Wie viel Differenzierung in 1. Klasse üblich

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Wie viel Differenzierung in 1. Klasse üblich

Beitragvon Momo » Di 14. Feb 2017, 13:04

Ruckizucki hat geschrieben:
@Momo,
leider nimmt er die Klassenlehrerin nicht für voll. Die beiden haben keine Beziehung aufbauen können. Es ist ihr 1. Durchgang. Die Lehrerin sagt, er könne nicht warten, und das müsse er lernen. Das Prinzip der Waldorfpädagogik wäre die ständige Wiederholung, damit sich keine Rechtschreibschwächen ausbilden. Da müsse er durch.
Was meinst Du denn mit "Freigeist"?


Das ist allerdings schade, dass die Klassenlehrerin Deinen Sohn nicht "für voll" nimmt! Ich verstehe es gut, dass er und auch Ihr damit ein Problem habt. Wahrscheinlich ist diese Lehrerin noch sehr unsicher, weil es ihre erste Klasse ist. Doch das löst Euer Problem nicht. Ich würde unbedingt das Gespräch mit der Lehrerin suchen und ihr den Konflikt Eures Sohnes darstellen.
Ich glaube, dass meine Tochter in dieser Situation auch nicht glücklich wäre. Mit "Freigeist" meine ich, dass sie sich nicht in vorgefertigte Formen und Muster pressen lässt. Das funktioniert bei ihr einfach nicht, noch nie. Haben wir Eltern es doch einmal versucht, dann hat sie komplett verweigert. Da wir sehr "bedürfnisorientierte" Eltern sind, haben wir immer andere Lösungen gefunden und sie von Anfang an sehr ernst genommen. Das Resultat ist nun, dass sie schon mit ihren zarten 6 jahren genau weiß, was ihr gut tut und was sie will. Ihr freier Geist ist nie "gezähmt" worden und kann sich jetzt voll entfalten. Ein starres Schulsystem würde überhaupt nicht funktionieren- sie würde sich wahrscheinlich verweigern.

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Re: Wie viel Differenzierung in 1. Klasse üblich

Beitragvon unwissende-neu » Do 23. Mär 2017, 00:02

Bei uns in der Schule läuft es in der 1. Klasse auch etwas holperig mit der Differenzierung.
Aber vielleicht hat sich die Lehrerin einfach nur unglücklich ausgedrückt?

Mit unserer Lehrerin hatte / habe ich auch viele Gespräche über dieses und ähliche Themen.
Unsere Lehrerin erkläre es wie folgt ( was ich auch nachvollziehen kann):
Die 1. Klasse hat die größten Leistungsschwankungen aller Klassenstufen.
Gründe sind u.a.
- da dort teilweise Schüler in der Klasse sind, die entweder keine oder geringe Deutschkenntnisse haben.
. der Integrationsstatus/ Inklusionsstatus bei einigen Schülern noch nicht geklärt ist
- zum Teil Kinder dort sind, die schon zu Hause viel geübt haben und es auswendig reproduzerieren, ohne es in der Differenzierung selbstständig umstetzen zu können.
- viele einfach noch Alltagsprobleme in der Schule haben und noch nicht "angekommen" sind
- Differenzierungsmaterial in der 1. Klasse immer selbsterklärend sein muss, da die Lesefähigkeit "Arbeitsaufträge" sich zu erlesen noch nicht gegeben ist. Aufgabenerklärungen bei Differenzierungsmaterial darf nur sehr kurz sein oder muss komplett entfallen, da dazu keine Zeit ist. Differenzierung findet ja hauptsächlich in der Freiarbeit statt.
- Hinzu kommt das eine 1. Klasse noch recht umständlich ist und die Lehrkraft z.B. noch zeit verliert beim Helfen von Schuhebinden, Anziehen, Ausziehen, Jacken schließen, Kinder suchen die sich einfach nicht dort befinden, wo sie hin sollen, Hausaufgaben müssen individuell nachgeschaut werden und können noch nicht im Klassenverband verglichen werden etc.

Mit fortschreiten der Selbständigkeit und der Lesefähigkeit wird vieles einfacher.

Und um ein einigermaßen ruhiges Lernen zu ermöglichen, hat die Lehrerin alle Hände damit zu tun hat, den Kindern zu helfen die sich sehr schwer tun. Daher beschränkt sich bei uns die Differenzierung eher auf das " Soziale Miteinander," dass Kinder die eher fertig sind erstmal den Schwächeren helfen.
Bei uns werden 2-3 Kinder vermutlich nicht mit in die 2. Klasse wechseln.
Und bei 2 Kindern, von denen ich weiß ( vielleicht noch mehr) stehen erstmal Untersuchungen im SPZ an, das dauert ja auch immer erst mit der Terminvergabe und bis alles ausgetestet ist. DAs heißt, in der 2. Klasse gibt es dann ( hoffentlich ) ein paar Probleme weniger oder zumindestens einen Fahrplan, mit dem es ruhiger läuft.

Das alles muss der Lehrer ja auch erstmal zeitlich alles im Griff bekommen. Und solange die Kinder einigermaßen Rund laufen, stehen sie vermutlich nicht auf Priorität eins. - Ist zwar blöd, aber ich denke nur schlecht zu ändern. Wir wurden im Oktober zum SPZ geschickt und es zieht sich bis mindestens ende April.
- Solange müssen wir das Beste draus machen. Wenn meine Tochter zu sehr stört und die anderen vom Lernen abhält, macht sie ihre Aufgaben im Büro des Schulleiters.
Und wir sind nur einer von mehreren Problemen. Ich denke, dass es in höheren Klasse einfach schon etwas runder läuft.
Wir probieren auch noch viel rum. Leider wird es bei uns eher schlechter anstatt besser.
Wir haben aber eigenltich einen guten Draht zur Lehrerin und dem Schulleiter.


Ich bin von je her eigentlich der Meinung das die Vorschule nicht hätte abgeschafft werden dürfen. Diese Probleme konnte unsere Klassenlehrerin damals dann ja schon in Angriff nehmen, bevor die Schule offiziell Anfing. In der Vorschule hatten wir 2 Unterrichtsstunden am Vormittag und lernten dort z.B. Zahlen und Buchstaben schreiben, Stifthaltung, Silben, Schwungübungen, etc. so das wir mit dem Leselehrgang und der Schreibschrift gestartet sind.
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Re: Wie viel Differenzierung in 1. Klasse üblich

Beitragvon unwissende-neu » Do 23. Mär 2017, 00:13

Ach so,
ich habe meiner Tochter übrigends gesagt, dass sie bei der Lehrerin klagen soll, nicht bei mir. Sie kann mir ihren Kummer erzählen, dass soll sie auch, aber wenn sie will, dass sich etwas ändert muss sie der Lehrerin sagen, dass es langweilig ist und auch zeigen ( was meine Tochter ja nun nicht macht) das sie es wirklich kann.
Dabei kam dann eine kurze Zeit raus, dass sie in Deutsch tatsächlich in der gleichen Zeit in 2 Heften parallel arbeiten kann, in der ihre Mitschüler nur ein Heft bearbeiten. Wenn sie fertig ist, darf sie in dem Heft zum Leseverständnis oder im Rechtschreibheft arbeiten. - Die Hefte haben die anderen Schüler noch nicht ausgehändigt bekommen. Allerdings müss sie die anderen Aufgaben ebenfalls machen.

Ich versuche momentan meiner Tochter zu erklären, dass sie die anderen Schüler nicht von lernen abhalten darf,
Aufgaben nicht verweigern darf oder absichtlich falsch machen darf, sondern, wenn es langweilig wird, dann zur Lehrerin gehen soll und mit ihr zusammen nach einer Lösung suchen soll.
Nach dem Motto: Wenn deine Lehrerin nicht weiß, warum du nix macht, kann sie dir auch nicht helfen.

- Ob es klappt? - Manchmall! - Wir arbeiten noch dran. ;)
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