Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

mein Kind verhält sich anders als die anderen - ist es hochbegabt?
sinus
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Re: Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

Beitrag von sinus »

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@sinus

Was hat deine Tochter für ein Mathebuch? Ich weiß nicht, was für euer Bundesland genau passt... Von den bayerischen kenne ich Delta und Lambacher Schweizer als sehr gute Bücher mit vielen Übungen und übersichtlicher Theorie Gestaltung. Alte Bücher für G8 kann man oft für sehr wenig Geld kaufen. Wenn man Glück hat, findet man auch das passende Lehrerbuch mit all den Antworten.
...er geht quasi gar nicht nach Buch, sondern hält Vorlesungen. Die Themen springen zwischen Stoff Klasse 5, 6 und 7.
Darum nützt das Buch so gut wie gar nicht zum Üben/Lernen.
Wenn man was im Unterricht nicht verstanden hat und die Tafel-Mitschriften nicht viel weiterhelfen (war schon mehrfach so), muss man also zu Hause nach dem Thema googeln. Und auch nach zusätzlichen Übungsaufgaben zur Anwendung müsste/muss sie dann selbst suchen.
Ich finde das nicht optimal, aber andere scheinen das Problem ja nicht so zu haben. Allerdings war auch nur 1/3 der Klasseneltern da.
Ich habe ihr zum Üben auch schon "Alfons Lernwelt" gekauft. Die Software kennt sie aus der Grundschule und mochte das Programm immer gern.
Ich hab ihr gleich die Ausgabe für Kasse 6 gekauft, weil bei Klasse 5 die Themen gar nicht aufgeführt waren, die sie so bearbeiten.
Quote richtig gelöster Aufgaben da: 97%. :roll:

(Man sagt, dass sie an der Schule den Abiturstoff Mathe schon in Klasse 10 behandeln. Darum gibt es wohl nicht weniger Schüler, die nach der 10 in eine andere Schule wechseln, um dort dann ein entspanntes Mathe Abitur machen zu können. ;) )
Die Blätter sind bunt
nun bellt der Hund
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Raureif liegt auf dem Gras.
Der Has`
friert um die Nas.

(Herbstgedicht der 6jährigen)
Katze_keine_Ahnung
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Re: Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

@sinus

Du vesuchst ein eckiges Würfel in ein rundes Loch zu stecken. Auch mit Fleiß, Hilfe und Aufsicht ist das trotzdem ein Problem. Meine Kinder, vor allem die Großen, sind kein Beispiel der preuischen Tugenden. Aber Matheunterricht haben sie nie gebraucht. Sie kamen sehr gut mit, ohne das sie lernten, sich vorbereiteten und sich anstrengen mussten. An einem Abend habe ich zufällig festgestellt, der Große kennt keine den Stoff der Schulaufgabe für den nächsten Tag gar nicht. Ich habe ihm was gezeigt, er hat ein paar Übungen gemacht, am nächsten Tag hatte er für die Schulaufgabe eine 1. Seine ganze Übung hat nicht mal eine Stunde gedauert. Wenn die Klasse überwiegend aus solchen Kindern besteht, hat ein empfindliches Kind es extrem schwer, das als gerecht zu finden.
sinus
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Re: Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

Beitrag von sinus »

Ach naja, dafür hat sie null Probleme mit Rechtschreibung (war beim Diktat die einzige mit 0 Fehlern), Programmieren fällt ihr leicht und in Englisch hat sie in der Klasse auch die Nase vorn. (Da versteht sie inzwischen tw mehr als ich, obwohl sie erst ab Klasse 3 Englisch-Unterricht hatte)
Außerdem hat sie ein umfangreiches Allgemeinwissen, besonders im Tierreich kennt sie sich sehr gut aus (sie sollten das Alphabet mit Vogelnamen ausfüllen, sie hatte die meisten gefunden und fast alle Buchstaben bestückt) und malt ganz wunderbar.
Man muss ja nicht überall die Beste sein, das muss sie hat auch mal aushalten und sollte sich weniger auf die Defizite konzentrieren und mehr auf die Fähigkeiten schauen.
Und ich denke auch, es kommen vielleicht auch mathematische Themen, die ihr leichter fallen. Warten wir mal ab, wie es läuft, wenn dann die mühsame Rechenarbeit vom Taschenrechner übernommen wird...
Und Plan B - ein Schulwechsel - ist ja auch immernoch möglich.
Wichtig wäre mir aber, dass sie die Erfahrung machen kann, dass es lohnt, nicht gleich aufzugeben, wenn mal was nicht sofort gekonnt wird. Dass man sich auch Erfolge erarbeiten kann und muss.
Bisher macht sie halt immer nur absolutes Minimum. Beim Instrument dito.
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Katze_keine_Ahnung
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Re: Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

@sinus

Das ist der gleiche Agent Smith, den ich so häufig sehe: der Glaube, dass durch Fleiß und Schweiß etwas positives Entsteht. Die Kinder bleiben so wie sie auf die Welt kamen. Als Minimalist wird man geboren. Und ein Minimalist investiert höchsten in die Aktivitäten, die ihn glücklich machen. Der Druck verursacht nur Frust.

Deine Tochter wird im Pubertät einen Rückhalt brauchen. In 1-2 Jahren wird sie die Frage, warum sie so anders ist viel mehr beschäftigen als jetzt. Sich angenommen zu fühlen, kann ihr in dieser Phase enorm helfen. Alles, was ihr ihre Defizite vor Augen führt, arbeitet dagegen.
Meine3
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Re: Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

Beitrag von Meine3 »

Hallo,

Sie hat einen Schnitt von 1,9. und da war ne 4 dabei. Das ist jammern auf hohem Niveau.

Es gibt konkret 3 Möglichkeiten:

1. akzeptieren, dass sie in Mathe nicht zu den Spitzenreitern gehört und das „hinnehmen“. Schlechte Noten in Kauf nehmen und damit leben lernen. Dann ist (erstmal) keine Mathenachhilfe nötig und die Tochter hat keinen Stress.

2. das beste aus ihr rausholen wollen (egal ob sie das nun selbst ist oder du oder ihr beide): dafür braucht sie offensichtlich in diesem Fach Unterstützung (und meiner Vermutung nach später in Chemie und/oder Physik auch). Es fällt ihr nicht leicht und ich vermute, dass da nicht plötzlich „ein Knoten platzen wird, sondern dass ihr einfach alles andere mehr liegt. Ich war wirklich schlecht in Mathe und sogar ich hatte in der 5.Klasse noch eine 2-3 und dann ne 3 - ohne zu lernen. Im übrigen scheine ich ähnliche Stärken zu haben wie deine Tochter. Ich weiß immer nach 2-20 Minuten wer der Täter beim Tatort ist (oder warum) ist, habe ein sehr gutes Auge für Details und finde das immer total offensichtlich. Oft schlafe ich vor Langeweile ein, während mein Mann konstant auf dem Schlauch steht bis kurz vor Schluss. Er war Mathe-Rechenkönig in der Grundschule und ist immer noch unheimlich gut mit Zahlen. Ich habe Zahlen von Anfang an gehasst...

3. dem offensichtlichen nachgeben und das Kind früher oder später auf eine Schule wechseln, die besser zu ihren Neigungen passt.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
Katze_keine_Ahnung
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Re: Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

@sinus

ich beobachte das Treiben eurer Schule mit gemischten Gefühlen. Meine Jungs hätten vermuttlich nichts dagegen, dass jemand vor der Tafel steht, quer Bett drei Jahre Mathe in einem Knudellmudell erklärt und dann am Ende der Stunde eine Extemporale einschiebt. Ich frage mich nur, auf welche Kosten es geschiet und was das große Ziel am Ende ist.

Wie schon erwähnt, klingt das meiner Schule verblüffend ähnlich. Ich dachte, so was blieb in der UdSSR... In meiner Schule geschah Matheförderung auf Kosten von all den anderen Fächern. Vor allem Sprachen und soziale Fächer wurden quasi ausgelacht, das sei überhaupt keine Fächer und die braucht erst recht kein Mensch. Kinder, die Sprachen, aber kein Mathe konnten, wurden von den Lehrern und auch von manchen Kindern nicht wirklich ernst genommen. Während meienr Schulzeit war ich ziemlich sicher, dass ich die Sprachen überhaupt nicht lernen kann. Nach ein paar Jahren Englisch konnte ich she von he nicht unterscheiden. Als ich für die Uni doch Englisch gebraucht habe, war es für mich eine Überraschung, wie schnell ich das bei einem richtigen pädagogischen Konzept nachholen konnte.

Zu deiner Theorie des Ankommens. Ich bin in diese Matheklasse in die 6. Klasse quereingestiegen. Aus meiner 1+ an der normalen Schule wurden 3er und 4er. Es hat etwa ein halbes Jahr gedauert, bis ich den Bogen raus hatte, wie ich wieder auf eine 1 komme. Ich habe für Mathe nie in meinem Leben lernen müssen.

Was das Ziel des Spurtes ist, in der 5. die 7. zu unterrichten, verstehe ich beim besten Willen nicht. Was machen sie dann in der Oberstufe, wenn sie bis zur Oberstufe mit dem Oberstufenstoff durch sind?
alibaba

Re: Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

Beitrag von alibaba »

sinus hat geschrieben: Und die Schule zu verlassen wird den Kindern empfohlen, die in mehr als der Hälfte der naturwissenschaftlichen Fächern eine 4 haben. Das wären Mathe, Informatik, Biologie und später noch Physik und Chemie.
Also nur ne Mathe-4 wäre demnach dann kein Problem.
Empfohlen wird viel. Eine Empfehlung muss man aber nicht umsetzen. Mir wurde auch schon viel empfohlen. Da muss man sich ein dickes Fell wachsen lassen. Aber die Kinder entwickeln sich und auch dein Kind wird sich entwickeln und eigene Selbstsicherheit gewinnen.
sinus hat geschrieben: Ich denke, ihre Matheprobleme haben wirklich damit zu tun, dass sie es erstens nicht mag und sie zweitens zu sehr um die Ecke denkt und drittens zu langsam ist. Und eben auch nicht ordentlich "abarbeitet", keine Zwischenschritte aufschreibt und sich dann bis zum Ende schneller Fehler einschleichen.
Ein Gymnasium ist die höchste Schulform. Rücksicht nimmt hier halt keiner. Ist hier nicht anders, vielleicht noch schärfer als bei Euch.
sinus hat geschrieben: Generell wird es auch einfach nötig sein, dass sie, wenn sie bessere Zensuren (z.B. in Mathe) haben mag, mehr zu Hause machen muss.
Da fehlt es so ein bisschen an der Bereitschaft dazu.
Mit Nachhilfe würde ich dieses Schuljahr noch nicht anfangen, allein schon aus Kostengründen. Das Geld würde ich nur ausgeben, wenn es wirklich, wirklich nötig ist und da möchte ich noch bissle abwarten.
Das muss vom Kind kommen. Wenn das Kind bereit ist Hilfe anzunehmen, dann wird sie kommen. Eine 4 oder 2 oder 3 sind kein Beinbruch. Auch damit geht es weiter. Es geht auch mit einer 5 weiter, wenn man ausgleichen kann. Du wirst auch lernen müssen, dich da selber zu entspannen. Kannst ja mal zu mir in die "Schule" kommen. :mrgreen: Ich bin da mittlerweile Fachfrau drin.
alibaba

Re: Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

Beitrag von alibaba »

sinus hat geschrieben:
...er geht quasi gar nicht nach Buch, sondern hält Vorlesungen. Die Themen springen zwischen Stoff Klasse 5, 6 und 7.
Darum nützt das Buch so gut wie gar nicht zum Üben/Lernen.
Wenn man was im Unterricht nicht verstanden hat und die Tafel-Mitschriften nicht viel weiterhelfen (war schon mehrfach so), muss man also zu Hause nach dem Thema googeln. Und auch nach zusätzlichen Übungsaufgaben zur Anwendung müsste/muss sie dann selbst suchen.
Ich find es sehr beruhigend, wenn auch Andere diese Art von Schule erleben. Sinus, es ist hier nicht anders. Tröstet Dich nicht, hilft Dir auch nicht, aber ich kann wahnsinnig viel Verständnis für die Probleme deiner Tochter aufbringen.

Mein Großer arbeitet sich gerade am Abiturstoff ab. Ist nicht weiter schlimm - es wird nur doof, wenn man ein Problem mit dem Lehrer hat und der Funke nicht überspringt. :mrgreen:
sinus
Dauergast
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Re: Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

Beitrag von sinus »

Danke für all eure Tipps und Hinweise.
Und Sorry an die Threraderöffnerin, dass ich das Thema so gekapert habe.
Ausgangspunkt war eigentlich durchaus auch der Hinweis meinerseits gewesen, dass es in der weiterführenden Schule auch zu Problemen kommen kann dadurch, dass ein Kind in der Grundschule nicht richtig gefordert wurde und nicht gelernt hat, was es heißt, für die Schule auch mal was zu tun/zu lernen.

@Koschka: Die Schule hat eventuell eine ähnliche Tradition, wie deine ehemalige. Sie ging ja aus einer "Mathespezialschule" zu DDR-Zeiten hervor, auf die man hier recht stolz war.
Insgesamt macht mir die Schule aber einen guten, engagierten Eindruck und auch die Klasse scheint ok. Wir werden sehen, wie es sich entwickelt.
Heute hatte sie Matheausfall und stattdessen Kunst und sagte gestern Abend, dass sie es darum gar nicht so schlimm findet, dass das Wochenende vorbei ist. Sonst ist sie echt immer schon ab Samstag Nachmittag (!) stinkig, dass das Wochenende sich dem Ende nähert. :?

Alles in allem haben die Probleme wohl vor allem mit meiner Tochter selbst zu tun. Sie ist einfach auch "schwierig", weil jedes Problem und Problemchen sie gleich immer aus der Bahn wirft.
Und sie ist sooo schwer zufriedenzustellen...
Dieses We hatte sie (abends!) eine (schon länger zugesagte) Einladung ihres Freundes ins Varietee. Vom Schlangenmenschen, über den Jongleur, Komiker etc war alles dabei.
Vorher motzte sie fast den ganzen Tag rum, dass sie gar nicht hin wolle und das nur kostbare Wochenendstunden kostet.
Ohne "Tritt in den Hintern" (immerhin war sie eigeladen und die Karte, nicht ganz billig, ein Geschenk) wäre sie wohl nicht mitgegangen.
Hinterher gab sie dann doch zu, dass es toll war und erzählte sichtlich begeistert davon. :roll:
(und hatte dann tatsächlich den ganzen Sonntag noch gute Laune)
Die Blätter sind bunt
nun bellt der Hund
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Raureif liegt auf dem Gras.
Der Has`
friert um die Nas.

(Herbstgedicht der 6jährigen)
alibaba

Re: Hochbegabt? Ergoempfehlung? Verunsicherte Mutter

Beitrag von alibaba »

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:
Was das Ziel des Spurtes ist, in der 5. die 7. zu unterrichten, verstehe ich beim besten Willen nicht. Was machen sie dann in der Oberstufe, wenn sie bis zur Oberstufe mit dem Oberstufenstoff durch sind?
Also hier ist das nicht anders. In der Oberstufe macht man dann den Abiturstoff. Stopp - warte - den gab es hier auch schon in Klasse 9. :schwitz: Und das nicht nur in einem Fach …… vielleicht erklärt das hier so Einiges. Meinen Kindern ist nur marginal "langweilig" am Gymnasium. Auf keinen Fall kann ich grundsätzlich von einer Unterforderung sprechen.
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