Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon BiHa » Fr 9. Nov 2018, 16:09

Mir geht es ja um die Kinder mit Migrationshintergrund oder aus schwierigen Verhältnissen. Wir haben Kinder mit Migrationshintergrund, die können noch in der 3. Klasse kaum Deutsch sprechen, weil sie sich nur während der Schulstunden im deutschsprachigen Bereichen aufhalten. Sofort nach dem Unterricht geht es nach Hause und dort wird dann in der Muttersprache gesprochen. Die Kinder haben meiner Meinung nach keine Chance.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Koschka » Fr 9. Nov 2018, 17:11

Diese Kinder sollen in der Schule auf besondere Weise unterrichtet werden. Ich kenne eine Lehrerin, die in der 1. Klasse für die Kinder ohne Deutschkentnisse eine ganze Playmobillandschaft aufgebaut hat. Daneben fand sie Zeit für die schnellen Kinder und nebenbei auch den Rest der Klasse unterrichtet.

Es bringt nicht viel diese Kinder in eine billige Aufbewahrungseinrichtung zu stecken. Dort spielen sie nur im besten Fall ungestört unter sich.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 10. Nov 2018, 10:21

BiHa hat geschrieben:Mir geht es ja um die Kinder mit Migrationshintergrund oder aus schwierigen Verhältnissen. Wir haben Kinder mit Migrationshintergrund, die können noch in der 3. Klasse kaum Deutsch sprechen, weil sie sich nur während der Schulstunden im deutschsprachigen Bereichen aufhalten. Sofort nach dem Unterricht geht es nach Hause und dort wird dann in der Muttersprache gesprochen. Die Kinder haben meiner Meinung nach keine Chance.


Ich bin durchaus überzeugt, dass verpflichtender Kindergartenbesuch DIESEN Kindern helfen kann. Aber eben nur, wenn der Kindergarten deutlich MEHR ist als nur eine Aufbewahrungsstätte. Ich sehe die massiven Qualitätsunterschiede zwischen Kindergärten in Wien und NÖ - zwei benachbarten, österreichischen Bundesländern!

Und da ist ja auch ein gewaltiger Kostenunterschied. In NÖ sind Euro 400,- pro Monat für einen Halbtagesplatz (meistens ohne Mittagessen) durchaus üblich. In Wien ist Kindergarten kostenlos, es wird nur ein Essensbeitrag eingehoben, der sich nach dem echten Bedard (also ob das Kind halb- oder ganztags im Kindergarten ist) richtet und den man z.B. nicht zahlen muss, wenn man eine wochenweise (angekündigt) auf Urlaub ist. Akutell ist der Kostenbeitrag für das Essen (hochwertige Bio-Qualität) für ganztags ca. Euro 65,- pro Monat. Sozial schwache Familien bekommen da noch eine Ermäßigung.

Was ich damit sagen will: ein Gesetz zum verpflichtenden Kindergartenbesuch hilft nur dann, wenn der Kindergarten auch wirklich GUT ist, also einen guten Betreuungsschlüssel und gut ausgebildete, motiverte PädagogInnen hat. Außerdem muss er auch für sozial schwache Familie LEISTBAR sein. Euro 400,- monatlich für mittelmäßige Halbtags-Aufbewahrung des Kindes zu zahlen können sich sozial durchschnittlich gestellte Eltern durchaus leisten, wenn man von Mindestsicherung (oder in D Harz 4) lebt, schaut das schon ganz anders aus!

Dabei darf man nicht vergessen, das gerade sozial schwache Eltern sich kaum zu etwas aufraffen können, was ihnen keinen erkennbaren Vorteil bringt. Die Kinder tatsüber gut betreut und mit geregelten Mahlzeiten versorgt zu wissen ist durchaus ein Ansporn. Sie um 9h in eine Einrichtung zu bringen und um 12h wieder abzuholen und dafür auch noch einen Haufen Geld zu zahlen, nicht!

Wegen Sprachdefiziten gibt es grundsätzlich mehr Möglichkeiten (verpflichtende Deutsch-Klassen sind eine davon), aber da gleich im Kindergarten anzusetzen, empfinde ich am besten. Aber auch dafür müssen die Pädagoginnen erst mal geschult werden. Wenn ein, zwei Kinder mit schlechten Sprachkenntnissen in einer KIGA-Gruppe sind dann laufen die locker mit und lernen deutsch (bei normaler Intelligenz) schnell "nebenbei". In Gegenden mit hoher Migrationsrate sind aber oft von 25 Kindern einer Gruppe die Hälfte (oder mehr) nicht deutsch-muttersprachig. Da kann durchaus das passieren, was Koschka beschreibt: diese Kinder spielen einfach untereinander, und die (auf Grund des schlechten Betreuungssschlüssels) ohnehin überforderten PädagogInnen lassen sie gewähren. So lernen sie aber kein deutsch!

Wenn also nicht die passende Infrastruktur vorhanden ist, um diese Kinder WIRKLICH zu unterstützen, finde ich speziell ausgebildete, mobile DeutschlehrerInnen, die (ähnlich FrühförderInnen) regelmäßig kostenlos direkt zu den betroffenen Familien kommen, sinnvoller. Um die Familien, für die eine solche Möglichkeit sinnvoll ist, herauszufinden, müsste man aber eine verpflichtende Sprachtestung für Kinder einführen, z.B. mit 4 Jahren, an die z.B. der Weiterbezug der FBH gekoppelt ist.

In der Hinsicht gibt es sicher noch viel, viel mehr Möglichkeiten, je nachdem, wie viel Geld man bereit ist, dafür in die Hand zu nehmen (auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene).
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon sinus » Mi 14. Nov 2018, 09:41

Lou hat geschrieben:Mit Blick auf die noch vor uns liegenden Monate bis zur Einschulung frage ich mich nun:
Mit welchem Kenntnisstand sind eure Kinder eingeschult worden?
Welchen Kenntnisstand hatten die meisten anderen Kinder im Vergleich?
Ist das „Erkennen des eigenen Namens“ tatsächlich der Wissensstand vieler Kinder?

Viele Grüße,
Lou


Meine inzwischen hb getestete Tochter schrieb ca. mit 5 gelegentlich die Namen ihrer Kindergartenfreunde nach Gehör (SLINA, ELI für Selina und Elli), kannte aber bis zur Einschulung nur Großbuchstaben. Kurz bevor sie 6 wurde, wollte sie von mir, als wir grad unterwegs waren, wissen, wie lesen geht und hat es dann auch gleich begriffen - ihr erstes gelesenes Wort war BUS an der Haltestelle.
An dem Tag entzifferte sie noch einige andere in Großbuchstaben geschriebene Wörter, das längste war RAPUNZEL auf der Schokocreme.
Danach war das Thema erstmal nicht mehr interessant und richtig lesen lernte sie dann in der Schule, in die sie mit 6 Jahren 9 Monaten kam.
Rechnen: sie konnte bis knapp über 20 zählen und rechnen, mehr brauchte sie nicht und interessierte sie nicht.
Beim plus und minus rechnen verrechnete sie sich im Kigaalter noch oft um 1, dafür multiplizierte sie mit 4 Jahren. ("Wie viele Fischstäbchen brauchen wir, wenn 5 Leute je 3 essen wollen?"). Ich nehme an, sie zählte das in Gruppen innerlich ab. (Also 123-456- etc pp)
Das mit dem Multiplizieren fanden wir damals auffällig, alles andere eigentlich relativ normal.
Sie benutzte zum Rechnen aber nie die Finger, rechnete immer leise im Kopf.
Aufgaben gestellt bekommen wollte sie nie, da verweigerte sie immer mit den Worten: das kann ich nicht.
Ihren Namen konnte sie mit 3 schreiben, der ist aber sehr einfach (insgesamt 4 Buchstaben, aber nur 3 verschiedene)

Meine Kleine ist jetzt knapp 4einhalb und wird regulär 2020 eingeschult. Sie rechnet fast fehlerfrei plus und minus im 10er Raum. Sie lässt sich aber im Gegensatz zur großen Schwester auch gern Aufgaben stellen und hat drum etwas mehr Übung. Sie benutzt zum Rechnen die Finger.
Sie zählt sicher bis 15, mit etwas Hilfe auch bis fast 50 weiter. Also das Prinzip hat sie verstanden, aber sie vergisst ab 15 immermal einfach noch die eine oder andere Zahl. Wenn ich sie korrigiere, zählt sie dann aber richtig weiter.
Sie kennt fast alle Großbuchstaben und schreibt damit Fantasieworte. Kann aber noch nicht lesen. Allerdings sagte sie sie schon ab und zu, dass sie es gern lernen möchte und fragt auch beim Vorlesen manchmal gezielt nach Worten: "Wo genau steht das Mama?".
Ihren Namen - 6 Buchstaben - kann sie nur dann allein schreiben, wenn man ihr die einzelnen Buchstaben diktiert. Aber ich denke, diese Hilfe braucht sie nicht mehr allzu lange.

In unserem Umfeld konnten die meisten Kinder zur Einschulung im 10er Raum rechnen und ihren Namen sicher schreiben.
Ein Freund meiner Tochter, der insgesamt nicht hb ist, aber eine hohe Sprachbegabung hat (er ist im Rahmen einer anderen Sache getestet worden) schrieb seiner Mutter schon mit 6 - vor Einschulung - kleine Nachrichten, Briefe und Geschichten. (In Großbuchstaben.)

In der Klasse meiner Großen (22 Schüler damals) sagte die Lehrerin mal zu mir, dass offensichtlich zwei Kinder schon lesend eingeschult worden seien. Eine davon sei meine Tochter. Ich meinte daraufhin, dass sie es eigentlich noch nicht so wirklich konnte, maximal wusste, wie man einzelne Worte entziffert ... Da wunderte sich die Lehrerin und meinte, dann habe sie es aber sehr schnell gelernt.
Zuletzt geändert von sinus am Mi 14. Nov 2018, 10:47, insgesamt 13-mal geändert.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon sinus » Mi 14. Nov 2018, 10:06

Koschka hat geschrieben:Wichtig ist nicht der Stand der Dinge, wer was kann, sondern das Potenzial. Es gibt gut geförderte Kinder, die vor der Einschulung schon lesen können. Es gibt auch hochbegabte Kinder, die vor der Einchulung kein Interesse am Lesen hatten. Von denen gibt es wiederum welche, die rasant schnell lesen lernen, und welche, die kämpfen. Für Mathe gilt das gleiche. Ein normal begabtes gut trainiertes Kind kann besser rechnen als ein hochbegabtes.


Ja, das kann ich bestätigen. Meine Tochter hatte z.B. im mathematisch-schlussfolgernden Bereich einen Wert von größer PR 99 (entspricht etwa einem IQ-Wert von 140); aber pures Rechnen ist nicht so ihr Ding.
Mag sie nicht, macht sie nur, wenn sie muss und darum verrechnet sie sich dann auch oft mal, weil ihr schlicht die Übung fehlt. Das hat sie sogar schon selbst bemerkt, dass sie langsamer im Rechnen ist als so manch anderer in der Klasse. Mathe als Unterrichtsfach hasst sie regelrecht.
Sie liebt dafür aber Sach- und Knobelaufgaben und löst verzwickte Rätsel oft sehr viel schneller als ich.
Zuletzt geändert von sinus am Mi 14. Nov 2018, 10:49, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon sinus » Mi 14. Nov 2018, 10:17

Belana hat geschrieben:Wenn ich mir das Jammern befreundeter Eltern anhöre, dass ihre Kinder das Buchstabenzusammenziehen oder den Zehnerübergang noch immer nicht schaffen (für ersteres ist jetzt gerade wieder die Zeit, letzteres kommt dann im Frühling) dann bin ich wirklich froh, dass wir uns diese Probleme erspart haben.
Dafür verweigert meine Tochter leider die richtige Stifthaltung und schreibt nicht schön genug. Man kann eben nicht alles haben.
Sie ist jetzt in der 3. Klasse, liest lieber Sachbücher als Geschichten für ihre Altersstufe und langweilt sich beim Rechnen (hat aber auf fast jeder Seite mindestens einen Schlampigkeitsfehler) . Da wir bisher noch keine Noten hatten bin ich schon gespannt inwieweit ihr die Schrift Probleme bereiten wird und ob sie es schafft, ihr Wissen trotz Lärmbelästigung ("die sind so laut, da kann ich mich nicht konzentrieren....") bei den Tests auf Papier zu bringen.
Es kann also durchaus von Vorteil sein, wenn Kinder einen kognitiven Vorsprung mitbringen. Und an Langeweile leiden auch Kinder ohne Vorkenntnisse sehr bald, wenn sie neuen Stoff rasch kapieren. Da würde ich mir wirklich mehr Differenzierung wünschen.


Wir haben hier auch nicht Lesen und Rechnen geübt, vor allem aber deshalb, weil das Kind es verweigerte und dazu noch heftige Wutanfälle bekam, wenn es ihr nicht so gut gelang. Ich hab dann die Lehrerin gefragt, wie sie sich so macht, und ob sie z.B. das Lesenüben daheim für zwingend nötig hält. (Es gab an sich jede Woche einen Lesezettel mit heim, der abgearbeitet und von den Eltern danach abgehakt werden sollte.)
Da die Lehrerin meinte, sie mache sich gut und wäre sogar eine der Besten beim Lesen, hab ich es dann dem Kind überlassen und die Lesezettel immer einfach so abhakt, ohne es mir vorlesen zu lassen.
Sie kam trotzdem gut klar und es entspannte den Alltag ungemein, dass es keinen Zoff mehr darum gab.
Allerdings hatte sie dann halt wenig Vorleseerfahrung und bekam in Klasse 2 dann ab und zu beim Vorlesen nur eine 2, weil sie zu leise oder stockend vorlas.
(Still las sie aber sehr schnell und das Leseverständis war sehr gut)
In Mathe beim 1x1 auswendig Lernen klappte es dann später mit dem Abfragen dann auch wieder so gar nicht, weil das Kid so wütig wurde. Da hab ich sie dann kurzerhand an den Laptop gesetzt und nach einem Spiel/Programm dafür gesucht. Allerdings wurde sie da immernoch schnell wütend (ich habe sogar ein Video davon gemacht für sie später mal, wie sie dabei auf dem Sofa tobt und flucht und zetert), aber immerhin bekam ich das dann nicht unmittelbar ab.

Vorteil des sich Hilfe widersetzenden Kindes war und ist, dass ich mich schon ab Klasse 1 um nichts was Schule betrifft groß kümmern musste. HA, Ranzen packen - hat das Kind alles allein gemacht. Das war meine Bedingung, dass ich mich nur dann nicht mehr einmische, abfrage, überprüfe, wenn sie es allein hinbekommt.
Schriftbild ist hier aber auch immermal in der Kritik und sie hat auch eigensinnig so manche Zahl "falsch" geschrieben. (die 2 beim Schreiben unten angefangen, statt von oben nach unten z.B.)

Auf die weiterführende Schule bin ich schon gespannt - ich denke mal spätestens dann muss sie auch mal zu Hause noch was zusätzlich machen, was bisher ja nie der Fall war.
Ich werde dann wohl besser immer gleich gaaaaanz weit weg gehen.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon alibaba » Mo 19. Nov 2018, 11:13

Ich bin generell gegen die Zwangsverpflichtung zum Kigabesuch und auch gegen die Zwangsverpflichtung zur Ganztagsschule.

Ich wäre beim Kiga eher dafür, dass es für alle Kinder kostenlos wäre. So würde man nämlich auch die Leute greifen können, die die Kosten dafür lieber anderweitig ausgeben wollen. Und ich wäre für verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt.

Grundsätzlich wäre ich auch für ein einheitliches Vorschuljahr. Wenn ich hier sehe, wie unterschiedlich das Niveau der einzelnen Kindergärten ist, wird mir Angst und Bange. Da gibt es Konzepte die das Kind machen lassen. So darf man sich letzten Endes nicht wundern, wenn auch Defizite normaler Kigakinder recht groß sind. Ich sehe da nur klare Kann-Vorgaben als Lösung. Wir hatten Glück. Ein toller Kiga, der unterstützte wo es möglich war und auch die Kinder forderte. Also nicht nach dem Motto: "Wer will denn heute Gummistiefel anziehen?" sondern: "Wir ziehen Gummistiefel an!". Ich schrieb ja bereits, dass hier vom Kiga alle Kinder gut gerüstet in die Schule starteten.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Koschka » Mo 19. Nov 2018, 12:01

@alibaba

eigentlich ist es ganz egal, was Kinder bis zur Einschulung können. Hauptsache sie sind in ihrer Kindergartenzeit glücklich und zufrieden. Ein gesundes Kind hat genug Reize in der Umgebung um sich gut zu entwickeln. Auch wenn das Kind nicht in den Kindergarten geht, sondern in der Familie dem ganz normalen Alltag nachgeht, wird es sich gut entwickeln. Knder brauchen bis zum bestimmten Alter gar keine Kurse oder Institutionen.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon alibaba » Mo 19. Nov 2018, 12:24

Kinder erfahren durch erleben. Erleben muss man vorleben. Es reichen nicht nur Umweltreize, es bedarf dafür auch eines Elternhauses, welches für die Bedürfnisse des Kindes aufmerksam ist, die Reize aufnimmt und verstärkt. Das kann nicht jedes Elternhaus leisten, aus den verschiedensten Gründen.

Es kann und darf uns nicht egal sein, was ein Kind zur Einschulung kann. Hier in BW gibt es dafür aber bereits Vorgaben, die im jungen Alter von 4 Jahren überprüft werden. So verbleibt Zeit das anzugehen. Hauptaugenmerk ist dabei das sprachliche Vermögen des Kindes.

Nicht sehr verantwortungsvoll finde ich, dass jeder Kindergarten machen darf was er will. Mir persönlich reicht nicht nur glücklich und zufrieden. Ich erwarte, wenn ich mein Kind in den Kiga gebe, dass es gut auf Schule vorbereitet wird. Dabei meine ich nicht lesend oder rechnend. Wenn aber eine Lehrerin erst einem Kind erklären muss, wie man ausscheidet, finde ich das der Individualität des Guten zu viel.

Hier wurden alle Vorschulkinder in die Pflicht genommen. Dazu gehörten auch "Vorschulkurse" innerhalb der Kigazeit. Ein "Kurs" war das gemeinsame Zahlenland. Oder eben die Erwartung den eigenen Namen "drucken" zu können. Oder dass alle Vorschulkinder am jährlichen Theaterfest eine "Sprachrolle" übernehmen. Ja, dafür musste man einen kleinen Text auswendig lernen. Entsprechend "einfach" gelang hier allen der Start.
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Re: Wissensstand/Kompetenzen bei Einschulung

Beitragvon Koschka » Mo 19. Nov 2018, 12:51

@alibaba

... und was ist daran so schrecklich, wenn eine Lehrerin erklären muss wie man ausschneidet? Ich kenne eine Familie, wo Kinder bis zur Einschulung keine Schere bekamen. Der Grund: eines der Familienmitglieder hat Finger beim Schneiden verloren (natürlich nicht mit der Kinderschere). Die Kinder haben sich prächtig entwickelt, obwohl sie die Schere erst in der Schule das erste Mal in der Hand hatten.

Ich glaube du siehst alles viel zu kompliziert. Die fittesten Kinder habe ich in Burma auf den Straßen gesehen. Dabei meine ich Kreativität, Erfindungsgeist, Spaß am Leben. Das waren keine Straßenkinder, sie werden nicht vernachlässigt. Aber sie gehen ganz bestimmt zu keinen Terminen und belegen keine Kurse. In Taiwan dagegen wirken schon die Kleinkinder wie Roboter: voll umsorgt und gut gefördert haben sie zu funktionieren.

Was bringt der reine Wissensvorsprung, wenn alle Kinder in der Grundschule bei A wieder anfangen? Mein Kleiner ist ohne Kindergarten, ohne Kurse, Bücher und pädagogisch wertvollem Spielzeug aufgewachsen. Ich bin mit dem Ergebnis bis jetzt sehr zufrieden. Diese Erfahrung hat meine Ansichten auf die Pädagogik im Kindergartenalter grundlegend geändert.

... und die gut begabten finden erst recht ohne Hilfe was für ihren Geist. Ich lernte tief im schwarzen Afrika die Tochter eines deutschen Computergenies kennen. Sie ging bis sie 8 war gar nicht zu Schule und wurde auch nicht zuhause unterrichtet. Als ich das Kind kennenlernte war sie glaube ich 10. Sie beherrschte Deutsch, weil ihre Eltern deutsche waren. Französich weil sie 2 Jahre auf die Französische Schule ging.... und drei lokale Sprachen, weil sie dort einfach lebte.
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