Begabungen in der Schule erkennen

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon Willow77 » Do 3. Mai 2018, 13:30

Ich kenne mich mit Montessori Material jetzt nicht so gut aus, aber ich glaube, das Gesagte bezieht sich auch auf alle Unterrichtsmaterialien, alle Werkzeuge, die man benutzen kann, um Schulstoff zu veranschaulichen oder zu erklären.

Man nehme zum Beispiel die bei uns im Lande so heiß umworbene (An-)Lauttabelle. (Andernorts ist sie wahrscheinlich schon längst überholt.)
Kinder die schnell begreifen, oder - Gott bewahre, gar schon Vorwissen in Punkto Buchstaben und Lesen-können haben - brauchen die Tabelle nicht. Auf der anderen Seite gibt es dann die Kinder, die Schwierigkeiten haben, dem Stoff zu folgen, für solche Kinder ist oft das Werkzeug noch zu kompliziert.

Oder im Rechnen: die altmodischen Cuisenaire-Stäbchen, der Abakus, irgendwelche Tricks mit denen man Zahlen auseinandernimmt, um die Zehnerüber- oder Unterschreitung zu erklären (Bsp: 13-7=13-3-4). Kinder, die Vorwissen haben oder schnell lernen, brauchen das nicht, Kinder die Schwierigkeiten haben, dem Stoff zu folgen, werden auch damit noch überfordert sein.

LG,
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon Tata » Di 8. Mai 2018, 20:51

Hallo,

finde ich toll, dass sich ein Lehrer dafür interessiert, wie man Hochbegabung in der Schule erkennen kann.

Leider ist das wirklich nicht sehr einfach. Ich habe 2 Kinder. Einer ist (frisch) mit einem IQ >135 getestet. Der andere ist (noch) nicht getestet, aber ist es sehr wahrscheinlich auch.

Den Test beim ersten Kind haben wir aufgrund großer Probleme machen lassen. Die Probleme traten allerdings nicht in der Schule auf. Dort war er sehr angepasst, machte seine Aufgaben brav, war lieb, gehorsam, usw. Für den Lehrer also ein richtiger Musterschüler. Er hat seine Begabung komplett versteckt. Bis zu den Weihnachtsferien merkte sein Lehrer nicht, dass er lesen konnte. In Mathe rechnete er brav im 20er Raum, während er sich zu Hause Aufgaben stellte, die weit darüber hinausgingen und auch Ergebnisse im Minusbereich ergaben. Für ihn war es von Anfang an klar, dass 10-12=-2 ist. Das hat ihm nie jemand von uns erklärt. Probleme gab es dann zu Hause: Wutausbrüche, Reizbarkeit, Kopf- und Bauchschmerzen beim Einschlafen, nachts mehrfach wach, usw. Das ganze ging soweit, dass er morgens nicht mehr in die Schule wollte. Wir waren wirklich ahnungslos, wo das Problem liegen könnte. Ferien/Wochenenden hingegeben waren super und ohne all diese "Symptome". Auf Hochbegabung kamen wir tatsächlich nur durch eine befreundete Grundschullehrerin, die meinte, dass er schon verdammt weit für sein Alter wäre. Tatsächlich hatte sie Recht. Wir haben ihn dann testen lassen um Gewissheit zu haben. Laut des Psychologen sind die ganzen Beschwerden der Unterforderung zuzuordnen.

Die Hochbegabung wäre in der Schule wohl nie (oder zumindest nicht so schnell) aufgefallen. Er ist echt ein Künstler im "Anpassen" und "Nicht-Auffallen".

Das zweite Kind ist anders. Ich denke, er wird in der Schule schnell auffallen (ist noch in der Kita). Er hat sich mit 4 das Lesen beigebracht, rechnet über den 100er Bereich hinaus, zeigt deutlich, was er sich alles merken kann, usw. Ich bin mir sicher, dass er auffallen wird - ich bin nur gespannt wie: entweder er wird kaspern vor Langeweile oder mit seinen Fähigkeiten schnell auffallen. Wir werden es sehen, was passiert. Diesmal bin ich aber vorgewarnt und weiß, was auf mich zu kommt.

LG
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon Koschka » Fr 11. Mai 2018, 10:12

Euer Großer hat entweder einen sehr inkompetenten oder einen sehr unwilligen Lehrer. Da hätte das Kind stumm sitzen müssen und jede Art Arbeit komplett verweigern müssen, damit die Intelligenz in diesem Bereich nicht auffällt. Ich kann euch gut verstehen, dass euch es nicht aufgefallen ist. Ihr habt vermuttlich selber einen ähnlichen Niveau und auch habt ihr keine zusammengewürfelte Gruppe aus 20 Kindern gleiches Alters. Aber der Lehrer hätte es sehen müssen. Meine Tochter ist ähnlich gestrickt wie dein Großer: bloß nicht auffallen. Trotzdem hat man in der Grundschule, ganz abgesehen vom Lehrplan, in ihren Spielen, ihrer Art zu reden, ihren Arbeiten in Kunst und Werkeln gesehen, das sie anders ist. Lasst euren Großen nicht alleine mit diesem inkompetenten Lehrer. Er braucht hilfe. Er braucht sie mehr, als sein Bruder, der nach Aufmerksamkeit schreien kann. Er wird nicht schreien, sondern leise eingehen, falls ihr nichts an der schulischen Situation ändert. In dieser Situation ist Sprung noch in der Grundschule fast ein MUSS. Macht euch Gedanken über die besonderen Schulen: Bilingual, mit HB-Zug, mit viel Musik oder Kunst, oder sonst irgendwas was den Großen beschäftigen könnte. Geht auf seine Interessen ein. Er braucht jetzt eure volle Aufmerksamkeit.
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon alibaba » Mo 4. Jun 2018, 15:24

Ich glaube, diese Frage ist schwer zu beantworten und man muss aufpassen, nicht das aufzuzählen, was klischeeartig daher kommt.

Ein Bekannter von uns ist HB-Lehrer der an einem HB-Zug unterrichtet und wenn man dem zuhört, sollte man wohl das ein oder andere Buch mal an Dingen die ein HB „zeigt“ und woran man ihn erkennen könnte, überarbeiten. Keiner gleicht da dem Anderen, außer eben der Wert des geforderten IQ‘s.

Hochbegabung würde ich eh aus dem Wortschatz verbannen. Jeder hat ja einen anderen IQ und jeder dazu eine eigene Persönlichkeit, die ihm eben offener oder verschlossener werden lässt.

Mein Großer ist nicht hb, nicht auf dem Papier, aber seit Kindergartentagen wird dieser Aspekt immer wieder von vielen unterschiedlichen Menschen an mich heran getragen, obwohl die sich alle nicht kennen. Sie eint, dass sie sich mit dem Kind intensiv beschäftigen, sei es im Umgang oder im frei gewählten Spiel, ermeintlich unbeobachtet. So ist mein Sohn sehr neugierig und wissbegierig. Das hat sich seit Geburt an, immer kn anderen Facetten, durchgezogen. Gestern ließ er sich auf YouTube Chemie- Rechnen in Englisch erklären und meinte dann lapidar zu mir, er habe es jetzt verstanden. :shock:

Aber nein, Hochbegabt ist er nicht. Und um das noch zu toppen, seine Schulnoten lassen seine Möglichkeiten die er könnte, wenn er wollte, er aber nicht will, nicht mal im Grunde erahnen.

VG
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