Abtitur mit 8

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Abtitur mit 8

Beitragvon Koschka » Mi 11. Jul 2018, 07:32

Hat Belgien ein derart offenes Schulsystem, dass so was durchgeht?

https://www.businessinsider.de/8-jaehri ... cht-2018-7

... und wir kämpfen um die Einschulung mit 5 und ein Paar Blatt extra-Förderung... Ich stelle mir die Reaktion eines deutschen Gymnasiums vor, wenn ich dort mit einem 6-jährigen und einem Anspruch Gymnasium im schnellst Tempo zu absolvieren auftauchen würde.
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Re: Abtitur mit 8

Beitragvon alibaba » Mi 11. Jul 2018, 07:57

Ich habe das auch gelesen. Ich kenne überhaupt nicht die Hintergründe, auch nicht, ob das Schulsystem in Belgien anders funktioniert. Daher kann ich dazu eigentlich nichts sagen.

Unbenommen mal davon, auch für Belgien scheint das ja "einzigartig" zu sein, denn sonst würde man von so etwas ja öfter lesen oder hören.

Und unbenommen mal noch weiter davon, würde ich - bei meinen Kindern - das nie zulassen, egal wie schlau sie wären und wie sehr sie das wollten. Mit 8 Jahren ist und bleibt man ein Kind, egal wie hoch der IQ ist. Wir haben schon Sorgen unseren recht vernünftigen 13-jährigen (wird bald 14) in die Pokémon-Gruppe aus 18-jährigen zu geben. Und in dieser Gruppe raucht keiner, trinkt keiner, gehen alle 21:30 Uhr brav nachhause. Wie soll das erst sein, wenn ein 8-jähriger unter Erwachsenen studieren will? Ich mag es mir eigentlich nicht vorstellen und ahne da nichts Gutes in Bezug auf eine vernünftige Sozialisation.

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Re: Abtitur mit 8

Beitragvon Koschka » Mi 11. Jul 2018, 08:22

angeblich soll gar nicht im Hörsaal, sondern individuell studieren, was bei einem Mathemaikstudium nicht so schwer umzusätzen wäre wie bei Chemie oder Medizin. Mir ging es nicht darum, ob es gut oder schlecht wäre mit 8 mit der Schule fertig zu werden, sondern um die Möglichkeit grundschätzlich einen Anspruch auf einen alternativen Lebenslauf haben zu dürfen.
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Re: Abtitur mit 8

Beitragvon alibaba » Mi 11. Jul 2018, 09:57

Koschka hat geschrieben: Mir ging es nicht darum, ob es gut oder schlecht wäre mit 8 mit der Schule fertig zu werden, sondern um die Möglichkeit grundschätzlich einen Anspruch auf einen alternativen Lebenslauf haben zu dürfen.


Ich denke schon. Bei Ausnahmetalenten sollte man das machen. Rein kognitiv betrachtet. Dieses Kind scheint dann ja wohl dazu zu gehören.

Für mich stellt sich nur die Frage, welcher Wert ergibt sich daraus. Was ist das Ergebnis für die Gemeinschaft, die Gesellschaft wenn ich so extrem stark akzeleriere? Bringt das etwas? Was hat das Kind davon, was die Gesellschaft? Ist diese Art der extremen Alternative eine gute Alternative? Extreme sind selten gut. Oft benötigen ja die guten Dinge - die, die einen Mehrwert für uns Menschen bringen - Zeit und Geduld. Vor allem es doch wieder erneut zu versuchen, dran zu bleiben. Wenn ich so durchs Leben haste, immer schneller, weiter, höher, dann wird das - in meinen Augen - nichts mit dem Mehrwert. Für mich als Gesellschaft wäre dann meine Investition verlorene Energie.
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Re: Abtitur mit 8

Beitragvon Koschka » Mi 11. Jul 2018, 10:31

ich glaube dieser Weg ist auf jeden Fall besser, als dieses Kind in einer Dorfschule mit 8 Jahren in die 2. Klasse zu schicken und ihm sagen, er soll sich bitte einfügen und in 100er Raum rechnen lernen.
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Re: Abtitur mit 8

Beitragvon alibaba » Mi 11. Jul 2018, 10:37

Koschka hat geschrieben:ich glaube dieser Weg ist auf jeden Fall besser, als dieses Kind in einer Dorfschule mit 8 Jahren in die 2. Klasse zu schicken und ihm sagen, er soll sich bitte einfügen und in 100er Raum rechnen lernen.


Ich weiß nicht was besser wäre. ich persönlich bin kein Freund von Extremen. Es wäre - in meinen Augen extrem dieses Kind in der 2.Klasse sitzen zu haben, jedoch ist es auch extrem dieses Kind mit 8 zum studieren zu schicken.
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Re: Abtitur mit 8

Beitragvon Koschka » Mi 11. Jul 2018, 11:36

Die Extremen in beide Richtungen wird es immer geben. Manchen sind so begabt, dass sie nicht mit anderen zusammen sinnvoll lernen können. Andere dagegen so minderbegabt, dass sie sich nicht in den normalen Unterricht einfügen können. Unsere Vorstellung von sozialen Gerechtigkeit bringt uns schnell auf die Idee, dass es zwar lobenswert ist Benachteligte zu unterstützen, aber ziemlich unfair ist die schon eher Begünstigte weiter zu fördern. Dabei bezieht sich diese Gerechtigkeit nur auf kognitive Fähigkeiten. Kaum jemandem würde in den Sinn fallen die Tatsachen zu kritisieren, dass Neymar mit 11 Jahren schon in den Clubs spielen dürfte oder das Julia Fischer mit 9 Jahren von Münchner Musikhochschule aufgenommen wurde. Aber sobald es um den Schullaufbahn geht, dann ist der öffentlicher Ärger größer. Ich sehe 8 Jahre auch als einen Extremfall. Aber eigentlich warum nicht, wenn der Junge weiterhin was macht, was ihm persönlich als Kind Spaß bereitet? Warum ist das sozial ungerecht auf seine Bedürfnisse einzugehen? Hat er was dafür, dass er mit so einem IQ geboren wurde, und ich zweifele nicht dass er weit über die angegebenen 145 liegt? Er hat es nicht leicht und manches sollte die Gesellschaft vielleicht gemeinsam tragen. Zum Beispiel die Erziehung von in allen Hinsichten schwierigen Kindern. Wenn man fragt, was man davon hat, kann man es christlich oder buddistisch sehen. Man hat seinem Nächsten geholfen oder seine Karma verbessert. Oder ganz praktisch: man hat einen weiteren depressiven Fall nicht entstehen lassen, und somit verbundene Kosten gespart. Denn dieser Junger, der in der Lage war das belgische Gymnasium in 1,5 zu absolvieren, wäre definitiv unter der gleichaltrigen tief unglückllich. Wer weiß, vielleicht hat er außer IQ noch Kreativität, um neues zu erfinden und kann so die Gesellschaft für den Zusatzaufwand entlohnen. Die Unis umwerben jetzt den Jungen und bieten ihm individuelle Programme an. Ich bin mir sicher, dass dieser Junge zwar sehr einzigartig aber nicht absolut einmalig ist. Statistisch gesehen gibt es mehr als einen, aber sie sitzen in der 2. Klasse Grundschule, gelten als arrogante verzweifelte depressive Minderleister und ihe Eltern wissen nicht, wie sie durch die Mühlen des Systems bringen sollen, ohne dass sie ganz gebrochen werden. Es gibt einen wissenschaftlichen Statement, ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen habe, dass ab drei Standardabweichungen, und das wäre 145+ gemeinsames Lernen mit gleichaltrigen und gemeinsames Spielen nicht umsetzbar ist. Es gibt in unserer Gesellschaft so viele alte und junge Arbeitslose, es gibt viele Rentner, die sehr gerne was in ihrem Leben noch machen würden. Es gibt viele, die ehrenamtlich eine oder andere Stunde spenden würden, falls sie gefragt wären. Aber lieber schicken wir die unschlüssigen Jugendlichen vor dem Studium in kostenpflichtigen Programmen den arfikanischen Kindern nutzlose Englischfloskeln beizubringen, als die Menschen sinnvoll für die Probleme einzusetzen, die sie direkt vor ihrer Haustür hätten lösen können.
Zuletzt geändert von Koschka am Mi 11. Jul 2018, 12:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Abtitur mit 8

Beitragvon charlotte12 » Mi 11. Jul 2018, 12:06

Mir fehlt bei dem Kind die Zukunfts-Perspektive über das Studium hinaus, bevor es 18 Jahre alt ist. Ein Kind kann doch nicht minderjährig Chirurg oder Astronaut werden. Astronauten gibt es sowieso gerade mal eine Handvoll auf der Welt, hört sich für mich eher nach einer Kinder-Phantasterei als nach einem ernsthaften Berufswunsch an. Chirurg in einer Klinik kann ich mir für ein Kind genau so wenig vorstellen - körperlich viel zu anstrengend, rechtliche Probleme (Arbeitszeiten, Umgang mit Gefahrstoffen, Verantwortlichkeit für Patienten). Eher Forschung an einer Uni oder so, sofern das rechtlich mit dem Verbot der Kinderarbeit überhaupt vereinbar ist. Im Fußball oder in der Musik ist das viel leichter, da sind die entsprechenden Strukturen vorhanden.
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Re: Abtitur mit 8

Beitragvon alibaba » Mi 11. Jul 2018, 12:12

Will es denn das Kind? Wissen wir das, wissen wir was das Kind will? Will das Kind diese Sonderrolle? Ich kann das nicht beurteilen, in wie weit das ein 8-jähriger einschätzen und beurteilen kann.

Meine wollen Mainstream sein. So wie die Anderen. In der Regel schauen meine nach Älteren, aber das sind zwei, drei Jahre älter. In dieser Gruppe laufen Sie mit. Auffallen - nein, bloß nicht. Akzeptiert werden, das ist wichtig. Die Gruppe prägt meine Kinder. Ich möchte dazu gehören. Eine Gruppe schützt auch. Meine wollen nicht alleine sein. Mein Großer reift so Stück für Stück zu einem großen Ganzen. Ich merke wie er sich verändert und lernt die Welt in ihrer Globaliät zu verstehen. Vernetzt sein ist so wichtig, vor allem für die jüngere Generation. Lebensfreude besteht ja nicht nur aus Lernen, vor allem nicht in der Pubertät.

Und jetzt stelle ich mir da diesen 8-jährigen vor. Nein, ich bin ehrlich, ich kann mir das nicht vorstellen.

Akzeleration ja, aber nicht so. Leider kennen wir und werden wohl auch nicht, das Dahinter kennen lernen, um letzten Endes das Ganze beurteilen zu können.
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Re: Abtitur mit 8

Beitragvon Koschka » Mi 11. Jul 2018, 13:04

@alibaba

was willst du aber mit einem Kind mit IQ 200+ machen? Es kann mit Gleichaltrigen nicht spielen! Wenn dein Sohn einen theoretischen IQ von 130 hätte, würde seine kognitive Entwicklung statistisch gesehen 30% schneller laufen. Er ist 13, rechnen wir 30% dazu, dann sind wir bei 17. Passt auch zu deine Beschreibung, dass er sich eher für die 18-jährigen interessiert. Nehmen wir ein Kind, dass 100% schneller ist, als Durchschnitt. Mit 8 ist es dann auf dem kognitiven Niveau von 16-jährigen. Was kann es mit den gleichaltrigen anfangen? Nichts. Mit 16-jährigen aber auch wenig. Gleichaltrigen gleichbegabten zu finden ist statistisch unwahrscheinlich, eher nur im Internet. Was bleibt dann? Sich für Lernen zu interessieren. Ich bezweifele es, dass es möglich ist dem Kind über seinen kognitiven Reifegrad die Kindheit zu verlängern. Du schreibst, es sei nicht in Ordnung so zu akzelerieren. Was ist die Alternative? Ausbremsen? Künstlich in eine weniger reizende Umgebung versetzen? Was passiert dann mit Lebens- und Lernfreude?

@charlotte

ich glaube seine Eltern gehen nicht davon aus, dass er mit 12 abreiten geht. Man kann, wenn man Zeit hat, so vieles studieren. Außer Lernfächrn kann man Instrumente lernen, Sprachen. Sollte man es doch wollen, könnte man als Programmierer schon sehr früh anfangen.
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