Diskussionsthema Schule

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Diskussionsthema Schule

Beitragvon Momo » Fr 4. Sep 2015, 09:24

Hallo Ihr Lieben!

Wir setzen uns derzeit sehr mit dem Thema Schule auseinander, zum Einen, weil unsere Tochter wahrscheinlich nächstes Jahr eingeschult wird, andererseits hören wir im Bekanntenkreis, in unserem Umfeld und auch in den Medien viele Dinge, die mir zu denken geben.

Besonders schockiert bin ich darüber, dass lernwillige und fröhliche Kinder, die sich sehr auf die Schule gefreut haben, nach einigen Monaten oder sogar Wochen bereits die Freude an der Schule verlieren. Ich kenne viele Kinder, die schon in der ersten Klasse mit Bauchschmerzen zur Schule gehen. Was läuft da schief? Die Kinder haben sooo viele Jahre vor sich, die sie in der Schule verbringen müssen!

Ich frage mich- ist das Schulsystem nicht völlig veraltet? Notendruck, Frontalunterricht (der langes ruhiges Sitzen und Reden nur nach Aufforderung bedeutet), unflexibler Schulstoff für alle Kinder (keine Beachtung der individuellen Interessen und des Wissensstands der einzelnen Kinder), Einteilung des zu vermittelnden Schulstoffes in Schulfächer (hängt nicht alles miteinander zusammen und wäre es nicht viel logischer und effektiver, projektbezogen zu lernen?) Und wäre dies nicht genug, werden die Kinder auch zu Hause noch mit Schularbeiten gequält, in ihrer freien Zeit, in der die Kinder endlich mal frei spielen oder sich mit ihren wirklichen Interessen beschäftigen könnten!!! Wozu Hausaufgaben???

Letztendlich- Was erinnern wir Erwachsenen noch von unserem Schulstoff? Haben wir aufgrund des vielen Lernens für Tests und Klausuren ("Bulimielernen") nicht das Meiste wieder vergessen?? Wofür wird in Schulen überwiegend gelernt? Was behalten die Kinder davon? Woran erinnern sich die Kinder noch Jahre später gerne?

Was wäre wichtig zu lernen? Wie könnte dies vermittelt werden? Wie könnte eine solche Schule aussehen? Welche Rolle hätten die Lehrer und die Eltern?


Momo mit vielen Fragen
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Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Maca » Fr 4. Sep 2015, 12:26

Hallo Momo,

Ich freue mich,daß Du dieses Thema eröffnet hast,mich beschäftigt es seit Jahren und ich bin einfach nur traurig über diese unglaubliche Unflexibität im Schulsystem.
Meine Erfahrungen nach vier Jahren ,Schule bereitet auf wirtschaftliche Verwertbarkeit vor.
Selbstbestimmtes,zweckungebundenes Lernen ist nicht vorgesehen.
Dabei könnten ja Individuen herauskommen,die nicht nur kritisch hinterfragen(das tun ja viele),sondern,die plötzlich auf die Idee kommen ,daß es tatsächlich auch anders GINGE.
Leistung wird zwar immer relativiert,ist aber die einzige Messlatte die zählt.
,Zeig mir was Du kannst,ich beurteile Dich dafür und setze die Weichen für für Deine zukünftigen Zukunftsoptionen',das vermittelt Schule,ich würde mir wünschen:
,Wir schauen mal was Du kannst,was wir gemeinsam können und was zu können sich wirklich lohnt,Freude macht und uns gemeinsam weiterbringt ' ( als Prozess in dem jeder selbstverständlich eingebunden ist).

Wir bräuchten einen generellen Paradigmawechsel in unseren Denkstrukturen.
Wo sollten wir da anfangen,wenn nicht bei unseren Kindern , und genau das läßt unsere eigene Prägung in diesen Denksystemen nicht zu .

LG von Maca
( die ihr Philosophiestudium abgebrochen hat ,weil sich ihre eigenen Denkstrukturen als zu brüchig erwiesen :mrgreen: ,
und die natürlich auch keine konkreten schlauen Antworten hat :roll: )
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Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Maca » Fr 4. Sep 2015, 12:57

Als ein konkretes Beispiel,

Projektarbeit muß in der ersten Klasse beginnen.
Und nicht mit einem,
,,Nuuuun findet Euch mal in Gruppen zusammen und bearbeitet gemeinsam die Aufgabenstellung,noch irgendwelche Fragen?"
Sondern mit der Frage
,, Wer möchte mir erzählen,was er total spannend findet?"
Die Kinder werden sich überschlagen vor Ideen,es wird ein herrlich ,chaotischer Tumult entstehen ,aber fast alle Kinder
werden sich persönlich angesprochen fühlen.
Um in einer solchen Situation die einzelnen Ideen in sinnvolle ,vermutlich produktiven Gruppen zusammenzufassen,
bräuchte es vor der Tafel ein wahnsinnig fittes ,erfahrenes,empathischen,selbst sehr kreatives,Menschen mitreißendes
Motivationstalent,
wahrscheinlich mindestens so fähig wie ein Siemensmanager,
und das bei dem Gehalt?
:x
Maca
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Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Linasina » Fr 4. Sep 2015, 13:46

Mit unserer Klassenlehrerin haben wir großes Glück. Sie macht sehr Individuellen Unterricht. Sie macht Tests damit Sie weiss wo jeder einzelne Schüler steht. Sie macht keine dreiviertel Stunde Unterricht sondern wechselt mit den Fächern oder lässt Sie rum laufen wenn es gar nicht mehr geht.
Mit der Lehrerin bin ich sehr zufrieden und die Arbeitsblätter sind auch gut.
Im Hort klappt es nun auch prima mit den Hausaufgaben. Sie sind auch wenn Sie die Zahlen in Spiegelschrift schreibt nicht so streng. Vielleicht war ich auch etwas zu streng mit den Hausaufgaben.
Gestern kam Sie das erste mal gut gelaunt aus der Schule. ;) Aber üben will Sie nach der Schule nicht noch.
Vielleicht muss ich einfach noch ein wenig Geduld haben. ;)
lg
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Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 4. Sep 2015, 15:46

Momo hat geschrieben:Wozu Hausaufgaben???

Das frage ich mich auch.

Momo hat geschrieben:Letztendlich- Was erinnern wir Erwachsenen noch von unserem Schulstoff? Haben wir aufgrund des vielen Lernens für Tests und Klausuren ("Bulimielernen") nicht das Meiste wieder vergessen?? Wofür wird in Schulen überwiegend gelernt? Was behalten die Kinder davon? Woran erinnern sich die Kinder noch Jahre später gerne?


Zur Frage "Was behalten die Kinder?" fällt mir spontan ein: das, was sie WIRKLICH einmal brauchen. Ich sehe es immer wieder mit den Lehrlingen in meiner Firma. Der Beruf heißt "Großhandelskaufmann" bedeutet aber - je nachdem wo und wofür man tatsächlich eingesetzt wird - immer was anderes. Das, was unsere Lehrlinge in der Berufsschule, im brancheneigenen Fernkurs und in den betriebsinternen Schulungen lernen mussten, hat zu 95% nichts damit zu tun, was sie in der Praxis brauchen. Das lernen sie dann, wenn sie zum ersten Mal "richtig" arbeiten dürfen durch fragen und Versuch und Irrtum.

In der Schule ist es ganz genau dasselbe. Wer hat als Erwachsener schon sein Wissen über sinus, cosinus und tangens irgendwo anwenden müssen? Wer hatte konkret einen Vorteil davon, zu wissen, wann die Schlacht am Teutoburger Wald war und wer gekämpft bzw. gesiegt hat? Wer musste schon mal in der Praxis ausrechnen weviel kinetische Energie frei wird wenn eine 1kg schwere Kugel einen Meter tief auf die Erde fällt?

Wohl nur jemand, bei dem das zufällig ins Berufsbild gehört oder jemand, der bei "Wer wird Millionär?" gewinnen will ;) .

Momo hat geschrieben:Was wäre wichtig zu lernen? Wie könnte dies vermittelt werden? Wie könnte eine solche Schule aussehen? Welche Rolle hätten die Lehrer und die Eltern?


Wichtig zu lernen wären mMn Dinge des Lebens sowie Dinge des jeweiligen, speziellen Interesses.

Was braucht man also im Leben? MMn lesen und halbwegs erkennbar schreiben, die vier Grundrechnungsarten, ein bisserl Mengenlehre und Prozentrechnen, etwas Geografiekenntnisse um zu wissen wo man wohnt und wie man auf einer Karte oder in einem Atlas etwas findet und Entfernungen abschätzen kann. Außerdem noch ein kleiner Grundstock an politischer Bildung, also welche Parteien es gibt, welche Interessen sie vertreten, wie die wichtigsten Volksvertreter heißen und welche Rechte sie haben.

Was mMn noch gebraucht, aber bisher in der Schule nicht vermittelt wird, ist soziale Kompetenz sowie Konfliktbewältigung.

Darüber hinaus sollte mMn auf die jeweiligen speziellen Interessen des Kindes eingegangen und dort das Wissen vertieft werden - und zwar bis zum sprichwörtlichen Exzess. Wenn sich ein Kind sehr für Mathe interessiert sollte es schon in der Pflichtschule die Möglichkeit haben, alles was damit zu tun hat, zu lernen bzw. erarbeiten zu dürfen (ev. in Interessensgruppen). Wenn ein Kind eine Sportskanone ist sollte ihm die Schule die Möglichkeit bieten, das auszuleben, ebenso wie bei musikalischem Talent.

Mir fiele noch viel dazu ein, aber mein Kleiner braucht mich. Melde mich später noch mal dazu!
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Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Tinchen1 » Fr 4. Sep 2015, 16:38

Wichtig zu lernen wären mMn Dinge des Lebens sowie Dinge des jeweiligen, speziellen Interesses.


Genau das ist ein Irrtum, bzw, kann ein Irrtum sein!
Ein 7- jähriges Kind ist nicht in der Lage einzuschätzen seine Interessen derart präzise zu zeigen/signalisieren, so dass wir Eltern in unserer Entscheidung sicher sein können, was wichtig oder unwichtig zu lernen ist.
Und wenn wir soetwas von Lehrkräften erwarten, ist das sicherlich anmaßend von uns.

Interessen sind Momentaufnahmen und mit jedem Schritt im Alter/der Entwicklung verändern sie sich. Der Schulstoff muss allgemein in einem großen Graubereich vermittelt werden, damit die jungen Erwachsenen Menschen mit dem Abschluss sich dann entscheiden können WAS sie davon für ihr Berufsleben haben möchten...und im kindesalter weiss man dies definitiv nicht.

Wenn ein 8-Jähriger vllt in der 2. Klasse noch nicht die Anweisung versteht "Bitte arbeitet in Grupppen zusammen", so muss die Aufgabe der Lehrkraft sein, ihm das Nahe zu bringen. Ebenso kann es aber auch sein, dass er das von ganz alleine im Alter von 10 jahren kann...weil eine Entwicklung stattgefunden hat.

Ich finde unser Schulsystem in der heutigen Zeit wirklich viel besser! Man hat soviele Möglichkeiten den Weg zum abi zu schaffen und ist nicht mehr ab der 4. klasse mit Empfehlung an der Schulart festgetatckert. Auch kann man je nach Entwicklung sein Kind an Gemeinschaftschulen (Mit und ohne Integration), Realschulen oder Gymnasien anmelden...sogar zwischendurch bis zur Oberstufe hier und da wechseln. Alle Wege stehen einem offen, je nach dem was das Kind braucht.

Zum Bulemielernen: Genau DAS hat meinen Sohn aus der Frustration rausgeholt, Frontalunterricht und kein Palaber. Mit meinen Töchtern wäre das nicht gegangen, die konnten diesen Druck nicht ab.
Daran habe ich erkannt, das Schullaufbahn so kunterbunt individuell ist und mit dem Alter auch wechselt.

Seit 20 Jahren bin ich als Theaterpädagogin in der Schule tätig und arbeite mit hauptsächlich Problemkindern und Behinderten (Fantastische, wunderbare und tolle Kinder!). Eins teilen fast alle Eltern: Sie sind unsicher, ob es jeweils das richtig für das Kind ist, wo sie zur Schule gehen. Da mache ich dann Mut, dass sie auch ihren Kindern Sicherheit vermitteln, wenn sie sich selbst "sicher" fühlen. Die Unsicherheit überträgt sich manchmal auf Kinder.

Natürlich gibt es Lehrkräfte, wo man sich fragt wie sie ihr Studium geschafft haben. Aber auch da gilt es die Kinder stark zu machen und zu zeigen, dass Lehrkräfte vllt am längeren Hebel sitzen, aber die eigenen Eltern hinter ihren Kids stehen. Das motiviert!

Liebe Grüße
Tinchen
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Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 4. Sep 2015, 22:19

Tinchen1 hat geschrieben:
Wichtig zu lernen wären mMn Dinge des Lebens sowie Dinge des jeweiligen, speziellen Interesses.


Genau das ist ein Irrtum, bzw, kann ein Irrtum sein!
Ein 7- jähriges Kind ist nicht in der Lage einzuschätzen seine Interessen derart präzise zu zeigen/signalisieren, so dass wir Eltern in unserer Entscheidung sicher sein können, was wichtig oder unwichtig zu lernen ist.
Und wenn wir soetwas von Lehrkräften erwarten, ist das sicherlich anmaßend von uns.



Es geht nicht darum das Kind nach seinen Interessen zu fragen sondern darum, ihm verschiedene Möglichkeiten zu bieten. Wenn sich jemand mit 7 Jahren nicht für Mathe interessiert heißt das nicht dass dieses Desinteresse die ganze Schulzeit anhält. Es heißt auch nicht dass ein Kind, welches kein Interesse an Mathe hat, KEINEN Matheunterricht bekommen soll. Aber es soll IN SPÄTERER FOLGE (also in der Oberstufe) mMn nicht mit Algebra und binären Zahlensystem gequält werden, wenn z.B. großes Interesse und Talent an Sprachen hat.

Sprich: wenn sich die Interessen und Fähigkeiten eines Kinder herauskristalllisiert haben soll es nur noch einen Minimalanteil an "Pflichtfächern" geben um z.B. den bestehenden Wissenstand zu erhalten und sehr viele Wahlfächer bzw. fächerübergreifende Interessensgruppen.

Die Alternative zu den Dingen des jeweiligen, speziellen Interesses wäre ja doch wieder das Gießkannen-Prinzip (nach teils veralteten Lehrplänen), welches jetzt hauptsächlich zur Anwendung kommt.

Und was ist daran vermessen, von Lehrkräften zu erwartet, dass sie differenzieren können? Ich bin Jahrgang 1971 und war in einem Kindergarten mit 40 Kindern bei 2 Kindergärtnerinnen. Und selbst DIE konnten so gut differenzieren dass eine davon manchmal mit mir ALLEIN Gedichte einstudiert hat weil sie mein Interesse an Lyrik und mein Talent zum auswendig-lernen erkannt hat. Ein anderes Mädchen aus meinem KIGA war ein Zeichen-Talent (sie ist übrigens heute Kunstmalerin) und auch dieses Talent wurde bereits im Kindergarten erkannt und gefördert. Wenn das vor 40 Jahren im Kindergarten gelungen ist traue ich es unserere heutigen Lehrern auch zu - es geht hauptsächlich darum, ihnen die Möglichkeiten bzw. den dafür notwendigen Spielraum zu geben.

Zu dem Theme empfehle ich übrigens das Buch "Henri - ein kleiner Junge verändert die Welt" von Kirsten Eberhardt. Darin wird anschaulich beschrieben wie ein Bub mit Down-Syndrom eine normale Volksschulklasse besucht und wie es den Lehrern dieser Klasse gelingt, dass er den Lernstoff NACH SEINEN FÄHIGKEITEN lernen kann. Klar ist es schwer und man stößt auf viele Gegner und Unkenrufer die meinen "Das geht nicht!". Aber ich habe diesen Thread so verstanden dass gefragt wurde, wie eine ideale Schule aussehen und was sie bieten soll. Und genau DAS gehört bei mir dazu: die Fähigkeit der Lehrer, zu differenzieren! Es geht nicht darum dass sie in ihren Einschätzungen immer richtig liegen müssen - das ist bei den bisher üblichen Schulsystemen ja auch nicht der Fall.

In anderen Punkten gebe ich Dir recht: Schule ist (zumindest in Ö) mMn heute wesentlich besser und bietet mehr Möglichkeiten als noch vor 20 (oder mehr) Jahren. Aber viel liegt noch immer im argen und Hausaufgaben gehören mMn auch zu den Relikten, die möglichst abgeschafft bzw. durch bessere Systeme ersetzt werden sollten. Abgesehen davon fällt mir dazu spontan ein Zitat von Maria Ebner-Eschenbach ein:

WER AUFHÖRT, BESSER WERDEN ZU WOLLEN, HÖRT AUF, GUT ZU SEIN

Dieser Spruch ist neben meinem absoluten Lieblingsspruch "Wer will findet Möglichkeiten, wer nicht will findet Gründe" zu meinem Lebensmotto geworden. Daher bin ich auch so vermessen, von anderen (in dem Fall den für das Schulsystem verantwotlichen Personen, also Lehrer, Direktoren, Inspektoren, Politiker,...) zu verlangen ihre jeweiligen Aufgaben bestmöglich zu erfüllen und sich nicht auch bereits erreichten Erfolgen auszuruhen.
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Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 4. Sep 2015, 23:30

HIer mal wieder ein interessanter Artikel zu dem Thema, eigentlich eine "Lehrerinformation" aber mMn auch für Eltern aufschlußreich (wenn auch viel Lesestoff ;) ):
http://kreativakademien-noe.at/images/u ... Lehrer.pdf
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Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Momo » Sa 5. Sep 2015, 00:42

Maca hat geschrieben:
Selbstbestimmtes,zweckungebundenes Lernen ist nicht vorgesehen.
Dabei könnten ja Individuen herauskommen,die nicht nur kritisch hinterfragen(das tun ja viele),sondern,die plötzlich auf die Idee kommen ,daß es tatsächlich auch anders GINGE.
Leistung wird zwar immer relativiert,ist aber die einzige Messlatte die zählt.
,Zeig mir was Du kannst,ich beurteile Dich dafür und setze die Weichen für für Deine zukünftigen Zukunftsoptionen',das vermittelt Schule


Liebe Maca, das sehe ich genauso!

maca hat geschrieben:
,, Wer möchte mir erzählen,was er total spannend findet?"
Die Kinder werden sich überschlagen vor Ideen,es wird ein herrlich ,chaotischer Tumult entstehen ,aber fast alle Kinder
werden sich persönlich angesprochen fühlen.


Ein sehr schönes Bild und auch hier stimme ich Dir vollkommen zu!! Ich bin der Überzeugung, dass alle Kinder lernen wollen, nur nicht alle zur selben Zeit das Gleiche. Die Interessen variieren, das eine Kind interessiert sich schon vor der Schule für Buchstaben und Lesen, das Andere erst mit 8 Jahren. Dafür klettert dieses Kind wie ein Weltmeister oder baut tolle Dinge. All dies ist Lernen und alles was mit Freude und ehrlichem Interesse gelernt wird, wird fest im Gehirn gespeichert und verknüpft. Zu diesen Ergebnissen ist die Hirnforschung mittlerweile gekommen. Diese Erkenntnisse werden jedoch im Schulalltag nicht oder sehr wenig berücksichtigt.

Maca hat geschrieben:
Um in einer solchen Situation die einzelnen Ideen in sinnvolle ,vermutlich produktiven Gruppen zusammenzufassen,
bräuchte es vor der Tafel ein wahnsinnig fittes ,erfahrenes,empathischen,selbst sehr kreatives,Menschen mitreißendes
Motivationstalent,
wahrscheinlich mindestens so fähig wie ein Siemensmanager,
und das bei dem Gehalt?


Es stimmt, Lehrer müssen ein Talent mitbringen, die Schüler zu begeistern und sie ebenso wertschätzend begleiten zu können. Charismatische Menschen, die ein ähnliches Talent wie Schauspieler mitbringen, die den Schulstoff lebendig machen können. Auf der anderen Seite sollten sie auch gut zuhören können und den Schülern vertrauen- die jungen Menschen finden eigene Lösungen und Wege.

Rabaukenmama hat geschrieben:
Was braucht man also im Leben? MMn lesen und halbwegs erkennbar schreiben, die vier Grundrechnungsarten, ein bisserl Mengenlehre und Prozentrechnen, etwas Geografiekenntnisse um zu wissen wo man wohnt und wie man auf einer Karte oder in einem Atlas etwas findet und Entfernungen abschätzen kann. Außerdem noch ein kleiner Grundstock an politischer Bildung, also welche Parteien es gibt, welche Interessen sie vertreten, wie die wichtigsten Volksvertreter heißen und welche Rechte sie haben.



So sehe ich es auch. Und warum gehen dann Kinder so viele Jahre zur Schule, in der sie quantitativ wahnsinnig viel lernen, doch letztendlich dadurch die Qualität auf der Strecke bleibt und kaum etwas hängen bleibt??? Könnten die Kinder ihre Zeit nicht wesentlich sinnvoller nutzen? Indem sie sich mit den Dingen und Themen beschäftigen, die sie wirklich interessieren? Indem sie sich austauschen und in Interaktion miteinander gehen, anstatt still zuzuhören und nur reden zu dürfen, wenn sie die Erlaubnis dazu haben?

Rabaukenmama hat geschrieben:
Was mMn noch gebraucht, aber bisher in der Schule nicht vermittelt wird, ist soziale Kompetenz sowie Konfliktbewältigung.


Genau hier wären wir beim Thema! Soziale Kompetenz und Konfliktbewältigung. Dies lässt sich noch ergänzen mit Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Freude am Lernen, lernen zu lernen, Kommunikationsfähigkeit etc.
Wie könnte dies vermittelt werden?
Stellt Euch vor, es gibt eine Schule mit verschiedenen Räumen, in denen verschiedenste Themen vorbereitet sind wie z.B.:
- Naturwissenschaften / Experimente
- Bewegung / Sport / Rollenspiel
- Werken
- Bauen / Konstruieren
- Gesellschaftsspiele
- Kreativität / Malen / Basteln
- Mathematik / Montessorimaterial
- Mathematik / Schreiben / Sprachen
- Musik
- Lesen
- Garten
Die Kinder dürften morgens entscheiden, welches Thema sie interessiert und ganz frei an diesen Themen arbeiten. Vielleicht finden sich mehrere Kinder zu einem Team zusammen, es wird geredet, diskutiert, gemeinsam ausprobiert, nach Lösungen gesucht. Die Erwachsenen stehen den Kindern bei Fragen zur Seite, lassen die Kinder aber eigenständig arbeiten. Die Lehrer und die Eltern vertrauen den Kindern, dass sie lernen wollen und dass man sie dazu nicht zwingen muss. Die Arbeit der Kinder wird jedoch nicht als gut oder schlecht bewertet, sondern auf Nachfrage gibt es ein Feedback oder eine Hilfestellung. Es geht nicht um richtig oder falsch, Kinder sind in der Lage, selbst zu erkennen, ob etwas funktioniert oder nicht. Und sie sind in der Lage, mit konstruktiver Kritik umzugehen, wenn sie dies durch einen respektvollen Umgang gelernt haben. Auf diesem Weg wird neben den grundsätzlichen Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen vor allem die soziale Interaktion und Teamfähigkeit geschult. Meiner Meinung und Prognose nach sind diese Kompetenzen überaus wichtig für ein erfolgreiches und glückliches Leben!

Momo
Zuletzt geändert von Momo am Sa 5. Sep 2015, 01:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Momo » Sa 5. Sep 2015, 01:25

Tinchen hat geschrieben:
Ein 7- jähriges Kind ist nicht in der Lage einzuschätzen seine Interessen derart präzise zu zeigen/signalisieren, so dass wir Eltern in unserer Entscheidung sicher sein können, was wichtig oder unwichtig zu lernen ist.


Was ist denn wichtig oder unwichtig zu lernen??? Wer entscheidet dies? Warum sollte ein Kind, egal welchen Alters, nicht in der Lage sein, seine Interessen zu zeigen??? Diese Argumentation kann ich überhaupt nicht nachvollziehen...

Tinchen hat geschrieben:

Interessen sind Momentaufnahmen und mit jedem Schritt im Alter/der Entwicklung verändern sie sich. Der Schulstoff muss allgemein in einem großen Graubereich vermittelt werden, damit die jungen Erwachsenen Menschen mit dem Abschluss sich dann entscheiden können WAS sie davon für ihr Berufsleben haben möchten...und im kindesalter weiss man dies definitiv nicht.


Ich sehe es genau anders herum. Wenn ein Kind von Anfang an die Möglichkeit hat, seine Interessen auszubilden, dann können sich seine individuellen Talente entfalten. Und daraus resultiert im Idealfall der spätere Berufswunsch. Mich erschreckt es immer wieder, dass viele Jugendliche, die ich nach ihrem Berufswunsch frage, antworten "irgend etwas, wo man viel Geld verdient". Was ist aus ihren Interessen und Talenten geworden???

Tinchen hat geschrieben:
Ich finde unser Schulsystem in der heutigen Zeit wirklich viel besser! Man hat soviele Möglichkeiten den Weg zum abi zu schaffen und ist nicht mehr ab der 4. klasse mit Empfehlung an der Schulart festgetatckert. Auch kann man je nach Entwicklung sein Kind an Gemeinschaftschulen (Mit und ohne Integration), Realschulen oder Gymnasien anmelden...sogar zwischendurch bis zur Oberstufe hier und da wechseln. Alle Wege stehen einem offen, je nach dem was das Kind braucht.

Ja, das Schulsystem ist besser als vor vielleicht 50 Jahren (zumindest in einigen Ländern der Erde), doch unterstützt dieses System die Kinder dabei, sich ihren Talenten entsprechend optimal zu entfalten? Ist das System wirklich gut genug und zeitgemäß??? Meiner Meinung nach wird es höchste Zeit für eine Reform, die Statistiken von verhaltensauffälligen Kindern sind alamierend!

Linasina hat geschrieben:
Gestern kam Sie das erste mal gut gelaunt aus der Schule. ;) Aber üben will Sie nach der Schule nicht noch.
Vielleicht muss ich einfach noch ein wenig Geduld haben. ;)


Ich wünsche Euch und Eurer Tochter sehr, dass die Tendenz so bleibt!!!

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