Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon BiHa » Do 8. Nov 2018, 13:45

alibaba hat geschrieben:
Edainwen hat geschrieben: Ich weiß aber auch zumindest von einem Mädchen, dass mit 5 Jahren auch schon lesen konnte und dann erst mit 6,5 Jahren eingeschult wurde.


Ich glaube, dass alleine reicht eben nicht als "muss ich jetzt eher einschulen", da es glaube ich - bei interessierten und unterstützenden Eltern, fast schon "normal" ist, dass ein Kind "lesen" kann.

Ich denke nicht, dass das nur an den Eltern liegt. Es liegt viel mehr an den Kindern. Wenn meiner gewollt hätte, hätte ich ihm auch das Lesen beigebracht, aber er wollte nicht. Und zwingen muss ich nicht.

Und dass bei Euch alle Kinder so weit waren bei der Einschulung, sagst Du ja selbst, liegt am Kindergarten. Die Kinder, die Probleme haben mit der Stifthaltung oder dem Ausschneiden, die waren aber meistens gar nicht im Kindergarten. Die kommen aus völlig desinteressierten Familien und die holen den Rückstand in der Regel auch nicht auf, eben weil es niemanden gibt, der sich darum kümmert.

Als Beispiel: Als mein Sohn 5 war, konnte er, weil interessiert, bereits die Planeten aufsagen. Er hat grammatikalisch richtige Sätze mit zum Teil Fremdwörtern gebildet, konnte zählen. Auf dem Spielplatz trafen wir regelmäßig ein Mädchen, welches genauso alt ist wie mein Sohn. Dieses war dort ohne Eltern nur mit der großen Schwester (ca. 9 Jahre), die Eltern schauten hin und wieder mal aus dem Fenster. Sie konnte weder richtige Sätze bilden noch zählen. Als sie mir erzählte, dass sie Geburtstag hatte, sagte sie "Wir Kuchen gesst". Das Level hat sich bis zur Einschulung nur wenig verbessert und sie hat bis zur Schule keine Einrichtung von innen gesehen. Ihr kleiner Bruder hat sich nicht auf die Schule gefreut, weil er dann nicht mehr zocken konnte. Der konnte genauso wenig richtig sprechen wie seine Schwester. Und diese Kinder kommen dann mit unseren in eine Klasse.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Maca » Do 8. Nov 2018, 14:09

Bei uns konnten nur sehr wenige Kinder sinnerfassend lesen, in den beiden Klassen meiner Kinder.

Erwünscht war, dass die Kinder mind. den Vormittag ohne Eltern überstehen können, eigene Interessen vertreten können, ein wenig Eigeninitiative mitbringen, aufgeschlossen und neugierig sind, kleine Arbeitsauträge eigenständig erledigen können...

Namen schreiben, richtige Stifthaltung, gut mit Schere und Klebe umgehen können... war zwar schön, wurde aber nicht zwingend erwartet und die feinmotorischen Nachzügler haben das auch aufgeholt,
genauso wie die kognitiven Spätentwickler auch irgendwann lesen, schreiben und rechnen konnten. :D

Wer, was, wann und auf welchem Niveau schon konnte wurde eher zurückhaltend kommuniziert und hat (ehrlich gesagt) auch keinen so wirklich interessiert.

Solange die Lehrer signalisierten, dass es langt, war alles gut.

LG
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Belana » Do 8. Nov 2018, 14:51

Meine Tochter wurde mit 6,0 eingeschult und konnte kurze Texte langsam sinnerfassend lesen. Es fiel allerdings nicht auf, da ihre Banknachbarin mit fast 7 Jahren immer schneller war. Die Lesehausübung haben wir auf 1x lesen reduziert und dafür ihrem Niveau entsprechende Bücher gelesen. Da sie auch über den ZR20 +/- rechnete, könnte sie sich in der 1. Klasse auf das Ankommen im Schulbetrieb und auf die Schreibschrift konzentrieren.
Wenn ich mir das Jammern befreundeter Eltern anhöre, dass ihre Kinder das Buchstabenzusammenziehen oder den Zehnerübergang noch immer nicht schaffen (für ersteres ist jetzt gerade wieder die Zeit, letzteres kommt dann im Frühling) dann bin ich wirklich froh, dass wir uns diese Probleme erspart haben.
Dafür verweigert meine Tochter leider die richtige Stifthaltung und schreibt nicht schön genug. Man kann eben nicht alles haben.
Sie ist jetzt in der 3. Klasse, liest lieber Sachbücher als Geschichten für ihre Altersstufe und langweilt sich beim Rechnen (hat aber auf fast jeder Seite mindestens einen Schlampigkeitsfehler) . Da wir bisher noch keine Noten hatten bin ich schon gespannt inwieweit ihr die Schrift Probleme bereiten wird und ob sie es schafft, ihr Wissen trotz Lärmbelästigung ("die sind so laut, da kann ich mich nicht konzentrieren....") bei den Tests auf Papier zu bringen.
Es kann also durchaus von Vorteil sein, wenn Kinder einen kognitiven Vorsprung mitbringen. Und an Langeweile leiden auch Kinder ohne Vorkenntnisse sehr bald, wenn sie neuen Stoff rasch kapieren. Da würde ich mir wirklich mehr Differenzierung wünschen.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 8. Nov 2018, 19:00

alibaba hat geschrieben:
Edainwen hat geschrieben: Ich weiß aber auch zumindest von einem Mädchen, dass mit 5 Jahren auch schon lesen konnte und dann erst mit 6,5 Jahren eingeschult wurde.


Ich glaube, dass alleine reicht eben nicht als "muss ich jetzt eher einschulen", da es glaube ich - bei interessierten und unterstützenden Eltern, fast schon "normal" ist, dass ein Kind "lesen" kann. Viel wichtiger finde ich die Beobachtung wie schnell das denn geht. Wie schnell ist einem Kind also die Logik hinter dem lesen oder dem rechnen oder dem Vorgang xy klar. Und wie schnell ist es fähig diese Logik zu transportieren, auf andere Dinge oder den nächsten Schritt anzuwenden. Braucht es einen Anschub, braucht es eine lange oder kurze Erklärung oder kommt es sogar von alleine dahinter.


Für mich hängt die Entscheidung wegen vorzeitiger Einschulung vom gesamten Entwicklungsstand des Kindes ab. Ich habe keinen meiner Kinder aktiv lesen oder rechnen beigebracht, sie waren von sich aus so früh fit. Ich habe meinem älteren Sohn mit 18-24 Monaten auf Nachfragen Buchstaben und Zahlen benannt. An seinem 2.Geburtstag könnte er alle, sein Bruder an seinem 3. Geburtstag.

Aber sozial-emotional war (und ist) mein älterer Sohn so deutlich hintennach, dass ich mich bewusst gegen vorzeitige Einschulung entschieden hat. Auch mein Sohn hätte mi 5,6 Jahren noch nicht in die Schule gewollt. Seine Aussage dazu war "Mama, ich bin noch nicht so weit. Im September 2016 ist wieder Schulanfang, da bin ich dann schon 6 Jahre alt, da wird es dann gehen!"

In 3 Monaten bekommt er sein erstes Noten-Zeugnis, wie es aussieht mit lauter 1ern. Und vor 2 Wochen hat mich seine Lehrerin angeregt, darüber nachzudenken, ihn ein weiteres Jahr an der Volksschule zu lassen, weil er einfach sozial-emotional so unreif ist.

Vorgänge wie Buchstaben-zusammenziehen waren nie ein Problem, dazu war nicht mal eine Erklärung notwendig. Aber neulich hat er z.B. in der überfüllten U-Bahn durchaus höflich eine alte Frau gefragt ob sie aufstehen könnte weil er sich hinsetzen wollte.

Ich schätze das kognitive Alter meines 8jährigen Sohnes auf 11 Jahre, von der sozial- emotionalen Entwicklung ist er ca. 5 Jahre. Die Kluft ist einfach zu groß um seinem kognitiven Vorsprung Rechnung zu tragen.Da seine Grundschulklasse eine Mehrstufenklasse ist fällt das jetzt nicht so gewaltig auf. Im Gymnasium wird die Sache ganz, ganz anders aussehen. Ich überlege ernsthaft, das Angebot der Lehrerin anzunehmen . Grotesk, wenn man die schulischen Leistungen anschaut, aber trotzdem vermutlich sinnvoll.

Um zur TE zurückzukommen: gute kognitive Fähigkeiten sind super, damit das Kind sich in der Schule wohlfühlt und zeigen kann, was es kann. Ein sozial- emotional durchschnittliches, kluges Kind wird auch mit zeitweiliger Langeweile umgehen können, wenn der Unterschied zum Klassendurchschnitt nicht zu groß ist. Hat Willow finde ich schön beschrieben ;) .
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Willow77 » Do 8. Nov 2018, 19:38

@ BiHa: Bei uns ist der Kindergarten pflicht. ALLE Kinder die in dem Alter im Land waren, waren im Kindergarten, bevor sie zu uns ins 1. Schuljahr kommen. Und trotzdem gibt es noch Kinder die die Stifthaltung nicht beherrschen, nicht schneiden können, schlecht sprechen, ...
Bei uns ist ganz klar: der Kindergarten kann nicht alle Defizite ausbügeln. Anscheinend gibt es mittlerweile viele Kinder die in den Kindergarten kommen, und nicht richtig kauen/essen können, weil sie immer noch alles püriert und/oder durch die Flasche bekommen, wie Babies.
Mir hat einmal eine Mutter eines Kindes mit vielen Defiziten erzählt: "Aber uns ist nie etwas aufgefallen, er war immer so ein braves Kind, saß vor dem Fernseher, hat nicht gemeckert, hat sich nur gemeldet wenn er Hunger hatte, oder die Windel voll hatte. Erst als er mit 3,5 Jahren noch immer kein einziges Wort gesagt hat, haben wir uns Sorgen gemacht."
Eine andere Mutter erzählte mal, sie würde ihrem Kind nichts vorlesen, keine Geschichten, keine Bücher, nix, weil sie die Sprache(n) unseres Landes nicht beherrscht, und wenn das Kind zu viel Kontakt mit seiner Muttersprache hat, lernt es unsere Sprachen nicht.

Ich denke, ob ein Kind Vorwissen hat, wenn es in die Schule kommt, und da dann gut lernt, ist immer multifaktoriel: Sind die Eltern fähig, Wissen an die Kinder ran zu bringen? Sind die Kinder fähig, es aufzunehmen? Sind in Kindergarten/Schule genug Möglichkeiten da, eventuelle Defizite frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern?

Dein Beispiel finde ich übrigens sehr interessant. Bei uns kommen "diese" Kinder auch mit "unseren" in eine Klasse, die Defizite sind nicht weg, trotz Kindergartenpflicht.

LG,
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Koschka » Do 8. Nov 2018, 19:50

Es gibt einfach Kinder mit Entwicklungsverzögerungen. Da kann man lange bügeln, sie sind und bleiben langsam. Wenn sie in den Kindergarten gehen mit dem deutschen Betreuungsschlüssel, dann wird die ganze Entwicklung nicht unbedingt besser. Meines Erachtens soll das System sich damit abfinden, dass Kinder schon im 1. Schuljahr kognitiv gesehen 3 Jahre auseinader liegen können. Das aktuelle deutsche System kann in der Grundschule weder mit Begabung noch nicht Intelligenzminderung umgehen.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon BiHa » Do 8. Nov 2018, 22:00

Willow77 hat geschrieben:Dein Beispiel finde ich übrigens sehr interessant. Bei uns kommen "diese" Kinder auch mit "unseren" in eine Klasse, die Defizite sind nicht weg, trotz Kindergartenpflicht.

Oh, das hört sich ja schlimm an, das hatte ich so gar nicht gemeint. Die Unterscheidung sollte lediglich auf den kognitiven Unterschied hinweisen. :fahne: :shock:
Ich fänd es toll, wenn bei uns der Kindergarten auch Pflicht wäre. Das besagte Mädchen ist nämlich tatsächlich sehr interessiert, hat aber kaum jemanden, der sich bemüht. Und ich finde die Leistung der Lehrer, die unterschiedlichen Kinder unter einen Hut zu bringen, super. Aber am Ende bleibt es gefühlt immer so, dass jemand auf der Strecke bleibt.

Mit meinem Sohn wurde ein Junge eingeschult, der ist erst ein halbes Jahr früher trocken geworden, er wurde in die Schule getragen (obwohl er laufen konnte) und war auch sonst sehr unselbständig. Aber er konnte bereits sinnerfassend und fließend lesen.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Koschka » Fr 9. Nov 2018, 11:05

BiHa hat geschrieben:

Ich fänd es toll, wenn bei uns der Kindergarten auch Pflicht wäre. Das besagte Mädchen ist nämlich tatsächlich sehr interessiert, hat aber kaum jemanden, der sich bemüht. Und ich finde die Leistung der Lehrer, die unterschiedlichen Kinder unter einen Hut zu bringen, super. Aber am Ende bleibt es gefühlt immer so, dass jemand auf der Strecke bleibt.



An der Stelle packt mich die blanke Wut... Nur weil du glaubst, ein Kind das du nur oberflächlich kennst, wäre in einer Kindereinrichtung tags besser aufgehoben als zuhause, müssen ALLE Kinder fremdbetreut werden? Da ist der Weg nicht weit zu sagen, das Kind muss ganz aus der Familie raus, in eine Institution, die es besser versorgen kann. Haben die Engländer in allen anglosachsischen Ländern auch gemacht, bis in die 70er Jahren. Die Australier haben grundsätzlich alle Halbblutkinder eingesammelt und in die grausamen Heime gesteckt, unter anderem weil sie der Meinung waren, die Eltern seien unfähig aus ihren Kinder als Menschen groß zu ziehen.

Solange das Kind keine angeborene Defizite hat, entwickelt es sich auch unter nicht optimalen Bedingungen, unter anderrem auch vorm Fernsehen. Wenn ein mentaler oder physischer Schaden da ist, muss schon sehr viel geschehen, damit die Entwicklung des Kindes sich beschleunigt... und das kann nur im Einverständnis mit den Eltern passieren. Denn das ist ein Grundrecht der Eltern über die Erziehung ihrer Kinder selber Entscheidungen treffen zu können.
Zuletzt geändert von Koschka am Fr 9. Nov 2018, 12:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon charlotte12 » Fr 9. Nov 2018, 12:04

Mir hat einmal eine Mutter eines Kindes mit vielen Defiziten erzählt: "Aber uns ist nie etwas aufgefallen, er war immer so ein braves Kind, saß vor dem Fernseher, hat nicht gemeckert, hat sich nur gemeldet wenn er Hunger hatte, oder die Windel voll hatte. Erst als er mit 3,5 Jahren noch immer kein einziges Wort gesagt hat, haben wir uns Sorgen gemacht."

Exakt dasselbe habe ich auch von einer Mutter eines entwicklungsverzögerten Kindes gehört. Nur ohne Fernseher, dieses Kind hatte immer alleine vor sich hingespielt, war super brav und pflegeleicht, sprach aber kaum. Diese Mutter ist erst aufgewacht, als die Vorschul-Lehrerin statt der normalen Grundschule die Sonderschule empfahl. Zu dem Zeitpunkt war das Kind schon drei Jahre im Kindergarten.
Schwer zu sagen, wann so etwas auffallen müsste. Als ich vor Jahren mit Freunden über mein damals auffällig früh lesenden Kind sprach, erfuhr ich, dass denen wohl schon lange ein immenser Entwicklungsvorsprung aufgefallen war. Mir nicht :oops:
Ich bin eher für verpflichtende (gründlicher als üblich durchgeführte und engermaschige) U-Untersuchungen mit ausführlicher Beratung und Hilfsangeboten bei Auffälligkeiten als für eine allgemeine Kindergarten-Pflicht .
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 9. Nov 2018, 12:22

BiHa hat geschrieben:Ich fänd es toll, wenn bei uns der Kindergarten auch Pflicht wäre. Das besagte Mädchen ist nämlich tatsächlich sehr interessiert, hat aber kaum jemanden, der sich bemüht. Und ich finde die Leistung der Lehrer, die unterschiedlichen Kinder unter einen Hut zu bringen, super. Aber am Ende bleibt es gefühlt immer so, dass jemand auf der Strecke bleibt.

Mit meinem Sohn wurde ein Junge eingeschult, der ist erst ein halbes Jahr früher trocken geworden, er wurde in die Schule getragen (obwohl er laufen konnte) und war auch sonst sehr unselbständig. Aber er konnte bereits sinnerfassend und fließend lesen.


Naja, ob KindergartenPFLICHT immer toll ist hängt in erster Linie von der Qualität der Kindergärten an. In Wien ist ja das letzte Jahr vor Schuleinstieg Kindergartenpflicht. Da nimmt die Gemeinde aber auch wirklich viel Geld in die Hand, um sowohl städtische als auch private Kindergärten optimal fu fördern. In städtischen Kindergärten sind z.B. pro Kindergartengruppe ( max.25 Kinder, 3-6 Jahre) fix 2 Pädagoginnen und zwei Helferinnen angestellt. Der Großteil der Kindergärten bietet übrigens ein Ganztagsangebot und auch Ferienbetreuung mit maximal 4 Wochen Schließzeit im Jahr. Im benachbarten NÖ gibt es Kindergärten fast nur halbtags, es ist schwer, Plätze zu bekommen, und für eine Kindergartengruppe reicht eine Pädagogin und eine (Teilzeit-)Helferin. Manche dieser Kindergärten haben außerdem in allen Schulferien geschlossen. Das macht einen merkbaren Qualitätsunterschied. Vom verpflichtenden Kindergartenjahr in Wien profitieren in erster Linie Kinder mit Migrationshintergrund (sprachlich!) und Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Aber so was kostet halt auch viel mehr, als nur die "Beaufsichtigung" der Kinder, wie sie leider anderenorts durchaus üblich ist.

Ich sehe es ähnlich wie Koschka. Gesunde Kinder entwickeln sich auch ohne Kindergarten gut, die brauchen niemanden, der sich speziell "um sie bemüht". Und es gibt nun mal Kinder, wo man sich bemühen, bemühen, bemühen kann und da tut sich nichts. Mein älterer Sohn konnte auch längst lesen, als er in die Schule kam, war aber erst ein paar Monate ohne (Tages-)Windel! Das war aber nicht, weil ich (oder der Kindergarten) zu dumm gewesen wäre, ihn auf den Topf zu setzen oder aufs Klo zu schicken. Und dieselben Leute, die davon ausgegangen sind, ich hätte das lesen (heimlich!) mit meinem Sohn geübt, haben schadenfroh geschaut, wenn wir wieder mal ein Sackerl mit einer nassen Hose vom Kindergarten mitbekommen haben.

Ich bin auch in einem anderen Forum, für behinderte Kinder, und dort sind JEDE Menge sehr bemühter Eltern, deren Kinder einfach 5x so lange brauchen um die einfachsten Dinge zu machen oder zu verstehen. Da stellt sich echt die Frage, ob das Kind im Kindergarten mehr "lernt" als in einem GANZ NORMALEN Zuhause. Also ohne spezielle Fördermaßnahmen wir PEKIP, Kinderschwimmen, musikalische Früherziehung usw. Nur ganz einfach zu Hause spielen, durchaus auch mal fernsehen oder Tablett spielen, mit Mama einkaufen, auf dem Spielplatz, hie und da vielleicht mal was aus einer Kinderzeitschrift basteln oder beim kochen helfen,...
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