Diskussionsthema Schule

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon unwissende-neu » Di 27. Feb 2018, 23:43

Für mich liegt das Problem daran das die Eltern im Augenblick der Entscheidungen nicht das gemacht haben was sie angekündigt haben. Wer seinen Kindern sagt überschreite diese Linie und das Kind tut es, muss die angekündigte Sanktion durchführen. Das geht allerdings nur mit kühlem Kopf.


Demzufolge müssten ja Kinder, die in Heimen von "Profis" erzogen werden und / oder in Stationäre Einrichtungen sind, perfekt funktionieren ?!?
Und was ist mit den Kindern, wo zu Hause alles Tip Top läuft, aber in der Schule oder ähnliches terz machen? Sind dann in den Fällen die Lehrer schuld? Und was ist, wenn der Lehrer oder die Lehrerin dann 25 Kinder in der Klasse hat und nur das eine Kind scheint dem Lehrer nicht zu gehorchen.... - So kann man es dann immer weiter drehen???? Ich denke, so eine Diskussion über Pauschale- Schuld-Lösungen ist genauso sinnvoll, als ob man sagt, "alle Menschen auf dieser Erde mögen Eis gern". - Es ist weder richtig, ergibt keinen Sinn, noch hilft es irgendwie weiter und ist ( zumindestens für mich) sehr müssig.

Wie mein Opa immer zu sagen pflegte: " Das weiß ich wohl für dich mit" :D
unwissende-neu
Dauergast
 
Beiträge: 119
Registriert: Mi 4. Jan 2017, 02:49

Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon helg258 » Mi 28. Feb 2018, 00:13

unwissende-neu hat geschrieben:Demzufolge müssten ja Kinder, die in Heimen von "Profis" erzogen werden und / oder in Stationäre Einrichtungen sind, perfekt funktionieren ?!?


Hm wieso alle? Denkst du in Absoluten? Nur Ja oder nein, nur Schwarz und Weiß.
Jedes Kind ist anders und bedarf demzufolge individuellen "Regeln" nur Konsequenz ist daher schon wichtig weil damit das Wort des Erziehenden ein gewisses Gewicht hat.
Was denkst du denn von jemanden der dir etwas sagt und es dann nicht tut?
helg258
 
Beiträge: 9
Registriert: Do 10. Nov 2016, 19:48

Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 28. Feb 2018, 19:01

helg258 hat geschrieben:
unwissende-neu hat geschrieben:Demzufolge müssten ja Kinder, die in Heimen von "Profis" erzogen werden und / oder in Stationäre Einrichtungen sind, perfekt funktionieren ?!?


Hm wieso alle? Denkst du in Absoluten? Nur Ja oder nein, nur Schwarz und Weiß.
Jedes Kind ist anders und bedarf demzufolge individuellen "Regeln" nur Konsequenz ist daher schon wichtig weil damit das Wort des Erziehenden ein gewisses Gewicht hat.
Was denkst du denn von jemanden der dir etwas sagt und es dann nicht tut?


Ach helg, wenn das so einfach wäre, dann wäre Kindererziehung ein Kinderspiel!

Ich halte mich für sehr konsequent mit dem durchziehen meiner Ankündigungen. Meine Kinder wissen auch beide. Trotzdem liegt es an mir, IM VORFELD zu entscheiden, was mir einen Machtkampf (auf den es bei meinem jüngeren Sohn praktisch IMMER hinausläuft) wert ist. Aktuelles Beispiel heute: Sohnemann bittet um Schokolade und bekommt welche. Dann will er Nachschlag, ich gebärde "Noch dieses Stück, dann ist für heute Schluß mit naschen!", Sohnemann nickt. Kommt trotzdem nach 5 Minuten wieder, fordert wieder Schokolade. Ich verneine, erkläre, dass ich vorhin schon gesagt habe, dass es jetzt keine Schokolade mehr gibt (was mein normal intelligenter Sohn durchaus verstanden hat!) , er beginnt zu kreischen, immer zu wiederholen "Ich will Schokolade, bitte, ich will noch Schokolade!" Blickkontakt zum weiter-gebärden ist nicht gegeben, also warte ich ab. Ich warte ca. 15 Minuten bis Gekreische und Tränen aufhören, dann fragt mein Sohn WIEDER ob er Schokolade haben darf. Ich verneine noch einmal, wieder 10 Minuten Gekreische und Tränen. Dann das Spiel von neuem. Das Ganze dauerte letztendlich 45 Minuten. Und das OBWOHL ich wirklich NIE noch Schokolade gegeben habe, nachdem ich angekündigt hatte, dass es keine mehr gibt!

"Konseqenzen" mit denen eigentlich Strafen gemeint sind (klassisch: Fernsehverbot, Naschverbot, nicht-zum-Ausflug-mitdürfen), gibt es bei uns schon lange nicht mehr, genausowenig wie Belohnungen. Weil es sie nicht gibt werden sie auch nicht angegedroht oder in Aussicht gestellt.

Vor allem mein jüngerer Sohn ist absolut resistent gegen solche Manipulationsversuche. Der braucht auch nicht (wie manche selbstsicher behaupten) "einfach ein paar hinter die Löffel" - den könnte man erschlagen und es würde nichts an seinem Verhalten ändern. Also ist konsequent-sein für mich einfach, bei dem was ich angekündigt habe, zu bleiben. Das ändern nicht an den immer wieder vorkommenden Machtkämpfen. Da behaupte ich nicht, mich NIE reinreißen zu lassen, aber es ist sehr selten.

Da ich aber grundätzlich sehr wohl an einem friedlichen zusammenleben interessiert bin, frage ich mich bei manchen Sachen: Wie wichtig ist das Ganze? Sprich: ich erlaube vermutlich deutlich mehr, als andere Eltern, die glauben, grundsätzlich eine Autorität darstellen zu müssen. Wenn Sohnemann zu Hause ohne Hose und Strumpfhose rumlaufen will, gebärde ich ihm, dass er sich das anziehen soll (ohne Konsequenzen anzukündigen). Ich betrachte das aber als Anregung, nicht als Befehlt. Wenn er nicht will, dann lasse ich ihn eben so lange unten-ohne rumlaufen, wie er mag. Da könnte ich auch konsequent sein, und ihn gegen seinen Willen in die Kleidungsstücke zwängen. Danach wäre ich schweißgebadet und hätte etliche Schläge und Tritte abbekommen, damit sich mein Sohn nach spätestens 1 Minute wieder der mühsam angezogenen Sachen entledigt.

Wenn wir einen wichtigen Termin haben (und das ist aufgrund etlicher Therapien und Untersuchungen öfter der Fall), dann kündige ich das schon am Morgen auf unserem Whiteboard an, damit sich mein Sohn auskennt. Wir fahren grundsätzlich 30 Minuten früher weg, als notwendig. Dann stehe ich nicht unter Zeitdruck, wenn mein Sohn in der U-Bahn-Station drei Extra-Runden mit dem Lift fahren will. Mittlerweile kenne ich seine diesbezüglichen Gewohnheiten, so dass wir meistens pünktlich oder einige Minuten zu früh beim Termin sind - und das ganz ohne Kampf!

Und da komme ich zu deiner Frage "Was denkst du, wenn jemand etwas sagt, und dann nicht tut?". Die Antwort lautet: es kommt auf die Sache an! Ich habe schon erlebt dass eine Mutter zum trotzigen Kleinkind im Zoo gleich nach dem Eingang gesagt hat "Wenn du nicht zu kreischen aufhörst, fahren wir sofort wieder nach Hause!" - lächerlich, macht sie nie, wo sie doch gerade kanpp 25 Euro für den Eintritt bezahlt hat! Und ein Kleinkind kreischt nicht ohne Grund - ob der Grund der Mutter jetzt bekannt oder plausibel ist, ist eine andere Sache. Ich selbst hätte mir eine Sitzgelegenheit gesucht und gewartet, dass mein Kind wieder "runterkommt", ohne eine Konsequent anzudrohen, die ich nicht einhalten kann.

Auch bei meinem älteren Sohn bin ich insofern konsequent, dass ich meistens das, was ich angekündigt habe, auch wirklich durchziehe. Aber wenn es grundsätzlich heißt "um 22h ist Schluß mit lesen!" ein es kommt ein "Bitte, noch 5 Minuten! die Geschichte ist gerade so spannend!" kann ich auch spontan kooperativ sein. Wenn mir wichtig ist, dass er wirklich um 22h das Licht abdreht (meine Söhne haben beide ein extrem geringes Schlafbedürfnis :roll: ), dann muss ich entweder ganz klar sagen, dass das wirklich die allerletzte deadline ist. Oder ich ändere die Regel und sage eben "Um 21h45 ist mit lesen Schluss!" um DANN noch koopertiv sein zu können ;) .

Die Kooperation meinerseits geht aber nicht ins unendliche. Auch das wissen meine Kinder. Und sie sehen das nicht als "Mama sagt was, was sie dann nicht tut!" sondern sind froh über ein bißchen Spielraum, den sie manchmal ausverhandeln können. Und meiner Meinung nach ist es für Kinder AUCH wichtig, zu erkennen, dass die Eltern nicht gleichzeitig Legislative und Exekutive sind, sondern Verhandlungspartner. Man kann den eigenen Standpunkt klarlegen und wenn man gute Argumente hat, wird er berücksichtigt. Ähnlich wie auch im echten Leben. Es geht ja nicht darum, brave Befehlsempfänger heranzuziehen! So gesehen sehe ich mich eher als Sparringpartner, mit dem sie Strategien, ihren Willen durchzusetzen, möglichst gefahrlos ausprobieren können.

Grunsätzlich ist mein älterer Sohn viel "braver" im klassischen Sinn, als der jüngere. Außerdem hängt er sehr an mir und möchte mich nicht verärgern. Manchmal reicht es schon, wenn sich meine Stimmlage verändert, dass er kooperiert, bzw. das macht, was ich gerade verlange. Für ihn ist es fürchterlich, wenn ich auf ihn "böse" bin. Dann jammert er weinend "Mama, vertragen wir uns wieder! Mama, es tut mir so leid! Mama, ich mache es (was meinen Ärger ausgelöst hat) wirklich NIE wieder!". Tja, bei so einem Kind ist es leicht, konsequent zu sein!

Mein jüngerer Sohn hängt auch sehr an mir, tickt aber völlig anders. Ich erinnere mich noch, als er vor ca. 1 1/2 Jahren mal eine Phase hatte, wo er es unheimlich witzig fand, anderen mit dem Finger ins Auge zu fahren. Nachdem außer dem Bruder mein Mann und ich schon mal eine saftige Bindehautentzündung ( jeder 2 1/2 Wochen Krankenstand) davon abgekriegt haben, war ich extrem dünnhäutig, was dieses Verhalten betraf. Einmal provozierte mich mein Sohn mit dem Finger-ins-Auge-fahren-wollen so extem, dass ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste, als ihn KURZ im Schlafzimmer einzusperren, einfach um selbst "runter" zu kommen und ihn nicht zu (er)schlagen! Es waren garantiert weniger als 5 Minuten. Als ich die Tür wieder aufsperrte stand er wütend wie ein kleiner Racheengel da und gebärdete mir "DU hast mich eingesperrt! Du kannst gleich wieder rausgehen! Ich brauche dich nicht! Geh wieder raus und sperr wieder zu!". Da war er gerade mal 4 Jahre alt. Der Bruder wäre mir in der gleichen Situation in die Arme geflogen mit den Worten "Mama, vertragen wir uns jetzt wieder? Hast du mich wieder lieb?".
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2729
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon helg258 » Sa 3. Mär 2018, 22:29

Rabaukenmama hat geschrieben:Ich halte mich für sehr konsequent mit dem durchziehen meiner Ankündigungen. Meine Kinder wissen auch beide. Trotzdem liegt es an mir, IM VORFELD zu entscheiden, was mir einen Machtkampf (auf den es bei meinem jüngeren Sohn praktisch IMMER hinausläuft) wert ist. Aktuelles Beispiel heute: Sohnemann bittet um Schokolade und bekommt welche. Dann will er Nachschlag, ich gebärde "Noch dieses Stück, dann ist für heute Schluß mit naschen!", Sohnemann nickt. Kommt trotzdem nach 5 Minuten wieder, fordert wieder Schokolade. Ich verneine, erkläre, dass ich vorhin schon gesagt habe, dass es jetzt keine Schokolade mehr gibt (was mein normal intelligenter Sohn durchaus verstanden hat!) , er beginnt zu kreischen, immer zu wiederholen "Ich will Schokolade, bitte, ich will noch Schokolade!" Blickkontakt zum weiter-gebärden ist nicht gegeben, also warte ich ab. Ich warte ca. 15 Minuten bis Gekreische und Tränen aufhören, dann fragt mein Sohn WIEDER ob er Schokolade haben darf. Ich verneine noch einmal, wieder 10 Minuten Gekreische und Tränen. Dann das Spiel von neuem. Das Ganze dauerte letztendlich 45 Minuten. Und das OBWOHL ich wirklich NIE noch Schokolade gegeben habe, nachdem ich angekündigt hatte, dass es keine mehr gibt!


Hm hört sich für mich so an als wenn die Konsequenzen nicht so hart sind und das der Junge es weiterversucht.
Wenn er zum 2ten Male weiter fragt würde ich ihm Sanktionen anbieten sollte er es noch einmal wagen zu fragen.

Bei mir als Kind gab es dann sehr viele Versuche mit antiautoritärer Erziehung, aber unter uns gesagt: Ich als Kind zog die autoritäre Erziehung vor.
helg258
 
Beiträge: 9
Registriert: Do 10. Nov 2016, 19:48

Re: Diskussionsthema Schule

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 3. Mär 2018, 23:38

helg258 hat geschrieben:Hm hört sich für mich so an als wenn die Konsequenzen nicht so hart sind und das der Junge es weiterversucht.
Wenn er zum 2ten Male weiter fragt würde ich ihm Sanktionen anbieten sollte er es noch einmal wagen zu fragen.


Was für Konsequenzen und wofür? Dafür, dass er über meine Entscheidung (ihm keine Schokolade mehr zu geben) unglücklich ist, und DESHALB weint und kreischt?

Was soll da eine Konsequenz sein? Dass er ohne Abendessen ins Bett muss, nicht zum PC darf, oder dass ich ihn einsperre? Wenn dir so was vorschwebt, dann meinst du klassisch bestrafen (hört sich halt moderner an, wenn man es "Konsequenz" nennt). Und " anbieten" hört sich sehr unverbindlich an. Ich gehe davon aus, dass damit aber drohen gemeint is, so nach dem Motto "Wenn du nicht sofort zu schreien aufhörst, dann.....!"

Und was soll es bringen? Dass er dann, wegen der angedrohten Strafe, plötzlich NICHT mehr frustriert ust, und daher nicht mehr kreischt?

Schön langsam frage ich mich, wo du deine umfassende Erfahrung mit Kindern her hast. Von eigenen Kindern ( also welchen, die dauerhaft bei dir leben) vermutlich nicht!

helg258 hat geschrieben:Bei mir als Kind gab es dann sehr viele Versuche mit antiautoritärer Erziehung, aber unter uns gesagt: Ich als Kind zog die autoritäre Erziehung vor.


Was hat dir daran so behagt?

Übrigens zur Info (falls es nicht nicht zu dir durchgedrungen ist): es gibt nicht nur autoritär oder antiautoritär. Ich persönlich lehne beide Wege ab. Bei der autoritären Erziehung wird dem Kind ein Weltbild aufs Auge gedrückt, dass es gefälligst zu übernehmen hat, um nicht die "Liebe" der Eltern zu verlieren und um möglichst wenig bestraft zu werden. Bei antiautoritärer Erziehung bleibt das Kind bei der Suche nach Werten und Sicherheit auf sich gestellt. Das komplette fehlen von Regeln und Grenzen emfinde ich als ebenso schlimm, wie die Selbstherrlichkeit, unhinterfragten Gehorsam zu verlangen.

"KONSEQUENZ" bedeutet für mich nicht, verschiedene Strafen um Reportoire zu haben, mit denen ich erwünschtes Verhalten zu erzwingen versuche, sondern selbst eine klare Vorstellung davon zu haben, was ich meinen Kindern vermitteln und wie ich mit ihnen leben will.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2729
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Vorherige

Zurück zu Schule

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste