Schulentscheidung

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schulentscheidung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 20. Feb 2020, 19:13

charlotte12 hat geschrieben:Eine Freundin von mir gibt bei Bewerbungen ihre MS nicht mehr an. Sie wollte offen damit umgehen, nach x Absagen änderte sie ihre Meinung. Es gab sogar Seminare zum Thema, bei denen wohl klar geraten wurde, die Diagnose nicht anzugeben. Was raten denn Selbsthilfegruppen u.ä, zum Thema Asberger Autismus plus "Bewerbung" - offener Umgang oder lieber verschweigen?


Es ist ein Unterschied ob ich als Erwachsene für mich selbst entscheide, was ich preisgebe, oder ob die Sache mein Kind betrifft. Ich habe meine ADHS bei Bewerbungen auch nie angegeben und würde das auch nicht tun. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich wegen der ADHS mehr Fehlstunden habe oder schlechtere Leistungen bringe, ist gering. Das kann ich selbst aber besser einschätzen als jeder andere. Und wenn ein Dienstgeber mit meiner Art nicht zurecht kommt wird er es ohnehin thematisieren. Wie offen mein Sohn später, wenn er mal einen Job sucht, mit seinem Autismus umgehen will, soll er natürlich auch selbst entscheiden.

Nur JETZT ist er ein Kind und kann diese Entscheidungen noch nicht alleine treffen. Ich empfinde es als starken Widerspruch, wenn man nach Jahren Suche ENDLICH weiß, was die Ursache dafür ist, dass sich das Kind oft "anders" oder "falsch" fühlt, man dann als Eltern dem Kind vermittelt, dass es schon okay ist, wenn es Autist ist und auf der anderen Seite das Kind dazu anhalten muss, es ja nicht weiterzuerzählen und es auch vor der Schule (wo das Kind ja in den nächsten 8 Jahren fast täglich sein wird!) geheim zu halten.

Oder meinst du, dass man es zuerst mal geheim halten sollte, bis das Kind eine fixe Zusage hat und dann kommt man zum Direktor und mein "Ach ja, und mein Kind hat ADHS und ist außerdem Asperger Autist! Habe ich nur zu erwähnen vergessen!". Sorry, aber da käme ICH mir als Direktor schlichtweg überrumpelt und betrogen vor! Und ich glaube nicht, dass das meinem Kind in irgend einer Weise hilfreich ist!

Alternative wäre, es die ganze Zeit geheim zu halten. Dann bekomm das Kind seine vielleicht dringen benötigten Hilfen (Schulbegleitung, Nachteilsausgleiche, Turnbefreiung, Schulungen für die Lehrer in Richtung ASS,...) nicht, und muss sich dann halt durchwursteln?

Deine Frage, was Selbsthilfegruppen raten, befremdet mich ziemlich. Du warst noch nie länger in einer Selbsthilfegruppe, oder? Dort gibt es Menschen, die in einer ähnliche Lage sind wie du selbst (z.B. ein autisitsches Kind haben), und die dort mitteilen, was sie so erleben und erzählen, was sie tun und warum. Aber es gibt niemals eine generelle Empfehlung, was "man" in Situation xxx tun sollte.

Wer sollte mir auch raten, wie ICH mit der Behinderung MEINES Kindes umzugehen habe? Andere Eltern von anderen behinderten Kindern? Ich rate anderen auch nichts. Wenn sich jemand aus meinem Erfahrungsschatz war mitnehmen will, was er dann selbst anwendet, ist das natürlich okay und es freut mich auch. Dazu sind Selbsthilfegruppen ja da. Das sind Begegnungen auf Augenhöhe, wo jeder dem anderen zugesteht, seine eigenen Erfahrungen zu machen, nach den eigenen Werten zu leben und eigenständige Entscheidungen zu treffen.

Klar kann man wer sagen "Ich an deiner Stelle würde,..." aber das ist nichts anderes als wenn das z.B. wer hier im Forum sagt - eben eine Einzelmeinung.

Die Dame von der Bildungsdirektion (früher: Stadtschulrat) mit der ich heute das Gespräch hatte, hat übrigens dringend zur Offenheit mit der Diagnose geraten, weil man so viel leichter Barrieren (unbegründete Ängste der Direktoren und der Lehrerschaft) durch gezielte Gespräche und Schulungen abbauen kann und weil sie nur dann die Möglichkeit haben, Kind und Lehrer engmaschig zu unterstützen, wenn auch bekannt ist, wo genau die Schwierigkeiten liegen bzw. liegen könnten.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 20. Feb 2020, 20:11

@Rabaukenmama

Wird die Dame dir auf irgendeine praktische Weise helfen?
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 20. Feb 2020, 20:26

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@Rabaukenmama

Wird die Dame dir auf irgendeine praktische Weise helfen?


Ja, sie hat schon damit angefangen und ich bin seit langem zum ersten Mal wieder zuversichtlich was unsere Schulsuche betrifft.

Morgen ist ja das nächste Gespräch mit einem Gymnasiumdirektor. Den hat die Dame von der Bildungsdirektion (natürlich mit meiner Zustimmung) schon darüber informiert, dass mein Sohn Autist ist. Das ist schon mal ein ganz anderer Einstieg als wenn wir das als Eltern selbst sagen (oder eben verheimlichen).

Damit ist natürlich noch lange kein Schulplatz gesichert, denn die Schulen sind natürlich trotzdem überfüllt. Aber die Dame hat mir versprochen mich so lange zu unterstützen bis wir einen Schulplatz haben und auch die Information der Lehrpersonen zu "übernehmen" und eine Schulbegleitung (zumindest für die erste Zeit) von der Autistenhilfe zu vermitteln.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon charlotte12 » Do 20. Feb 2020, 20:39

Oder meinst du, dass man es zuerst mal geheim halten sollte, bis das Kind eine fixe Zusage hat und dann kommt man zum Direktor und mein "Ach ja, und mein Kind hat ADHS und ist außerdem Asperger Autist!

Nein, das meine ich nicht, hatte ich aber auch nicht geschrieben. Ich habe dazu keine Meinung. Ich hatte nur von meiner Freundin erzählt, der in einem Beratungsseminar weitergeholfen worden war und überlegt, ob Vergleichbares nicht auch für Autismus und die Frage, ob man das bei der Schulbewerbung angibt, angeboten wird. Dieses Problem wird ja nicht nur euch sondern alle autistischen Kinder im Schulalter betreffen.

Deine Frage, was Selbsthilfegruppen raten, befremdet mich ziemlich.

Mit "Selbsthilfegruppen u.ä." meinte ich allgemein "kompetente Stellen", quasi ein Äquivalent zur AMSEL bei MS, war von mir offensichtlich unglücklich formuliert, sorry. Ich kenne mich mit Selbsthilfegruppen wirklich nicht näher aus und wollte weder den Selbsthilfegruppen noch dir in irgendeiner Weise auf die Füße treten :fahne:

Die Dame von der Bildungsdirektion (früher: Stadtschulrat) mit der ich heute das Gespräch hatte, hat übrigens dringend zur Offenheit mit der Diagnose geraten,

Genau das meinte ich - eine "kompetente Stelle" mit konkreter Meinung. Schön, dass ihr jetzt Hilfe bekommt, alles Gute weiterhin!
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 20. Feb 2020, 23:01

charlotte12 hat geschrieben:
Oder meinst du, dass man es zuerst mal geheim halten sollte, bis das Kind eine fixe Zusage hat und dann kommt man zum Direktor und mein "Ach ja, und mein Kind hat ADHS und ist außerdem Asperger Autist!

Nein, das meine ich nicht, hatte ich aber auch nicht geschrieben. Ich habe dazu keine Meinung. Ich hatte nur von meiner Freundin erzählt, der in einem Beratungsseminar weitergeholfen worden war und überlegt, ob Vergleichbares nicht auch für Autismus und die Frage, ob man das bei der Schulbewerbung angibt, angeboten wird. Dieses Problem wird ja nicht nur euch sondern alle autistischen Kinder im Schulalter betreffen.


Das sind immer individuelle Entscheidungen. Es gibt tatsächlich Eltern, denen lieber ist, dass niemand vom Autismus ihrer Kinder erfährt. Sei es, weil sie tatsächlich mit ihrer Offenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben, sei es, weil sie "nur" Angst davor haben, welche zu machen. Und abgesehen davon ist es natürlich auch Bauchsache, was bzw. wie viel man preisgibt. Man muss sich halt bewusst sein dass man, wenn man sich fürs verheimlichen entschieden hat, kaum ein "heraus" gibt und dass Dinge, welche das Kind eigentlich behinderungsbedingt nicht "kann" mehr oder weniger vehement von ihm verlangt werden. Das ist etwa so, als würde man eine hochgradige Schwerhörigkeit verschweigen. Dann sitzt das Kind womöglich weit hinten in der Klasse, kriegt nicht mit, was der Lehrer sagt, und es wird ihm als Unkonzentriertheit oder Faulheit ausgelegt. Wenn man hingegen weiß, dass ein regelbeschultes Kind hochgradig schwerhörig ist, können die Lehrer zumindest VERSUCHEN, ihm den Schulalltag zu erleichtern. Das kann z.B. durch einen Platz in der ersten Reihe sein, durch elektronische Hilfsmittel (FM-Anlage), durch Mitschriften des Lernstoffes,...es gibt viele Möglichkeiten, es dem Kind leichter zu machen, aber eben nur unter der Voraussetzung, dass man es weiß. Dasselbe gilt für Autismus. Wenn jemand da nicht bereit ist, ein Kind zu unterstützen, kann man eh nichts machen. Aber wenn es die Lehrer nicht mal wissen dann haben sie gar nicht die Möglichkeit dazu.

charlotte12 hat geschrieben:
Deine Frage, was Selbsthilfegruppen raten, befremdet mich ziemlich.

Mit "Selbsthilfegruppen u.ä." meinte ich allgemein "kompetente Stellen", quasi ein Äquivalent zur AMSEL bei MS, war von mir offensichtlich unglücklich formuliert, sorry. Ich kenne mich mit Selbsthilfegruppen wirklich nicht näher aus und wollte weder den Selbsthilfegruppen noch dir in irgendeiner Weise auf die Füße treten :fahne:


Es ist tatsächlich ein riesiger Unterschied zwischen Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, was nichts mit Kompetenz sondern einfach mit dem Umgang zu tun hat. Zur Beratungsstelle komme ich quasi als Hilfesuchender und es ist Aufgabe der beratenden Personen, für MICH die passenden Lösungen zu wissen und vorzuschlagen (ob sie das tatsächlich sind steht auf einem anderen Blatt Papier). In Selbsthilfegruppen treffen sich Menschen mit ähnlicher Situation (z.B. einem autistischem Kind) zu einem Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe.

charlotte12 hat geschrieben:
Die Dame von der Bildungsdirektion (früher: Stadtschulrat) mit der ich heute das Gespräch hatte, hat übrigens dringend zur Offenheit mit der Diagnose geraten,

Genau das meinte ich - eine "kompetente Stelle" mit konkreter Meinung. Schön, dass ihr jetzt Hilfe bekommt, alles Gute weiterhin!


Danke, ich hoffe auch, dass sich jetzt endlich ein Weg zu einer Schule abzeichnet :) !
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 21. Feb 2020, 14:45

So, mein Mann war heute mit Sohnemann zur Schulanmeldung an der Schule, wo er für die bilinguale Klasse nicht aufgenommen wird. Und obwohl gestern die Dame von der Bildungsdirektion extra noch den Direktor vorinformiert hat, durfte mein Sohn noch nicht mal zu ihm rein :twisted: . Grund dafür: der Erstanmeldestempel vom Gymnasium in NÖ hinten am Zeugnis. Denn obwohl uns die zwei Damen dort nach der vepatzten Testung dringend vom Besuch dieses Gymnasiums ABGERATEN haben wurde dieser Eintrag nicht gelöscht. Und obwohl die Dame im Sekretatiat in Mödling unbürokratisch per mail der Sektretärin an der Schule in Wien bestätigt hätte, dass die Erstanmeldung gelöscht wird, war die dazu nicht bereit. Mein Mann hätte innerhalb von 15 Minuten mit dem Zeugnis in diese Schule fahren und eine "offizielle" Löschung des Stempels erwirken müssen. Da aber schon die einfache Fahrzeit länger ist wurde daraus natürlich nichts.

Habe gerade nochmals mit der Dame von der Bildungsdirektion gesprochen, die den "Fall" nun ihren Vorgesetzten übergibt, weil sie selbst auch nicht mehr weiter weiß. Am Telefon war sie sehr lieb und hat mir nochmal versprochen, dass unser Sohn einen passenden Schulplatz bekommen wird und dass sie (auch, wenn sie den Fall weitergegeben hat) dran bleiben wird, bis wir einen Platz haben.

Vielleicht sollte ich den Titel diese Threads auf "Die unendliche Geschichte" ändern - denn mit SchulENTSCHEIDUNG hat das alles schon lange nichts mehr zu tun :P .
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 21. Feb 2020, 14:56

@Rabaukenmama

Halte durch! Der Fall ist jetzt einfach zu laut, damit es einfach unter den Teppich gekehrt werden könnte. Dein Sohn bekommt ganz bestimmt einen Platz. Dafür wird die Bildungsdirektion Sorgen. Es wäre nur nicht schlecht, wenn gegen "Spezialisten" wie heute konkrete Strafen verhängt worden wären.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Meine3 » Fr 21. Feb 2020, 15:49

Rabaukenmama hat geschrieben:So, mein Mann war heute mit Sohnemann zur Schulanmeldung an der Schule, wo er für die bilinguale Klasse nicht aufgenommen wird. Und obwohl gestern die Dame von der Bildungsdirektion extra noch den Direktor vorinformiert hat, durfte mein Sohn noch nicht mal zu ihm rein :twisted: . Grund dafür: der Erstanmeldestempel vom Gymnasium in NÖ hinten am Zeugnis. Denn obwohl uns die zwei Damen dort nach der vepatzten Testung dringend vom Besuch dieses Gymnasiums ABGERATEN haben wurde dieser Eintrag nicht gelöscht. Und obwohl die Dame im Sekretatiat in Mödling unbürokratisch per mail der Sektretärin an der Schule in Wien bestätigt hätte, dass die Erstanmeldung gelöscht wird, war die dazu nicht bereit. Mein Mann hätte innerhalb von 15 Minuten mit dem Zeugnis in diese Schule fahren und eine "offizielle" Löschung des Stempels erwirken müssen. Da aber schon die einfache Fahrzeit länger ist wurde daraus natürlich nichts.

Habe gerade nochmals mit der Dame von der Bildungsdirektion gesprochen, die den "Fall" nun ihren Vorgesetzten übergibt, weil sie selbst auch nicht mehr weiter weiß. Am Telefon war sie sehr lieb und hat mir nochmal versprochen, dass unser Sohn einen passenden Schulplatz bekommen wird und dass sie (auch, wenn sie den Fall weitergegeben hat) dran bleiben wird, bis wir einen Platz haben.

Vielleicht sollte ich den Titel diese Threads auf "Die unendliche Geschichte" ändern - denn mit SchulENTSCHEIDUNG hat das alles schon lange nichts mehr zu tun :P .



Oh man, das ist ja wirklich eine endless story :roll: . Ich habe immer gedacht Dipfelesscheißer (sorry :fahne: ) sind vor allem bei uns Piefkes unterwegs, aber auch in Österreich scheinen die Bürokraten es dann doch sehr genau zu nehmen und auf "Ordnung" (die völlig unsinnig ist manchmal) zu bestehen.

Wäre es da keine Option gewesen, den Termin zur Anmeldung am bilingualen Gymnasium zu verschieben, so dass ihr diesen Erstanmelde-Stempel (was auch immer das GENAU ist, ich kann es nur erahnen) wieder löschen lassen könnt? :gruebel:

Ich sehe es wie Katze: der Fall um euren Sohn macht jetzt zu viel Wirbel. Eins der Gymnasien wird euch einen Platz geben.

Daumen sind fest gedrückt!
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon sinus » Fr 21. Feb 2020, 17:20

Unglaublich, wie da mit Menschen, Kindern, umgegangen wird. Man möchte mit dem Kopf gegen die Wand schlagen.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 10. Mär 2020, 18:18

Hallo, wieder mal ein update von uns. Gestern hat die Dame von der Bildungsdirektion angerufen und mir vier Schulen genannt, die nicht ganz am A.... der Welt liegen und die noch Plätze frei haben.

Das erste davon (die ausdrücklich "Empfehlung") ist eine Privatschule mit Schulgeld von knapp 300 Euro im Monat und nochmal Euro 350,- pro Monat für die Nachmittagsbetreuung und Euro 120,- fürs Essen. Da wir aktuell für das Internat des Bruders aber schon über 1000 Euro im Monat bezahlen ist das einfach illusorisch. Das könnte man "auf Zeit", also z.B. für ein Jahr finanzieren, aber nicht für die nächsten 8 Jahre. Auch vor dem Hintergrund, dass diese Beiträge in der Oberstufe sogar noch höher sind und auch noch Ausflüge, Exkursionen, Reisen, etc. dazukommen, ist das einfach nicht drin.

Dann sind noch drei Schulen, wovon eine wegen der Erreichbarkeit wegfällt. Diese Schule ist zwar örtlich gar nicht so weit weg (ca. 9km), aber man braucht vier verschiedene Öffis um hinzukommen. Da es keine Schule mit Integrationsschwerpunkt ist gibt es hier keine Möglichkeit für einen Fahrtendienst. Und Fußweg, Straßenbahn, U-Bahn, nochmals U-Bahn, nochmals Straßenbahn und nochmals Fußweg für EINE Strecke ist mMn auch für gesunde 10jährige Kinder eine Zumuntung!

Bleiben noch zwei Schule übrig, bei einer davon (ca. 5km entfernt, in unserem Bezirk, mit Fußweg/Bus/Bus erreichbar) haben wir sogar schon telefonisch nach einem Platz gefragt, aber zu weit weg gewohnt. Das ist auch unsere erste Wahl dieser vier Möglichkeiten geworden, denn wir mussten und binnen 2 Stunden zwischen diesen 4 Schulen entscheiden (ohne zu wissen ob es dort wirklich einen Platz gibt). Naja, es ist schon richtig, die Schule ist eigentlich proppenvoll, nur in der I-Klasse für hörgeschädigte Kinder sind noch ein paar Plätze frei. Durch die Vermittlung der Dame von der Bildungsdirektion haben wir dort jetzt am Donnerstag nächste Woche einen Gesprächstermin beim Herrn Direktor. Ich glaube zwar nicht, dass es hilfreich ist, dass mein Sohn einen gehörlosen Bruder hat, habe das aber trotzdem mal im mail an den Direktor erwähnt. Und sei es nur, damit er vielleicht Mitleid mit uns hat :oops: .

Die letzte mögliche Schule ist im Nachbarbezirk und auch halbweg gut öffentlich erreichbar (Fußweg/Straßenbahn/Bus). Die Dame von der Bildungsdirektion wird "sicherheitshalber" auch dort mal nachfragen, falls das mit der Schule im Bezirk wieder nicht klappen sollte.

Mein Sohn ist schon ziemlich mutlos in der Hinsicht. Als ich ihm heute angekündigt habe, dass wir am nächsten Donnerstag wieder eine Schule anschauen fahren werden, hat er gleich frustriert den Kopf hängen lassen und ist wortlos aus dem Zimmer gegangen :( . Das ist auch für mich schwer, ihm zu vermitteln, dass die Probleme nicht "an ihm" liegen. Denn außer bei der Testung für die Begabungsklasse hat er überall toll mitgemacht, und ist grundsätzlich für alles so "offen" gewesen, wie er eben sein konnte. Und ich habe gerade in letzter Zeit viel positives feedback über ihn bekommen. Die Hortbetreuerin meinte, er würde bei der Hausübung schon viel motivierter und eigenverantwortlicher sein als noch vor einigen Monaten. Seine Klassenlehrerin hat mich ausdrücklich zur Seite genommen (als ich den Kuchen für sein Geburtstagsfest in die Schule gebracht habe) um mir mitzuteilen, dass er auch in der Klasse viel motivierter mitarbeitet und dass seine Hausübungen seit einiger Zeit immer komplett und pünktlich fertig gemacht sind. Auch sein Verhalten in der Klasse habe sich in den letzten Monaten (nachdem es ohnehin schon besser geworden war) nochmal deutlich gebessert. Mitterweile schafft er sogar Situationen, die ihn früher sehr gestresst haben (Stichwort: Schularbeiten) ohne jegliche Schwierigkeiten.

Bei seinem Geburtstagsfest am Sonntag waren zwei Buben aus seiner Klasse, einer davon mit seiner jüngeren Schwester, und zwei Buben aus seinem Hort. Einer dieser Buben (Asperger Autist, wie mein Sohn) meinte da zu mir, er würde meinen Sohn viel mehr mögen als den anderen Buben aus dem Hort (der auch bei uns zu Gast war), weil mein Sohn "immer nett und höflich" und "nie aggressiv" sei.

Kurz, ich höre in den letzten Monaten eigentlich überall nur Positives über meinen Sohn, nur Schulplatz haben wir immer noch keinen. Drückt mir die Daumen für das Gespräch nächste Woche. Mir kommt nämlich vor, dass mir in dieser Sache die Kraft und Motivation (meinerseits) bereits ausgegangen ist :oops: .
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