mo 4. Dez 2017, 15:54

Hallo Raslamared,

ich kann dich und dein Problem gut verstehen. Bei Kindern ist das glaube ich keine Seltenheit. Sie haben oftmals gar nicht die Ruhe und den Willen, mehreren Gesprächsthemen zu folgen.
In der Arbeitswelt wird oftmals von einer "Sperre" und nicht von einer "Schranke" gesprochen. Ich kenne sowas aus dem Berufsleben, vor allem in höheren Etagen und bei Managern gibt es solche "Kommunikationshemmer". Ich habe darüber einen sehr interessanten Artikel gefunden, den solltest du dir wenn du Zeit hast mal anschauen:

https://business24.ch/2014/06/09/was-sind-kommunikationssperren-und-wie-lassen-sie-sich-vermeiden/

Viele Grüße und dir und deinem Kind ganz viel Erfolg!
Das wird schon alles werden.
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Re: Kommunikationsschwierigkeiten durch Hochbegabung?

Beitragvon Koschka » Mo 4. Dez 2017, 23:41

Kommunikationsschwerigkeiten, die durch Hochbegabung entstehen, können sich in dem 2. oder 3. Lebensjahr äußern. Ein Kind spricht viel und hat einen weiten Ereignishorizont. Der Rest kann sich nur an der akutellen Tätigkeit konzentrieren. Mit 9 Jahren sind alle Kinder so weit, dass sie sich zu bestimmten kindgrerechten Themen ohne große Abstraktions- und Analyseansätze unterhalten können. Zu diesen Themen gehört aktuelles Schulleben, Erlebnisse außerhalb der Schule, angesagte Bücher und Fernsehsendungen, Sport und einiges mehr. Ein 9-jähriges hochbegabtes Kind kann auch einiges mehr über Wissenschaft, Religion und Geschichte wissen, aber meistens ist das Kind in der Lage zu verstehen, dass solche Themen besser bei den Eltern ankommen als bei den Gleichaltrigen. Es gibt trotzdem Kinder, die es versuchen, ihr Wissen den anderen vorzutragen. Das verursacht nur Unverständnis und Ablehnung.
Wenn dein Kind nur schweigt, wenn die anderen reden, könnte er rein theoretisch Probleme anderer Art haben: der auditiven Wahrnehmungsverarbeitung. In diesem Falle dauert die Verarbeitung verhältnismäßig zu lang. Bevor er einen Satz verstanden hat, ist der Gegenüber schon beim nächsten. Wenn ihr einen IQ-Test gemacht habt, müsste dieses Thema schon aufgefallen sein.
Es gibt noch solche Themen wie selektiver Mutismus. Aber das erscheint mir auch zu gravierend, um auf eure Situation zu passen.
Vielleich kann man mehr sagen, wenn du als Beispiel eine konkrete Situation schreibst oder mehr über deinen Sohn erzählst.

Liebe Grüße,
Koschka
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Re: Kommunikationsschwierigkeiten durch Hochbegabung?

Beitragvon Willow77 » Di 5. Dez 2017, 07:28

@Koschka, Hochbegabung hin oder her, es gibt Menschen die einfach extremst zurückhaltend/schüchtern sind.
So wie ich. Ich bin hochbegabt, und doch seeeeehr zurückhaltend. Als älteres Kind/junger Teenager habe ich lange Zeit mit niemandem, ausser meinen Eltern gesprochen. Schon gar nicht mit anderen Erwachsenen. Im Kindergarten habe ich anscheinend während des "Unterrichts" 2 Jahre lang kein Wort gesagt, kein Lied mitgesungen, nichts. Das ging schon in Richtung selektiver Mutismus. Ob das nun was mit der Hochbegabung zu Tun hat, weiss ich nicht. Aber ich kann die in meinem Bekanntenkreis, dass Hochbegabte es eigentlich gleich einfach oder einfacher haben sollen, Kontakte zu knüpfen, echt nicht mehr hören. Auch heute noch kann ich mit anderen Leuten ein Jahr und mehr in einem Kurs (Zumba, Yoga) verbringen, ohne mit ihnen zu reden. Freundschaften finden und pflegen ist immer noch seeehr schwer, weil ich mich einfach niemandem einfach so öffne, und seeehr lange einfach beim Grüßen bleibe, und dann seeeeehr lange einfach bei Small Talk bleibe.
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Re: Kommunikationsschwierigkeiten durch Hochbegabung?

Beitragvon Rabaukenmama » Di 5. Dez 2017, 08:06

Ich finde auch dass Kommunikationsschwierigkeiten und Hochbegabung voneinander unabhängig sind. Klar kann sein dass zufällig mal bei einem Menschen beides zusammenkommt.

@Willow77: Die Vorurteile, was Hochbegabte angeblich so "gut können" und wo sie Probleme haben, kann ich auch schon nicht mehr hören! Erinnert mich ein bißchen an die Aussage "Ich will mein Kind nicht impfen lassen. Eine Nachbarin hat ihre Tochter impfen lassen und drei Tage später ist sie aus dem Fenster gefallen!"
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Kommunikationsschwierigkeiten durch Hochbegabung?

Beitragvon Raslamared » Di 5. Dez 2017, 08:45

Hallo Zusammen,

vielen Dank für eure zahlreichen Rückmeldungen. Naja, das mit der genauen Beschreibung der Situationen ist recht schwierig, da sich sein Verhalten oftmals sehr verändert. Er kann sich so gut wie nicht an Gesprächen beteiligen. Vielen Dank auch für den Link, Reimies. Ich hab ein paar Punkte gefunden, die auch auf meinen Sohn zutreffen. Bspw. aus Punkt 12 "unlogisch argumentieren". Am meisten aber trifft das beschriebene Verhalten aus Punkt 10 auf ihn zu: "sich zurückziehen, ablenken".
Vielen Dank an alle die sich Zeit genommen haben.

Viele Grüße
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Re: Kommunikationsschwierigkeiten durch Hochbegabung?

Beitragvon Koschka » Di 5. Dez 2017, 11:16

@WIllow

ich glaube auch Schüchternheit kann ihre Ursachen haben. Ich würde sagen, dass Usicherheit ein Teil davon sein könnte. Ich war auch ziemlich schüchtern als Kind. Erst als meine Kinder in die Schule kamen, habe ich rausgefunden, dass ich Konvestation nur dann gut verstehe, wenn ich das Gesicht von Sprechendem direkt sehe. Ich bin nicht taub, ich höre liebend gerne Hörbücher, aber sobald der Ton nicht frontal ankommt, muss ich mich anstrengen und vieles interpretieren. Ich glaube das war bei mir schon immer so, und es war einer der Gründe, warum ich schüchtern war.

LG
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Re: Kommunikationsschwierigkeiten durch Hochbegabung?

Beitragvon charlotte12 » Mi 6. Dez 2017, 10:30

Kann es sein, dass dein Sohn weder richtig dem Gesprächsinhalt folgen kann noch natürlich formulieren kann, weil er viel zu beschäftigt damit ist, darüber nachzudenken, wie er selbst auf die anderen wirkt, was die z.B. wohl denken könnten, weil seine Stimme zittert, darüber zu erschrecken, dass da eine Pause im Gespräch ist und er doch jetzt ganz schnell was Schlaues sagen muss, ihm aber gerade überhaupt nichts einfällt usw. Wenn man so richtig schüchtern ist, kann man durch so was dermaßen unter Adrenalin gesetzt sein, dass man komplett in den Kampf- oder Flucht-Modus schaltet und das Denken nicht mehr funktioniert, egal wie hoch der IQ ist. Wenn das das Problem wäre, ginge das Ganze in Richtung soziale Phobie, da gibt es auch Selbsthilfe-Literatur dazu. Wie man sich selbst nicht mehr so unter Druck setzt, dass man nicht mehr denken kann, indem man sich selbst klar macht, dass man es auch überlebt, wenn z.B. in einem Gespräch plötzlich keiner mehr was zum Thema sagt, und dass es egal ist, ob man rot wird und ob sich der andere irgendwas dabei denkt.
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Re: Kommunikationsschwierigkeiten durch Hochbegabung?

Beitragvon unwissende-neu » Mo 22. Jan 2018, 21:25

Meine Große hat das Problem, dass sie bei manchen Themen schneller denken als reden kann. Gepaart mit Konzentrationsschwierigkeiiten.
Dann ist sie mit den Gedanken schon weiter und sie sagt dann nur noch "und dann... und dann... und dann...." oder wieder holt die letzten Wörter immer und immer wieder, als ob eine Platte stehen geblieben ist. Dadurch wirkt es dann sehr stotterig und klingt alles andere als Intelligent *lach*
Dann hängt sie einfach ihren Gedanken nach, während sie redet und vergisst einfach weiter zu reden.
Beim Lesen haben wir das Phänomen auch. Ihre Augen sind schon eine Reihe weiter im Text, als sie sagt. Dadurch gibt sie es dann entweder sinngemäß wieder oder es fehlen Satzteile.

Meinst du so etwas?

Ansonsten beteiligt sie sich auch wenig an Gesprächen ihrer Mitschüler, da sie sich für die Themen manchmal einfach nicht interessiert und sie sagt, dass sie ihre Witze ja eh nicht kapieren. Sie wirkt zwar oft Schüchtern, aber es ist eher eine Art Arroganz, die sie aber für sich behält. Sie nimmt ihre Gesprächspartner einfach nicht immer für voll und Überlegt dann auch zusätzlich noch, wie sie es formulieren kann, dass auch die anderen es verstehen können.

Unterscheidet sich denn sein Verhalten, bei unterschiedlichen Gesprächspartnerm und Unterschiedlichen Themen? z.B. Small Talk - das fällt mir persönlich auch sehr schwer, denn da sehe ich wenig Sinn drin. Wie das Wetter ist, sieht ja jeder und was in der Nachbarschaft so passiert finde ich auch nicht wirklich spannend. - Und genauso ist es bei meinen Kindern auch. Für den Schulhofklatsch sind sie nicht zu haben, im Unterricht gehen ihnen die Themen oft nicht tief genug .... Auf Fragen wie: Was möchtest du heute abend essen? - Bekomme ich auch nur sehr schwer eine Antwort, da sie dann einfach nicht zu hören bzw. nicht anfangen darüber nachzudenken.
Sprechen wir ( oder andere Erwachsene) aber über Politik, Medizin, Tierschutz, Religion oder andere Themen, die für die beiden Interessant sind, reden sie wie ein Wasserfall und beherrschen auch vollständige Sätze ;)
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