Die Basics lernen

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Die Basics lernen

Beitragvon Anja1972 » Fr 3. Nov 2017, 11:01

Hallo ihr lieben,
meinen Sohn Ansgar habt ihr ja schon lange mitbekommen. Nun bin ich mal wieder an einem Punkt, wo ich der Meinung bin, dass es so nicht weiter geht.
Ansgar geht mittlerweile in die 2. Klasse, ist nach wie vor sehr aufgeweckt und lernbegierig. Lesen kann er wie ein 4. Klässler, Englisch ist auch sehr gut, vielleicht eine Klassenstufe höher, ein bißchen weniger, alle anderen Fächer die nichts mit Rechnen oder Schreiben zu tun haben ist er super weit, weil es ihn interessiert und er sehr schnell sich sehr viel merkt (Geschichte, Geographie, Biologie, alles was in der Schule so möglich ist, und das ist wirklich sehr viel gegenüber einer Regelschule). Aber das sagte die Lehrerin ja schon vor langer Zeit, dass wir uns über das fachliche lernen bei Ansgar nie sorgen machen müssen. Machen wir auch nicht. Jetzt kommt das große aber. Er schreibt und rechnet viel zu wenig in der Schule und kann es immer noch unterirdisch schlecht. Dabei ist nicht das Verständnis, sondern das Tempo gemeint, im Fachjargon die Automatisierung. Zu Hause verweigert er oft die Übung. Die Lehrer geben ihm nicht täglich eine gewisse Menge an Aufgaben als Pflicht, bevor er sich der sogenannten Kür widmen kann. Und vor allem, man soll ja die Kinder nicht unter Druck setzen, damit sie motiviert lernen. Was nützt es aber dem Ansgar, wenn er nie richtig schreiben und rechnen lernt? Darauf baut doch alles auf. Und wenn ich den Ansgar richtig einschätze, dann muss er sich wirklich nur in diesen Dingen (schnelles Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren sowie flüssiges Schreiben) anstrengen, alles andere wird nach meiner Meinung voll automatisch funktionieren. Wieso schafft er es nicht, sich da einfach durch zu beißen? Prozentrechnen und Bruchrechnen sind ja nur noch Regeln die er schnell versteht (Bruchrechnen versteht er ja schon), Formeln wird er auch schnell erlernen und später das System der Gleichungen, wird kein Problem sein. Ansgar sagt, der Computer rechnet doch. Stimmt, aber wenn man nicht selbst weiß, was ungefähr herauskommen muss, kann man nicht überprüfen, ob man selbst z.B. falsche Eingaben gemacht hat. Und schreiben ist nun mal notwendig, um in allen Fächern weiter zu kommen und später auch in vielen Berufen die Arbeit zu machen, allerdings dann meist wirklich über die Tastatur. Alles im Kopf zu haben reicht nicht, man muss es auch aufschreiben können. Dabei könnte er jetzt schon tolle Geschichten (sehr kurze) schreiben (sagt auch die Lehrerin), später wird er aufgrund seiner Sprachlichen Fähigkeiten, sehr leicht Aufsätze schreiben können, Fragen in anderen Fächern schriftlich beantworten können, alles ohne Probleme. Aber wenn ihm die technik des Schreibens solche Probleme macht, dann wird das nie was?
Inzwischen glaube ich ja, dass doch Druck notwendig ist, damit er diese Basics lernt. Alles andere kann man wirklich einfach laufen lassen, notfalls ohne Hausaufgaben etc. Aber nicht schreiben und rechnen in der Grundschule.
Was würdet ihr denn machen? Aus meiner Sicht müsste die Lehrerin ihm täglich ein gewisses Pflichtpensum auferlegen. Hausaufgaben gibts nicht, er hat aber auch sehr lange Schule und muss eigentlich alles in dieser Zeit schaffen. Es kann passieren, dass Ansgar dann aber für nichts anderes mehr Zeit hat, weil er ja für 10 Rechenaufgaben den ganzen Vormittag verbraucht (und diese 10 sind bei weitem zu wenig) und für eine kleine Karteikarte schreiben den Rest der Arbeitszeit. Zu Hause braucht er übrigends für 45 Aufgaben (15 Plus Minus im 20er Bereich, 15 Plus Minus im 100er Bereich immer auch mit 10er Übergang, und 15 Malaufgaben) "nur" ca. 25 Minuten. Ich bestehe aber auch darauf und frage ihn immer wieder ob es klappt und erinnere ihn daran die Aufgaben zu machen. Und es wartet häufig die Belohnung in Form einer kleinen Süßigkeit auf ihn. Auch wenn gesagt wird, dass Belohnungen nicht gut sind wegen der Intrinsichen Motivation. Aber er hat ja keine Intrinsiche Motivation rechnen und schreiben zu lernen. Leider macht er diese Aufgaben einfach nur sehr selten.
Ich habe erhlich versucht, ihn in der Schule einfach laufen zu lassen, weil wir doch sehr merken, dass er glücklich und motiviert ist, und wirklich sehr sehr viel lernt, mehr als an jeder Regelschule. Aber Basics sind Basics, da kann ich einfach nicht wegschauen. Ich bin gerade dabei mit Übungen im Rechnen viel Druck aufzubauen. Beim Schreiben, scheint es ja so zu sein, dass er zwar nicht typische Aufgaben für die 2. Klasse macht, aber ständig kleine Karteikarten für ein Referat schreiben (abschreiben) muss und auch bei der Rechtschreibbox muss er doch für einen 2. Klässler viel schreiben. Da hilft nur noch die Lehrerin, die dahinter steht, dass er auch wirklich täglich ein gewisses Mass schreibt. Da mache ich nicht ganz so viel Druck. Ich werde ihm jetzt aber einen kleinen Zettel laminiert anfertigen, in dem er jederzeit sehen muß, auf welche Punkte er achten muss, wie z.B. die Wörter auseinander schreiben, das "ei" auch mit ei und nicht mit ai, dass am Ende fast immer das "er" steht und nicht das "a" wie Wasser und nicht Wassa, und dass am es "en" und nicht "n" heißt, wie z.B. lesen und nicht lesn. Wenn er diese Dinge aufnimmt, dann hat er schon fast alle seiner Fehler für die 2. Klasse beseitigt. Er schreibt immer lesbarer aber sehr sehr langsam.
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Re: Die Basics lernen

Beitragvon Maca » Fr 3. Nov 2017, 16:53

Ist Dyspraxie einmal ausgeschlossen worden?

http://www.dyspraxie-online.de/experten ... index.html
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Re: Die Basics lernen

Beitragvon BiHa » Fr 3. Nov 2017, 18:45

Wahrscheinlich ist es bei Ansgar so wie bei meinem Sohn, was ihm nicht zufällt, wird nur widerwillig gemacht. Mein Sohn liest nur ungern, obwohl er es eigentlich kann und es "nur" noch an der Übung liegt. Obwohl es noch keine Zensuren gibt, hat ihm die Lehrerin erzählt, welcher Note sein Lesevermögen entsprechen würde und eine andere Lehrerin hat ihm erklärt, dass er nicht auf "die Schule der schlauen Kinder" kann, wenn er nicht richtig lesen kann, obwohl er da ihrer Meinung nach hingehört. Das hat ihn jetzt erst mal motiviert. Mal sehen wie lange das anhält.
Und was die Belohnung angeht, wenn die intrinsische Motivation nicht funktioniert, dann muss man eben anderseitig motivieren. So einfach sehe ich das.
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Re: Die Basics lernen

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 3. Nov 2017, 20:40

Mein älterer Sohn hat ein ähnliches Mathe-Problem wie dein Ansgar. Vor Schuleintritt konnte er sehr gut ohne Druck logisch korrekt rechnen. Jetzt lernt er in der Schule Methoden (z.B. beim Zehner-Sprung), die ihn mehr verwirren, als sie ihm weiter helfen, weil er anscheinend einen anderen Zugang dazu hat. In letzter Zeit gab es oft Verweigerung, kreischen, Wut- und Verzweiflungsanfälle, wenn es um Mathe-Aufgaben ging.

Was die Automatisierung betrifft probiere ich seit einer Woche was neues aus: ich habe auf meiner neuen Armbanduhr die Möglichkeit, 5 Tagesalarme einzustellen. Ich habe alle von eingestellt, im Abstand von 90 Minuten von 14h bis 20h. Und immer, wenn meine Uhr piepst, stelle ich meinem Sohn etwa 2 Minuten lange Kopfrechen-Aufgaben: Additionen im Zahlenraum bis 20. Und schon nach knapp einer Woche sehe ich eine ganz eindeutige Besserung der Automatisierung. Am Anfang habe ich bewusst auch mal leichtere Aufgaben drunter gemischt, einfach nur, damit mein Sohn auch Erfolgserlebnisse hat. Mittlerweile kann ich jede beliebige Addition stellen, weil schon alles automatisiert ist. Die letzten 2 Tage waren allen Rechnungen auf Anhieb richtig. Morgen will ich mit Subraktionen beginnen, erst mal noch mit Additionen vermischt, und dann wieder langsam steigern.

Zumindest bei meinem Sohn bewirken 5x täglich 2 Minuten Mathe-üben mehr als sich täglich eine fixe Zeit hinsetzen und lernen. Da ist allein schon der Frust am Anfang riesig. Mit den 2-Minuten-Einheiten braucht er sein lesen oder spielen oder essen (oder was immer er gerade macht) nur kurz unterbrechen und er weiß, dass es auch wieder ganz schnell vorbei ist. Das erspart und viel Kampf und Krampf.

Vielleicht ist das ja auch eine Methode, die bei Ansgar funktioniert. Alles Gute ;) !
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Re: Die Basics lernen

Beitragvon charlotte12 » Fr 3. Nov 2017, 21:27

Dasselbe Problem haben/hatten wir in Mathe auch, auch 2. Klasse, hat auch mit dem Zehnerübergang angefangen. Zeitweise hasste meine Tochter Mathe, war kaum noch zum Hausaufgaben machen zu bewegen und ich googelte schon unter "Dyskalkulie"... Es wird gerade besser - ich habe meiner Tochter ein Forderheft gekauft, das sie von der Schule nicht bekam, weil sie mittlerweile sehr langsam rechnete. Das liebt sie und macht darin viele Aufgaben, aber grundsätzlich nur zu Themen, die sie noch nicht hatten. Und wenn man im Zahlenraum bis/über 100 rechnet und Multiplikation und Division ausprobiert, lernt man automatisch auch den Zahlenraum bis 20 besser kennen, v.a. sah sie endlich ein, warum vorwärts und rückwärts zählen auf Dauer nicht so elegant ist. In der Badewanne und abends vor dem Einschlafen darf ich ihr mittlerweile auch Rechenaufgaben stellen und streue immer wieder welche im Zahlenraum bis 20 ein, den sie eigentlich automatisieren soll. Mich beruhigt gerade sehr, dass es anderen offenbar ähnlich geht. Das Problem ist ihr Dickkopf, sie kann es nicht haben, wenn sie etwas tun MUSS. Und wenn sie was nicht gleich kann, wird das als "doof" weggeschoben und nicht geübt. :roll:
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