Schule in Finnland

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schule in Finnland

Beitragvon Momo » Di 22. Nov 2016, 11:41

Danke Koschka, das klingt sinnvoll!

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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Meersalz » Di 22. Nov 2016, 12:23

Koschka hat geschrieben:@Momo

sie betreiben systematisch Differenzierung. Aufgrund der Tests wird die aktuelle Situation ermittelt. Kinder werden in die Gruppen, entsprechend ihrem Lernfortschritt eingeteilt. Die Lehrer können sich gezielt mit jeder Gruppe beschäftigen.


Das britische bzw. Internationale Schulsystem ist dem dann sehr aehnlich :fahne:

Die Kinder werden ab der 1. Klasse in Leistungsgruppen eingeteilt (es gibt keine regelmaessigen Tests sondern 4mal im Schuljahr eine Assesmentwoche, da wird der Leistungsstand jedes Kindes ausfuehrlich erfasst). Normal sind 3 Leistungsgruppen pro Klasse, in Schulen mit Begabungsschwerpunkt gibt es 5 Leistungsgruppen pro Klasse. Zu jedem Unterrichtsthema/Fach gibt es es alle Aufgaben/Aufgabenblaetter standartmaessig in 3 Schwierigkeitsstufen (bzw. Bei Begabungsschwerpunkt noch 2 weitere Schwierigkeitsstufen)

Auch in Deutschland gibt es relativ viele (private und englischsprachige) Schulen die nach diesen Schulsystemenunterrichten.
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Rabaukenmama » Di 22. Nov 2016, 12:43

Ich persönlich halte Leistungsgruppen nur dann für sinnvoll wenn sie alle Schulen eines Landes haben. Sonst gibt es - zumindest solange es Zeugnisse mit numerischen Noten gibt - keine Vergleichsmöglichkeit.

In Österreich gibt es Unmengen an Schulversuchen, etliche durchaus positiv und teilweise schon Jahrzehnte gehandhabt. An einer Schule ist es die "tägliche Turnstunde", an der anderen die "tägliche Englischstunde" mit native Speaker als Lehrperson, an der dritten Schule gibt´s Ethikunterricht für alle (unabhängig von der Konfession) an der vierten Begabungsförderung und an der fünften eben Leistungsgruppen, usw.

Mein Mann hat vor ca. 35 Jahren eine der ersten Schulen in Österreich besucht, wo es 3 Leistungsgruppen in den Hauptgegenständen gab. Das war zu einer Zeit wo die Schullaufbahn ab 10 Jahre sonst nur 3 Möglichkeiten bot: Gymnasium, Hauptschule A-Zug und Hauptschule B-Zug. In der Schule meines Mannes wollte man individuell fördern und daher entsprach die erste Leistungsgruppe dem Gymnasium-Stoff, die zweite dem Stoff der Hauptschule A-Zug und die dritte dem Stoff der Hauptschule B-Zug. Mein Mann war in allen Gegenständen erste Leistungsgruppe - hat also auf Gymnasium-Niveau gelernt, hatte dann aber nach dem Abschluss ein HAUPTSCHULZEUGNIS in der Hand wo z.B. stand "Mathematik 1. Leistungsgruppe Note: 3". Dass ein 3er auf Gymnasiumniveau viel höher zu werten ist als in der Hauptschule hat keine der Firmen, wo er sich mit dem Zeugnis vorgestellt hat, verstanden.

Dasselbe Problem sehe ich auch noch heute. Je nachdem, was in der Schule grundsätzlich verlangt wird, kann eine 4 in der einen Schulform mehr "wert" sein als eine 1 in einer anderen Schulform. Leider wird bei der Arbeitssuche immer noch häufig auf´s Zeugnis geschaut. Wie soll sich wer auskennen wo ein Kind leistungs- und wissensmäßig wirklich steht, wenn die Anforderungen der unterschiedlichen Schulformen undurchschaubar sind? Bei uns gibt´s jetzt zusätzlich zu Hauptschule und Gymnasium noch Realschule und neue Mittelschule sowie etliche Schulversuche!
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Bliss » Di 22. Nov 2016, 14:53

Rabaukenmama hat geschrieben:Ich persönlich halte Leistungsgruppen nur dann für sinnvoll wenn sie alle Schulen eines Landes haben. Sonst gibt es - zumindest solange es Zeugnisse mit numerischen Noten gibt - keine Vergleichsmöglichkeit.



Wozu brauchst du denn während der Schullaufbahn so eine Vergleichsmöglichkeit? Zumal du die außerhalb des Klassenverbandes eh nie wirklich hast, schon in der Parallelklasse der gleichen Schule kann es anders aussehen. Und fürs Abschlußzeugnis gibt es doch meistens Zentralprüfungen.

Am Gym meiner Tochter gibt es auch klassenübergreifende Leistungsgruppen in einigen Fächern.
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Rabaukenmama » Di 22. Nov 2016, 15:02

Bliss hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben:Ich persönlich halte Leistungsgruppen nur dann für sinnvoll wenn sie alle Schulen eines Landes haben. Sonst gibt es - zumindest solange es Zeugnisse mit numerischen Noten gibt - keine Vergleichsmöglichkeit.



Wozu brauchst du denn während der Schullaufbahn so eine Vergleichsmöglichkeit? Zumal du die außerhalb des Klassenverbandes eh nie wirklich hast, schon in der Parallelklasse der gleichen Schule kann es anders aussehen. Und fürs Abschlußzeugnis gibt es doch meistens Zentralprüfungen.

Am Gym meiner Tochter gibt es auch klassenübergreifende Leistungsgruppen in einigen Fächern.


ICH brauche keine Vergleichsmöglichkeit. Nur wenn ein Betrieb z.B. Lehrlinge oder Jung-Arbeitskräfte sucht ist (leider) immer noch häufig üblich den Notendurchschnitt als Entscheidungskriterium zu nehmen. Bei Haupschulen, Realschulen und der neuen Mittelschule gibt es meines Wissens nach in Österrich keine Zentralprüfungen (wer was anders weiß möge mich bitte korrigieren!).

In meiner Berufsschule gab es in den Hauptgegenständen eine "Normalgruppe" und eine "Leistungsgruppe mit vertieftem Bildungsangebot". Da standen dann im Zeugnis ganz normal die Zensuren und unterhalb stand irgendwo unter "ferner liefen" dass die Schülerin (also ich) in den Gegenständen xx und xy den Unterricht mit vertieftem Bildungsangebot besucht hat. Dass die Note in diesem Gegenstand anders zu werten ist als bei Schülern der Normalgruppe versteht am Arbeitsmarkt genau niemand! Da wird ein Durchschnitt errechnet und nach dem wird aussortiert. Traurig, aber wahr! Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich eine schriftliche Beurteilung numerischen Noten vorziehe.
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Meersalz » Di 22. Nov 2016, 17:48

Die Leistungsgruppen sind im britischen / internationalen Schulsystem voellig unabhaengig von den Noten. Sie sagen nur aus, welche Arbeisblaetter / Aufgaben das jeweilige Kind im Unterricht bearbeitet. Je hoeher die Leistungsgruppe, je schwieriger die Aufgaben.

Fuer die Noten zaehlt das garnicht. Hierfuer werden 3x im Jahr (Trimesterjahr) standardisierte Pruefungen abgelegt, alle Kinder schreiben die gleichen Pruefungen, es werden dann anhand der Ergebnisse z.b. im britischen System fuer jedes Kind schulintern Prozentwerte verwendet, wie das Kind im Vergleich zu den anderen Kindern des landesweiten Jahrganges steht, z.b 76% heisst besser als 76% der Kinder, schlechter als 24%. Die Eltern bekommen dann allerdings nur die umgerechneten Noten zu sehen, 5-1.
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Meersalz » Di 22. Nov 2016, 17:54

Koschka hat geschrieben:das ist ja verständlich dass Neuseeland mit GB verwandte Systeme hat :-) Ich finde das britische System auch gut. Nur was ich in GB nicht so gut finde, ist die starke Differenz zwischen den guten und den schlechten Schulen und die enormen Preisunterschiede. NS ist für Bürger kostenlos, nur ausländische Kinder müssen zahlen.


Von der Leistung bzw. dem messbaren Endergebnis/Wissensstand der Kinder / bearbeitetem Schulstoff kommt dieses Schulsystem aber leider bei weitem nicht an das bayrischen/badenwuert. Level heran, egal ob Grundschule oder Gymnasium :? .
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon Rabaukenmama » Di 22. Nov 2016, 19:36

Meersalz hat geschrieben:Die Leistungsgruppen sind im britischen / internationalen Schulsystem voellig unabhaengig von den Noten. Sie sagen nur aus, welche Arbeisblaetter / Aufgaben das jeweilige Kind im Unterricht bearbeitet. Je hoeher die Leistungsgruppe, je schwieriger die Aufgaben.

Fuer die Noten zaehlt das garnicht. Hierfuer werden 3x im Jahr (Trimesterjahr) standardisierte Pruefungen abgelegt, alle Kinder schreiben die gleichen Pruefungen, es werden dann anhand der Ergebnisse z.b. im britischen System fuer jedes Kind schulintern Prozentwerte verwendet, wie das Kind im Vergleich zu den anderen Kindern des landesweiten Jahrganges steht, z.b 76% heisst besser als 76% der Kinder, schlechter als 24%. Die Eltern bekommen dann allerdings nur die umgerechneten Noten zu sehen, 5-1.


Meersalz hat geschrieben:Auch in Deutschland gibt es relativ viele (private und englischsprachige) Schulen die nach diesen Schulsystemenunterrichten.


Genau DA sehe ich den gewaltigen Unterschied. Leistungsgruppen unabhängig von Noten kann ich vorbehaltlos befürworten. Bei den Schulen mit Leistungsgruppen, die ich in Österreich kenne, ist das aber nicht so. Wie es in Deutschland ist weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber ich vermute eher dass in deutschen Haupt-, Real- oder Mittelschule ähnliche Kriterien sein werden wie in Österreich. Und da finde ich Leistungsgruppen, wo nur innerhalb der Gruppen nach dem Schulnotensystem bewertet wird, einfach nicht aussagekräftig genug. Keiner weiß, wo das Kind wirklich steht, es selbst am wenigsten!

Das internationale System kenne ich von meinem Patenkind in Kenia: Unterricht in Trimestern, Abschlussprüfungen, wo Noten ("marks") vergeben werden und der Vergleich wie gut oder schlecht ein Kind im Schul- oder Landesschnitt ist. In Kenia ist es sogar so, dass die Unis an die besten Schüler des Landes herantreten und ihnen ein Studium "anbieten". Der Vorteil: wer gute Leistung bringt kann so auch einen Hochschulabschluss machen, wenn die Eltern arm sind.
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Re: Schule in Finnland

Beitragvon alibaba » Mi 23. Nov 2016, 12:11

Also...man muss ja mal zu diesem Schwachsinn sagen, das Unterricht ja auch nicht so gestaltet wird, wie VERA vorgibt. Ganz ehrlich......wer unterrichtet so? Und wenn ich als Lehrer eben Geometrie am Ende des SJ stelle, das aber VERA so nicht vorsieht muss ich eben darauf gezielt üben.....das ist ganz einfach. Bei VERA gibt es auch nur ein Richtig oder eben ein Falsch. Ein Mittelding ist nicht vorgesehen. Ein halbes Pünktchen gibt es eben nicht, weil der Ansatz stimmte, aber im Ergebnis sich dann doch verrechnet wurde. So funktioniert doch LEBEN nicht!!!!

Ich sehe VERA als auch PISA ganz kritisch. Ich vergleiche Äpfel mit Birnen, das funktioniert nicht. Was wollen wir denn vermitteln...nur schwarz oder weiß oder Vielfalt und das der Weg das Mittel zum Zweck ist?

Eigentlich ist VERA eine Rückmeldung für Lehrer wo ich noch ansetzen muss, weil noch nicht verstanden und wo Kind etwas schon gut verstanden hat. Eigentlich sollten Lehrer dafür benotet werden und nicht die Kinder, dafür ist das nie gedacht gewesen. Wer hier Noten für die Kinder fordert, hat sich noch nicht mit dem Sinn von VERA beschäftigt, auch nicht mit PISA.

Und ganz grundsätzlich sollten wir Schule mal vereinheitlichen. Hier darf doch bis Klasse 10 jeder Lehrer vermitteln was er will. Auch die Lernmethoden sind überall anders. Ebenso die Arbeiten und Tests. Beim Freund meines Sohnes wird im Fach Ethik keine Arbeit geschrieben, bei meinem Kind 2. Und mein Sohn hatte im Fach Biologie eine Arbeit über Schnecken geschrieben, meine Tochter nicht, da war das nicht mal wirklich Thema. Jetzt frage ich mich...was will man denn vergleichen? Ich könnte grad so weiter machen.

Ich wäre mal für das aufhören von diesen ständigen vergleichen.

VG
alibaba
 

Re: Schule in Finnland

Beitragvon Willow77 » Mi 23. Nov 2016, 16:16

Hallo Ihr Lieben,
Also, hier mal einige Überlegungen von mir:
Ob Finnland, Noten, Bewertungen auf nationaler Ebene, Leistungsgruppen, Frontal, Offen, Fächerübergreifend, was-auch-immer, spielt an und für sich keine sooo große Rolle. Wichtiger sind, die Lehrperson und die Klassenkonstellation. Ich denke als Lehrerin, und nun auch als Mutter eines nicht immer ganz angepassten Buben im 3. Schuljahr: Ob Schule passt, ob Kind sich wohl fühlt und gedeiht, steht und fällt mit der Lehrperson und der Klassenmischung.

Es gibt Lehrer, die können super frontal unterrichten und die Kinder begeistern, ein offenes Ohr für Kinder haben, die Kinder fühlen sich wohl, lernen, usw. ... Für andere Lehrer passt es besser, wenn sie die Kinder immer wieder in (Leistungs)Gruppen einteilen, oder sehr fächerübergreifend arbeiten. Es gibt Kinder die kommen mit allem zurecht, sind super angepasst, es gibt welche, die passen in kein System so richtig. Es gibt Klassen, da passen die Kinder überhaupt nicht zueinander, oder es gibt zu viele Kinder mit zu vielen Problemen, da kann die Lehrperson sich dann auch auf den Kopf stellen, viel gelernt wird dann nicht mehr. Wenn man die gesamte Unterrichtszeit mit Streitschlichten verbringen muss...

Zudem kommt, dass Pädagogik keine genaue Wissenschaft ist und eher sehr dehnbar ist. Das heißt, jede Lehrperson kann das, was sie tut auch rechtfertigen. Auch wenn es ganz anders ist, als das, was der Kollege nebenan macht, der seine Inhalte und Methoden auch rechtfertigen kann.

Bewertungen auf Landesebene - standardisierte Tests für alle Kinder einer Jahrgangsstufe im ganzen Land, die dann von unserer Uni ausgewertet werden - werden nun auch hier seit ein paar Jahren eingeführt un durchgeführt. Die Wenigsten von uns würden aber die Klasseneigenen Benotungen oder Bewertungen durch diese nationalen Tests ersetzen. Dafür sind die bei uns auch gar nicht gedacht.

Wir schneiden in PISA und ähnlichem auch nicht brilliant ab. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass alles ultra-schlecht bei uns läuft. Ich würde eher sagen, diese Studien sagen nicht all zu viel aus. Es gibt so viele Faktoren die da mitspielen, das muss man nicht zu ernst nehmen.

LG,
Willow77
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