Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Beitragvon mamma42 » Fr 13. Jan 2017, 09:29

Wie verhält sie sich, wenn die Anforderungen deutlich hinaufgeschraubt werden?

Springen? in der höheren Klasse schon mal schnuppern?
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Re: Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 13. Jan 2017, 10:52

unwissende-neu hat geschrieben:Ich habe aber doch noch ein paar ganz konkrete Fragen zum Alltag in der Schule:

1. Wie macht ihr es, ´wenn die Kinder ihre Hausaufgaben nicht machen? Wie weit bestraft ihr etc. Wann gebt ihr auf...
Beim Lesen verweigert sie aktiv und sagt: Ich will das nicht Lesen, es macht keinen Sinn, ich verstehe es nicht....., wenn ich sie versuche zu zwingen stellt sie sich bei jedem Buchstaben dumm, stottert irgendwas dahin u.s.w.
Daher habe ich die Leseübungen mit ihr schon ewig nicht mehr gemacht, blöd ist es nur, wenn es so Aufgaben sind, wo sie richtige Aussagen oder so zu ankreuzen müssen oder etwas malen müssen müssen, denn die Aufgaben hat sie dann natürlich auch nicht.
In Mathe oder bei Aufgaben so Phonologie oder beim Schreiben, verweigert sie inaktiv. Sie guckt Löcher in die Luft, man muss stänig antreiben bekommt dann ein " Ja doch!! " zu hören und es geht trotzdem nix vorwärts.

Momentan ist es so, das ich sie 1 Stunde sitzen lasse, was geschafft ist, ist geschafft, den Rest muss sie mit ihrer Lehrerin ausmachen. - Die aber auch nicht wirklich weiter weiß... Denn meine Tochter ist nicht frech oder so und es ist ganz schwer auszumachen, ob sie nicht will oder nicht kann.... - gut, beim Lesen weiß ich es, dass sie es kann....

Ich meine, die Lehrerin macht keinen Druck oder so. Aber irgendwie habe ich nun auch nicht das Gefühl, dass es irgendwann besser wird, im Gegenteil, sie sitzt es ja erfolgreich aus.....


Da mein Sohn den Großteil seine Hausaufgaben im Hort macht (wie die das dort schaffen weiß ich nicht ;) ), haben wir die Situation nicht so häufig. Aber wenn mal was für zu Hause "liegen geblieben" ist dann frage ich meinen Sohn mal, wann ER denn die Hausübung machen will. Er sagt dann eine Zeit, zum Beispiel "am Samstag nach dem Frühstück". Ich merke mir das oder schreibe es mir auf. Am Samstag wird dann gleich in der Früh auf unsere Magnetwand (wo der Tagesablauf grob erklärt und dargestellt ist): "Nach dem Frühstück macht M...... seine Hausübung".

Wenn´s soweit ist erinnere ich und bleibe bei Gegenkommentaren wie "Aber ich will zuerst noch ein Bild von xxx malen" oder "Das ist ungerecht, der A..... (kleiner Bruder) muss keine Hausübung machen!" einfach stur. Zur Hausübung selbst sind wir bei geschlossener Tür am aufgeräumten Küchentisch ohne Tablett, Comics oder sonstigen Ablenkungen in Sichtweite. Ich selbst nehme mir meistens eine Zeitschrift oder ein Rätsel für mich mit. Dann macht mein Sohn seine Hausübung. Er sucht selbst aus, womit er beginnt, und das ist immer deutsch. Da klappt es meistens ohne Drama, ich muss aber danabensitzen weil sonst einfach nichts weitergeht. Bei der Mathe-HÜ jammert mein Sohn dann, wie schwer das ist und dass er es nicht kann (stimmt natürlich nicht), da unterstütze ich ein bißchen indem ich konkrete Fragen dazu stelle oder ihm vormache, wie man kompliziertere Rechnungen in die einzelnen Schritte zerlegt (er ist vom Wissen her vor der Basisgruppe und bekommt daher schwerere Aufgaben als die meisten Erstklassler). Wichtig ist, dass ICH Ruhe bewahre, nicht ständig rumnörgle, aber bei absichtlichem trödeln oder dramatisieren stark bleibe und darauf bestehe, dass weiter gemacht wird.

Bin aber - ehrlich gesagt - froh, dass es nur 1-2x im Monat vorkommt dass Sohnemann im Hort nicht mit der HÜ fertig geworden ist. Ob ich täglich die Kraft dazu hätte, wie beschrieben zu agieren, bezweifle ich :P .

unwissende-neu hat geschrieben:
2. Trotz das sie doch gar nichts mit macht, ist sie recht beliebt in der Schule, und ich habe das Gefühl, die ganze Schule kennt sie, von der 1 bis zur 4. Klasse, aber vorallem die 4. Klassen. Sie ist auch ein ganz liebes Mädchen, extrem Diplomatisch, man kann sich nicht einmal mit ihr Streiten, wenn man schmipft, da sie sich in allen Richtungen herauswinden kann. Setzt sich gern für schwächere ein, ist aber selbst auch oft sehr naiv, lässt sich alles abschwatzen etc. Hat extrem viel Fantasie und kann aus allem ein Spiel erfinden und hat einen schönen trockenen sakastischen Humor, denn aber laut ihrer Aussage nur ein paar 4. Klassler verstehen....
Ich weiß ja nicht, wie es heute aussieht, aber bei uns früher war es so, dass wir die 1. Klassler nicht wirklich ernst genommen haben und sie häufig dann so eine Art Bauernopfer wurden. Ist das heute auch noch so? Ich traue der Sache nicht so ganz, dass sie immer mit den großen "rumhängt". Ich habe so ein bisschen angst, dass sie der Sache nicht gewachsen ist und dann leicht ausgenutzt wird....


So, wie du Deine Tochter beschreibst, ist sie der Sache sehr wohl gewachsen. Wenn sie den Gleichaltrigen voraus ist von den älteren Kindern akzeptiert wird ist das doch eine tolle Sache, die sehr dafür spricht, dass Deine Tochter eine starke Persönlichkeit ist, die von anderen "automatisch" akzeptiert wird. So Kinder kannte ich auch aus meiner Schulzeit. In der Hauptschule gab es einen Buben in meinem Alter (damals erste Klasse), der das Selbstbewusstsein hatte, vor Gruppen von Viertklässlern für andere Kinder einzutreten, die gehänselt wurden. Und dieser Bub wurde von allen ernst genommen - auch wenn er erst 10 Jahre alt war (und die anderen 13-14).

Für meinen Sohn würde ich mir IRGENDWELCHE Freunde wünschen - aber im Moment ist leider niemand in Sicht, weder gleichaltrig noch älter. Einzig EIN älteres Mädchen aus seiner Mehrstufenklasse dürfe ihn beim Schulstart als Freundin interessiert haben. Aber von der hat er auch schon lange nichts mehr erzählt.

Allgemein behauptet mein Sohn, NICHT gern in die Schule zu gehen. Begründung: dort ist es langweilig und ich kann nicht das machen, was ich gerade will! Und das, was dort unterrichtet wird, kann ich ohnehin schon alles!

Mittlerweile merke ich, dass an diesen Aussagen sehr wohl was dran ist. Mein Sohn ist extrem wissbegierig, liest sehr viel (und sehr schnell) und hat einen wirklich enormen Wissensstand. In deutsch bekommt er mittlerweile den Stoff der 2. Klasse, der ihm aber immer noch viel zu einfach ist. Er liest jetzt Kurzgeschichten mit so 5-10 Sätzen und muss dann dazu Fragen beantworten. Zu Hause liest er Kinderbücher mit 100 oder mehr Seiten in 2 Stunden aus und kann dann über den Inhalt eine perfekte Nacherzählung machen. Er interessiert sich für alles und schaut auch sehr gerne Wissenssendungen für Erwachsene. Dann gibt er seine Theorien über die Entstehung von Demenz zum besten oder erklärt unserer Leihoma in welche Phase der Embrionalentwicklung die Kiefer-Gaumen-Spalte entstanden ist. Oder er fragt wie ein Reaktorkern eines Atomreaktors aussieht und funktioniert. Oder wir haben eine Diskussion warum die Menschen nicht schon vor 100 Jahren erneuerbare Energie eingesetzt haben...

Im Sachunterricht gehen sie z.B. durch, was für Obstsorten es gibt und wo diese wachsen. Selbst wenn da mal was dabei sein sollte, was er noch nicht kennt, hat er es sich in nullkommanix gemerkt. Mittlerweile merke ich immer wieder dass er kognitiv tatsächlich so weit voraus ist, dass nicht mal Mehrstufenklassen-Unterricht in auch nur annähernd fordern kann.

Daher unternehmen wir in der Freizeit oft Aktivitäten, die eigentlich für ältere Kinder gedacht wären. Neulich waren wir bei einer Führung für Kinder von 6-10 Jahren im Museum für Heizungstechnik (ja, so was gibt´s in Wien!). Wegen des Schneefalls waren außer uns nur 3 Kinder da, alle deutlich älter als mein Sohn. Trotzdem war er der einzige, der alle Fragen, die der Führer gestellt hat, korrekt beantworten konnte, sei es, wie man in der Steinzeit Feuer hergestellt hat oder bei wie viel Grad Wasser kocht. Trotzdem hat er sich nicht gelangweilt weil er die Werte von gefühlter und tatsächlicher Temperatur in Kombi mit der Luftfeuchtigkeit (dort an einem Mitmach-Bildschirm dargestellt) auswendig gelernt hat.

Von Oma und Opa hat er neulich ein Buch "Antworten auf Kinderfragen" bekommen. Nach 10 Minuten reinblättern hat er es entnervt weggelegt mit den Worten "Das weiß ich doch schon alles!". Meine Eltern haben dann wahllos 3 Themen aus dem Buch rausgegriffen (z.B. was eine Oase ist) und festgestellt, dass mein Sohn wirklich zu diesen Fragen ein profundes Grundwissen hatte (natürlich nicht jedes Detail). Das Buch ist für 10-14jährige Kinder!

Insgesamt ist es eine echte Herausforderung, ein Kind zu haben, welches kognitiv total überdurchschnittlich ist. Aber im Gegensatz zu Dir, unwissende-neu, finden wir zumindest in der Freizeit immer wieder Dinge, die meinen Sohn echt begeistern. Sei es ins Bad gehen (er schwimmt gerne und gut und hat ganz viel Spaß beim planschen und spielen im Wasser), Kletterhalle oder eben Museumsbesuch oder Naturpark, Indoor-Spielplatz, Abenteuerspielplatz, etc.

Zu Hause haben wir aber auch manchmal die Situation dass er sich nicht aufraffen kann, sich anzuziehen, weil es in der Unterhose im Bett mit einem Donald Duck Heft ja so unheimlich bequem ist. Läßt sich aber sicher nicht mit Eurer Situation vergleichen. Ich wünsche Euch von Herzen dass deine Tochter auch was findet, was ihr wirklich Freude macht.
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Re: Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Beitragvon unwissende-neu » Sa 14. Jan 2017, 00:36

mamma42 hat geschrieben:Wie verhält sie sich, wenn die Anforderungen deutlich hinaufgeschraubt werden?


Springen? in der höheren Klasse schon mal schnuppern?


Sie gibt sich auch dabei keine Mühe. Wir haben an der Schule eine Förderkraft vom Landkreis, aber auch dort sind die Leistungen eher gering bzw. sehr schwankend. Am ehesten macht sie im Religionsunterricht mit, hat dort auch wohl mehrere Geistesblitze, aber es ist auch dort sehr Themenabhängig.
Sie will am liebsten in den Kindergarten zurück. Bzw. sie hatte ja nun auch nie interesse daran überhaupt in eine Schule zu kommen.
Bei der Einschulungsuntersuchung hatte sie spaß und hat weit über den Durchschnitt abgeschnitten, wo die Amtsärztin sofort von Differenzierung bzw. Springen sprach.
Wenn man sie so fragt, hat sie natürlich überhaupt kein Interesse dran zu springen und versteht den Sinn darin auch nicht, - da Mathe ja Mathe bleibt und Deutsch - Deutsch. Aber sie würde dann ihre Lehrerin verlieren....
Und ohne Bereitschaft, ist es halt schwierig.... Ich suche momentan nach einem Erlebnis für sie, wodurch sie motiviert wird etwas lernen zu wollen.
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Re: Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Beitragvon unwissende-neu » Sa 14. Jan 2017, 01:18

@rabaukenmama

Hausaufgaben gibt es hier jeden Tag, sie hätte die Möglichkeit am Ganztagsunterricht ( hat aber nicht so viel mit Unterricht zu tun, sondern es sind eher so AGs, die dann Nachmittags hier stattfinden) teilzunehmen, dann wäre sie bis 16 Uhr in der Schule und hätte dann die Hausaufgaben fertig, soweit sie in der Zeit schafft.
Vom Ganztagunterricht sehe ich aber irgendwie ab, da sie Nachmittags dann ja nun keine Freizeit mehr hätte. Freunde treffen etc. gestaltet sich dann ja schon schwieriger und das finde ich eigentlich schon wichtig, und sie will natürlich auch keine unnötige Minute in der Schule bleiben ;)
Die Uhrzeit darf sie auch weitest gehend selbst bestimmen. Das ransetzen ist auch nicht das schlimmste Problem, sondern das "Löcher in die Luft starren". Ich achte auch auf eine reizarme Umgebung, setze mit ebenfalls mit einem Buch und einem Kaffee dazu am Küchentisch.
Allerdings ist bei uns auch immer das Problem, dass die jüngere Schwester natürlich versucht mit aller Gewalt Aufmerksamkeit zu bekommen - da muss ich dann zusätzlich noch tricksen....

Im Gegensatz zur jüngeren Schwester hat sie keine festen Freunde, sondern "kümmert" sich um alle Kinder der Schule gleichermaßen ;) Im Kindergarten war sie auch eher eine Mini-Erzieherin, als das sie sich auf einer Ebene mit den Kindern stellte. Daher fokussierte sie da am liebesten die ganz kleinen und die Integrationskinder an.
Sie trifft sich einfach mit allen und eher flüchtig. Zum Spielen hat sie eh keine Lust, also geht es ihr eigentlich fast immer darum, überall ein bisschen Small-Talk zu machen.

Wissbegierigkeit, großes Wissen etc. trifft bei uns irgendwie ( nicht mehr) vor. Das einzige ggf. ist Anatomie, was sie noch manchmal dazu bewegt, mal für ein Thema interesse zu zeigen. Früher war es auch mal Astronomie, aber da ist das Wissen, was sie mal hatte in Vergessenheit geraden, - glaube ich. Und das Radio und Fernseh Programm kennt sie auswenig. Wenn sie eine Sendung sieht, weiß sie für Monate alle Namen etc. auch von den Nebencharakteren. Beide Kinder spielen Filme etc. mit Playmobil nach. Da wundere ich mich immer, wie die beiden die Dialoge nach einmal schauen, so wiedergeben können. - Manchmal heißt es auch: oh, das war falsch", dann wird die Szene wiederholt und die Dialoge decken sich dann immer noch... Songtexte können die beiden auch sofort oder "hochgestochen" quatschen ;)

Gallileo etc. guckt nur meine Kleine, meine Große "hasst" solche Sendungen.... Dein Sohn scheint meiner kleinen recht ähnlich zu sein, die erzählt mir auch ständig etwas von Blutkörperchen und Fresszellen.... Sie kann Blutkrebs beschreiben und beim Arzt erklärt sie ihm dann, welche Diagnose er stellen muss, wenn sie mal krank ist. Ansonsten sind Klimawandel, Kinderarbeit, Recycling und Donald Trump ihre Themen :D
Ja, das Problem mit der Beschäftigung habe ich bei meiner kleinen. Da sie noch nicht fließend liest, und z.B. Rush Hour für 8 jährige auf der vorletzten Schwierigkeitsstufe durchgespielt hat, ist es dort auch immer schwierig. Auch die Beratung in Spielzeugabteilungen, wenn man nach Spielen für 8-10 jährige fragt, wobei man aber nicht Lesen können muss.... - total unverständiliche Blicke. Wir wohnen hier nun auch noch sehr sehr ländlich, wo dann auch nicht wirklich Möglichkeiten hat. Vereine wie z.B. die Pfandfinder etc. nehmen so kleine Kinder nicht, obwohl meine Tochter sehr interessiert wäre....

Bei meiner Großen ist es ja nun so, dass sie von vornherein alles nur widerwillig mitmacht, zu 90% auch enttäuscht ist von allen Aktivitäten, da sie dann immer riesen Erwartungen stellt ( auch immer, wenn sie z.B. Geburtstagsgeschenke bekommt wird sich kaum gefreut und sie benimmt sich dann wie die Axt im Wald.....) die total unrealistisch sind. Und Bewegung ist bei ihr eher unterdurchschnittlich gut. Sie ist schlacksig, wenn sie rennt, bewegt sie sich in zeitlupe und alles an ihr wackelt wie bei einem Wackeldackel.... Schon als Baby war sie sehr Bewegungsfaul und sehr schlapp. Ich habe sie immer so gut wie möglich versucht zu fördern mit Kinderturnen, Tanzen etc. Ich habe es an 6 verschiedenen Stellen ( Krankenhaus, Kindergarten, SPZ, Hausarzt, Kinderarzt und Sportlehrerin ) angebracht, keiner ging drauf ein, sie wäre halt kein sportlicher Typ, aber es sei noch in der Norm. Nur andere Mütter und die Tanzlehrerin sprechen mit darauf an, dass sie irgendwas nicht kann, was jüngere Kinder wohl können.... - Aber scheinbar noch alles in der Norm.....und auch beim Ticken spielen oder so hat man das Gefühl, sie bewegt sich nur im Dauerlauf und tut nur so, als ob sie ticken würde, auch dort sieht es aus, als ob sie sich nicht anstrengt....
btw. sie war fast 5 Jahre alt, als sie das erste Mal ausser Atem war. Das weiß ich so genau, da sie total in Panik geriet, was mit ihrer Atmung los war... :D

Danke für eure Worte. Ich verliere dadurch so ein bisschen das Gefühl, allein auf weiter Flur zu sein... Und ich bin mir auch immer unsicher, was nun "normal" ist und was nicht "normal" ist.
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Re: Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Beitragvon smuggi83 » Fr 24. Mär 2017, 00:00

Bliss hat geschrieben:
unwissende-neu hat geschrieben:
Nicht viel besser. Klar, sie wirkt nicht so müde ( sie ist ein extrem Vielschläfer schon als Baby), aber ist zu faul sich anzuziehen, wenn ich sie lassen würde, würde sie am liebsten den ganzen Tag auf dem Sofa vor dem Fernseher hängen, Spiele in der Realität spielt sie nicht, bei Brettspielen oder ähnliches passt sie nicht auf wann sie dran ist, und macht es nur Halbherzig, so das auch kein Spaßfaktor entstehen kann. Selbst bei Computerspielen wie Tetris oder so verpasst sie ständig ihren Einsatz und es fallen Steine runter, ohne das sie es merkt. ( Das finde ich sehr erstaunlich, denn die meisten unkonzentierten Kinder sind da ja dann doch dabei) Aber sie hat auch keinen Ehrgeiz irgendein Level oder so zu erreichen.


Sind denn körperliche Ursachen ausgeschlossen? Also so was wie Vitamin D oder Eisenmangel, Schilddrüsenprobleme oder Zöliakie und Nahrungsmittelunverträglichkeiten? Deine Beschreibung geht doch über Schulmotivationsprobleme weit hinaus.



Das Problem habe ich meinem älteren Sohn (5) auch. Er ist nur sehr schwer dazu zu kriegen, dass er sich mal konzentriert. Waren auch schon beim Arzt wegen möglichen Schildrüsenproblemen, was aber ausgeschlossen wurde. Er geht zwar noch nicht in die Schule, aber ih versuche ihn schon ein bisschen darauf vorzubereiten, was sich als sehr schwer gestaltet, wenn die Aufmerksamkeit so verloren geht.
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Re: Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Beitragvon Kim_S » Di 2. Mai 2017, 13:28

Wir waren heute bei einem Gespräch mit der Lehrerin unserer Tochter (2.Klasse). Sie hat stark nachgelassen und nimmt auch kaum noch aktiv am Unterricht teil. Wir wissen leider nicht woher das kommen könnte, da sie sonst immer sehr Ordentlich und fleißig gewesen ist. Nun genau das Gegenteil, schreibt sehr unordentlich und leichte Aufgaben löst sie falsch, da sie sich nicht wirklich konzentrieren kann/möchte.
Selbst beim Schwimmunterricht sitzt sie meist am Rand und nimmt nicht aktiv mit Teil haben wir heute erfahren. Uns erzählt sie immer, welche tollen Aufgaben sie beim schwimmen gemeistert hat wie z.B Tauchen. :(
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Re: Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Beitragvon Willow77 » Di 2. Mai 2017, 18:47

@ Kim_s
Kommt mir irgendwie bekannt vor. Unser Sohn arbeitet immer gut im ersten Trimester mit einer neuen Lehrerin, danach verliert er die Lust. So auch dieses Jahr - 3. Klasse.
Im ersten Trimester hieß es: sehr intelligent, sehr leistungsstark, sehr gut,ein Kind mit Werten, welches auch noch nach diesen Werten lebt. Und jetzt nach dem 2. Trimester hieß es: Was ist mit ihm los? Er hat überall deutlich nachgelassen. ... Und dann die Frage: Waren Sie mit ihm schon mal in der Psychomotorik? Ich bejahte die Frage, da die Kindergarten-Lehrerin das damals verlangt hatte, und fragte, warum sie danach fragt. Ihre Antwort: Na ja, letztens im Turnunterricht da hat er sich mal nicht getraut über eine Bank zu balancieren.... Aha, also genau so wie im Kindergarten, da hieß es, es stimme was nicht mit ihm, weil er nicht xx Sekunden auf einem Bein stehen konnte. Hmmm....
Selbst den letzten Sachaufgabe-Test, da gab es nur ein B, wo er sonst in der absolut oberen Liga mitspielt und A+ mindestens bekommt.
Versteh einer das....
LG,
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Re: Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 3. Mai 2017, 07:21

@willow77 + KimS: Ich verstehe das total aus der Sicht des Kindes. Ganz genau so war ich auch. Erst mal "neu" in einer Schule/Klasse/Gruppe habe ich voll motiviert mitgemacht, wollte zeigen, was ich kann, Lob bekommen, mich "beliebt" machen. Nachdem das meistens sehr gut geklappt hat und der Unterricht/die Betreuung zur Tagesordnung übergegangen ist gab es für mich keinen Anlass mehr zu Anstrengung.

Während es am Anfang (etwas überspitzt) noch "Aaaaahs" und "Ohhhhs" für meine Klugheit, meine Motivation, meine Leistung gab, war diese nach spätestens 3 Monaten selbstverständlich und ich habe keine spezielle Aufmerksamkeit mehr dafür bekommen, statt dessen wurde sogar erwartet, dass es jetzt so weitergehen würde und ich die ganze Zeit ein kluges, motivertes und auch "problemloses" Kind bleiben würde.

Also statt mit Klugheit und Fleiß brillieren zu können, war es auf einmal eine Art "Pflicht" ständig solche Leistungen zu bringen, die - zumindest nach meiner subjektiven Empfindung, außerdem nicht mal gewürdigt wurde! Unter den Umständen WOLLTE ich aber gar nicht mehr.
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Re: Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Beitragvon Willow77 » Fr 5. Mai 2017, 12:59

Rabaukenmama, ich denke du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.

Vor zwei Tagen kam Sohn völlig frustriert, wütend, fast weinend aus der Schule. Die Lehrerin muss ihm wohl irgendwie eine Moralpredigt über mehr Motivation gehalten haben. Er meinte: "Aber Mama, ich kann nicht mehr Motivation zeigen, ich bin schon am Maximum angekommen! Und außerdem weiss ich ganz genau was passieren wird. Wenn ich mich jetzt mehr anstrenge und meine Motivation doch noch mal nach oben schraube, wird die Lehrerin nach einer Weile wieder unzufrieden sein, und wieder mehr Motivation von mir verlangen. Und so wird das immer weiter gehen. Sie wird niiiiiiieeeee genug haben!"

Da hat er doch etwas richtig erkannt. Und es passt irgendwie zu dem was du von deiner Schulzeit geschrieben hast. Warum soll er sich anstrengen, wenn anstatt dass die Anstrengung gewürdigt würde, immer nur noch mehr Anstrengung verlangt wird?

LG,
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Re: Wie motiviert man eine 1. Klässlerin?

Beitragvon Momo » Fr 5. Mai 2017, 19:53

Hallo Willow,
was Ihr hier beschreibt, macht den Unterschied zwischen intristischer (interner) und extristischer (externer) Motivation deutlich. Ist ein Mensch intristisch motiviert, hat er von sich aus den Wunsch, Dinge zu tun, zu lernen und zu erforschen. Es geht ihm nicht um z.B. Belohnung oder Erwartungen bzw. Druck von außen. Intristisch motivierte Menschen lernen Dinge, weil sie an sich und ihre Fähigkeiten glauben, weil sie das Thema interessiert und nicht (nur), um gute Noten zu erhalten.
Auf der anderen Seite steht die extrinsische Motivation, bei der es um Leistung geht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Extrinsische Motivation kommt von außerhalb und nicht vom Individuum selbst. Ein Thema wird erarbeitet, um eine Leistung zu erfüllen. "Sozialpsychologische Forschung hat gezeigt, dass extrinsische Belohnungen zu einer Überbewertung und einer nachträglichen Reduktion der intrinsischen Motivation führen können" (Zitat Wikipedia).

Wenn man diese Zusammenhänge bedenkt, kann ich das Verhalten von vielen Schulkindern gut nachvollziehen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, gegen die extrinsische Motivation sträuben und deren Eigenmotivation somit stark nachlässt. Optimal wäre es, wenn Schülern die Möglichkeit gegeben wird, auch in der Schule intristisch motiviert zu lernen. Dann bedarf es keiner Belohnung oder Betrafung und die gelernten Inhalte werden sehr viel tiefer und nachhaltiger gespeichert. Und vor allem- intristische Motivation ist sehr langlebig und verstärkt sich selbst.

Momo
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