Schule in Finnland

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schule in Finnland

Beitragvon Maca » Mi 23. Nov 2016, 18:24

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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Maca » Mi 23. Nov 2016, 22:21

Stadtstaaten sind für Ländervergleiche einfach zu heterogen.

Mich ärgert es teilweise ein wenig, wenn der Norden grundsätzlich so difarmiert wird. :mrgreen:

Die Unterschiede zwischen den Schulen sind in Hamburg schon extrem.

Das Bildungsangebot muß man eher optional sehen, man könnte , man kann es aber auch lassen. :mrgreen:

Um allerdings im hohen Leistungsniveau mitzuspielen, müssen die Kinder bei uns genauso ackern wie anderswo.

Gute Noten werden nicht verschenkt, das ist einfach so ein blödes Klischee.
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Maca » Mi 23. Nov 2016, 22:22

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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Maca » Do 24. Nov 2016, 09:54

Das würden die Stadtstaaten einfach nicht schaffen.
Ab einem bestimmten Grad der Heterogenität ist individuelle Differenzierung und Förderung einfach nicht mehr möglich.

An der Schule meiner Kinder hat ja schon jede Klasse, je nach Leistungsstärke der Kinder, ihre eigenen Lehrwerke und unterschiedliche Möglichkeiten der Vertiefung.

Anfang der 5. Klasse werden bei uns an den beiden Schulformen Vergleichsarbeiten geschrieben .
In der Klasse meiner Tochter lag der durchschnittliche Lernstand weit über dem Durchschnitt, in der Klasse meines Sohnes weit unter dem Durchschnitt! :mrgreen:
In einer der Nachbarklassen war er wieder sehr hoch.
Alle Kinder mit schlechter Sozialkompetenz und schlechtem Arbeitsverhalten ( wird im GS Zwischenhalbjahreszeugnis 4.Klasse durch die allgemeinen Kompetenzen ja klar mitgeteilt) werden in eine Klasse gesteckt. Und die Kinder, bei denen eine Hochbegabung bekannt war, kamen da auch noch rein!

So macht Hamburg das, total planlos und experimentierfreudig!

Und dann gibt es auch noch Stadtteile, in denen viele der Schüler nicht ausreichend Deutsch sprechen.
Der Deutschunterricht findet dann auf einem Niveau statt, das weit unter dem Bundesdurchschnitt liegt.
Die guten Gymnasien haben ganz andere Möglichkeiten und schneiden bei Vergleichsarbeiten immer sehr gut ab, während "schlechte " Schulen teilw. die Mindeststandards nicht erreichen.

Eine Vereinheitlichung des Bildungsplanes würde eine massive Überforderung darstellen.

Die Stadtstaaten müssten in so einem System immer eine Sonderrolle einnehmen.
Zuletzt geändert von Maca am Do 24. Nov 2016, 15:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Rabaukenmama » Do 24. Nov 2016, 19:26

@koschka: Beim Problem nicht- bzw. schlecht Deutsch sprechender Schüler finde ich, dass meine Heimatstadt Wien sehr gute Ansätze hat. Einer davon ist das verpflichtende letzte Kindergartenjahr. Das wurde ja genau aus dem Grund eingeführt: damit Kinder mit Migrationshintergrund, die in ihrer Stammfamilie gar kein oder sehr schlechtes deutsch lernen, noch vor der Schule mit der Sprache vertraut werden. Das schafft schon ganz andere Voraussetzungen als wenn sich ein Kind mit 6 Jahren ohne ein Wort deutsch zu können plötzlich in einer Schulklasse wiederfindet, wo es vom Unterricht genau nichts mitbekommt. Kindergarten ist in Wien übrigens kostenlos. Man zahlt in städtischen Kindergärten nur einen Essensbeitrag (aktuell ca. Euro 62,-/monat für 3 tägliche Mahlzeiten) und sozial schwache Familien zahlen nicht mal den. Auch private Kindergärten werden von der Gemeinde gefördert und sind leistbar. Im privaten Kindergarten meines älteren Sohnes habe ich pro Monat Euro 80,- für´s essen und zustäzlich Euro 39,- als "Bastel- und Ausflugsbeitrag" bezahlt.

Den eigentliche Kindergartenbesuch zahlt die Gemeinde Wien. Den Sprachunterricht für ältere Migrantenkinder genauso Dan bekommen diese paralell zur Schule. Und für Kinder mit Lernschwierigkeiten gibt es "Lernpaten", großteils ältere Menschen die ohnehin genug Tagesfreizeit haben und so etwas wirklich sinnvolles tun.

Für Eltern gibt es ebenfalls Kurse und zwar kostenlos. Diese werden großteils von ehrenamtlichen Laien geleitet, nicht von extra dafür bezahlten Lehrpersonen. In meinem engeren Bekanntenkreis gibt es zwei Frauen (eine Perserin, eine Österreicherin), die Flüchtlingen ehrenamtlich deutsch lehren.

Meine Beobachtung ist dass solche Maßnahmen die sozialen Unterschiede zwar nicht aus der Welt schaffen, aber kleiner werden lassen. Schulklassen, wo die Hälfte der Kinder kaum deutsch spricht, gibt es zwar noch, aber sie werden immer seltener :) .
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 25. Nov 2016, 12:28

Koschka hat geschrieben:Nur ein Kidnergartenjahr reicht nicht allen Kindern, um Sprache zu lernen. Außerdem gibt es welche, die schon im Schulalter einwandern.


Ich habe ja geschrieben dass es für Kinder, die im Schulalter einwanderen, NEBEN dem normalen Unterricht noch Deutschkurse gibt. Und ein Kindergartenjahr oder nicht macht sprachlich wirklich einen GEWALTIGEN Unterschied! Im Moment plant die Wiener Stadtregierung aber schon ein zweites, verpflichtendes Kindergartenjahr, vor allem für Kinder mit Migrationshintergrund.

Koschka hat geschrieben: Meines Erachtens hat die Gesellschaft zwei Möglichkeiten. Entweder in die Bildung dieser Kidner zu investieren so lange sie noch jung und formbar sind. Oder sie sich selber zu überlassen und sie später finanzieren, begleiten und unterstützen zu müssen, womöglich lebenslang. Es wird viel gesprochen über die Konsequenzen der Einwanderung, über die Ängste und Sorgen, über die Bedrohung. Die Kinder sind sicherlich keine Bedrohung. Auch wenn ihre Eltern radikal sind, werden in den allen meisten Fällen ihre Kinder richtung stabileres, besseres Leben ausbüxen und ihre Werte revidieren, solange diesen Kinder die Türe zum besseren Leben offen stehen. Ich würde die Güte einer Schulsystem nicht an der Anzahl der Ganztagsschulen beurteilen, sondern anhand der Chancen, die das System den Kindern auf Dauer bietet.


Ich glaube gar nicht, dass der Großteil der Eltern der Migrantenkinder radikal sind. Sie sind eben geprägt durch ihre Erlebnisse und Erfahrungen, so wie das auch unsere Großeltern- und Urgroßeltern-Generation mit Kriegserfahrung war. Wo ich Dir 100%ig recht gebe: Es mußt einfach viel Geld in die Hand genommen werden um für ALLE Kinder gute Voraussetzungen zu schaffen. Sprachlich genauso wie sonst! Die sozialen Unterschiede wird man damit nie ganz aus der Welt schaffen können, aber sie werden kleiner werden.

Dann gibt es ja auch noch "hilfe-resistente" Eltern. Ich weiß von einem schwierigen Schüler mit Migrationshintergrund, psychosozialen Problemen und Lernschwierigkeiten, der von der Schule in eine kostenloses Nachhilfeprogramm eingeteilt war. Aber die Eltern wollten sich die Arbeit nicht antun den Buben in die Nachhilfestunden zu bringen und von dort wieder abzuholen. Wo man auf solchen Widerstand stößt nützt das beste städtische oder staatliche Programm nichts!

Koschka hat geschrieben:Ich würde die Güte einer Schulsystem nicht an der Anzahl der Ganztagsschulen beurteilen, sondern anhand der Chancen, die das System den Kindern auf Dauer bietet.


Uneingeschränkte Zustimmung! Auch wenn ich ein möglichst breites Angebot an schulischen Möglichkeiten befürworte kann Ganztagsschule nicht die Universallösung für alle schulischen Probleme sein. Was mich vor allem skeptisch stimmt ist, dass Kinder im schulpflichtigen Alter in Ganztagsschulen den Großteil ihrer Zeit nur unter Aufsicht von pädagogischen Personal verbringen und die sozialen Kompetenzen, die man eben nur im unbeobachteten Kind-sein erlangen kann, nicht lernen (können). Außerdem sinkt der Einfluß der Eltern, was in manchen Situationen gut, in anderen aber sehr schlecht sein kann. Nicht jedes Kind "braucht" dasselbe!
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 26. Nov 2016, 12:15

Koschka hat geschrieben:Gegen Ganztagsschulen bin ich allergisch. Es mag Länder geben, in denen das Konzept aufgrund der jahrhunderterlanger Erfahrung und einer Menge Geld, dass in das System Privatschulen eingetrichtert wird, hervorragende Ganztagsschulen haben. Der Versuch in Deutschland erinnert mich an eine Aufbewahrungskammer.


So eine Abneigung gegen Ganztagsschulen habe ich zwar nicht, es stört mich aber, wenn solche Schulen als "Allheilmittel" gesehen weden und die Diskussion um bessere Unterrichtsqualität immer in der Forderung nach mehr Ganztagsschulen endet. So, als hätte das eine mit dem anderen irgend etwas zu tun.

Koschka hat geschrieben:Genauso allergisch bin ich gegen den verpflichtenden Kindergarten. Ich will mein Kind in keinen mehr schicken und ich bin froh, dass ich das in Deutschland nicht machen muss.


Hier kommt es generell (wie auch bei den Ganztagsschulen) sehr auf die Qualität an. Nach Jahre Austausch in diversen Foren bin ich zu dem Schluss gekommen dass die Qualität der Kindergärten zumindest in Wien deutlich besser ist als in den österreichischen Bundesländern und im Großteil Deutschlands. So Sachen wie verpflichender Mittagsschlaf (weil die Pädagoginnen dann Pause haben) oder keine Abwechslung kenne ich hier absolut nicht. Wenn sich in Wien eine Mutter über den Kindergarten beschwert dann über Lapalien wie z.B. dass die Kinder nicht alle gemeinsam sondern hintereinander in Gruppen essen und die beste Freundin ihrer Tochter in einer anderen Gruppe ist, sich die Mädels also während des essens nicht unterhalten können...

Dafür (für die Qualität der Kindergärten) wird aber auch viel Geld in die Hand genommen. Und mit wachsendem Konkurrenzdruck müssen die Kindergärten auch schauen, attraktive Angebote für díe Kinder zu schaffen, damit die Eltern zufrieden sind und nicht die Einrichtung wechseln. Mit 103% Kindergartenplätze (für 3-6jährige) hat mal als Eltern ganz andere Möglichkeiten als wenn man den Kindergarten xy nehmen MUSS weil sowieso alles total überlaufen ist und man froh sein muss, IRGENDEINEN Platz für´s Kind zu bekommen.

Das verpflichtende letzte Kindergartenjahr finde ich daher nicht schlimm. In der Zeit muss das Kind ja auch nur 20h pro Woche in einer Einrichtung verbringen und in Absprache mit den Eltern sind auch Urlaube zu fixen KIGA-Zeiten möglich. In anderen Ländern beginnt die Schule mit 5 Jahren, da müssen die Kinder ja auch jeden Tag hin und das stellt keiner in Frage.
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon mario032 » Di 7. Feb 2017, 01:57

Das wäre wirklich nicht übel.
Ein altes System in denen der Auftrag des Lehrwesens abhanden gekommen ist.
Einige der übriggebliebenen Lehrer mögen mir hier Verzeihen.
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