Begabungen in der Schule erkennen

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon smartypants » Mo 23. Apr 2018, 15:36

Hallo zusammen!

Ich bin angehender Grundschullehrer und würde gerne wissen, wie man Begabungen in der Regel erkennt. Ich habe gehört, dass sich selbst erfahrene Kollegen schwer tun. Mich interessiert das Thema sehr, da ich kein Potential ungenützt lassen will. Leider gibt es aufgrund der Seltenheit wenige Beispiele aus dem Leben. Könnt ihr mir eure Erfahrungen mitteilen.

Worauf muss ich achten?
Zuletzt geändert von smartypants am Mi 25. Apr 2018, 22:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon Rabaukenmama » Di 24. Apr 2018, 14:49

Hallo smartypants!

Meine Erfahrung dazu: manche Begabungen springen einem sofort ins Auge, andere bemerkt man gar nicht. Mein älterer Sohn konnte mit 24 Monaten perfekt buchstabieren und mit 4 1/2 sinnerfassend lesen. Außerdem hatte er schon damals ein immenses Allgemeinwissen. Bei ihm ist das wirklich JEDEM aufgefallen, vor allem, weil er für sein Alter immer klein und zart war, und jünger geschätzt wurd.

Mein jüngerer Sohn konnte mit 3 Jahren und 3 Monaten aus dem Gedächtnis seinen Namen, sowie etliche andere Wörter und Namen schreiben, und etliche Wörter "als ganzes" erkennen. Das Alphabet konnte er vor- und rückwärts auswendig. Mit 4 hatte er einen echten Zahlenbegriff von über 1000 und konnte Zahlenreihen logisch fortsetzen. Bei ihm ist das nur sehr nahestehenden Personen aufgefallen, weil er gehörlos und autistisch ist und nur über Gebärdensprache kommuniziert.

Aber auch bei gesunden Kindern fallen manche Talente mehr auf als andere. So sind zum Beispiel sprachlich sehr fitte Kinder leicht zu erkennen. Auch mathematisch begabte Kinder fallen auf, sofern sie ihre Begabungen auch "draußen" zeigen (manche tun das nur im sicheren Kreis der Familie). Und dann gibt es Begabungen, die im Schulalltag kaum auffallen, weil sie nicht "gefragt" sind. Mein jüngerer Sohn hat zum Beispiel mit 5 Jahren das räumliche Vorstellungsvermögen eines 8jährigen, was - in dem Bereich - einem IQ jenseits der 150 enspricht. Nur merkt das keiner (außer man spielt mit ihm Ubongo)!

Generell wirst du als Lehrer Begabungen am besten fördern können, wenn du jedes Kind als Individium siehst. Ob und wie sich das dann mit der "Führung" der Klassengemeinschaft vereinbaren lässt, wird sich zeigen.
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon Bliss » Di 24. Apr 2018, 17:15

Wie Rabaukenmama schon geschrieben hat ist das erkennen von Begabungen unterschiedlich schwierig. Bei Hochleistern dürfte es auch ein Blinder mit Krückstock irgendwann mitbekommen, bei Underachievern vielleicht nicht mal die eigenen Eltern.

Aber eigentlich nützt das Wissen um eine Begabung allein erstmal wenig. Bei meinem Sohn z.B gab es kaum einen Lehrer, der seine außergewöhnliche Begabungen nicht erkannt hätte.Trotzdem ist es kaum einem gelungen, meinen Sohn so zu motivieren, dass er sie über das normale am Durchschnittsschüler orientierte Maß hinaus auch einsetzt.

Und das fände ich jetzt ein viel lohnenderes Ziel für einen Lehrer, als bereits vorhandere Begabungen zu erkennen: jeden Schüler so zu motivieren, dass er seine mitgebrachten Vorraussetzungen gerne einsetzt, um sich im Rahmen seiner Möglichkeiten weiterzuentwickeln.
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon lowgiker » Fr 27. Apr 2018, 11:59

Guten Tag,

bei uns war es so, dass die Lehrerin schon früh den Verdacht geäußert hat. Wir wollten uns von der Idee aber nicht gleich überrumpeln lassen, sondern haben einen Zeitrahmen (ich denke ca. 5 Wochen) festgelegt, wo wir als Eltern und die Lehrerin alles aufgeschrieben haben, was uns ungewöhnlich vorkam. Nach der Beobachtung hatte die Lehrerin deutlich mehr Hinweise erkannt, da sie de facto 22 Vergleichsobjekte hatte und unser Sohn Einzelkind ist.

Die ausschlaggebendsten Punkte waren zuhause:
-wenig Schlaf, trotzdem sehr aktiv und aufnahmefähig
-still, aufmerksam und außergewöhnliches Gedächtnis
-lärmempfindlich
in der Schule:
-ungewöhnliche Lösungsansätze
-schnelles Lernen und Vorarbeiten
-Eigenständiges Herleiten von Formeln

Letzteres zeigte sich später sehr häufig und hat zu seiner Aufnahme an einigen Förderprogrammen geführt. Uns wurde aber geraten, immer Experten hinzuzuziehen, da man Grundschullehrer nicht darauf trainieren kann, das zu erkennen.
Es gibt da aber gute Literatur, auf die sich seine Klassenlehrerin bezogen hat.

GLG
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon charlotte12 » Di 1. Mai 2018, 21:31

@Koschka:
Man sollte nicht auf die Gedanken kommen, dass Begabte
- unbedingt fehlerfrei arbeiten
- die Arbeit an sich mögen
- gerne zeigen, wie gut sie die einfachen Aufgaben können
- gerne Bilder ausmalen
- gerne in den Gruppen arbeiten
- gerne Aufgaben erledigen, auf die keine Rückmeldung erfolgt
- oft Montessorimatherial überhaupt nicht mögen

:) Danke - so ziemlich alle Punkte treffen auf mein Kind zu, wobei ich einiges bisher noch gar nicht mit der Hochbegabung im Zusammenhang gesehen hatte (die in Elterngesprächen schon mehrfach thematisierte Abneigung gegen Gruppenarbeit z.B...). Den letzten Punkt verstehe ich allerdings nicht ganz, und genau der würde mich aber sehr interessieren - mögen Hochbegabte Montessorimaterial jetzt eher gerne oder nicht? Ich frage, weil ich immer wieder mit Montessori liebäugle, was in unserer Gegend allerdings nicht ganz einfach wäre.
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon Bliss » Di 1. Mai 2018, 22:02

charlotte12 hat geschrieben: - mögen Hochbegabte Montessorimaterial jetzt eher gerne oder nicht? Ich frage, weil ich immer wieder mit Montessori liebäugle, was in unserer Gegend allerdings nicht ganz einfach wäre.


Für Hochbegabte ist es in der Regel überflüssig. Zumindest zu dem Zeitpunkt, wo sie es in Schule oder Kindergarten vorgesetzt bekommen, weil sie eh keine Probleme haben sich z.B den Zehnerübergang vorzustellen.
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon charlotte12 » Mi 2. Mai 2018, 18:59

Danke :)
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon Edainwen » Do 3. Mai 2018, 11:01

Mein Sohn fand das Montessorimaterial auch hochlangweilig. Wozu sollte er sich mit irgendwelchen Perlenschnüren und Würfelchen Zeug erarbeiten, das er schon lange verstanden hat. Für ihn war das nur Arbeitsbeschaffung.
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon Willow77 » Do 3. Mai 2018, 13:30

Ich kenne mich mit Montessori Material jetzt nicht so gut aus, aber ich glaube, das Gesagte bezieht sich auch auf alle Unterrichtsmaterialien, alle Werkzeuge, die man benutzen kann, um Schulstoff zu veranschaulichen oder zu erklären.

Man nehme zum Beispiel die bei uns im Lande so heiß umworbene (An-)Lauttabelle. (Andernorts ist sie wahrscheinlich schon längst überholt.)
Kinder die schnell begreifen, oder - Gott bewahre, gar schon Vorwissen in Punkto Buchstaben und Lesen-können haben - brauchen die Tabelle nicht. Auf der anderen Seite gibt es dann die Kinder, die Schwierigkeiten haben, dem Stoff zu folgen, für solche Kinder ist oft das Werkzeug noch zu kompliziert.

Oder im Rechnen: die altmodischen Cuisenaire-Stäbchen, der Abakus, irgendwelche Tricks mit denen man Zahlen auseinandernimmt, um die Zehnerüber- oder Unterschreitung zu erklären (Bsp: 13-7=13-3-4). Kinder, die Vorwissen haben oder schnell lernen, brauchen das nicht, Kinder die Schwierigkeiten haben, dem Stoff zu folgen, werden auch damit noch überfordert sein.

LG,
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Re: Begabungen in der Schule erkennen

Beitragvon Tata » Di 8. Mai 2018, 20:51

Hallo,

finde ich toll, dass sich ein Lehrer dafür interessiert, wie man Hochbegabung in der Schule erkennen kann.

Leider ist das wirklich nicht sehr einfach. Ich habe 2 Kinder. Einer ist (frisch) mit einem IQ >135 getestet. Der andere ist (noch) nicht getestet, aber ist es sehr wahrscheinlich auch.

Den Test beim ersten Kind haben wir aufgrund großer Probleme machen lassen. Die Probleme traten allerdings nicht in der Schule auf. Dort war er sehr angepasst, machte seine Aufgaben brav, war lieb, gehorsam, usw. Für den Lehrer also ein richtiger Musterschüler. Er hat seine Begabung komplett versteckt. Bis zu den Weihnachtsferien merkte sein Lehrer nicht, dass er lesen konnte. In Mathe rechnete er brav im 20er Raum, während er sich zu Hause Aufgaben stellte, die weit darüber hinausgingen und auch Ergebnisse im Minusbereich ergaben. Für ihn war es von Anfang an klar, dass 10-12=-2 ist. Das hat ihm nie jemand von uns erklärt. Probleme gab es dann zu Hause: Wutausbrüche, Reizbarkeit, Kopf- und Bauchschmerzen beim Einschlafen, nachts mehrfach wach, usw. Das ganze ging soweit, dass er morgens nicht mehr in die Schule wollte. Wir waren wirklich ahnungslos, wo das Problem liegen könnte. Ferien/Wochenenden hingegeben waren super und ohne all diese "Symptome". Auf Hochbegabung kamen wir tatsächlich nur durch eine befreundete Grundschullehrerin, die meinte, dass er schon verdammt weit für sein Alter wäre. Tatsächlich hatte sie Recht. Wir haben ihn dann testen lassen um Gewissheit zu haben. Laut des Psychologen sind die ganzen Beschwerden der Unterforderung zuzuordnen.

Die Hochbegabung wäre in der Schule wohl nie (oder zumindest nicht so schnell) aufgefallen. Er ist echt ein Künstler im "Anpassen" und "Nicht-Auffallen".

Das zweite Kind ist anders. Ich denke, er wird in der Schule schnell auffallen (ist noch in der Kita). Er hat sich mit 4 das Lesen beigebracht, rechnet über den 100er Bereich hinaus, zeigt deutlich, was er sich alles merken kann, usw. Ich bin mir sicher, dass er auffallen wird - ich bin nur gespannt wie: entweder er wird kaspern vor Langeweile oder mit seinen Fähigkeiten schnell auffallen. Wir werden es sehen, was passiert. Diesmal bin ich aber vorgewarnt und weiß, was auf mich zu kommt.

LG
Tata
 
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