Wir sind nun auch dabei....

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Wir sind nun auch dabei....

Beitragvon Sonnenschein12 » Di 25. Sep 2018, 09:50

Hallo, nach Krankheit melde ich mich endlich wieder zurück. Schön, dass sich viele hier so gut austauschen.
Zum Thema "hochbegabt". Ist es nicht schade, dass es sich wie ein "Fremdwort" anhört. Jede Mutter berichtet laut über die schulischen Probleme ihrer Kinder aber wehe man nimmt dieses Wort in den Mund?!
Ich wähle lieber das Wort "begabt" da jedes Kind auf seine Art und Weise eine Begabung hat. Eine Freundin meines Kindes kann wunderschön malen, tut sich aber schulisch sehr schwer. Die andere hat eine wundervolle
Fantasie, hat aber eine Lernschwäche.
Zu meinem Schatz. Getestet ist sie nicht, der Arzt meinte jedoch, dass er bei ihr eine starke Tendenz sieht und uns jeder Zeit unterstützen würde (auch schulisch mit seinen ganzen Kontakten). Eine gute Freundin
mit drei hochbegabten Kindern und die beruflich auch Kinder testet meinte, dass sie auch vermutet, dass sie hochbegabt sein könnte. Die meisten Dinge bringt sie sich selbst bei (ABC/abc, Lesen).
Sie liebt sehr ihre Klasse und ihre Lehrerin und freut sich über jede Hausaufgabe (die innert zwei /drei Minuten erledigt sind). Statt Mi Ma Mu darf sie die Geschichten lesen aber ich glaube schon, dass sie im Unterricht
sich am Material in der Klasse sehr gerne beteiligt.
Es ist alles neu, viele Eindrücke. Ich möchte ihr nicht zusätzlich was geben da sie auch die Ruhephasen, Hobbys und ihre Tiere,Freunde genießen soll. Ich habe ihr einige Übungsblätter ausgedruckt und wenn sie
das Verlangen verspürt, macht sie diese in ihrer Mittagspause zum Abschalten.
Für mich ist der Wissensstand "normal". Wir haben keine Vergleichswerte. Mütter aus dem Kindergarten meinten aber schon immer, dass sie unglaublich weit für ihr Alter ist (auch diese Test im Kindergarten ergaben dies). Sie redet auch eher wie eine 3./4. Klässlerin (liegt vlt daran, da sie Einzelkind(?) ist) und korrigiert auch mal Erwachsene, wenn es grammatikalisch nicht korrekt ausgesprochen oder inhaltlich falsch ist (aber sehr höflich, die Erwachsenen nehmen es dankbar an). Durch ihre soziale Art kommt sie aber gut bei anderen an und hat viele Freunde. Die Kleinen
im Kindergarten fanden bei ihr immer dieses Sicherheitsgefühl. Es flossen viele Tränen (auch manche Mütter waren sehr traurig), als sie ihren letzten Tag hatte.
Ich denke ihr Vorteil ist ihr unglaubliches Gedächtnis (bei der ESU war die Ärztin sprachlos und total unvorbereitet, da mein Schatz eine ganze DIN A 4 Seite Geschichte wortgetreu wiedergegeben hatte.
Ich denke in der 1. Klasse ist die Spanne zwischen den Kinder sehr groß. Manche können das ABC manche erkennen den Unterschied zwischen i und l nicht.
Wie gesagt, in der Näheren Umgebung ist ein Angebot für Hochbegabte (und dazu zählen auch die wissbegierigen Kinder) und noch im Rahmen haben wir auch die Kinder-Uni (mit vier wollte sie schon dorthin aber Anmeldung erfolgt
angeblich über die Schule). Vlt wird sich dann hier etwas ergeben.
Bei mir schwirrt es einfach immer wieder im Kopf das ich nicht möchte, dass sie überfordert wird. Deshalb finde ich auch das Wort "Hochbegabt" etwas schwierig. Es heißt ja nicht, dass die Kinder alles fehlerfrei können, nur die Gesellschaft
erwartet es von ihnen und die Kinder haben oft so einen Ehrgeiz, dass sie das auch erwarten.
Sorry, wurde etwas länger
Wünsche euch einen schönen Tag
Sonnenschein12
 
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Re: Wir sind nun auch dabei....

Beitragvon alibaba » Di 25. Sep 2018, 09:56

charlotte12 hat geschrieben: Ich frage, weil ich es bei meiner Tochter durchgehend als sehr schwierig empfinde, herauszufinden, wo Unterforderung dahintersteckt und wo nicht.


Diese Frage finde ich sehr interessant. Vor allem, wie will ich das denn zukünftlich lösen? Was in einer Grundschule (vielleicht) noch geht, geht ab weiterführender Schule immer weniger. So findet mein Herr Sohn auch alles langweilig und meint, es könnte der Lehrer auch viel schneller erklären und nicht so langatmig. Aber vielleicht interessiert ihn das Thema auch bloß nicht. :schwitz: Denn das meinte ich auch, anhand seiner Argumentationen, heraus zu hören. Die kommen natürlich viel differenzierter und konkreter als beim GS-Kind.

charlotte12 hat geschrieben: Die neue Lehrerin differenziert nicht, mein Kind "übt" begeistert als Hausaufgabe völlig sinnfrei Rechtschreibung mit immer denselben Wörtern, Wörtern, die sie seit Jahren richtig schreibt. Sie ist mal wieder auf geradezu lächerliche Weise unterfordert.....


Was schreibt Ihr für Wörter in Deutsch? :gruebel:

Ich kann mich noch gut an den Wechsel von Kl.2 nach 3 erinnern. Da war Schule schlagartig anders. Da kamen wöchentlich neue Lernwörter dazu. Nix Wörter die man schon vorher jahrelang kannte. Dehnungs-h oder ch/sch oder ck/k … jede Woche eine andere Regel. Ab Klasse 3 hatte keiner mehr eine 1 in Deutsch. :shock:

Sinnfrei ist Rechtschreibung eigentlich nie. Spätestens ab Klasse 5 und dem wesentlich strengeren Bewertungssystem wird das hilfreich sein. Hier kündigt schon der Rektor der Schule allen Eltern bei der "Einschulungsfeier" an, dass man die Leistung seines Kindes nicht nach der Diktatnote beurteilen soll.

VG
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Re: Wir sind nun auch dabei....

Beitragvon alibaba » Di 25. Sep 2018, 10:09

@Sonnenschein12

Die Kinder-Uni ist frei für alle, ab Alter x. Da kann man sich, zumindest hier, ganz normal (über das Internet) anmelden. Das hat mit Schule nichts zu tun. Lediglich die Hector-Akademien arbeiten nur mit den Schulen zusammen. Da muss die Schule anmelden.

Wenn es aktuell läuft, dann würde ich persönlich das auch alles so lassen und nicht die Pferde scheu machen. Kannst du immer noch. Allerdings ist es eben hier so, dass man nur mit einem Papier und einer Zahl weiter kommt. Mit hätte/könnte/eventuell/vielleicht kommt man hier nicht weit, sei denn!!!! das Kind ist ein Hochleister. Dann reicht dem Lehrer die gezeigte Hochleistung. Das aber unabhängig von einer Hochbegabung. Meine Beobachtung über jetzt 8 vergangene Schuljahre ist, dass nur Hochleisterkindern die Begabung (egal wie man sie nun nennen mag) abgenommen und eine entsprechende Förderung angeboten wird. Auch hat die Leistung bitte fächerübergreifend zu erfolgen. :o

Ich finde, deine Beschreibung der aktuellen Situation hört sich doch sehr gut an. Schaut, was Ihr außerschulisch noch machen könnt und bleib weiter am Ball. Aber das machen wir Mütter ja eh, einfach schauen, das es passt, egal ob mit oder ohne Begabung. ;)

VG
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Re: Wir sind nun auch dabei....

Beitragvon Sonnenschein12 » Di 25. Sep 2018, 12:37

alibaba hat geschrieben:@Sonnenschein12


Ich finde, deine Beschreibung der aktuellen Situation hört sich doch sehr gut an. Schaut, was Ihr außerschulisch noch machen könnt und bleib weiter am Ball. Aber das machen wir Mütter ja eh, einfach schauen, das es passt, egal ob mit oder ohne Begabung. ;)

VG



wunderschön geschrieben
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Re: Wir sind nun auch dabei....

Beitragvon charlotte12 » Mi 26. Sep 2018, 20:50

Was schreibt Ihr für Wörter in Deutsch? :gruebel:

Ich kann mich noch gut an den Wechsel von Kl.2 nach 3 erinnern. Da war Schule schlagartig anders. Da kamen wöchentlich neue Lernwörter dazu. Nix Wörter die man schon vorher jahrelang kannte. Dehnungs-h oder ch/sch oder ck/k … jede Woche eine andere Regel. Ab Klasse 3 hatte keiner mehr eine 1 in Deutsch. :shock:

Sinnfrei ist Rechtschreibung eigentlich nie. Spätestens ab Klasse 5 und dem wesentlich strengeren Bewertungssystem wird das hilfreich sein. Hier kündigt schon der Rektor der Schule allen Eltern bei der "Einschulungsfeier" an, dass man die Leistung seines Kindes nicht nach der Diktatnote beurteilen soll.


Ich meinte nicht, dass meine Tochter die Wörter aus der Schule schon jahrelang kannte, sondern dass sie die bisher zu lernenden Wörter ausnahmslos schon vorher jahrelang problemlos richtig schrieb. Und eine ganze Woche lang dieselben neu eingeführten Lernwörter mehrfach immer wieder abzuschreiben, obwohl man sie vorher schon richtig schrieb, das empfinde ich als völlig sinnfrei für sie. Aber wie gesagt, es macht ihr ja z.Zt. (noch?) Spaß, daher beobachte ich die Sache einfach mal so entspannt wie schon lange nicht mehr. Zumindest übt sie damit, ihre Schreibgeschwindigkeit zu steigern, also doch nicht komplett sinnfrei :fahne:
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Re: Wir sind nun auch dabei....

Beitragvon alibaba » Do 27. Sep 2018, 09:17

Ich glaube, dass eine gewisse Resilienz nicht ganz verkehrt ist. Außerdem werden die ehemals lenkbaren Kinder nicht mehr lenkbar. Ich erfahre von meinem 9.Klässler so gut wie nichts mehr, der wuppt das alleine. Und sucht sich seine Forderung eben selber aus. Das macht jetzt nicht mehr Mama, weil Kind eben über die langweiligen Mathe-HA aufregt. Es findet eine Entspannung auf beiden Seiten statt. Hinzu kommt, dass meine auch das Nichtstun genießen können und die Hobbys viel Raum einnehmen, den sie auch so einnehmen können.

Mit 3x Mittagsschule wollen meine gar nicht mehr in Schulforderangebote zusätzlich gehen. Der Tag ist oft schon voll gestopft genug und im Sommer will man sich im Freibad treffen. Es sind immer noch Kinder mit noch solchen Bedürfnissen.

Differenzierung müsste im Interricht statt finden. Gibt es aber nicht und wenn nur für Hochleister. Aber auch damit kann man lernen umzugehen. Meiner macht seine HA im Unterricht, nebenbei. Öffnet freie Räume am Nachmittag. Mittlerweile hilft mein Sohn auch seinen Klassenkameraden im Unterricht, hat mittlerweile gute Mitarbeitsnoten und Zeit für fordernde Hobbys, die Spaß machen und ganz ohne Bewertung mit Note sind.

Je älter meine Kinder werden umso weniger wird schulische Forderung zum Thema. Das empfand ich wesentlich intensiver in den Kiga bzw. Grundschulzeiten. Mit wachsender Entwicklung der Selbstbestimmung mindert sich der Drang. Meine Kleine erhöht jetzt ihre Musikschulstunden in der Musikschule, ganz alleine ohne mütterliche Interaktionen. :mrgreen:

VG
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Re: Wir sind nun auch dabei....

Beitragvon Twins123 » Do 27. Sep 2018, 15:37

@koschka

Ich muss ihr da Recht geben, auch ich habe das Gefühl, dass die Kinder irgendwie resignieren und das Interesse an schulischer Weiterbildung verlieren. Ich habe ja den direkten Vergleich, ein Zwilling ist in einer HB Klasse und einer an einem normalen Gymnasium. Beide kümmern sich um das Thema Schule alleine (sollte man in der 10. Klasse wohl auch erwarten dürfen ), aber die nachmittägliche Freizeitgestaltung ist total unterschiedlich ! Der eine macht keinen Strich zuviel, HA in der Schule u chillt vor sich hin, der andere jedoch ist sehr aktiv, nach wie vor begeisterungsfähig u kämpft sich selbst abends noch durch allerlei Wissensbücher, Programmierkurse etc, nichts schreckt ihn ab!
Kann matürlich alles persönlichkeitsbedingt sein, vielleicht ist es aber auch durch das schulische Umfeld bedingt, dass eben Lernen nicht verpönt u uncool ist!
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Re: Wir sind nun auch dabei....

Beitragvon alibaba » Fr 28. Sep 2018, 09:04

Twins123 hat geschrieben: @koschka
Ich muss ihr da Recht geben, auch ich habe das Gefühl, dass die Kinder irgendwie resignieren und das Interesse an schulischer Weiterbildung verlieren.


Also so würde ich das nie sagen. Immerhin gehen sie zur Schule, ohne murren. Ich tendiere eher dazu zu vermuten, dass es etwas mit Interesse zu tun hat. Ganz stark auch, was der Lehrer da vor ihnen macht, wie er präsentiert, wie er Spannung im Unterricht erzeugt, wie er eben fähig ist, das Interesse der Kinder zu wecken. Steht da eine Schlafmütze, wird das nichts mit der Begeisterung. Das kann ich mit oder ohne Hb-Zug oder eben nicht.


Twins123 hat geschrieben: Ich habe ja den direkten Vergleich, ein Zwilling ist in einer HB Klasse und einer an einem normalen Gymnasium. Beide kümmern sich um das Thema Schule alleine (sollte man in der 10. Klasse wohl auch erwarten dürfen ), aber die nachmittägliche Freizeitgestaltung ist total unterschiedlich ! Der eine macht keinen Strich zuviel, HA in der Schule u chillt vor sich hin, der andere jedoch ist sehr aktiv, nach wie vor begeisterungsfähig u kämpft sich selbst abends noch durch allerlei Wissensbücher, Programmierkurse etc, nichts schreckt ihn ab!


Ich vermute, dass es an vielen Faktoren liegt, warum das so ist, wie es ist. Meiner zeigt in seiner Freizeit und an dem was ihn interessiert eine viel höhere Motivation als am vielleicht langatmigen Ethik-Unterricht. So reduzierte er die Musikeinsatzstunden an der Schule und stockte sie im Gegenzug an der Musikschule auf. Auch das hat viele Gründe - die extrem vielschichtig sind. Eine Mischung aus Vielem. 50% weil er in der Schule unterfordert ist, 25% weil er die Freistunde gerne hätte und 25% weil er gerne mit seinen Freunden zusammen ist und Schach spielt. Es stände damit immer noch 50/50 und selbst wenn der Unterricht fordernder wäre, bedeutete das nicht, dass Kind dann trotzdem auch schulisch wieder aufstocken würde. Denn in Schule wird man zensiert, selten gelobt und kann keine Wünsche äußern. Das geht also viel besser in der Musikschule. Man sieht also dadurch - Gründe warum etwas motiviert oder nicht, sind ganz viele vorhanden.


Twins123 hat geschrieben: Kann matürlich alles persönlichkeitsbedingt sein, vielleicht ist es aber auch durch das schulische Umfeld bedingt, dass eben Lernen nicht verpönt u uncool ist!


Ich glaube ja, dass, je älter die Kinder werden, umso mehr ihre eigene Persönlichkeit zum Vorschein kommt und dann der Focus auf die ureigenen Interessen gelegt wird. Ich kann meine Kinder grundsätzlich verstehen, dass sie nach dem Schulalltag nicht mehr am Nachmittag zusätzlich sich hinsetzen wollen und wieder lernen. Die lernen den ganzen Tag. Die lernen ja ständig. Das also lernen verpönt und uncool ist - würde ich so nie sagen und sehe ich auch nicht.
Mein Großer ist 4xWoche in der Musikschule. Selbst wenn er zuhause nun nicht der große Über ist - aber er lernt in jeder Musikschulminute. Oder …. mein Sohn schaut sich Videos auf Englisch an und chattet beim Computerspielen auf englisch - auch das ist lernen. Und das sich nun nicht jeder für die Interpretation von Werder begeistern kann, kann ich verstehen. ;)

Vielleicht liegt es ja an uns Eltern. Ist es für uns "besser" wenn Kind sich eben in die Bücher vertieft und programmieren ausprobiert? Ist es für uns "schlechter" wenn Kind auf dem Spielplatz mit seinen Freunden ist oder eben nur chillt?

Ich kann bei mir beobachten, je mehr ich los lasse, umso besser klappt die Selbstfindung. Und jetzt kommt die Persönlichkeit ins Spiel. So ist meine Kleine genau richtig beim "lernen" auf dem Spielplatz. Ihr großer "Berufswunsch" ist die Sozialarbeit. Und mein Sohn ist genau richtig mit seinem Instinkt Gemeinschaft und Anpassung ans Team zu festigen, denn das sind wesentliche Voraussetzungen für das beginnende Berufsleben. Und das englische chatten oder chillen mit einem englischen Video passt gut dazu, denn er möchte gerne ins Ausland gehen.

Ich denke, wir sollten mehr auf die Instinkte der Kinder vertrauen und weniger vorgeben. Natürlich muss man lenken, den Rahmen schaffen (den brauchen sie auch). Aber vielleicht sollten wir "lernen" anders definieren. :fahne:

VG
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Re: Wir sind nun auch dabei....

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 29. Sep 2018, 09:20

Hallo Sonnenschein!

Nach einigen stressigen Tagen mit meinen Jungs melde ich mich auch mal zu Wort. Schön, dass es deiner Tochter so gut in der Schule gefällt. So, wie du die momentane Situation beschreibst, sehe ich keinen akuten Handlungsbedard. Ich bin generell dafür, sich erst dann zu kratzen, wenn es juckt ;) . Hier bin ich mal ganz bei Alibaba (was nicht so oft der Fall ist :mrgreen: ).

Zum Thema "hochbegabt": ja, es ist schwer, neben MANCHEN Eltern mit gesunden, neurotypischen, durchschnittlich begabten Kindern darüber zu sprechen. Manche halten einen für hochgestochen, Eislauf-Eltern, usw. Aber meiner Erfahrung nach hat ein Großteil der Eltern weder ein Problem mit dem Wort noch mit der Tatsache, dass da ein Kind ist, welches in manchen "hoch geschätzten" Bereichen deutlich weiter ist, als die eigenen Kinder. Schwierig wird es mit den Eltern, denen die eigenen Kinder nicht "gut" genug sind, und die ständig vergleichen, dabei aber in erste Linie den Fokus auf den Defiziten des eigenen Kindes haben.

Ein bisserl muss ich aber auch die Lanze für diejenigen brechen, die mit sehr klugen, sozialen, vielseitig interessierten und auch oft noch beliebten Kindern anderer schwer umgehen können. Wenn man mit seinem Zweitklässler seit einem Jahr übt, B und P zu unterscheiden, und da kommt ein Kind frisch aus dem Kindergarten, welches sinnerfassend und mit Freude ganze Bücher liest, ist das schon frustrierend. Ebenso, wenn man seit Jahren versucht, andere Kinder einzuladen, um endliche mal Freundschaften anzubahnen, und dann muss man diese Kinder selbst bespaßen, weil das eigene Kind kein Interesse zeigt - wenn man dann sieht, wie locker-lässig soziale Kontakte bei anderen Kindern funktionieren, kann schon schnell Neid aufkommen.

So gesehen ist ein bisserl Rücksicht und Toleranz bei neidischen bzw frustrierten Eltern durchaus angebracht, auch wenn sogar das manchmal mißverstanden wird. Aber man kann ja selbst nicht immer alles so "richtig" machen, dass es für jeden passt ;) .

Ich kenne beide Situationen: die, als Mutter eine Kindes mit wirklich DEUTLICH merkbaren kognitiven Vorsprung UND die alt Mutter eines Kinder mit wirklich DEUTLICH merkbaren Defiziten. Ich habe gelernt, sowohl mit Mißtrauen und Neid, als auch mit (übertreibenem) Mitleid umzugehen. Und ich halte mich stur an die Personen, die UNS ALLE so annehmen, wie wir sind. Ich brauche weder "Freundinnen", die mich für eine Eislauf-Mutter halten, weil mein Sohn mit 4 1/2 Jahren sinnerfassend lesen konnten, noch solche, die hinter meinem Rücken dumm reden, weil mein anderer Sohn mit 6 Jahren noch Windeln braucht.

Wenn man ein Kind hat, welches nicht perfekt in eine ungeschriebene "Norm" passt, trennt sich die Spreu vom Weizen. Das ist für mich als Mutter gut, ich habe es aber nie die Kinder "ausbaden" lassen, indem ich z.B. Kontakte zu anderen Kindern verboten oder reduziert hätte.

Ich melde mich später noch mal, muss zu den Kindern :) !
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Re: Wir sind nun auch dabei....

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 29. Sep 2018, 20:43

Hallo, hier bin ich wieder! Auf die unten zitierten Beiträge will ich noch näher eingehen.

Sonnenschein12 hat geschrieben:Ich denke in der 1. Klasse ist die Spanne zwischen den Kinder sehr groß. Manche können das ABC manche erkennen den Unterschied zwischen i und l nicht.
Wie gesagt, in der Näheren Umgebung ist ein Angebot für Hochbegabte (und dazu zählen auch die wissbegierigen Kinder) und noch im Rahmen haben wir auch die Kinder-Uni (mit vier wollte sie schon dorthin aber Anmeldung erfolgt angeblich über die Schule). Vlt wird sich dann hier etwas ergeben.
Bei mir schwirrt es einfach immer wieder im Kopf das ich nicht möchte, dass sie überfordert wird.


Vergiss mal alle Gedanken bezüglich möglicher Überforderung. Glaub mir, du merkst es, wenn das der Fall ist. Wenn sie sich mit Feuereifer in 10 Kurse stürzt, dann lass sie - soweit Zeitplan und Geldbörse es zulassen - gewähren. Wenn du deutlich merkst, dass sie sich zu viel zugemutet hat, kannst zu immer noch regulierend eingreifen. Es gibt aber auch hier Kinder, die das selbst bemerken und dann auch wissen, was sie reduzieren bzw. aufgeben wollen. Mit zunehmenden Alter wissen Kinder dann ohnehin schon genauer, was sie interessiert, und was nicht, und "sieben" selbst entsprechend.

Der kognitive Unterschied zwischen gleichaltrigen Kindern wird übrigens mit zunehmenden Alter immer GRÖSSER, nicht kleiner! In der ersten Grundschulklasse sind erst mal alle Kinder bunt zusammengewürfelt(bis auf die geistig mittel bis schwer behinderten). Also von geistig leicht behindert über lernbehindert, durchschnittlich begabt und begabt bis hochbegabt. Genau dasselbe betrifft die soziale Reife der Kinder. Manche sind deutlich hintennach, viele durchschnittlich, manche deutlich voraus. Mit der Zeit zeigt sich, bei welchen Kindern ein Klassensprung sinnvoll ist, welche in die Vorschule zurückgestellt werden, welche genau "richtig" sind. So wird das Level mit der Zeit homogner. Nach der Grundschulzeit werden durch die verschiedenen Schulformen, Leistungs- und Interessensgruppen, etc. auch wieder Kinder zusammen finden, die auf ähnlichen Levels sind.

Sonnenschein12 hat geschrieben: Deshalb finde ich auch das Wort "Hochbegabt" etwas schwierig. Es heißt ja nicht, dass die Kinder alles fehlerfrei können, nur die Gesellschaft
erwartet es von ihnen und die Kinder haben oft so einen Ehrgeiz, dass sie das auch erwarten.
Sorry, wurde etwas länger
Wünsche euch einen schönen Tag


Mir erscheint Satz "die Gesellschaft erwartet" etwas voreilig. Wer ist denn das, die Gesellschaft? Und woher weißt du so genau, was diese Gesellschaft von hochbegabten Kindern erwartet? Fakt ist, dass es jede Menge Vorurteile zum Thema Hochbegabung gibt. Sowohl das von Dir beschriebene Hochleister-Vorurteil als auch das Nerd- und Sonderling-Vorurteil sowie Vorurteile, dass bei "diesen Hochbegabten" die soziale Kompetenz doch meistens unterentwickelt ist. Und dann gibt es durchaus auch Menschen, die größtenteils oder sogar komplett ohne Vorurteile auskommen. All diese Menschen werden deiner Tochter im Leben begegnen. Und einige davon werden auch ohne Erwähnung des Wörtchens "hochbegabt" ihre Schubladen aufmachen, um deine Tochter reinzustecken.

Ich bin selbst HB und mit mir wurde das (obwohl bekannt) als Kind nie kommuniziert. Es war so eine "vielleicht wächst sich das noch aus" - Einstellung meiner Eltern. Außerdem wollten sie ja nicht, dass ich vielleicht hochnäsig werde, oder mich für was besseres halte. Naja, in meiner Kindheit waren dann meine sozial-emotionalen Defizite ohnehin weit augenscheinlicher als meine Hochbegabung (und ich somit sozial-auffällig-Vorurteil ziemlich entsprochen habe :P ).

Den Ehrgeiz, sehr viel von mir selbst zu erwarten, hatte ich trotzdem. So habe ich z.B. den besten Einschulungstest von 90 Kindern gemacht, mit nur 2 Fehlern. Ich habe mich nicht etwa über das sehr gute Ergebnis gefreut, womit auch meine Hochbegabung entdeckt wurde (auch wenn sie dann jahrelang nie Thema war). Statt dessen hatte ich einen massiven Wutanfall weil ich zwei Fehler gemacht hatte. Wie hatte mir das nur passieren können?

Sehr bald nach der Einschulung ließ meine Leistungsbereitschaft schon nach. Das lag einerseits am für mich lächerlich einfachen Schulstoff und andererseits vermutlich an nie erkannter ADHS. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich wollte Dir mit dem Beispiel nur zeigen, dass Kinder niemanden "von außen" brauchen, um sich selbst unter Leistungsdruck zu setzen. Das ist eher persönlichkeitsbedingt.

Trotzdem, oder gerade deshalb, halte ich Offenheit für den besseren Weg, dem eigenen Kind zuliebe. Du hast ja in deinen Beiträgen sehr reflektiert beschrieben, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Talente haben. Deine Tochter darf ruhig von ihren Eltern hören, dass ihnen auffällt, dass sie vieles schneller begreift als andere Kinder ihres Alters. Sie wird davon keinen Schaden nehmen und sich in eurer Einschätzung wieder finden. Das heißt jetzt nicht, dass man das ständig erwähnen oder immer wieder loben soll. Aber einfach offen damit umzugehen, so wie "Der Peter ist ein ausgezeichneter Schwimmer" oder "Schau, wie toll die Alexandra zeichnen kann!", schadet nicht.

Vergiss außerdem möglichst schnell, was andere VIELLEICHT von Dir denken. Glaub mir, es ist ein Luxus, sich solche Gedanken machen zu können, wenn man daneben ein Kind hat, dem es gut geht, das wächst und gedeiht, Freude am Leben und Freunde hat :) ! Nicht zu vergleichen mit den Gedanken, die man sich schon zwei Jahre vor Schuleeintritt macht, wie man es vielleicht doch schaffen könnte, dass das Kind zumindest in den ersten Monaten probehalber nach normalem Grundschullehrplan unterrichtet wird. Und den Gedanken dann ein halbes Jahr vor Schuleintritt aufgibt, weil das Kind so eindeutig schwer behindert ist, dass ohnehin keine Rolle spielt, was auf dem Lehrplan steht :cry: . Dagegen war das leicht vorwurfsvolle "Also MEINE Kinder dürfen spielen und müssen nicht zu Hause Buchstaben lernen..." von der anderen KIGA-Mama (Anspielung auf meinen lesenden 4jährigen) ein Pappenstil! Aber durch diese harte Schule habe ich wenigstens gelernt, ICH SELBST zu sein und hinter meinen Kindern zu stehen - mit all ihren Fähigkeiten und all ihren Defiziten. "Was könnte xxx über uns denken?" ist kein Thema mehr ;) .
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