Versteckte Hochbegabung

mein Kind verhält sich anders als die anderen - ist es hochbegabt?

Versteckte Hochbegabung

Beitragvon Smarti26 » Mo 23. Jan 2017, 23:45

Wie verhält sich eine versteckte Hochbegabung/Überdurchschnittlichkeit?
(Ab IQ 115 aufwärts)

Lg
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Re: Versteckte Hochbegabung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 24. Jan 2017, 09:51

Ich weiß jetzt nicht was du unter "versteckte Hochbegabung ab IQ 115 aufwärts" verstehst. Von IQ 115 bis 130 gilt man nicht als hochbegabt sondern als "begabt" - wie kann da eine Hochbegabung vorliegen? Und was ist mit "versteckt" gemeint?

Wenn du mich fragst gibt es keine versteckte Hochbegabung. Es gibt ja auch keine versteckte Großwüchsigkeit. Als großwüchsig gilt, wer innerhalb seines Geschlechts und der Bevölkerung zu den größten 3% gehört. Als hochbegabt gilt, wer zu den 2% gehört, die bei einem Standard IQ-Test am besten abgeschnitten haben. Beides - sowohl Körpergröße als auch IQ - ist messbar. Ein 185cm großer Mann ist nicht großwüchsig (auch nicht "versteckt") weilbei Männern in Mitteleuropa erst ab einer Körperlänge von 192cm von Großwüchsigkeit gesprochen wird. Ebenso gibt jemand, bei dem der IQ-Test ein Ergebnis von 120 gemessen hat, nicht als hochbegabt.

Wie an anderer Stelle schon geschrieben gibt es aber bei Begabung durchaus Menschen, welche diese in Testsituationen nicht abrufen können. Meinst du das mit "versteckter Hochbegabung"? Also jemand, der zwar geistig das Rüstzeug hätte, beim IQ-Test einen Wert von z.B. 140 zu erreichen, tatsächlich aber aus irgendwelchen Gründen nur 120 geschafft hat?
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Re: Versteckte Hochbegabung

Beitragvon Smarti26 » Di 24. Jan 2017, 10:44

Ja das weiß ich wohl, deswegen hab ich oben eben geschrieben “Hochbegabung/Überdurchschnittlichkeit“ ab IQ 115.

Da ja auch “Symptome“ einer Hochbegabung ab 115 vorliegen können.

Es gibt ja auch Underachiever.

Versteckte in dem Sinne bei überdurchschnittlicher Intelligenz. Haben die auch ein großes Detailwissen?
Oder fakken die eher mehr durchs schnelle merken auf?
Über IQ 115-129 findet man im Internet so wenig.
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Re: Versteckte Hochbegabung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 24. Jan 2017, 12:44

Underarchiever kenne ich eher als Bezeichnung für Menschen, die einen getesteten hohen IQ haben, das aber im Leben nicht umsetzten können. Die dann z.B. als Lagerarbeiter oder Taxifahrer jobben obwohl sie eigentlich - rein vom IQ her - Hochschulprofessoren sein könnten...

Großes Detail Wissen hat meiner Beobachtung nach nicht viel mit der Höhe des Gesamt-IQ zu tun. Man kann aus der Höhe des gemessenen IQ absolut nicht ableiten ob jemand zu bestimmten Themen hohes Detail Wissen hat oder nicht. Wenn wer hohes Detail Wissen hat dann erkennt man das ohnehin. Dazu braucht man keinen IQ-Test.

Ich versuche es mal mit Beispielen:

Person X hat einen Gesamt-IQ von 100, gemessen in 4 Bereichen: Bereich A: 90, Bereich B: 90, Bereich C: 90, Bereich D: 130
Person Y hat einen Gesamt IQ von 120 homogen verteilt - also in den Bereichen A-D jeweils 120
Person Z hat einen Gesamt IQ von 140: Bereich A: 180 Bereich B: 150, Bereich C: 130, Bereich D: 100

In dem Beispiel hat Person X zwar den niedrigsten Gesamt-IQ, in Bereich D aber trotzdem bessere geistige Voraussetzungen als Person Y und Person Z. Person X ist somit die einzige Person in dem Beispiel, die IN TEILBEREICH D als "hochbegabt" angesehen werden kann. In dem Bereich ist außerdem die vom Gesamt-IQ her eindeutig hochbegabte Person diejenige mit den schlechtesten Voraussetzungen.

So einfach bleibt es aber nicht. Der IQ ist gibt ja nur die Obergrenze im kognitiven Teil für die jeweiligen Bereiche vor. Zum Gesamtbild gehören aber auch Gedächtnisleistung, Motivation, Interesse, Durchhaltevermögen, Frusttoleranz, Resilienz, usw. Es kann also durchaus sein, dass eine interessierte, motiverte, ausdauernde Person mit IQ 115 tatsächlich bessere Leistungen bringt als eine Person mit IQ 130 im gleichen Bereich.

Der IQ ist nicht die bestimmende Größe für bestimmte Fähigkeiten bzw. für Erfolg oder Misserfolg im Leben.
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Re: Versteckte Hochbegabung

Beitragvon Smarti26 » Di 24. Jan 2017, 13:48

Ok danke.
Das war ja mal eine tolle Erklärung.
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Re: Versteckte Hochbegabung

Beitragvon jennyDE » Mo 28. Aug 2017, 17:56

Hallo Rabaukenmama,

Danke für die gute Erklärung. Meine große Sorgen ist, wie kann man “Motivation, Interesse, Durchhaltevermögen, Frusttoleranz, Resilienz“ durch richtige Erziehung fördern? Ich sehe, die obengenannte Punkte sind genau die Schwäche von meinem 8jähriger kluger Sohn. :('

Rabaukenmama hat geschrieben:So einfach bleibt es aber nicht. Der IQ ist gibt ja nur die Obergrenze im kognitiven Teil für die jeweiligen Bereiche vor. Zum Gesamtbild gehören aber auch Gedächtnisleistung, Motivation, Interesse, Durchhaltevermögen, Frusttoleranz, Resilienz, usw. Es kann also durchaus sein, dass eine interessierte, motiverte, ausdauernde Person mit IQ 115 tatsächlich bessere Leistungen bringt als eine Person mit IQ 130 im gleichen Bereich.

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Re: Versteckte Hochbegabung

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 28. Aug 2017, 21:52

Hallo JennyDE,

bei mir zu Hause lebt auch so ein Kind, nur ist mein Sohn erst 7 Jahre alt. Glaub mir, wenn es eine Möglichkeit gäbe, die genannten Eigenschaften zu fördern, würde ich es tun :fahne: . Das einzige, was ich tun kann, ist, die Ansätze dazu nicht durch falsche Erwartungshaltung schon im Keim zu ersticken.

Mein kluger Sohn hat noch einen 2 1/2Jahre jüngeren, autistischen, gehörlosen Bruder mit durchshnittlichem IQ, der ihm in Sachen Motivation, Durchhaltevermögen und Resilienz deutlich überlegen ist. Frusttoleranz gehört bei meinen beiden Söhnen mal generell nicht zur "Grundausstattung". Aber während mein sehr kluger, älterer Sohn bei was-auch-immer nach spätestens 3 Fehlschlägen frustriert aufgibt, kann sein jüngerer Bruder stundenlang eigenmotiviert daran arbeiten und kommt irgendwann allein mt Sturheit doch dort hin, wo er hin wollte.

Meine Beruhigung ist, dass ich als Kind ähnlich "gestrickt" war, wie mein älterer Sohn und heute, als Erwachsene, durchaus motiviert und resilient bin (muß ich auch sein, mit meinen Jungs :schwitz: ). Ich habe halt läger gebraucht, das zu lernen, während andere Kinder sich mit kognitiven Aufgaben viel schwerer getan haben, als ich. Kaum ein Kind ist in allen Bereichen ein Überflieger. Meine Aufgabe als Mutter sehe ich darin, nach meinen Möglichkeiten Rahmenbedingungen zu schaffen, wo sich meine Söhne bestmöglich entwickeln können. Trotzdem wird aus einer Drama-Queen nicht plötzlich ein Geduldsengerl werden, damit muß ich eben leben. Er wird seine Erfahrungen machen und seine Schlüsse daraus ziehen. Vermutlich wird er noch lange kein Kind werden, welches es durch seine Wesensart "leicht" hat.Vielleicht bleiben ihm einige seiner Schwächen ein ganzes Leben lang. Dann soll es eben so sein, schließlich bin ich keine perfekte Mutter und eigentlich wünsche ich mir auch gar keinen perfekten Sohn ;) .
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Re: Versteckte Hochbegabung

Beitragvon jennyDE » Di 29. Aug 2017, 16:23

Hi Rabaukenmama,
Sehr gut geschrieben, danke. Mein 8jähriger ist sehr zappelig. Bevor man ein Aufgabe zu Ende erklärt, ist er oder seine Gedanken schon weg. Er vergisst seine Aufgabe natürlich immer. Was kann man machen, gegenüber solche “respektlos Frechheit“?
LG, Jenny
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Re: Versteckte Hochbegabung

Beitragvon Koschka » Mi 30. Aug 2017, 00:13

Ich würde auf ADS testen lassen. Das kann mehr mit Konzentrationsschwäche zu tun haben als mit Respektlosigkeit.
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Re: Versteckte Hochbegabung

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 30. Aug 2017, 07:25

Grundsätzlich hatte ich denselben Gedanken wie koschka, nur halte ich nicht viel davon, mit einer eigenen (Laien-)Diagnose zum Arzt oder KJP zu gehen, um diese bestätigen zu lassen.

Entweder hindert die Unfähigkeit zur Konzentration daran, die Aufgabenstellung bei Erklärung zu verstehen, oder die Motivation, der Erklärung zuzuhören, ist zu gering. Gerade ein kluges Kind kann leicht unterfordert sein, was sich negativ auf die Motivation auswirkt. Umgekehrt kann auch Überforderung dahinterstecken, wenn man dem Kind auf Grund seiner Klugheit mehr zutraut, als es tatsächlich kann. Ein Kind kann nicht nur von der Komplexität einer Aufgabe überfordert sein, sondern auch von der Menge an Aufgaben, die man von ihm verlangt (vor allem dann, wenn sie ihm sehr umfangreich vorkommen). Sprich: ein kluges Kind kann mit ZU vielen ZU einfachen Aufgaben auch überfordert sein, was sich natürlich auf seine Motivation negativ auswirkt.

Mein Buchtipp dazu wäre "Lernen geht anders" von Remo H. Largo. Die Kernaussage ist: Kinder lernen eigenmotivert und selektiv. Sie sind keine Gefäße, die man mit vorbereitetem Wissen füllt. Statt dessen suchen sie von sich aus jene Lernerfahrungen, die ihrem Entwicklungsstand entsprechen, und zwar in dem für sie passenden Ausmaß.

Ist keines von beiden (Über- oder Unterforderung) der Fall, steckt vermutlich mehr als Respektlosigkeit hinter dem Verhalten deines Sohnes. Es geht nicht um das Ego des Erklärers (der natürlich gerne hätte, dass ihm aufmerksam zugehört wird), sondern um die Hintergründe beim Kind selbst. Daher fällt es auch nicht unter "Erziehung" oder "Verhaltenstraining", das zu bessern.

Wenn es keine Einzelfälle sind (jedes Kind hat mal Phasen, wo es unmotivert und lustlos ist) würde ich eine allgemeine Entwicklungsdiagnostik anstreben, wo einerseits eine Gesamteindruck von den Fähigkeiten und Schwächen gewonnen werden kann, und andererseits AUCH (nicht nur!) in Richtung Wahrnehmungsstörung wie ADHS oder Autismus geschaut wird. Aus Erfahrung weiß ich leider, dass es schwer ist, gute KJP oder Zentren zu finden, die Entwicklungsdiagnostik machen. Eine seriöse Entwicklungsdiagnostik umfasst ein Erstgespräch mit den Eltern, mehrere Diagnostiktermine (meistens 3-4) und ein Abschlussgespräch samt Befundbesprechung und besprechen des weiteren vorgehens. Gib dich nicht mit weniger zufrieden, den Fehler habe ich leider zu lange gemacht!

Wird bei der Entwicklungsdiagnostik eine Teilleistungsschwäche oder Wahrnehmungsstörung festgestellt, kann man gezielter auf die vorhandenen Probleme reagieren.
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