Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Belana » Do 8. Nov 2018, 14:51

Meine Tochter wurde mit 6,0 eingeschult und konnte kurze Texte langsam sinnerfassend lesen. Es fiel allerdings nicht auf, da ihre Banknachbarin mit fast 7 Jahren immer schneller war. Die Lesehausübung haben wir auf 1x lesen reduziert und dafür ihrem Niveau entsprechende Bücher gelesen. Da sie auch über den ZR20 +/- rechnete, könnte sie sich in der 1. Klasse auf das Ankommen im Schulbetrieb und auf die Schreibschrift konzentrieren.
Wenn ich mir das Jammern befreundeter Eltern anhöre, dass ihre Kinder das Buchstabenzusammenziehen oder den Zehnerübergang noch immer nicht schaffen (für ersteres ist jetzt gerade wieder die Zeit, letzteres kommt dann im Frühling) dann bin ich wirklich froh, dass wir uns diese Probleme erspart haben.
Dafür verweigert meine Tochter leider die richtige Stifthaltung und schreibt nicht schön genug. Man kann eben nicht alles haben.
Sie ist jetzt in der 3. Klasse, liest lieber Sachbücher als Geschichten für ihre Altersstufe und langweilt sich beim Rechnen (hat aber auf fast jeder Seite mindestens einen Schlampigkeitsfehler) . Da wir bisher noch keine Noten hatten bin ich schon gespannt inwieweit ihr die Schrift Probleme bereiten wird und ob sie es schafft, ihr Wissen trotz Lärmbelästigung ("die sind so laut, da kann ich mich nicht konzentrieren....") bei den Tests auf Papier zu bringen.
Es kann also durchaus von Vorteil sein, wenn Kinder einen kognitiven Vorsprung mitbringen. Und an Langeweile leiden auch Kinder ohne Vorkenntnisse sehr bald, wenn sie neuen Stoff rasch kapieren. Da würde ich mir wirklich mehr Differenzierung wünschen.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 8. Nov 2018, 19:00

alibaba hat geschrieben:
Edainwen hat geschrieben: Ich weiß aber auch zumindest von einem Mädchen, dass mit 5 Jahren auch schon lesen konnte und dann erst mit 6,5 Jahren eingeschult wurde.


Ich glaube, dass alleine reicht eben nicht als "muss ich jetzt eher einschulen", da es glaube ich - bei interessierten und unterstützenden Eltern, fast schon "normal" ist, dass ein Kind "lesen" kann. Viel wichtiger finde ich die Beobachtung wie schnell das denn geht. Wie schnell ist einem Kind also die Logik hinter dem lesen oder dem rechnen oder dem Vorgang xy klar. Und wie schnell ist es fähig diese Logik zu transportieren, auf andere Dinge oder den nächsten Schritt anzuwenden. Braucht es einen Anschub, braucht es eine lange oder kurze Erklärung oder kommt es sogar von alleine dahinter.


Für mich hängt die Entscheidung wegen vorzeitiger Einschulung vom gesamten Entwicklungsstand des Kindes ab. Ich habe keinen meiner Kinder aktiv lesen oder rechnen beigebracht, sie waren von sich aus so früh fit. Ich habe meinem älteren Sohn mit 18-24 Monaten auf Nachfragen Buchstaben und Zahlen benannt. An seinem 2.Geburtstag könnte er alle, sein Bruder an seinem 3. Geburtstag.

Aber sozial-emotional war (und ist) mein älterer Sohn so deutlich hintennach, dass ich mich bewusst gegen vorzeitige Einschulung entschieden hat. Auch mein Sohn hätte mi 5,6 Jahren noch nicht in die Schule gewollt. Seine Aussage dazu war "Mama, ich bin noch nicht so weit. Im September 2016 ist wieder Schulanfang, da bin ich dann schon 6 Jahre alt, da wird es dann gehen!"

In 3 Monaten bekommt er sein erstes Noten-Zeugnis, wie es aussieht mit lauter 1ern. Und vor 2 Wochen hat mich seine Lehrerin angeregt, darüber nachzudenken, ihn ein weiteres Jahr an der Volksschule zu lassen, weil er einfach sozial-emotional so unreif ist.

Vorgänge wie Buchstaben-zusammenziehen waren nie ein Problem, dazu war nicht mal eine Erklärung notwendig. Aber neulich hat er z.B. in der überfüllten U-Bahn durchaus höflich eine alte Frau gefragt ob sie aufstehen könnte weil er sich hinsetzen wollte.

Ich schätze das kognitive Alter meines 8jährigen Sohnes auf 11 Jahre, von der sozial- emotionalen Entwicklung ist er ca. 5 Jahre. Die Kluft ist einfach zu groß um seinem kognitiven Vorsprung Rechnung zu tragen.Da seine Grundschulklasse eine Mehrstufenklasse ist fällt das jetzt nicht so gewaltig auf. Im Gymnasium wird die Sache ganz, ganz anders aussehen. Ich überlege ernsthaft, das Angebot der Lehrerin anzunehmen . Grotesk, wenn man die schulischen Leistungen anschaut, aber trotzdem vermutlich sinnvoll.

Um zur TE zurückzukommen: gute kognitive Fähigkeiten sind super, damit das Kind sich in der Schule wohlfühlt und zeigen kann, was es kann. Ein sozial- emotional durchschnittliches, kluges Kind wird auch mit zeitweiliger Langeweile umgehen können, wenn der Unterschied zum Klassendurchschnitt nicht zu groß ist. Hat Willow finde ich schön beschrieben ;) .
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Willow77 » Do 8. Nov 2018, 19:38

@ BiHa: Bei uns ist der Kindergarten pflicht. ALLE Kinder die in dem Alter im Land waren, waren im Kindergarten, bevor sie zu uns ins 1. Schuljahr kommen. Und trotzdem gibt es noch Kinder die die Stifthaltung nicht beherrschen, nicht schneiden können, schlecht sprechen, ...
Bei uns ist ganz klar: der Kindergarten kann nicht alle Defizite ausbügeln. Anscheinend gibt es mittlerweile viele Kinder die in den Kindergarten kommen, und nicht richtig kauen/essen können, weil sie immer noch alles püriert und/oder durch die Flasche bekommen, wie Babies.
Mir hat einmal eine Mutter eines Kindes mit vielen Defiziten erzählt: "Aber uns ist nie etwas aufgefallen, er war immer so ein braves Kind, saß vor dem Fernseher, hat nicht gemeckert, hat sich nur gemeldet wenn er Hunger hatte, oder die Windel voll hatte. Erst als er mit 3,5 Jahren noch immer kein einziges Wort gesagt hat, haben wir uns Sorgen gemacht."
Eine andere Mutter erzählte mal, sie würde ihrem Kind nichts vorlesen, keine Geschichten, keine Bücher, nix, weil sie die Sprache(n) unseres Landes nicht beherrscht, und wenn das Kind zu viel Kontakt mit seiner Muttersprache hat, lernt es unsere Sprachen nicht.

Ich denke, ob ein Kind Vorwissen hat, wenn es in die Schule kommt, und da dann gut lernt, ist immer multifaktoriel: Sind die Eltern fähig, Wissen an die Kinder ran zu bringen? Sind die Kinder fähig, es aufzunehmen? Sind in Kindergarten/Schule genug Möglichkeiten da, eventuelle Defizite frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern?

Dein Beispiel finde ich übrigens sehr interessant. Bei uns kommen "diese" Kinder auch mit "unseren" in eine Klasse, die Defizite sind nicht weg, trotz Kindergartenpflicht.

LG,
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon BiHa » Do 8. Nov 2018, 22:00

Willow77 hat geschrieben:Dein Beispiel finde ich übrigens sehr interessant. Bei uns kommen "diese" Kinder auch mit "unseren" in eine Klasse, die Defizite sind nicht weg, trotz Kindergartenpflicht.

Oh, das hört sich ja schlimm an, das hatte ich so gar nicht gemeint. Die Unterscheidung sollte lediglich auf den kognitiven Unterschied hinweisen. :fahne: :shock:
Ich fänd es toll, wenn bei uns der Kindergarten auch Pflicht wäre. Das besagte Mädchen ist nämlich tatsächlich sehr interessiert, hat aber kaum jemanden, der sich bemüht. Und ich finde die Leistung der Lehrer, die unterschiedlichen Kinder unter einen Hut zu bringen, super. Aber am Ende bleibt es gefühlt immer so, dass jemand auf der Strecke bleibt.

Mit meinem Sohn wurde ein Junge eingeschult, der ist erst ein halbes Jahr früher trocken geworden, er wurde in die Schule getragen (obwohl er laufen konnte) und war auch sonst sehr unselbständig. Aber er konnte bereits sinnerfassend und fließend lesen.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon charlotte12 » Fr 9. Nov 2018, 12:04

Mir hat einmal eine Mutter eines Kindes mit vielen Defiziten erzählt: "Aber uns ist nie etwas aufgefallen, er war immer so ein braves Kind, saß vor dem Fernseher, hat nicht gemeckert, hat sich nur gemeldet wenn er Hunger hatte, oder die Windel voll hatte. Erst als er mit 3,5 Jahren noch immer kein einziges Wort gesagt hat, haben wir uns Sorgen gemacht."

Exakt dasselbe habe ich auch von einer Mutter eines entwicklungsverzögerten Kindes gehört. Nur ohne Fernseher, dieses Kind hatte immer alleine vor sich hingespielt, war super brav und pflegeleicht, sprach aber kaum. Diese Mutter ist erst aufgewacht, als die Vorschul-Lehrerin statt der normalen Grundschule die Sonderschule empfahl. Zu dem Zeitpunkt war das Kind schon drei Jahre im Kindergarten.
Schwer zu sagen, wann so etwas auffallen müsste. Als ich vor Jahren mit Freunden über mein damals auffällig früh lesenden Kind sprach, erfuhr ich, dass denen wohl schon lange ein immenser Entwicklungsvorsprung aufgefallen war. Mir nicht :oops:
Ich bin eher für verpflichtende (gründlicher als üblich durchgeführte und engermaschige) U-Untersuchungen mit ausführlicher Beratung und Hilfsangeboten bei Auffälligkeiten als für eine allgemeine Kindergarten-Pflicht .
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 9. Nov 2018, 12:22

BiHa hat geschrieben:Ich fänd es toll, wenn bei uns der Kindergarten auch Pflicht wäre. Das besagte Mädchen ist nämlich tatsächlich sehr interessiert, hat aber kaum jemanden, der sich bemüht. Und ich finde die Leistung der Lehrer, die unterschiedlichen Kinder unter einen Hut zu bringen, super. Aber am Ende bleibt es gefühlt immer so, dass jemand auf der Strecke bleibt.

Mit meinem Sohn wurde ein Junge eingeschult, der ist erst ein halbes Jahr früher trocken geworden, er wurde in die Schule getragen (obwohl er laufen konnte) und war auch sonst sehr unselbständig. Aber er konnte bereits sinnerfassend und fließend lesen.


Naja, ob KindergartenPFLICHT immer toll ist hängt in erster Linie von der Qualität der Kindergärten an. In Wien ist ja das letzte Jahr vor Schuleinstieg Kindergartenpflicht. Da nimmt die Gemeinde aber auch wirklich viel Geld in die Hand, um sowohl städtische als auch private Kindergärten optimal fu fördern. In städtischen Kindergärten sind z.B. pro Kindergartengruppe ( max.25 Kinder, 3-6 Jahre) fix 2 Pädagoginnen und zwei Helferinnen angestellt. Der Großteil der Kindergärten bietet übrigens ein Ganztagsangebot und auch Ferienbetreuung mit maximal 4 Wochen Schließzeit im Jahr. Im benachbarten NÖ gibt es Kindergärten fast nur halbtags, es ist schwer, Plätze zu bekommen, und für eine Kindergartengruppe reicht eine Pädagogin und eine (Teilzeit-)Helferin. Manche dieser Kindergärten haben außerdem in allen Schulferien geschlossen. Das macht einen merkbaren Qualitätsunterschied. Vom verpflichtenden Kindergartenjahr in Wien profitieren in erster Linie Kinder mit Migrationshintergrund (sprachlich!) und Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Aber so was kostet halt auch viel mehr, als nur die "Beaufsichtigung" der Kinder, wie sie leider anderenorts durchaus üblich ist.

Ich sehe es ähnlich wie Koschka. Gesunde Kinder entwickeln sich auch ohne Kindergarten gut, die brauchen niemanden, der sich speziell "um sie bemüht". Und es gibt nun mal Kinder, wo man sich bemühen, bemühen, bemühen kann und da tut sich nichts. Mein älterer Sohn konnte auch längst lesen, als er in die Schule kam, war aber erst ein paar Monate ohne (Tages-)Windel! Das war aber nicht, weil ich (oder der Kindergarten) zu dumm gewesen wäre, ihn auf den Topf zu setzen oder aufs Klo zu schicken. Und dieselben Leute, die davon ausgegangen sind, ich hätte das lesen (heimlich!) mit meinem Sohn geübt, haben schadenfroh geschaut, wenn wir wieder mal ein Sackerl mit einer nassen Hose vom Kindergarten mitbekommen haben.

Ich bin auch in einem anderen Forum, für behinderte Kinder, und dort sind JEDE Menge sehr bemühter Eltern, deren Kinder einfach 5x so lange brauchen um die einfachsten Dinge zu machen oder zu verstehen. Da stellt sich echt die Frage, ob das Kind im Kindergarten mehr "lernt" als in einem GANZ NORMALEN Zuhause. Also ohne spezielle Fördermaßnahmen wir PEKIP, Kinderschwimmen, musikalische Früherziehung usw. Nur ganz einfach zu Hause spielen, durchaus auch mal fernsehen oder Tablett spielen, mit Mama einkaufen, auf dem Spielplatz, hie und da vielleicht mal was aus einer Kinderzeitschrift basteln oder beim kochen helfen,...
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon BiHa » Fr 9. Nov 2018, 16:09

Mir geht es ja um die Kinder mit Migrationshintergrund oder aus schwierigen Verhältnissen. Wir haben Kinder mit Migrationshintergrund, die können noch in der 3. Klasse kaum Deutsch sprechen, weil sie sich nur während der Schulstunden im deutschsprachigen Bereichen aufhalten. Sofort nach dem Unterricht geht es nach Hause und dort wird dann in der Muttersprache gesprochen. Die Kinder haben meiner Meinung nach keine Chance.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 10. Nov 2018, 10:21

BiHa hat geschrieben:Mir geht es ja um die Kinder mit Migrationshintergrund oder aus schwierigen Verhältnissen. Wir haben Kinder mit Migrationshintergrund, die können noch in der 3. Klasse kaum Deutsch sprechen, weil sie sich nur während der Schulstunden im deutschsprachigen Bereichen aufhalten. Sofort nach dem Unterricht geht es nach Hause und dort wird dann in der Muttersprache gesprochen. Die Kinder haben meiner Meinung nach keine Chance.


Ich bin durchaus überzeugt, dass verpflichtender Kindergartenbesuch DIESEN Kindern helfen kann. Aber eben nur, wenn der Kindergarten deutlich MEHR ist als nur eine Aufbewahrungsstätte. Ich sehe die massiven Qualitätsunterschiede zwischen Kindergärten in Wien und NÖ - zwei benachbarten, österreichischen Bundesländern!

Und da ist ja auch ein gewaltiger Kostenunterschied. In NÖ sind Euro 400,- pro Monat für einen Halbtagesplatz (meistens ohne Mittagessen) durchaus üblich. In Wien ist Kindergarten kostenlos, es wird nur ein Essensbeitrag eingehoben, der sich nach dem echten Bedard (also ob das Kind halb- oder ganztags im Kindergarten ist) richtet und den man z.B. nicht zahlen muss, wenn man eine wochenweise (angekündigt) auf Urlaub ist. Akutell ist der Kostenbeitrag für das Essen (hochwertige Bio-Qualität) für ganztags ca. Euro 65,- pro Monat. Sozial schwache Familien bekommen da noch eine Ermäßigung.

Was ich damit sagen will: ein Gesetz zum verpflichtenden Kindergartenbesuch hilft nur dann, wenn der Kindergarten auch wirklich GUT ist, also einen guten Betreuungsschlüssel und gut ausgebildete, motiverte PädagogInnen hat. Außerdem muss er auch für sozial schwache Familie LEISTBAR sein. Euro 400,- monatlich für mittelmäßige Halbtags-Aufbewahrung des Kindes zu zahlen können sich sozial durchschnittlich gestellte Eltern durchaus leisten, wenn man von Mindestsicherung (oder in D Harz 4) lebt, schaut das schon ganz anders aus!

Dabei darf man nicht vergessen, das gerade sozial schwache Eltern sich kaum zu etwas aufraffen können, was ihnen keinen erkennbaren Vorteil bringt. Die Kinder tatsüber gut betreut und mit geregelten Mahlzeiten versorgt zu wissen ist durchaus ein Ansporn. Sie um 9h in eine Einrichtung zu bringen und um 12h wieder abzuholen und dafür auch noch einen Haufen Geld zu zahlen, nicht!

Wegen Sprachdefiziten gibt es grundsätzlich mehr Möglichkeiten (verpflichtende Deutsch-Klassen sind eine davon), aber da gleich im Kindergarten anzusetzen, empfinde ich am besten. Aber auch dafür müssen die Pädagoginnen erst mal geschult werden. Wenn ein, zwei Kinder mit schlechten Sprachkenntnissen in einer KIGA-Gruppe sind dann laufen die locker mit und lernen deutsch (bei normaler Intelligenz) schnell "nebenbei". In Gegenden mit hoher Migrationsrate sind aber oft von 25 Kindern einer Gruppe die Hälfte (oder mehr) nicht deutsch-muttersprachig. Da kann durchaus das passieren, was Koschka beschreibt: diese Kinder spielen einfach untereinander, und die (auf Grund des schlechten Betreuungssschlüssels) ohnehin überforderten PädagogInnen lassen sie gewähren. So lernen sie aber kein deutsch!

Wenn also nicht die passende Infrastruktur vorhanden ist, um diese Kinder WIRKLICH zu unterstützen, finde ich speziell ausgebildete, mobile DeutschlehrerInnen, die (ähnlich FrühförderInnen) regelmäßig kostenlos direkt zu den betroffenen Familien kommen, sinnvoller. Um die Familien, für die eine solche Möglichkeit sinnvoll ist, herauszufinden, müsste man aber eine verpflichtende Sprachtestung für Kinder einführen, z.B. mit 4 Jahren, an die z.B. der Weiterbezug der FBH gekoppelt ist.

In der Hinsicht gibt es sicher noch viel, viel mehr Möglichkeiten, je nachdem, wie viel Geld man bereit ist, dafür in die Hand zu nehmen (auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene).
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon sinus » Mi 14. Nov 2018, 09:41

Lou hat geschrieben:Mit Blick auf die noch vor uns liegenden Monate bis zur Einschulung frage ich mich nun:
Mit welchem Kenntnisstand sind eure Kinder eingeschult worden?
Welchen Kenntnisstand hatten die meisten anderen Kinder im Vergleich?
Ist das „Erkennen des eigenen Namens“ tatsächlich der Wissensstand vieler Kinder?

Viele Grüße,
Lou


Meine inzwischen hb getestete Tochter schrieb ca. mit 5 gelegentlich die Namen ihrer Kindergartenfreunde nach Gehör (SLINA, ELI für Selina und Elli), kannte aber bis zur Einschulung nur Großbuchstaben. Kurz bevor sie 6 wurde, wollte sie von mir, als wir grad unterwegs waren, wissen, wie lesen geht und hat es dann auch gleich begriffen - ihr erstes gelesenes Wort war BUS an der Haltestelle.
An dem Tag entzifferte sie noch einige andere in Großbuchstaben geschriebene Wörter, das längste war RAPUNZEL auf der Schokocreme.
Danach war das Thema erstmal nicht mehr interessant und richtig lesen lernte sie dann in der Schule, in die sie mit 6 Jahren 9 Monaten kam.
Rechnen: sie konnte bis knapp über 20 zählen und rechnen, mehr brauchte sie nicht und interessierte sie nicht.
Beim plus und minus rechnen verrechnete sie sich im Kigaalter noch oft um 1, dafür multiplizierte sie mit 4 Jahren. ("Wie viele Fischstäbchen brauchen wir, wenn 5 Leute je 3 essen wollen?"). Ich nehme an, sie zählte das in Gruppen innerlich ab. (Also 123-456- etc pp)
Das mit dem Multiplizieren fanden wir damals auffällig, alles andere eigentlich relativ normal.
Sie benutzte zum Rechnen aber nie die Finger, rechnete immer leise im Kopf.
Aufgaben gestellt bekommen wollte sie nie, da verweigerte sie immer mit den Worten: das kann ich nicht.
Ihren Namen konnte sie mit 3 schreiben, der ist aber sehr einfach (insgesamt 4 Buchstaben, aber nur 3 verschiedene)

Meine Kleine ist jetzt knapp 4einhalb und wird regulär 2020 eingeschult. Sie rechnet fast fehlerfrei plus und minus im 10er Raum. Sie lässt sich aber im Gegensatz zur großen Schwester auch gern Aufgaben stellen und hat drum etwas mehr Übung. Sie benutzt zum Rechnen die Finger.
Sie zählt sicher bis 15, mit etwas Hilfe auch bis fast 50 weiter. Also das Prinzip hat sie verstanden, aber sie vergisst ab 15 immermal einfach noch die eine oder andere Zahl. Wenn ich sie korrigiere, zählt sie dann aber richtig weiter.
Sie kennt fast alle Großbuchstaben und schreibt damit Fantasieworte. Kann aber noch nicht lesen. Allerdings sagte sie sie schon ab und zu, dass sie es gern lernen möchte und fragt auch beim Vorlesen manchmal gezielt nach Worten: "Wo genau steht das Mama?".
Ihren Namen - 6 Buchstaben - kann sie nur dann allein schreiben, wenn man ihr die einzelnen Buchstaben diktiert. Aber ich denke, diese Hilfe braucht sie nicht mehr allzu lange.

In unserem Umfeld konnten die meisten Kinder zur Einschulung im 10er Raum rechnen und ihren Namen sicher schreiben.
Ein Freund meiner Tochter, der insgesamt nicht hb ist, aber eine hohe Sprachbegabung hat (er ist im Rahmen einer anderen Sache getestet worden) schrieb seiner Mutter schon mit 6 - vor Einschulung - kleine Nachrichten, Briefe und Geschichten. (In Großbuchstaben.)

In der Klasse meiner Großen (22 Schüler damals) sagte die Lehrerin mal zu mir, dass offensichtlich zwei Kinder schon lesend eingeschult worden seien. Eine davon sei meine Tochter. Ich meinte daraufhin, dass sie es eigentlich noch nicht so wirklich konnte, maximal wusste, wie man einzelne Worte entziffert ... Da wunderte sich die Lehrerin und meinte, dann habe sie es aber sehr schnell gelernt.
Zuletzt geändert von sinus am Mi 14. Nov 2018, 10:47, insgesamt 13-mal geändert.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon sinus » Mi 14. Nov 2018, 10:06

Koschka hat geschrieben:Wichtig ist nicht der Stand der Dinge, wer was kann, sondern das Potenzial. Es gibt gut geförderte Kinder, die vor der Einschulung schon lesen können. Es gibt auch hochbegabte Kinder, die vor der Einchulung kein Interesse am Lesen hatten. Von denen gibt es wiederum welche, die rasant schnell lesen lernen, und welche, die kämpfen. Für Mathe gilt das gleiche. Ein normal begabtes gut trainiertes Kind kann besser rechnen als ein hochbegabtes.


Ja, das kann ich bestätigen. Meine Tochter hatte z.B. im mathematisch-schlussfolgernden Bereich einen Wert von größer PR 99 (entspricht etwa einem IQ-Wert von 140); aber pures Rechnen ist nicht so ihr Ding.
Mag sie nicht, macht sie nur, wenn sie muss und darum verrechnet sie sich dann auch oft mal, weil ihr schlicht die Übung fehlt. Das hat sie sogar schon selbst bemerkt, dass sie langsamer im Rechnen ist als so manch anderer in der Klasse. Mathe als Unterrichtsfach hasst sie regelrecht.
Sie liebt dafür aber Sach- und Knobelaufgaben und löst verzwickte Rätsel oft sehr viel schneller als ich.
Zuletzt geändert von sinus am Mi 14. Nov 2018, 10:49, insgesamt 4-mal geändert.
sinus
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